Die Hexe von Zeil

Die Hexe von Zeil

Bamberg 1627: Ursula hat noch nicht den Tod ihrer Mutter, die als Hexe verbrannt wurde, überwunden, da droht dem geliebten Vater, obwohl er ein angesehener Bürgermeister ist, das selbe Schicksal. Er wird verhaftet und in das Malefizhaus nach Bamberg gebracht. Ursula will nicht hinnehmen, dass ihr Vater ein Hexer ist. Statt sich zurückzuhalten, verteidigt sie ihn, setzt sich für ihn ein und ahnt doch was ihr das einbringen wird. Als sie jedoch nicht in das Malefizhaus nach Bamberg zu ihrem Vater, sondern nach Zeil gebracht wird, bricht für sie eine Welt zusammen. Hier erleidet sie unermessliche Qualen, hat keine Chance, den Klauen der Inquisition zu entfliehen. Anna, eine Mitgefangene, versucht ihr zu helfen und ihren Willen zu stärken. Doch bald ist Ursula von der Folter und den seelischen Qualen so sehr geschwächt, dass sie zu keinem normalen Gedanken fähig ist. Nach schlimmen Alpträumen hält sie sich selbst für schuldig. Es scheint kein Weg mehr an einer Verurteilung vorbeizuführen. Doch Christoph, der Stadtschreiber, glaubt nicht an Ursulas Schuld. Er erträgt die Qualen der jungen Frau nicht länger.

Der Autor hat ein Buch geschrieben, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Sehr ausführlich erzählt er am Beispiel der 19jährigen Ursula über die Zeit der Inquisition mit all ihren Schrecken und Grausamkeiten. Der Autor zeigt auf, welche Ursachen und Hintergründe die Hexenverfolgung hatte. Er fasst das Unfassbare in Worte, bringt Jugendlichen so ein Stück Geschichte nahe.
Erklärungen zu diesem Jugendbuch und ein Glossar mit Worterklärungen tragen zur besseren Verständlichkeit der Geschichte bei.

Über den Autor:
Harald Parigger wurde 1953 in Flensburg geboren. Er studierte Geschichte Germanistik und ist heute Leiter eines Gymnasiums bei München. Neben wissenschaftlichen Aufsätzen schreibt er Geschichten für Kinder und historische Romane und Krimis für junge und erwachsene Leser.

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Rezension von Heike Rau

Harald Parigger
Die Hexe von Zeil
Taschenbuch mit 252 Seiten
Deutscher Taschenbuch Verlag, München
ISBN: 3-423-70679-1

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SO ZAHLT AUCH IHRE VERSICHERUNG

SO ZAHLT AUCH IHRE VERSICHERUNG

Jedes Jahr verschenken Kunden von Versicherungen viel Geld. Schon ein kleiner unbewusster Formulierungsfehler in der Schadensmeldung oder falsch ausgelegte oder übersehene Textstellen im Versicherungsvertrag können zur Folge haben, dass die Versicherung nicht zahlt.
Die Autoren erklären daher anhand von realistischen Fallbeispielen, wann eine Versicherung für einen Schaden aufkommt und wann nicht. Es versteht sich für sie von selbst, dass alle Tipps und Tricks völlig legal sind, denn Versicherungsbetrug ist natürlich strafbar.

Im ersten Kapitel des Buches wird dem Leser Grundlegendes über die Versicherungsbranche vermittelt. Im zweiten Kapitel werden die Elementarversicherungen behandelt, im dritten Kapitel geht es um Fahrzeugversicherungen und im vierten Kapitel um Personenversicherungen.
In einer Checkliste am Ende des Buches wird das Augenmerk des Lesers noch einmal auf die Versicherungsbedingungen gelenkt.

Die Fallbeispiele und Erklärungen in diesem nützlichen Ratgeber sind ausführlich erklärt, verständlich und nachvollziehbar. Ganz bewusst verzichten die Autoren auf schwierige Fachbegriffe, schreiben dagegen mit Witz und Humor. Aufgelockert werden die Texte zusätzlich mit Illustrationen von Alexander Wlassack.

Rezension von Heike Rau

Roland Schweda, Michael Reumann
SO ZAHLT AUCH IHRE VERSICHERUNG
Illustriert von Alexander Wlassack
141 Seiten, broschiert
Verlag Carl Ueberreuter, Wien
ISBN: 3-8000-3958-3

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Die Tür ins Ungewisse

Die Tür ins Ungewisse

Endlich gehen die Abenteuer der vier Freunde Elsa, Sabrina, Tom und Florian weiter. Diesmal verbringen die Kinder die Sommerferien auf Burg Donnerfels.
Der Verkaufserlös aus dem gefundenen Schatz aus den Osterferien, der aus allerlei Hausrat aus Silber bestanden hat, war durch die notwendige Dachreparatur verbraucht. Die Burg steht wieder vor dem Verkauf. Vielleicht gelingt es den vier Freunden diesmal einen größeren Schatz zu finden. Sie gehen mit Feuereifer an die Arbeit und folgen den Spuren des „frommen Ritters“. Sie wollen endlich den geheimen Gang finden und das Geheimnis, das sich um die Weiße Frau rankt, lüften.

Auch das zweite Buch aus der Reihe: Ferien auf Burg Donnerfels bietet wieder Spannung und Abenteuer. Die Geschichte ist kurzweilig und flott geschrieben, genauso wie Kinder es mögen. Das macht Lust auf weitere Geschichten um die vier Freunde.

Über die Autorin:
Julia Brückner ist Jahrgang 1951. Nach dem Studium arbeitete sie mehrere Jahre als Lehrerin. Die eigenen Kinder, die inzwischen erwachsen sind, aber auch Schülerinnen und Schüler sorgen immer wieder für Schreibideen.

Altersempfehlung: für Kinder ab 10 Jahren

Rezension von Heike Rau

In der Reihe „Ferien auf Burg Donnerfels“ bereits erschienen:
„Der Geheimgang“

Julia Brückner
Die Tür ins Ungewisse
120 Seiten, gebunden
Verlag Carl Ueberreuter, Wien
ISBN: 3-8000-2080-7

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Der Geheimgang

Der Geheimgang

Elsa will die Osterferien bei Oma und Opa verbringen. Die haben sich gerade den Traum vom Haus auf dem Lande erfüllt. Nun ist Elsa natürlich ganz gespannt, was sie da erwartet. Besonders beeindruckt ist sie von der alten Burg mit ihren mächtigen Mauern, Türmen und Zinnen. Eine merkwürdige alte Dame wohnt dort, zusammen mit ihrer Nichte, deren Mann und einem Jungen.
Elsa freundet sich schnell mit den Nachbarskindern Sabrina und Florian und auch mit dem Jungen von der Burg, der Tom heißt, an.
Doch um die Burg steht es nicht gut. Dringende Reparaturen sind notwendig, doch das Geld fehlt den Burgbesitzern. Es nützt nichts, die Burg muss verkauft werden. Die vier Freunde sinnen nach einem Ausweg. In der Burg soll es einen Geheimgang geben. Und wo ein Geheimgang ist, ist sicher auch ein geheimer Schatz verborgen. Die Kinder machen sich mit Feuereifer auf die Suche.

Die Abenteuer der vier Freunde sind sehr spannend und das Umfeld der Burg ist natürlich für tolle Abenteuer wie geschaffen. Die Kinder halten zusammen, bestehen jede Herausforderung gemeinsam. Elsa, die in einem Rollstuhl sitzt, wird ganz selbstverständlich integriert, was nicht immer ganz einfach ist, denn eine Burg ist nicht gerade besonders rollstuhltauglich.

Über die Autorin:
Julia Brückner ist Jahrgang 1951. Nach dem Studium arbeitete sie mehrere Jahre als Lehrerin. Die eigenen Kinder, die inzwischen erwachsen sind, aber auch Schülerinnen und Schüler sorgen immer wieder für Schreibideen.

Altersempfehlung: für Kinder ab 10 Jahren

Rezension von Heike Rau

In der Reihe „Ferien auf Burg Donnerfels“ bereits erschienen:
„Die Tür ins Ungewisse“

Julia Brückner
Der Geheimgang
Aus der Reihe: Ferien auf Burg Donnerfels
120 Seiten, gebunden
Verlag Carl Ueberreuter, Wien
ISBN: 3-8000-2079-3

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Schwarze Klippen

Schwarze Klippen

1847: Captain Wolf ist der gefürchtete Vorsteher der australischen Gefängnisinsel Coldwater. Seine drei ledigen Töchter Charlotte, Emily und Anne leben mit ihm auf dieser trostlosen, einsamen Insel, so wie der strenge Vater es wünscht und verbringen viel Zeit mit Hausarbeit. Lesen ist die einzige Abwechslungsmöglichkeit. Die Frauen flüchten sich in Fantasiewelten, verarbeiten ihre Träume bald selbst zu Romanen. Vielleicht bietet sich doch irgendwann eine Veröffentlichungsmöglichkeit.
Eines Tages wagt Captain Wolf ein neues Experiment. Ein irischer Gefangener, der seinem verstorbenen Sohn ähnelt und dem er Vertrauen entgegenbringt, wird von ihm bevorzugt behandelt, darf das Wohnhaus betreten und dort nötige Arbeiten verrichten. Emily, die sich genauso wie ihre Schwestern nach Liebe und Abenteuer sehnt, kann der Versuchung nicht widerstehen und verliebt sich Hals über Kopf in den Gefangenen.
Dieser Vertrauensbruch wirft Captain Wolf völlig aus der Bahn. Er greift mit harter Hand durch, um wieder Ordnung in seinem Haushalt zu schaffen, verbrennt zum Entsetzen der drei Schwestern alle Manuskripte, derer er habhaft werden kann. Immer mehr verstrickt er sich jedoch, beginnt an Verfolgungswahn zu leiden, fühlt sich von Komplotten bedroht und verliert schließlich den Verstand. So gerät das wenigstens nach außen hin harmonisch scheinende Zusammenleben zwischen dem Vater und seinen Töchtern vollständig aus den Fugen. Doch der Kampfeswille der drei Schwestern ist erwacht. Sie nehmen ihr vom Vater aufgezwungenes Schicksal nicht länger hin.

Die Autorin schreibt leidenschaftlich, einfühlsam und ausdrucksstark und sorgt für atemlose Spannung in ihrem Buch. Sie vermag sehr glaubhaft und deutlich den Zwiespalt im Leben der drei Schwestern darzustellen. Auf der einen Seite steht das übertriebenes Pflichtgefühl dem tyrannische Vater gegenüber, auf der anderen Seite die Sehnsucht nach Freiheit, Liebe und einem selbstbestimmten Leben.

Über die Autorin:
Mardi McConnochie ist Jahrgang 1971. Sie studierte Englische Literatur und promovierte an der Universität in Sydney. „Schwarze Klippen“ ist ihr erster Roman.

Rezension von Heike Rau

Mardi McConnochie
Schwarze Klippen
382 Seiten, gebunden
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
ISBN: 3-455-05170-7

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Der Mr. Hyde Effekt

Der Mr. Hyde Effekt

Titel: Der Mr. Hyde Effekt
Autor: Steve Vance
Reihe: Edition Metzgerstein
Hardcover/ Schutzumschlag – 384 Seiten – Festa-Verlag
Amerikanische Orginalausgabe : The Hyde Effect (1989)
Übersetzer : Andreas Diesel
ISBN: 3-935822-41-3
Erhältlich bei Amazon

Steven Edward Vance wurde am 13.7.52 in Brunswick, Georgia / USA geboren. Sein erster Roman „Planet of Gawfs (1978)“ ist dem Genre Science Fiction zuzurechnen. Insgesamt erschienen elf weitere Romane, die meisten im Genre der unheimlichen Literatur wie The Hybrid und The Abyss. Sein neuester Horror-Roman „Walpuris Night“ erschien 2002.

Allen Blake Corbett ist Autor von Horror-Romanen. Wegen einer Schreibblockade ist er auf der Suche nach Inspiration. Ein Informant der Polizei bringt ihn an den Ort eines grauenhaften Mordes.
Douglas Morgan ist Kolumnist des Los Angeles Chronicle. Morgans Kolumne hieß „Merkwürdige Begebenheiten“ und widmete sich jenen Nachrichten, die von seriösen Journalisten für gewöhnlich außer Acht gelassen wurden. Fliegende Untertassen, Bigfoots, Seeungeheuer und dergleichen.
Meg Talley, 19 Jahre alt und Horrorfilmfreak, begibt sich nach Lynnview, wo scheinbar ein Tiermensch in der letzten Vollmondnacht einen Doppelmord verübt hat. Sie möchte sich mit eigenen Augen von der Existenz des Werwolfes überzeugen.
Meg hat Erfolg, doch anders, als sie es vorgesehen hatte. Mit einer gehörigen Portion Glück entkommt sie dem Monster mit knapper Not. Zur eigenen Sicherheit wird sie in einem Krankenhaus gebracht, um sie vor der gierigen Meute der Journalisten zu schützen.
Nicholas Grundel, Angestellter einer Supermarktkette, schmuggelt sich als Krankenpfleger ein, um die genauen Umstände des Angriffs auf Meg Talley zu erfahren. Im Gegensatz zur Polizei glaubt er ihren Ausführungen und beschließt, dem Tiermenschen den Garaus zu machen.
Dieses kuriose Quartett macht sich zusammen auf die Suche nach dem geheimnisvollen Tiermenschen. Während die Öffentlichkeit an einen psychopatischen Killer mit außergewöhnlichen Kräften glaubt, ist sich unser Quartett sicher, dass es sich um einen Werwolf handelt.
Sie hören in den Vollmondnächten den Polizeifunk ab, da sie sich der Jagd nach dem Tiermenschen verschrieben haben. Doch entweder entgeht er ihnen und der Polizei knapp, oder es tritt kein weiterer Mord auf. Eine Zeit voll Zweifel an ihrer Überzeugung, dass es sich um einen veränderten Menschen handelt.
Als dann ein Blutbad in einer Raststätte verübt wird, kommt die Polizei auf die Spur des Mörders. Durch einen Hinweis in der Bevölkerung gelingt es der Polizei, den Mörder zu fassen. Und er bestätigt, ein Werwolf zu sein.
Die Skepsis der aufgeklärten Gesellschaft ist groß. Um Klarheit zu schaffen, wird in der nächsten Vollmondnacht eine Pressekonferenz anberaumt. Cummings, der Tiermensch, wird in das Institut für Naturwissenschaft und Forschung gebracht, ein abgelegener Komplex, indem Genexperimente durchgeführt werden. Cummings wird interviewt und seine angekündigte Verwandlung mit Spannung erwartet.
Ist er ein Blender oder wird die Werwolfsage Realität?

Unser Quartett besteht aus vier mehr oder weniger normalen Menschen, deren Motivation mehr als fragwürdig ist. In der ersten Hälfte spielt der Autor geschickt mit der Diskrepanz zwischen Wissenschaft und dem Glauben an Werwölfen. Ein Höhepunkt ist das Interview mit Cummings und seine anschließende Verwandlung.
Gerade die vermeintliche Überlegenheit der Wissenschaft sorgt für ein Blutbad unter den Teilnehmern der Pressekonferenz. Die Sicherheit des Institutes wird zur Falle. Und das Monster erscheint unbesiegbar…

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich zumeist mit den eigenwilligen Charakteren des Quartetts und mit den Hintergründen der Werwolfssaga auf einer naturwissenschaftlichen Basis. Der zweite Teil konzentriert sich auf Tempo und Spannung.
Zwar verzichtet der Autor auf ausführliche und detaillierte Gewaltbeschreibungen, trotzdem sollten zarte Gemüter die Finger von diesem Roman lassen. Gerade die nüchterne Schilderung der Gräueltaten geben der Geschichte genug Glaubwürdigkeit, um schockierend zu sein. Dadurch, dass die Helden Menschen wie du und ich sind, intensiviert sich beim Lesen das Mitfiebern bis ins Unerträgliche.

Fazit : Solider Inhalt mit lebendigen Personen, Spannung und Nervenkitzel garantiert.

Rezension von Michael Schmidt

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Kommissar Hell – Fluchtweg ausgeschlossen

Kommissar Hell – Fluchtweg ausgeschlossen

Kommissar Hell hat mit seiner Spürnase wieder spannende Fälle aufgeklärt. Damit Kinder wissen, ob sie auch detektivisches Gespür haben, können sich an den vielen verschiedenen Fällen selbst ausprobieren. Dazu müssen sie beim Lesen ganz genau aufpassen, um die gut versteckten Hinweise nicht zu übersehen. Kriminalistischer Sinn für Zusammenhänge ist nötig, um die richtigen Rückschlüsse zu ziehen und die Fragen zu jedem Krimi beantworten zu können. Ob die Kinder richtig liegen, kann anhand der Auflösungen kontrolliert werden. Für jede richtige Antwort gibt es Punkte. So können die Kinder leicht selbst überprüfen, ob sie das Zeug zu einer Super-Spürnase haben. Reicht es nur zum Spürnasen-Anwärter ist natürlich Üben angesagt. Zum Glück gibt es noch mehr Bücher mit tollen Ratekrimis um Kommissar Hell.

Die Ratekrimis sind sehr zu empfehlen. Es wird Kindern viel Spaß machen, herauszufinden, ob sie ebenso schnell wie Kommissar Hell in der Lage sind, die kniffligen Fälle zu lösen. Aufmerksames und bewusstes Lesen wird gefördert, Lesekompetenz trainiert. Zur Auflockerung tragen die Illustrationen von Klaus Puth bei.

Altersempfehlung: für Kinder ab 10 Jahren

Rezension von Heike Rau

Rainer Crummenerl
Kommissar Hell – Fluchtweg ausgeschlossen
20 Ratekrimis, illustriert von Klaus Puth
157 Seiten, gebunden
Verlag arsEdition, München
ISBN: 3-7607-3871-0

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Der Sperrmüllkönig

Der Sperrmüllkönig

Als Arne Rautenberg in einem Häuserblock eine Mietwohnung bezieht, ahnt er nicht, dass seine Nachbarn ihn inspirieren werden, ein Buch zu schreiben. Besonders der eigensinnige Hartmut Hellmann hat es ihm angetan. Er schleicht im Haus herum und im Keller, er späht durch Briefkastenschlitze und durchwühlt die Mülltonnen nach Brauchbarem. Immer nachts ist er auf der Suche nach Müll. Am liebsten Elektronikmüll. Alte Fernseher sind seine Leidenschaft. Die hortet er in seiner Wohnung, im Hausflut und im Hof. Er ist der Sperrmüllkönig. Sein Sortiment an Ramsch ist riesig. Rautenberg hat ihn ihm Auge, beobachtet genau und spioniert nun selbst herum. Er will wissen, was den Sperrmüllkönig antreibt, was für einen Sinn sein Leben hat. Er hat ein Buch zu füllen mit alltäglichem Geschwätz.

Das Buch ist das reinste Lesevergnügen, wird doch mit den deutschen Mietshausbewohnern so richtig abgerechnet. Rautenberg nimmt sie unbarmherzig ins Visier. Sein Stil ist erfrischend anders. Er spart nicht mit zweideutigen Andeutungen und unglaublichem Wortwitz, damit dem Leser ein Licht aufgeht. Er spielt mit den Sätzen, verdreht sie, sucht nach dem Sinn. Bei ihm wird das Unnormale normal, das Alltägliche interessant. Er beschreibt die kleinen Tragödien und Komödien des Alltags auf amüsante, aber auch ein wenig nachdenklich machende Weise.

Arne Rautenberg ist Jahrgang 1967. Er lebt als freier Autor und Künstler in Kiel. Erschienen sind von ihm bereits mehrere Gedichtbände. „Der Sperrmüllkönig“ ist sein erster Roman.

Rezension von Heike Rau

Arne Rautenberg
Der Sperrmüllkönig
160 Seiten, gebunden
Hoffmann und Campe Verlag
ISBN: 3-455-06150-8

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Francesco im Land der Delphine

Francesco im Land der Delphine

„Francesco im Land der Delphine“: Dies ist der merkwürdige Titel einer spannenden Geschichtensammlung aus dem Reich der Phantastik. In diesem Reich regiert nicht die exakte wissenschaftliche Darstellung sondern die geheimnisvolle Andeutung. Das Sehnen, das Staunen, das Gruseln oder Grauen, all dies ruht eigentlich in der Einbildungskraft des Lesers, und die Kunst des Erzählers ist es „nur“, unsere Seele zu erwecken. Besonders beflügeln uns Erscheinungen aus dem Jenseits, und so ein Phänomen ist der „Francesco“, dessen Begegnung wohl neue Lebenskraft spenden mag. Leicht melancholisch stimmt mich diese Mallorca Erzählung von Kurt Lehmkuhl und ich muß daran denken, daß bereits George Sand und der kranke Chopin ihren Urlaub auf Mallorca verbrachten. Auch im „27. Februar“ erzählt Lehmkuhl von der Begegnung mit dem Jenseits. Der Tod hat eher eine moralische Bedeutung in Thomas Pfanners „Der Traum der Leiche“. Die unendliche Einsamkeit der Isolation. Dies ist auch das Thema von George P. Russels „Odem“. Der in England geborene Autor jedoch vermag dieser Geschichte einen recht makabren Twist zu geben. Makaber ist sicher auch „Die Schlange“ von Axel Gieseking, die den armen Leser mit ihrem „Shock and Awe“ zur Strecke bringt. Noch lange Zeit nach dem Lesen dieser prägnanten Kurzgeschichte sah ich deutlich Salvador Dalis „Faces de la guerra“ vor mir.

Poetisch subtil, aber um so tiefer, wirken hingegen die Geschichten, in denen das Grauenvolle nur flüchtig angedeutet erscheint. Horst Jüssens „Die geheimnisvolle Insel“, erzählt schlicht und klassisch und verführt mit dem, was sie verschweigt. Diese Insel hat etwas von Gerstäckers „Germelshausen“. Eine klassische Abenteuergeschichte ist das wohl wahre Erlebnis Kurt Jaegers aus seiner Fliegerzeit in Nigeria, geschildert in „Eine rätselhafte Entscheidung“. Die Spannung entsteht hier durch den Kontrast zwischen der kalten, zum Teil englischen Fachsprache und der stets lauernden Gefahr. Einfach aber wirkungsvoll ist auch Armin Rößlers streng mittelalterliche Erzählung „Das Land der Wolken“, ein Land, das mich etwas an Alfred Kubins phantastischen Roman „Die andere Seite“ erinnert. Ein weiteres Phantasiereich von strenger Hierarchie beschreibt Alfred Bekkers „Dway’lion der Magier“. Selbst mythologische Wesen hausen hier wie ja auch in Katharina Holzs altägyptischem Traum „Amduat-Ra’s Reise durch die Unterwelt“. Doch wenn mich „Dway’lion“ etwas an den „Lord der Ringe“ erinnert so umweht „Amduat-Ra“ ein Hauch von Harry Potter. Ein Hauch von Andersens „Meerjungfrau“ hingegen, ein geheimnisvoller Geruch von Fisch und Meer, umweht Irene Salzmanns „Das Land der Delphine“, während Dirk Brakenhoffs „Der Hüter des Waldes“ zunächst wie Endes „Momo“ oder die moralische „Unendliche Geschichte“ anmutet, dann jedoch mit einem recht unerwarteten Ende überrascht. Man kann sowohl Weinen als auch Lachen.

Und hier haben wir nun die phantastische Verbindung aus Satire, Humor und Horror, am gelungensten vielleicht das „Krokomaul“ von Carin Chilvers, skurrile und sentimentale Memoiren einer sterbenden Krokohandtasche, erzählt mit Flair und Flamboyance. Aber auch „Mittags kommt das Grauen“ von Irene Salzmann ist eine recht witzige Satire von einem, „der auszog, das Gruseln zu lernen“. Sehr charmant erzählt ist Till Louis Schreibers Hommage à
Hoffmann, „Onkel Alberts Porzellanpuppe“, doch ohne den dämonischen Einschlag von ETA. Eher experimentell hingegen wirkt Dorthe Landschulzs „Der Dichter“. Konzentriert lesen muß man hier, wenn man den Wechsel der Erzähler und den fliessenden Übergang der Realitäten verstehen will. Etwas fühlte ich mich beim Lesen wie jener Kunstliebhaber in Akira Kurosawas „Dreams“, der sich plötzlich in einem Bild Van Goghs wiederfindet.

Was wäre eine Sammlung phantastischer Geschichten ohne Indien? Artur J. Ruetter hat dieses exotische Land bereits vor 30 Jahren auf einer Weltreise mit dem Fahrrad besucht, und sein „Reisender zwischen den Welten“ ist der offensichtlich wirkliche Bericht einer phantastischen Vision. Die Erzählung enthält aber auch viel Lokalkolorit, und besonders köstlich ist die indische Art der Teezubereitung (der Filter ist ein ausgekochter Damenstrumpf). In Rolf-Peter Willes (Rezensent) Geschichte, „Der Cognacschwenker von Varanasi“, ist Indien eigentlich nur eine poetische Erfindung. Diese fast surreale Geschichte einer Seelenwanderung ist vielleicht zum Teil inspiriert von Edgar Allan Poes phantastischer Schilderung der Stadt Benares in „A Tale of the Ragged Mountains“.

Reich und bezaubernd, manchmal auch witzig und sogar schockierend ist das Leben im Land der Phantasie, in das diese Anthologie des Betzel Verlags einen verführerischen Einblick gibt – so verführerisch übrigens, wie bereits der Umschlagentwurf von Irene Salzmann.

H. H. Dietrich & P. T. Rothmanns, Hrsg.
Francesco im Land der Delphine
In dieser Anthologie präsentieren sich 16 lebende Autoren mit 18 phantastischen Geschichten
ISBN:3932069404
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Tim Parks: Doppelleben

Tim Parks: Doppelleben

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Richter Savage kann sich glücklich schätzen. Er ist seit zwanzig Jahren verheiratet und hat zwei Kinder. Auf der Karriereleiter ist er trotz seiner dunklen Hautfarbe ganz oben angekommen oder vielmehr deshalb. Endlich erfüllt sich auch der Traum vom eigenen standesgemäßen Haus. Richter Savage ist nun in einem Alter, in dem er etwas ruhiger angehen lassen will, wenigstens nach außen hin und vor allem vor seine Frau, die zumindest die Seitensprünge, die er gestanden hat, großzügig vergessen will. Doch daraus wird nichts. Eine verflossene Geliebte taucht auf, bittet ihn um Hilfe. Und Hilfsbereitschaft kann man Richter Savage nun wirklich nicht absprechen. Er ist kein Drückeberger. Aber hier hätte er sich besser raushalten sollen. Ehe er weiß, wie ihm geschieht, landet er zusammengeschlagen im Krankenhaus. Seiner Frau und auch der Polizei ist er einige Antworten schuldig. Sein Doppelleben fliegt auf. Und dann geraten auch noch brisante Informationen an die Presse. Aus dem mächtigen Mann wird ein Lüstling. Richter Savage lernt nicht aus seinen Fehlern, er erkennt sie nicht einmal als solche an. Immer tiefer gerät er in einen Strudel aus seinen Lügen und setzt alles, was ihm wichtig ist aufs Spiel.

Die Geschichte turbulent zu nennen, ist noch untertrieben. Fassungslos liest man vom wahrheitsliebenden Richter, der gleichzeitig ein notorischer Lügner ist. Die Geschichte ist tragisch und sehr menschlich. Trotzdem kann man sich das Schmunzeln beim Lesen nicht verkneifen, schreibt der Autor doch mit viel Ironie und ordentlichen Seitenhieben auf die Ehe und die Gesellschaft.
An den Stil des Buches muss man sich aber erst gewöhnen. Es wird sehr schnell erzählt. Der Autor spart mit Anführungszeichen bei wörtlicher Rede und auflockernden Absätzen. Die Übersetzung wirkt an manchen Stellen etwas eigenartig.

Rezension von Heike Rau

Tim Parks
Doppelleben
440 Seiten, gebunden
Antje Kunstmann Verlag, München
ISBN: 3-88897-323-6