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Autor: hera

Bernhard Hennen: Alica und die Dunkle Königin

Bernhard Hennen: Alica und die Dunkle Königin

Alica steht allein auf dem Bahnhof. Die Großeltern sind nicht gekommen, um sie abzuholen. Da sie auch niemanden mit dem Handy erreichen kann, macht sie sich auf den Weg. Unterwegs wird sie aus einem haltenden Wagen heraus angesprochen. Der Fremde bietet an, Alica mitzunehmen. Obwohl sie genau weiß, dass sie das Angebot wohl besser nicht annehmen sollte, steigt sie ein. Der Fremde ist zum Glück der Landarzt Dr. Pförtner. Er setzt Alica wohlbehalten am Haus der Großeltern ab.
Zu Hause ist jedoch niemand. Alica bekommt es immer mehr mit der Angst zu tun. Vielleicht ist irgendwas passiert. Alica beschließt das Haus, das seltsamerweise nicht abgeschlossen ist, zu durchsuchen. Bis zum Speicher kämpft sie sich vor. Dort oben wird sie von einem Vogel angegriffen, so dass sie schwer stürzt und das Bewusstsein verliert.

Als Alica wieder zu sich kommt, sind ihre Großeltern da und haben sogar ein plausible Erklärung dafür, dass sie nicht rechtzeitig am Bahnhof waren. Alica soll sich erst mal von dem Sturz erholen. Sie wohnt nun im Turmzimmer des großen Herrenhauses. In der Nacht klopft es ans Fenster. Es ist eine Möwe, die hereingelassen werden will. Und noch jemand scheint nun im Zimmer zu sein, doch Alica vernimmt nur eine Stimme. Erst als sie den mitgebrachten Ring auf ihren Finger steckt, sieht sie, zu wem die Stimme gehört. Es ist Heinzelmann Wallerich. Er wurde vom Ältesten der Kölner Heinzelmänner ausgesandt, sich um den Geisterfalken zu kümmern.

Zusammen mit dem Heinzelmann und der Möwe macht Alica dann einen nächtlichen Ausflug nach „Nebenan“. Der Gartenpavillon ist das Tor. Wallerich will die Hexe besuchen, um Näheres über den Geisterfalken zu erfahren. Als Gegenleistung verlangt die Hexe eine Menge Backzutaten, um ihr Knusperhaus restaurieren zu können. Doch die Hexe wird durch ihre Kristallkugel vom Geisterfalken angegriffen und will nicht mehr weitermachen. Sie rät Alica und Wallerich, es selbst mit einer Geisterbeschwörung zu versuchen.
Wieder zu Hause angekommen, begegnet Alica noch ein anderer Geist. Es ist der Husarenjunge Franҫois, wie sie später erfährt. Aber es geschehen noch weitere seltsame Dinge, so dass Alica beschließt, es mit der Beschwörung zu versuchen. Sie will alles versuchen, um den Husaren und seinen Falken zu erlösen. Dazu muss sie zur Geisterstunde den Falken durch einen magischen Spiegel herbeirufen. Doch sie wird von einer fremden Stimme aufgefordert, in den Spiegel steigen. Niemand anderes als die Dunkle Königin ruft Alica zu sich. Sie verspricht zu helfen, doch ihr Preis ist hoch.

Bernhard Hennen schafft es, von der ersten Seite an, mit seiner fantastischen Geschichte zu begeistern. Sie ist durchweg spannend. Dabei überrascht der Autor mit vielen außergewöhnlichen Ideen und unglaublichen Details. „Nebenan“, das Märchenland, dürfte vielen Lesern schon aus dem gleichnamigen Buch bekannt sein, welches auch nur so vor Fantasie sprüht. Beeindruckend ist auch der Humor mit dem das vorliegende Buch geschrieben ist. Während der recht rigorose Heinzelmann Wallerich die Probleme mit modernster Technik zu lösen versucht, erliegt Alica immer mehr der Magie. Sie lässt sich von der anderen Welt verzaubern, nimmt auch haarsträubendes und völlig unwirklich scheinendes hin und sieht es als gegeben. Schließlich verliebt sie sich sogar in Franҫois, den Husarenjungen, der in ihrer Zeit nur als Geist existiert. Dennoch hat ihre Liebe, so unglaublich es klingen mag, eine Zukunft. Und das ist das schöne an diesem Buch. Dem Leser bleibt noch genügend Platz für eigene Träume.

Über den Autor:
Bernhard Hennen wurde 1966 geboren. Er studierte Germanistik, Geschichte und Vorderasiatischen Altertumskunde, war Rollenspielautor, Radiomoderator und Journalist. Mehrere seiner fantastischen und historischen Romane wurden mit Preisen ausgezeichnet. Der Autor lebt in Krefeld.

Rezension von Heike Rau

Bernhard Hennen
Alica und die Dunkle Königin
323 Seiten, gebunden
ab 12 Jahren
Verlag Carl Ueberreuter, Wien
ISBN: 3-8000-5157-5
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HO RUCK!

HO RUCK!

Alles beginnt mit einer Katze, die in die Geschichte gerannt kommt. Als Nächstes schreit sie herzzerreißend. (Das kann man natürlich nicht hören, aber sehr gut sehen!) Damit lockt sie einen Hund und eine Maus an. Dann geht das Geflüster los. Was haben die drei Tiere nur zu bereden? Die Geschichte wird sogar noch rätselhafter, als die Maus auf die Katze klettert und diese wiederum auf den Hund. Die Tiere scheinen mit ihrer akrobatischen Vorführung jedoch nicht zufrieden zu sein. Die Maus schreit um Hilfe. Vielleicht ist ihr in dieser luftigen Höhe schlecht geworden. Es kommen zwei weitere Mäuse, doch statt zu helfen, klettern sie am Hund hinauf, auf die Katze, und auch noch auf die Maus, so dass ein hoher Turm entsteht. Alle zusammen rufen sie „Ho Ruck“ Denn das Ziel ihrer Aktion rückt in greifbare Nähe. Was das ist, soll hier aber nicht verraten werden…

Die Geschichte in nur zwölf Sätzen ist für Kinder sehr spannend erzählt. Die Tiere machen etwas Seltsames und Unerklärliches. Was sie mit ihrem Tun bezwecken, wird erst im elften Satz klar und es ist eine lustige Überraschung, ein gelungenes Aha-Erlebnis. Auch die Illustrationen machen Spaß. Sie sind großformatig und auf das Wesentliche beschränkt. Dabei bestimmen kräftige Farben die Bilder. Nicht nur für Kinder dürfte dieses Bilderbuch interessant sein. Auch für Sammler außergewöhnlicher Bilderbücher ist es zu empfehlen.

Rezension von Heike Rau

Heinz Janisch / Carola Holland
HO RUCK!
32 Seiten, lam. Pappband, durchgehend illustriert
ab 4 Jahren
Annette Betz Verlag
ISBN: 3-219-11200-5
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Ergebenst, eurer Schurik

Ergebenst, eurer Schurik

Da der Vater bei einem Unfall verstorben ist, wird Schurik im Einklang mit seiner Mutter von seiner Großmutter erzogen. Er hat eine glückliche Kindheit. Zu Beginn des letzen Schuljahres lernt er Lilja bei einer Literaturvorlesung kennen und verliebt sich heftig. Eine Einladung führt ihn in ein Atelier. Hier lernt er Mathilda kennen und beginnt mit ihr, eine immer nur Montags stattfindende, Liebebeziehung. Seine Gefühle zu Lilja beeinflusst das nicht. Doch Lilja wandert mit ihren Eltern nach Israel aus. Und auch seine geliebte Großmutter verlässt ihn nach einem Herzinfarkt. Die nächste Frau, der er sich nicht entziehen kann, ist Alja, eine Kommilitonin. Aber auch Faina, die Chefin seiner Mutter, hat es auf ihn abgesehen. Und Schurik versucht, allen „seinen“ Frauen gerecht zu werden. Dann wird Schuriks Mutter krank. Es ist die Schilddrüse. Ausgerechnet als Schurik sich heimlich aus der Wohnung geschlichen hat, erleidet sie einen Anfall und muss sich den Notarzt selber rufen. Schurik bereut, nicht rechtzeitig da gewesen zu sein. Eine heftige Abscheu gegen sich selbst packt ihn. Ab sofort soll alles anders werden. Doch die nächste Versuchung lauert schon.

Schurik ist ein herzensguter Mann, freundlich, großzügig, hilfsbereit und voller Pflichtgefühl. Wie eine Marionette lässt er sich von den Frauen in seiner Umgebung leiten, allen voran seine Mutter, mit der er untrennbar verbunden ist, bzw. zusammenlebt. Die Autorin erzählt die Geschichte mit viel Humor und Ironie und spart nicht mit tiefgründigen Anspielungen. Die Liebe ist für Schurik nur Mittel zum Zweck, hat bald nichts Romantisches mehr. Aus Mitleid steht er seinen Mann oder weil es eben kein anderer tut. Immer ist er zur Stelle, besorgt Medikamente, füttert die Katzen oder spendet Trost. Er kann nicht anders.

Die Geschichte ist verrückt und komisch und doch auch wieder traurig und tragisch. Dabei spielt Schurik als Hauptperson gar nicht mal immer die tragende Rolle. Es sind doch eher die Frauen, so unterschiedlich und doch immer gleich, mit ihren Bedürfnissen. Echte und falsche Gefühle werden mit ungeheurer Intensität und sehr unverblümt beleuchtet. Behutsam und nicht schonungslos werden Schuriks Schwächen auf sehr unterhaltsame Art und Weise offengelegt. Trotz aller Ironie wirkt er jedoch nicht lächerlich, auch wenn man einige Male nicht umhin kommt, ihn, der oft nur aus Mitleid und Hilfsbereitschaft heraus handelt und sich selbst dabei vergisst, zu bedauern.
Die vom Schreibstil her sehr gut lesbare Geschichte ist eingebettet in den sowjetischen Alltag der neunzehnhundertfünfziger bis achtziger Jahre. Das ist eine sehr faszinierende Kulisse mit interessanten Einblicken in diese Zeit.

Über die Autorin:
Ljudmila Ulitzkaja wurde 1943 geboren und wuchs in Moskau auf. Sie schreibt Drehbücher, Hörspiele, Theaterstücke und erzählende Prosa und erhielt in Frankreich 1996 für ihre Erzählung „Sonetschka“ den Prix Médicis. 2001 erhielt die Autorin den Booker Prize Russland.

Rezension von Heike Rau

Ljudmila Ulitzkaja
Ergebenst, eurer Schurik
Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt
494 Seiten, gebunden
Carl Hanser Verlag München Wien
ISBN: 3-446-20665-5
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Caspar

Caspar

Ende des 18. Jahrhunderts. Der siebenjährige Caspar sitzt im Gasthaus Schwan bei Exenheim in Würzburg und wartet. Doch seine Mutter und der Stiefvater kommen nicht zurück. So muss er vorerst bei der Schwanenwirtin Kreszenz Borst bleiben, die aber will ihn gar nicht. Noch einen Esser mehr, kann sie nicht brauchen, was sie Caspar nur allzu deutlich macht. In Karolin, der Tochter der Wirtin, die ihm oft seltsame Geschichten erzählt, findet er eine Freundin und erlebt so wenigstens einig glückliche Momente.
Der Pfarrer bringt den Zettel, der um Caspars Hals hing, zum Amtmann Bröm. Hierauf steht, wer der Vater sein soll, nämlich der Schwartz, Porzellanmaler in der welschen Schweiz. So, wie es aussieht, hat er einiges an Vermögen beim Amtmann hinterlegt. Davon will die Schwanenwirtin natürlich ihren Teil für die Verpflegung des Jungen. Aber nun wittern auch andere, dass es etwas zu holen gibt. Und bald findet Caspar eine neue Unterkunft. Er kommt zu Bauer Melcher, der das Kostgeld gut gebrauchen kann, aber sonst an dem Jungen kein gutes Haar lässt. Zusammen mit Karolin träumt er von Flucht. Bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg. Und doch schafft er es eines Tages, Arbeit in der Porzellanfabrik zu finden und sich damit den Wunsch nach Unabhängigkeit für eine gewisse Zeit ein Stück weit zu erfüllen.

Das Schicksal Caspars, so erfährt der Leser im Anhang, ist historisch belegt. Auch wenn es nur wenige Dokumente gibt. Der Autorin ist es gelungen, die Lücken glaubwürdig auszufüllen. Sie erzählt die tragische Geschichte mit viel Fingerspitzengefühl, besticht mit einem sehr individuellen Erzählstil und verleiht dem menschlich sehr bewegenden Schicksal Caspars damit eine spürbare Tiefe. Die Hintergründe sind sehr gründlich recherchiert, so dass die Geschichte durch viele historische Details sehr lebendig wirkt. In diesem Zusammenhang sind zum Beispiel die Ausführungen über die Porzellanfabrik zu nennen, in der Caspar lernt. Sehr tiefgreifend ist auch Caspars schwierige Freundschaft zu Karolin beschrieben, die er liebt, mit der er seine Fluchtpläne teilt und die er doch so sehr verletzt. Immer hofft man mit Caspar auf ein gutes Ende und ahnt doch, dass dieser junge Mann kaum eine Chance hat.

Über die Autorin:
Beate Rothmaier wurde 1962 in Ellwangen geboren. Sie studierte in München und Tübingen Germanistik und Romanistik, unterrichtete Deutsch an einem Lysèe in Frankreich, arbeitete für verschiedene Verlage und als Texterin in einer Webeagentur. Die Autorin lebt in Zürich.

Rezension von Heike Rau

Beate Rothmaier
Caspar
192 Seiten, gebunden
Nagel & Kimche
ISBN: 3-312-00367-9
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Charlie Bone und das Geheimnis der blauen Schlange

Charlie Bone und das Geheimnis der blauen Schlange

Benjamin muss mit seinen Eltern, die dort einen gut bezahlten Auftrag an Land gezogen haben, nach Hongkong. Da sein großer Hund Runnerbean nicht mitkommen kann, drängt Benjamin ihn kurzerhand Charlie auf. Das Tier muss jedoch vor Grandma Bone versteckt werden, da diese Hunde über alles hasst. Vielleicht kann Onkel Paton helfen. Doch der ist gar nicht da und hat eine seltsame Nachricht für Charlie hinterlassen. Angeblich führen seine merkwürdigen Schwestern etwas im Schilde, wogegen Paton etwas unternehmen muss, da sonst eine sehr gefährliche Person auftauchen wird. Für Charlie ist dieser Brief ein Rätsel. Er erzählt seiner anderen Großmutter Maisie von dem Hund und dem Brief. Und sie will versuchen, sich um den Hund zu kümmern. Am selben Tag schleppen Grandma Bone, Tante Lucretia und Tante Venetia ein seltsames Mädchen an. Ihr soll Charlie von seiner Schule erzählen, der Bloor-Akademie für sonderbegabte Kinder, die Belle nun auch besuchen soll. Worin Belles Sonderbegabung besteht, bleibt Charlie jedoch zunächst verborgen. Ob sie gar am Ende die gefährliche Person ist, über die Onkel Paton geschrieben hat?
In der Schule findet Charlies Mitschülerin Emma auch einen Brief. Der Schreiber warnt ebenfalls vor dem Auftauchen einer bestimmten Person, einem Gestaltwandler. Der Brief gehört Mr Boldova, dem Kunstlehrer, der auf der Suche nach seinem kleinen Bruder Ollie ist. Dieser ist eines Tages einfach verschwunden. Emma glaubt, dass er irgendwo auf dem Speicher der Bloor-Akademie sein könnte. Dafür hat sie glaubhafte Argumente. Charlie und Emma finden Ollie tatsächlich, doch er ist unsichtbar, bis auf einen Zeh. Angeblich ist eine blaue Schlange für sein Schicksal verantwortlich. Die Kinder wollen Ollie gerne helfen, doch so einfach ist das nicht.

Der 12-jährige Charlie, der Bilder sprechen hören und in sie hineingehen kann, erlebt wieder unglaubliche Abenteuer. Die Autorin hat sich jede Menge Neues einfallen lassen, so dass es nie langweilig wird. Doch auch bekannte Figuren haben ihren Auftritt. Die drei unheimlichen Schwestern übertreiben es in ihrer Boshaftigkeit diesmal, so dass die Spannung ins Unermessliche geht. Nichts ist vorhersehbar, immer wieder gibt es interessante Wendungen und Überraschendes, das begeistert. Und auch an humorvollen Szenen fehlt es nicht. Charlie nutzt auch wieder seine Sonderbegabung, doch wird ihm das diesmal fast zum Verhängnis. Er befreit aus Versehen einen berüchtigten Hexenmeister aus einem Bild. Doch er entdeckt dadurch auch eine weitere Begabung, die ihm bisher verborgen geblieben ist und die er hoffentlich in einem nächsten Band weiterentwickeln wird.
Vom Schreibstil her liest sich das Buch sehr gut. Es ist mit viel Tempo geschrieben, die Handlung ist sehr packend, wirkt gut durchdacht und ist trotz der vielen fantastischen Elemente sehr gut vorstellbar. Wer die Zeit hat, wird es in einem Rutsch durchlesen.

Über die Autorin:
Jenny Nimmo spielte nach ihrem Schauspielstudium Kindertheater und arbeitete beim Rundfunk. Ihr erste Kinderbuch erschien 1975. Ihre Bücher wurden mehrfach mit dem britischen „Smartie-Award“ für Kinderliteratur ausgezeichnet und teilweise fürs Fernsehen verfilmt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in einer alten Wassermühle in Wales.
Rezension von Heike Rau

Kleiner Hinweis: Besprechungen zum ersten Band „Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“ und zum zweiten Band „Charlie Bone und die magische Zeitkugel“ befinden sich ebenfalls in unserem Rezensionspool. Einfach den Titel in die Suchmaske eingeben!

Jenny Nimmo
Charlie Bone und das Geheimnis der blauen Schlange
Aus dem Englischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
336 Seiten, gebunden
ab 10 Jahren
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-34470-2
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Aufbruch ins Blaue

Aufbruch ins Blaue

Lorenz Breitfeld und Kurz Leopoldseder teilen ihre Begeisterung für den hohen Norden. Sie sind von sogenannten „arktischen Virus“ befallen. Kennen gelernt haben sie sich in Grönland, waren aber, als das Buch entstand, noch nicht zusammen unterwegs gewesen. Dennoch entschlossen sie sich gemeinsam, dieses Buch zu schreiben. So bringen sie ihre abenteuerlichen Reisen von Island über Grönland, Baffin Island, Kanada, Alaska bis Spitzbergen dem Leser nahe.

Sie reisen mit dem Kajak, zu Fuß, auf Skiern oder mit dem Hundeschlitten, erkunden die einsamen Landschaften. Sie schildern unvergessliche und wohl auch einmalige Momente, meistern gefährliche Situationen, loten ihre Grenzen aus, erleben Lebenshöhepunkte und bewähren sich unter menschenfeindlichen Bedingungen.

Mit den Texten und Tagebucheinträgen ist es den Autoren nicht ganz gelungen ihre Faszination für den hohen Norden herüberzubringen. Nach längerem Lesen wirken sie zu wenig ausgearbeitet und gleichförmig, als wollten die Autoren ihre Gefühle doch nicht gänzlich offenbaren oder fanden keine Worte dafür. Die Stärke des Buches liegt eindeutig in den sensationellen Fotografien. Hier sind die Bilder von den Nordlichtern auf Baffin Island und in Grönland zu nennen oder auch das Foto vom Mount Hunter. Sehr gut gefallen haben auch die großen zweiseitigen Fotografien mit reizvollen Bild in Bild Arrangements, die außerordentlich beeindruckend sind. Die Motive sind einzigartig und nicht selten grandios. Von diesen Bildern kann man einfach nicht genug bekommen.

Über die Autoren:

Lorenz Breitfeld, geboren 1974, reiste schon in seiner Jugend in ganz Europa, Australien und Afrika. Seit über 10 Jahren unternimmt er Reisen in den hohen Norden. Er unterbrach sein Medizinstudium, um eine Saison als Hundeschlittenführer in Spitzbergen zu arbeiten und verbrachte einen Sommer in Ostgrönland, um in einem Krankenhaus ein Praktikum zu absolvieren. Lorenz Breitfeld lebt heute in Lienz, Osttirol.

Kurz Leopoldseder, geboren 1965, verdiente sich mit Jobs als Koch und Kellner das nötige Geld, um sich seine Träume zu erfüllen. So hat er Opale in Australien gesucht oder ist Tausende von Flusskilometern durch das Yukon-Territorium gepaddelt. In den letzten Jahren war er zunehmend in arktischen Regionen unterwegs. Seine Sehnsucht nach neuen Abenteuern ist ungebrochen.

Rezension von Heike Rau

Lorenz Breitfeld / Kurt Leopoldseder
Aufbruch ins Blaue
128 Seiten, zahlreiche Farbfotografien
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen
ISBN: 3-7888-0900-0
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Wildschweingeschichten

Wildschweingeschichten

Wildschweine sind Heinz Meynhardts Forschungsobjekt. In diesem Buch erzählt er, was er in neun Jahren bei seinen täglichen Besuchen im Wald erlebt hat. Er hat das Unmögliche geschafft. Er hat sich den Tieren genähert und ihr Vertrauen gewonnen. Und das ihm diese Arbeit viel Spaß gemacht hat, merkt man dem Buch an.

Der Autor erzählt auf welche Art und Weise er sich den sehr scheuen und nicht ungefährlichen Tieren genähert hat. Viel Geduld und Mühe war erforderlich. Immerhin hat es zwei Jahre gedauert, bis der erste echte Sozialkontakt aufgebaut war. Täglich hat er Mais, ein großer Leckerbissen für Wildschweine, an einer bestimmten Stelle ausgestreut, bis es endlich soweit war, und die Tiere sich nicht mehr an seiner Anwesenheit störten und er sie nun viel besser beobachten konnte. Doch bis er als Ranghöchster in der Rotte anerkannt wurde, war es noch ein langer und spannender Weg.

Der Verlag J. Neumann-Neudamm hat das beliebte DDR-Kinderbuch neu aufgelegt. Kinder ab 10 Jahren erfahren hier viel Wissenswertes über freilebende Wildschweine. Natürlich dürfen auch Erwachsene lesen. Der Autor wartet auf mit vielen verblüffenden Erkenntnissen und einzigartigen Erfahrungen. So hautnah wie er, hat nie ein Mensch zuvor, die Tiere erleben können. Seine Begeisterung ist spürbar. Von seiner Forschungsarbeit zeugen auch die vielen, fast immer ganzseitigen Fotos, die einen tiefen Einblick in das Wildschweinleben in freier Natur geben. Es gibt Originalfotografien aber auch aktuelle Aufnahmen, die den Text ergänzen. Gut gefallen hat, dass der Autor mit viel Humor von „seinen“ Tieren erzählt und Fachbegriffe immer gleich im Text erklärt, was besonders wichtig für das Verständnis von Kindern ist.

Über den Autor:
Hein Meynhardt, 1989 verstorben, gilt als international anerkannter Schwarzwildexperte und renommierter Buch-, Film-, und Fernsehautor.

Rezension von Heike Rau

Heinz Meynhardt
Wildschweingeschichten
96 Seiten, gebunden, mit zahlreichen Fotos
ab 10 Jahren
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen
ISBN: 3-7888-1018-1
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Das Ravensburger Werkbuch – Kreatives Gestalten

Das Ravensburger Werkbuch – Kreatives Gestalten

In diesem Standardwerk geht es um die Grundtechniken des Kreativen Gestaltens. Dabei werden in vielen Kapiteln die unterschiedlichen Techniken vorgestellt und Erklärungen zu Werkstoffen und Werkzeugen gegeben. Die vielen Gestaltungsideen geben Anregungen sich selbst auszuprobieren oder Kindern beim Basteln und Werken mit Arbeitsanweisungen, Rat und Tat zur Seite stehen zu können.

Man kennt diese Bastelbücher mit so perfekten Motiven, dass man sie auch mit viel Übung und Fingerspitzengefühl kaum so hinbekommen würde. Im vorliegenden Buch dürfen Kinder ihre Werke zeigen, die, das sieht man ihnen an, einfach aus Spaß an der eigenen Kreativität entstanden sind, ganz ohne den Anspruch vollkommen sein zu müssen. Gerade Kinder werden die kleinen Meisterwerke, die entstanden sind, bewundern, als ganz besondere Anregung sehen und große Lust bekommen, sich selbst auszuprobieren.

Sehen wir uns ein Kapitel näher an: Malen
Hier werden verschieden Techniken vorgestellt, beispielsweise die Aquarellmalerei. Besonders interessant sind hier die ineinanderlaufenden Farben. An diesem einzigartigen Farbenspiel haben schon kleine Kinder ihre Freude. Sehr gut gefällt das Beispielbild des 11-jährigen Patrik „Indianersommer“. Gemalt wird auch mit Deckfarbe. Besonders inspirierend ist hier „Die Sonne lacht“ des 5jährigen Felix. Es folgen Erläuterungen und Beispiele zum Malen mit Ölkreide, Pulverfarbe, Leuchtfarbe und anderen. Sehr interessant ist auch die Hinterglasmalerei. Beeindruckend und einzigartig sind auch die Fließbilder oder die Murmelbilder, deren Entstehung doch sehr vom Zufall abhängig ist und die so immer gut für eine Überraschung sind. Besonders gut gefällt das Bild „Pusteblumen“ des 14-jährigen Philipp. Sehr schön geworden ist auch das Seidentuch „Vase“ der 9-jährigen Vanessa. Immer gibt es einleitende Informationen, Erklärungen zur Vorgehensweise, also zu den Arbeitstechniken, und Auflistungen der benötigten Materialien. Dazu kommen die vielen hilfreichen Tipps. So erfährt der Leser beispielsweise, wie man Farbflecken aus der Kleidung herausbekommt.

Das Buch ist eine Quelle der Inspiration. Es weckt die Lust am Zeichnen und Basteln. So kann man die verschiedenen Techniken kennen lernen und ausprobieren. Erklärt wird die altbekannte Kartoffeldrucktechnik, genau wie der beliebte Faltschnitt, das Papierschöpfen, das Arbeiten mit Salzteig oder das Bearbeiten von Speckstein. Die Texte sind verständlich und die Schritt-für-Schritt-Anleitungen gut nachvollziehbar. So kann man sich auch an schwierig aussehende oder noch nie ausprobierte Techniken heranwagen. Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis ist vorhanden und auch ein Register, wo man nach einer bestimmten Technik schnell suchen kann.
Das Buch ist sehr empfehlenswert, für Klein und Groß, Kindergärtner, Lehrer, Eltern mit ihren Kindern und alle die gern kreativ sind.

Über die Autoren:
Ute und Tilman Michalski haben schon eine Reihe erfolgreicher Werk- und Bastelbücher veröffentlicht. Ute Michalski testet als Kunst- und Werklehrerin alle Arbeiten mit ihren Schülern und Tilman Michalski setzt diese Ideen dann lebendig und anschaulich um.

Rezension von Heike Rau

Ute & Tilman Michalski
Das Ravensburger Werkbuch – Kreatives Gestalten
Zeichen – Malen – Drucken – Filzen
140 Seiten mit durchgehend farbigen Fotos
und farbigen Illustrationen von Tilman Michalski
ab 4 Jahren
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-55607-6
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Die Verfluchten

Die Verfluchten

Ägypten im 16. Jahrhundert, mitten in der libyschen Wüste.
Der Überfall kommt überraschend. Sich an Andrej und den Nubier Abu Dun heranzuwagen, stellte sich allerdings als schwerer Fehler heraus. Die beiden Unsterblichen wissen sich zu wehren. Etliche der Angreifer bezahlen mit ihrem Leben oder werden übel zugerichtet. Die anderen fliehen. Die Lage bleibt trotzdem ernst. Abu Dun und Andrej stehen ohne Pferde da, haben nichts zu essen und fast kein Wasser mehr. Außerdem sieht es ganz so aus, als hätten die beiden sich verirrt. Abu Dun, der sich hier in der Wüste auskennt, streitet das ab, gibt aber zu, das der Weg bis zur nächsten Karawanserei weit ist. So folgen sie den Räubern. Irgendwo müssen diese ihr Lager haben. Pferde sind ungeeignete Reittiere, um die Wüste zu durchqueren. Außerdem hatten die Pferde keine Packtaschen und kein Wasser dabei, was diese Theorie unterstreicht.

Bald treffen Andrej und Abu Dun auf das Heerlager. Aber einfach hineingehen, um zwei Pferde und Proviant zu stehlen, ist ein zu großes Risiko. Der Zufall kommt den beiden zu Hilfe. Eine Karawane hält auf das Lager zu. Es sind Sklavenhändler. Abu Dun wird klar, dass sie es hier nicht mit einfachen Räubern zu tun haben, sondern unter Umständen mit den Anführen der Sklavenhändler. Leute, nach denen er gesucht hat. Er selbst war als Kind in die Sklaverei verschleppt und auf einem Markt weiterverkauft worden. Sklavenhändler haben seine ganze Familie ausgelöscht und sein Heimatdorf zerstört. Doch jeder, der in das Heerlager hinein will, wird kontrolliert. Andrej und Abu Dun gelingt es, sich unter die Sklaven zu mischen und sich so Zutritt zur Festung zu verschaffen.

Unter den Sklaven befindet sich eine Frau, von der Andrej sofort fasziniert ist. Meruhe ist von herber Schönheit und sie hat eine sehr geheimnisvolle Ausstrahlung. Zwei Soldaten kommen, um die Frau zu ihrem Herrn Ali Jhin zu bringen. Für Andrej und Abu Dun ist das Anlass genug, einen Ausbruchsversuch aus dem Kerker zu wagen, der auch gelingt, dank Abu Duns ungeheuren Kräften. Abu Dun überwältigt Ali Jhin spielend und befreit Meruhe aus einer brenzligen Lage. Sie zeigt sich jedoch wenig dankbar und in ihren eigenen Plänen gestört. Ali Jhin scheint nicht zu wissen, wer seine wahren Auftraggeber sind. Doch Meruhe gibt einen Hinweis. Einer der wahren Herren soll sich von Zeit zu Zeit verkleidet auf dem großen Sklavenmarkt von Damaskus zeigen. Doch zunächst müssen die Sklaven befreit werden, was mit viel Geschick auch klappt. Meruhe will sie zurück in die Höhlen führen, wo sie in Sicherheit sind. Doch Abu Dun vertraut Meruhe nicht. Er glaubt, dass Meruhe die Gruppe eher immer tiefer in die Wüste hineinführt. Dabei sind ihnen die Verfolger dicht auf den Fersen und drohen sie zu umzingeln.

„Die Verfluchten“ ist der achte Band der Reihe „Die Chronik der Unsterblichen“, aber ein in sich abgeschlossenes Buch. Es enthält 530 Seiten pure Spannung. Andrejs und Abu Duns Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt. Das liegt vor allem an Meruhe, einer faszinierenden, geheimnisvollen Frau, die Andrejs Handeln und sein Denken beeinflusst und die er dennoch unterschätzt und mit ihm wohl auch der Leser.
Geschrieben ist das Buch in einem leicht lesbaren Stil. Ohne Problem kann man der Handlung folgen, wird immer tiefer in ein unglaublich packendes Abenteuer hineingezogen, dem man sich nicht entziehen kann. Das Buch ist einfach wunderbar zu lesen. Und auch an Witz, der manchmal in den Dialogen zwischen Abu Dun und Andrej, zwei wirklich starken Helden, zum Tragen kommt, fehlt es dem Buch nicht. Besonders spannend sind die ausführlich beschriebenen, und damit sehr gut vorstellbaren Kampfszenen, die sich Abu Dun und Andrej stellen müssen. Das Faszinierende an diesem Buch ist aber das Ungewisse, mit dem sich die beiden auseinandersetzen müssen. Über der Geschichte liegt immer etwas Mystisches und Geheimnisvolles und manchmal scheint es fast so, dass Andrej und Abu Dun doch nicht so unverwundbar sind, wie sie glauben. Unbedingt Lesen!

Über den Autor:
Wolfgang Hohlbein wurde 1953 in Weimar geboren. Er ist der meistgelesene deutschsprachige Autor fantastischern Unterhaltung. Der Durchbruch gelang ihm 1982 mit dem Buch „Märchenmond“. Er lebt mit seiner Frau und Co-Autorin Heike Hohlbein und seinen Kindern am Niederrhein.

Rezension von Heike Rau

Wolfgang Hohlbein
Die Chronik der Unsterblichen
Die Verfluchten
530 Seiten, gebunden
Egmont vgs verlagsgesellschaft, Köln
ISBN: 3-8025-3459-X
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Upps, komm Zähne putzen

Upps, komm Zähne putzen

Lucas liegt schon im Bett, als es plötzlich an die Fensterscheibe klopft. Es ist das Upps, endlich ist es wieder da. Das Upps amüsiert sich über Lucas’ Zahnlücken und glaubt, die fehlenden Zähne hat ihm jemand geklaut. Dabei sind das Milchzähne gewesen, die Lukas, als sie gewackelt haben, einfach herausgedreht hat. Dann muss es vom Zähneputzen kommen, denkt das Upps. Vielleicht hat Lucas die Zähne weggeschrubbt. Aber Lucas erklärt, wie das mit den Milchzähnen ist und warum sie eines Tages raus müssen.

Das Upps hat keine Ahnung von Zahnpflege und weiß nicht, wie man Zahnteufelchen verjagt. Monster putzen eigentlich keine Zähne. Doch Lucas weiß längst Bescheid und erklärt alles. Und als der Zahnarzt in die Vorschule kommt, geht es ins Detail. Die Kinder erfahren, was die Zahnteufelchen wirklich sind und warum auch die Milchzähne gründlich geputzt werden müssen, obwohl sie doch eines Tages ausfallen. Die richtige Zahnputztechnik wird erklärt und Ernährungstipps werden gegeben.

Kindern werden mit diesem Buch auf sehr ansprechende Art und Weise und ganz ohne erhobenen Zeigefinger an die Zahnpflege herangeführt. Das kleine Monster Upps vom Planeten Maxnix übernimmt die Rolle des Unwissenden, so das Lucas alles, was er schon weiß, erklären kann. Noch genauere Informationen und Wissenswertes steuert der Schulzahnarzt bei. Der Text ist kindgerecht, leicht verständlich und gut zum Vorlesen geeignet. Was besonders wichtig ist, wird noch einmal sehr einprägsam, beispielsweise in Merkversen, zusammengefasst. Ergänzt wird die lustige Geschichte von gut gemachten Illustrationen. Die Bilder sind sehr farbenfroh und detailreich. Im Anhang befindet sich das Zahnteufelchen-Würfelspiel. Alle Kinder mit Zahnlücken dürfen sich auf den Weg zum Schloss der Zahnfee machen. Das der Weg nicht ganz ungefährlich ist, versteht sich von selbst. Die Kariesteufelchen lauern überall. Dank einfacher Regeln, die auch von kleinen Kindern gut zu erfassen sind, macht das Spiel viel Spaß.

Rezension von Heike Rau

Ursel Scheffler (Text) / Jutta Tim (Illustrationen)
Upps, komm Zähne putzen
32 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert, mit Würfelspiel im Anhang
ab 5 Jahre
arsEdition, München
ISBN: 3-7607-1444-7
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