Das Ravensburger Werkbuch Papier

Das Ravensburger Werkbuch Papier

Mit Papier kann man wunderbar basteln. So lassen sich aus einem einfachen Papierstreifen durch gezielte Einschnitte und geschicktes Rollen, Wellen oder Knicken Schlangen, Schnecken oder auch ein Tausendfüßer herstellen. Das kann jedes Kind mit etwas Fantasie oder mit Hilfe der Anleitungen im Buch.
Auch klassische Bastelideen, wie etwa der Fröbelstern oder die Papierschiffchen findet man. Es gibt aber noch viel mehr zu entdecken. Leicht nachzumachen sind die Papiergirlanden, die Windräder oder die Faltflieger. Wer etwas mehr Zeit für dieses schöne Hobby hat, kann sich an einem Kugelturm, Handpuppen, oder Papierblumen versuchen. Und wer dem Papierbasteln verfallen ist, kann sich im Konstruieren von Pfahlbauten oder dem Bau eines Puppenhauses mit einer Mäusefamilie als Bewohner austoben. Es wird gefaltet, geklebt, geflochten, geformt, geschnitten, gerissen, gefärbt und gestaltet mit Materialien wie Buntpapier, Krepppapier, Milchtüten, Schachteln und Kartons, Seidenpapier, Wellpappe, Zeitungspapier und vielem mehr.

Das Buch kann Zuhause, im Kindergarten und der Schule zur Hand genommen werden. Jede Bastelanleitung ist in Schritte unterteilt. Dazu gibt es viele Bilder und Zeichnungen. Man hat keine Mühe, diesen Anweisungen zu folgen. Aber bei schwierigen Bastelarbeiten sollte man schon über etwas Geschick verfügen. Die Bastelideen gefallen gut. Es ist für jede Altersgruppe etwas dabei. Und auch für die Jahreszeiten oder Feiertage geeignete Basteleien fehlen nicht. So kann man mit Hilfe der Anleitungen Weihnachts- oder Osterschmuck basteln. Man findet Dekoratives oder Bastelarbeiten mit denen Kinder sehr kreativ spielen können. Viele Bastelideen eignen sich auch sehr gut für Kindergruppen, wie zum Beispiel der Windradbaum. Einige Basteleien fallen aber auch durch ihre Originalität auf, wie etwas die Ballon-Kopfmasken. Viele der gebastelten Dinge eigenen sich auch als Geschenk, so etwa die Steckrosen-Töpfchen.
Die Fotos laden zum Mitmachen und Ausprobieren ein. Auf Perfektion wird keinen Wert gelegt. Die Bastelarbeiten bestechen durch ihre Einzigartigkeit. Man sieht ihnen an, dass sie mit viel Freude und Enthusiasmus selbstgebastelt worden sind.
Mit im Buch kann man auch Geschichtliches über das Papier nachlesen und damit sein Allgemeinwissen aufbessern. Hilfreich sind auch die Kurzinformationen hinten im Buch zu den verschiedenen Papierarten, Arbeitsmaterialien und Werkzeugen.

Fazit: Ein tolles Buch mit kreativen Bastelideen rund ums Papier.

Rezension von Heike Rau

Ute & Tilman Michalski
Das Ravensburger Werkbuch Papier
Schneiden, Falten, Gestalten
140 Seiten, gebunden
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 978-3-473-55629-8
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Ungehorsam

Ungehorsam

Naomi Alderman Ungehorsam Berlin Verlag
ISBN-13: 978-3827006769

In diesem Erstlingsroman von Naomi Alderman vermischt sich Religiöses und Weltliches auf eine ernste, humorvolle und nicht zuletzt erkenntnisreiche Art und Weise.

Er lässt den Wind wehen und den Regen fallen. Er hält die Lebenden in Gnaden, belebt die Toten in großer Barmherzigkeit.

Jedes Kapitel in diesem Buch beginnt mit einem Spruch aus der Bibel oder aus der Tora und anderen heiligen Werken der jüdischen Religion. Die kurzen biblischen Texte werden in ihren Bezug zum Leben gestellt und leiten in den eigentlichen Roman über.

Ronit, Mitte dreißig, ist Investmentbankerin, Jüdin, frech, forsch, lebenslustig und emanzipiert. Sie lebt in New York.
Als sie einen Anruf aus Hendon bei London bekommt, dass ihr Vater, gestorben ist, fliegt sie spontan in ihre Heimat. Sie kehrt unverhofft in ein Leben zurück, das sie längst hinter sich glaubte.

Sie begegnet in der orthodoxen jüdischen Gemeinde, in der ihr Vater angesehener Rabbiner war, alten Bekannten und Verwandten, vor allem aber Esti, ihrer Jugendfreundin.
Die Entwicklung dieser beiden Frauen wird nun aufgerollt, teils rückschauend, teils in der Gegenwart.
Es ist eine, wie es heißt, nicht erlaubte Beziehung, die beide Freundinnen miteinander verbindet. Wie es dazu kam und welche Konsequenzen sich für jede von ihnen daraus ergab, das ist das bestrickend beschriebene Thema der Geschichte, um die sich aber auch jüdisches Gemeindeleben in England rangt.

Was es heißt, Jüdin zu sein, und was es heißt , lesbisch zu sein ; mit diesen Fragen beschäftigt sich N. Alderman in diesem Buch. Sie stehen aber für ähnliche Fragen, in denen der Mensch Orientierung und Richtung für das eigene Leben sucht.
Antworten auf Fragen dieser Art bietet der Talmud, der die Gesetzestexte der Tora für den Menschen anwendbar macht.
Die Geschichten der Lebenden in diesem Buch bieten den Hintergrund, auf dem sich die religiösen Vorgaben messen lassen.

Der Text dieser Geschichte bietet viel Stoff zum Nachdenken.
Ich würde dieses Buch als einen Roman mit hohem literarischem Anspruch und philosophischem Hintergrund bezeichnen. Zugleich liest sich das Buch unterhaltsam und nicht schwierig. Ich kann es jedem interessierten Leser sehr empfehlen.

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Johannistag

Johannistag

Courtillon ist ein kleines, abgeschiedenes Dorf in der französischen Provinz. Hierher flüchtet der Ich-Erzähler. Er will um seine verloren Liebe trauern und sich einlullen lassen vom beschaulichen Dorfleben.
Die Idylle trügt allerdings. Die Gefühle kochen hoch, als Valentine Charbonnier in einer Vollmondnacht aus dem Fenster fällt. Jean meint, er sei schuld, auch wenn keiner weiß, wie er darauf kommt. Zum Glück hat sie sich nicht ernsthaft verletzt. Auf alle Fälle hat die Dorfgemeinschaft nun wieder etwas zum Tratschen. Vielleicht ist das Mädchen ja nur geschlafwandelt. Leise denkt man darüber nach, ob sie möglicherweise gestoßen worden ist oder gar selbst gesprungen.

Es kehrt schon fast wieder Ruhe ein, als Jean zusammengeschlagen wird. Geprügelt taucht er beim Erzähler auf und berichtet von den zwei jungen Männern mit Motorradhelmen, die beim Pilzesammeln auf ihn losgegangen sind. Die Sache muss geplant gewesen sein, aber über die Gründe kann man allerdings nur spekulieren. Also ist es besser, meint Jean, einen Unfall vorzutäuschen.
Aber wie das so ist, Lügen haben kurze Beine.

Dann wird der Erzähler von einem alten Mann gewarnt. Sehr eindringlich, aber wovor er warnt, bleibt unverständlich. Dem Erzähler kommt es vor, als bekomme er ein Theaterstück geboten.
Valentine taucht ab sofort nur noch in Begleitung zweier junger Kerle auf. Der Erzähler hat natürlich sofort einen Verdacht. Er erzählt Jean von Valentines verdächtigen Freunden. Jean interessiert sich nicht dafür, er hat etwas viel Spannenderes zu erzählen. Eine Geschichte aus dem Krieg. Damals war der General, also der alte Mann, der die Warnung ausgesprochen hat gerade mal achtzehn. Die Dorfgemeinschaft hat damals ein Attentat auf einen Zug verhindert. Die Deutschen wurden von jemanden aus dem Dorf informiert. Dass die Sache Hintergründe hatte und nur ein Ablenkungsmanöver war, konnte man nicht wissen. Der Kurier mit dem Geld wurde erschossen.

Jean hat nun etwas Licht in die dunkle Sache gebracht. Mit einem Metalldetektor hat er eine Gürtelschnalle ausfindig gemacht. Nun weiß er, wo das Grab des Kuriers ist. Er kann jetzt beweisen, dass des Bürgermeisters Vater, der Mörder gewesen ist. Auch wenn die Sache fünfzig Jahre her ist, kann man den Bürgermeister noch damit erpressen.

Der Autor hat hier eine sehr interessante Geschichte vorgelegt. Der Erzähler gerät in eine Sache hinein, von der er nie zu Träumen gewagt hätte. Er, der nur nach Ruhe und Abgeschiedenheit gesucht hat, wird zum Spielball einer Intrige, welche die Dorfgemeinschaft mit Hingabe spinnt. In einem arrangierten Theaterstück übernimmt der Erzähler die Aufgabe eines Detektivs und wird bei seiner Suche nach der Wahrheit schamlos manipuliert. Die Dorfbewohner sind im Vertuschen sehr geschickt. Sie füttern ihn mit leckeren Häppchen, um vom Wesentlichen abzulenken. Es ist dementsprechend spannend, den Fortgang der Geschichte zu verfolgen.

Das Dorf, als Kulisse, wird sehr bildhaft beschrieben. Es ist ein Ort, der mehr Geschichten als Häuser hat. Die Einwohner kompensieren ihre Langeweile mit Neugier, die um jeden Preis befriedigt werden muss. Da wird zur Wirklichkeit gemacht, was einmal Lügen waren. Und dies beschreibt der Autor so fließend, dass die Grenze zwischen Wahrheit und Erfindung tatsächlich immer mehr verschwimmt. Man kann sich dem auch als Leser nicht entziehen.

Der Schreibstil des Autors ist als äußerst gekonnt zu bezeichnen. Seine bildhaften Beschreibungen sind von einer unglaublich tiefen Direktheit geprägt, obwohl es nur Wortspiele im weitesten Sinne sind. Man staunt über die geschickte Wortwahl. Auch die Beschreibung der Charaktere, in ihrer kleinkarierten Dramatik ist brillant. Aber der Autor beschreibt sie nicht nur, er „durchschaut“ sie. Selbst der Erzähler hat ein Geheimnis, das dem Leser nur langsam offenbart wird.
Unbedingt lesen!

Über den Autor:
Charles Lewinsky wurde 1946 geboren. Er lebt in Frankreich und Zürich, arbeitet als Dramaturg, Regisseur und Redakteur, schreibt Romane, Theaterstücke und Fernsehsendungen. Für das Buch „Johannisttag“ erhielt er den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung 2004.

Rezension von Heike Rau

Charles Lewinsky
Johannistag
316 Seiten, gebunden
Nagel & Kimche
ISBN: 978-3-312-00388-4
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Mama und Papa sind weg!

Mama und Papa sind weg!

Clara ist begeistert vom Jahrmarkt. So einen Rummel hat sie noch nicht erlebt. Sie staunt über das große Riesenrad, die Geisterbahnen und Losbuden, die laute Musik. Als Clara ihrem Papa die Achterbahn zeigen will, ist er verschwunden. Auch die Mutter ist weg. Überall sind so viele Menschen, aber ihre Eltern kann das Mädchen nicht entdecken.

Clara weint. Da beugt sich auch schon ein Mann zu ihr herunter und bietet Hilfe an. Da erinnert sich Clara, was ihre Mutter mal zu ihr gesagt hat. Wenn Clara Hilfe braucht, soll sie sich an eine Frau mit Kindern wenden. So läuft Clara zu einer Frau mit einem Jungen hinüber und erzählt, was passiert ist. Auch Frau Schmielke hat ihre Eltern verloren. Aber Ralf-Dieter sagt, er kann Kinder zu ihren Eltern zurückzaubern.

Das kann natürlich jedem Kind passieren, dass es im Getümmel seine Eltern verliert, egal ob auf dem Jahrmarkt oder auch in einem Einkaufszentrum. Kinder sollten darauf vorbereitet sein und genau das tut dieses Buch auf eine sehr fantasievolle Art und Weise und zwar ohne irgendwelche Schuldzuweisungen, sondern mit viel Einfühlungsvermögen. Dabei wird Claras Angst sehr Ernst genommen.
Das Buch kann also für dringend nötige Absprachen zwischen Eltern und Kind für den Fall der Fälle herangezogen werden. Im Buch werden einfache praktische Tipps dazu vermittelt, die das Wiederfinden erleichtern.
Es macht viel Spaß, die kleine lehrreiche Geschichte vorzulesen. Sie ist sehr schön und farbenfroh bebildert und geht natürlich gut aus.

Über den Autor:
Andreas Dierßen wurde 1962 geboren. Nach dem Besuch der Fachhochschule für Rechtspflege und Verwatung studierte er Illustration in Hamburg. Er veröffentlichte zahlreiche Comicalben und Kinderbücher.

Über den Illustrator:
Jürgen Rieckhoff wurde 1953 geboren. Er studierte Illustration und Kommunikationsdesign in Hamburg und ist seit 1984 freiberuflich als Cartoonist und Illustrator tätig und seit 1995 Professor für Zeichnen and der Hochschule Anhalt in Dessau.

Rezension von Heike Rau

Andreas Dierßen / Jürgen Rieckhoff
Mama und Papa sind weg!
32 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
ab 4 Jahren
Lappan Verlag, Oldenburg
ISBN: 978-3-8303-1116-4
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Im Land der Männer

Im Land der Männer

Dieses Buch kann man nicht mehr aus der Hand legen, wenn man einmal anfängt, es zu lesen.

Suleiman ist die Hauptfigur, ein Junge von neun Jahren. Aus seiner Sicht wird die Geschichte erzählt.
Man schreibt das Jahr 1979. Suleiman lebt mit seinen Eltern in Tripolis. Das Haus, in dem er mit seinen Eltern lebt, ist wichtigstes Lebenszentrum der Mutter und des Sohnes. In ihm spielt sich das Leben ab in einem Sommer, der so heiß ist, dass die Autoreifen schmelzen.
Vom Balkon aus sieht man das Meer, das sich in der flimmernden Hitze spiegelt. Man sieht die Blumen, riecht die Düfte, schmeckt die Maulbeeren, die Suleiman vom Baume pflückt. Mit seiner Mutter ist er viel alleine, wenn der Vater auf Geschäftsreisen ist. Sind es immer nur Geschäftsreisen?

Dunkle Andeutungen lassen Suleiman ahnen, dass seine Mutter sehr jung noch unfreiwillig an den Vater verheiratet wurde. Der Familienrat der Männer in ihrer Familie hatte es so beschlossen. Von ihrer Krankheit ist die Rede, die immer dann auftritt, wenn der Vater abwesend ist, was eine gelinde Umschreibung für Alkoholismus ist. Sie ist eine liebevolle und unberechenbare Mutter zugleich. Suleiman ist beiden Eltern in gleicher, zärtlicher, zuweilen auch ängstlicher Weise zugetan.

Es gibt die Freunde des Vaters, und auch Suleiman hat gute Freunde, besonders Karim, der ihm wie ein Bruder so nahe steht.

Was so idyllisch und exotisch beginnt, setzt sich fort als kommendes Unheil, das mit dem Regime unter Gaddafi das Leben in Libyen bedrohlich werden lässt, und das Land in eine Diktatur verwandelt. Noch gibt es Widerständler, die zum Boykott aufrufen.
Der Vater von Suleiman scheint in den Widerstand verwickelt zu sein. Auch andere gute Freunde der Familie sind betroffen.
Da Suleiman in der Ichform berichtet, wirkt das Tun und Treiben, das sich um ihn herum abspielt, unheimlich, da er vieles nicht versteht.

Die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu. Menschen verschwinden und kehren nicht zurück. Der Vater wird eines Tages schwer verletzt ins Haus zurück gebracht. Auch Suleiman geht zuletzt ohne die Eltern auf eine Reise nach Ägypten, ohne zu wissen, was ihn dort erwartet.

Wie menschliche Schicksale durch politische Verstrickungen enden können, das ist das Thema dieses Buches.
Es ist fein geschrieben und voller Poesie.
Dass es daneben eine Vielzahl von Geschichten über das Leben und die Menschen in Tripolis gibt, über Freundschaften und Feindschaften; dass kleine Jungs, wenn sie alleine gelassen werden in einer unheimlichen und verschwiegenen Erwachsenenwelt ungeahnten Ängsten ausgesetzt sind, das alles macht den Roman zu einem lebendigen und spannenden Buch. Es ist eine weise, traurige und sehr menschliche Geschichte, die ich sehr empfehlen kann.

Hisham Matar
Im Land der Männer
Leben unter Gewalt und Terror
ISBN:3630872441
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Das kleine Buch vom guten Leben

Das kleine Buch vom guten Leben

Glücklich zu sein, wünscht sich jeder Mensch. Unser Alltag ist aber meist von Stress, Hektik und Überforderung geprägt. Es gelingt nicht mehr zur Ruhe zu kommen. „Das kleine Buch vom guten Leben“ springt hier ein. Anselm Grün vermittelt, was wirklich wichtig ist im Leben. In kurzen Abschnitten gib er Denkanstöße und Tipps für ein gutes Leben. Dabei beschäftigt er sich mit vielen Themen des Alltags und vermittelt eine bessere Sichtweise auf das Leben. Zwischenmenschliches und sehr Persönliches finden hier natürlich besondere Beachtung. Er untermauert seine Ansichten mit Geschichten, Zitaten und Sprichwörtern.

„Das kleine Buch vom gutem Leben“ wird vorgetragen von Nadja Schulz-Berlinghoff und Markus Hoffmann. Beide Sprecher haben eine angenehme, ruhige Stimme, die ins Bewusstsein dringt.
Sehr gut gefallen hat auch die stimmungsvolle und sehr entspannend wirkende Musik von Michael Proksch. Flöte und Klavier sind hier die dominierenden Musikinstrumente. Die Musikstücke ermöglichen es, sich zurückzulehnen und den Text wirken zu lassen, eigene Gedanken zum Thema zu entwickeln. Das Hörbuch ist ja in erster Linie als Denkanstoß zu sehen. Und tatsächlich ist es sehr hilfreich. Anselm Grün bringt auf den Punkt, was glücklich und zufrieden macht im Leben.

Rezension von Heike Rau

Anselm Grün
Das kleine Buch vom guten Leben
Eine Auswahl mit Musik von Michael Proksch
Sprecher: Nadja Schulz-Berlinghoff & Markus Hoffmann
1 CD, ca. 75 Minuten
Herder & steinbach sprechende Bücher
ISBN: 978-3-88698-894-5
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Die beste Katze der Welt

Die beste Katze der Welt

Viktor liebt seine Katze über alles. Für ihn ist sie die beste Katze der Welt. Da macht es nichts, dass sie schon alt ist und oft zum Spielen zu müde. Eines Tages mag Charlie nicht mehr fressen. Die Tierärztin Doktor Levin kann nicht helfen. Sie kann Charlie nicht wieder jung machen. Die Katze stirbt ein paar Tage später.

Viktor ist ganz krank vor Traurigkeit, so vermisst er seinen Freund. Nichts kann ihn trösten. Die Mutter, die sein Lieblingsessen kocht nicht, die Tierärztin nicht und auch die Kinder in der Schule nicht. Viktor möchte auch keine neue Katze haben. Er will Charlie nicht vergessen.

Doch dann ruft die Tierärztin an. Sie sucht für ein neugeborenes Kätzchen ein Zuhause. Viktor zögert, doch er erklärt sich bereit, sich das Tier einmal anzusehen. Er mag das Kätzchen sofort. Es ist ganz anders als Charlie. So möchte es zum Beispiel im Gegensatz zu Charlie nicht beim Fressen gestreichelt werden. Auch schläft es lieber auf dem Fensterbrett, als auf einem Kissen direkt neben Viktor. Es hat einen völlig eigenen Charakter. Aber das macht nichts. Die beiden werden trotzdem Freunde.

Die Geschichte ist anfangs sehr traurig. Viktor kann den Verlust seines geliebten Haustieres kaum verschmerzen. Es wird gezeigt, wie Charlie trauert und schließlich den Schmerz überwindet und den Tod der Katze beginnt zu verarbeiten. Dies geschieht auf eine sehr feinfühlige, einfühlsame und behutsame Art und Weise. Und auch wenn Viktor schließlich ein neues Kätzchen bekommt. Charlie wird er nie vergessen.
Das Buch ist damit sicher sehr tröstlich für Kinder, die ebenfalls den Verlust eines Haustieres fürchten oder zu beklagen haben. Die Geschichte hilft, die Gefühle zu verarbeiten und schließlich wieder nach vorn zu sehen.
Sehr gut gefallen auch die mit Wasserfarben gezeichneten Illustrationen, die die verschiedenen Stimmungen sehr deutlich und nachvollziehbar machen, so spielen sich Viktors Gefühle sehr gut in seinem Gesichtsausdruck wider.

Über die Autorin:
Lesléa Newmann lebt in Northampton, Massachusetts. Sie hat in den USA schon mehrere Katzengeschichten für Kinder veröffentlicht.

Über den Illustrator:
Ronald Himler lebt in Tucson, Arizona. Er hat schon mehr als 75 Bilderbücher illustriert.

Rezension von Heike Rau

Lesléa Newmann / Ronald Himler
Die beste Katze der Welt
32 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
ab 4 Jahren
Lappan Verlag, Oldenburg
ISBN: 978-3-8303-1119-5
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Auf der anderen Seite des Flusses

Auf der anderen Seite des Flusses

Von dem Tag an, als sein Bruder Jake geboren wird, kommt dem 5-jährigen Arthur die Rolle des Beschützers zu. Er tut es seiner Mutter zuliebe, die von Anfang an Angst um den kleinen Jake hat. Als die Geschwister heranwachsen stellt sich immer mehr heraus, wie unterschiedlich sie sind. Arthur schlägt seinem Vater nach, einem hart arbeitenden Farmarbeiter, während Jake seiner Mutter ähnelt und sich nicht für die Farm interessiert. Jake kann es nicht lassen, seinen Bruder immer wieder zu provozieren. Oft bringt er ihn in Schwierigkeiten. Mit Mädchen hat Jake im Gegensatz zu Arthur jedoch keine Probleme.

Nach einem Unfall von Jake, verursacht durch seine Leichtsinnigkeit, steht die Familie durch die Kosten für Operationen und Krankenhaus mit Schulden da. Die Farm steht auf dem Spiel. Arthur plagen zudem Schuldgefühle. Er glaubt, er hätte seinen Bruder helfen können, es aber unterlassen.

Als der Krieg beginnt, sieht Arthur ihn als Ausweg aus allem. Er will Soldat werden und nie wieder die verhasste Schule besuchen. Doch auf Grund seiner Plattfüße wird er abgelehnt. Dennoch steht bald die Farmarbeit wieder an erster Stelle. Es gibt so viel zu tun, dass Arthur nicht mehr zu Schule gehen muss, auch wenn seine Mutter das gerne gesehen hätte.

Als der Vater bei einem Unfall mit dem Traktor stirbt, muss Arthur die Farm allein übernehmen, da Jake kein Interesse daran hat. Zwei Kriegsgefangene, noch halbe Kinder, müssen mit ihm arbeiten.
1944 kommt Reverend March mit seiner Tochter Laura nach Struan. Arthur verliebt sich in sie und sieht erstmals etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Doch als Jake es herausbekommt, versucht er Laura zu erobern, obwohl sie gar nicht sein Typ ist. Die Situation wird komplizierter.

„Auf der anderen Seite des Flusses“ erzählt vom Schicksal zweier Brüder, die unterschiedlicher nicht sein können. So brodelt immer zwischen den Zeilen ein Konflikt, der schicksalhaft enden wird, das ahnt man von Anfang an. Und das ist es auch, was das Buch so spannend macht.
Der Leser blickt aus zwei Perspektiven auf die Geschichte. Eine beginnt im Jahre 1925, die andere 1957. Der Leser erfährt also schon vorab, wie sich die Zukunft gestalten wird, wer von den Brüdern Laura letztendlich heiraten wird, kennt aber zunächst die Zusammenhänge noch nicht. Der so konstruierte Aufbau des Buches erhöht die Dramatik. Man ist gefesselt von dieser Geschichte, kann sich ihr nicht entziehen.
Das Buch liest sich ganz wunderbar. Es ist außerordentlich flüssig geschrieben. Es hat, was Gefühle betrifft, sehr viel Tiefgang und wirkt dadurch sehr berührend. Und auch die Charaktere werden sehr facettenreich beschrieben, so dass man Zugang zu ihnen hat.
„Auf der anderen Seite des Flusses“ ist ein rundherum gelungener, ausgesprochen lesenswerter Roman.

Rezension von Heike Rau

Über die Autorin:
Mary Lawson ist in Ontario aufgewachsen und lebt seit 1968 in Surrey, England, reist aber mindestens einmal im Jahr in ihre Heimat Kanada. Mary Lawson ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Mary Lawson
Auf der anderen Seite des Flusses
400 Seiten, gebunden
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN-10: 3-453-26533-5
ISBN-13: 978-3-453-26533-2
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Im Land der Feenträume

Im Land der Feenträume

Evi ist neun Jahre alt, als ihre Großmutter nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus muss. Zum Glück sind Ferien. So ziehen Evi und ihre Mutter in Großmutters Haus, um sie jeden Tag besuchen zu können.
Es ist kaum zu glauben, gerade ein Tag ist seit Evis letztem Besuch bei der Großmutter vergangen. Da hat sie noch über die Feen gesprochen und Evi gesagt, sie solle das alte Puppenhaus bei ihrem nächsten Besuch für die Feen mitbringen. Das Mädchen bringt das Haus mit, wie abgesprochen.
Evis Mutter schläft im Gästezimmer, während Evi im alten Messingbett ihrer Oma schläft.

Bald geschehen ein paar merkwürdige Dinge, die Evi nicht erklären kann. Sie bringt sie mit den Feen in Verbindung, obwohl sie noch keine gesehen hat.
Doch weil das Messingbett nicht einfach ein nur ein Bett ist, sondern Magie ihm innewohnt und weil Evi nicht nur über Menschenverstand, sondern auch über Feenverstand verfügt, entdeckt sie nachts tatsächlich zwei Feen: Stern und Mondstrahl. Die beiden erzählen ihr von der Feenkönigin Himmelblau, die über alle Traumfeen regiert.

Beim Besuch im Krankenhaus erzählt Evi ihrer Großmutter von den Feen, obwohl sie weiß, dass sie wohl nichts hören kann. Es geht ihr viel zu schlecht. Evi findet es schade, dass die Feen nicht helfen können, einen Menschen zu heilen. Aber weil die Großmutter an Feen glaubt, wollen Stern und Mondstrahl sie mit ins Feenland nehmen. Ganz einfach ist das allerdings nicht. Erst muss Königin Himmelblau gefragt werden.

Eine Geschichte über den Tod zu schreiben, ist nicht einfach. Doch die Autorin geht dieses Thema mit sehr viel Feingefühl an. Sie nutzt die Fantasie der Kinder, um zu trösten. Das Buch ist dennoch traurig, aber es gibt auch ein Stück weit Hoffnung. Es hilft Trauerarbeit zu leisten und das sehr kindgerecht und mit ungewöhnlichen Einfällen. Die Geschichte ist sehr gut gelungen. Sie wirkt bei aller Tragik doch sehr märchenhaft, poetisch und damit ausgesprochen beruhigend.

Rezension von Heike Rau

Gwyneth Rees
Im Land der Feenträume
Aus dem Englischen von Stefanie Mierswa
Mit Illustrationen von Sigrid Gregor
170 Seiten, gebunden
arsEdition, München
ISBN-10: 3-7607-1515-X
ISBN-13: 978-3-7607-1515-5
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Im letzten Sommer

Im letzten Sommer

Dieser seltsame kleine Roman von dem norwegischen Schriftsteller N. F. Dahl gibt einige Rätsel auf.
In einem ruhigen, gleichmäßig dahin fließenden Erzählstrom erfahren wir von dem Icherzähler seine Geschichte, die kurze Geschichte seiner zweiten Ehe.
Er befindet sich zu Beginn der Erzählung in einem Haus, das er ausräumen und verkaufen will. Es ist an der wilden und romantischen Küste Norwegens nahe an einem hübschen See gelegen.
Seine Gedanken schweifen zurück zum letzten Sommer, den er mit seiner Frau Siri hier verbracht hat, so wie die vorherigen Sommer auch.
Die Gegend ist wunderschöne. Die Sommer sind heiß und hell. Ständiger Begleiter der beiden ist der gemeinsame Hund Wuschel.
Es gibt schon eine Tochter von Siri aus erster Ehe, 21 Jahre alt.
Bei einem Telefonat mit ihr verspürt man die ersten Anzeichen von Eifersucht bei unserem Hauptprotagonisten.
Sie leben die Sommer glücklich hier draußen, und sie lieben sich. Sie mögen die Einsamkeit, gehen baden und wandern. Das Leben ist friedlich und ungetrübt bis sie eines Tages einem gut aussehenden Fremden im Wald begegnen. Plötzlich ist alles anders.
Im Icherzähler wächst der Verdacht, dass Siri nicht mehr so offen ist wie bisher. Das gemeinsame Gefühl der Nähe geht verloren. Er wird misstrauisch, spürt ihr nach und wird zusehends unglücklicher.
Er sucht nach Beweisen der Untreue. Ihre Beziehung wechselt zwischen Feindseligkeit und neuer Suche nach Nähe.
Eine sich abzeichnende Fehlgeburt bei der schon über vierzigjährigen Siri stört die bisher so beglückende Beziehung und bringt beide zum Tiefpunkt ihrer Ehe.

Es bleibt dem Leser überlassen, aus diesem sich zuspitzenden Drama der Eifersucht die eigenen Schlüsse zu ziehen.
F. Dahl versteht es gut, eine Atmosphäre der Entfremdung so zu vermitteln, so dass der Leser mitdenken und mitfühlen kann. Wem die Sympathien am Ende gelten, vielleicht sogar beiden, darf jeder Leser für sich entscheiden.
Das Buch ist hübsch aufgemacht und liest sich leicht und schnell.

Nils Fredrik Dahl
Im letzten Sommer
Feinfühliges Eifersuchtsdrama
ISBN:3462037188
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