Findet Nemo

Findet Nemo

Der kleine Clownfisch Nemo kann nicht so gut schwimmen. Eine Flosse ist kleiner als bei anderen Fischen. Daher hat sein Vater Marlin auch immer Angst, dass Nemo etwas zustoßen könnte.
Und tatsächlich geschieht am ersten Schultag Nemos ein Unglück. Der kleine Fisch wird von einem Taucher gefangen und findet sich in einem Aquarium mit unsichtbaren Wänden und Plastikpflanzen wieder. Zusammen mit den anderen Bewohnern des Aquariums schmiedet er einen riskanten Fluchtplan. Die Sache ist schwieriger als gedacht. Doch auch Vater Marlin ist nicht untätig. Er hat sich auf die Suche nach Nemo gemacht, um ihm zur Hilfe zu kommen.

„Findet Nemo“ ist ein farbenfrohes und fantasievolles Kinderbuch. Es lädt ein, mit dem kleinen Clownfisch Nemo spannende Abenteuer in einer faszinierenden Unterwasserwelt zu erleben. Die Bilder sind sehr ansprechend und großformatig gezeichnet. Ein wahrer Hingucker. Die Geschichte dazu ist kindgerecht und sehr spannend. Der kleine Nemo gewinnt sicher schnell die Herzen der Kinder.

Rezension von Heike Rau

Disney PIXAR
Findet Nemo
96 Seiten, gebunden
Egmont vgs verlagsgesellschaft
ISBN: 3-8025-3312-7

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Der kleine Freund

Der kleine Freund

Harriet war noch ein Baby als ihr Bruder Robin auf mysteriöse Weise ermordet wurde. 12 Jahre später ist der Täter noch nicht gefasst. Es entsteht sogar der Eindruck, dass nie richtig nach ihm gesucht wurde. Die Familie schweigt und verdrängt. Harriets Mutter Charlotte hat sich nach Robins Tod sehr verändert. Die geschäftige, gescheite Frau ist melancholisch geworden, überlässt die Erziehung Harriets und ihrer Schwester Allison der Haushälterin Ida. Einen Freund findet Harriet in Hely, einem Nachbarsjungen, dem sie sich anvertrauen kann. Mit ihm gemeinsam will sie nach dem Mörder suchen und sich rächen. Doch ihre Phantasie nimmt überhand und bringt sie und ihren Freund in Gefahr.

Das vorliegende Buch ist aber kein herkömmlicher Krimi. Die Suche nach dem Mörder spielt wohl eher eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wird über das Leben einer Großfamilie in den 70er Jahren erzählt, einer Familie, die in Alexandria, einer kleinen Stadt in den Südstaaten lebt und unter einem Schicksalsschlag zu leiden hat, über den sie nicht hinwegkommt.
Beschrieben wird auch die asoziale Familie des vermeintlichen Mörders: drogenabhängige Brüder, die von einer schwerkranken Großmutter mehr oder weniger versorgt werden.

768 Seiten dick ist das Buch und damit eine Herausforderung für den Leser. Doch schon auf den ersten Seiten wird klar, dass man einen guten Griff getan hat. Die Autorin erzählt sehr bildhaft und ausführlich mit Sinn für Details. Die Szenen sind so gut geschrieben, dass man den Eindruck gewinnt, das Geschehen mit eigenen Augen zu verfolgen. Es ist unglaublich, wie die Autorin Angstsituationen, aber auch ganz banale Dinge beschreibt. Teilweise gipfelt die Spannung in einen unerträglichen Bereich. Zudem wurde jeder einzelne Charakter mit Sorgfalt entwickelt. Harriets Familie ebenso wie die Familie des vermeintlichen Mörders.

Rezension von Heike Rau

Donna Tartt
Der kleine Freund
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
768 Seiten, gebunden
Wilhelm Goldmann Verlag, München
ISBN: 3-442-30668-X

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Oskar und die Dame in Rosa

Oskar und die Dame in Rosa

Schmitt E.E. Meridiane Ammann ISBN 3250 60057 1

In einer anrührenden Geschichte wendet sich der zehnjährige Oskar, der weiß, daß er sterben wird, an die Dame in Rosa, um mit ihr seine wirklichen tiefsten Gedanken über seine Angst vor dem Sterben und dem Tod zu besprechen.
Die Dame in Rosa ist ein jener Frauen, die es sich zur sozialen Aufgabe gemacht haben, im Krankenhaus mit ihren Besuchen Menschen und Kindern in seelischer Not zu helfen.

Sie fängt es sehr vertrauenswürdig an, kleine Geheimnisse mit Oskar zu teilen.

Er kann ja mit niemandem so offen sprechen wie mit ihr. Seine Eltern und die Ärzte belügen ihn über seinen wahren Zustand. Er belauscht ihre Gespräche und weiß bescheid.

Die Dame in Rosa führt ihn spielerisch an den Gedanken mit Gott heran. Man sieht, daß hier Trost zu finden ist für den kleinen Jungen, auch wenn die Gottgläubigkeit weder für den LeserIn noch für die anderen handelnden Personen in der Geschichte Vorbedingung wird, um sich mit den letzten Dingen zu beschäftigen.
Es ist ein schönes, liebenswertes, ernst und heiter zugleich berührendes Büchlein. E.E. Schmitt versteht sich auf die Seelenzustände von Kindern; das hat er schon mit seinen Werk “ Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ bewiesen.
Claudine Borries 07/03Bestellen

Graham Swift: Das helle Licht des Tages

Graham Swift: Das helle Licht des Tages

Sarah Nash hat sich zurechtgemacht. Auf dem Herd kocht das Abendessen, verströmt einen angenehmen Duft. Sie zündet eine Kerze an, wartet auf ihn, hört ihn schließlich kommen.
Ihr Ehemann und vielleicht auch sie selbst ahnen nichts von dem, was gleich passieren wird. Doch wenig später liegt das Küchenmesser rot von Bob Nashs Blut und grün von Petersiliespuren da, wo es hingehört auf dem Küchenbrett.

Hätte Privatdetektiv George Webb es wissen müssen? Hätte er es verhindern können? Er wusste wie es um das Ehepaar stand. Er kennt sich aus mit solchen Geschichten, es ist sein Job. Er wusste, das Bob Nash eine Affäre mit einer kroatischen Studentin hatte. Er wusste auch, dass vorbei war. Wie konnte alles nach Plan gehen und dann so aus dem Ruder laufen. Wie konnte sie zur Mörderin werden?

Aber da wo Sarah Nash jetzt ist, nämlich im Gefängnis, ist sie wenigsten sicher, außer vor George Webb, der sich in seine ehemalige Klientin verliebt hat. Er wird warten, sie muss warten.

„Das helle Licht des Tages“ ist eine Überraschung. Ganz langsam, fast langweilig und zu ausführlich zieht der Autor in die Geschichte, nervt mit den Gedankengängen des melancholischen Privatdetektivs George Webb, mit seinen Befindlichkeiten und Sorgen im Leben und im Job. Das Blatt wendet sich jedoch sehr schnell, plötzlich kann es gar nicht mehr ausführlich genug sein. Denn es ist faszinierend zu beobachten, wie minimale Entscheidungen ein Leben aus der Bahn werfen können, wann das Gute und wann das Schlechte im Menschen die Übermacht gewinnt, wie das Schicksal mitspielt. Der Mord selbst gerät dabei sogar in den Hintergrund. Das Drumherum interessiert. Dass es passiert ist. Eine Sekunde, in der Sarah Webb die Beherrschung verloren hat, in der sie ausgerastet ist, falsch entschieden hat und nun mit den Konsequenzen leben muss. Und George Webb hat es nicht aufgehalten, hat es nicht aufhalten können. Obwohl ihn doch so bestimmte Ahnungen gekommen sind. Aber hätte er es tatsächlich aufgehalten, wo stände er jetzt? Wäre er glücklich ohne Sarah Nash? Hätte sie seine Liebe erwidert, wenn ihr Mann nicht tot und sie nicht im Gefängnis wäre?
Fragen über Fragen lässt das Buch offen. Viel Stoff zum Nachdenken. Diese Buch stellt man nicht einfach zurück ins Bücherregal und fängt das nächste an.

Rezension von Heike Rau

Graham Swift
Das helle Licht des Tages
Aus dem Englischen von Barbara Rojahn-Deyk
328 Seiten gebunden
Carl Hanser Verlag München Wien
ISBN: 3-446-20358-3

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Die Romantiker

Die Romantiker

Louise Kirk ist neun Jahre alt, als ihre Mutter sich aus ihrem Leben stiehlt. Ohne ein Wort geht sie, hinterlässt nur einen Zettel am Kühlschrank. Wenig später lernt Louise Abel kennen. Abel ist ein Außenseiter, wenn auch auf ganz andere Weise als Louise. Zunächst verbindet beide nur eine Kinderfreundschaft. Doch bald wird Liebe daraus. Auch das Abel aus der Stadt wegzieht, ändert für Louise nichts daran. Sie sehen sich wieder nach einigen Jahren und es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sie können sich nicht widerstehen. Wieder geht Abel, ohne zu wissen, dass Louise schwanger ist. Als sie zu Abel fährt, um es ihm zu erzählen, erwischt sie ihn mit einer anderen Frau. Auch ihrem Vater kann sie sich nicht anvertrauen. In ihrer schwierigen Lage erwägt sie eine Abtreibung. Spätestens hier wäre es für Lousie angeraten, einen Schlussstrich unter diese Beziehung zu setzen. Doch von Abel kommt sie nicht los. Ihr ganzes Leben ist erfüllt von Gedanken an ihn, er ist immer präsent. Sie kostet in ihrer Erinnerung die wenigen glücklichen Momente aus und zehrt von ihnen. Immer wieder wird sie Abel begegnen, doch für diese Liebe kann es keine Erfüllung geben.

„Die Romantiker“ ist die Geschichte einer hoffnungslosen Liebe, die tragisch endet. Erzählt wird aus unterschiedlichen Zeiträumen, aus der Kindheit von Abel und Louise bis hin zu den Ereignissen als beide erwachsen sind.
Die Geschichte ist wunderschön zu lesen, klingt romantisch, wehmütig und leise dramatisch. Die eine oder andere Träne wird wohl beim Lesen fließen. Man hofft und leidet mit Louise, versteht sie oft nicht, und wüscht sich doch ein schönes Ende. Dieser Wunsch bleibt unerfüllt, das erfährt man schon auf der ersten Seite. Aber gerade das wird den Leser neugierig machen zu erfahren, wie es zu dazu kommen konnte, warum es nicht aufzuhalten war.

Über die Autorin: Barbara Gowdy ist Jahrgang 1950. Sie lebt in Toronto. Sie studierte Theaterwissenschaft und Musik, arbeite als Lektorin für einen Literaturverlag und für verschiedene Zeitungen und das Fernsehen.

Rezension von Heike Rau

Barbara Gowdy
Die Romantiker
Aus dem kanadischen Englisch von Ulrike Becker
350 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann, München
ISBN: 3-88897-335-X

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Reginald Hill: Die dunkle Lady meint es ernst

Reginald Hill: Die dunkle Lady meint es ernst

Ausgerechnet Detective Superintendent Dalziel beobachtet aus seinem Küchenfenster im Haus gegenüber einen Mord. Und als er wenig später in besagtes Haus stürmt, bietet sich ihm folgender Anblick: Zwei Männer befinden sich im Zimmer, einer davon bewaffnet, und eine nackte Frau liegt schräg auf dem Bett, eindeutig tot. Einen Mörder gibt es jedoch nicht, angeblich ging der Revolver von alleine los. Doch das glaubt Dalziel nie und nimmer.

Am Anfang des Buches befindet sich eine Übersicht aller handelnden Personen. Und die ist auch sehr gerechtfertigt, denn es fällt zunächst äußert schwer, die Mitspieler einzuordnen und auseinander zu halten. Man benötigt viel Konzentration, um sich einzulesen. Das mag zudem an der Vielschichtigkeit des Krimis liegen, aber auch an den teilweise sehr langen Sätzen. Fürs Durchhalten wird man aber mit vielen spannenden Passagen belohnt.
Besonders gelungen ist die Figur von Superintendent Dalziel, der ein echter Kotzbrocken ist. Er tritt in jedes Fettnäpfchen, schafft es, Verdächtigen den Boden unter den Füßen wegzureißen. Er reitet auf jedem Satz herum, stellt alles in Frage, dabei verstrickt er sich selbst nicht selten. Das führt immer wieder zu komischen Situationen, die auch sein Assistent Chief Inspector Pascoe kaum zu retten vermag.
Die Handlung selbst biete jede Menge Überraschungen und verblüffende Wendungen. Bei einer Leiche bleibt es nicht. Seltsame Verstrickungen unter den Akteuren stehen auf der Tagesorderung. Ein wirklich kniffliger Fall.

Fazit: Zu empfehlen ist dieses Buch Lesern, die einen ausgefeilten, aufwändig konstruierten Krimi lesen möchten und bereit sind ein hohes Maß an Aufmerksamkeit aufzubringen.

Über den Autor:
Reginald Hill lebte viele Jahre in der englischen Grafschaft Yorkshire. Hier in der fiktiven Stadt Mid-Yorkshire spielen seine Kriminalromane um Detective Superintendent Dalziel und seinen Assistenten Chief Inspector Pascoe.

Rezension von Heike Rau

Reginald Hill
Die dunkle Lady meint es ernst
Aus dem Englischen von Xenia Osthelder
416 Seiten, gebunden
ISBN: 3-203-78012-7

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Robert Sonnleitner: Tagebuch eines werdenden Vaters

Robert Sonnleitner: Tagebuch eines werdenden Vaters

Wenn eine Frau ein Tagebuch über ihre Schwangerschaft schreibt, ist das völlig normal. Wenn es ein Mann tut, ist es doch eher ungewöhnlich und wenn dieses Tagebuch dann auch noch veröffentlicht wird, weckt es natürlich Neugier. Eine Schwangerschaft aus der Sicht des Mannes zu erleben, ist in diesem Fall äußert lustig und für „Betroffene“ sehr erbaulich.

Und so geht es, nachdem der erste freudige Schock überwunden ist, auch schon munter los. Auf der Tagesordnung stehen: befremdliche Frauenarztbesuche, unglaubliche Schwangerschaftsgelüste, kreative Namenssuche, seltsamer Aberglaube, kurzweilige Geburtsvorbereitungskurse, erbauliche Männergespräche, sagenhafte Katzenkloprobleme und viel mehr. Zwischenmenschliches wird mit einem Augenzwinkern gnadenlos ausgeleuchtet.

Für Pärchen, die am Anfang einer Schwangerschaft stehen, ist das Buch sehr zu empfehlen. Der Autor hat den einen oder anderen hilfreichen Tipp in Form von leicht ironisch klingenden, aber extrem wichtigen Merksätzen parat, dazu kommen regelmäßige Informationen zum Baby. Aber auch wenn die eigenen Kinder längst größer sind, macht es Spaß, mit diesem Buch mal wieder in Erinnerungen zu schwelgen oder zu vergleichen.

Rezension von Heike Rau

Robert Sonnleitner
Tagebuch eines werdenden Vaters
345 Seiten, broschiert
Wiesenburg Verlag Schweinfurt
ISBN: 3-932497-93-7

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Marlies

Marlies

Nach 10 Jahren ist Marlies wieder da. Hat einfach angerufen, ist in seine Idylle eingebrochen. Dabei will er, Schriftsteller Norman, nur glücklich sein mit seiner häuslichen Frau, den zwei Kindern, die nicht seine eigenen sind, und seiner Geliebten. Marlies beginnt mit ihrer Zermürbungstaktik, trifft seine Schwachstellen, stellt sein Leben in Frage, macht ihn heiß und er lässt sich drauf ein. Als hätte er darauf gewartet. Als wäre die Zeit stehen geblieben. Und bald passiert der erste Mord. Eva Adam, die Geliebte, ist tot. Und somit bricht nun auch der Inspektor in Normans Idylle ein.

Das vorliegende Buch könnte ein Krimi sein, doch am Ende bleibt eine Frage stehen: Wurde überhaupt jemand ermordet? Oder handelt es sich hier nur um die Vorstellung des Autors? Sind die Akteure aus Fleisch und Blut oder existieren sie nur auf dem Papier? Und wenn das so ist, braucht es dann vielleicht gar keine Lösung des Kriminalfalls? Muss ein Mord, der nur auf dem Papier steht, auch auf dem Papier bestraft werden? Die Akteure beginnen ein Eigenleben zu führen. Doch sind die Akteure, die in einer Geschichte zu Mördern gemacht werden wirklich Mörder? Sind die Ermordeten tot? Oder glaubt der Mörder, dass alles nur ein Spiel ist, verkennt den Ernst der Lage, nimmt das Spiel als Berechtigung? Richten sich die Akteure gar gegen den Autor? Nehmen sie dem Autor die Macht über sein Buch zu bestimmen?

Diese Geschichte lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Sie außergewöhnlich zu nennen, ist stark untertrieben. Kontinuierlich wird der Leser in die Seiten hineingezogen, wird zugedröhnt und eingesponnen. Verwundert, erschrocken, zustimmend, ungläubig oder fasziniert folgt man den verschraubten, tiefsinnigen oder abgründigen Gedankengängen des Autors, seinen eigenwilligen Formulierungen, staunt über soviel sprachliches Geschick. Weder Punkt noch Komma können den Redefluss stoppen.
Klar ist, hier wird ein Spiel mit dem Leser gespielt, wird gezeigt, was Literatur kann.

Kleiner Hinweis: „Marlies“ ist die Fortsetzung von „Der Tote im Park“. Aber auch wenn man das erste Buch nicht gelesen hat, ist „Marlies“ gut als eigenständiger Roman zu lesen.

Rezension von Heike Rau

Norbert Sternmut
Marlies
315 Seiten, gebunden
Wiesenburg Verlag Schweinfurt
ISBN: 3-932497-89-9

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Perfekte Verhältnisse

Perfekte Verhältnisse

Die Cook-Goldmans sind eigentlich eine ganz normale Familie. Mirella ist Anwältin, Howard ist Architekt. Den Traum vom eigenen Haus haben sie sich erfüllt. Und zwei zuckersüße Kinder sind auch da. Pearl ist fünf und Jacob fast drei Jahre alt. Das Einzige, was der Familie fehlt, ist Zeit. Es ist für Mirella einfach nicht machbar, Familie und Beruf ausgewogen unter einen Hut zu kriegen. Es ist nicht möglich Ordnung zu halten. Die vielen Verpflichtungen nehmen überhand. Aber zum Glück gibt es ja Kindermädchen. Und als Randi ins Haus kommt, können die Cook-Goldmanns erleichtert aufatmen. Randi nimmt ihre Verantwortung ernst, sie packt zu. Sie ist in der Lage Vater und Mutter zu ersetzen und den ganzen Haushalt zu schmeißen. Bald brauchen die Kinder ihre Eltern gar nicht mehr. In den Griff bekommen Mirella und Howard ihr Leben trotzdem nicht. Mirella wird wieder schwanger und Howard hat berufliche Probleme. Doch selbst ihnen geht irgendwann ein Licht auf. Etwas stimmt in ihrem Haushalt ganz und gar nicht oder besser gesagt, mit Randi stimmt etwas nicht.

Die Autorin setzt sich mit dem alltäglichen Familienleben auseinander und der Schwierigkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren. „Perfekte Verhältnisse“ zu schaffen bleibt ein Traum. Dabei wirkt das Buch keineswegs ironisch, wenn die Autorin auch den Finger auf so mache Wunde legt. Die Geschichte macht betroffen und beunruhigt sehr, sind doch die Gegebenheiten alle dem wahren Leben entnommen und gut nachvollziehbar, glaubwürdig und verständlich. Und die Lösung all dieser Probleme, ein Patentrezept gibt es nun mal nicht. Und doch weckt die Geschichte Hoffnung, dass nicht alles in einer Katastrophe enden muss.

Über die Autorin: Suzanne Berne ist Jahrgang 1961. Sie lebt mit Mann und zwei Kindern in der Nähe von Boston. Sie unterrichtet in Harvard und schreibt u.a. für die „New York Times“.

Rezension von Heike Rau

Suzanne Berne
Perfekte Verhältnisse
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube
350 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag Wien
ISBN: 3-552-05263-1

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Nachtlicht

Nachtlicht

J. Pierpont Morgan, 22 Jahre alt, lässt seine Erinnerungen an einen Aufenthalt auf dem Luxusdampfer Titanic aufleben. Vier Tage an denen die Titanic unaufhaltsam einer Katastrophe entgegenfährt. Besonderes Augenmerk wird auf die Personen der 1.Klasse gelenkt, denen er begegnet ist. Da ist zum Beispiel Scurra, der Jurist, Mediziner oder auch Zeitungsverleger sein könnte. Ein rätselhafter Mann. Er hat eine beeindruckende Narbe an seiner Lippe, die zu wilden Spekulationen Anlass gibt. Aber egal, ob sie nur von einem Papageienbiss stammt, von der Teilnahme an einem Duell oder ob er sich an einem Gewehr verletzt hat, dieser Mann wagt es, Morgan ins Gesicht zu sagen, dass seine Freunde nicht in einer normalen Welt leben und gewissenlos sind. Das macht Eindruck auf Morgan. Doch schon bald wird ihm Scurra äußerst unsympathisch, verführt er doch die Frau, auf die Morgan selbst ein Auge geworfen hat, Wallis Ellery. Von da an beginnt er seine Oberflächlichkeit abzuwerfen und beginnt ernsthaft über seine Zukunft nachzudenken.

Die Autorin beschreibt in ihrem Buch die Lebensart der wohlhabenden Gesellschaft um 1912. Diese wirkt besonders oberflächlich und flüchtig, grade weil der Leser weiß, was passieren wird. Die Stunden rinnen dahin, sind gezählt. Und auf dem Luxusdampfer wird die Zeit mit Belanglosigkeiten totgeschlagen. Beim Lesen kommen Gefühle wie Unruhe, Beklemmung und Fassungslosigkeit auf, die Autorin spart nicht mit Spott und Ironie. Durch ihren zielgerichteten, unbeirrbaren Blick auf die Passagiere, den schonungslosen Blick hinter die Fassade, gerät die eigentliche Katastrophe, der Untergang der Titanic, absichtlich in den Hintergrund.

Rezension von Heike Rau

Beryl Bainbridge
Nachtlicht
Aus dem Englischen von Charlotte Breuer
239 Seiten, broschiert
Europa Verlag Hamburg
ISBN: 3-203-85091-5

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