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Autor: hera

Himmel und Huhn

Himmel und Huhn

Als Hühnchen Junior unter einer alten Eiche sitzt, fällt ihm etwas auf den Kopf. Für einen Moment ist er ohnmächtig. Als er endlich wieder zu sich kommt, glaubt er, ein Stück vom Himmel muss ihm auf den Kopf gefallen sein. Das versetzt ihn in Panik. Da aber nichts weiter passiert, glaubt ihm niemand. Von da an wird Hühnchen Junior nicht mehr ernst genommen. Die ganze Stadt lacht über ihn. Nur seine Freunde, das hässliche Entlein Susi Schnatter, das Riesenschwein Ed von Speck und der Fisch Luigi Forello halten noch zu ihm, müssen aber auch unter dem Spott leiden.

Damit die Leute die Geschichte mit dem herabfallenden Himmel endlich vergessen, entwickelt Hühnchen Junior eine Idee. So fängt er an, Baseball zu spielen und ist damit zur Überraschung aller tatsächlich erfolgreich. Die Zeit vergeht und so langsam kehrt wieder Normalität ein. Bis Hühnchen Junior wieder ein Stück vom Himmel auf den Kopf fällt. Zunächst vertuscht er die Sache und erzählt nur seinen Freunden davon. Doch bald müssen alle Bewohner der kleinen Stadt, den Tatsachen ins Auge sehen, denn ein Raumschiff mit Außerirdischen landet direkt auf dem Sportplatz.

Die Geschichte um das kleine Hühnchen Junior ist sehr spannend. In der Stadt passiert etwas Unglaubliches und der Kleine ist der Erste, der damit konfrontiert wird. Zunächst glaubt ihm jedoch niemand, bis es wirklich brenzlig wird.
Der Text ist in kurze Abschnitte unterteilt. Zu jedem dieser Abschnitte gibt es ein großes Bild. Es macht viel Spaß, die sehr plastischen Zeichnungen zu betrachten. Besonders die gelungene Gestaltung der Tiere fällt auf. Es gibt viele tolle Details zu entdecken. Mit von der Partie ist sogar ein Fisch. Damit die kleine Forelle an Land leben kann, hat sie einen Taucherhelm auf. Solche witzigen Kleinigkeiten gibt es viele. Das Buch macht Lust auf den Kinofilm. Aber auch, wer ihn schon gesehen hat, wird seine Freude an diesem schönen Buch haben.

Rezension von Heike Rau

Disney
Himmel und Huhn
96 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
Egmont Franz Schneider, München
ISBN: 3-505-12220-3
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Luisa

Luisa

Luisa Sanchez wird 1926 auf der kleinen Karibikinsel San Pedro geboren. Ihre Mutter ist Küchenhilfe, ihr Vater der Sohn einer reichen Plantagenbesitzerin. Dennoch heiraten beide und aus Luisa Sanchez wird Luisa la Cueva, die sogar zur Schule gehen darf. Die Familie ihres Vaters bleibt ihr jedoch verschlossen. Als deutlich wird, dass es eine Revolution geben wird, beschließt der Vater mit seiner Frau und der Tochter in die Vereinigten Staaten auswandern. Doch Luisa und ihre Mutter haben große Angst vor dieser Veränderung. Dennoch müssen sie sich dem Willen des Vaters beugen. Ihre Meinung zählt nicht.

Das Leben in New York ist nicht leichter. Der Name des Vaters ist hier nichts wert. Immer wieder muss die Familie umziehen. Es ist schwierig Arbeit zu finden und noch schwieriger, sie zu behalten. Die Mutter nimmt schließlich Kontakt zu ihrem Bruder auf, den sie neunzehn Jahre nicht gesehen hat. Weiterhelfen kann er nur bedingt. Es geht immer weiter bergab. Auch Luisa entkommt diesem Leben nicht. Sie wird Hausmädchen, obwohl sie eine Schulbildung hat, wechselt von Haushalt zu Haushalt. Sie heiratet sie und bekommt einen Sohn und lässt sich wieder scheiden. Eine Wende in ihrem Leben kann sie jedoch nicht herbeiführen. Sie schafft es nicht, das Glück beim Schopfe zu packen und einen Hauch von Beständigkeit in ihr Leben zu bringen.

Die Autorin erzählt die Geschichte aus der Sicht Luisas, die als Figur eine beeindruckende Tiefe erreicht. Doch sie erzählt auch von den Familien, bei denen sie putzt. So sind es die vielen Schicksale fremder Leute, die sich mit dem von Luisa verbinden und die das Buch so lesenswert machen, auch wenn die Geschichten der Familien in Zeiten der Weltwirtschaftskrise fast immer desillusionierend wirken. Oft tun sich wahre Abgründe auf.
Es ist ein sehr vielschichtiger Roman. Alltäglichen Begebenheiten kommt dabei besondere Beachtung zu. Geschrieben ist er mit viel Feingefühl und in einem sehr eindrucksvollen, gut zu lesenden Stil.

Über die Autorin:
Paula Fox, geboren 1923 in New York, veröffentlichte zahlreiche Kinderbücher, für die sie 1978 mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet wurde, sechs Romane und zuletzt ihre Autobiographie „In fremden Kleidern“ und „The Coldest Winter“. Die Autorin lebt heute in New York.

Rezension von Heike Rau

Paula Fox
Luisa
Aus dem Englischen von Alissa Walser
443 Seiten, gebunden
C.H. Beck, München
ISBN: 3-406-53549-6

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Der Mondhund

Der Mondhund

Der junge Polarhund heißt Monder. Weil es ihm gelang, ein Stück vom Mond abzubeißen, besitzt er nun ganz besondere Gaben. Er ist sehr neugierig, schleicht sich auch mal von seinem Rudel weg. Von den Hündinnen jedoch wendet er sich ab. Er will keine Familie gründen, keine Verantwortung übernehmen.

So beschließt er fortzugehen. Den vielen Gefahren will er sich stellen und auch die Einsamkeit schreckt ihn nicht. Er ist darauf erpicht, seine neuen Fähigkeiten auszuprobieren. Als Mondhund versteht er die Sprache aller Lebewesen und er kann sich verwandeln.

Es ist, als folge er einem unsichtbaren Ruf. Auf seiner Reise verwandelt er sich in eine Robbe und schwimmt in den Tiefen des Meeres. Er lebt als Rabe, als Mücke und als Rentier. Er sucht nach jenem Lebewesen, das sich am glücklichsten fühlt. Auch als Mensch würde er gerne zu leben versuchen. Doch dann gibt es kein zurück mehr in die Welt der Tiere.

Es ist ein wunderbares Buch, das man gar nicht mehr aus den Händen legen mag. Geschrieben mit viel Ausdruckskraft und Intensität, durchsetzt von Legenden um die Erschaffung der Welt. Monder, der Mondhund, erlebt auf seiner Suche nach dem Glück viele Abenteuer und er hört Geschichten, die ihn beeinflussen. Der Autor schreibt mit klarer, zwischen den Zeilen auch kritisch wirkender, und dennoch sehr poetisch klingender Sprache und großer Aufrichtigkeit. So kann man sich der Magie, die dieses Buch ausstrahlt, nicht entziehen.

Über den Autor:
Juri Rytchëu, geboren 1930 als Sohn einen Jägers in der Siedlung Uëlen auf der Tschuktschenhalbinsel im äußersten Nordosten Sibiriens, ist der erste Schriftsteller des zwölftausend Menschen zählenden Volkes. Mit seinen Romanen und Erzählungen wurde er zum Zeugen einer bedrohten Kultur und eines vergessenen Volkes.

Rezension von Heike Rau

Juri Rytchëu
Der Mondhund
Aus dem Russischen von Antje Leetz
121 Seiten, gebunden
Unionsverlag, Zürich
ISBN: 3-293-00351-6
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Eastend

Eastend

Eigentlich hat Almund Grau keine große Lust, in eine Therapie zu gehen. Doch seine Frau Kerrie überredet ihn. 20 Sitzungen in einer kleinen Gruppe sind geplant, geleitet von Diplompsychologe Friedjelm Bähr. Zunächst schweigen sich alle an. Doch bald bekommt jeder die Gelegenheit, sich darzustellen oder es zumindest zu versuchen. Almund nimmt die Sache nicht ernst. Bei den anderen stößt er bald auf Ablehnung, auch bei seiner Frau. Immer spielt er sich in den Vordergrund, gibt sich unangepasst. Er amüsiert sich gar, über die Spielchen, die der Therapeut vorgibt.

Auch Partnerschaftsprobleme, die bisher gut unter der Oberfläche versteckt lagen, kommen ans Tageslicht und werden unter die Lupe genommen. Das schafft keine Klarheit, sondern Missmut, der sich immer weiter hoch schaukelt. Es kommt zur Katastrophe, zum Bruch seiner Ehe. Kerrie kommt nicht mehr nach Hause. So reist auch Almund ab, wankt hin und her, versucht einen Selbstmord und lässt sich schließlich mehr recht als schlecht in London nieder. Er muss sich klar darüber werden, wie es weitergehen soll, seinen verlorenen Platz im Leben wiederfinden und ganz von vorn beginnen.

Das Buch fasziniert nicht nur inhaltlich, sondern auch vom Stil her. Dabei ist es die Mischung aus analysierenden, lebhaften Gedankengängen Almunds, seinen amüsierenden Beschreibungen der Gruppentherapie und seinem interessanten Blickwinkel auf das fassettenreiche Eastend Londons der 70er Jahre. Selbst die sonst so gefürchteten langen Schachtelsätze, sind wunderbar zu lesen, verleihen der Geschichte Dramatik. Der Autor versteht es, sich gekonnt auszudrücken. Die Verbitterung Almunds wird deutlich und dennoch fehlt es nicht an Ironie. Diese geht sogar sehr tief, trägt die Geschichte und fängt Almund in seiner Verzweiflung auf. Almund wandelt sich, dabei kommt ihm der Zufall zu Hilfe und plötzlich treibt die Geschichte ins Märchenhafte ab. Für den Leser ist das Buch damit unterhaltsam und wundersam zugleich.

Über den Autor:
Ernst Augustin wurde 1927 geboren. Der Arzt, Neurologe und Psychiater, der jahrelang in Entwicklungsländern arbeitete und später als psychiatrischer Gutachter in München, ist Autor einer Reihe von Romanen. Er erhielt für seine Werke beispielsweise den Kleist-Preis und den Literaturpreis der Stadt München. Ernst Augustin ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung an der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Rezension von Heike Rau

Ernst Augustin
Eastend
328 Seiten, gebunden
C.H.Beck, München
ISBN: 3-406-53548-8
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Vergiss mein nicht

Vergiss mein nicht

Heartsdale in Georgia. Chief Jeffrey Tolliver telefoniert gerade von der Skaterbahn aus, wo er sich mit seiner Exfrau Dr. Sara Linton getroffen hat, mit seiner Dienststelle, als er Schreie von draußen hört. Er geht sofort hinaus. Dort spielt sich ein unglaubliches Szenario ab. Die 13-jährige Jenny Weaver scheint außer sich zu sein. Sie zielt auf dem Parkplatz mit einer Pistole auf einen Jungen und droht, ihn zu erschießen. Auch Dr. Linton kommt heraus. Sie hat Blutspuren an ihrer Kleidung. Jeffrey wird klar, dass es auch drinnen einen Verletzen geben muss. Trotz der angespannten Lage, versucht er das Mädchen zu beruhigen und von ihrem Plan abzubringen. Das gelingt ihm jedoch ganz und gar nicht. Die Situation eskaliert schließlich. Jeffrey muss das Mädchen erschießen, um den Jungen zu schützen.

Drinnen auf der Toilette hat sich ebenfalls eine Tragödie abgespielt. Allem Anschein nach hat Jenny Weaver ihr zu früh geborenes Baby getötet. Doch bei der Obduktion des Mädchen stellt Dr. Sarah Linton fest, dass sie nicht schwanger war. Dafür kommen andere Dinge ans Tageslicht. Jenny muss brutal vergewaltigt worden sein. Doch das ist längst nicht alles.

Was sich hinter den Kulissen der kleinen Stadt abspielt, ist unbegreiflich. So werden die Ermittler mit Dingen konfrontiert, die eigentlich nicht zu verkraften sind. Wie ein Fall gelöst wird, hängt natürlich immer auch von der Persönlichkeit der Ermittler ab. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, so dass ihre Art, den Fall anzugehen, sehr überzeugend wirkt. Das geht selbstverständlich auch ins Privatleben hinein. Die Autorin trifft dabei immer den richtigen Ton, so dass man bald den Eindruck gewinnt, die Ermittler sehr gut zu kennen. Zudem beschreibt die sehr genau, wie die Lösung des schwierigen Falles, bei dem sich wahre Abgründe auftun, voranschreitet. Die Spannung kippt dabei keine Sekunde.
Jedes Kapitel umfasst einen Tag. So lässt sich das Buch auch sehr gut Abschnitt für Abschnitt lesen, für alle die nicht viel Zeit haben.

Karin Slaughter wurde 1971 in einer kleinen Stadt in Georgia geboren. Sie lebt heute in Atlanta. Schon ihr erster Roman „Belladonna“ wurde ein internationaler Bestseller.

Rezension von Heike Rau

Karin Slaughter
Vergiss mein nicht
Thriller
Deutsch von Teja Schwaner
508 Seiten, broschiert
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg
ISBN: 3-499-23243-X
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Astrid Gravert (Hrsg.): Die Küche Norddeutschlands – Klassische Rezepte aus zwei Jahrhunderten

Astrid Gravert (Hrsg.): Die Küche Norddeutschlands – Klassische Rezepte aus zwei Jahrhunderten

Nach dem im Buch gesammelten norddeutschen Rezepten wurde in einem Zeitraum von etwa Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts gekocht. Die historischen Hintergründe dazu erläutert die Herausgeberin Astrid Gravert schon im Vorwort. Eine schöne Einstimmung auf die folgenden Gerichte. Dazu gehören Grützen und Mehlspeisen, Suppen, Gemüse und Eintöpfe, Fleisch, Fisch und Gebäck.

Los geht es mit Buchweizengrütze, welche in der armen Bevölkerung fast täglich auf den Tisch kam, war sie doch sehr nahrhaft und bekömmlich. Verfeinert wurde sie, wenn möglich, mit Zimt, Zucker Milch oder Früchten.
Gar nicht so unbekannt sind die „Armen Ritter“. Altes Weiß- oder Toastbrot wird in eine Mischung aus Milch, Eiern, Salz und Zucker gelegt und dann vollgesogen in der Pfanne goldbraun gebraten. Dazu gibt es beispielsweise Kompott.

Auch die Fliederbeersuppe einmal auszuprobieren, empfiehlt sich. Der schwarze Holunder ist als Heilpflanze bekannt. Der Saft der kleinen schwarzen Beeren ist ein altes Hausmittel bei Fieber und Erkältungskrankheiten. Im vorliegenden Rezept gibt es Griesklöße zur Suppe.
Auch Gemüse findet Beachtung. Empfohlen werden Gerichte mit Erbsen, Bohnen, Möhre und Steckrüben, aber natürlich auch Rezepte mit Kartoffeln oder Kohl.

In der Norddeutschen Küche wurde alles verwertet, was verfügbar war. Und wenn es nicht Frisches gab, wurde auf Trockenfrüchte als Beigabe zurückgegriffen. In der Küche Mecklenburgs war die Verwendung von Backobst und Rosinen typisch. So werden für „Mecklenburger Gefüllter Rippenbraten“ Backpflaumen verwendet.
Große Bedeutung ab dem 15. Jahrhundert gewann der Heringsfang in der Nordsee. Das schlägt sich auch in den Rezepten nieder. „Matjes in Sahnesoße“ ist nur eins davon. Aber auch anderer Fisch findet Beachtung. Es gibt Rezepte mit Aal, Hecht und Scholle. Und für viele die Traditionen pflegen, ist sicher das Rezept „Karpfen blau“ interessant.

Gebacken wird natürlich auch. Es macht sicher Spaß, sich an das Rezept vom „Rosinenstuten“ heranzuwagen oder den „Ostfriesischen Butterkuchen“ auszuprobieren.

Die Rezepte bestehen aus der Zutatenliste und den gut strukturierten und sehr verständlichen Zubereitungsanweisungen. Immer wieder gibt es Vorschläge für eine Abwandlung des Rezeptes. Das sorgt für Abwechslung und regt an, auch mal selbst die Zutaten zu variieren. Interessant sind die vielen informativen Hintergrundinformationen zu den Rezepten. Der Leser erfährt so genau, warum bestimmte Zutaten in der Region verwendet wurden, bzw. was überhaupt verfügbar war. Man erfährt, was täglich auf den Tisch kam und was nur an Feiertagen. Die Auswahl an Rezepten im Kochbuch bezieht sich dabei vor allem auf die Ernährungsstandards der bürgerlichen Mittelschicht. Geeignet ist das Buch für Hobbyköche, die alte Rezepte wiederentdecken und Traditionen aufleben lassen wollen, die mit wenig Fleisch auskommen und die Zutaten wie Obst und Gemüse gern nach Saison auswählen. Auch die Aufmachung des Buches ist sehr passend und gefällt gut.

Über die Herausgeberin:
Astrid Gravert wurde 1956 geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Anglistik. Die gern kochende freie Lektorin hat unter anderem viele Kochbücher betreut. Sie lebt mit ihren vier Kindern in Schleswig-Holstein.

Rezension von Heike Rau

Astrid Gravert (Herausgeberin)
Die Küche Norddeutschlands
Klassische Rezepte aus zwei Jahrhunderten
127 Seiten, gebunden
Hoffmann und Campe, Hamburg
ISBN: 3-455-09525-9
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Flugrausch

Flugrausch

Als Hal Challis sich auf dem Flugplatz in Waterloo aufhält, wo er seine Dragon Rapide restauriert, wird er Zeuge eines Mordversuchs. Janet Casements Flugzeug wird beim Landeanflug von einem Landrover gerammt. Der Schreck sitzt tief. Zwar ist Janet unverletzt, doch der Täter entkommt. Auch sein Motiv liegt zunächst völlig im Dunklen.

Bei einem weiteren Besuch im Hangar entdeckt Hal Challis auf einem an der Pinnwand befestigten Foto etwas Ungewöhnliches. Fast traut er seinen Augen nicht. Es ist die Luftaufnahme einer Cannabisanpflanzung. Janet Casement ist ebenfalls überrascht. Sie gibt vor, davon nicht das Geringste gewusst zu haben. Angeblich weiß sie nicht einmal, wie eine Cannabispflanze aussieht. Sie hat die Luftaufnahmen in der Gegend gemacht, um sie an Interessierte zu verkaufen. Hier handelt sich um eine Farm an der Five Furlong Road, die Ian Munro gehört.

Obwohl es sich nicht um einen Mord handelt, will Detektiv Inspector Hal Challis sich der Sache annehmen. Die Ermittlungen gestalten sich von Anfang an schwierig. Munro ist ein seltsamer, unnahbarer Typ, an den nur schwierig ranzukommen ist.

Der Fall ist sehr undurchsichtig und es dauert lange, bis sich einige Puzzleteile finden, die zusammenpassen. Die Ermittler um den ruhigen, oft abwesend wirkenden Hal Challis, den auch private Probleme beschäftigen, treten lange auf der Stelle. Dann kommt plötzlich eins zum anderen und der durchgeknallte Ian Munro beschäftigt die Polizei über alle Maßen. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen oder Zusammenhänge mit anderen Fällen werden klar. Aber es ist ein bisschen viel um die eigentliche Story drumherumgeschrieben. Zwar lernt man auf diese Weise die Polizeiarbeit und die Protagonisten samt ihrem Privatleben sehr gut kennen, aber der so schon sehr komplizierte Krimi wirkt dadurch unnötig in die Länge gezogen.

Über den Autor:
Garry Disher wurde 1949 geboren. Er wuchs im ländlichen Südaustralien auf und lebt an der Südküste in der Nähe von Victoria. Er schreibt Romane, Kurzgeschichten, Kriminalromane und Kinderbücher. „The Sunken Road“ wurde für den Booker-Preis vorgeschlagen und „Drachenmeer“ stand auf der Auswahlliste für den „Ned Kelly Award“. Außerdem gewann er zweimal den Deutschen Krimipreis.

Rezension von Heike Rau

Garry Disher
Flugrausch
Aus dem Englischen von Peter Torberg
285 Seiten, gebunden
Unionsverlag, Zürich
ISBN: 3-293-00352-4
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Der Vermesser

Der Vermesser

William May, Ingenieur und Vermesser, ist traumatisiert aus dem Krimkrieg nach London zurückgekehrt. Er arbeitet nun für die Baubehörde, beurteilt den Zustand der Tunnel und Abwasserkanäle unter der Stadt. Es ist dringend erforderlich, dass das ganze Abwassernetz erneuert wird. Die verantwortungsvolle Stelle ermöglicht es ihm zudem, gemeinsam mit seiner Frau Polly und dem kleinen Sohn, ein angenehmes Leben zu führen.
Die dunklen, stinkenden Abwasserkanäle ziehen William magisch an. Vor dem Gestank ekelt er sich nicht. Hier kann er seiner Vergangenheit entfliehen.

Der Langarmige Tom verdient ebenfalls in den Kanälen seinen Unterhalt. Er ist Tunneljäger und sucht nach Brauchbarem. Außerdem fängt mit seinem Freund Joe Ratten, die er weiterverkauft. Die Ratten werden für Wettgeschäfte eingesetzt. Es könnte immer so weitergehen. Doch Tom und Joe hören immer öfter Stimmen fremder Menschen. Es ist etwas im Gange, das lässt sich nicht von der Hand weisen. Weil Tom um seine Zukunft fürchtet, lässt er sich auch auf eine Wette ein. Er glaubt, dass sein Hund der geborene Kämpfer ist, und in der Lage, in ungeheuer kurzer Zeit eine große Anzahl von Ratten zu töten.

Nicht nur die Zukunft Toms steht auf dem Spiel. Geschäftemacher sehen ihre Chance, beim Neubau der Abwasserkanäle viel Geld zu verdienen. Dabei steht der loyale und grundehrliche William May ihnen im Weg. Als eine Leiche in den Tunneln gefunden wird, gerät er sofort unter Verdacht. Und nur ein Mann kann ihm jetzt helfen: der Langarmige Tom.

Die Geschichte spielt größtenteils unter Tage, in einer geruchsintensiven, ekelhaften Welt, welche die Autorin so bildhaft beschreibt, dass der Geruchssinn beim Lesen direkt angesprochen wird. Das ist sicher nichts für Zartbesaitete. Auch die Gedankenwelt des traumatisierten Helden der Geschichte, der zu Selbstverstümmlung neigt, ist nicht leicht zu verkraften. Und dennoch fasziniert dieses Buch aufs Höchste. Die Geschichte ist interessant aufgebaut, sehr glaubwürdig und entwickelt sich schließlich zu einem spannenden Krimi. Dabei sind die Charaktere, teils wirklich ungewöhnliche Menschen, sehr gut ausgearbeitet. Auch der sehr gut lesbare Schreibstil der Autorin beeindruckt. Sie versteht es, den Leser zu fesseln, schreibt sie doch mit ungeheurer Intensität und Ausdruckskraft.

Über die Autorin:
Clare Clark, geboren 1967 in London, studierte Geschichte am Trinity College in Cambridge. Die lebt nach einem mehrjährigen USA-Aufenthalt heute in London. Ihr erster Roman „Der Vermesser“ wurde in England kurz nach dem Erscheinen für den Orange Prize nominiert.

Rezension von Heike Rau

Clare Clark
Der Vermesser
Eine Geschichte von Mord und Verderben unter den Straßen des alten London
414 Seiten, gebunden
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
ISBN: 3-455-00864-X
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Robert Griesbeck: Rita on the run

Robert Griesbeck: Rita on the run

Rita ist Animierdame in einer Bar. Mit den Männern, die sie so abschleppt, erlebt sie oft Überraschungen. Der Typ, den sie diesmal mit nach Hause genommen hat, scheint Buchhalter zu sein. Er hat komische Spielchen im Sinn, die Rita verunsichern und schließlich Angst machen. Am liebsten würde sie die Polizei rufen und doch bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Sache selbst zu regeln. Ihre Kollegin und Freundin Elli hat ihr ja sicherheitshalber die KO-Tropfen mitgegeben. Die mischt sie in den Fleischsalat und er fällt darauf rein. Die Tropfen haben eine ungeahnte Wirkung und schon hat Rite die erste Leiche auf dem Hals.

Dann kommt Ellis Freund Fred zu Rita, um nach dem Rechten zu sehen. Das Spiel geht in die nächste Runde und Rita wird überdeutlich klar, dass sie nur benutzt wurde. Rita sollte nur als Kontaktperson für einen eingefädelten Drogendeal herhalten. Sie hält Fred nicht auf, als er sich vom Fleischsalat nimmt. Und schon liegt die nächste Leiche in der Wohnung. So schnell kann es gehen.

Rita hat Fred am Telefon verleugnet und weil Elli nun in Sorge ist, stattet sie Rita einen Besuch ab. Rita kann gerade noch die Leichen unter Bergen von Wäsche verstecken. Elli tobt durch die Wohnung, beschuldigt Rita Geheimnisse vor ihr zu haben und zu lügen. Sie riecht den Braten und findet die Toten schließlich. Rita greift zur Bratpfanne, der gusseisernen. Nun hat sie drei Leichen. Sie nimmt den Toten alles ab, was sie haben, einschließlich des Drogenkoffers und auch die zwei Autos, die vor der Tür stehen, kann sie gut gebrauchen. Schließlich hat sie noch Träume. Alles in allem könnte sie nun mit der gemachten Beute ein neues Leben anfangen, wenn da nicht ein paar Hindernisse den Weg versperren würden.

Die Geschichte hat es in sich. Es geht sofort zur Sache und eine Leiche folgt der nächsten. Dabei scheint Rita völlig harmlos zu sein. Und doch hat sie keine Wahl, als sich dieser entstandenen Eigendynamik zu ergeben. Die Geschichte wird zum Krimi und dann zum Thriller. Eine echte Überraschung! Auch der Stil des Autors gefällt. Er erzählt mit Tempo, Scharfsinn und viel Gespür für komische Situationen, spart nicht mit wohl dosierter Ironie, sprachlich elegantem Wortwitz und psychologischen Spitzfindigkeiten. Nichts verläuft in diesem Buch, wie erwartet. Dabei blickt der Autor genau auf Details. Denn in diesem Buch sind es die kleinen Dinge, die eine durchschlagende Wirkung haben. Ein wirklich beachtliches Werk, das sich deutlich abhebt aus der Masse an Büchern, die auf dem Markt sind. Unbedingt lesen!

Über den Autor:
Robert Griesbeck, geboren 1950 in München, studierte Politik, Fotografie und Grafikdesign. Er arbeitete als Fotograf, Illustrator und Art Direktor, als Autor für Kinder- und Sachbücher, als Ghostwriter für prominente Kabarettisten, als Reporter und Chefredakteur für das Jugendmagazin „Na-Und!“ und „Penthouse“.

Rezension von Heike Rau

Robert Griesbeck
Rita on the run
Männer sind alle Verbrecher
187 Seiten, gebunden
Europa Verlag, Hamburg
ISBN: 3-203-77501-8
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Karlheinz Rücker: Die Pflanzen im Haus

Karlheinz Rücker: Die Pflanzen im Haus

Die Kamelie hat leider nur wenige Blüten, die Grünlilie hat braune Blattspitzen und auf dem Roseneibisch sitzen Blattläuse. Jetzt ist guter Rat teuer oder auch nicht. Die vorliegende Sonderausgabe von „Die Pflanzen im Haus“ kostet nur 19,90 Euro. Das ist ein guter Preis für das Buch, das nicht nur ein Nachschlagewerk ist, sondern auch ein umfassender Ratgeber.

So geht es zunächst um die Beratung bei der Auswahl der Zimmerpflanzen, die richtige Pflege und Erhaltung der Pflanzen und auch um ihre Vermehrung. Die Grundlagen der Zimmergärtnerei können hier erlernt werden. Dazu kommt ein Kapitel für Fortgeschrittene. Hier geht es zum Beispiel um die Pflege kranker Pflanzen. Besonders Leser, denen ihre Pflanzen Sorgen machen, die Schädlinge haben oder Pflanzen die vor sich hin kümmern, erfahren hier kompetente Hilfe.

Im Pflanzenlexikon werden zunächst die wichtigsten Pflanzengruppen vorgestellt: Blattpflanzen, Palmen, Blütenpflanzen, duftende Pflanzen, Orchideen, Bromelien, Blumenzwiebeln und Knollen, Farne, Kakteen und andere Sukkulenten. Dann folgt die Vorstellung der Pflanzen von A – Z nach ihrem botanischen Namen. (Im Register findet man auch die deutschen Namen, soweit vorhanden.) Zunächst gibt es eine kleine Einführung und dann werden folgende Punkte abgearbeitet: Licht, Temperatur, Substrat, Feuchtigkeit, Düngen, Umpflanzen, Pflanzenschutz, Vermehren und Besonderheiten. Und natürlich werden auch Fotos zur Verfügung gestellt.

Mit diesem Lexikon fühlt man sich sofort sehr gut beraten. Die Pflanzen werden ausführlich, detailreich und sehr gut verständlich beschrieben. Die Fülle an wichtigen Informationen überzeugt. Die Seiten sind übersichtlich aufgebaut. Sehr hilfreich erweist sich der erste Teil des Buches mit 155 Seiten zu den Grundlagen der Zimmergärtnerei. Hier wird umfassend auf alles rund um die Pflege der Zimmerpflanzen eingegangen und Hilfestellung bei Problemen und eventuellen Fragen geleistet. In Tabellen kann man sich schnell einen Überblick verschaffen, beispielsweise zum Lichtbedarf einzelner Pflanzen. Auch Gestaltungsideen, etwa eines Blumenfensters, sind vorhanden.

Über den Autor:
Karheinz Rücker ist langjähriger Chefredakteur der Zeitschrift „Gartenpraxis“

Rezension von Heike Rau

Karlheinz Rücker
Die Pflanzen im Haus
450 Gattungen und mehr als 3500 Arten und Sorten
3. Auflage
484 Seiten, 638 Farbfotos, 320 Zeichnungen
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4905-2
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