Die Romantiker

Die Romantiker

Louise Kirk ist neun Jahre alt, als ihre Mutter sich aus ihrem Leben stiehlt. Ohne ein Wort geht sie, hinterlässt nur einen Zettel am Kühlschrank. Wenig später lernt Louise Abel kennen. Abel ist ein Außenseiter, wenn auch auf ganz andere Weise als Louise. Zunächst verbindet beide nur eine Kinderfreundschaft. Doch bald wird Liebe daraus. Auch das Abel aus der Stadt wegzieht, ändert für Louise nichts daran. Sie sehen sich wieder nach einigen Jahren und es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sie können sich nicht widerstehen. Wieder geht Abel, ohne zu wissen, dass Louise schwanger ist. Als sie zu Abel fährt, um es ihm zu erzählen, erwischt sie ihn mit einer anderen Frau. Auch ihrem Vater kann sie sich nicht anvertrauen. In ihrer schwierigen Lage erwägt sie eine Abtreibung. Spätestens hier wäre es für Lousie angeraten, einen Schlussstrich unter diese Beziehung zu setzen. Doch von Abel kommt sie nicht los. Ihr ganzes Leben ist erfüllt von Gedanken an ihn, er ist immer präsent. Sie kostet in ihrer Erinnerung die wenigen glücklichen Momente aus und zehrt von ihnen. Immer wieder wird sie Abel begegnen, doch für diese Liebe kann es keine Erfüllung geben.

„Die Romantiker“ ist die Geschichte einer hoffnungslosen Liebe, die tragisch endet. Erzählt wird aus unterschiedlichen Zeiträumen, aus der Kindheit von Abel und Louise bis hin zu den Ereignissen als beide erwachsen sind.
Die Geschichte ist wunderschön zu lesen, klingt romantisch, wehmütig und leise dramatisch. Die eine oder andere Träne wird wohl beim Lesen fließen. Man hofft und leidet mit Louise, versteht sie oft nicht, und wüscht sich doch ein schönes Ende. Dieser Wunsch bleibt unerfüllt, das erfährt man schon auf der ersten Seite. Aber gerade das wird den Leser neugierig machen zu erfahren, wie es zu dazu kommen konnte, warum es nicht aufzuhalten war.

Über die Autorin: Barbara Gowdy ist Jahrgang 1950. Sie lebt in Toronto. Sie studierte Theaterwissenschaft und Musik, arbeite als Lektorin für einen Literaturverlag und für verschiedene Zeitungen und das Fernsehen.

Rezension von Heike Rau

Barbara Gowdy
Die Romantiker
Aus dem kanadischen Englisch von Ulrike Becker
350 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann, München
ISBN: 3-88897-335-X

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Reginald Hill: Die dunkle Lady meint es ernst

Reginald Hill: Die dunkle Lady meint es ernst

Ausgerechnet Detective Superintendent Dalziel beobachtet aus seinem Küchenfenster im Haus gegenüber einen Mord. Und als er wenig später in besagtes Haus stürmt, bietet sich ihm folgender Anblick: Zwei Männer befinden sich im Zimmer, einer davon bewaffnet, und eine nackte Frau liegt schräg auf dem Bett, eindeutig tot. Einen Mörder gibt es jedoch nicht, angeblich ging der Revolver von alleine los. Doch das glaubt Dalziel nie und nimmer.

Am Anfang des Buches befindet sich eine Übersicht aller handelnden Personen. Und die ist auch sehr gerechtfertigt, denn es fällt zunächst äußert schwer, die Mitspieler einzuordnen und auseinander zu halten. Man benötigt viel Konzentration, um sich einzulesen. Das mag zudem an der Vielschichtigkeit des Krimis liegen, aber auch an den teilweise sehr langen Sätzen. Fürs Durchhalten wird man aber mit vielen spannenden Passagen belohnt.
Besonders gelungen ist die Figur von Superintendent Dalziel, der ein echter Kotzbrocken ist. Er tritt in jedes Fettnäpfchen, schafft es, Verdächtigen den Boden unter den Füßen wegzureißen. Er reitet auf jedem Satz herum, stellt alles in Frage, dabei verstrickt er sich selbst nicht selten. Das führt immer wieder zu komischen Situationen, die auch sein Assistent Chief Inspector Pascoe kaum zu retten vermag.
Die Handlung selbst biete jede Menge Überraschungen und verblüffende Wendungen. Bei einer Leiche bleibt es nicht. Seltsame Verstrickungen unter den Akteuren stehen auf der Tagesorderung. Ein wirklich kniffliger Fall.

Fazit: Zu empfehlen ist dieses Buch Lesern, die einen ausgefeilten, aufwändig konstruierten Krimi lesen möchten und bereit sind ein hohes Maß an Aufmerksamkeit aufzubringen.

Über den Autor:
Reginald Hill lebte viele Jahre in der englischen Grafschaft Yorkshire. Hier in der fiktiven Stadt Mid-Yorkshire spielen seine Kriminalromane um Detective Superintendent Dalziel und seinen Assistenten Chief Inspector Pascoe.

Rezension von Heike Rau

Reginald Hill
Die dunkle Lady meint es ernst
Aus dem Englischen von Xenia Osthelder
416 Seiten, gebunden
ISBN: 3-203-78012-7

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Robert Sonnleitner: Tagebuch eines werdenden Vaters

Robert Sonnleitner: Tagebuch eines werdenden Vaters

Wenn eine Frau ein Tagebuch über ihre Schwangerschaft schreibt, ist das völlig normal. Wenn es ein Mann tut, ist es doch eher ungewöhnlich und wenn dieses Tagebuch dann auch noch veröffentlicht wird, weckt es natürlich Neugier. Eine Schwangerschaft aus der Sicht des Mannes zu erleben, ist in diesem Fall äußert lustig und für „Betroffene“ sehr erbaulich.

Und so geht es, nachdem der erste freudige Schock überwunden ist, auch schon munter los. Auf der Tagesordnung stehen: befremdliche Frauenarztbesuche, unglaubliche Schwangerschaftsgelüste, kreative Namenssuche, seltsamer Aberglaube, kurzweilige Geburtsvorbereitungskurse, erbauliche Männergespräche, sagenhafte Katzenkloprobleme und viel mehr. Zwischenmenschliches wird mit einem Augenzwinkern gnadenlos ausgeleuchtet.

Für Pärchen, die am Anfang einer Schwangerschaft stehen, ist das Buch sehr zu empfehlen. Der Autor hat den einen oder anderen hilfreichen Tipp in Form von leicht ironisch klingenden, aber extrem wichtigen Merksätzen parat, dazu kommen regelmäßige Informationen zum Baby. Aber auch wenn die eigenen Kinder längst größer sind, macht es Spaß, mit diesem Buch mal wieder in Erinnerungen zu schwelgen oder zu vergleichen.

Rezension von Heike Rau

Robert Sonnleitner
Tagebuch eines werdenden Vaters
345 Seiten, broschiert
Wiesenburg Verlag Schweinfurt
ISBN: 3-932497-93-7

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Marlies

Marlies

Nach 10 Jahren ist Marlies wieder da. Hat einfach angerufen, ist in seine Idylle eingebrochen. Dabei will er, Schriftsteller Norman, nur glücklich sein mit seiner häuslichen Frau, den zwei Kindern, die nicht seine eigenen sind, und seiner Geliebten. Marlies beginnt mit ihrer Zermürbungstaktik, trifft seine Schwachstellen, stellt sein Leben in Frage, macht ihn heiß und er lässt sich drauf ein. Als hätte er darauf gewartet. Als wäre die Zeit stehen geblieben. Und bald passiert der erste Mord. Eva Adam, die Geliebte, ist tot. Und somit bricht nun auch der Inspektor in Normans Idylle ein.

Das vorliegende Buch könnte ein Krimi sein, doch am Ende bleibt eine Frage stehen: Wurde überhaupt jemand ermordet? Oder handelt es sich hier nur um die Vorstellung des Autors? Sind die Akteure aus Fleisch und Blut oder existieren sie nur auf dem Papier? Und wenn das so ist, braucht es dann vielleicht gar keine Lösung des Kriminalfalls? Muss ein Mord, der nur auf dem Papier steht, auch auf dem Papier bestraft werden? Die Akteure beginnen ein Eigenleben zu führen. Doch sind die Akteure, die in einer Geschichte zu Mördern gemacht werden wirklich Mörder? Sind die Ermordeten tot? Oder glaubt der Mörder, dass alles nur ein Spiel ist, verkennt den Ernst der Lage, nimmt das Spiel als Berechtigung? Richten sich die Akteure gar gegen den Autor? Nehmen sie dem Autor die Macht über sein Buch zu bestimmen?

Diese Geschichte lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Sie außergewöhnlich zu nennen, ist stark untertrieben. Kontinuierlich wird der Leser in die Seiten hineingezogen, wird zugedröhnt und eingesponnen. Verwundert, erschrocken, zustimmend, ungläubig oder fasziniert folgt man den verschraubten, tiefsinnigen oder abgründigen Gedankengängen des Autors, seinen eigenwilligen Formulierungen, staunt über soviel sprachliches Geschick. Weder Punkt noch Komma können den Redefluss stoppen.
Klar ist, hier wird ein Spiel mit dem Leser gespielt, wird gezeigt, was Literatur kann.

Kleiner Hinweis: „Marlies“ ist die Fortsetzung von „Der Tote im Park“. Aber auch wenn man das erste Buch nicht gelesen hat, ist „Marlies“ gut als eigenständiger Roman zu lesen.

Rezension von Heike Rau

Norbert Sternmut
Marlies
315 Seiten, gebunden
Wiesenburg Verlag Schweinfurt
ISBN: 3-932497-89-9

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Perfekte Verhältnisse

Perfekte Verhältnisse

Die Cook-Goldmans sind eigentlich eine ganz normale Familie. Mirella ist Anwältin, Howard ist Architekt. Den Traum vom eigenen Haus haben sie sich erfüllt. Und zwei zuckersüße Kinder sind auch da. Pearl ist fünf und Jacob fast drei Jahre alt. Das Einzige, was der Familie fehlt, ist Zeit. Es ist für Mirella einfach nicht machbar, Familie und Beruf ausgewogen unter einen Hut zu kriegen. Es ist nicht möglich Ordnung zu halten. Die vielen Verpflichtungen nehmen überhand. Aber zum Glück gibt es ja Kindermädchen. Und als Randi ins Haus kommt, können die Cook-Goldmanns erleichtert aufatmen. Randi nimmt ihre Verantwortung ernst, sie packt zu. Sie ist in der Lage Vater und Mutter zu ersetzen und den ganzen Haushalt zu schmeißen. Bald brauchen die Kinder ihre Eltern gar nicht mehr. In den Griff bekommen Mirella und Howard ihr Leben trotzdem nicht. Mirella wird wieder schwanger und Howard hat berufliche Probleme. Doch selbst ihnen geht irgendwann ein Licht auf. Etwas stimmt in ihrem Haushalt ganz und gar nicht oder besser gesagt, mit Randi stimmt etwas nicht.

Die Autorin setzt sich mit dem alltäglichen Familienleben auseinander und der Schwierigkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren. „Perfekte Verhältnisse“ zu schaffen bleibt ein Traum. Dabei wirkt das Buch keineswegs ironisch, wenn die Autorin auch den Finger auf so mache Wunde legt. Die Geschichte macht betroffen und beunruhigt sehr, sind doch die Gegebenheiten alle dem wahren Leben entnommen und gut nachvollziehbar, glaubwürdig und verständlich. Und die Lösung all dieser Probleme, ein Patentrezept gibt es nun mal nicht. Und doch weckt die Geschichte Hoffnung, dass nicht alles in einer Katastrophe enden muss.

Über die Autorin: Suzanne Berne ist Jahrgang 1961. Sie lebt mit Mann und zwei Kindern in der Nähe von Boston. Sie unterrichtet in Harvard und schreibt u.a. für die „New York Times“.

Rezension von Heike Rau

Suzanne Berne
Perfekte Verhältnisse
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube
350 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag Wien
ISBN: 3-552-05263-1

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Nachtlicht

Nachtlicht

J. Pierpont Morgan, 22 Jahre alt, lässt seine Erinnerungen an einen Aufenthalt auf dem Luxusdampfer Titanic aufleben. Vier Tage an denen die Titanic unaufhaltsam einer Katastrophe entgegenfährt. Besonderes Augenmerk wird auf die Personen der 1.Klasse gelenkt, denen er begegnet ist. Da ist zum Beispiel Scurra, der Jurist, Mediziner oder auch Zeitungsverleger sein könnte. Ein rätselhafter Mann. Er hat eine beeindruckende Narbe an seiner Lippe, die zu wilden Spekulationen Anlass gibt. Aber egal, ob sie nur von einem Papageienbiss stammt, von der Teilnahme an einem Duell oder ob er sich an einem Gewehr verletzt hat, dieser Mann wagt es, Morgan ins Gesicht zu sagen, dass seine Freunde nicht in einer normalen Welt leben und gewissenlos sind. Das macht Eindruck auf Morgan. Doch schon bald wird ihm Scurra äußerst unsympathisch, verführt er doch die Frau, auf die Morgan selbst ein Auge geworfen hat, Wallis Ellery. Von da an beginnt er seine Oberflächlichkeit abzuwerfen und beginnt ernsthaft über seine Zukunft nachzudenken.

Die Autorin beschreibt in ihrem Buch die Lebensart der wohlhabenden Gesellschaft um 1912. Diese wirkt besonders oberflächlich und flüchtig, grade weil der Leser weiß, was passieren wird. Die Stunden rinnen dahin, sind gezählt. Und auf dem Luxusdampfer wird die Zeit mit Belanglosigkeiten totgeschlagen. Beim Lesen kommen Gefühle wie Unruhe, Beklemmung und Fassungslosigkeit auf, die Autorin spart nicht mit Spott und Ironie. Durch ihren zielgerichteten, unbeirrbaren Blick auf die Passagiere, den schonungslosen Blick hinter die Fassade, gerät die eigentliche Katastrophe, der Untergang der Titanic, absichtlich in den Hintergrund.

Rezension von Heike Rau

Beryl Bainbridge
Nachtlicht
Aus dem Englischen von Charlotte Breuer
239 Seiten, broschiert
Europa Verlag Hamburg
ISBN: 3-203-85091-5

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Berenike

Berenike

323 v. Chr. – das Weltreich Alexander des Großen beginnt zu bröckeln. Berenike ist 15 und soll verheiratet werden. Doch sie flieht vor dieser Ehe, strebt ein freies Leben als Dichterin an, und findet sich im Heerlager unter Männern wieder. Sie reist nach Babylon mit einer selbstverfassten Eloge auf Alexander den Großen. Doch sie kommt zu spät, Alexander ist tot. Ein politisches Chaos entsteht. In dieser schwierigen Zeit lernt Berenike Ptolemaios kennen, mit dem sie eine einzige wunderbare Nacht verbringt, dann muss der Geliebte schon wieder fort. Berenike kann diese Nacht nicht vergessen, sie will Ptolemaios wiedersehen. Aber erst einmal wird sie von ihrer Familie wieder eingefangen und doch noch gegen ihren Willen mit Philippos verheirat. Sie flieht wiederum. Kurz nach der Geburt ihrer Zwillinge erringt sie mit einem beeindruckenden Lied in Athen beim Sängerwettstreit einen Kranz, macht sich endlich einen Namen. Ein erster, aber nur kleiner Schritt auf ihrem Weg. Doch bis zum Ziel muss sie sich zwischen harten Machtkämpfen und blutrünstigen, gnadenlosen Schlachten behaupten und vor allem am Leben bleiben.

„Berenike“ ist ein Buch, dessen Seiten prall gefüllt sind mit Ereignissen, Abenteuern und Erlebnissen. Die Geschichte ist spannend und faszinierend. Die Autorin erzählt sehr lebendig, stimmungsvoll und leidenschaftlich. Dazu kommt die historische Kulisse, die sich in ihrer ganzen Pracht vor dem Auge des Lesers aufbaut. Gefallen wird auch die moderne Sprache in diesem historischen Roman, der reich an Fakten und Hintergrundwissen ist. 498 Seiten, die zu lesen, ein Genuss ist.

Über die Autorin: Tessa Korber ist Jahrgang 1966. Sie studierte Geschichte, Germanistik und Kommunikationswissenschaft, promovierte 1997. Die Autorin lebt in der Nähe von Erlangen.

Rezension von Heike Rau

Tessa Korber
Berenike
498 Seiten, gebunden
Pendo Verlag Zürich
ISBN: 3 85842 494 3

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R.U.D.I, der Held

R.U.D.I, der Held

Rafaels Vater hat einen neuen Job als Forschungsleiter. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch Rafael musste sich von seinen Freunden trennen und mit seinen Eltern umziehen. Zugang zu den neuen Klassenkameraden findet er nicht gleich.
Sein Kummer wird gemildert, als er von seinem Vater zum Geburtstag R.U.D.I geschenkt bekommt. Der kleine Roboter sieht zwar aus wie ein Hühnerei mit Taucherflossen, aber er kann sprechen, auf Anweisungen hören und er kann sogar denken. Mit R.U.D.I wird Rafael gleich zum Star an seiner Schule. Zu dumm, dass der Vater vergessen hat Rafael zu sagen, dass er R.U.D.I nur für ein paar Tage zum Testen behalten kann. Rafael will sich von R.U.D.I aber auf keinen Fall trennen. Scheinbar haben auch andere ein Auge auf R.U.D.I geworfen. In einem unbeobachteten Moment verschwindet er plötzlich. Entführt! Rafael muss R.U.D.I zusammen mit seinen neuen Freunden befreien. Eine riskante Aktion.

„R.U.D.I, der Held“ ist ein Kinderkrimi, der viel Stoff zum Nachdenken liefert. Könnte ein denkender Roboter einen Freund wirklich ersetzen? Rafael jedenfalls schließt das „Hühnerei mit Taucherflossen“ recht schnell in sein Herz. Und im Gegensatz zu echten Freunden, kann man R.U.D.I einfach abschalten, wenn er nervt. Außerdem ist er anspruchslos. Er braucht nur ein bisschen Strom, dafür kein Hundefutter und wohl auch nicht unbedingt Zuwendung. Die Autoren haben sich Gedanken dazu gemacht. Herausgekommen ist ein wunderbar zu lesendes Kinderbuch mit Tempo und Spannung bis zur letzten Seite, das Kinder und Eltern anregt, über ein Thema nachzudenken, welches in naher Zukunft durchaus aktuell werden könnte. Das Buch ist sehr ansprechend mit zahlreichen Zeichnungen illustriert. Hinzu kommt ein modernes, äußerst gelungenes Cover.

Über die Autoren: Gerit Kopietz und Jörg Sommer sind beide Jahrgang 1963. Sie haben vier Kinder. Über 100 Bücher hat das Autorenduo bereits veröffentlicht.

Über die Illustratoren: Karin Schliehe ist Jahrgang 1964, Bernhard Mark ist Jahrgang 1951. Seit 1989 arbeiten beide in Reutlingen zusammen.

Altersempfehlung: für Kinder ab 8 Jahren

Rezension von Heike Rau

Gerit Kopietz & Jörg Sommer
R.U.D.I, der Held
Illustrationen von Karin Schliehe & Bernhard Mark
155 Seiten, gebunden
Baumhaus Verlag, Frankfurt am Main
ISBN: 3-8315-0344-3

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PolyPlay

PolyPlay

3. April 2000: Oberleutnant Kramer wird zu einem Tatort gerufen – ein 16-Jähriger liegt mit zertrümmertem Schädel vor einem Computerspielautomaten in einem Jugendclub. Die Stasi lädt Kramer ein und in Gegenwart von Markus Wolf erzählt man ihm was von politischen Dimensionen… Tja, so hätte es kommen können, wenn Ende der 80er Jahre die BRD tief in einer Wirtschaftskrise versackt und an einem Miltärputsch zerbrochen wäre, während im Osten der Müller-Lohmann-Prozess für sagenhaft günstige Energie und damit rasanten Aufschwung gesorgt hätte…

Beginnen wir die Betrachtung des Textes mit dem Schlechten: Klammern gehören nicht in einen erzählenden Text (vor allem nicht so gehäuft); ich glaube nicht, dass in der DDR und in Berlin jemals Leichen rumgelegen sind (sondern rumgelegen haben); ich erinnere mich nicht, dass es in der DDR Schulbuben gab (nur Schuljungs); die Ineinandersteck-Puppen heißen Matrjoschkas und nicht Babuschkas; und warum Kramer sich als Kind die Trickserie mit dem Kleinen Maulwurf im Westfernsehen anschauen musste, obwohl es auch im Osten lief, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

Damit wäre dieser Punkt abgehakt und ich kann mit dem Lob weitermachen. Und zwar mit viel davon. Da wäre zum einen ein ganz und gar glaubwürdiger Parallelwelt-Entwurf. Bar jeder Sentimentalität – bei einem westdeutschen Autor nicht verwunderlich – und bar jeder „Osten = schlecht / Westen = gut“-Propaganda – bei einem Westdeutschen eher ungewohnt. Ich habe selten… Nein: Ich habe noch nie eine so realistische Kurzanalyse der Vorwendesituation in der DDR gelesen, wie in diesem Buch.

In derselben Qualität erschuf Hammerschmitt auch seine Figuren: Nicht stereotyp und dennoch deutlich durch ihre jeweilige Rolle und Position geprägt. Lebendig eben.

Die Handlung läuft von Episode zu Episode: Nichts passt zusammen und immer, wenn Kramer einem Beweis nahe ist, der seine vagen Ahnung eventueller Zusammenhänge stützen soll, wird ihm dieser Beweis entrissen. Dafür werden ihm andere Beweise vor die Füße gelegt, die neue Zusammenhänge andeuten, und wenn er sich denen auf der Spur wähnt – schwupp, ist auch dieser Beweis futsch.

Erzählt wird das Ganze in einer kraftvollen, farbigen aber schnörkellosen, orginellen Sprache. Es wirkt fast wie ein hochangereicherter Extrakt. Aufs Wesentliche konzentriert, nichts daran ist langatmig oder langweilig. Ich habe – selbst als ich am Ende doch etwas unbefriedigt die Lösung des Ganzen zur Kenntnis nahm – bis zur letzten Zeile unangestrengt aber aufmerksam gelesen.

Apropos Lösung: Die ist dergestalt, dass die oben erwähnten DDR-Irrtümer vielleicht gar keine des Autors sind… Wie das sein kann? Selber lesen!

Marcus Hammerschmitt
PolyPlay
erschien 2002 in der Reihe
Social Fantasies des
Argument Verlag • Hamburg • Berlin

Marcus Hammerschmitt
PolyPlay
Ein Kriminalfall in der vereinigten DDR im Jahr 2000… und eine unglaublich dichte Sprache.
ISBN:3886199746
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Treppauf, treppab

Treppauf, treppab

Treppen gehören natürlich zu unserem alltäglichen Leben dazu. Sie verbinden verschiedene Räume auf unterschiedlichen Ebenen. Im Buch werden Kinder mit der Fee Cora und ihrer Katze aber ganz ungewöhnlich Treppen und Labyrinthe kennen lernen. Es beginnt mit einem Treppenlabyrinth. Treppauf, treppab werden Buchstaben bis zum Ziel aneinandergereiht. Wer alles richtig macht, erhält den Treppenspruch fürs Buch. Zu bestaunen gibt es beispielsweise auch eine multi-unmögliche Säulenhalle, eine Obensowieuntentreppe, eine Treppenstadt, eine Zaubertreppe und ein Treppen-Brücken-Labyrinth.
Besonderen Spaß macht das Basteln einer eigenen Hexentreppe oder einer Pop-up-Treppe. Das Material dafür befindet sich hinten im Buch. Außerdem gibt es ein spannendes Treppenquiz.

„Treppauf, treppab“ ist ein ganz besonders faszinierendes Beschäftigungsbuch an dem Kinder und sicher auch die Eltern lange Freude haben werden. Die Augen werden beim Betrachten der Bilder immer wieder ausgetrickst. Es eröffnen sich interessante Perspektiven und Sichtweisen auf seltsame Treppenkonstruktionen. Die Obensowieuntentreppe ist so ein verblüffendes Beispiel. Man kann das Bild drehen und wird trotzdem immer einen Weg auf- oder abwärts finden. Wie es zu dieser optischen Täuschung kommt oder wie ein Schatten die Illusion eines Raumes entstehen lässt, wird ausführlich erklärt. Die Kinder werden Staunen über die Vielfalt der Bilder und so mache optische Überraschung erleben. Und wer noch nicht genug von Treppen hat, kann nach weiteren Begriffen zum Thema im Treppen-ABC suchen. Sehr zu empfehlen!

Altersempfehlung: Für Kinder ab 10 Jahren

Rezension von Heike Rau

Bertrun Jeitner-Hartmann / Margit Grassi
Treppauf, treppab
48 Seiten, gebunden
mit Leseband& Bastelmaterial
arsEdition, München
ISBN: 3-7607-4792-2

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