GENpest. Anthologie

GENpest. Anthologie

GENpest. Anthologie herausgegeben von Beate Schütz.

In der Edition Ponte Novu erschien als Book on Demand eine wunderbare SF-Anthologie die sich mit den Auswirkungen der Gentechnologie beschäftigt. Das Niveau der Erzählungen ist erstaunlich hoch und die Auswahl kann man wegen ihrer Unterschiedlichkeit wirklich als gelungen bezeichnen.

Doc Wiley: Visionen der Hanfforschung von Markus Ridder liest sich als eine Reminiszenz an Ernest Hemingway. Der Erzählstil ist herrlich stimmungsvoll und macht aus der recht einfachen Industrieverschwörungsgeschichte ein lebhaftes Kammerspiel.

Cluster Eins von Thomas Kurth stellt die Realität auf den Kopf und das mit einem sehr packenden Sinn für das reale Leben. Die Zeichnung der beiden Figuren Paul und Bob sind sehr einprägsam und überzeugend.

Letzter Held von Oliver Stahmann ist eine klassische Distopie, die in der Form eines Interviews sehr plastisch dargeboten wird.

In Du Wesen Ich von Rose Eden wird ein Blick auf das Verhältnis zum eigenen Klon geworfen. Ist ein Ersatzteilspender ein Lebewesen mit den gleichen Rechten? Die Geschichte wird leidenschaftlich erzählt und hält dem Leser keine Antworten unter die Nase, die muss man selbst finden.

Uriel von Michael Schmidt erzählt ebenfalls von einem Klon. Die spannende Jagd um Identität und einem Platz im Leben endet positiv, also im Sinne eines Versagens der Gentechnik.

Miriam erwacht von Christian Savoy ist eine schaurige kleine Geschichte über den Missbrauch von Klonen für die Forschung. Eine sehr überzeugende Darstellung.

Auch in Das Opfer von Jens Behn geht es um Menschenexperimente. Der Verlust von Menschlichkeit trifft Täter und Opfer hier gleichermaßen. Die düstere Atmosphäre durchzieht den Text bis zu seinem tragischen Ende.

Tuning von Rüdiger Bartsch ist fast eine kleine Alltagssatire, mit einem bösen Blick in die Zukunft, aber dennoch ein humoristischer Lichtblick in der Mitte des Buches.

Oleade von Bettina Licht kommt weniger negativ daher, eigentlich ist es sogar eine Liebesgeschichte. Das nebenbei eine neue Weltenergieordnung konstruiert wird, macht die Geschichte zudem zu einem recht interessanten Aspekt der Anthologie.

Ein Feldversuch von Barbara Jung ist ein Höhepunkt des Buches. Diese kleine Erzählung skizziert mit wunderschönen Bildern und klaren Worten eine komplizierte Beziehung, ein Verbrechen und eine mystische Verbindung. Die Gentechnik weist bei der Autorin auch in eine mögliche Verbesserung der Welt, auch wenn letztendlich der Mensch das Problem in die Welt setzt. Der Schluss ist eine zu Herzen gehende Meisterleistung.

Nebenwirkung von Nicole Rensmann erzählt eine Missbrauchsgeschichte. Die skrupellose Pharmaindustrie gewinnt hier eine weitere Schlacht.

Emotionslos von Rainer Innreiter beginnt als Krimi und endet als Sieg der Technik über den Menschen. Während der Beginn der Geschichte noch mit Spannung und Gefühl für die Figuren aufwartet, kommt der Schluss recht übereilt und etwas zu unglaubwürdig.

Um eine Übernahme geht es auch in Verschwörung von Lieselotte Warmeling, allerdings ist hier der Plot eine echte Überraschung. Die ethische Diskussion in diesem Text ist sehr konzentriert und in Verbindung mit dem erstaunlichen Schluss findet der Leser hier eine sehr gute SF-Erzählung, die im Gedächtnis bleibt.

Ein weiteres Highlight ist NN 408 von Corinna Jedamzik. Sehr dicht und anschaulich beschreibt die Autorin in einem Tagebuch ein doppeltes Spiel mit der Genforschung. Die Entwicklung des Hauptdarstellers ist sehr überzeugend und auch das Ende passt hervorragend in die Handlung ein.

Ein Märchen ist Elfen von Sabine Böhringer. Genial in seiner Einfachheit, hebt es sich zwar wegen des Genres aus der Sammlung heraus, nichtsdestotrotz ist es eine sehr gut gelungene Parabel über Selbstheilungskräfte und die Sinnlosigkeit von genetischen Verschlimmbesserungen.

Modernistisch gibt sich Was ist los mit Aja? von Romina Lutzebäck. In dieser Short-Story wird eine Berichtsvision geliefert, die in die ferne Zukunft stößt und in seiner beklemmenden Fremdartigkeit das Gefühl höchster Wahrscheinlichkeit hinterläßt.

Die letzte Erzählung, Neonnächte von Thomas Waldschicht, stellt wieder die Innensicht eines Klons in den Mittelpunkt. Die gezüchtete Kämpferin, ähnlich Neon aus der Matrix aus ihrer Scheinexistenz befreit, beendet das Buch düster mit einem Krieg zwischen Klons und Normalgeborenen.
Damit wird eine sehr gelungene Sammlung mit einer deutlichen Warnung beendet. In einer durchgängig guten Qualität, mit etlichen Höhepunkten bietet sich eine beeindruckende Anzahl Visionen dar, die zu denken geben. GENpest ist ein passender Titel und wenn auch das Titelbild durch seine sehr schlechte Auflösung aneckt, so ist das Buch doch dringest allen zu empfehlen, die SF mögen.

Beate Schütz (Hrsg.)
GENpest. Anthologie
Eine SF-Anthologie, die es in sich hat. Visionen der Gentechnik in aussergewöhnlich guter Qualität! Und natürlich mit Lupen-Autoren!
ISBN:3833004363
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Zitrus – auswählen, pflanzen, pflegen

Zitrus – auswählen, pflanzen, pflegen

Bénédicte und Michel Bachès sind passionierte Gärtner und Baumschulbesitzer in Frankreich. Stets sind sie auf der Suche nach Pflanzenneuheiten, Ideen und Trends. Ihre Begeisterung für die kleinen Bäume mit den Sonnenfrüchten wollen sie dem Leser nahe bringen. Und wenn man die wunderschönen Fotos ansieht, könnte man tatsächlich dieser Leidenschaft verfallen.

Im ersten Kapitel „Zitruspflanzen kennen lernen“ wird dem Einsteiger Allgemeines über Herkunft und Vielfalt der Zitruspflanzen vermittelt. Beschrieben werden Wurzeln, Blätter, Zweige und natürlich die Früchte, die noch einmal extra auf einer Doppelseite mit Foto und Bezeichnung vorgestellt werden. So kann man sich schnell einen Überblick verschaffen.

Das zweite Kapitel heißt „Zitruspflanzen kultivieren“. Egal, für welchen Standort man sich entscheidet, ob im Freien angepflanzt werden soll oder in Kübeln und Töpfen auf Terrasse oder Balkon. Pflegehinweise gibt es für beide Varianten. Zahlreiche Tipps zur Standortauswahl, Bodenbeschaffenheit oder empfehlenswertem Substrat für Töpfe und Kübel, zu Pflanzmethoden oder Unkrautbekämpfung, zur Überwinterung, zur Düngen, Bewässerung oder zum Form- Aufbau- und Pflegeschnitt und mehr werden zur Verfügung gestellt. Auch die unterschiedlichen Vermehrungsmethoden durch Stecklinge, das Abmoosen oder die Veredelung werden erläutert.
Beschrieben wird auch was bei Krankheiten und Schädlingen zu tun ist.

Im dritten Kapitel „Zitruspflanzen in Haus und Garten“ stellen die Autoren aktuelle, aber auch weniger verbreitete Arten vor. Gegliedert sind die Beschreibungen in allgemeine Merkmale, Besonderheiten bei der Kultur, Eigenschaften und Verwendung, sowie Interessantes aus dem Sortiment.
Den Abschluss bildet ein Register, eine Auswahl Adressen mit Zitrus-Sammlungen zum Anschauen und eine Auswahl von Adressen mit Bezugsquellen.

Mit diesem Buch wird dem Anfänger der Einstieg in der Welt der Zitrusbäumchen leicht gemacht. Das Buch ist sehr übersichtlich gegliedert. Wichtiges wird immer noch einmal kurz zusammengefasst. Die Pflegeanleitungen sind leicht verständlich und gut nachvollziehbar, so dass die Bäumchen sicher bald mit reichlich Früchten erfreuen dürften. Vorurteile hinsichtlich angeblicher zu schwieriger Pflege werden ausgeräumt. Durch die ausführlichen Beschreibungen können geeignete Zitrusarten gezielt ausgewählt werden. Hat man ein Bäumchen, das noch keine Früchte trägt, kann man anhand der Blätter eine Bestimmung der Hauptarten vornehmen.
Auch wenn die vielen Fotos natürlich das Auge erfreuen. Bei diesem Ratgeber entsteht nicht der Eindruck, dass der Schwerpunkt auf den Bildern liegt. Sie veranschaulichen die Erklärungen da, wo es nötig ist.

Rezension von Heike Rau

Bénédicte und Michel Bachès
Zitrus – auswählen, pflanzen, pflegen
96 Seiten, 110 Farbfotos, 10 Zeichnungen
Verlag Eugen Ulmer
ISBN: 3-8001-4446-8
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Bauchlandung

Bauchlandung

Paul wird aus erziehungstechnischen Gründen zu Hause rausgeschmissen. Was liegt näher, als in eine WG zu ziehen? Ein Leben in einer Bude zusammen mit einem Hippie, „der seine Klamotten aus einem Mülleimer in Woodstock gefischt zu haben scheint“ und einer Frau, die an Hässlichkeit nicht zu überbieten ist, ist genau richtig. Da kann auch Bea, seine Freundin, nicht meckern. Außerdem gibt es gratis Käsegestank vom Laden nebenan. Doch die Versuchung lauert schon. Die hässliche Mitbewohnerin, sieht nämlich nur unausgeschlafen so furchtbar aus. Paul fallen fast die Augen heraus, als er sie so richtig aufgestylt zu sehen bekommt. Das ist vielleicht eine Verwandlung! Das wird Freundin Bea gar nicht gefallen. Es kriselt so schon in der Beziehung. Bea weiß sofort, was Paul nie und nimmer zugeben will. Hollys Reize sind unwiderstehlich.

Das Erwachsenwerden bringt schon so einige Probleme mit sich. Einmal aus dem elterlichen Nest geworfen, muss Paul nun sehen, wie er zurecht kommt, ohne das ihm jemand das Essen kocht, die Wäsche wäscht und sein Bett frisch bezieht. Mit den Mitbewohnern wird er schon auskommen, denkt er sich. Doch da hat er seine Triebe unterschätzt. Holly, die er in Gedanken bald nur noch Heißhochhundert nennt, beflügelt seine Phantasie. Nachts darf er an ihren Liebesspielen teilnehmen, wenn auch vorerst nur akustisch. Kein Wunder, dass sein Gehirn zu Brei wird. Seiner Beziehung zu Bea fehlt in letzter Zeit auch irgendwie der Schwung. Und immer nur träumen ist nicht sein Ding. So lässt er sich von Heißhochhundert verführen und gibt Bea den Laufpass.

Das Buch hat jede Menge Witz und Ironie. Es liest sich einfach super. Klasse, wie Paul den Leser an seinem geheimsten Gedanken teilnehmen lässt, äußerst lebensnah und sehr gut nachvollziehbar. Da treibt es einen schon hin und wieder vor Lachen die Tränen in die Augen. Die Charaktere sind gut beschrieben, angefangen von Hippie Klaus, der zickigen, von Eifersucht geplagten Bea und auch Holly, die so überaus sexy und unwiderstehlich daherkommt. Man hat keine Mühe sich die einzelnen Personen vorzustellen. Paul selbst ist wohl der Durchschnittstyp, mit ihm könnte sich jeder der auch so um die 19 Jahre alt ist identifizieren. Er hat keine Lust erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Doch es bleibt ihm keine Wahl. Er ganz allein muss die Konsequenzen ziehen und ausbaden, was er verbockt hat.

Rezension von Heike Rau

Jochen Till
Bauchlandung
264 Seiten, gebunden
für junge Erwachsene
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-35247-0
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Gärtnern in Töpfen & Kübeln

Gärtnern in Töpfen & Kübeln

Auch wenn man keinen Garten hat, kann man sich an schönen Pflanzen erfreuen. In Töpfen und Kübeln verschönern sie Balkone, Terrassen, Wintergärten, den Hauseingang oder die Treppe. Damit die Pflanzenarrangements viel Freude machen und ein echter Hingucker werden, gibt es Anregungen, Tipps, Tricks und Pflegehinweise in diesem Ratgeber.

Zunächst einmal gilt es, sich einen Überblick zu verschaffen, um zu sehen, was auf dem eigenen Balkon oder der Terrasse überhaupt möglich ist und eine Auswahl an Pflanzen zu treffen, egal ob man ein kleines Duft-Paradies schaffen will, sich wie im letzten Urlaub fühlen möchte, es kunterbunt oder romantisch mag oder praktisch mit Kräutern für den eigenen Bedarf oder ob man gar Obst und Gemüse in Töpfen und Kübeln ziehen will.

Damit alles harmonisch wirkt, ist natürlich auch die Auswahl der Pflanzgefäße wichtig. Was passt gut zu den ausgewählten Pflanzen? Kommen Kunststofftöpfe, Terrakotta-Gefäße, robuste Holzgefäße oder sogar die alte Badewanne in Frage? Und welche Erden oder Substrate sind zu empfehlen? Welche Nährstoffe muss der Dünger enthalten? Wichtig ist natürlich auch das Gießen. Bei vielen Pflanzen bieten sich Bewässerungssysteme an. Informiert wird, wenn auch nur kurz und knapp, über Pflanzenschädlinge.
Und weil jede Saison einmal zu Ende geht, gibt es auch Tipps zur Überwinterung der Pflanzen.

Große Freude macht es, die Pflanzen zu vermehren. Am besten durch Stecklinge. Wie das geht und was zu beachten ist, wird im Ratgeber anschaulich erklärt. Aber auch die Aussaat durch Samen findet Beachtung.

Damit die Auswahl geeigneter Pflanzen mit ihren verschiedenen Standortbedürfnissen nicht schwer fällt, folgen nun Vorschläge für verschiedene Zusammenstellungen. Vorgestellt werden beispielsweise Pflanzen mit exotischen Früchten, winterharte Kübelpflanzen, Pflanzen, die im Herbst mit ihrer Farbgebung beeindrucken, und Pflanzen mit Blühgarantie.

Fazit: Der Traum vom selbstgeschaffenen blühenden Paradies auf Balkon oder Terrasse lässt sich mit diesem Ratgeber sicherlich erfüllen. Geeignet ist das Buch für Einsteiger, aber auch für Hobbygärtner, die schon Erfahrungen gesammelt haben.

Über den Autor:
Jörn Pinske ist Gärtner, freier Fachjournalist und Fachbuchautor.

Rezension von Heike Rau

Jörn Pinske
Gärtnern in Töpfen & Kübeln
Ideen für Balkon & Terrasse
96 Seiten, gebunden, 180 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer
In Zusammenarbeit mit der Zeitschrift FLORA Garten
ISBN: 3-8001-4405-0
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Bianka Minte-König: Schule der dunklen Träume

Bianka Minte-König: Schule der dunklen Träume

Als Beas Vater auf eine Forschungsreise nach China muss, kommt Bea ins Internat. Ein mulmiges Gefühl im Bauch hat sie schon. Aber ihrem Vater sagt sie das nicht. Sie will den Abschied nicht noch schwieriger machen. Als Bea mit ihren Mitschülerinnen in den neuen Internatsanbau umzieht, beginnt sie schlecht zu schlafen und Unglaubliches zu träumen. Den anderen Mädchen geht es ebenso. Doch im Gegensatz zu Bea können sie sich nicht an ihre Träume erinnern. Merkwürdige Dinge geschehen. Bald entsteht der Eindruck, im Haus würde ein Poltergeist sein Unwesen treiben. Da aber keiner an Poltergeister glaubt, wird Bea die Schuld an den Ereignissen gegeben. Nur ihre Zimmergenossin Jenny hält noch zu Bea und Jason, in den Bea sich bei der ersten, etwas unromantischen Begegnung verliebt hat. Aber auch sie können Beas Träume nicht so recht einordnen.
Die Albträume werden immer schlimmer und Bea ist sich sicher, dass sie mit der Vergangenheit des Internats, das früher ein Waisenhaus gewesen ist, zusammenhängen. Immer wieder erlebt sie Szenen aus dem Alltag der Waisenkinder, die, so glaubt sie, wirklich einmal stattgefunden haben müssen. Bea versucht sich Informationen bei Lehrern und in der Bibliothek zu beschaffen. Und sie wird fündig. Sie begeht jedoch einen Fehler, unterschätzt drei ihrer Mitschülerinnen unter ihnen Zaphira, die in ihrer Eifersucht einen teuflischen Plan ausheckt und auch durchzusetzen versucht.

Erzählt wird eine wirklich spannende Geschichte, die zudem noch schön schaurig und gruselig ist und sicher so manchem Leser eine Gänsehaut bescheren wird. Bea ist ein sympathisches Mädchen. Sie muss sich an eine neue Umgebung gewöhnen und an neue Mitschüler. Zeit dafür hat sie kaum, denn die beginnenden Albträume lassen ihr keine Ruhe. Der Leser erfährt durch die Träume und die Nachforschungen Beas Wissenswertes über die Geschichte von Waisen- Zucht- und Arbeitshäusern und die schwierigen Lebensbedingungen der Kinder, die dort Aufnahme fanden.
Und natürlich gibt es auch eine kleine, romantische Liebesgeschichte. Denn Bea verliebt sich in Jason. Auf den zurückhaltenden Jungen hat es aber auch ein anderes Mädchen abgesehen. Ausgerechnet Zaphira, die Bea so schon das Leben schwer macht.
Vom Stil her ist das Buch leicht lesbar. Man wird schon auf den ersten Seiten gefesselt und kann es gar nicht mehr weglegen. Sehr zu empfehlen!

Über die Autorin:
Bianka Minte-König ist Professorin für Literatur- und Medienpädagogik an der Fachhochschule in Braunschweig und lebt auch mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in dieser Stadt. Seit 1996 veröffentlicht sie mit Erfolg Kinder- und Jugendbücher.

Rezension von Heike Rau

Bianka Minte-König
Schule der dunklen Träume
Reihe: Liebe und Geheimnis
224 Seiten, broschiert
ab 12 Jahren
Thienemann Verlag
ISBN: 3-522-17607-3
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Erkläre mir die Welt!

Erkläre mir die Welt!

„Dieses Buch erklärt die großen Naturerscheinungen und untersucht, wie die Menschen sich den unterschiedlichen Lebensbedingungen angepasst haben – von primitiven Gesellschaften bis hin zu den hoch entwickelten Industrienationen.“ (Auszug aus dem Klappentext)

Das Themengebiet „Wetter und Klima“ beschäftigt sich beispielsweise mit den Jahreszeiten, den Klimazonen, den Klimaveränderungen, mit der Frage wie Gewitter entstehen, den verschiedenen Wolkenformen, mit der Frage wie Regen entsteht oder Schnee, wie sich ein Regenbogen bildet und der Wettervorhersage.

Das Themengebiet „Unsere Erde“ beschäftigt sich mit den Fragen, wie alt die Erde ist, woraus die Erde besteht, warum Erdbeben so gefährlich sind, was bei einem Vulkanausbruch passiert, was ein Gletscher ist, wie Berge entstehen, wo ein Fluss beginnt und endet, wie Kohle entsteht, was erneuerbare Energien sind, seit wann Menschen Landwirtschaft betreiben, was Religion ist, seit wann Menschen Häuser bauen und vielen weiteren.

Jedem Schwerpunkt ist eine Doppelseite gewidmet. Zunächst folgt eine kleine Einführung, dann werden die Fragen in kurz gehaltenen, aber verständlichen und einprägsamen Sätzen erklärt. Dazu gibt es eine Menge faszinierender Bilder Fotos und Grafiken, die zum Verstehen beitragen und das Gelesene auf anschauliche Weise vertiefen. Besonders interessant ist die Rubrik „Wusstest du…?“ in der Randleiste. Hier wird über Dinge die verwundern oder von Interesse sind, über auffällige Phänomene, interessante Persönlichkeiten oder Erfindungen berichtet.

Dieses Sachbuch eignet sich wunderbar zum Nachschlagen. Ein Register ist vorhanden. Nach den beiden großen Themengebieten folgen Begriffserklärungen. Es macht aber auch Spaß, einfach im Buch zu blättern und zu verweilen, wo sich etwas Spannendes findet. Oft sind es die Fotos, die das besondere Interesse beim Durchblättern des Buches wecken.

Fazit: „Erkläre mir die Welt!“ ist sicher nicht nur für Kinder interessant. Auch Erwachsene finden hier interessante Themen. Zudem besticht das Buch durch das tolle Preis-Leistungsverhältnis. Für nur 9,95 Euro ist man dabei.

Rezension von Heike Rau

Simon Mugford
Erkläre mir die Welt!
Ab 8 Jahren
128 Seiten, gebunden, farbig illustriert
XENOS Verlagsgesellschaft, Hamburg
ISBN: 3-8212-2708-7
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Nancy Richler: Dein schöner Mund

Nancy Richler: Dein schöner Mund

Geboren wurde Miriam in einer jüdischen Kleinstadt, einem Schtetl, in den Sümpfen Weißrusslands. Ihre Mutter ist kurz nach ihrer Geburt in den Fluss gegangen. Miriam verbringt die ersten Jahre ihres Lebens bei Lipsa, die schon sechs Kinder hat. Als ihr Vater wieder heiratet, kehrt sie nach Hause zurück. Nun lebt sie bei ihrem Vater, der Schuhmacher ist und ihrer Stiefmutter Tsila, die Kleider näht. Im Schtetl lebt man nach festen Traditionen. Für die kleine Familie ist das Leben äußerst beschwerlich und von Entbehrungen und Ängsten geprägt. Miriam findet schwer Zugang zu anderen Kindern. Doch eines Tages freundet sie sich mit Sara an. Sara will Miriam mitnehmen zu einer Demonstration. Miriam überwindet ihre anfängliche Angst und ihre Vorbehalte, denn es fasziniert sie, dass eine Frau zur Menge sprechen will. Das will sie nicht verpassen. Miriam ist begeistert von Goldas Rede. Dabei sind es nicht einmal die Worte, die gesprochen werden, sondern die kraftvolle und unerschütterliche Ausstrahlung Goldas, die ihre Wirkung auf Miriam nicht verfehlt. Miriam beginnt noch unbewusst, sich der Revolution zu verschreiben.
Der Weg, den sie damit zu beschreiten beginnt, zieht sie immer tiefer in die Strudel der Russischen Revolution und in die Gefahren, die damit verbunden sind. Am Ende ihres Kampfes wird die schwangere Miriam zu lebenslanger Haft in Sibirien verurteilt, weil sie in höchster Not einen Gardisten erschossen hat.

Das Buch ist sehr beeindruckend und ergreifend. Geschildert wird der Lebensweg Miriams, die mehr durch das Zutun anderer in die Wirren der Russischen Revolution gerät. Auch wenn sie oft an ihrem Tun zweifelt, ein Zurück gibt es nicht.
Vater und Stiefmutter erfüllen sich einen Traum, sie wandern nach Argentinien aus, dahin, wo Christen die Juden nicht hassen. Miriam soll nachkommen, doch sie ist fasziniert von Kiew. Hier ist das Leben noch viel mehr vom Aufbegehren geprägt. Obwohl Miriam arbeitet, kann sie sich nur ein Bett in einem Keller leisten. Doch anders als in ihrer kleinen Heimatstadt findet sie hier viel schneller Anschluss. Wieder ist es eine Freundin, die Miriam auf sehr drastische Weise dazu bringt, sich der sozialistischen Bewegung anzuschließen.
Es ist spannend, Miriams Entwicklung zu verfolgen. Die Autorin schreibt sehr eindringlich, schildert die Verhältnisse und Lebensumstände im Russland vor und zur Zeit der Russischen Revolution aus der Sicht Miriams. Das Buch regt damit zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Russischen Revolution und der Umstände, die dazu führten, an.

Über die Autorin:
Nancy Richler lebt in Vancouver. Sie veröffentlicht in verschiedenen kanadischen und amerikanischen Literaturzeitschriften. „Dein schöner Mund“ erhielt 2002 den Canadian Jewish Award.

Rezension von Heike Rau

Nancy Richler
Dein schöner Mund
446 Seiten, gebunden
Kindler Verlag, Berlin
ISBN: 3-463-40440-0
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Relax

Relax

An Alexa Hennig von Lange scheiden sich die Geister. Scheinbar handelt es sich um eine Love-or-hate-Autorin, die man entweder hassen oder lieben muss. Ich habe mich für letzteres entschieden.

In dem Drogenroman „Relax“ wird ein Wochenende voller Party und Drogenkonsum im Leben eines jungen Liebespaares geschildert, einmal aus der Sicht des Mannes, einmal aus der Sicht der Frau. Der Roman ist wie alle Bücher von Alexa Hennig von Lange in einer rasanten und witzigen Sprache geschrieben und man kann gar nicht anders, als ihre Bücher innerhalb von wenigen Stunden ohne Unterbrechung durchzulesen.

Vielleicht mag es dem einen oder anderen oberflächlich erscheinen, was die Autorin in diesem Buch geschrieben hat. Ein Wochenende vollgepumpt mit Drogen und rotzigen Sprüchen unreifer junger Menschen. Aber auch hinter dieser Geschichte kann man wie bei allen Geschichten der Autorin eine aufrüttelnde Aussage finden.

Das Bild der jungen Menschen Anfang 20, das in diesem Buch entsteht, ist erschreckend, aber es trifft wohl weitestgehend zu. Romane müssen nicht immer nach bestimmten formalen Kriterien geschrieben sein um gut zu sein. Auch müssen sie nicht immer weltbewegende Themen aufgreifen, um eine wichtige Aussage zu haben. Manchmal reicht es, wenn eine junge Autorin, ein Mensch wie Du und ich, witzig, manchmal etwas übertrieben, aber immer mit ihrem unverwechselbaren Stil, über ein triviales Thema schreibt, nicht hochliterarisch, sondern so, wie wir eben denken und sprechen, damit ein guter und unterhaltsamer Roman entsteht.

Und wenn man dem Buch keine Aussage abgewinnen kann, so kann man es zumindest als kurzweilige Lektüre genießen.

(Copyright by Katrin Campari)

Alexa Hennig von Lange
Relax
Zutreffende Studie über die Mittzwanziger-Generation
ISBN:3499224941
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Bei lebendigem Leibe

Bei lebendigem Leibe

In diesem Buch beschreibt Souad, einen anonym bleibende Frau und Mutter, ihre Lebensgeschichte.
Souad ist in einem kleinen Dorf in Jordanien geboren worden. Sie ist eines von vier überlebenden Töchtern neben einem vergötterten Sohn einer bäuerlichen Familie, die von der Landwirschaft lebt.
In diesen Dorfgemeinschaften herrschen archaische Sitten und Gebräuche.
Töchter und Frauen im allgemeinen gelten nichts und sind nichts wert. So wird auch Souad etwa ab ihrem 8.-10. Lebensjahr wie eine Sklavin gehalten. Sie muß jede Art von Arbeit verrichten: vom Ausmisten der Ställe, über das Kochen, Putzen, Ernten, die Tiere versorgen usw.
Wenn sie nicht flink, sauber , ordentlich und pünktlich ist, bekommt sie Schläge.
Die Schikanen sind unendlich, was sie mit ansehen muß auch: z.B.,daß ihre Mutter gerade geborene Töchter mit einem Schaffell erstickt.
Das einzige Ziel der Töchter ist: verheiratet zu werden, um den häuslichen Grausamkeiten zu entgehen, nicht wissend, daß sich damit nur der Ort, nicht aber das Leben ändert.

Sie selber erleidet ein furchtbares Schicksal: als sie sich mit einem Mann einläßt, den sie zu lieben glaubt, muß sie schnell erfahren, daß sie dem Ehrenmord entgegen sieht. Ihr Schwager versucht, sie zu verbrennen.

Durch ungewöhnliches Glück wird eine französische Menschenrechts-Aktivisten auf sie aufmerksam, als sie in einem Krankenhaus ihrem Tode entgegen vegetiert.

Souad hat für die Organisation Surgir, die sich dieses Themas in der Weltöffentlichkeit annimmt, in diesem Buch ihre Lebensgeschichte erzählt.
Es ist ein erschütterndes Dokument der Menschverachtung, der archaischen Zustände, wie sie sich ein westlich zivilisierter Mensch nicht vorzustellen vermag. Daß Souad auch noch eine Zartheit im Empfinden und in ihrer Darstellung der langsamen Einkehr in eine andere Welt findet, ist bemerkenswert. Sie lebt heute unerkannt irgendwo in Europa .

Cl.B.

Souad
Bei lebendigem Leibe
Eine traurige aber wahre Geschichte
ISBN:3764501804
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Salve Roma!

Salve Roma!

Kater Francis macht sich Sorgen um Gustav. Wer macht ihm wohl die Dosen mit Katzenfutter auf, wenn Gustav seinen Plan wahr macht und sich den Strick nimmt? Zum Glück kommt es nicht so weit. Ein Anruf verhindert das Schlimmste und sorgt bei Gustav für neuen Lebensmut. Gustav wird nach Rom gerufen, um Ausgrabungen von gerade entdeckten Katakomben zu überwachen.
Rom, da beginnt Francis zu träumen. Doch Gustav will Francis gar nicht mitnehmen, sondern ihn in eine Tierpension stecken. Das lässt sich Francis nicht gefallen, mit Hilfe eines genialen Plans und ganz ohne das Wissen von Gustav, reist er mit nach Rom.
Der Traum vom Urlaub zerplatzt wie eine Seifenblase. Francis muss erfahren, dass seit einiger Zeit auf grausame Weise Katzen ermordet werden, ohne das dem Einhalt geboten werden kann. Francis kann da natürlich nicht zusehen. Mit Hilfe seines kriminalistischen Spürsinns will er den Fall lösen. Doch so einfach ist es nicht. Francis ist schließlich fremd in der Stadt. So macht er einen Fehler, vertraut den falschen Artgenossen, tappt in eine Falle und wird getäuscht. Francis lässt sich davon jedoch nicht entmutigen, er macht weiter. Er will die Frage beantwortet wissen, warum so viele seiner Artgenossen sterben mussten und vor allem, warum ihnen die Ohren entfernt wurden. Die späte Liebe zu Katzendame Sancta beflügelt ihn. Die Spur, die Francis verfolgt, führt schließlich zu Unglaublichem. Kann es wirklich sein, dass ein Tüftler mit Hilfe des Gleichgewichtsorgans aus Katzenohren eine intelligente Mordwaffe entwickeln will?

Francis ist nun schon 16 Jahre alt. Doch geändert hat sich nichts. Er ist der beliebte Katzendetektiv geblieben, klärt einen spannenden Fall, diesmal vor der Kulisse Roms, auf gewohnte Art und Weise. So manche Erkenntnis kommt ihm sogar im Traum. Seinen philosophisch angehauchten, spitzfindigen Gedanken zu folgen, macht einfach Spaß, auch wenn er manchmal übertreibt. Und auch der Fall, der wieder sehr utopisch anmutet, ist spannend. Allerdings könnte es ein klein wenig schneller vorwärts gehen. Immer wieder muss man sich durch Passagen kämpfen, die den Fall nicht so recht vorwärts bringen. Francis lässt sich oft ablenken und fabuliert. Das ist sicher nur für eingefleischte Katzenfans interessant, die das Buch vor allem wegen Francis lesen. So gibt es immer wieder Hintergrundinformationen aus der Katzenwelt, die teilweise auch noch mal ausführlich im Anhang geschildert werden.

Über den Autor:
Akif Pirinçci ist Jahrgang 1959. 1974 erschien im Bayerischen Rundfunk sein erster professioneller Kurzfilm. 1976 gewann er bei einem Hörspielwettbewerb des Hessischen Rundfunks den 1. Preis. Nach dem Studium an der Wiener Akademie für Film und Fernsehen arbeitete er zunächst als Drehbuchautor. Heute lebt Pirinçci als freier Autor in Bonn.
Nach dem Romandebüt „Tränen sind immer das Ende“, erschien 1989 sein erster Katzenkrimi „Felidae“, für den er 1990 mit dem „Mimi“-Krimipreis in den Kategorien „bestes Buch“ und „bestes Debüt“ ausgezeichnet wurde. „Salve Roma!“ ist nun der mittlerweile 5. Roman um den Katzendetektiv Francis.

Rezension von Heike Rau

Akif Pirinçci
Salve Roma!
Ein Felidae-Roman
273 Seiten, gebunden
Eichborn Verlag
ISBN: 3-8218-0956-6
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