Browsed by
Kategorie: Kinderbuch

Peter Härtling: Paul das Hauskind

Peter Härtling: Paul das Hauskind

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Pauls Eltern sind beruflich stark eingespannt. Die Mutter arbeitet in New York als Journalistin und auch der Vater ist als Werbefachmann viel unterwegs. Der 12-jährige Paul ist also viel ohne seine Eltern in der Frankfurter Wohnung. Ohne Aufsicht ist er allerdings nicht. Die Hausgemeinschaft kümmert sich um Paul. Als der Vater für längere Zeit verreisen muss, wird Paul nebenan bei Ersatzoma Käthe untergebracht. Eigentlich möchte Paul nicht bei Oma Käthe schlafen. Das Zimmer, in das er ziehen soll, gefällt ihm nicht. Aber wenn er nicht allein sein will, bleibt ihm nichts anderes übrig.

Ohne Eltern sieht Paul sich mit einigen Problemen konfrontiert. Wer soll die Sechs im Diktat unterschreiben? Dr. Adam Schwarzhaupt, Anwalt im Ruhestand, und ebenfalls im Haus wohnend, übernimmt es schließlich, einen Brief an die Lehrerin zu schreiben.

Ab und zu ist der Vater für einen Tag im Haus. Paul ist sehr enttäuscht, als er hört, dass die Eltern sich scheiden lassen wollen. Paul will nicht mehr in die Wohnung zurück und mit seinem Vater zusammen sein. Er versteckt sich im Keller. Das hindert seinen Vater allerdings nicht daran, wieder zu verschwinden. Die Hausgemeinschaft kümmert sich. Dass alle sich so große Sorgen gemacht und nach ihm gesucht haben, tröstet Paul.

Als Opa Käthe krank wird und ins Krankenhaus muss, wird Paul im Haus von einer anderen Familie aufgenommen. Auch hier kann er nicht lange bleiben. Aber auch dann springen wieder andere Mieter ein. Auf Dauer kann es jedoch so nicht weiter gehen.

Es ist ein sehr kritisches Buch, das die Situation einer Familie schildert, die auseinandergerissen wird, durch Umstände, die schlecht nachzuvollziehen sind. Leidtragender ist Paul, der mit der ständigen Abwesenheit seiner Eltern klar kommen muss. Die Mutter zieht ihre Arbeit einem Familienleben vor. Der Vater wird aufgrund von beruflichem Stress und den familiären Problemen krank.

Die Hausgemeinschaft fängt Paul auf. Doch hat diese Nachbarschaftshilfe, so hoch man diese auch anrechnen muss, seine Grenzen. Alles in allem wirkt die Geschichte deswegen auch sehr traurig. Irgendwie ist das Kinderbuch auch eines für Erwachsen, das anmahnt die Verantwortung für Kinder ernst zu nehmen. Ein Buch, das zeigt, wie alleingelassene sich manche Kinder fühlen. So gut man sie auch unterbringt, die elterliche Liebe ist nicht so einfach zu ersetzten. Und so geht die Geschichte auch nicht wirklich gut aus. Die Eltern werden sich scheiden lassen und nichts wird wieder so werden, wie es früher einmal war. Paul muss sich damit arrangieren. Aber man weiß, er wird es mit der Hilfe anderer schaffen.

Rezension von Heike Rau

Peter Härtling
Paul das Hauskind
181 Seiten, gebunden
Beltz & Gelberg
ISBN-10: 3407799772
ISBN-13: 978-3407799777
-> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

Wieland Freund: Falsches Spiel in Silver City

Wieland Freund: Falsches Spiel in Silver City

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Es ist eine Menge Geld, mit der Dave Kellen da unterwegs ist. Er hütet es gut, aber wohl ist ihm nicht bei der Sache. Von dem Geld, so haben seine Brüder beschlossen, sollen in Virginia City Anteile an einer Silbermine gekauft werden.
Vor Silver City passiert es dann. Die Postkutsche wird überfallen. Er und seine Mitreisenden Edmund Curry und Penny Dreadful sind einem dreisten Dieb ausgeliefert. Edmund erweist sich nicht gerade als Held. Zwar versucht er gegen den einarmigen Räuber vorzugehen, aber ein von ihm abgefeuerter Schuss streift Dave. Dann wird Edmund niedergeschlagen und der Räuber macht weiter Beute. Auch Daves Geldkatze gerät ins Visier des skrupellosen Diebes.
In Silver City sucht man sofort den Sheriff Sam Finney auf. Dave hat sich als Erklärung für seine Reise eine Lüge ausgedacht. Er erzählt, nach Salt Lake zu wollen, wo sein Onkel ihn mit dem Geld zur Begleichung von Schulden erwartet.
Im Büro des Sheriffs erfahren die drei, dass der Einarmige nicht zum ersten Mal zugeschlagen hat. Dave und die zwei Erwachsenen wollen vorerst in der Stadt bleiben. Sie haben Hoffnung, dass der Dieb geschnappt wird.
Allerdings hat niemand mehr Geld. Als sie Hiram McLoud von den „Argent News“ treffen, scheint sich eine Möglichkeit zu ergeben. Edmund Curry gibt vor, Autor zu sein. Er wäre bereit über den Überfall in der Zeitung zu berichten. So nimmt Hiram die Reisenden auf.

Unversehens strandet die kleine Reisegruppe in Silver City, ohne einen Cent in der Tasche. Edmund Curry hat ohnehin nicht viel besessen. Penny Dreadful hat etwas mehr zu verlieren, darunter auch einen Schmuckstein, einen schwarzen Karfunkel. Für Dave steht schon etwas mehr auf dem Spiel.
Und weil die drei wiederhaben wollen, was gestohlen wurde und der einarmige Bandit nicht einfach so davonkommen soll, bilden sie ein Team. In Hiram McLoud finden sie einen Verbündeten. Es ist spannend zu beobachten, wie diese ungleichen Personen zu einem Team zusammenwachsen.

Die Hintergründe zum Roman sind also für sich genommen schon mal sehr spannend. Der Autor bedient dazu die üblichen Klieschees, so wie man es von einem ordentlichen Wildwest-Krimi erwartet. Da stimmt einfach alles.
Der Buchtitel sagt aber schon einmal aus, dass es nicht einfach sein wird, den Fall zu lösen. Dem entsprechend abenteuerlich geht es bei der Suche nach dem Räuber zu. Vor Überraschungen im Verlauf der Handlung kann man nie sicher sein. Sehr unterhaltsam sind auch die eingebauten lustigen Szenen.

Sehr gut gefallen die Figuren. Allen voran der 12-jährige Dave, dem seine Rolle als Kind auch gelassen wird. Bei Edmund Curry und Penny Dreadful kann man nur spekulieren. Sie haben ihre Geheimnisse. Man interessiert sich für sie. Aber auch alle Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet. Die Geschichte wirkt dadurch sehr lebendig. Der Schreibstil tut ein Übriges. Das Buch liest sich sehr flüssig.

Der Sheriff zeigt sich wenig engagiert, so dass die Dinge vor allem von den anderen in die Hände genommen werden müssen. Doch gerade Edmund Curry ist ein aufmerksamer und wissbegieriger Zuhörer. Er geht auf die Menschen zu und weckt umgehend ihr Vertrauen, selbst wenn er Lügen erzählt. So kommt er an Informationen, die wichtig sind. Es macht sehr viel Spaß zu lesen, wie die Geschichte sich entwickelt, wie ganz langsam Licht ins Dunkel kommt. Die Handlung bleibt abenteuerlich bis zum Schluss und wird mit einer Überraschung aufgelöst. Ein wirklich wunderbares Buch!

Rezension von Heike Rau

Wieland Freund
Falsches Spiel in Silver City
Eine Wildwest-Geschichte
152 Seiten, gebunden
Beltz & Gelberg
ISBN-10: 3407799853
ISBN-13: 978-3407799852
-> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

Per Olov Enquist: Großvater und die Schmuggler

Per Olov Enquist: Großvater und die Schmuggler

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Im Sommer kommen die Enkelkinder wieder zu Großvater und seiner Frau Gunilla. Sie wollen die Ferien in der Abgeschiedenheit von Söderås verbringen.
Geplant ist die Besteigung des Dreihöhlenberges. Diesmal wollen die Kinder es bis zur dritten Höhle schaffen. Vor drei Jahren musste die Tour nämlich vorzeitig abgebrochen werden, weil der Großvater sich ein Bein gebrochen hatte. Über die gefährliche Wanderung hatte er dann ein Kinderbuch geschrieben.

Bei einem Angelausflug mit dem Boot wird am Ufer etwas entdeckt. Hund Pelle ist es, der Großvater, Marcus und Gabriel darauf aufmerksam macht. Es ist ein verstecktes Zelt. Die drei beschließen, sich umzusehen und finden hier das vom Großvater geschriebene Kinderbuch, dem eine Karte mit dem Weg und den drei Höhlen beiliegt. Der Großvater ahnt, dass hier etwas nicht stimmt. Möglicherweise gehört Schmugglern das Zelt.

Wieder zu Hause angekommen, wird die Polizei verständigt. Doch als man das Zelt besichtigen will, ist es weg. Überhaupt geben die Polizisten sich sehr desinteressiert. Nachts kommt dann ein Anruf, den Marcus entgegennimmt. Ein Fremder bedroht den Großvater.
Dennoch oder gerade weil man wissen muss, was da überhaupt gespielt wird, plant der Großvater den Dreihöhlenberg mit den älteren Kindern trotz der Gefahr zur besteigen. Dann wird man ja sehen, ob der alte Mann mit seinen Vermutungen richtig liegt.

Viel brauchen die Kinder nicht, um in Söderås glücklich zu sein. Großvater und Gunella sorgen gut für die Enkel und die Natur ist ihr Spielplatz. Der Großvater, obwohl schon sehr alt und auch ein bisschen wunderlich, ist für jedes Abenteuer zu haben. Und schon ist man mittendrin.

Dieses Mal geht es um Schmuggler. Weil die Polizei kein Interesse an dem Fall zu haben scheint, wollen der Großvater und die älteren Enkelkinder Marcus Gabriel und Mina mit Hund Pelle selbst herausfinden, was Sache ist. So werden die Ferien sehr abenteuerlich.

Die Geschichte liest sich ganz wunderbar. Auch zum Vorlesen ist sie bestens für die ganze Familie geeignet. Man begleitet die Enkelkinder und den Großvater gerne auf ihrer abenteuerlichen Tour, die nicht nur spannend, sondern auch sehr gefährlich ist. Aber auch daneben ist die Geschichte sehr schön ausgeschmückt. Die lebhaften Kinder sind der Natur sehr verbunden und auch den frei lebenden Tieren gegenüber verhalten sie sich liebevoll und zeigen Respekt. Spannende Themen werden in diesem Zusammenhang aufgegriffen.

Dem Familienhund kommt eine besondere Rolle zu. Weil die Kinder ihm so zugetan sind, können sie aus seinem Verhalten Schlüsse ziehen. So erweist sich Pelle als große Hilfe.
Es ist kein Buch, das man einfach so weg liest. Es gibt vieles das zum Nachdenken anregt und über das man sprechen kann. Es ist ein richtig guter Kinderkrimi.

Rezension von Heike Rau

Per Olov Enquist
Großvater und die Schmuggler
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt
Mit Bildern von Leonard Erlbruch
157 Seiten, gebunden
Carl Hanser Verlag
ISBN-10: 3446236597
ISBN-13: 978-3446236592
-> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

Sabine Lohf: Meine kleine Seh-Reise

Sabine Lohf: Meine kleine Seh-Reise

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Die Natur zu beobachten, kann für kleine Kinder sehr spannend sein.
Wenn dann auch noch der Fantasie freien Lauf gelassen wird, gibt es die eine oder andere Überraschung. Eine Wiese ist nicht mehr einfach nur eine Wiese. Hier gibt es Grasindianer, die in Tipis aus Grasbüscheln leben.
Wenn der Löwenzahn blüht, kann man sich vorzustellen, die Blütenköpfchen wären funkelnde Sterne. Und später im Jahr kann man sich dann mit den Samen-Fallschirmen vom Wind davon treiben lassen. Wenn dieser Wind stattdessen in ein Gerstenfeld fährt, ist das, als würde es zum Meer mit hohen Wellen. Man könnte ein Papierschiffchen darauf schwimmen lassen.
Auch einen Waldspaziergang kann man machen. Hier gibt es Waldwesen, die sich eigentlich versteckt halten. Nur wer genau hinsieht, kann die Burg zwischen den Bäumen sehen und die Wesen, die dort wohnen.
Im Herbst fallen dann die Blätter von den Laubbäumen. Den Blätterfall erlebt man als Regen aus Gold und Silber. Ist es ein wolkiger Tag schauen die Schäfchenwolken zu. Sind es Schäfchen oder kann man auch andere Figuren erkennen?

Die Illustrationen im Buch gefallen gut. Sie wirken verspielt, fantasievoll und damit für Kinder inspirierend. Sie wecken Interesse an der Natur und zeigen den Rahmen für Naturerlebnisse auf.
Das Buch ist eine Einladung für Kinder, auf eine Fantasiereise zu gehen. Mit den Anregungen im Buch entstehen ganz eigene Vorstellungen und Geschichten. Die Natur wird zur Bühne für Fantasiegestalten. Es gibt viel zu entdecken. Kreativität wird geweckt. Mit Naturmaterialen zu basteln, macht Spaß. Ideen liefert das Buch, aber keine Bastelanleitungen, so dass ganz eigene Werke entstehen können. Dinge, die Beschäftigung bringen, mit denen man spielen kann.
Kinder können immer wieder im Buch blättern. Denn mit den Jahreszeiten ändert sich die Natur und so auch die Möglichkeiten draußen etwas zu erleben. Jede Zeit hat ihre Besonderheiten und auch das wird mit dem Buch sehr schön herausgestrichen.

Rezension von Heike Rau

Sabine Lohf
Meine kleine Seh-Reise
Spannende Entdeckungen in der Natur
64 Seiten, gebunden
Ravensburger Buchverlag
ISBN-10: 3473324108
ISBN-13: 978-3473324101
-> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

Sandra Grimm: Mein erstes großes Fühlbuch

Sandra Grimm: Mein erstes großes Fühlbuch

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Wie fühlt sich wohl das Fell einer Katze an? Mit diesem Buch können kleine Kinder das herausfinden. Es gibt aber noch andere Tiere. Das Fell des Hundes ist ein bisschen strubbliger und das des Häschens wieder ganz weich. Die Kuh hat eine erstaunlich raue Zunge. Der Maulwurf hat ein eher glattes Fell und der Bär hat ganz wuschelweiche Ohren. Und wie fühlen sich Fische an?

Das Buch ist in seiner Aufmachung sehr ansprechend. Schon das kleine gelbe Entenküken vorn auf dem Cover mit dem streichelweichen Flügel lädt zum Berühren ein. Das Buch wird für Kinder ab 18 Monaten empfohlen.

Zu den Bildern gibt es immer einen kleinen Text in Form eines gereimten Vierzeilers mit kindgerechten Informationen zu den Tieren. Das lässt sich gut vorlesen und weckt Interesse beim Kind. Die Zeichnungen zeigen die Tiere als freundliche Kuscheltiere, oft auch als Tierkinder, in ihrem Umfeld. Ganz ohne befürchten zu müssen, dass jemand kratzt oder beißt, können Kinder die verschiedenen Tiere kennen lernen.

Die Zeichnungen sind nicht überladen und dennoch detailreich. Genau richtig für kleine Kinder. Sehr gut gefällt auch die Farbauswahl. Auf jeder Seite dominieren andere freundlich Farben. Mal Rosa, mal Orange, Hellblau oder Grün. Das Anschauen wird direkt mit dem Fühlen verbunden. Erfahrungen zu sammeln, wird für Kinder also leicht gemacht. Die verwendeten Materialien zum Streicheln sind ganz unterschiedlich in der Struktur, Weichheit und Tiefe und auch etwas festere, gröbere Materialien sind dabei.

Die Streichelflächen sind eher klein gehalten. Es löst sich nichts. Allerdings sind diese Flächen manchmal sehr hell, sogar weiß. Diese verschmutzen dann doch schneller und sehen etwas abgegriffen aus, gerade, wenn sich die ganz Kleinen mit den Seiten beschäftigen.

Das Buch ist sehr stabil. Die Pappe ist dick und formbeständig und gut für Kinderhände zu fassen. Durch die Ringbindung geht das Umblättern leicht von der Hand. Außerdem klappen die Buchseiten so nicht von allein zu.

Rezension von Heike Rau

Sandra Grimm
Mein erstes großes Fühlbuch
Illustration von Monika Neubacher-Fesser
16 Seiten, Ringbindung
Ravensburger Buchverlag
ISBN-10: 3473324663
ISBN-13: 978-3473324668
-> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

Thad Krasnesky: Ich mach, was ich will – ich bin doch noch klein!

Thad Krasnesky: Ich mach, was ich will – ich bin doch noch klein!

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Immer mal wieder passiert Lara ein Malheur. Doch weil sie noch so klein ist, mag Mama nicht mit ihr schimpfen. Sie nimmt Lara auch dann in Schutz, als ihr der Orangensaft umkippt und Papas neue Hose ruiniert. Die Geschwister sind nicht mehr ganz so nachsichtig. Tom ist empört, als Lara aus Unachtsamkeit sein Bauwerk zerstört. Aber Mama ist wieder auf Laras Seite, weil die Kleine glaubhaft vermitteln kann, dass Tom sie geärgert hat.
Auch bei ihrer Schwester Susi funktioniert die Masche. Lara nimmt einfach Sachen von ihr, um ihr Puppenhaus zu erweitern. Als Susi ihr Eigentum zurückverlangt, schlichtet Mama wieder ganz in Laras Sinn. Schließlich hat Lara ihr gesagt, dass Susi ihr Spielzeug nicht mit ihr teilen will.

Doch irgendwann treibt Lara es zu weit. Als sie nimmt, was ihr gefällt und es als Piratenbeute im Garten vergraben will, hört der Spaß auf. Nicht nur, dass sie einfach Dinge, die ihr nicht gehören, genommen hat – auch die Wohnung ist bei ihrem Piratenstreifzug ziemlich schmutzig geworden. Mama ist nicht da, um die Kleine wieder in Schutz zu nehmen und Papa verlangt, dass Lara selbst wieder für Ordnung sorgt. Doch ihre Art sauberzumachen vergrößert das Chaos nur noch. Da mag selbst Mama nicht mehr für Lara einstehen, auch wenn das kleine Mädchen erst drei Jahre alt ist.

Wie alle Kinder in diesem Alter testet Lara ihre Grenzen aus. Sie ist ein pfiffiges, fantasievolles und gewitztes Kind und weiß, wie sie ihre Mutter manipulieren kann. So kommt sie mit ihren Aktionen tatsächlich eine Weile durch. Doch Grenzen müssen gesetzt werden, das sieht auch die Mutter irgendwann ein und so muss Lara lernen innerhalb dieser zu leben.

Das vorliegende Buch ist natürlich in erster Linie ein Kinderbuch. Kinder können sehen, wie es wirkt, wenn einer in der Familie sich rücksichtslos verhält und bockig, wütend und schreiend, seinen Willen durchzusetzen versucht. Die Bilder sprechen eine eigene Sprache. Besonders die Mimik der handelnden Personen spricht Bände.

Das Buch fungiert also gleichzeitig als Erziehungsratgeber. Denn es zeigt, wohin es führt, wenn Eltern ihren Kindern, auch wenn diese noch so klein sind, keine Grenzen setzen und auch unangebrachtes Verhalten mit dem jungen Alter des Kindes entschuldigen.

Davon mal abgesehen, dass das Buch einen ernsten Hintergrund hat, ist es sehr kindgerecht geschrieben und gestaltet. Kinder und Eltern kennen diese Situationen mit Sicherheit. Immer angemessen zu reagieren, ist nicht leicht. Autor und Illustrator kommen aber nicht mit erhobenem Zeigefinger daher. Vielmehr vermitteln sie die Geschichte mit viel Humor in den Texten und Bildern. Natürlich wird etwas überzogen dargestellt, was passiert. Eltern und Kinder können über das Buch leicht ins Gespräch kommen. Und vielleicht hilft das, damit es zu Hause zukünftig etwas ruhiger zugeht.

Rezension von Heike Rau

Thad Krasnesky
Ich mach, was ich will – ich bin doch noch klein!
Illustriert von David Parkins
40 Seiten, gebunden
ab 3 Jahren
Lappan Verlag
ISBN-10: 3830311672
ISBN-13: 978-3830311676
-> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

Die Blindfische: Geht doch in den Dschungel, ey!

Die Blindfische: Geht doch in den Dschungel, ey!

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Die Blindfische machen gern Musik. Rockmusik! Da kann es schon mal laut werden. Herr Schimpf wird dann schon mal sauer. Gerne würde er die Blindfische in den Dschungel schicken. Nur… wie kommt man dahin? Mit einem Schiff vielleicht? Nun, in diesem Fall muss eine Badewanne als Ersatz herhalten. Der Song dazu heißt „Sturm in der Badewanne“. Und wenn man dann schon mal im Dschungel ist, kann man die dortige Schule besuchen. Mit den Liedern „Die Dschungelschule“ und „King Kong“ gelingt die Vorstellung.
Als Herr Schimpf die Blindfische wieder beim Krach machen erwischt, würde er sie am liebsten auf den Mond schicken. Auch daraus machen die Blindfische gleich die passenden Song: „Wir fliegen zum Mond“. Weitere Lieder folgen.

Das alles ist fantasievoll und farbenfroh illustriert. Schon das Buch anzusehen macht Spaß und sehr neugierig auf die beiliegende CD.
Kinder kann man damit leicht für Musik, also hausgemachte Musik mit deutschen Texten, begeistern. Die Geschichte ist spannend gemacht. Die gezeichneten Blindfische sind zwar nicht die hübschesten Typen, aber singen können sie! Mit ihrer groovigen Pop- und Rockmusik sorgen sie für Stimmung.
Kinder bekommen auch ein Gefühl dafür, wie es ist eigene Lieder zu erfinden. Spaß macht es auch zu texten. Bei den Blindfischen wirken die Texte auch manchmal, wie aus dem Stegreif erfunden. Das macht Lust, selbst zu improvisieren. Besonders der Song „Ich koch Spinat“ zeigt, wie es geht, mit lustigen Reimen auf einen Liedertext zu kommen.

Die vorgestellten Lieder kann man schon nach dem ersten Anhören halbwegs mitsingen, die Melodien hat man schnell drauf. Texte und Noten, mit Gitarrenbegleitung, hat man im Buch. Wer nicht singen mag, der rappt. Hauptsache der Rhythmus stimmt. Und das tut er, denn man klatscht automatisch mit. Kinder werden mitgerissen und bekommen Lust auf mehr Bewegung.
Auch dieser Drang kann ausgelebt werden. Die Blindfische, diesmal die echten und nicht die gezeichneten, zeigen wie der „Seemannsgang“ und der „Blindfischgruß“ gehen. Man kann sich hierzu auch das kleine Filmchen, das allerdings ziemlich ruckelt, auf der CD ansehen. Es ist trotzdem sehenswert, Andi Steil, Rolf Weinert und Roland Buchholz in Aktion zu erleben.

Rezension von Heike Rau

Die Blindfische
Geht doch in den Dschungel, ey!
Mit Illustrationen von Uli Reen
29 Seiten, gebunden
Mit CD, Gesamtspielzeit 50 min
Lappan Verlag
ISBN-10: 3830311605
ISBN-13: 978-3830311607
-> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

Das große Fabelbuch

Das große Fabelbuch

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Mehr als 100 Fabeln sind in diesem Band versammelt. Über Jahrhunderte hinweg haben sie Bestand, werden immerzu weitergegeben und erneut erzählt. Immer haben diese Geschichten einen tieferen Sinn, eine Moral. Manche Wahrheit wäre unangenehm, würden nicht Tiere, die wie Menschen handeln, die Akteure der Fabeln sein. Diese Tiere sind in ihren Charakterzügen den Menschen gleich, haben wie sie Fehler. Doch so mit den Schwächen konfrontiert zu werden, tut nicht weh.
Man kann vorbehaltlos über das nachdenken, was geschrieben steht und Kritik annehmen, eigene Schwächen erkennen, die Lehren annehmen und einen weiteren Schritt tun, auf den Weg zur Weisheit.

Breitgefächert ist die Auswahl. So findet man im Buch „Der Löwe und die Stiere“ von Johann Gottfried von Herder, „Wer sich mit fremden Federn schmückt“ von Gotthold Ephraim Lessing, „Der Zaunkönig“ von den Brüdern Grimm, „Die Maus und die Schnecke“ von August Gottlieb Meissner, „Die Mücke und der Löwe“ von Christian Fürchtegott Gellert, „Der junge und der alte Fuchs“ von Johann Ulrich Megerle, „Frischgebäck und frische Fische“ von Ludwig Bechstein und auch „Der Falke und der Hahn“ von Leo Tolstoj.

Manche Fabel geht über mehrere Seiten, andere kommen mit ein paar Zeilen aus. Lehrreich und unterhaltsam sind sie alle. Die Auswahl überzeugt.
Das Buch kommt in sehr schöner Aufmachung daher. Es wurde von Gerhard Glück illustriert. Diese Bilder gehen manchmal sogar über eine Doppelseite. Diese sehr detailreichen, lebendigen Zeichnungen gefallen ausgesprochen gut.

Die Fabeln eigen sich gut zum Vorlesen für Kinder. Denn immer liefern sie reichlich Gesprächstoff. Die Pointe erschließt sich meist sofort. Trotzdem ist es gerade für Kinder wichtig, sich darüber auszutauschen, damit auch ein Lerneffekt entsteht.
Die Fabelsammlung ist ein Familienbuch. Jung und Alt dürften ihre Freunde daran haben. Mann kann immer wieder im Buch lesen und so auch die Geschichten bewahren.

Rezension von Heike Rau

Das große Fabelbuch
Illustriert von Gerhard Glück
173 Seiten, gebunden
Lappan Verlag
ISBN-10: 3830311583
ISBN-13: 978-3830311584
-> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

Wolfgang Brunner: Kim Schepper und die Kinder von Marubor

Wolfgang Brunner: Kim Schepper und die Kinder von Marubor

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Wenn man in Wolfgang Brunners Buch zu lesen beginnt, wird man in ein modernes Märchen, in eine Fantasiegeschichte hineingezogen. Was vom Titel her so ähnlich klingt wie „Die fünf Freunde“ oder „TKKG“, ist eine ungewöhnliche Mischung aus Kinderkrimi, Fantasy und Science-Fiction.

Schnell sieht man sich beim Lesen an der Seite von Kim Schepper, einem dreizehnjährigen Mädchen, welches am Grab ihre kleineren Bruders trauert. Der elfjährige Tom ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, so heißt es … Doch schon auf der Beerdigung kommt Kim in Kontakt mit einem Klassenkameraden ihres Bruders. Der lädt sie ein, den Friedhof mit ihm zur mitternächtlichen Zeit zu besuchen. Kims Neugier wurde geweckt. Bei diesem Besuch erfährt sie von weiteren Kindern, die angeblich ihre Geschwister bei einem Unfall verloren. Auch der Klassenkamerad Julian trauert um seine Schwester. Kim erfährt, dass die Geschwister in Wirklichkeit gar nicht tot sind. Sie leben zwar nicht mehr, aber sie sind auch nicht tot. Ihr Zustand ist „geringlebend“, also irgendwo zwischen Leben und Tod. Auf dem Friedhof können die Kinder ihre gering lebenden Geschwister treffen, mit ihnen sprechen und agieren. Die Geringlebenden sind für die Lebenden nicht unsichtbar. Sie nennen sich die Kinder von Marubor. Bislang wissen diese Kinder, dass sie Teil eines Experiments waren, welches die Firma „Kirkos Marubor“ unterhalb des Friedhofs und auf einer nahegelegenen Insel durchgeführt hat. Offizielles Ziel des Experiments ist, das Leben der Menschen zu verlängern, inoffizielles Ziel allerdings, für den Inhaber der Firma in Wirklichkeit die Weltherrschaft zu erlangen. Dieses Experiment war jedoch missglückt, was die Testpersonen in diesen Schwebezustand des Geringlebens versetzte. Um das Experiment und dessen Unfall zu verschleiern, waren an der Oberfläche die Unfälle für die Kinder inszeniert worden.

Doch nicht nur menschliche Figuren bekommen in dieser Geschichte einen Platz eingeräumt. Besonders neckisch: Die Kinder, die sich bei der Aufklärung der Machenschaften und des Experiments auch die Hilfe von erwachsenen Personen hinzuholen, werden bei ihren Forschungen in den Gewölben von einer Fledermaus begleitet, die sich, anders als in aktuellen Vampirszenarien, nicht von Blut ernährt, dafür aber umso genüsslicher Kaugummi kaut.

Ein amüsanter und nett gestalteter Kinder- und Jugendroman, der einem ähnlichen Plot bereits o. g. Kinderbücher folgt. Dabei ist er der erste einer bislang auf fünf Bände angelegten Romanreihe. Die Geschichte ist unheimlich interessant und überaus verständlich und nachvollziehbar geschrieben. Mit etwas weniger textlichen Wiederholungen, hätte die Geschichte nicht an Substanz verloren und die Spannung wäre nicht zu sehr mit Überlängen strapaziert worden.

Wolfgang Brunner
Kim Schepper und die Kinder von Marubor
351 Seiten, broschiert
NOEL-Verlag
ISBN-10: 3940209511
ISBN-13: 978-3940209511

(c) Detlef Knut, Düsseldorf, 2010
-> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

Anu Stohner: Neues von den Weihnachtsmäusen

Anu Stohner: Neues von den Weihnachtsmäusen

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Immer am 1. Dezember beginnend, versammeln sich die Tiere auf der Lichtung im Wald, um die 24 Adventskalendergeschichten zu hören. Erzählt werden diese von der Stadtmaus. Doch dieses Mal warten die Tiere vergeblich. Die Geschichtenerzählerin erscheint nicht. Die Tiere machen sich Sorgen, der Stadtmaus könnte etwas passiert sein.
Schließlich bringt die Kirchenmaus Nachricht. Die Stadtmaus ist beim Schlittschuhlaufen gestürzt und hat sich den Knöchel gebrochen. Und weil ein Unglück selten allein kommt, gab es auch noch einen zweiten Sturz im Käseladen, bei dem die Stadtmaus sich beinahe die Nagezähnchen abgebrochen hätte. Nun muss sie nicht nur ihren Fuß schonen, sondern auch noch schweigen.
Die Adventskalendergeschichten wird es trotzdem geben. Jeden Tag will die Stadtmaus einen Brief mit einer Geschichte schreiben, den die Kirchenmaus überbringen und vorlesen wird.

Die Kalendergeschichte beginnt unheilvoll. Der Oberweihnachtsmann kann es nicht abwarten, auf dem eben erst zugefrorenen See Schlittschuh zu laufen. Als er übermütig versucht, einen Rittberger zu springen, stürzt er und ein heftiger Schmerz fährt ihm in den Knöchel. Die anderen Weihnachtsmänner stürzen herbei, um zu helfen. Doch diese Last vermag das noch dünne Eis nicht zu tragen und schon stehen alle Weihnachtsmänner bis zum Bauch im eiskalten Wasser. Zwei Jungweihnachtsmänner helfen dem Oberweihnachtsmann, während die anderen Weihnachtsmänner nach Hause eilen, um sich zu trocknen und mit Blaubeertee mit Honig aufzuwärmen.
Der Weihnachtsmanndoktor schaut schon mal nach, ob er genug Schnupfentropfen und Kratzehalspastillen im Arzneischrank hat, denn er befürchtet eine Schnupfen- und Kratzehalswelle.
Wenig später bringen auch schon die Jungweihnachtsmänner den Oberweihnachtsmann, der mittlerweile eingefroren ist.

Das ist die Zusammenfassung der ersten drei Adventskalendergeschichten. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Es geht aber ebenso spannend weiter.
Nicht nur, dass die Geschichten von der Stadtmaus vorgetragen wird, sie wird auch von den zuhörenden Tieren kommentiert, die regen Anteil an den Geschehnissen nehmen. Die Stadtmaus macht es nämlich ordentlich spannend. Die Geschichten enden Tag für Tag abrupt an der interessantesten Stelle. Aber so groß die Neugier auch ist, man muss warten bis zum nächsten Tag, denn erst dann liest die Stadtmaus weiter.

Die Geschichte in ihrer Gesamtheit ist sehr kindgerecht geschrieben. Sie ist überaus witzig, lebt vor allem von der Komik der einzigartigen Figuren und ist damit sehr unterhaltsam. Die mit sehr feinem Strich gezeichneten Illustrationen gefallen ausgesprochen gut.
Damit ist das Buch als Adventskalender sehr gut geeignet, um die Zeit bis Weihnachten ein wenig zu verkürzen.
Die Geschichte eignet sich für größere Kinder zum Selberlesen, für kleinere zum Vorlesen. Wobei das Vorlesen sicher sehr viel mehr Spaß macht, denn der Text dürfte eine Bereicherung für die ganze Familie sein.

Rezension von Heike Rau

Anu Stohner
Neues von den Weihnachtsmäusen
Eine Adventskalendergeschichte
Mit Bildern von Reinhard Michl
139 Seiten, gebunden
ab 6 Jahren
Carl Hanser Verlag
ISBN-10: 3446235957
ISBN-13: 978-3446235953
-> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen