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Autor: hera

Das Ravensburger Werkbuch Papier

Das Ravensburger Werkbuch Papier

Mit Papier kann man wunderbar basteln. So lassen sich aus einem einfachen Papierstreifen durch gezielte Einschnitte und geschicktes Rollen, Wellen oder Knicken Schlangen, Schnecken oder auch ein Tausendfüßer herstellen. Das kann jedes Kind mit etwas Fantasie oder mit Hilfe der Anleitungen im Buch.
Auch klassische Bastelideen, wie etwa der Fröbelstern oder die Papierschiffchen findet man. Es gibt aber noch viel mehr zu entdecken. Leicht nachzumachen sind die Papiergirlanden, die Windräder oder die Faltflieger. Wer etwas mehr Zeit für dieses schöne Hobby hat, kann sich an einem Kugelturm, Handpuppen, oder Papierblumen versuchen. Und wer dem Papierbasteln verfallen ist, kann sich im Konstruieren von Pfahlbauten oder dem Bau eines Puppenhauses mit einer Mäusefamilie als Bewohner austoben. Es wird gefaltet, geklebt, geflochten, geformt, geschnitten, gerissen, gefärbt und gestaltet mit Materialien wie Buntpapier, Krepppapier, Milchtüten, Schachteln und Kartons, Seidenpapier, Wellpappe, Zeitungspapier und vielem mehr.

Das Buch kann Zuhause, im Kindergarten und der Schule zur Hand genommen werden. Jede Bastelanleitung ist in Schritte unterteilt. Dazu gibt es viele Bilder und Zeichnungen. Man hat keine Mühe, diesen Anweisungen zu folgen. Aber bei schwierigen Bastelarbeiten sollte man schon über etwas Geschick verfügen. Die Bastelideen gefallen gut. Es ist für jede Altersgruppe etwas dabei. Und auch für die Jahreszeiten oder Feiertage geeignete Basteleien fehlen nicht. So kann man mit Hilfe der Anleitungen Weihnachts- oder Osterschmuck basteln. Man findet Dekoratives oder Bastelarbeiten mit denen Kinder sehr kreativ spielen können. Viele Bastelideen eignen sich auch sehr gut für Kindergruppen, wie zum Beispiel der Windradbaum. Einige Basteleien fallen aber auch durch ihre Originalität auf, wie etwas die Ballon-Kopfmasken. Viele der gebastelten Dinge eigenen sich auch als Geschenk, so etwa die Steckrosen-Töpfchen.
Die Fotos laden zum Mitmachen und Ausprobieren ein. Auf Perfektion wird keinen Wert gelegt. Die Bastelarbeiten bestechen durch ihre Einzigartigkeit. Man sieht ihnen an, dass sie mit viel Freude und Enthusiasmus selbstgebastelt worden sind.
Mit im Buch kann man auch Geschichtliches über das Papier nachlesen und damit sein Allgemeinwissen aufbessern. Hilfreich sind auch die Kurzinformationen hinten im Buch zu den verschiedenen Papierarten, Arbeitsmaterialien und Werkzeugen.

Fazit: Ein tolles Buch mit kreativen Bastelideen rund ums Papier.

Rezension von Heike Rau

Ute & Tilman Michalski
Das Ravensburger Werkbuch Papier
Schneiden, Falten, Gestalten
140 Seiten, gebunden
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 978-3-473-55629-8
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Johannistag

Johannistag

Courtillon ist ein kleines, abgeschiedenes Dorf in der französischen Provinz. Hierher flüchtet der Ich-Erzähler. Er will um seine verloren Liebe trauern und sich einlullen lassen vom beschaulichen Dorfleben.
Die Idylle trügt allerdings. Die Gefühle kochen hoch, als Valentine Charbonnier in einer Vollmondnacht aus dem Fenster fällt. Jean meint, er sei schuld, auch wenn keiner weiß, wie er darauf kommt. Zum Glück hat sie sich nicht ernsthaft verletzt. Auf alle Fälle hat die Dorfgemeinschaft nun wieder etwas zum Tratschen. Vielleicht ist das Mädchen ja nur geschlafwandelt. Leise denkt man darüber nach, ob sie möglicherweise gestoßen worden ist oder gar selbst gesprungen.

Es kehrt schon fast wieder Ruhe ein, als Jean zusammengeschlagen wird. Geprügelt taucht er beim Erzähler auf und berichtet von den zwei jungen Männern mit Motorradhelmen, die beim Pilzesammeln auf ihn losgegangen sind. Die Sache muss geplant gewesen sein, aber über die Gründe kann man allerdings nur spekulieren. Also ist es besser, meint Jean, einen Unfall vorzutäuschen.
Aber wie das so ist, Lügen haben kurze Beine.

Dann wird der Erzähler von einem alten Mann gewarnt. Sehr eindringlich, aber wovor er warnt, bleibt unverständlich. Dem Erzähler kommt es vor, als bekomme er ein Theaterstück geboten.
Valentine taucht ab sofort nur noch in Begleitung zweier junger Kerle auf. Der Erzähler hat natürlich sofort einen Verdacht. Er erzählt Jean von Valentines verdächtigen Freunden. Jean interessiert sich nicht dafür, er hat etwas viel Spannenderes zu erzählen. Eine Geschichte aus dem Krieg. Damals war der General, also der alte Mann, der die Warnung ausgesprochen hat gerade mal achtzehn. Die Dorfgemeinschaft hat damals ein Attentat auf einen Zug verhindert. Die Deutschen wurden von jemanden aus dem Dorf informiert. Dass die Sache Hintergründe hatte und nur ein Ablenkungsmanöver war, konnte man nicht wissen. Der Kurier mit dem Geld wurde erschossen.

Jean hat nun etwas Licht in die dunkle Sache gebracht. Mit einem Metalldetektor hat er eine Gürtelschnalle ausfindig gemacht. Nun weiß er, wo das Grab des Kuriers ist. Er kann jetzt beweisen, dass des Bürgermeisters Vater, der Mörder gewesen ist. Auch wenn die Sache fünfzig Jahre her ist, kann man den Bürgermeister noch damit erpressen.

Der Autor hat hier eine sehr interessante Geschichte vorgelegt. Der Erzähler gerät in eine Sache hinein, von der er nie zu Träumen gewagt hätte. Er, der nur nach Ruhe und Abgeschiedenheit gesucht hat, wird zum Spielball einer Intrige, welche die Dorfgemeinschaft mit Hingabe spinnt. In einem arrangierten Theaterstück übernimmt der Erzähler die Aufgabe eines Detektivs und wird bei seiner Suche nach der Wahrheit schamlos manipuliert. Die Dorfbewohner sind im Vertuschen sehr geschickt. Sie füttern ihn mit leckeren Häppchen, um vom Wesentlichen abzulenken. Es ist dementsprechend spannend, den Fortgang der Geschichte zu verfolgen.

Das Dorf, als Kulisse, wird sehr bildhaft beschrieben. Es ist ein Ort, der mehr Geschichten als Häuser hat. Die Einwohner kompensieren ihre Langeweile mit Neugier, die um jeden Preis befriedigt werden muss. Da wird zur Wirklichkeit gemacht, was einmal Lügen waren. Und dies beschreibt der Autor so fließend, dass die Grenze zwischen Wahrheit und Erfindung tatsächlich immer mehr verschwimmt. Man kann sich dem auch als Leser nicht entziehen.

Der Schreibstil des Autors ist als äußerst gekonnt zu bezeichnen. Seine bildhaften Beschreibungen sind von einer unglaublich tiefen Direktheit geprägt, obwohl es nur Wortspiele im weitesten Sinne sind. Man staunt über die geschickte Wortwahl. Auch die Beschreibung der Charaktere, in ihrer kleinkarierten Dramatik ist brillant. Aber der Autor beschreibt sie nicht nur, er „durchschaut“ sie. Selbst der Erzähler hat ein Geheimnis, das dem Leser nur langsam offenbart wird.
Unbedingt lesen!

Über den Autor:
Charles Lewinsky wurde 1946 geboren. Er lebt in Frankreich und Zürich, arbeitet als Dramaturg, Regisseur und Redakteur, schreibt Romane, Theaterstücke und Fernsehsendungen. Für das Buch „Johannisttag“ erhielt er den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung 2004.

Rezension von Heike Rau

Charles Lewinsky
Johannistag
316 Seiten, gebunden
Nagel & Kimche
ISBN: 978-3-312-00388-4
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Mama und Papa sind weg!

Mama und Papa sind weg!

Clara ist begeistert vom Jahrmarkt. So einen Rummel hat sie noch nicht erlebt. Sie staunt über das große Riesenrad, die Geisterbahnen und Losbuden, die laute Musik. Als Clara ihrem Papa die Achterbahn zeigen will, ist er verschwunden. Auch die Mutter ist weg. Überall sind so viele Menschen, aber ihre Eltern kann das Mädchen nicht entdecken.

Clara weint. Da beugt sich auch schon ein Mann zu ihr herunter und bietet Hilfe an. Da erinnert sich Clara, was ihre Mutter mal zu ihr gesagt hat. Wenn Clara Hilfe braucht, soll sie sich an eine Frau mit Kindern wenden. So läuft Clara zu einer Frau mit einem Jungen hinüber und erzählt, was passiert ist. Auch Frau Schmielke hat ihre Eltern verloren. Aber Ralf-Dieter sagt, er kann Kinder zu ihren Eltern zurückzaubern.

Das kann natürlich jedem Kind passieren, dass es im Getümmel seine Eltern verliert, egal ob auf dem Jahrmarkt oder auch in einem Einkaufszentrum. Kinder sollten darauf vorbereitet sein und genau das tut dieses Buch auf eine sehr fantasievolle Art und Weise und zwar ohne irgendwelche Schuldzuweisungen, sondern mit viel Einfühlungsvermögen. Dabei wird Claras Angst sehr Ernst genommen.
Das Buch kann also für dringend nötige Absprachen zwischen Eltern und Kind für den Fall der Fälle herangezogen werden. Im Buch werden einfache praktische Tipps dazu vermittelt, die das Wiederfinden erleichtern.
Es macht viel Spaß, die kleine lehrreiche Geschichte vorzulesen. Sie ist sehr schön und farbenfroh bebildert und geht natürlich gut aus.

Über den Autor:
Andreas Dierßen wurde 1962 geboren. Nach dem Besuch der Fachhochschule für Rechtspflege und Verwatung studierte er Illustration in Hamburg. Er veröffentlichte zahlreiche Comicalben und Kinderbücher.

Über den Illustrator:
Jürgen Rieckhoff wurde 1953 geboren. Er studierte Illustration und Kommunikationsdesign in Hamburg und ist seit 1984 freiberuflich als Cartoonist und Illustrator tätig und seit 1995 Professor für Zeichnen and der Hochschule Anhalt in Dessau.

Rezension von Heike Rau

Andreas Dierßen / Jürgen Rieckhoff
Mama und Papa sind weg!
32 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
ab 4 Jahren
Lappan Verlag, Oldenburg
ISBN: 978-3-8303-1116-4
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Das kleine Buch vom guten Leben

Das kleine Buch vom guten Leben

Glücklich zu sein, wünscht sich jeder Mensch. Unser Alltag ist aber meist von Stress, Hektik und Überforderung geprägt. Es gelingt nicht mehr zur Ruhe zu kommen. „Das kleine Buch vom guten Leben“ springt hier ein. Anselm Grün vermittelt, was wirklich wichtig ist im Leben. In kurzen Abschnitten gib er Denkanstöße und Tipps für ein gutes Leben. Dabei beschäftigt er sich mit vielen Themen des Alltags und vermittelt eine bessere Sichtweise auf das Leben. Zwischenmenschliches und sehr Persönliches finden hier natürlich besondere Beachtung. Er untermauert seine Ansichten mit Geschichten, Zitaten und Sprichwörtern.

„Das kleine Buch vom gutem Leben“ wird vorgetragen von Nadja Schulz-Berlinghoff und Markus Hoffmann. Beide Sprecher haben eine angenehme, ruhige Stimme, die ins Bewusstsein dringt.
Sehr gut gefallen hat auch die stimmungsvolle und sehr entspannend wirkende Musik von Michael Proksch. Flöte und Klavier sind hier die dominierenden Musikinstrumente. Die Musikstücke ermöglichen es, sich zurückzulehnen und den Text wirken zu lassen, eigene Gedanken zum Thema zu entwickeln. Das Hörbuch ist ja in erster Linie als Denkanstoß zu sehen. Und tatsächlich ist es sehr hilfreich. Anselm Grün bringt auf den Punkt, was glücklich und zufrieden macht im Leben.

Rezension von Heike Rau

Anselm Grün
Das kleine Buch vom guten Leben
Eine Auswahl mit Musik von Michael Proksch
Sprecher: Nadja Schulz-Berlinghoff & Markus Hoffmann
1 CD, ca. 75 Minuten
Herder & steinbach sprechende Bücher
ISBN: 978-3-88698-894-5
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Die beste Katze der Welt

Die beste Katze der Welt

Viktor liebt seine Katze über alles. Für ihn ist sie die beste Katze der Welt. Da macht es nichts, dass sie schon alt ist und oft zum Spielen zu müde. Eines Tages mag Charlie nicht mehr fressen. Die Tierärztin Doktor Levin kann nicht helfen. Sie kann Charlie nicht wieder jung machen. Die Katze stirbt ein paar Tage später.

Viktor ist ganz krank vor Traurigkeit, so vermisst er seinen Freund. Nichts kann ihn trösten. Die Mutter, die sein Lieblingsessen kocht nicht, die Tierärztin nicht und auch die Kinder in der Schule nicht. Viktor möchte auch keine neue Katze haben. Er will Charlie nicht vergessen.

Doch dann ruft die Tierärztin an. Sie sucht für ein neugeborenes Kätzchen ein Zuhause. Viktor zögert, doch er erklärt sich bereit, sich das Tier einmal anzusehen. Er mag das Kätzchen sofort. Es ist ganz anders als Charlie. So möchte es zum Beispiel im Gegensatz zu Charlie nicht beim Fressen gestreichelt werden. Auch schläft es lieber auf dem Fensterbrett, als auf einem Kissen direkt neben Viktor. Es hat einen völlig eigenen Charakter. Aber das macht nichts. Die beiden werden trotzdem Freunde.

Die Geschichte ist anfangs sehr traurig. Viktor kann den Verlust seines geliebten Haustieres kaum verschmerzen. Es wird gezeigt, wie Charlie trauert und schließlich den Schmerz überwindet und den Tod der Katze beginnt zu verarbeiten. Dies geschieht auf eine sehr feinfühlige, einfühlsame und behutsame Art und Weise. Und auch wenn Viktor schließlich ein neues Kätzchen bekommt. Charlie wird er nie vergessen.
Das Buch ist damit sicher sehr tröstlich für Kinder, die ebenfalls den Verlust eines Haustieres fürchten oder zu beklagen haben. Die Geschichte hilft, die Gefühle zu verarbeiten und schließlich wieder nach vorn zu sehen.
Sehr gut gefallen auch die mit Wasserfarben gezeichneten Illustrationen, die die verschiedenen Stimmungen sehr deutlich und nachvollziehbar machen, so spielen sich Viktors Gefühle sehr gut in seinem Gesichtsausdruck wider.

Über die Autorin:
Lesléa Newmann lebt in Northampton, Massachusetts. Sie hat in den USA schon mehrere Katzengeschichten für Kinder veröffentlicht.

Über den Illustrator:
Ronald Himler lebt in Tucson, Arizona. Er hat schon mehr als 75 Bilderbücher illustriert.

Rezension von Heike Rau

Lesléa Newmann / Ronald Himler
Die beste Katze der Welt
32 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
ab 4 Jahren
Lappan Verlag, Oldenburg
ISBN: 978-3-8303-1119-5
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Auf der anderen Seite des Flusses

Auf der anderen Seite des Flusses

Von dem Tag an, als sein Bruder Jake geboren wird, kommt dem 5-jährigen Arthur die Rolle des Beschützers zu. Er tut es seiner Mutter zuliebe, die von Anfang an Angst um den kleinen Jake hat. Als die Geschwister heranwachsen stellt sich immer mehr heraus, wie unterschiedlich sie sind. Arthur schlägt seinem Vater nach, einem hart arbeitenden Farmarbeiter, während Jake seiner Mutter ähnelt und sich nicht für die Farm interessiert. Jake kann es nicht lassen, seinen Bruder immer wieder zu provozieren. Oft bringt er ihn in Schwierigkeiten. Mit Mädchen hat Jake im Gegensatz zu Arthur jedoch keine Probleme.

Nach einem Unfall von Jake, verursacht durch seine Leichtsinnigkeit, steht die Familie durch die Kosten für Operationen und Krankenhaus mit Schulden da. Die Farm steht auf dem Spiel. Arthur plagen zudem Schuldgefühle. Er glaubt, er hätte seinen Bruder helfen können, es aber unterlassen.

Als der Krieg beginnt, sieht Arthur ihn als Ausweg aus allem. Er will Soldat werden und nie wieder die verhasste Schule besuchen. Doch auf Grund seiner Plattfüße wird er abgelehnt. Dennoch steht bald die Farmarbeit wieder an erster Stelle. Es gibt so viel zu tun, dass Arthur nicht mehr zu Schule gehen muss, auch wenn seine Mutter das gerne gesehen hätte.

Als der Vater bei einem Unfall mit dem Traktor stirbt, muss Arthur die Farm allein übernehmen, da Jake kein Interesse daran hat. Zwei Kriegsgefangene, noch halbe Kinder, müssen mit ihm arbeiten.
1944 kommt Reverend March mit seiner Tochter Laura nach Struan. Arthur verliebt sich in sie und sieht erstmals etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Doch als Jake es herausbekommt, versucht er Laura zu erobern, obwohl sie gar nicht sein Typ ist. Die Situation wird komplizierter.

„Auf der anderen Seite des Flusses“ erzählt vom Schicksal zweier Brüder, die unterschiedlicher nicht sein können. So brodelt immer zwischen den Zeilen ein Konflikt, der schicksalhaft enden wird, das ahnt man von Anfang an. Und das ist es auch, was das Buch so spannend macht.
Der Leser blickt aus zwei Perspektiven auf die Geschichte. Eine beginnt im Jahre 1925, die andere 1957. Der Leser erfährt also schon vorab, wie sich die Zukunft gestalten wird, wer von den Brüdern Laura letztendlich heiraten wird, kennt aber zunächst die Zusammenhänge noch nicht. Der so konstruierte Aufbau des Buches erhöht die Dramatik. Man ist gefesselt von dieser Geschichte, kann sich ihr nicht entziehen.
Das Buch liest sich ganz wunderbar. Es ist außerordentlich flüssig geschrieben. Es hat, was Gefühle betrifft, sehr viel Tiefgang und wirkt dadurch sehr berührend. Und auch die Charaktere werden sehr facettenreich beschrieben, so dass man Zugang zu ihnen hat.
„Auf der anderen Seite des Flusses“ ist ein rundherum gelungener, ausgesprochen lesenswerter Roman.

Rezension von Heike Rau

Über die Autorin:
Mary Lawson ist in Ontario aufgewachsen und lebt seit 1968 in Surrey, England, reist aber mindestens einmal im Jahr in ihre Heimat Kanada. Mary Lawson ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Mary Lawson
Auf der anderen Seite des Flusses
400 Seiten, gebunden
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN-10: 3-453-26533-5
ISBN-13: 978-3-453-26533-2
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Im Land der Feenträume

Im Land der Feenträume

Evi ist neun Jahre alt, als ihre Großmutter nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus muss. Zum Glück sind Ferien. So ziehen Evi und ihre Mutter in Großmutters Haus, um sie jeden Tag besuchen zu können.
Es ist kaum zu glauben, gerade ein Tag ist seit Evis letztem Besuch bei der Großmutter vergangen. Da hat sie noch über die Feen gesprochen und Evi gesagt, sie solle das alte Puppenhaus bei ihrem nächsten Besuch für die Feen mitbringen. Das Mädchen bringt das Haus mit, wie abgesprochen.
Evis Mutter schläft im Gästezimmer, während Evi im alten Messingbett ihrer Oma schläft.

Bald geschehen ein paar merkwürdige Dinge, die Evi nicht erklären kann. Sie bringt sie mit den Feen in Verbindung, obwohl sie noch keine gesehen hat.
Doch weil das Messingbett nicht einfach ein nur ein Bett ist, sondern Magie ihm innewohnt und weil Evi nicht nur über Menschenverstand, sondern auch über Feenverstand verfügt, entdeckt sie nachts tatsächlich zwei Feen: Stern und Mondstrahl. Die beiden erzählen ihr von der Feenkönigin Himmelblau, die über alle Traumfeen regiert.

Beim Besuch im Krankenhaus erzählt Evi ihrer Großmutter von den Feen, obwohl sie weiß, dass sie wohl nichts hören kann. Es geht ihr viel zu schlecht. Evi findet es schade, dass die Feen nicht helfen können, einen Menschen zu heilen. Aber weil die Großmutter an Feen glaubt, wollen Stern und Mondstrahl sie mit ins Feenland nehmen. Ganz einfach ist das allerdings nicht. Erst muss Königin Himmelblau gefragt werden.

Eine Geschichte über den Tod zu schreiben, ist nicht einfach. Doch die Autorin geht dieses Thema mit sehr viel Feingefühl an. Sie nutzt die Fantasie der Kinder, um zu trösten. Das Buch ist dennoch traurig, aber es gibt auch ein Stück weit Hoffnung. Es hilft Trauerarbeit zu leisten und das sehr kindgerecht und mit ungewöhnlichen Einfällen. Die Geschichte ist sehr gut gelungen. Sie wirkt bei aller Tragik doch sehr märchenhaft, poetisch und damit ausgesprochen beruhigend.

Rezension von Heike Rau

Gwyneth Rees
Im Land der Feenträume
Aus dem Englischen von Stefanie Mierswa
Mit Illustrationen von Sigrid Gregor
170 Seiten, gebunden
arsEdition, München
ISBN-10: 3-7607-1515-X
ISBN-13: 978-3-7607-1515-5
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Die neue Vitaminbibel

Die neue Vitaminbibel

Durch eine optimale Nährstoffversorgung kann man Krankheiten vorbeugen, Beschwerden lindern, dem Alterungsprozess entgegenwirken und sich attraktiver und wohler fühlen. Die Vitamin-Bibel gilt dabei als Leidfaden für gesunde Ernährung. Der Autor hat die neuesten Erkenntnisse über Vitamine, Mineralstoffe, Proteine, Aminosäuren, Fette, Kohlenhydrate, Enzyme und Antioxidantien in der Nahrung und in Nahrungsergänzungsmitteln zusammengefasst.

Mit Hilfe des Buches kann man die Vitamine, die angebotenen Vitaminpräparate und die Mineralstoffe sehr genau kennen lernen. Es geht aber auch um Eiweiße und die Aminosäuren, um Fette, Kohlenhydrate und Enzyme, um Antioxidantien, um Natur- und, Volksheilmittel, homöopathische und ätherische Mittel. Die 606 Seiten sind vollgepackt mit allen Aspekten, die die Ernährung betreffen. So erfährt man zum Beispiel alles über Zuckerarten und andere Süßungsmittel, erhält Diätempfehlungen, erfährt woher Heißhunger kommen kann oder auch die Wahrheit über sogenannte Wundermittel. Auch welche Wechselwirkung bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten oder auch Naturheilmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln zu befürchten sind, wird aufgelistet.

Der Leser wird in die Lage versetzt, zu analysieren, welche Nährstoffe er braucht. Dabei finden immer die persönlichen Lebensumstände Beachtung. Besonders bei Beschwerden und Krankheiten findet man viele Ratschläge, gerade auch dann, wenn die Ernährung nicht optimal ist. Manchmal verwundert allerdings die lange Liste der vorgeschlagenen Nahrungsergänzungsmittel.
Interessant sind auch immer die Leserfragen, die der Autor sehr ausführlich beantwortet. Hier geht es um Zweifel, die Leser haben oder neue Erkenntnisse, die sich noch nicht herumgesprochen haben, so dass ein hoher Informationsbedarf besteht.

Das Buch ist sehr lehrreich. Man kann es ganz durchlesen oder gezielt nach Informationen suchen. Man erfährt auch genau, wann man vor einer Ernährungsumstellung bzw. der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln einen Arzt aufsuchen sollte. Der Autor erklärt seine Ernährungsvorschläge sehr ausführlich. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf der Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel und nicht auf Ernährungsumstellung hin zu ausgewogener, gesunder Kost, auch wenn natürlich bei den Steckbriefen zu den Nährstoffen immer auch natürliche Quellen angegeben werden und man auch bei Mangelerscheinungen erfährt, welche Fehler man möglicherweise bei der Auswahl der Nahrungsmittel gemacht hat. Man gewinnt dennoch den Eindruck, dass letztendlich ohne die Vitaminpille nichts geht.

Die Gestaltung des Buches ist recht einfach. Dennoch ist für gute Übersichtlichkeit gesorgt. Das Register leistet gute Dienste, so dass es einfach ist, gezielt nachzuschlagen. Der Autor hat auf gute Verständlichkeit seiner Texte geachtet. Er schreibt sehr engagiert und ausführlich über die verschiedenen Themen, spricht den Leser direkt an. Das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt. Die Vitamin-Bibel ist ein sehr umfangreiches Werk mit hohem Informationsgehalt.

Rezension von Heike Rau

Earl Mindell
Die neue Vitamin-Bibel
Vitamine – Bausteine für ein gesundes, langes Leben
vollständig aktualisierte Ausgabe 2006
606 Seiten, broschiert
Wilhelm Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-66017-5
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Hexenfeuer

Hexenfeuer

Hildesheim, im Jahre 1545. Obwohl der Dominikanerpater Eusebius nicht mehr der Jüngste ist, wird er zum Konzil von Trient delegiert. Johannes, der bei ihm in die Lehre gegangen ist, soll ihn begleiten. Im Gegensatz zu Eusebius freut er sich auf die lange Reise. Er ist voller Erwartungen auf ein großes Abenteuer.

Auf geht es nach Gandersheim. Die beiden sind nicht gerade willkommen, weil sie katholisch sind. An der Pforte des Barfüßerklosters werden sie gar abgewiesen, kommen aber im Gästehaus des Gandersheimer Stifts unter. Im „Weißen Ross“ treffen sie auf Tile Brandis, den Hildesheimer Bürgermeister. Er ist in Geschäften unterwegs und freut sich mit seinem alten Freund Eusebius weiter Richtung Göttingen reisen zu können.

Nachdem Göttingen sich zum Luthertum bekannt hat, sind die Mönche aus der Stadt verschwunden. Da kein Kloster mehr existiert, ist es für Eusebius und Johannes kaum möglich eine Unterkunft zu finden. So will Tile Brandis, die beiden mit in das Haus seines Handelsgenossen Springintgut mitnehmen. Auf dem Weg dorthin kommt es auf dem Marktplatz zu einem seltsamen Vorfall. Neben der Frau des Bäckermeisters Ostertag stürzt ein Junge in einem Krampfanfall zu Boden. Am nächsten Morgen berichtet der Kaufmann Sprinintgut, dass der Bäckermeister, seine Frau und deren Sohn gefangen genommen worden sind. Die Anklage lautet auf Hexerei und Schadenzauber. Man gibt ihnen auch gleich noch die Schuld am gestrigen sehr ungewöhnlichen Unwetter.

Als zwei Jungen, die durch sehr mysteriöse Umstände ums Leben gekommen sind, aufgefunden werden, hält Wigbald Springintgut auch das für Hexenwerk und die Ratsmitglieder stimmen ihm zu. Bei peinlichen Verhören wird offensichtlich, welches unerhörte Ausmaß die Sache hat. Viele weitere Familien werden verhaftet.
Eusebius und auch Tile Brandis glauben nicht an Hexen. Sie sind sicher, dass eine Verschwörung im Gange ist und wollen die wahren Hintergründe herausfinden. Dabei geraten sie in Lebensgefahr.

„Hexenfeuer“ ist ein sehr spannender Hansekrimi. Die Geschichte ist gut konstruiert und von der ersten bis zur letzten Seite ein Lesevergnügen. Den Hauptanteil daran haben die Charaktere. Insbesondere Bruder Eusebius und sein Begleiter Johannes, der wissbegierig und naiv ist und damit Eusebius manchmal fast in den Wahnsinn treibt, der sich eher nüchtern und realistisch gibt. Auf den Jungen lässt er trotzdem nichts kommen.
Interessant ist auch der Schreibstil des Autors. Er drückt sich sehr wortgewandt aus, überrascht mit gut ausgedachtem Wortwitz und spritzigen Dialogen, die nicht selten zu Wortgefechten werden.
Eusebius ist nun nicht gerade ein geschickter Ermittler. Aber er besitzt ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsdenken. Er kann praktisch nicht anders, er muss sich einmischen, auch wenn er immer wieder etwas ungehobelt daher kommt.
Diese so entstandene Vielschichtigkeit des Krimis gefällt gut und ist ausgesprochen unterhaltsam.
Auch wer sich für die geschichtlichen Hintergründe dieser Zeit interessiert, wird nicht enttäuscht. Sie bilden die Kulisse für diesen sehr lesenswerten Hansekrimi.

Rezension von Heike Rau

Frank Goyke
Hexenfeuer
Ein Hansekrimi
292 Seiten, broschiert
ISBN-10: 3-434-52823-7
ISBN-13: 978-3-434-52823-4
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Blutspur

Blutspur

Vierzig Jahre ist es her, dass ein Viertel der Menschheit einem Virus zum Opfer gefallen ist. Das Leben hat sich seit dem grundlegend geändert. Auch Vampire, Kobolde und Untote verstecken sich nun nicht mehr.

Rachel Morgan ist eine Hexe, eine von den guten. Sie arbeitet als Kopfgeldjägerin in Cinsinnati. Allerdings hat sie seit Monaten keinen anständigen Fall mehr bekommen. Deswegen träumt sie davon, ein eigenes kleines Büro zu eröffnen. Sie möchte Ivy, ebenfalls ein Runner bei der Sicherheitsbehörde Inderland Security, mit dabeihaben. Doch Ivy fürchtet, dass ein Kopfgeld auf beide angesetzt wird. Rachel teilt diese Befürchtung nicht. Sie glaubt, dass die I. S. wolle, dass sie geht. Mit dabei ist auch Jenks, ein Pixie, der sich den beiden anschließen will.

Rachel kündigt tatsächlich ohne Probleme. Ihr Boss Denon ist allerdings nicht begeistert davon, dass sie Ivy mitnehmen will. Zwar kauft Ivy, die als Vampir geboren wurde, sich frei, doch Denon erklärt Rachel zu Freiwild.

Rachel fliegt zu allem Übel auch noch aus ihrer Wohnung. Ihre Vermieterin hat scheinbar Wind von der Morddrohung bekommen. Rachel kann nicht mal ihre Sachen mitnehmen, denn die sind verflucht. Inzwischen hat Ivy aber ein Büro in den Hollows gemietet. Es ist eine Kirche mit Friedhof im Hinterhof. Das Gebäude dient nicht mehr als Kirche und die Leichen wurden angeblich umgebettet. Der letzte Pfarrer ist ein Hexenmeister gewesen. Zu Rachels Überraschung hatte er einen Garten angelegt, der auch ihr eine große Hilfe ist.

Wie es ist, mit einem Vampir zusammenzuleben, bekommt Rachel bald zu spüren. Auf Ivy übt sie eine seltsame Faszination aus, die schnell auch mal gefährlich werden kann.

Rachel hat einen Plan, um aus dem Schlammassel, den sie verursacht hat, wieder herauszukommen. Sie will erreichen, dass Denon seine Morddrohung wieder zurücknimmt und sie in Ruhe lässt. Sie weiß, dass der Abgeordnete Trenton Kalamack mit Brimstone dealt und will ihn überführen. Doch kaum, dass sie sich aus der Kirche wagt, wird sie auch schon von Tiermenschen umkreist, die sie töten wollen. Als Mensch kommt sie nicht in das I. S.-Archiv, soviel steht bald fest. Doch Rachel ist eine Hexe. Und diese können sich verwandeln. Zur Not sogar in eine Maus.

Das Buch begeistert sofort, ist es doch mal etwas anderes. Hier ist tot zu sein eine weitere Lebensform. Deswegen begegnen sich in diesem Buch auch wahrhaft interessante Charaktere. Rachel, die eine Hexe ist, sticht natürlich heraus, ist sie doch die Hauptperson. Sie sieht sich in eine Lage versetzt, die ihr ganzes Können als Hexe fordert. Allerdings fehlt es ihr an Übung, so dass sie ein ums andere Mal in eine missliche Lage gerät. Beim Schutz ihres Lebens, ist Kreativität gefragt. Dass sie mit Ivy zusammenlebt, macht die Sache nicht gerade einfach, auch wenn diese alles für ihre Freundin tun würde. Sie muss mit allen Mitteln ihren Blutdurst unterdrücken, auch wenn sie schon einiger Zeit „trocken“ ist. Interessant, ja eigentlich schon niedlich, ist die Figur des kleinen Pixie, der immer wieder für eine Überraschung gut ist. Jenks sagt, was er denkt, so unpassend das auch manchmal ist.

Alle drei legen sich mit dem dealenden Unterweltboss an, von dem man nicht genau weiß, welcher Lebensform er angehört. So wird er leicht unterschätzt, was die Geschichte noch spannender macht.

Aber natürlich ist es vor allem das Mysteriöse, das an diesem Buch so begeistert. Die Autorin überrascht mit ihrem Verständnis von Fantasy und ihrer Art mit Humor zu schreiben. Das bedeutet für den Leser eine sehr unterhaltsame Lektüre.

Rezension von Heike Rau

Kim Harrison
Blutspur
Deutsche Übersetzung von Alan Tepper und Isabel Parzich
575 Seiten, broschiert
Wilhelm Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3-453-43223-9
ISBN-10: 3-453-43223-1
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