Erkläre mir die Welt!

Erkläre mir die Welt!

„Dieses Buch erklärt die großen Naturerscheinungen und untersucht, wie die Menschen sich den unterschiedlichen Lebensbedingungen angepasst haben – von primitiven Gesellschaften bis hin zu den hoch entwickelten Industrienationen.“ (Auszug aus dem Klappentext)

Das Themengebiet „Wetter und Klima“ beschäftigt sich beispielsweise mit den Jahreszeiten, den Klimazonen, den Klimaveränderungen, mit der Frage wie Gewitter entstehen, den verschiedenen Wolkenformen, mit der Frage wie Regen entsteht oder Schnee, wie sich ein Regenbogen bildet und der Wettervorhersage.

Das Themengebiet „Unsere Erde“ beschäftigt sich mit den Fragen, wie alt die Erde ist, woraus die Erde besteht, warum Erdbeben so gefährlich sind, was bei einem Vulkanausbruch passiert, was ein Gletscher ist, wie Berge entstehen, wo ein Fluss beginnt und endet, wie Kohle entsteht, was erneuerbare Energien sind, seit wann Menschen Landwirtschaft betreiben, was Religion ist, seit wann Menschen Häuser bauen und vielen weiteren.

Jedem Schwerpunkt ist eine Doppelseite gewidmet. Zunächst folgt eine kleine Einführung, dann werden die Fragen in kurz gehaltenen, aber verständlichen und einprägsamen Sätzen erklärt. Dazu gibt es eine Menge faszinierender Bilder Fotos und Grafiken, die zum Verstehen beitragen und das Gelesene auf anschauliche Weise vertiefen. Besonders interessant ist die Rubrik „Wusstest du…?“ in der Randleiste. Hier wird über Dinge die verwundern oder von Interesse sind, über auffällige Phänomene, interessante Persönlichkeiten oder Erfindungen berichtet.

Dieses Sachbuch eignet sich wunderbar zum Nachschlagen. Ein Register ist vorhanden. Nach den beiden großen Themengebieten folgen Begriffserklärungen. Es macht aber auch Spaß, einfach im Buch zu blättern und zu verweilen, wo sich etwas Spannendes findet. Oft sind es die Fotos, die das besondere Interesse beim Durchblättern des Buches wecken.

Fazit: „Erkläre mir die Welt!“ ist sicher nicht nur für Kinder interessant. Auch Erwachsene finden hier interessante Themen. Zudem besticht das Buch durch das tolle Preis-Leistungsverhältnis. Für nur 9,95 Euro ist man dabei.

Rezension von Heike Rau

Simon Mugford
Erkläre mir die Welt!
Ab 8 Jahren
128 Seiten, gebunden, farbig illustriert
XENOS Verlagsgesellschaft, Hamburg
ISBN: 3-8212-2708-7
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Nancy Richler: Dein schöner Mund

Nancy Richler: Dein schöner Mund

Geboren wurde Miriam in einer jüdischen Kleinstadt, einem Schtetl, in den Sümpfen Weißrusslands. Ihre Mutter ist kurz nach ihrer Geburt in den Fluss gegangen. Miriam verbringt die ersten Jahre ihres Lebens bei Lipsa, die schon sechs Kinder hat. Als ihr Vater wieder heiratet, kehrt sie nach Hause zurück. Nun lebt sie bei ihrem Vater, der Schuhmacher ist und ihrer Stiefmutter Tsila, die Kleider näht. Im Schtetl lebt man nach festen Traditionen. Für die kleine Familie ist das Leben äußerst beschwerlich und von Entbehrungen und Ängsten geprägt. Miriam findet schwer Zugang zu anderen Kindern. Doch eines Tages freundet sie sich mit Sara an. Sara will Miriam mitnehmen zu einer Demonstration. Miriam überwindet ihre anfängliche Angst und ihre Vorbehalte, denn es fasziniert sie, dass eine Frau zur Menge sprechen will. Das will sie nicht verpassen. Miriam ist begeistert von Goldas Rede. Dabei sind es nicht einmal die Worte, die gesprochen werden, sondern die kraftvolle und unerschütterliche Ausstrahlung Goldas, die ihre Wirkung auf Miriam nicht verfehlt. Miriam beginnt noch unbewusst, sich der Revolution zu verschreiben.
Der Weg, den sie damit zu beschreiten beginnt, zieht sie immer tiefer in die Strudel der Russischen Revolution und in die Gefahren, die damit verbunden sind. Am Ende ihres Kampfes wird die schwangere Miriam zu lebenslanger Haft in Sibirien verurteilt, weil sie in höchster Not einen Gardisten erschossen hat.

Das Buch ist sehr beeindruckend und ergreifend. Geschildert wird der Lebensweg Miriams, die mehr durch das Zutun anderer in die Wirren der Russischen Revolution gerät. Auch wenn sie oft an ihrem Tun zweifelt, ein Zurück gibt es nicht.
Vater und Stiefmutter erfüllen sich einen Traum, sie wandern nach Argentinien aus, dahin, wo Christen die Juden nicht hassen. Miriam soll nachkommen, doch sie ist fasziniert von Kiew. Hier ist das Leben noch viel mehr vom Aufbegehren geprägt. Obwohl Miriam arbeitet, kann sie sich nur ein Bett in einem Keller leisten. Doch anders als in ihrer kleinen Heimatstadt findet sie hier viel schneller Anschluss. Wieder ist es eine Freundin, die Miriam auf sehr drastische Weise dazu bringt, sich der sozialistischen Bewegung anzuschließen.
Es ist spannend, Miriams Entwicklung zu verfolgen. Die Autorin schreibt sehr eindringlich, schildert die Verhältnisse und Lebensumstände im Russland vor und zur Zeit der Russischen Revolution aus der Sicht Miriams. Das Buch regt damit zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Russischen Revolution und der Umstände, die dazu führten, an.

Über die Autorin:
Nancy Richler lebt in Vancouver. Sie veröffentlicht in verschiedenen kanadischen und amerikanischen Literaturzeitschriften. „Dein schöner Mund“ erhielt 2002 den Canadian Jewish Award.

Rezension von Heike Rau

Nancy Richler
Dein schöner Mund
446 Seiten, gebunden
Kindler Verlag, Berlin
ISBN: 3-463-40440-0
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Relax

Relax

An Alexa Hennig von Lange scheiden sich die Geister. Scheinbar handelt es sich um eine Love-or-hate-Autorin, die man entweder hassen oder lieben muss. Ich habe mich für letzteres entschieden.

In dem Drogenroman „Relax“ wird ein Wochenende voller Party und Drogenkonsum im Leben eines jungen Liebespaares geschildert, einmal aus der Sicht des Mannes, einmal aus der Sicht der Frau. Der Roman ist wie alle Bücher von Alexa Hennig von Lange in einer rasanten und witzigen Sprache geschrieben und man kann gar nicht anders, als ihre Bücher innerhalb von wenigen Stunden ohne Unterbrechung durchzulesen.

Vielleicht mag es dem einen oder anderen oberflächlich erscheinen, was die Autorin in diesem Buch geschrieben hat. Ein Wochenende vollgepumpt mit Drogen und rotzigen Sprüchen unreifer junger Menschen. Aber auch hinter dieser Geschichte kann man wie bei allen Geschichten der Autorin eine aufrüttelnde Aussage finden.

Das Bild der jungen Menschen Anfang 20, das in diesem Buch entsteht, ist erschreckend, aber es trifft wohl weitestgehend zu. Romane müssen nicht immer nach bestimmten formalen Kriterien geschrieben sein um gut zu sein. Auch müssen sie nicht immer weltbewegende Themen aufgreifen, um eine wichtige Aussage zu haben. Manchmal reicht es, wenn eine junge Autorin, ein Mensch wie Du und ich, witzig, manchmal etwas übertrieben, aber immer mit ihrem unverwechselbaren Stil, über ein triviales Thema schreibt, nicht hochliterarisch, sondern so, wie wir eben denken und sprechen, damit ein guter und unterhaltsamer Roman entsteht.

Und wenn man dem Buch keine Aussage abgewinnen kann, so kann man es zumindest als kurzweilige Lektüre genießen.

(Copyright by Katrin Campari)

Alexa Hennig von Lange
Relax
Zutreffende Studie über die Mittzwanziger-Generation
ISBN:3499224941
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Bei lebendigem Leibe

Bei lebendigem Leibe

In diesem Buch beschreibt Souad, einen anonym bleibende Frau und Mutter, ihre Lebensgeschichte.
Souad ist in einem kleinen Dorf in Jordanien geboren worden. Sie ist eines von vier überlebenden Töchtern neben einem vergötterten Sohn einer bäuerlichen Familie, die von der Landwirschaft lebt.
In diesen Dorfgemeinschaften herrschen archaische Sitten und Gebräuche.
Töchter und Frauen im allgemeinen gelten nichts und sind nichts wert. So wird auch Souad etwa ab ihrem 8.-10. Lebensjahr wie eine Sklavin gehalten. Sie muß jede Art von Arbeit verrichten: vom Ausmisten der Ställe, über das Kochen, Putzen, Ernten, die Tiere versorgen usw.
Wenn sie nicht flink, sauber , ordentlich und pünktlich ist, bekommt sie Schläge.
Die Schikanen sind unendlich, was sie mit ansehen muß auch: z.B.,daß ihre Mutter gerade geborene Töchter mit einem Schaffell erstickt.
Das einzige Ziel der Töchter ist: verheiratet zu werden, um den häuslichen Grausamkeiten zu entgehen, nicht wissend, daß sich damit nur der Ort, nicht aber das Leben ändert.

Sie selber erleidet ein furchtbares Schicksal: als sie sich mit einem Mann einläßt, den sie zu lieben glaubt, muß sie schnell erfahren, daß sie dem Ehrenmord entgegen sieht. Ihr Schwager versucht, sie zu verbrennen.

Durch ungewöhnliches Glück wird eine französische Menschenrechts-Aktivisten auf sie aufmerksam, als sie in einem Krankenhaus ihrem Tode entgegen vegetiert.

Souad hat für die Organisation Surgir, die sich dieses Themas in der Weltöffentlichkeit annimmt, in diesem Buch ihre Lebensgeschichte erzählt.
Es ist ein erschütterndes Dokument der Menschverachtung, der archaischen Zustände, wie sie sich ein westlich zivilisierter Mensch nicht vorzustellen vermag. Daß Souad auch noch eine Zartheit im Empfinden und in ihrer Darstellung der langsamen Einkehr in eine andere Welt findet, ist bemerkenswert. Sie lebt heute unerkannt irgendwo in Europa .

Cl.B.

Souad
Bei lebendigem Leibe
Eine traurige aber wahre Geschichte
ISBN:3764501804
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Salve Roma!

Salve Roma!

Kater Francis macht sich Sorgen um Gustav. Wer macht ihm wohl die Dosen mit Katzenfutter auf, wenn Gustav seinen Plan wahr macht und sich den Strick nimmt? Zum Glück kommt es nicht so weit. Ein Anruf verhindert das Schlimmste und sorgt bei Gustav für neuen Lebensmut. Gustav wird nach Rom gerufen, um Ausgrabungen von gerade entdeckten Katakomben zu überwachen.
Rom, da beginnt Francis zu träumen. Doch Gustav will Francis gar nicht mitnehmen, sondern ihn in eine Tierpension stecken. Das lässt sich Francis nicht gefallen, mit Hilfe eines genialen Plans und ganz ohne das Wissen von Gustav, reist er mit nach Rom.
Der Traum vom Urlaub zerplatzt wie eine Seifenblase. Francis muss erfahren, dass seit einiger Zeit auf grausame Weise Katzen ermordet werden, ohne das dem Einhalt geboten werden kann. Francis kann da natürlich nicht zusehen. Mit Hilfe seines kriminalistischen Spürsinns will er den Fall lösen. Doch so einfach ist es nicht. Francis ist schließlich fremd in der Stadt. So macht er einen Fehler, vertraut den falschen Artgenossen, tappt in eine Falle und wird getäuscht. Francis lässt sich davon jedoch nicht entmutigen, er macht weiter. Er will die Frage beantwortet wissen, warum so viele seiner Artgenossen sterben mussten und vor allem, warum ihnen die Ohren entfernt wurden. Die späte Liebe zu Katzendame Sancta beflügelt ihn. Die Spur, die Francis verfolgt, führt schließlich zu Unglaublichem. Kann es wirklich sein, dass ein Tüftler mit Hilfe des Gleichgewichtsorgans aus Katzenohren eine intelligente Mordwaffe entwickeln will?

Francis ist nun schon 16 Jahre alt. Doch geändert hat sich nichts. Er ist der beliebte Katzendetektiv geblieben, klärt einen spannenden Fall, diesmal vor der Kulisse Roms, auf gewohnte Art und Weise. So manche Erkenntnis kommt ihm sogar im Traum. Seinen philosophisch angehauchten, spitzfindigen Gedanken zu folgen, macht einfach Spaß, auch wenn er manchmal übertreibt. Und auch der Fall, der wieder sehr utopisch anmutet, ist spannend. Allerdings könnte es ein klein wenig schneller vorwärts gehen. Immer wieder muss man sich durch Passagen kämpfen, die den Fall nicht so recht vorwärts bringen. Francis lässt sich oft ablenken und fabuliert. Das ist sicher nur für eingefleischte Katzenfans interessant, die das Buch vor allem wegen Francis lesen. So gibt es immer wieder Hintergrundinformationen aus der Katzenwelt, die teilweise auch noch mal ausführlich im Anhang geschildert werden.

Über den Autor:
Akif Pirinçci ist Jahrgang 1959. 1974 erschien im Bayerischen Rundfunk sein erster professioneller Kurzfilm. 1976 gewann er bei einem Hörspielwettbewerb des Hessischen Rundfunks den 1. Preis. Nach dem Studium an der Wiener Akademie für Film und Fernsehen arbeitete er zunächst als Drehbuchautor. Heute lebt Pirinçci als freier Autor in Bonn.
Nach dem Romandebüt „Tränen sind immer das Ende“, erschien 1989 sein erster Katzenkrimi „Felidae“, für den er 1990 mit dem „Mimi“-Krimipreis in den Kategorien „bestes Buch“ und „bestes Debüt“ ausgezeichnet wurde. „Salve Roma!“ ist nun der mittlerweile 5. Roman um den Katzendetektiv Francis.

Rezension von Heike Rau

Akif Pirinçci
Salve Roma!
Ein Felidae-Roman
273 Seiten, gebunden
Eichborn Verlag
ISBN: 3-8218-0956-6
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Knief oder Des großen schwarzen Vogels Schwingen

Knief oder Des großen schwarzen Vogels Schwingen

Wolfgang Beutin schreibt mit seinem fünften Roman ein wenig bekanntes Kapitel deutscher Geschichte: die dramatischen Ereignisse der Jahre 1918/19, als aus einem verlorenen Krieg heimkehrende Soldaten, Arbeiter und Intellektuelle, revoltierten und eine sozialistische Räterepublik errichten wollten, in Berlin, in München, in Bremen, im Ruhrgebiet. Er beschreibt – dies ist das Besondere an dem Roman – aus der Sicht der Revolutionäre und mit der Feder einer Frau den am Ende vergeblichen Kampf für eine, heute nennen wir es: basisdemokratische Gesellschaft.

Im Mittelpunkt Johannes Knief, unabhängiger Sozialdemokrat wie seine junge Geliebte und Chronistin Charlotte Kornfeld. Er, der von Krieg und Krankheit gezeichnete Pazifist, Journalist und Motor der Bremer Arbeiterbewegung, ein „Linksradikaler“, der das besitzbürgerliche Regime und das Berliner „Bonzentum“ regierender Sozialdemokraten (Ebert, Noske und Genossen) bekämpft und den in der Pickelhaubenzeit geschundenen, oftmals zusammengeschlagenen und weg gesperrten Proletariern zu ihrem Recht verhelfen will. Sie, Kurierin und Geschäftsführerin einer Arbeiterzeitung, Johanns Lebens- und Kampfgefährtin, die mit ihm Verfolgung und Gefängnis, Krankenhaus und Asyl bei Heinrich Vogeler in Worpswede teilt, bis Johann Knief nach mehreren Operationen stirbt, am 6. April 1919, einen Tag bevor in München eine Räterepublik entsteht.

Die Bremer Räterepublik, nach trickreichen Schachzügen der Arbeiterführer am 10. Januar 19 ausgerufen, scheiterte keine vier Wochen danach an der Übermacht der „Weißgardisten“, Freikorps völkisch-deutsch-nationaler Couleur, die ein sozialdemokratischer Reichswehrminister in Bremen einmarschieren ließ.

Es ist die tragische Geschichte eines Matrosen- und Arbeiteraufstandes, die Geschichte seiner Hauptakteure, allen voran Johannes Knief, ein Idealist wie die vielen anderen „Linksintellektuellen“, die an der bitteren Realität scheitern mussten. Der Autor macht aus seinen Sympathien für sie keinen Hehl. Und es ist eine Liebesgeschichte, die ebenso tragisch endet.

Beutin gelingt es, uns am Geschehen hautnah teilnehmen zu lassen und der offiziellen Historiografie, wie sie in den Schulbüchern angeboten wird, andere Aspekte hinzuzufügen. Wir können davon ausgehen, dass der vielseitige Wissenschaftler von der Geschichte seiner Heimatstadt Bremen viel Staub abklopfen musste, damit darunter Verborgenes sichtbar wird.

Sein Stil ist zupackend und analytisch distanziert zugleich. Beutin liebt das Detail; er sieht und beschreibt alles, was das Leben ausmacht, und wie es man es von einem Germanisten erwarten sollte: Er entfaltet den ganzen Reichtum unserer Sprache.

Dietrich Stahlbaum

Wolfgang Beutin: Knief oder Des großen schwarzen Vogels Schwingen Verlag Königshausen und Neumann, Würzburg 1/2004
249 Seiten, 19,80€

Wolfgang Beutin
Knief oder Des großen schwarzen Vogels Schwingen
Von deutscher Revolution – Roman über die dramatischen Ereignisse 18/19 in Bremen, Berlin,,,
ISBN:3826026373
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Cook

Cook

James Cook gilt als größter Entdecker aller Zeiten. Im Jahr 1768 brach er zu seiner ersten großen Reise auf. Zu dieser Zeit waren erst zwei Drittels unserer Welt erforscht. Zwei weitere große Forschungsreisen folgten. 11 Jahre, über 200.000 Seemeilen, Tahiti, Bora Bora, Neuseeland, Botany Bay, Great Barrier Reef, von Arktis bis Antarktis, von der Nordwestküste Amerikas bis zur nordöstlichsten Küste Sibiriens. Eine unvorstellbare Leistung, die allerdings den Tod von Cook zur Folge hatte. Der Captain wurde 1779 auf Hawaii erschlagen.

Zusammen mit Tony Horwitz kann der Leser nun den Spuren Cooks ganz gemütlich vom Sessel aus folgen. Der Autor hat sich auf den Weg gemacht, den Entdecker zu entdecken. Er orientiert sich dabei an der vierbändigen Ausgabe der Logbücher Captain Cooks, herausgegeben von John Cawte Beaglehole, und verwendet immer wieder Zitate daraus.
Die Faszination Cooks für ferne Länder und fremde Kulturen wird lebendig und steckt an. Cooks Eindrücke seiner Entdeckungsreisen vermischen sich mit denen des Autors, der nachzuvollziehen versucht, was Cook sah und wie er sich gefühlt haben muss. Denn aus den Logbücher allein, ist das nicht immer herauszulesen. Die Einträge sind etwas nüchtern, knapp gehalten, eben nur von Tatsachen geprägt, nicht aber von wahren Gefühlen.
Was Tony Horwitz auch mit eigenen Augen betrachtet, sind die Folgen, die durch den Entdecker Cook entstanden sind. Eins steht fest. Cook hat Teile der Welt nicht nur neu entdeckt, sondern auch drastisch verändert. Einfache Kulturen bzw. Ureinwohner hatten oft einen hohen Preis zu zahlen. Cook und seine Mannschaft brachten nicht nur Handelsgüter, sondern oftmals ansteckende Krankheiten und den Tod.
Tony Horwitz entzaubert auch die Person, die hinter Captain Cook steckt. Er folgt Gerüchten, Cooks Stammbaum und Einschätzungen anderer Menschen, versucht zu ergründen, wie Cook wirklich dachte und was seine Begleiter auf den Schiffen von ihm hielten. James Cook war immer um die Gesundheit seiner Mannschaft besorgt, sagte der von Seeleuten gefürchteten Krankheit Skorbut den Kampf an.
Viel Platz im Buch räumt der Autor Cooks Tod ein. Er versucht nachzuvollziehen, wie es dazu kommen konnte und welche Fehler Cook und seine Mannschaft gemacht haben könnten.
Auf seinen Reisen wird Tony Horwitz von Roger Williamson begleitet, der mit seiner „unkonventionellen“ Art Leben ins Buch bringt, auch oder gerade weil er manchmal lieber im Kneipensumpf versank, als weiter Cooks Spuren zu folgen.

Fazit: Nicht nur vom äußerlichen ist das Buch mit seinen 700 Seiten und dem gelungenen Cover beeindruckend. Es liest sich auch fantastisch und weckt Fernweh.

Über den Autor:
Tony Horwitz, geboren in Washington D.C., hat als Auslandskorrespondent
für das „Wall Street Journal“ aus Krisengebieten der Welt berichtet und war Autor des „New Yorker“. 1995 wurde er mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Nach zehn Jahren in Sydney lebt der Autor heute mit seiner Familie in Virginia.

Über die Übersetzerin:
Heike Steffen ist Jahrgang 1968. Sie studierte Literaturübersetzung in Düsseldorf und Spanien. Für den marebuchverlag hat sie beispielsweise den Roman „Der Unmensch“ von Arabella Edge ins Deutsche übersetzt. Heike Steffen lebt in Hamburg.

Rezension von Heike Rau

Tony Horwitz
Cook
Die Entdeckung eines Entdeckers
Aus dem Amerikanischen von Heike Steffen
704 Seiten, gebunden
mit 8 Karten
marebuchverlag, Hamburg
ISBN: 3-936384-89-4
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100 faszinierende Tatsachen – Der menschliche Körper

100 faszinierende Tatsachen – Der menschliche Körper

Im diesem farbig illustrierten Buch gibt es für Kinder viel zu entdecken. Alles Wissenswerte rund um den menschlichen Körper wird in kleinen, für Kinder leicht zu bewältigenden Texten erklärt. Dabei tragen die anschaulichen Bilder sehr zum Verständnis bei. Die Themen sind vielfältig. Das Buch beginnt mit der Entstehung des menschlichen Lebens und seiner Entwicklung. Weitere Themen sind die Haut, Haare und Nägel, das Knochengerüst, Gelenke, Muskeln, das Herz, das Blut und viele mehr. Auch unsere Sinne finden Beachtung. So ist ein Kapitel dem Sehen und Hören gewidmet ein anderes dem Riechen und Schmecken. Das Buch beschäftigt sich aber auch mit gesunder Ernährung oder Zahnpflege.
Gut gefallen haben die Zusatzinformationen in den kleinen Kästchen, die jeden zum Staunen bringen. Es werden aber auch spannende Quizfragen angeboten und leicht nachvollziehbare Experimente vorgeschlagen. So können Kinder einmal austesten, wie empfindlich die Haut ist oder wie Licht auf die Augen wirkt.
Damit gesuchte Informationen auch mal schnell nachgeschlagen werden können, gibt es ein Register.
Der Spaß am Lernen und Informieren kommt nicht zu kurz. Die kleinen Cartoons oben auf den Seiten sind ein Hingucker.

Rezension von Heike Rau

Steve Parker
100 faszinierende Tatsachen – Der menschliche Körper
Wissenschaftliche Mitarbeit: Dr. Kristina Routh
Übersetzt von Wiebke Krabbe
48 Seiten, Hardcover, farbig illustriert
ab 8 Jahren
Xenos Verlagsgesellschaft, Hamburg
ISBN: 3-8212-2690-0
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Die kopierte Frau

Die kopierte Frau

Je älter Ada wird, um so deutlicher spürt sie, dass etwas nicht stimmt, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Es liegt nicht nur daran, dass sie genauso aussieht wie ihre Mutter, sondern mehr am Umgang zwischen Mutter und Tochter. Die Mutter will Ada nichts über ihren Vater erzählen, aber auch nichts über ihre Großeltern oder ihre Tante. Nicht mal einen Blick ins Fotoalbum darf Ada werfen. Dass sie in die Schule gehen darf, verdankt sie der Überredungskunst einer Dame, die sich dafür eingesetzt hat.
Adas Gefühl, das etwas nicht so ist, wie es sein sollte, verstärkt sich immer mehr. Sie fühlt sich anders als andere und versteht das nicht. Als Ada 17 ist, hält sie die Ungewissheit nicht mehr aus. Sie beginnt in den Sachen ihrer Mutter zu spionieren, hofft irgendetwas herauszubekommen, dass ihr weiterhelfen könnte.
Schließlich stöß sie auf ihre Geburtsurkunde. Ein Vater ist nicht angeben, sondern ein Labor in Manhattan. Ada ist die Kopie ihrer Mutter.

Das Buch fesselt unglaublich. Das liegt aber nicht nur am brisanten Thema, sondern an der Art und Weise, wie es angepackt wurde. Die Autorin versucht zu ergründen, wie sich ein menschlicher Klon in unserer zukünftigen Welt fühlen würde. Sie erzählt die spannende Geschichte von Ada, die eigentlich nichts über ihre Zeugung wissen kann und trotzdem fühlt, dass sie anders ist, als andere Menschen. Dabei geht die Autorin in die Tiefe, wagt Gedankenspiele, hält daran fest oder verwirft sie wieder. Es ist ein Prozess, den der Leser miterleben kann. Ada ist ein Mensch, der sich mit seinem Seelenleben beschäftigt und auseinandersetzt, der nach Gründen sucht, nach Antworten und dem Sinn des Lebens und nach dem, was einen Menschen ausmacht. Der Leser wird angeregt, sich selbst Gedanken zu machen, sich eine eigenen Meinung zu einem Thema zu bilden, welches wohl lieber in weite Ferne geschoben wird und dazu noch sehr umstritten ist.

Eva Hoffman wurde in Krakau, Polen, geboren. 1959 wanderte sie mit ihren Eltern nach Kanada aus. Sie studierte in Harvard und arbeitete bei der „New York Times Book Review“.

Rezension von Heike Rau

Eva Hoffman
Die kopierte Frau
Aus dem Englischen von Renate Orth-Guttmann
256 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag, Wien
ISBN: 3-552-05293-3
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Mein erster Tag im Kindergarten

Mein erster Tag im Kindergarten

Marie feiert ihren 3. Geburtstag. Geschenkt bekommt sie auch eine knallrote Kindergartentasche. Sie freut sich, nun endlich in den Kindergarten gehen zu dürfen.
In die rote Tasche kommen ein Käsebrötchen und ein Apfel. Dann geht Marie zusammen mit ihrer Mutter zum Kindergarten. Marie sieht sich zuerst einmal gründlich um, lernt andere Kinder kennen und fühlt sich sofort wohl. Schnell gliedert sie sich ein, erlebt das erste gemeinsame Frühstück, putzt mit Zähne, geht mit raus zum Spielen, hört eine Geschichte und malt mit Wasserfarben.
Der Tag ist viel zu schnell zu Ende. Zum Glück kann Marie am nächsten Tag wieder in den Kindergarten kommen. Darauf freut sie sich schon.

Die kleine Geschichte um Maries ersten Kindergartentag wird sehr einfühlsam und anregend erzählt. Kinder lernen so den Alltag im Kindergarten kennen. Sie erfahren, was den Tag über gemacht wird und womit die Kinder sich beschäftigen. Die ansprechenden Illustrationen sind sehr farbenfroh und kindgerecht. Auf jeder Seite gibt es viel zu sehen und Interessantes zu entdecken. Mit liebevoll gezeichneten Details wir nicht gespart. So merken aufmerksame Kinder beispielsweise schnell, dass Marie ihre Kuschelkatze mit in den Kindergarten genommen hat und suchen auf den folgenden Seiten danach.

Rezension von Heike Rau

Antje Bones / Eva Spanjardt
Mein erster Tag im Kindergarten
32 Seiten, Hardcover, farbig illustriert
für Kinder ab 4 Jahren
Xenos Verlagsgesellschaft, Hamburg
ISBN: 3-8212-2744-3
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