Der Baumkrieger

Der Baumkrieger

Moses Wine ist Privatdetektiv mit politischer Vergangenheit. Als er erfährt, dass sein Sohn von der Polizei gesucht wird, kommt Bewegung in sein eingefahrenes Leben. Sein Sohn hat nicht nur ein Kavaliersdelikt auf dem Kerbholz. Er soll zu einer Gruppe von Umweltaktivisten „Hüter des Waldes“ gehören, die Schuld am Tod eines Holzfällers sein sollen.
Zusammen mit seiner ebenfalls auf den Plan gerufenen Exfrau, reist er nach Nordkalifornien, um seinem Sohn zu helfen.
Doch der will keine Hilfe, gleich welcher Art, von seinen Eltern. Sie sollen dahin gehen, wo sie hergekommen sind, nach Hause.
Moses Wine lässt nicht locker. Er glaubt, auch wenn das zeitweise schwer ist, an die Unschuld seines Sohnes und drängt sich weiter auf, um Licht in diese Sache zu bringen. Zum Glück kann man nur sagen!

Moses Wine ist ein sympathischer Privatdetektiv, der nicht auf den Kopf und schon gar nicht auf den Mund gefallen ist. Geschildert wird der Krimi aus seiner Perspektive. Der Plot ist spannend und immer aktuell. Die Lage wird immer dramatischer. Hilfe bekommt Wine auch noch von der angeblichen Journalistin Samantha Backus, für die er Exfrau und derzeitige Freundin sausen lässt. Sie ist eine interessante Figur, ahnt man doch bald, dass sie mehr sein muss, als eine Journalistin. Zusammen mir ihr muss sich Wine gegen eine Reihe zwielichtiger Gestalten zur Wehr setzen. Und bald ist klar, sie sind einer Sache auf der Spur, die eine Nummer zu groß für sie sein könnte. Wem können sie noch vertrauen?
Neben der Umweltproblematik steht auch der Vater-Sohn Konflikt zur Debatte. Moses Wine kann selbst auf eine politische Vergangenheit zurückblicken. Nun muss er sich fragen, ob seine Erziehung am Ende Schuld an der Sache ist.

Im Anhang befinden sich ausführliche Informationen über den Autor, eine Bibliographie und ein aufschlussreiches Interview, das der Herausgeber der metro-Reihe Thomas Wörtche mit Roger L. Simon führte

Über den Autor:
Roger L. Simon ist Jahrgang 1943. Nach der Yale School of Drama zog er nach Kalifornien. Roger L. Simon ist Autor, Drehbuchautor und Regisseur. 1974 erschien sein erster Moses-Wine-Roman. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Rezension von Heike Rau

Roger L. Simon
Der Baumkrieger
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger
255 Seiten, Taschenbuch
Unionsverlag, Zürich
Reihe: metro, herausgegeben von Thomas Wörtche
ISBN: 3-293-20278-0
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Ausgerechnet du

Ausgerechnet du

Berkeloh im Emsland. Um sich hier wohl zu fühlen, muss man eine Kuh sein. Oder ein strunzdoofer Spießer. Und von beiden sind übergenug da. Aber sonst? Katja hat genug von dem öden Kaff. Und nicht nur davon. Nando, ihr Freund, geht ihr auf den Senkel, und Gesa, die Freundin aus Sandkastentagen, wird auch immer komischer, seit sie in diese Umwelt-AG geht. Da bleibt echt nur noch Michel. Der regt sich immer so schön auf, wenn man ihn ärgert. Ist doch bloß Spaß, nur, damit nicht alles so öde ist. Und Michel regt sich schon wieder auf.

Aber Gesa und Michel haben es auch nicht gerade leicht. Eines Tages liegt Gesas Vater mit Herzinfarkt auf der Intensivstation. Und auch Michel landet im Krankenhaus. Dabei hat er seinem Vater noch nicht einmal erzählt, dass er schwul ist. Wie denn auch, wenn der wegen der geringsten Kleinigkeit ausrastet und losprügelt?

Karen-Susan Fessel erzählt in „Ausgerechnet du“ vom Leben und Überleben in der Provinz. Ihre Heldinnen und Helden sind Jugendliche, mitten in der Pubertät. Die Erzählung ist sehr dicht geschrieben, so intensiv, dass man zuweilen die Kühe muhen hört. Dabei ist die Sprache niemals primitiv, sondern schlicht, gerade, und aufs Wesentliche konzentriert.

Mit leichter Hand schickt die Autorin ihre Jugendlichen durch den Tag, ohne Moralappelle, amateurpsychologische Gutachten oder die unerträglich gute Laune von Bessermenschen. Sicher, Katja, Gesa und Michel lernen dazu, werden älter und auch reifer. Aber sie sind trotzdem keine Pappfiguren, sondern ganz normale Jugendliche, die genug damit zu tun haben, sich und ihr Leben in den Griff zu bekommen. Und dann ist da ja auch immer noch der Alltag. Der ist für Lesende ab 14 Jahren sogar richtig spannend. Selbst in dieser Öden Wüste Berkeloh.

Ausgerechnet du
Karen-Susan Fessel
Oetinger Verlag
240 Seiten, gebunden, EUR 10,90, CHF 19.40, EUR (A) 11,30
Erschienen im Herbst 2003

Eine leider nicht verlinkbare Leseprobe findet sich auf der Homepage des Oetinger Verlags (http://www.oetinger.de).

Karen-Susan Fessel
Ausgerechnet du
Katjas Leben in Berkeloh ist öde. Für Leser ab 14 ist es aber spannend erzählt.
ISBN:3789135097
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Das Lexikon der Wunder

Das Lexikon der Wunder

Werner Fuld hat im „Lexikon der Wunder“ Geschichten zusammengestellt, die geheimnisvoll, rätselhaft, gruslig, haarsträubend, aufregend, aber vor allem unterhaltsam sind. Jedem steht es heute frei, so der Autor im Vorwort, an ein Wunder seiner Wahl zu glauben.

Besonders spannend ist die Geschichte eines ägyptischen Mumiensargs, der aus der Zeit von Amen-Ra stammt. Schon bevor er im Britischen Museum angekommen war, besiegelte er das Schicksal von dreizehn Menschen. Angeblich hat der Fluch, der auf dem Sarg lastet, sogar den Ausbruch des 1. Weltkrieges beeinflusst.

Ausgesprochen merkwürdig ist die Geschichte über ein gerupftes Huhn, welches nachdem sein Herr gestorben war, in der Gegend herumspukte.

Man liest vom bekanntesten Gespenst Irlands, von Feuerspuk und Spukhäusern, von Doppelgängererlebnissen, Elfen, Geisterschiffen, Kugelblitzen, seltsamen Naturerscheinungen, rechnenden Pferde, Fällen von Reinkarnation oder Selbstentzündung.

Beim Lesen, und das macht so mache Geschichte beängstigend glaubwürdig, trifft man immer wieder auf bekannte Persönlichkeiten. Dazu gehören beispielsweise der Schriftsteller Victor Hugo, der Dichter William Butler Yeats, die Autorin Agatha Christie oder Prinz Louis Ferdinand von Preußen. Doch so manches Wunder wird auch entzaubert und als Schwindel aufgedeckt.

Es macht einfach Spaß, in diesem Buch zu schmökern, sich selbst ein Urteil über Wunder oder Schwindel zu bilden. Bekanntes wechselt sich mit weniger Bekanntem ab. Die Beiträge sind gut geschrieben und sorgen so für viele Stunden kurzweilige Unterhaltung. Interessant zum Thema ist auch das umfassende Vorwort von Werner Fuld.

Über den Autor:
Werner Fuld ist Jahrgang 1947. Er schrieb u.a. Biographien und veröffentlichte Anekdoten. Bereits bei Eichborn erschienen ist sein „Lexikon der Fälschungen“ und sein „Das Lexikon der letzen Worte“. Der Autor und Literaturkritiker lebt in der Nähe von München.

Rezension von Heike Rau

Werner Fuld
Das Lexikon der Wunder
Unerklärliche Phänomene von Auferstehung bis Zwerg
320 Seiten, gebunden
Eichborn Verlag
ISBN: 3-8218-1617-1
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Future World

Future World

Eine lesenswerte Anthologie mit dem Namen Future World erschien im Hans Udo Mörsch Verlag.
Der Herausgeber und Mitautor hat eine ausgewogene Reihe von Erzählungen und Kurzgeschichten zusammengestellt, die Visionen einer Zukunft offenbaren.
Die Aufmachung ist sehr stimmig und stabil in der Bindung.
Die Geschichten sind auf hohem Niveau mit interessanten und überraschenden Plots.

Mein Favorit ist Menschenjäger von Armin Rößler, eine stark charakterisierende Erzählung, die sehr dicht und plastisch von Outsidern erzählt, eine sehr traditionelles Zukunftsbild, aber überragend in den Details.

Während Maschinengeschöpf von Udo Mörsch etwas expressionistisch daherkommt, wirkt Die letzte BIOFORM sehr sachlich, wodurch der Schluss aber besonders ergreifend wird.
In Happy Birthday von Barbara Jung erscheint eine der sehr seltenen Utopien, die in eine positive Zunkunft führt, ein schönes Zeichen, das die Seiten der Sammlung überstrahlt.
Wasser von Titus Müller ist eine sehr solide Arbeit, die einige Sichtweisen kopfstellt.
Die Soldatin von Udo Mörsch ist ähnlich expressiv wie seine erste Geschichte, aber in seiner Anklage sehr ernst und intensiv.
Auch Torsten Rybkas Short Cuts machen große Freude, ich werde wohl nie wieder unbefangen Kühe jagen oder Regenschirme spannen können.
Winterplanet von Jeannot Bildgen ist eine kurze Space Opera, deren Fortsetzung man sich wünscht.
Einen würdigen Abschluss der Sammlung bietet Udo Mörsch mit der Eiswelt, die zwar eine für Perry Rhodan Leser inakzeptable Entstehung von ES erzählt, aber darüber hinaus in klaren Szenen die Sinnlosigkeit von Macht darstellt.
Mit einer lesenswerten Vorstellung der Autoren endet viel zu früh ein gutes Buch.

Udo Mörsch (Hrsg.)
Future World
Eine niveauvolle Anthologie überraschender und spannender Zukunftsentwürfe.
ISBN:3935953127
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Segel aus Stein

Segel aus Stein

Auf der Suche nach seinem Vater verschwindet Axel Osvald in Schottland spurlos. Seine Tochter Johanna Osvald wendet sich an Kommissar Erik Winter, einem ehemaligen Freund. Axel Osvald wird schließlich gefunden. Hat sein Tod etwas mit den anonymen Briefen und mit dem mysteriösen Verschwinden seines Vaters zu tun? Erik Winter geht den mehr als kärglichen Spuren nach, die bis zurück zum 2. Weltkrieg führen.
Seine Kollegin Aneta Djanali ist zeitgleich mit einem ebenfalls sehr undurchsichtigen Fall beschäftigt. Es geht um eine Frau, die anscheinend von ihrem Ex-Mann misshandelt wurde oder wird. Besorgte Nachbarn hatten der Polizei Mitteilung gemacht. Doch es gestaltet sich für Djanali schwierig, überhaupt Kontakt zu dieser Frau aufzunehmen.

Es fällt schwer, Zugang zu diesem Krimi zu bekommen. Die beiden Fälle werden nebeneinander erzählt. Das hin- und herspringen erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Auch Spannung will nicht so recht aufkommen. Der Autor hält sich oft an Nebensächlichkeiten auf, die die Handlung nicht wirklich voranbringen. Dazu kommt, dass der Autor immer wieder englischsprachige Dialoge einbindet, die auch nicht in einem Anhang übersetzt werden. Das verwirrt.
Erst zum Ende, als endlich etwas Licht in das Dunkel kommt, gewinnt das Buch an Spannung. Positiv aufgefallen sind die tiefen Einblicke in die Gedankenwelt der allerdings etwas schwerfällig wirkenden Ermittler, die dieses verworrene Puzzle mühsam zusammensetzen müssen.
So ist das Buch wohl nur Lesern zu empfehlen, die bewusst auf Action zugunsten von Tiefgründigkeit verzichten wollen.

Über den Autor:
Åke Edwardson ist Jahrgang 1953. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Göteborg. Bevor er sich dem Schreiben von Romanen widmete, arbeitete er als Journalist, schrieb Sachbücher und unterrichtete an der Universität von Göteborg Creative Writing. „Segel aus Stein“ ist sein sechste Krimi um Kommissar Erik Winter.

Rezension von Heike Rau

Åke Edwardson
Segel aus Stein
511 Seiten, gebunden
Claassen Verlag
ISBN: 3-546-00296-2
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Piraten!

Piraten!

Nancy führt ein recht sorgloses Leben als Tochter eines reichen Kaufmanns in Bristol. Bei einem Unwetter verliert ihr Vater seine Schiffe bis auf eins. Die Fracht ist nicht versichert. Er steht vor dem Ruin. Schließlich erleidet er einen Schlaganfall. Sein letzter Wunsch auf dem Sterbebett ist, dass Nancy nach Jamaika auf seine Zuckerrohrplantagen reisen soll. Sie wird nicht nach ihrer Meinung gefragt. Der Vater und die Brüder haben Nancy genauso verkauft wie ihre Sklaven. Sie soll mit dem unsympathischen Bartholome, einem reichen brasilianischen Pflanzer mit bewegter Vergangenheit, verheiratet werden. Doch ewige Treue hat sie William, mittlerweile Marineoffizier, geschworen, besiegelt mit einem Ring, einem Männerring aus schwerem Gold, den sie an einer Kette um den Hals trägt. Nach einem tragischen Vorfall, bleibt ihr keine Wahl. Sie flieht zusammen mit der Sklavin Minerva von der Zuckerrohrplantage. Beide heuern schließlich auf einem Piratenschiff an. Ein abenteuerliches und vor allem gefahrvolles Leben beginnt.

Die Geschichte der zwei jungen Frauen Nancy und Minerva zu verfolgen, ist außerordentlich spannend. Die Autorin erzählt mit Tempo ihre aufwühlende und ergreifende Geschichte. Natürlich kann auch ein Jugendbuch über Piraten nicht ohne das Beschreiben von Brutalität und rauen Sitten auskommen. Schon gar nicht, wenn so junge Frauen sich zwischen harten Männern behaupten müssen. Celia Rees gelingt diese Gratwanderung. Sie erzählt sehr realistisch und glaubwürdig ohne Übertreibung, denn diese Seite gehört nun mal unbedingt dazu.
Aber es ist auch die Geschichte einer Liebe, die fast ohne Hoffnung beginnt. Nancy und William werden immer wieder getrennt. Sie müssen von kurzen Begegnungen lange zehren und dennoch halten sie in ihren Gedanken immer an ihrer Liebe fest.
Und es ist die Geschichte einer tiefen Freundschaft. Nancy und Minerva schweißt das Schicksal und der Drang nach Freiheit zusammen. Doch sie sind noch durch ein anderes Band verbunden, von dem sie aber zunächst nichts ahnen.
So erfüllt sich wohl jede Erwartung, die man an ein Buch über Piraten stellen könnte. Unbedingt lesen!

Über die Autorin:
Celia Rees wuchs in den West Midlands in England auf. Sie studierte Geschichte und Politik an der Warwick University und war danach 17 Jahre Englischlehrerin. Auf Deutsch erschienen bisher ihre Jugendromane „Der Herr der Stürme“, „Hexenkind“ und „Hexenschwestern“. Heute lebt Celia Rees mit ihrer Familie in Leamington Spa, England.

Rezension von Heike Rau

Celia Rees
Piraten!
Aus dem Englischen von Monika Schmalz
384 Seiten, gebunden
historischer Jugendroman
Berlin Verlag / Bloomsbury Kinder- und Jugendbücher
ISBN: 38270-5004-9
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Steig ein mein Kind, wir reisen durchs Jahr!

Steig ein mein Kind, wir reisen durchs Jahr!

In diesem Buch sind die schönsten von Else Wenz-Vietor illustrierten Geschichten, Verse und Lieder versammelt. Gedacht ist das Hausbuch aber nicht nur für Kinder, sondern für die ganze Familie.

Die Geschichten, Verse und Lieder sind nach Jahreszeiten geordnet. Bekannte und weniger bekannt Texte reihen sich aneinander. Allen geläufig sicher die Lieder „Frühlings Ankunft“ oder „Von meinem Blümchen“ von Hoffmann von Fallersleben. Freuen kann sich der Leser auch über „Däumelinchen“ von Hans Christian Andersen, „Grünbart, das Moosmännchen“ von Albert Sixtus und „Der kleine Häwelmann“ von Theodor Storm. Dazu kommen Rezepte in Versform, die auch nachgemacht werden können wie „Keks zum Ausstechen“ oder „Pfannkuchen“ von Adolf Holst.

Die besondere Aufmerksamkeit des Betrachters ziehen aber die Illustrationen auf sich, die genau so sind, wie Kinder sie am meisten mögen. Die Tiere in bunter Bekleidung, die Kinder meist barfuß und mit ihren roten, gesunden Apfelbäckchen, die farbenfrohen Wiesenblumen, die Nixen und die Kobolde mit Strubbelhaar. Fast alles spielt sich draußen ab, in der Natur.

Bei Erwachsenen weckt das Buch Erinnerungen an die eigene Kindheit. Wie schön, nun endlich die bekannten Verse, Lieder und Geschichten mit den, zugegeben heute wohl etwas altmodischen wirkenden, Illustrationen von Else Wenz-Vietor in so einem aufwändig gestalteten Hausbuch wiederzuentdecken, egal ob zum Vorlesen für die Kinder und Enkelkinder oder zum Verschenken an dieselben.

Wer nun neugierig geworden ist, und mehr wissen möchte über Else Wenz-Vietor, kann alles Wissenswerte im sehr ausführlichen Anhang erfahren, der von Ingrid Lohan-Wenz verfasst wurde.

Rezension von Heike Rau

Steig ein mein Kind, wir reisen durchs Jahr!
Verse, Lieder und Geschichten
illustriert von Else Wenz-Vietor
176 farbige Seiten, Hardcover
Lappan Verlag
ISBN: 3-8303-1072-2
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Ditte und Giovanni Bandini: Das Buch der Elfen und Feen

Ditte und Giovanni Bandini: Das Buch der Elfen und Feen

Groß und Klein kennt sie, die Feen und Elfen. Sie üben eine ganz besondere Faszination auf uns Menschen aus. Ditte und Giovanni Bandini versuchen, diesen zauberhaften Wesen auf die Spur zu kommen. Was sie herausgefunden haben, erzählen sie auf unterhaltsame Weise.
Sie haben Gedichte zusammengetragen, Sagen und Zeichnungen. Sie beschäftigen sich mit Frau Holle, Frau Perchta, den Waldweiblein oder der Zahnfee. Sie erzählen von verschiedenen Gegenden, beispielsweise von Schottland, Irland, Skandinavien oder Deutschland. Ihr Augenmerk richtet sich natürlich auch auf andere Autoren. Beispielsweise Geoffrey Chaucer mit den „Canterbury-Erzählungen“, William Shakespeare mit dem „Sommernachtstraum“ oder James M. Barrie mit „Peter Pan“. Sogar Augenzeugenberichte werden im Buch wiedergegeben, ganz ohne Wertung.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Bildtafeln in der Mitte des Bandes. In aller Ruhe kann man „Feen im Vogelnest“ von John Anster Fitzgerald, „Meerjungfrau“ von John William Waterhouse oder „Die Morgenelfe“ von Fritz Zuber-Bühler betrachten.
Zusammengetragen wurde auch ein Liste mit Feen- und Elfenseiten aus dem Internet, denn auch dort sind diese Wesen nun zu finden. Dazu gibt es ein Glossar und ein Register.

Das Buch ist für Fans der Feen und Elfen ein Muss. Die Autoren vermitteln mit viel Humor ihre zahlreiche Informationen. So steht einer unterhaltsamen Lektüre nichts im Wege. Erwähnenswert ist auch die auffallend schöne Gestaltung des Buches mit vielen Zeichnungen und einem stimmungsvollen Cover.

Über die Autoren:
Ditte Bandini studierte Völkerkunde, Religionsgeschichte und Indologie. Sie arbeitet an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und als freie Schriftstellerin und Übersetzerin.
Giovanni Bandini studierte Indologie, Vergleichende Religionswissenschaft und Indische Kunstgeschichte. Er arbeitet als freier Übersetzer.

Rezension von Heike Rau

Ditte und Giovanni Bandini
Das Buch der Elfen und Feen
300 Seiten, Klappenbroschur
Deutscher Taschenbuch Verlag, München
dtv premium
ISBN: 3-423-23485-6
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Leben, Natur, Wissenschaft-Alles, was man wissen muss

Leben, Natur, Wissenschaft-Alles, was man wissen muss

Die Entfaltung des Lebens
Unser Lebensraum
Leben im Universum
MenschenLeben
Leben mit Bewusstsein und Gehirn

Das sind die Themen, die in diesem Buch zusammengestellt sind. Alles was man über das Leben, die Natur und die Wissenschaft wissen sollte. Es geht um naturwissenschaftliche Grundlagen und um die Evolution des Lebens und um die Entwicklung unserer Kultur. Besonders interessant ist auch der Blick in die Vergangenheit oder auf große intellektuelle Leistungen der Menschen und auf wissenschaftliche und technische Errungenschaften und ihrer Bedeutung für die Gesellschaft.

608 Seiten Wissen stellen die Autoren dem Leser zu Verfügung. Was sofort auffällt, ist der überraschend leicht lesbare Stil, in welchem dieses umfassende Werk gehalten ist. Man braucht selbst kein Wissenschaftler zu sein, um es lesen und verstehen zu können. Es werden Fragen geklärt und Wissenslücken gefüllt, die wohl jeder Mensch hat.

Beispielsweise stößt man auf folgende interessante und aufregende Fragen im Buch:

S. 147 „Wo mag der Ort, an dem ich mich gerade befinde, wohl vor 250
Millionen Jahren gewesen sein?“
S. 164 „Warum waren die Gebirge auf der Erde nicht gleichmäßig verteilt?“
S. 267 „Wo kommt es her, das Universum?“
S. 281 „Wo genau in der weiten Welt des Kosmos befinden wir uns?“
S. 324 „Wie ist der Stand der Wissenschaft in Sachen grüne Männchen vom Mars?“
S. 342 „Warum ist unser Gehirn überhaupt so groß geworden?“
S. 351 „Was wissen wir über unser Genom?“
S. 535 „Inwieweit ist es möglich, wenigstens für den Zeitraum eines Menschenlebens Zukunftsprognosen abzugeben?“

Das Buch, in dem man einfach so schmökern und von Interessengebiet zu Interessengebiet springen kann, lässt sich auch sehr gut als Nachschlagewerk verwenden. Personenregister und Sachregister sind vorhanden. Dazu gibt es eine Zeittafel der Wissenschaften und eine kommentierte Liste zu großen Büchern der Wissenschaften und eine ebenfalls kommentierte Liste mit Büchern zum Weiterlesen für Interessierte.

Rezension von Heike Rau

Detlev Ganten / Thomas Deichmann / Thilo Spahl
Leben, Natur, Wissenschaft
Alles, was man wissen muss
608 Seiten, gebunden
Eichborn Verlag
ISBN: 3-8218-3981-3
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Liska und ihre Männer

Liska und ihre Männer

Alexander Ikonnikow ist ein noch junger russischer Autor.
Im Klappentext wird sein Romandebüt als “ Kalaidoskop der russischen Provinzgesellschaft“ bezeichnet. Das trifft es sehr genau.

Liska, die Hauptprotaginistin, entstammt einem sehr kleinen Dorf; die Mutter verdient sich, nachdem der Vater verschwunden ist, ihren Lebensunterhalt mit Prostitution.
Irgendwann wird Liska in die Stadt zum Studieren geschickt. Dort macht sie sehr spannende Lebenserfahrungen. Sie muß sich um Job, Studium und Wohnung kümmern. Die Wohnungen sind natürlich z.T. gräßlich. Sie schließt Freundschaft mit Frauen der unterschiedlichsten Mentalität und Profession und begegnet den verschiedensten Männern: Stromern, reichen Parteigenossen, braven Arbeitern und lebt mit den verschiedensten Typen zusammen.
Wodka fließt in Strömen, und Geselligkeit ist hoch angesehen.
Über diesen Lebensalltag wird mit viel Witz, Humor und Schalkhaftigkeit berichtet.
Das Buch ist amüsant und locker-leicht geschrieben, fast wie eine Art Schelmenroman gepaart mit der russischen Seele , die vieles lakonisch und gelassen nimmt.
Es ist die karge Nach-Stalinära, in der die Dörfer und Städte in Armut und materieller Erbärmlichkeit erstarren. Dennoch liest sich das Buch keineswegs deprimierend, sondern es ist zügig und witzig in gutem Stil und in der schönen Tradition russischer Erzählkunst geschrieben.

Daß es zu einem aparten und ungewöhnlichen Happy-End kommt, hat mich zu dem Schluß kommen lassen: es ist ein wunderbares Buch!

Cl.B.

Alexander Ikonnikow
Liska und ihre Männer
Ein Lebensbild aus Russland
ISBN:349803216x
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