Der Tote im Bunker

Der Tote im Bunker

Martin Pollack war gerade mal 3 Jahre alt, als sein Vater am 1947 in einem Bunker am Brenner nahe der Grenze ermordet wurde. Mehr als 50 Jahre sind also seit dem Tod des Vaters vergangen. Martin Pollack brennen viele Fragen auf der Seele, deren Beantwortung er aus, wie sich zeigt, begründeter Angst lange herausgeschoben hat. So nimmt er nun die Spurensuche auf. Sein Vater Dr. Gerhard Bast war SS-Sturmbannführer und Mitglied der Gestapo. Pollack will jedoch hinter die Fassade sehen. Ihm geht es vor allem darum zu erfahren, was den Vater angetrieben hat, was er dachte, wie er wirklich war, wie er zu seiner Überzeugung kommen konnte. Polack nimmt den Kampf gegen die herrschende Sprachlosigkeit auf und sichtet Unterlagen, private und berufliche Papiere und die wenigen Fotos vom Vater, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Sohn zeigen. Pollack besucht Zeitzeugen und sucht Archive auf. Er setzt sich mit der Arbeit der Gestapo und der Familiengeschichte auseinander, präsentiert die Fakten mit großer Ehrlichkeit, obwohl er Dinge herausfindet, die seine geahnten Befürchtungen noch übertreffen. Warum? Warum ausgerechnet der Vater? Unverständnis bleibt. Martin Pollack kann diese Frage nicht beantworten, ist fassungslos. Papiere und Fotos verraten die Gedanken des Vaters nicht. Der Berichtsstil scheint bewusst gewählt, um Abstand zum Vater zu schaffen. Dennoch kommt die Verzweiflung und das Entsetzen Martin Pollacks über die Taten seines Vaters zum Ausdruck. Diese Beklemmung und Bestürzung überträgt sich auch auf den Leser.

Über den Autor:
Martin Pollack wurde 1944 in Bad Hall, Oberösterreich, geboren. Er studierte Slawistik und osteuropäische Geschichte. Bis 1998 war er Redakteur beim „Spiegel“, dann freier Autor und Übersetzter.

Rezension von Heike Rau

Martin Pollack
Der Tote im Bunker
Bericht über meinen Vater
255 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag, Wien
ISBN: 3-552-05318-2
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Der steinerne Kreis

Der steinerne Kreis

Jean-Christophe Grange : Der steinerne Kreis

Bastei 15072 : 1.Auflage Januar 2004
Originalausgabe : Le Concile de Pierre (2000)

Der Franzose Jean-Christophe Grange, Bestsellerautor, machte sich schon mit seinen ersten beiden Romanen „Der Flug der Störche“ und „Die purpurnen Flüsse“ einen Namen. Der 61 in Paris geborene Franzose steht für ungewöhnliche Gänsehautromane. Wie auch der vorliegende Roman beweißt.

Diane Thielberg, Tierforscherin, adoptiert einen kleinen Jungen aus Indonesien. Sie selbst ist nicht in der Lage, Kinder auf die Welt zu bringen. Seit einem Vorfall als 14jährige, in der ihr Gewalt angetan wurde, meidet sie den körperlichen Kontakt zu Männern.
Doch das Mutterglück dauert nicht allzu lange. Diane besucht mitsamt Lucien ihre Mutter. Auf der Rückfahrt wird sie in einen Unfall verwickelt. Ein LkW, wie sich später herausstellt ist der Fahrer eingeschlafen, schleudert genau vor ihr über die Fahrbahn. Als Diane wieder zu sich kommt, ist es zu spät. Ihr Adoptivsohn Lucien liegt in einem Koma, ein Schädeltrauma. Im Pariser Krankenhaus tun die Ärzte ihr Bestes, um den Jungen zu retten.
Doch ihre Bemühungen scheinen vergebens, es ist nur noch eine Frage von Stunden, bis der Junge stirbt. Diane ist am Boden zerstört. Ihr Leben liegt in Trümmern.
Da taucht ein deutscher Professor auf. Rolf van Kaen ist Spezialist auf dem gebiet der Akupunktur. Er rät Diane, den Weg der Schulmedizin zu verlassen und sich auf diesen alternativen Heilweg einzulassen, um das Leben des Kindes zu retten.
Diane ist durch und durch Wissenschaftler. Französische Meisterin im Shaolin-Boxen, hat sie immer die dazugehörigen philosophischen Lehren abgelehnt, die Erfolge bestätigten ihre Einstellung. Doch jetzt ist sie am Scheideweg ihres Lebens.
Und entscheidet sich für ihren Sohn. Rolf van Kaen führt seine Behandlung durch. Und diese zeigt Wirkung. Lucien erholt sich.
Doch kurz darauf wird Rolf van Kaen ermordet. Und die Mordart spricht für einen Ritualmord. Die Ereignisse überschlagen sich.

Ohne zuviel zu verraten : Der weiter Handlungsverlauf führt in die Sowjetunion, erzählt von lange zurückliegenden Ereignissen 1968. Er führt auch an das scheinbare Ende der Welt, in die Mongolei, nahe der sibirischen Grenzen. Aber es ist auch eine Reise in die Abgründe der menschlichen Seele.

Die Ereignisse überschlagen sich. Der Franzose Grange zeichnet ein düsteres Szenario, aber ein wohl durchdachtes. Ein kriminalistisches Puzzle, das seinesgleichen sucht. Gewürzt wird das Ganze mit der Frage Wissenschaftsgläubigkeit oder Parapsychologie. Ein wahres Spiel mit dem Wechsel zwischen Glauben und Wissen. Nicht umsonst taucht auf einmal ein Kernfusionsreaktor auf, andererseits die Schamanen des Turkmongolischen Volk der Tsewenen.

Fazit : Ein wahrlich rasanter Roman, komplex, liebevoll, düster. Ein Wechselspiel von Technik und Tradition. Und somit ein unbedingtes Muss für jeden Liebhaber mystischer gruseliger Romane. Garniert mit rasanter Action in einem sehr spannenden Spionageszenario.

Jean-Christophe Grange
Der steinerne Kreis
Ein Kind, das vom anderen Ende der Welt kommt und ein geheimes Wissen in sich trägt. Gnadenlose Mörder, die seinen Tod wollen. Eine Frau, die alles tun wird, um das Kind zu retten…
ISBN:3404150724
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Der perfekte Mann

Der perfekte Mann

Er behauptet von sich, der perfekte Mann zu sein. Und wenn Sebastian Busch so von sich erzählt, möchte man ihm fast glauben, wäre da nicht diese extreme Angeberei, diese Selbstverliebtheit, diese bodenlose Arroganz. Auf Partnersuche ist Sebastian jedoch nicht. So trifft ihn die Liebe überraschend, beim Kaffee holen in der Kantine. Dabei geht er normalerweise gar nicht in Kantinen. Kantinen sind für den Agenten für Film- und Fernsehschauspieler kein guter Ort. Es ist nicht sein Revier. So könnte man es Schicksal nennen, dass Sebastian hier seine zukünftige Frau trifft, die gerade ihre Kollegen aufs köstlichste unterhält. Dabei ist sie ihm beim Casting gar nicht aufgefallen und auf dem Kommt-nicht-in-Frage-Haufen gelandet.
Mit der Liebe will es nicht so recht klappen. Dazu ist Sebastian viel zu rücksichtsvoll und zurückhaltend. Nie würde er sich aufdrängen. Erst die Kuppelversuche von seiner Chefin Frau Maibach zeigen Erfolg und so kommen Traumfrau und Traummann zusammen. Das Zusammenleben des Paares verläuft ohne Höhepunkte. Sebastian lässt seiner Frau jeden Willen und passt sich uneingeschränkt ihren Bedürfnissen an. Doch ein Mann, der nicht widerspricht, der keine Angriffspunkte hat, wird zur Witzfigur. Das ist zumindest gut für die Karriere der Frau. Für die Beziehung jedoch nicht.

Das Buch ist ein Knaller. Zunächst glaubt man nicht, dass diesen selbstverliebten und von sich selbst überzeugten und so leidenschaftslosen Mann irgendetwas aus der Ruhe bringen kann. Doch mit Erstaunen stellt man fest, dass Sebastian doch ein ganz massives Gefühl zulassen kann. Eifersucht. Und die überfällt ihn praktisch in dem Augenblick, als er seine Frau kennen lernt. Und als sie dann zusammenleben, fällt es ihm immer schwerer, den lockeren Lebenswandel seiner Frau zu tolerieren. Mit Spannung wartet der Leser darauf, dass die Schmerzgrenze endlich erreicht wird und Sebastian über seinen eigenen Schatten springt und aufwacht, nicht nur zuschaut, das Verhalten seiner Frau nicht immer nur vor sich selbst rechtfertigt. Es ist nicht zum Aushalten. Als Leser möchte man am liebsten ins Geschehen eingreifen und Sebastian wachrütteln. Das macht die Spannung in diesem Buch aus. Dazu kommt der tolle Schreibstil. Das Buch ist mit viel Witz und Ironie geschrieben und dennoch kann man eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht absprechen. Als Leser wird man gut unterhalten, aber auch nachdenklich gemacht.

Über den Autor:
Morten Feldmann ist Jahrgang 1967. Er studierte Publizistik in Berlin und Köln und arbeitete in verschiedenen Jobs bei Film und Fernsehen. Neben einigen Drehbüchern schrieb er vor allem Kurzprosa und arbeitete gelegentlich als Dialog- und Script-Doctor. Morton Feldmann ging 2001 in die USA, wo er in der Nähe von Los Angeles lebt. „Der perfekte Mann“ ist sein erster Roman.

Rezension von Heike Rau

Morten Feldmann
Der perfekte Mann
186 Seiten, gebunden
Kunstmann Verlag, München
ISBN: 3-88897-365-1
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Nachtzug nach Lissabon

Nachtzug nach Lissabon

Raimund Gregorius beschließt mit 57 Jahren ganz plötzlich sein Leben zu ändern. Mitten im Unterricht steht er auf und geht. Die Tasche bleibt auf dem Pult zurück. Noch denken die Schüler, dass er zurückkommen wird. Doch es wird keine Stunden in Latein oder Geschichte mehr geben. Der Altphilologe bleibt nicht länger in Bern. Ein Buch des Autors Amadeu de Prado wird ihm von nun an den Weg weisen. Die Zeilen des Autors ziehen Gregorius magisch an. Die Worte klingen, als seinen sie für ihn selbst bestimmt. Der Autor, ein portugiesischer Arzt, lebt nicht mehr. Doch das bremst Gregorius’ Eifer nicht. In Lissabon angekommen, trifft er sich mit den Schwestern de Autors, mit Jorge, dem Apotheker, mit dem Pater, der Amadeu de Prado beerdigt hat und mit anderen Menschen, die wichtig waren. Und immer wieder liest Gregorius im Buch. So lernt er den Menschen de Prado kennen und seine Gedanken, die im Buch verewigt sind, zu verstehen. Es entsteht ein sehr persönliches Bild von Amadeu de Prado, der nicht nur Arzt und Schriftsteller war, sondern auch ein Mensch, der gegen die Diktatur Salazars gekämpft hat, weil er glaubte, etwas wieder gutmachen zu müssen.

Was passiert, wenn man aufsteht und einfach geht? Kann man wirklich so aus dem gewohnten Leben ausbrechen? Raimund Gregorius, der nun wirklich das Gegenteil eines Draufgängers ist, tut es, und damit zieht der Autor den Leser sofort in den Bann. Doch damit nicht genug. Auch die innersten Gedanken und philosophischen Betrachtungen Amadeu de Prados fesseln, so tiefgründig und geistreich sind sie, so spannend seine Lebensgeschichte, die Gregorius Stück für Stück aufrollt.
Der Autor schreibt mit einem unglaublichen Feingefühl. Die Mimik und Gestik der handelnden Personen werden mit großer Genauigkeit beschrieben. So entstehen vor dem inneren Auge des Lesers sehr detailreiche Bilder. Es ist, als würde ein Film ablaufen.
„Nachtzug nach Lissabon“ ist kein Buch, dass man einfach so verschlingt, obwohl es sehr spannend ist. Es macht zu viel Vergnügen sich an den klingenden, klugen, ausformulierten Sätzen zu erfreuen, als das man schnell darüber hinweg liest. Die Sprachgewandtheit ist beeindruckend, die Wortwahl so treffsicher. Es geht um Dinge, mit denen sich jeder auseinandersetzen muss, um Liebe, Freundschaft, Gefühle, Selbstzweifel, Angst vor dem Tod oder auch um den Sinn des Lebens. Ein Buch, das sehr nachdenklich macht und das es wert ist, ein zweites Mal gelesen zu werden.

Rezension von Heike Rau

Pascal Mercier
Nachtzug nach Lissabon
495 Seiten, gebunden
Carl Hanser Verlag, München, Wien
ISBN: 3-446-20555-1
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30 über Nacht

30 über Nacht

Jenna würde zu gern so aussehen wie die perfekten Models in den Modemagazinen. Ihr sehnlichster Wunsch ist es, zur coolsten Clique der Schule zu gehören. Deswegen lädt Jenna die sechs Mädels, die durch ihre schicken Klamotten und ihre Beliebtheit auffallen, zu ihrem 13. Geburtstag ein. Jenna will beweisen, dass sie ebenfalls cool ist.
Von ihrem Freund Matt bekommt Jenna ein selbstgebautes Traumhaus geschenkt und eine Tüte Wunschstaub aus der letzten „Hulk“-Ausgabe. Doch als die Geburtstagsgäste kommen, lässt sie das Haus und den Wunschstaub auf einem Regalbrett im Wandschrank verschwinden. Die Party entwickelt sich nicht so, wie von Jenna erhofft. Die Gäste langweilen sich. Dann schlägt eines der Mädchen vor „Sieben Minuten im Himmel“ zu spielen. Jenna ist als erste dran. Die Augen werden ihr verbunden und sie muss in den Wandschrank gehen. Sie darf nun darauf warten, dass ein Junge zu ihr kommt und sie sieben Minuten küssen wird. Jenna hofft auf Chris Crandy, der mit der Mädchenclique mitgekommen ist und den sie insgeheim vergöttert. Doch Jenna wird ausgetrickst. Da wünscht sie sich unter Tränen nur noch eins: 30, sexy und erfolgreich zu sein. Vom Traumhaus fallen einige Krümel Wunschstaub herunter und ihr Wunsch wird wahr.

Die Geschichte um die 13jährige Jenna ist sehr unterhaltsam. Ihre Wünsche, wenn sie auch sehr oberflächlich erscheinen mögen, sind gut nachvollziehbar. Durch den Wunschstaub macht Jenna eine Zeitreise in die Zukunft und kann feststellen, ob ihre Wünsche wirklich das Maß aller Dinge sind. Dass das niemals der Fall sein kann, ist natürlich klar. Das muss auch Jenna schmerzlich erfahren. Doch sie lernt, sich selbst nicht mehr so wichtig zu nehmen und in Zukunft ihre Entscheidungen nach anderen Maßstäben zu fällen.
Ein modernes Märchen, das mit Magie Träume wahr werden lässt.

Rezension von Heike Rau

Christa Roberts
30 über Nacht
Nach dem gleichnamigen Kinofilm von Cathy Yuspa & Josh Goldsmith und Niels Mueller
Nach einer Idee von Cathy Yuspa & Josh Goldsmith
Aus dem Amerikanischen von Thomas Ziegler
125 Seiten, broschiert
Egmont vgs verlagsgesellschaft, Köln
ISBN: 3-8025-3380-1
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Ulmers Großes Lexikon der Hunderassen

Ulmers Großes Lexikon der Hunderassen

Mit diesem umfassenden Lexikon können sich Hundeliebhaber ein Bild von den verschiedenen Hunderassen machen. Gerade wer beabsichtigt, sich einen Hund anzuschaffen und noch nicht weiß, welcher Hund für ihn infrage kommt, kann mit dem Buch leichter eine Wahl treffen. Den Leser erwarten 345 Porträts der vom FCI (Fédération Cynologique Internationale) anerkannten Rassen. Aber auch einige recht junge, noch nicht anerkannte Hunderassen werden vorgestellt. Dazu gehören beispielsweise der Markiesje oder der kleine Mi-Ki.
Angaben zu FCI-Nr., Herkunft, Größe, Gewicht und Farbe werden steckbriefartig dargestellt. Ausführliche Auskünfte zur Geschichte des betreffenden Hundes, zum Charakter, zu Besonderheiten und Verwendung folgen. Hinweise zu den sogenannten Kampfhunde-Rassen sind ebenfalls vorhanden. Und natürlich steht auch ein treffendes Farbfoto zur Verfügung.
Mit Hilfe einer Farbleiste am unteren Seitenrand ist es möglich, die vorgestellten Hunderassen den einzelnen Rassengruppen zuzuordnen. So kann man auf einen Blick die Gruppenzugehörigkeit erkennen.

Die Fülle an angebotenen Informationen ist beeindruckend. Dabei kommt die Übersichtlichkeit im Buch nicht zu kurz. Dafür sorgt eine gut erfassbare Gliederung der Texte. Die Rassen sind alphabetisch angeordnet. Im Register sind dann auch die gängigen Synonyme mit aufgelistet.
Besonderen Wert hat die Autorin auf die Beschreibungen der Wesenszüge der Hunde gelegt, ohne diese zu beschönigen. Denn nicht jeder Hund ist für jeden Hundeliebhaber geeignet. So kann der Leser sich spätere Enttäuschungen ersparen. Damit sind die Angaben zu den einzelnen Hunderassen sehr aussagekräftig. Genau richtig, um sich einen umfassenden Überblick zu verschaffen.

Über die Autorin:
Die Biologin Dr. Gabriele Lehari ist Autorin, freiberufliche Lektorin und Übersetzerin von Natur-, Umwelt- und Hobby-Sachbüchern. Seit vielen Jahren ist sie Hundehalterin und hat mehrere Hundebücher veröffentlicht.

Rezension von Heike Rau

Gabriele Lehari
Ulmers Großes Lexikon der Hunderassen
345 Rassen in Wort und Bild
238 Seiten, 350 Farbfotos, gebunden
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4614-2
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Der blaue Kristall

Der blaue Kristall

Dr. Jan Parlor hat seine Faszination für Steine zum Beruf gemacht. Trotz beruflicher Erfolge und auch in sexueller Hinsicht erfüllter Ehe mit Anna, wirkt sein Leben langweilig. Es scheint, als würde die Zeit nur so vor sich hin plätschern, als wäre das Leben eine Belanglosigkeit. Alles ist Schicksal, alles ergibt sich. So war es schon zu DDR-Zeiten, warum sollte es nach der Wende anders sein. Parlor ist kein Kämpfer. Wofür auch, ihm fehlt ja nichts. Dann geschieht das Unfassbare. Parlor verliebt sich in eine verheiratete Frau. Sie erinnert ihn an jemanden, weckt versteckte Gefühle, die niemand in ihm vermutet hätte, am wenigsten er selbst. Seine Fantasie schlägt Purzelbäume, alle Gedanken drehen sich um diese Frau. Doch Parlor kann lange nicht aus sich heraus. Er versucht die Frau mit Zurückhaltung zu erobern, so sind Ostmänner nun mal. Irgendwann ist es genug. Parlor merkt, dass er so nicht ans Ziel kommt und verliert die Geduld. Leidenschaft packt ihn und er begeht eine unerklärliche Tat.

Der Autor erzählt in einem sehr eindringlichen Stil. Dabei arbeitet er mit interessanten Perspektivwechseln. Der Leser erfährt daher auch die Gedanken, die der Ich-Erzähler selbst nicht offenbaren würde. So entsteht eine ungewöhnliche Tiefe. Die Wandlung Parlors vom Langweiler zum leidenschaftlichen Mann ist sehr ausführlich beschrieben. Parlor mit seiner plötzlichen Leidenschaft konfrontiert, lernt Gefühle zuzulassen und nicht mehr alles als gegeben hinzunehmen. Sogar Hassgefühle unterdrückt er nicht länger. Ein schmerzlicher Prozess, der, auch wenn man das hofft, nicht im Glück endet und doch den Grundstein für ein lebenswerteres Leben mit wirklichen Zielen schafft.

Über den Autor
Birk Meinhardt, Jahrgang 1959, arbeitete als Sportjournalist für verschiedene Zeitungen und seit 1996 als Reporter für die Süddeutsche Zeitung. Der in Eichwald bei Berlin lebende Autor erhielt 1999 und 2001 den Egon-Erwin-Kisch-Preis. „Der blaue Kristall“ ist sein erster Roman.

Rezension von Heike Rau

Birk Meinhardt
Der blaue Kristall
288 Seiten, gebunden
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main
ISBN: 3-8218-5742-0
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Claudia Wolff: Letzte Szenen mit den Eltern

Claudia Wolff: Letzte Szenen mit den Eltern

Das hat man nun vom gesunden Leben, von frisch gepressten Säften und Vollkornbrot. Dazu der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten. Das Leben wird endlos und Alterskrankheiten schlagen zu.
Bis vor drei Jahren war das Gedächtnis der Mutter noch in Ordnung. Dann starb der Vater und mit der Mutter ging es bergab.
Die Mutter vergisst so vieles, verliert die Orientierung. Die Mutter ist längst im Heim. Das Haus, das Elterhaus, wird nicht verkauft. Die Tochter kann es nicht, ein Verkauf ist für sie zu entgültig. Noch ist die Hoffnung nicht ganz dahin, dass alles noch mal besser wird. Die Mutter muss nur wollen, sich ein klein wenig anstrengen. Aber es wird nichts besser, im Gegenteil.
Die Wandlung des Vaters vor seinem Tod ist unfassbar für die Tochter. Und nun schlägt die Hilflosigkeit erneut zu, denn auch die Krankheit der Mutter lässt sich nicht aufhalten.

Geschrieben ist das Buch in einer sehr eindringlichen Sprache. So wird die Verzweiflung der Tochter, die selbst alt ist, für den Leser begreifbar und nachvollziehbar. Auch mit Vernunft bekommt die Tochter ihre Gefühle kaum in den Griff. Und dennoch verändert sie während des langsamen Abschiednehmens ihre Einstellung zu ihrer Mutter, zum Leben und zum Tod und sie kommt mit sich selbst so weit es geht in Reine. Sie lernt ein Stück weit hinzunehmen, was sich nicht ändern lässt. Das Buch löst Betroffenheit und Traurigkeit aus. Die durchweg bewegenden Kapitel regen den Leser an über sich selbst und seine Auffassungen und Denkweisen zum Alter nachzudenken.

Über die Autorin:
Claudia Wolff ist Jahrgang 1941. Sie studierte Literaturwissenschaft und Philosophie. Seitdem ist sie freie Autorin und schreibt vorwiegend Radiostücke, wie Features, Essays, Kommentare und Glossen für den WDR und andere Sender der ARD. Die in Heidelberg lebende Autorin ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg.

Rezension von Heike Rau

Claudia Wolff
Letzte Szenen mit den Eltern
142 Seiten, gebunden
Kunstmann Verlag, München
ISBN: 3-88897-352-X
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Charlie Bone und die magische Zeitkugel

Charlie Bone und die magische Zeitkugel

Als ein uraltes Familienfoto von der Wand fällt, kommt Charlies außergewöhnliche Begabung, Bilder sprechen zu hören, wieder zum Vorschein. Auf dem Foto ist ein Junge zu sehen, der Charlie verblüffend ähnlich sieht. Charlies Onkel Paton weiß, wer der Junge ist. Er ist Henry Darkwood. Doch Henry ist vor vielen Jahrzehnten auf mysteriöse Weise mitten in einem Murmelspiel, welches er mit seinem Bruder spielte, verschwunden.

Am nächsten Tag, als Charlie wieder im Internat ist, taucht auf gespenstige Art und Weise ein Junge auf. Charlie erkennt ihn sofort. Es ist der lang vermisste Henry. Sein bösartiger Cousin Ezekiel hatte ihn Mithilfe einer Zeitkugel in die Zukunft geschickt. Doch auch hier in der Zukunft hat Henry keine Ruhe. Ezekiel Bloor kann nicht fassen, dass der Junge, den er damals verbannt hat, wieder da ist und sein ganzes Leben noch vor sich hat, während er uralt ist. So ist er Henry schon bald wieder auf den Fersen. Charlie muss ihn an einem sicheren Ort verstecken. Dabei bekommt er Hilfe von seinen Freunden, die bis auf Benjamin wie er Nachfahren eines Magiers, dem „Roten König“, und damit sonderbegabt sind. Aber auch die Köchin hilft. Sie bietet Henry Unterschlupf in ihren verborgenen Räumen. Doch alles ist vergebens, die Bloors erwischen Henry und sperren ihn in ein altes Verlies in den Ruinen.
Charlie muss alle Kräfte mobilisieren, um zusammen mit seinen Freunden die Geschichte doch noch zum Guten wenden zu können. Dabei erlebt er unglaubliche Abenteuer. Auch seine außergewöhnliche Begabung verstärkt sich. Charlie vermag nicht nur Stimmen aus Bildern zu hören, er kann sogar in die Bilder hineingehen. Das ist ein Wagnis mit ungewissem Ausgang, jedoch der einzige Weg, um Henry zu retten.

Nach „Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“ ist nun endlich der zweite Band erschienen. Auch in diesem Buch erlebt Charlie zusammen mit seinen Freunden faszinierende Abenteuer. Jenny Nimmo schafft es, mit ihrer Art zu erzählen, eine unglaublich spannungsgeladene Atmosphäre zu schaffen. Wieder wächst Charlie, der bis seine Sonderbegabung entdeckt wurde ein ganz normaler Junge war, über sich hinaus. Er nimmt all seinen Mut zusammen, um Henry zu helfen.
Viele alte Bekannte aus dem ersten Band sind wieder zu erleben. Die fiese Großmutter, die unheimlichen Tanten mit ihren Familiengeheimnissen, Onkel Paton oder Benjamin und sein Hund. Natürlich sind auch wieder die sonderbegabten Schüler und die Lehrer der Bloor-Akademie dabei. Der Handlung lässt sich leicht folgen, aber vorhersehbar ist sie nicht. Dazu ist sie zu vielschichtig und Charlies Gegenspieler zu wenig einschätzbar. Auch das Internat als gruselig-schauriger Schauplatz der Geschehnisse ist wieder für einige Überraschungen gut.
Die Andeutungen zum Verbleib von Charlies Vater reißen auch im zweiten Band nicht ab. Alle Leseratten können sich also Hoffnungen auf ein drittes Buch machen.

Über die Autorin:
Jenny Nimmo spielte nach ihrem Schauspielstudium Kindertheater und arbeitete beim Rundfunk. Ihr erste Kinderbuch erschien 1975. Ihre Bücher wurden mehrfach mit dem britischen „Smartie-Award“ für Kinderliteratur ausgezeichnet und teilweise fürs Fernsehen verfilmt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in einer alten Wassermühle in Wales.

Rezension von Heike Rau

Jenny Nimmo
Charlie Bone und die magische Zeitkugel
Aus dem Englischen von Cornelia Holfelder von der Tann
320 Seiten, gebunden
ab 10 Jahren
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-34443-5

Kleiner Hinweis: Eine Besprechung zum ersten Band „Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“ befindet sich ebenfalls in unserem Rezensionspool. Einfach den Titel in die Suchmaske eingeben!
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Cherry Whytock: Angel

Cherry Whytock: Angel

Angel ist eine Wucht, jedenfalls was ihre Körpermaße betrifft. Als Fan von Jamie Oliver kocht sie auch selbst gern. Und was gekocht wurde, muss natürlich auch gegessen werden. Doch neben ihren superschlanken Freundinnen und ihrer Mutter, einem Ex-Model, fühlt sich Angel wie ein dicker runder Moppelwal. Trotz ihrer Leibesfülle, scheint sie jedoch von ihrem Schwarm Adam nicht bemerkt zu werden. Angel beschließt, sich in eine Diät zu stürzen. Schließlich steht die Valentinsparty bevor und bis dahin will Angel ihren Schwabbelfaktor verringern, um für Adam umwerfend auszusehen.

Eine vergnüglich Geschichte. Angel reduziert ihre Probleme auf ihr Übergewicht. Dabei verliert sie Dinge, die wirklich wichtig für Menschen sind, aus den Augen. Sie hat nur noch Jamie Olivers Kochkünste im Kopf und Adam. Sie muss die Erfahrung machen, dass eine radikale Kohl-Diät nicht zum erhofften Erfolg führt. Trotzdem gibt es nach vielen turbulenten Szenen ein glückliches Ende. Geschrieben ist das Buch in einem sehr leicht lesbaren Stil. Angel erzählt selbst in einem recht flapsigen Ton und nimmt sich ordentlich auf die Schippe. Die Illustrationen machen Spaß und sprechen Bände.
Mit im Buch sind die Lieblingsrezepte von Angel. Und wer Lust hat kann die leckeren Rezepte in den Lesepausen gleich ausprobieren.

Über die Autorin:
Cherry Whytock ist in West Sussex, England geboren und aufgewachsen. Sie hat Kunst- und Textildesign studiert. Bekannt ist sie aber nicht nur als Autorin, sie hat auch als Künstlerin in London und Umgebung immer wieder ausgestellt. Cherry Whytock lebt mit ihren zwei erwachsenen Töchtern in England.

Rezension von Heike Rau

Cherry Whytock
Angel
Klamotten, Küsse, Katastrophen!
Aus dem Englischen von Yvonne Hergane
184 Seiten, Klappenbroschur
ab 10 Jahren
arsEdition, München
ISBN: 3-7607-3985-7
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