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Autor: hera

Die geheime Königin

Die geheime Königin

Mitten in der Nacht wird Isabelle von ihrem Vater Antoine Bohier aus dem Bett gerissen. Er verspricht ihr eine weite Reise in ein anderes Land und damit ein Abenteuer, das ihr gefallen würde. Die Kleine will nicht fort, liegt doch hier ihre Mutter begraben. Aber es geht um Leben oder Tod.

Zwölf Jahre später, Isabelles Herkunft ist nicht mehr nachvollziehbar. Sie gilt nun als Witwe des Diplomaten Michel de Valmy. Aus der jungen Frau ist eine Spionin geworden, die ihren wahren Glauben verleugnen muss, aus der Protestantin ist zum Schein eine Katholikin geworden. Für die Favoritin des Königs hat sie sich unentbehrlich gemacht. Diane de Poitier, die Mätresse Heinrich des II, hat gefallen an ihr gefunden. Sie ahnt nicht, dass Isabelle auf Rache sinnt, denn Diane war es, die für die Vertreibung der Familie Bohier von Schloss Chenonceau gesorgt hat.
Dennoch ist es für Isabelle nicht leicht, die Pläne des Königs auszuspionieren, auch wenn sie sich im Schloss, aufgrund ihrer Vergangenheit wie keine andere auskennt.
Eines nachts trifft sie auf ihren Streifzügen in der Bibliothek, auf der Suche nach einem wichtigen Dokument, auf einen Fremden. In der Dunkelheit kann sie ihn nicht erkennen und auch ihm entgeht, dass er nicht die erwartete Frau vor sich hat. Das wird ihm erst später klar. Um die Situation zu retten, spielt Isabella das Spiel ein Stück weit mit und gibt sich für die andere aus. Später erfährt sie, dass es sich um den Comte de Montgommery handelt, der ausgerechnet ein treuer Ritter des Königs ist. Er kommt sehr schnell hinter das Geheimnis ihrer Herkunft und glaubt, dass sie möglicherweise eine Agentin der Reformationsbewegung ist. Eigentlich müsste er sie schon auf den Verdacht hin der Inquisition übergeben. Doch er hat sich in die junge Frau verliebt.

„Die geheime Königin“ ist ein spannender historischer Roman. Schwierige politische und gesellschaftliche Hintergründe werden hier sehr anschaulich dargestellt. Die Geschichte gewinnt dadurch. Im Vordergrund steht die Spionagetätigkeit Isabelles, die aber sehr naiv und blauäugig versucht, ihre Arbeit zu machen und dadurch auch bald entdeckt wird. Zu ihrem Glück vom Comte de Montgommery, der sich Hals über Kopf in sie verliebt und ihre wahre Identität nie preisgeben würde. Außerdem hütet er selbst ein Geheimnis.
Die bewegende Liebesgeschichte wird sehr romantisch bis hin ins Kitschige dargestellt und erweicht damit sicherlich die Herzen der Leserinnen. Diese hat die Autorin sicherlich auch eher als Leser als Zielgruppe im Sinn.
Das Buch liest sich gut. Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil. Längen gibt es fast keine, so dass man wunderbar unterhalten wird.

Rezension von Heike Rau

Michaela Jary
Die geheime Königin
459 Seiten, broschiert
Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3746622927
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Es war einmal ein Schiff

Es war einmal ein Schiff

Archäologische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse zusammengenommen lassen interessante Einblicke in die Vergangenheit zu. Mit ein bisschen Fantasie werden sie zu interessanten Geschichten. Von solchen Geschichten, dem Weg dahin und vielen Hintergrundinformationen erzählen die Autoren, Archäologen und Wissenschaftler, in diesem Buch.

Rekonstruiert wird beispielsweise der Tagesablauf einer Ertebøllerfamilie 4472 v. Chr. an der Ostseeküste bei Neustadt in Holstein.
Interessant ist auch die Geschichte um den Goldfund von Schwesing. Er wurde um 1940 bei der Anlage eines Militärflughafens gefunden, nachdem neun urgeschichtliche Grabhügel entdeckt worden. Datiert wurde der Goldring um 3000 v. Chr. Allerdings waren die steinzeitlichen Bauern jener Zeit nicht in der Lagen einen solchen Ring herzustellen, noch verfügten sie über das Material.
Eine bedeutende Entdeckung ist auch der Fund, der auf der dänischen Insel Alsen bei Hjortspring gemacht wurde. Obwohl schon viel eher entdeckt, wurde mit der Grabung im Moor erst 1921 begonnen. Im Buch kann man sich die Rekonstruktionszeichnung des prähistorischen, gut 2300 Jahre alten Paddelbootes genau ansehen, das als wichtigster Bestandteil des Fundes gilt.
Gezeigt wird auch ein Foto aus dem Nationalmuseum Kopenhagen. Bewundern kann man aber auch die Fotos eines Nachbaus.
Im Schifffahrtmuseum Bremerhafen kann man eine Bremer Kogge bestaunen. Diese Schiff konnte auf das Jahr 1380 datiert werden. Auch hier werden Bergung und Wiederaufbau beschrieben.
Das Cover des Buches schmückt das königliche Schiff „Vasa“, das man heute im Vasa-Museum in Stockholm besichtigen kann. Hier werden Neuigkeiten aus der Forschung präsentiert.
Interessant ist auch die Vitus-Bering-Expedition von 1991. Dänische und russische Forscher wandelten auf den Spuren von Vitus Bering. Rekonstruiert wird dessen letzte Forschungsreise.

Die Autoren des Buches zeigen, wie spannend Archäologie sein kann. Dementsprechend gut liest sich das Buch. Forschungsergebnisse, die sich auf den nordeuropäischen Raum beziehen, werden auf interessante Art und Weise präsentiert, die daraus gezogenen Schlüsse in Form von spannenden Geschichten erzählt. Dazu gibt es viele Fotos und auch Zeichnungen zur Ansicht.
Das Buch ist so geschrieben, dass auch Laien es gut lesen können. Vorwissen ist nicht nötig, Interesse genügt.
Die Artikel sind chronologisch angeordnet. Es ist, als würde man eine Zeitreise machen, die vor Tausenden von Jahren beginnt und zurück in unsere Zeit führt. Das ist ausgesprochen faszinierend. Als Leser wird man in die Lage versetzt, nachvollziehen zu können, wie Meeresarchäologen arbeiten, wie sie anhand von spektakulären, aber auch kleinen, zunächst unscheinbar wirkenden, Funden ihre Schlüsse ziehen, ihren Wissenstand stetig erweitern und so manches mysteriöse Geheimnis lösen.

Rezension von Heike Rau

Claus von Carnap-Bornheim / Christian Radtke (Hg.)
Es war einmal ein Schiff
Archäologische Expedition zum Meer
360 Seiten, gebunden, 100 Abbildungen und Karten
Marebuchverlag, Hamburg
ISBN: 978-3866480537
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Steinbachs Naturführer für die Familie

Steinbachs Naturführer für die Familie

Wenn man auf einer Wanderung oder einem Spaziergang mal genau hinsieht, gibt es viel zu entdecken. Kinder erleben die Natur mit Neugier. Aber nicht jedes Tier und jede Pflanze ist so bekannt, dass man sie sofort benennen kann. Der Naturführer hilft hier weiter. Er ist so konzipiert, dass alle Kinderfragen beantwortet werden können.

Zunächst werden im Buch aber erst einmal die Grundlagen der Tierbestimmung erklärt. Wie in einem Lexikon findet man Begriffe wie Insekten, Spinnen, Schnecken, Amphibien. Genauso geht es mit Grundsätzlichem zur Pflanzenbestimmung weiter. Erklärt wird, auf welche Merkmale man achten muss.

Im Buch werden interessante Aktionen vorgeschlagen. So findet man beispielsweise die Anleitung für den Bau eines Wildbienen-Nisthäuschens. Bei einem Spaziergang kann man Wildkräuter sammeln und Zuhause weiterverarbeiten. Man kann aber auch Interessantes über den Marienkäfer nachlesen. Expeditionen an einen Teich oder auch den eigenen Gartenteich sind spannend. Wer möchte kann sich nach der Anleitung aber auch ein eigenes Tümpelaquarium einrichten und Tiere, natürlich nur solche, die nicht unter Naturschutz stehen, ganz genau beobachten.
Für Kinder ist es wichtig, die Giftpflanzen ihrer Heimat zu kennen. Deswegen werden im Buch Pfaffenhütchen, Eibe und andere giftige Pflanzen vorgestellt. Eine besondere Anziehungskraft für Kinder hat auch der Herbst mit seinem bunten Blättern. Im Buch wird erklärt, warum die Blätter sich verfärben und dann abfallen. Dazu gibt es tolle Bastelvorschläge mit Herbstlaub.
Wer wissen will, was die Tiere im Winter machen, kann auch das in der entsprechenden Rubrik nachlesen.

Nach diesem Aktionsteil geht es mit dem Tier- und Pflanzenführer weiter. Anhand von kleinen Steckbriefen mit aussagekräftigen Fotos kann man die häufig vorkommenden Tiere und Pflanzen sicher bestimmen und viel Informationen nachlesen.

Das Buch ist äußert handlich und auch sehr praktisch. Man kann es mitnehmen und ist bestens gerüstet. Es werden viele Möglichkeiten für Familien vorgestellt, die Natur aktiv zu erleben. Die Fragen, die Kinder häufig stellen, werden alle beantwortet, egal ob sie wissen wollen, welche Tiere sich unter einem Stein verstecken, ob man das Alter eines Marienkäfers tatsächlich an seinen Punkten abzählen kann, was ein „Froschregen“ ist oder ob man tatsächlich an drei Hornissenstichen sterben kann.

Rezension von Heike Rau

Heiko Bellmann u.a.
Steinbachs Naturführer für die Familie
mit 11 Naturabenteuern
190 Seiten, broschiert, 413 Farbfotos, 102 Zeichnungen
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 978-3800153633
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Tod vor der Morgenmesse

Tod vor der Morgenmesse

Irland im Jahre 688. Die Äbtissin Faife und ihre Begleiterinnen vom Kloster Ard Fhearta finden auf dem Rückweg ihrer Pilgerreise zur Kapelle des Gründers ihrer Abtei einen Seemann am Strand. Kapitän Esumaro stammt von einem Handelsschiff, das unter Einwirkung von Piraten an den Klippen zerschellt ist. Er wird zu einer Schutzhütte gebracht und versorgt. Hier werden sie von einem Trupp Krieger überrascht. Es sind jene Strandräuber, die Esumaro niedergeschlagen haben. Der Kapitän, nun im Mönchsgewand, wird nicht erkannt. Die Äbtissin bezahlt die Begegnung allerdings mit ihrem Leben, während ihre Begleiterinnen und auch Esumaro verschleppt werden.

Abt Erc in der Abtei von Ard Fhearta macht im Bethaus eine erschreckende Entdeckung. Hinter dem Altar entdeckt er eine Leiche. Dem Ehrwürdigen Cináed, einem Gelehrten mit umstrittenen Ansichten, wurde offenbar der Schädel eingeschlagen. Das ist nun schon der zweite tragische Vorfall, nachdem die Leiche von Äbtissin Faife gefunden worden ist.
Zum Glück kehrt Conrí „König der Wölfe“ und Kriegsherr der Uí Fidgente gerade zurück. Mit ihm reisen Ordensschwester Fidelma, eine irische Nonne von königlichem Geblüt, und Anwältin bei Gericht und ihr Begleiter Bruder Eadulf.

Die Theorie, dass die Kapelle ausgeraubt werden sollte, wird von Fidelma widerlegt. Schnell kommt sie auch der Idendiät des Schiffbrüchigen auf die Spur. Dass zwischen den Toten eine freundschaftliche Beziehung geherrscht hat, bleibt ihr auch nicht verborgen. Eadulf glaubt, den entscheidenden Hinweis gefunden zu haben, als er zwei blutbefleckte Kutten im Waschhaus entdeckt. Allerdings sind Fidelma und Eadulf auf dem Holzweg. Die Kutten gehören dem Metzger und der heilkundigen Schwester, die sich um die Toten gekümmert hat.
Der Fall gestaltet sich also schwieriger, als zunächst vermutet. Doch Fidelma lässt nicht locker.

Schwester Fidelma ermittelt wieder mit gewohnter Hartnäckigkeit. Der Autor zeichnet sie als strenge Ermittlerin. Dem entsprechend interessant sind die Verhördialoge, manchmal leider auch etwas kompliziert, zum Beispiel wenn es um die politischen Anschauungen des Gelehrten Cináed geht. Hartnäckig und beharrlich verfolgt Fidelma die Aufklärung der Morde, lässt sich nicht von Anschuldigungen beeinflussen, sondern setzt nur auf Beweise. Eadulf dagegen verrennt sich gern. Dennoch bleibt er in diesem Krimi leider sehr im Hintergrund. Zwischen Fidelma und Eadulf herrscht ohnehin ein merkwürdig steifes Miteinander, dabei befinden sich die beiden, wie man nachlesen kann, zur Probe in einem zeitlich befristeten Ehebündnis.
Der Krimi selbst ist kompliziert, aber perfekt aufgebaut. Der Schreibstil des Autors macht die Zeitreise aber sehr realistisch. Was wirklich hinter den Morden steckt, offenbart der Autor geschickt Stück für Stück, so dass der Spannungsbogen des Buches perfekt ausgearbeitet wirkt und man bei der Lektüre des Buches gut unterhalten wird.

Über den Autor:
Peter Tremayne ist ein Pseudonym. Der anerkannte Historiker hat sich auf die versunkene Kultur der Kelten spezialisiert. 2002 wurde der Autor zum Ehrenmitglied der Irish Literary Society auf Lebenszeit ernannt.

Rezension von Heike Rau

Peter Tremayne
Tod vor der Morgenmesse
Historischer Kriminalroman
458 Seiten, broschiert
Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3746622989
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Die Nudel

Die Nudel

Die Nudeln haben möglicherweise ihren Anfang im heutigen Irak, in Syrien oder vielleicht in Afghanistan genommen. Aber das ist nur eine Hypothese, eine umstrittene dazu. Dass sie schnell ins Innere Asiens gelangten, steht aber fest. Vermutlich war die Nudel das erste verarbeitete Grundnahrungsmittel mit dem im großen Stiele Fernhandel betrieben wurde. Der Autor versucht den Weg der Nudel über die Welt zu verfolgen und ihrer Ausbreitung nachzugehen. Schon das kommt einem Abenteuer gleich. Der Autor verweist auf Erwiesenes und Vermutetes.

Jede Kultur hat ihre eigenen Nudelspezialitäten entwickelt. Es gibt unglaublich viele Sorten die in verschiedenen Variationen gegessen werden. Der Autor macht Station in Italien, China und anderen Ländern, schaut tief in die Töpfe und probiert was gegessen wird. Dabei wirft er auch einen Blick auf die Herstellungsarten der Nudel. Auch Deutschland gilt sein Interesse. Die Maultaschen sollen ja die Mönche von Maulbronn zu Zeiten Luthers erfunden haben. Vielleicht war aber auch alles ganz anders. Legenden gibt es genug. Die Beweislage ist schwierig. Möglicherweise sind die Maultaschen gar russische Pelmeni. Der Autor geht trotzdem der Frage nach, woher der Begriff kommt und wie genau sie zubereitet werden und wie man sie isst.

Die Herkunft von Rezepten zu erforschen, ist keine leichte Aufgabe. Die Vielfalt der Nudeltypen und Gerichte ist riesengroß. 320 Seiten braucht der Autor um die Geschichte der Nudel zu erzählen. Er tut dies auf eine sehr humorvolle und ausschweifende Art und Weise. Als Nudelliebhaber wird man damit sehr gut unterhalten. Vor der Lektüre des Buches sollte man sich aber einen Vorrat an Nudeln oder den Zutaten zum Nudelteig bereitstellen. Denn das schön gestaltete Buch hat eine nicht zu unterschätzende Nebenwirkung. Es macht großen Appetit.

Rezension von Heike Rau

Christoph Neidhart
Die Nudel
Eine Kulturgeschichte mit Biss
Gestaltet und illustriert von Günter Mattei
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, Wien
320 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3552060425
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Gran Sol

Gran Sol

Nach dem Abschied von den Familien geht es an Bord. Die Leinen werden losgemacht und die „Aril“ sticht in See, gerade als das Gewitter beginnt und es die ersten Tropfen regnet. Es verläuft alles normal, auch wenn das Meer aufgewühlt ist und die Brecher das Schiff erzittern lässt.
Gran Sol ist das Ziel der Fischer. Die lange Fahrt dorthin verbringen die Männer mit Routinearbeiten und Gesprächen. Paulino Castro schreibt in sein Logbuch „Keine weiteren Vorkommnisse,…“
Dann endlich kommt Bewegung in den eintönigen Alltag. Das Netz wird zu Wasser gelassen, die „Aril“ und ihr Schwesterschiff die „Uro“ beginnen zu schleppen. Der Ton unter den Männern wird härter. Die anstrengende Arbeit zermürbt, zumal der Fang gering ausfällt. Schleppgang um Schleppgang müssen die Männer bewältigen.
Die Bank von Gran Sol liegt noch siebzig Meilen entfernt. In den Nachrichten wird noch schlechteres Wetter vorhergesagt. Trotzdem geht die Arbeit weiter, weil Kapitän Orozco es so will. Eine Havarie lässt nicht lange auf sich warten. Das Netzt verhakt sich in der Schraube der „Uro“. Der Fang geht verloren. Für die „Uro“ besteht nur eine Chance, wenn es gelingt mit Hilfe der „Aril“ das Schiff trotzt Schlechtwetterfront in einen sicheren Hafen zu ziehen.

Ignacio Aldecoa nimmt seine Leser direkt mit an Bord eines Hochseekutters und lässt ihn teilhaben am Arbeitsalltag der dreizehn kantabrischen Fischer, die unterwegs zur Fischbank Gran Sol westlich von Irland sind. Ihre Gespräche, Rangeleien und derben Scherze untereinander kann man so hautnah miterleben. Es ist, als hätte man Anteil an ihren Sorgen, Nöten und Hoffnungen. Der Autor beschreibt ihr Leben an Bord akribisch genau, lässt verschiedene Stimmungen deutlich werden. Seine Schilderungen des unberechenbaren Meeres bei Wind und Wetter sind so gut, dass man dem nachspüren kann. Die Gefahr, der sich die Männer aussetzten, ist stets präsent.
Die Charaktere werden so lebendig beschrieben, dass man eine echte Chance hat, sie kennen zu lernen. Die Fischer, denen ihre Sterblichkeit praktisch angesichts des Unwetters jede Minute vor Augen geführt wird, sind die Helden des Buches. Sie werden vom Autor mit viel Einfühlungsvermögen beschrieben und genau beobachtet. Der Roman besticht durch seine deutliche Sprache, so dass sehr eindringliche Bilder bei der Lektüre des Romans entstehen.

Über den Autor:
Ignacio Aldecoa lebte von 1925-1968. Er studierte an der Universität von Madrid. Er gilt als einer der Wegbereiter der spanischen Literatur und ist einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Rezension von Heike Rau

Ignacio Aldecoa
Gran Sol
Übersetzt von Willi Zurbrüggen
300 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3866480575
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Das große Ravensburger Natur-Spielebuch

Das große Ravensburger Natur-Spielebuch

Man liest es immer wieder in der Presse. Unsere Kinder bewegen sich zu wenig, sitzen stattdessen vor dem Fernseher oder dem Computer. Vielleicht ist aber auch kein Spielplatz in der Nähe oder die Kinder haben einfach keine Idee, was sie draußen machen könnten. Diese Ausreden zählen nun nicht mehr. Der Autor erklärt Wiesen, Bäche, Wälder, Parks und sogar die Innenstädte zu Spielplätzen. Es gibt eine Menge Spiele, die man ohne großen Aufwand und mit den einfachsten Materialien spielen kann, aber auch solche, die gewisse Anforderungen an ein Team stellen.

Eltern und Erzieher finden in diesem Buch über 200 Spiele für ein bis zwei Kinder, aber auch für kleine und große Gruppen. Das Wetter spielt dabei fast keine Rolle und auch die örtlichen Gegebenheiten werden perfekt genutzt. Das Buch ist in die unterschiedlichen Spielorte gegliedert: „Spiele auf der Wiese und im Park“, „Spiele im Wald und im Gelände“, „Spiele in der Stadt und im Dorf“, „Spiele am und im Wasser“, Spiele mit Sand und Steinen“, „Spiele bei Regen oder Schnee“, „Spiele bei Dämmerung und in der Nacht“, „Spiele mit den vier Elementen“, „Spiele für alle Sinne“, „Spiele zum kreativen Gestalten“, „Spiele für größere Aktionen und Gruppen“, „Kooperative Spiele“.

Spiele auf der Wiese und im Park:
Hier werden Blatttabletts balanciert, Bäume bestimmt, auf selbst gebastelten Wippen balanciert, verstecken gespielt und Naturmaterialien erkundet. Es gibt ruhige Spiele und Spiele bei denen sich die Kinder austoben können. Die Natur spielt eine große Rolle.

Spiele bei Regen oder Schnee:
Hier werden auch die Stubenhocker vor die Tür gelockt. Die Ausrede, das schlechtes Wetter ist, zählt nicht. Je nach dem ob Regenwetter ist oder Schnee liegt, stehen beispielsweise folgende Spiel zur Auswahl: Pfützenweitsprung, Pfützenbüchsengolf, Tiefschneeball, Spurensuche oder Schneeballballern. Aus Schnee kann aber auch etwas gebaut werden, zum Beispiel eine Schnee-Bobbahn für Murmeln.

Auch in den anderen Kapiteln geht es darum, die Natur kennen zu lernen und dem Bewegungsdrang nachzugeben. Ganz nebenbei werden die Kinder gefördert, beispielsweise in der Teamfähigkeit. Gefördert werden die Sinne, und damit auch Konzentration, Merkfähigkeit, Geschicklichkeit, Gleichgewichtssinn, Körpergefühl und vieles mehr. Eltern und Erzieher können die Spiele gezielt auswählen, denn es gibt ein Register mit Angabe der Förderbereiche. Hier kann man auch sehr gut ablesen, wie lange ein Spiel dauert, für welche Altersgruppe es geeignet ist, wie viele Kinder mitspielen können und ob ein Spielleiter gebraucht wird.
Der Autor beschreibt ein Spiel nicht nur, er gibt auch hilfreiche Tipps zum Gelingen. Auf einen Blick sieht man auch sofort, ob Materialen und wenn ja, welche, gebraucht werden. Hier liegt der Schwerpunkt auf Naturmaterialien, wie man sie überall finden kann.
Die witzigen Illustrationen sind eine zusätzliche Anregung, sich an den Spielen zu versuchen. Man kann mit Hilfe des Buches auch Kinderfeste, Aktionstage und Spielenachmittage für die ganze Familie vorbereiten. Viele Spiele lassen sich perfekt zwischendurch bei einem Spaziergang spielen. Sie wecken die Abenteuerlust und vertreiben die Langeweile.

Rezension von Heike Rau

Uli Geißler
Das große Ravensburger Natur-Spielebuch
Über 200 Spiele für Kinder
Mit Illustrationen von Birgit Rieger
140 Seiten, gebunden
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 978-3473556236
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Stefan Markus: Erste-Hilfe-Handbuch

Stefan Markus: Erste-Hilfe-Handbuch

Der Gedanke irgendwann einmal Erste Hilfe leisten zu müssen, macht vielen Menschen Angst. Meist liegt es daran, dass der Erste-Hilfe-Kurs schon länger zurückliegt und man glaubt, zu viel vergessen zu haben, um noch angemessen Handeln zu können. Man hat Angst, dem Verletzen mit falscher Hilfe zu schaden.

Mit dem vorliegenden Buch kann man noch einmal alle Aspekte der Ersten Hilfe durchgehen. Der Leser erhält Hilfestellung für alle möglichen vorkommenden Unfälle in den Bereichen Straßenverkehr, Freizeit, Haushalt und Arbeitsplatz.

Zunächst werden die Grundlagen der Ersten Hilfe besprochen. Der Leser erfährt, welche Aufgaben dem Ersthelfer zukommen und welche Sofortmaßnahmen beim Warten auf den Rettungsdienst eingeleitet werden müssen. Danach geht es ins Detail. Hier werden mögliche Verletzungen durch Unfälle gezeigt und die entsprechende Behandlung vorgeschlagen, ob es sich um Herz-Kreislauf-Störungen, Wunden, Verletzungen des Bewegungsapparates, Verbrennungen, Vergiftungen oder psychiatrische Notfälle handelt. Gezeigt wird aber auch die Behandlung von häufiger auftretenden Erkrankungen oder Befindlichkeitsstörungen wie Fieber, Erbrechen und Durchfall, Halsschmerzen oder Schwindel.

Das Buch ist für jeden geeignet, der Erste Hilfe leisten möchte oder muss. Die Erklärungen, immer in Wort und Bild, sind sehr gut nachvollziehbar. Die Erläuterungen erfolgen zudem in Schritten. Wichtige Aspekte werden oft wiederholt, so dass man diese schon beim Lesen des Buches automatisch verinnerlicht. Sehr hilfreich sind auch die Zusammenfassungen. Hier muss man sozusagen entscheiden, welchem roten Faden man folgt und sieht so auf einen Blick, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Diese Zusammenfassungen kann man leicht auswendig lernen.
Gut gefallen hat, dass dem Helfer Mut gemacht wird zu handeln, dass dabei aber auch auf seine Ängste und Zweifel eingegangen wird.

Damit man überhaupt einschätzen kann, wie es dem Patienten geht, muss man natürlich wissen, wie der menschliche Körper aufgebaut ist und funktioniert. Deshalb gibt es auch eine Einführung in Anatomie und Physiologie. Damit ist man gut gerüstet für alle Eventualitäten.

Fazit: Diese Buch sollte in jedem Haushalt vorhanden sein. Ein Notfall tritt schneller ein, als gedacht und dann ist richtiges und umsichtiges Handeln gefragt.

Rezension von Heike Rau

Stefan Markus / Dr. Sybille Tönjes
Erste-Hilfe-Handbuch
Wissen – Ratschläge – Selbsthilfe
In Zusammenarbeit mit dem Malteser Hilfsdienst
Aus dem Englischen von Tobias Immenroth
288 Seiten, broschiert, über 400 Fotografien und 70 Illustrationen
Dorling Kindersley Verlag
ISBN: 978-3831010080
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Der weiße und der schwarze Bär

Der weiße und der schwarze Bär

Die Nacht ist schon ein wenig unheimlich, findet das kleine Mädchen. Wenn es mit offenen Augen im Bett liegt und ihr Zimmer betrachtet, fühlt es sich wie in einem Wald, man könnte sich verlaufen. Allein ist das Mädchen zum Glück nicht, denn im Wald, da gibt es Bären. Nachts sitzt ein weißer Bär am Bett des Mädchens, so ist es nicht ganz so stockdunkel. Der weiße Bär schimmert nämlich ein wenig im Dunklen. Wenn der weiße Bär nicht da ist, dann ist auch der Mond verschwunden. Dann sitzt der schwarze Bär am Bett. Sehen kann man ihn nicht, so unglaublich dunkel ist es, aber atmen kann man ihn hören.

Der Autor taucht ganz tief in die Fantasiewelt kleiner Kinder ein. Er bietet ihnen eine Sichtweise an, die es ermöglicht, die oft vorkommende nächtliche Angst in ihre Schranken zu weisen oder zu überspielen. Die Lichtverhältnisse sind nachts nicht immer gleich, so finden auch die Mondphasen Beachtung.
Das Buch ist sehr fantasievoll illustriert. Die Bären sehen schon ein wenig unheimlich aus, so groß, wie sie dargestellt sind. Aber wie man den Bildern entnehmen kann, fühlen sich Kinder wohl in ihrer Nähe. Die Bären nehmen der Nacht ihre Unheimlichkeit, auch wenn sie nur erfunden sind, wie jedes Kind weiß. Das Buch regt an, sich mit der nächtlichen Angst bewusst auseinander zu setzen, die Vorstellungskraft zu aktivieren und der Nacht ihre schönen Seiten abzugewinnen.

Über den Autor:
Jürg Schubiger wurde 1936 in Zürich geboren. Er arbeitete als Gärtner, Winzer, Holzfäller, Kartonagen-Zuschneider, Werbetexter und Verleger und hat dann Germanistik, Psychologie und Philosophie studiert und über Franz Kafka promoviert. Seit 1980 arbeitet er als Psychotherapeut. Als Autor schreibt für Kinder und Erwachsene und wurde vielfach ausgezeichnet, beispielsweise 1996 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und 1997 mit dem Silbernen Griffel für sein Kinderbuch „Als die Welt noch jung war“. Auch die Luchs-Jury hat seine Bücher zweimal prämiert. Für „Seltsame Abenteuer des Don Quijote“ und „Aller Anfang“ bekam der den Luchs.

Über die Illustratorin:
Eva Muggenthaler wurde 1971 in Fürth geboren. Sie studierte an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg Illustration und Grafik. Ihr erstes eigenes Bilderbuch „Der Schäfer Raul“ erschien 1997 im Peter Hammer Verlag und wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Eva Muggenthaler lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Nordfriesland.

Rezension von Heike Rau

Jürg Schubiger / Eva Muggenthaler
Der weiße und der schwarze Bär
32 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
Peter Hammer Verlag
ISBN: 978-3-7795-0078-0
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Roula Rouge

Roula Rouge

Weil Frau und Job weg sind und es mit der Gesundheit auch nicht zum Besten steht, geht Jonathan Schotter nach Berlin. Hier bezieht er nach einiger Zeit in einer Pension eine schicke Wohnung. Seine Zeit verbringt er wie ein Stadtstreicher, nur mit dem Unterschied, dass er Geld wie Heu hat. Während einer Zugfahrt in den Osten der Stadt nimmt er einen Rucksack an sich, den eine junge Frau liegen gelassen hat. Zunächst beabsichtigt er, den Rucksack im Fundbüro abzugeben, entscheidet sich dann aber dagegen.

Der Inhalt des Rucksacks lässt keine Rückschlüsse auf die Identität seiner Besitzerin zu. Aber es befindet sich ein Laptop darin, der wohl Auskunft geben wird, so Jonathans Hoffnung. Die Eigentümerin nennt sich Roula Rouge. Das ist wohl ein Pseudonym. Das iBook selbst ist passwortgeschützt. Doch Jonathan findet im Rücksack einen Hinweis und so kommt er an die gespeicherten Daten. Alles will er über Roula Rouge wissen, er beginnt sie systematisch auszuspionieren. Als er ins Internet geht, erhält er eine Nachricht von Roula Rouge. Sie beschimpft den Dieb ihres Laptops und droht ihm. Das bremst Jonathan keineswegs. Er macht weiter, liest Briefe, Emails, Tagebucheinträge und sieht Fotos und Filme an. Er findet kein Ende und arrangiert sogar ein zufällig aussehendes Treffen mit der jungen Frau, in die er sich verliebt hat.

Das Buch ist eine echte Überraschung. Der Ich-Erzähler ist zwar von Anfang an eine interessante Persönlichkeit, doch was er im Verlauf der Geschichte erzählt, hätte man ihm einfach nicht zugetraut. Der Rücksack mit dem Laptop ist der Anlass, dass Jonathan sein eben in Berlin neu begonnenes Leben wieder völlig umkrempelt. Der eben noch durch und durch seriöse Mann raucht plötzlich wieder, achtet nicht mehr so sehr auf seine Ernährung, trägt Jeans statt Anzug und lässt sich als Krönung des Ganzen tätowieren. Er, der eigentlich Arbeit suchen sollte, verwandelt sich in einen Privatdetektiv und schnüffelt ungeniert einer anderen Person hinterher. Schuld daran ist die Liebe zu einer zunächst fremden Person.
Der Autor schildert diese sagenhafte Wandlung glaubwürdig. Mit Staunen folgt man dem Fortgang der Geschichte. Was immer Jonathan auch über Roula Rouge herausfindet, die einseitige Liebe hält.

Eine interessante Wendung nimmt das Buch, als Jonathan beschließt, Kontakt zu Roula Rouge aufzunehmen, die sich ja rächen will an dem Dieb ihres Laptops. Blauäugig vertraut Jonathan darauf, dass er sie nicht erkennt. Selbst als er Fehler macht, hofft er auf einen guten Ausgang der Geschichte.
Das Hinterherschnüffeln lässt Jonathan nicht sein. Die Geschichte nimmt noch einmal an Dramatik zu, als er etwas in Roula Rouges Vergangenheit ausgräbt. Seine Einmischung kennt keine Grenzen. Kein Wunder, dass die Lage sich ungemein zuspitzt. Man hört den Knall schon förmlich. Der Autor spielt mit den Erwartungen des Lesers und überrascht ihn am Ende dann doch noch einmal.
Nicht nur inhaltlich begeistert das Buch. Auch der Schreibstil des Autors gefällt ausgesprochen gut.

Über den Autor:
Mathias Nolte wurde 1952 in Reinbek bei Hamburg geboren. Er absolvierte eine Lehre als Buchhändler, arbeitete dann als Journalist. Heute lebt er als freier Autor in Berlin und München.

Rezension von Heike Rau

Mathias Nolte
Roula Rouge
365 Seiten, gebunden
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag Wien
ISBN: 978-3552060531
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