Der Mr. Hyde Effekt

Der Mr. Hyde Effekt

Titel: Der Mr. Hyde Effekt
Autor: Steve Vance
Reihe: Edition Metzgerstein
Hardcover/ Schutzumschlag – 384 Seiten – Festa-Verlag
Amerikanische Orginalausgabe : The Hyde Effect (1989)
Übersetzer : Andreas Diesel
ISBN: 3-935822-41-3
Erhältlich bei Amazon

Steven Edward Vance wurde am 13.7.52 in Brunswick, Georgia / USA geboren. Sein erster Roman „Planet of Gawfs (1978)“ ist dem Genre Science Fiction zuzurechnen. Insgesamt erschienen elf weitere Romane, die meisten im Genre der unheimlichen Literatur wie The Hybrid und The Abyss. Sein neuester Horror-Roman „Walpuris Night“ erschien 2002.

Allen Blake Corbett ist Autor von Horror-Romanen. Wegen einer Schreibblockade ist er auf der Suche nach Inspiration. Ein Informant der Polizei bringt ihn an den Ort eines grauenhaften Mordes.
Douglas Morgan ist Kolumnist des Los Angeles Chronicle. Morgans Kolumne hieß „Merkwürdige Begebenheiten“ und widmete sich jenen Nachrichten, die von seriösen Journalisten für gewöhnlich außer Acht gelassen wurden. Fliegende Untertassen, Bigfoots, Seeungeheuer und dergleichen.
Meg Talley, 19 Jahre alt und Horrorfilmfreak, begibt sich nach Lynnview, wo scheinbar ein Tiermensch in der letzten Vollmondnacht einen Doppelmord verübt hat. Sie möchte sich mit eigenen Augen von der Existenz des Werwolfes überzeugen.
Meg hat Erfolg, doch anders, als sie es vorgesehen hatte. Mit einer gehörigen Portion Glück entkommt sie dem Monster mit knapper Not. Zur eigenen Sicherheit wird sie in einem Krankenhaus gebracht, um sie vor der gierigen Meute der Journalisten zu schützen.
Nicholas Grundel, Angestellter einer Supermarktkette, schmuggelt sich als Krankenpfleger ein, um die genauen Umstände des Angriffs auf Meg Talley zu erfahren. Im Gegensatz zur Polizei glaubt er ihren Ausführungen und beschließt, dem Tiermenschen den Garaus zu machen.
Dieses kuriose Quartett macht sich zusammen auf die Suche nach dem geheimnisvollen Tiermenschen. Während die Öffentlichkeit an einen psychopatischen Killer mit außergewöhnlichen Kräften glaubt, ist sich unser Quartett sicher, dass es sich um einen Werwolf handelt.
Sie hören in den Vollmondnächten den Polizeifunk ab, da sie sich der Jagd nach dem Tiermenschen verschrieben haben. Doch entweder entgeht er ihnen und der Polizei knapp, oder es tritt kein weiterer Mord auf. Eine Zeit voll Zweifel an ihrer Überzeugung, dass es sich um einen veränderten Menschen handelt.
Als dann ein Blutbad in einer Raststätte verübt wird, kommt die Polizei auf die Spur des Mörders. Durch einen Hinweis in der Bevölkerung gelingt es der Polizei, den Mörder zu fassen. Und er bestätigt, ein Werwolf zu sein.
Die Skepsis der aufgeklärten Gesellschaft ist groß. Um Klarheit zu schaffen, wird in der nächsten Vollmondnacht eine Pressekonferenz anberaumt. Cummings, der Tiermensch, wird in das Institut für Naturwissenschaft und Forschung gebracht, ein abgelegener Komplex, indem Genexperimente durchgeführt werden. Cummings wird interviewt und seine angekündigte Verwandlung mit Spannung erwartet.
Ist er ein Blender oder wird die Werwolfsage Realität?

Unser Quartett besteht aus vier mehr oder weniger normalen Menschen, deren Motivation mehr als fragwürdig ist. In der ersten Hälfte spielt der Autor geschickt mit der Diskrepanz zwischen Wissenschaft und dem Glauben an Werwölfen. Ein Höhepunkt ist das Interview mit Cummings und seine anschließende Verwandlung.
Gerade die vermeintliche Überlegenheit der Wissenschaft sorgt für ein Blutbad unter den Teilnehmern der Pressekonferenz. Die Sicherheit des Institutes wird zur Falle. Und das Monster erscheint unbesiegbar…

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich zumeist mit den eigenwilligen Charakteren des Quartetts und mit den Hintergründen der Werwolfssaga auf einer naturwissenschaftlichen Basis. Der zweite Teil konzentriert sich auf Tempo und Spannung.
Zwar verzichtet der Autor auf ausführliche und detaillierte Gewaltbeschreibungen, trotzdem sollten zarte Gemüter die Finger von diesem Roman lassen. Gerade die nüchterne Schilderung der Gräueltaten geben der Geschichte genug Glaubwürdigkeit, um schockierend zu sein. Dadurch, dass die Helden Menschen wie du und ich sind, intensiviert sich beim Lesen das Mitfiebern bis ins Unerträgliche.

Fazit : Solider Inhalt mit lebendigen Personen, Spannung und Nervenkitzel garantiert.

Rezension von Michael Schmidt

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Kommissar Hell – Fluchtweg ausgeschlossen

Kommissar Hell – Fluchtweg ausgeschlossen

Kommissar Hell hat mit seiner Spürnase wieder spannende Fälle aufgeklärt. Damit Kinder wissen, ob sie auch detektivisches Gespür haben, können sich an den vielen verschiedenen Fällen selbst ausprobieren. Dazu müssen sie beim Lesen ganz genau aufpassen, um die gut versteckten Hinweise nicht zu übersehen. Kriminalistischer Sinn für Zusammenhänge ist nötig, um die richtigen Rückschlüsse zu ziehen und die Fragen zu jedem Krimi beantworten zu können. Ob die Kinder richtig liegen, kann anhand der Auflösungen kontrolliert werden. Für jede richtige Antwort gibt es Punkte. So können die Kinder leicht selbst überprüfen, ob sie das Zeug zu einer Super-Spürnase haben. Reicht es nur zum Spürnasen-Anwärter ist natürlich Üben angesagt. Zum Glück gibt es noch mehr Bücher mit tollen Ratekrimis um Kommissar Hell.

Die Ratekrimis sind sehr zu empfehlen. Es wird Kindern viel Spaß machen, herauszufinden, ob sie ebenso schnell wie Kommissar Hell in der Lage sind, die kniffligen Fälle zu lösen. Aufmerksames und bewusstes Lesen wird gefördert, Lesekompetenz trainiert. Zur Auflockerung tragen die Illustrationen von Klaus Puth bei.

Altersempfehlung: für Kinder ab 10 Jahren

Rezension von Heike Rau

Rainer Crummenerl
Kommissar Hell – Fluchtweg ausgeschlossen
20 Ratekrimis, illustriert von Klaus Puth
157 Seiten, gebunden
Verlag arsEdition, München
ISBN: 3-7607-3871-0

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Der Sperrmüllkönig

Der Sperrmüllkönig

Als Arne Rautenberg in einem Häuserblock eine Mietwohnung bezieht, ahnt er nicht, dass seine Nachbarn ihn inspirieren werden, ein Buch zu schreiben. Besonders der eigensinnige Hartmut Hellmann hat es ihm angetan. Er schleicht im Haus herum und im Keller, er späht durch Briefkastenschlitze und durchwühlt die Mülltonnen nach Brauchbarem. Immer nachts ist er auf der Suche nach Müll. Am liebsten Elektronikmüll. Alte Fernseher sind seine Leidenschaft. Die hortet er in seiner Wohnung, im Hausflut und im Hof. Er ist der Sperrmüllkönig. Sein Sortiment an Ramsch ist riesig. Rautenberg hat ihn ihm Auge, beobachtet genau und spioniert nun selbst herum. Er will wissen, was den Sperrmüllkönig antreibt, was für einen Sinn sein Leben hat. Er hat ein Buch zu füllen mit alltäglichem Geschwätz.

Das Buch ist das reinste Lesevergnügen, wird doch mit den deutschen Mietshausbewohnern so richtig abgerechnet. Rautenberg nimmt sie unbarmherzig ins Visier. Sein Stil ist erfrischend anders. Er spart nicht mit zweideutigen Andeutungen und unglaublichem Wortwitz, damit dem Leser ein Licht aufgeht. Er spielt mit den Sätzen, verdreht sie, sucht nach dem Sinn. Bei ihm wird das Unnormale normal, das Alltägliche interessant. Er beschreibt die kleinen Tragödien und Komödien des Alltags auf amüsante, aber auch ein wenig nachdenklich machende Weise.

Arne Rautenberg ist Jahrgang 1967. Er lebt als freier Autor und Künstler in Kiel. Erschienen sind von ihm bereits mehrere Gedichtbände. „Der Sperrmüllkönig“ ist sein erster Roman.

Rezension von Heike Rau

Arne Rautenberg
Der Sperrmüllkönig
160 Seiten, gebunden
Hoffmann und Campe Verlag
ISBN: 3-455-06150-8

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Francesco im Land der Delphine

Francesco im Land der Delphine

„Francesco im Land der Delphine“: Dies ist der merkwürdige Titel einer spannenden Geschichtensammlung aus dem Reich der Phantastik. In diesem Reich regiert nicht die exakte wissenschaftliche Darstellung sondern die geheimnisvolle Andeutung. Das Sehnen, das Staunen, das Gruseln oder Grauen, all dies ruht eigentlich in der Einbildungskraft des Lesers, und die Kunst des Erzählers ist es „nur“, unsere Seele zu erwecken. Besonders beflügeln uns Erscheinungen aus dem Jenseits, und so ein Phänomen ist der „Francesco“, dessen Begegnung wohl neue Lebenskraft spenden mag. Leicht melancholisch stimmt mich diese Mallorca Erzählung von Kurt Lehmkuhl und ich muß daran denken, daß bereits George Sand und der kranke Chopin ihren Urlaub auf Mallorca verbrachten. Auch im „27. Februar“ erzählt Lehmkuhl von der Begegnung mit dem Jenseits. Der Tod hat eher eine moralische Bedeutung in Thomas Pfanners „Der Traum der Leiche“. Die unendliche Einsamkeit der Isolation. Dies ist auch das Thema von George P. Russels „Odem“. Der in England geborene Autor jedoch vermag dieser Geschichte einen recht makabren Twist zu geben. Makaber ist sicher auch „Die Schlange“ von Axel Gieseking, die den armen Leser mit ihrem „Shock and Awe“ zur Strecke bringt. Noch lange Zeit nach dem Lesen dieser prägnanten Kurzgeschichte sah ich deutlich Salvador Dalis „Faces de la guerra“ vor mir.

Poetisch subtil, aber um so tiefer, wirken hingegen die Geschichten, in denen das Grauenvolle nur flüchtig angedeutet erscheint. Horst Jüssens „Die geheimnisvolle Insel“, erzählt schlicht und klassisch und verführt mit dem, was sie verschweigt. Diese Insel hat etwas von Gerstäckers „Germelshausen“. Eine klassische Abenteuergeschichte ist das wohl wahre Erlebnis Kurt Jaegers aus seiner Fliegerzeit in Nigeria, geschildert in „Eine rätselhafte Entscheidung“. Die Spannung entsteht hier durch den Kontrast zwischen der kalten, zum Teil englischen Fachsprache und der stets lauernden Gefahr. Einfach aber wirkungsvoll ist auch Armin Rößlers streng mittelalterliche Erzählung „Das Land der Wolken“, ein Land, das mich etwas an Alfred Kubins phantastischen Roman „Die andere Seite“ erinnert. Ein weiteres Phantasiereich von strenger Hierarchie beschreibt Alfred Bekkers „Dway’lion der Magier“. Selbst mythologische Wesen hausen hier wie ja auch in Katharina Holzs altägyptischem Traum „Amduat-Ra’s Reise durch die Unterwelt“. Doch wenn mich „Dway’lion“ etwas an den „Lord der Ringe“ erinnert so umweht „Amduat-Ra“ ein Hauch von Harry Potter. Ein Hauch von Andersens „Meerjungfrau“ hingegen, ein geheimnisvoller Geruch von Fisch und Meer, umweht Irene Salzmanns „Das Land der Delphine“, während Dirk Brakenhoffs „Der Hüter des Waldes“ zunächst wie Endes „Momo“ oder die moralische „Unendliche Geschichte“ anmutet, dann jedoch mit einem recht unerwarteten Ende überrascht. Man kann sowohl Weinen als auch Lachen.

Und hier haben wir nun die phantastische Verbindung aus Satire, Humor und Horror, am gelungensten vielleicht das „Krokomaul“ von Carin Chilvers, skurrile und sentimentale Memoiren einer sterbenden Krokohandtasche, erzählt mit Flair und Flamboyance. Aber auch „Mittags kommt das Grauen“ von Irene Salzmann ist eine recht witzige Satire von einem, „der auszog, das Gruseln zu lernen“. Sehr charmant erzählt ist Till Louis Schreibers Hommage à
Hoffmann, „Onkel Alberts Porzellanpuppe“, doch ohne den dämonischen Einschlag von ETA. Eher experimentell hingegen wirkt Dorthe Landschulzs „Der Dichter“. Konzentriert lesen muß man hier, wenn man den Wechsel der Erzähler und den fliessenden Übergang der Realitäten verstehen will. Etwas fühlte ich mich beim Lesen wie jener Kunstliebhaber in Akira Kurosawas „Dreams“, der sich plötzlich in einem Bild Van Goghs wiederfindet.

Was wäre eine Sammlung phantastischer Geschichten ohne Indien? Artur J. Ruetter hat dieses exotische Land bereits vor 30 Jahren auf einer Weltreise mit dem Fahrrad besucht, und sein „Reisender zwischen den Welten“ ist der offensichtlich wirkliche Bericht einer phantastischen Vision. Die Erzählung enthält aber auch viel Lokalkolorit, und besonders köstlich ist die indische Art der Teezubereitung (der Filter ist ein ausgekochter Damenstrumpf). In Rolf-Peter Willes (Rezensent) Geschichte, „Der Cognacschwenker von Varanasi“, ist Indien eigentlich nur eine poetische Erfindung. Diese fast surreale Geschichte einer Seelenwanderung ist vielleicht zum Teil inspiriert von Edgar Allan Poes phantastischer Schilderung der Stadt Benares in „A Tale of the Ragged Mountains“.

Reich und bezaubernd, manchmal auch witzig und sogar schockierend ist das Leben im Land der Phantasie, in das diese Anthologie des Betzel Verlags einen verführerischen Einblick gibt – so verführerisch übrigens, wie bereits der Umschlagentwurf von Irene Salzmann.

H. H. Dietrich & P. T. Rothmanns, Hrsg.
Francesco im Land der Delphine
In dieser Anthologie präsentieren sich 16 lebende Autoren mit 18 phantastischen Geschichten
ISBN:3932069404
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Tim Parks: Doppelleben

Tim Parks: Doppelleben

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Richter Savage kann sich glücklich schätzen. Er ist seit zwanzig Jahren verheiratet und hat zwei Kinder. Auf der Karriereleiter ist er trotz seiner dunklen Hautfarbe ganz oben angekommen oder vielmehr deshalb. Endlich erfüllt sich auch der Traum vom eigenen standesgemäßen Haus. Richter Savage ist nun in einem Alter, in dem er etwas ruhiger angehen lassen will, wenigstens nach außen hin und vor allem vor seine Frau, die zumindest die Seitensprünge, die er gestanden hat, großzügig vergessen will. Doch daraus wird nichts. Eine verflossene Geliebte taucht auf, bittet ihn um Hilfe. Und Hilfsbereitschaft kann man Richter Savage nun wirklich nicht absprechen. Er ist kein Drückeberger. Aber hier hätte er sich besser raushalten sollen. Ehe er weiß, wie ihm geschieht, landet er zusammengeschlagen im Krankenhaus. Seiner Frau und auch der Polizei ist er einige Antworten schuldig. Sein Doppelleben fliegt auf. Und dann geraten auch noch brisante Informationen an die Presse. Aus dem mächtigen Mann wird ein Lüstling. Richter Savage lernt nicht aus seinen Fehlern, er erkennt sie nicht einmal als solche an. Immer tiefer gerät er in einen Strudel aus seinen Lügen und setzt alles, was ihm wichtig ist aufs Spiel.

Die Geschichte turbulent zu nennen, ist noch untertrieben. Fassungslos liest man vom wahrheitsliebenden Richter, der gleichzeitig ein notorischer Lügner ist. Die Geschichte ist tragisch und sehr menschlich. Trotzdem kann man sich das Schmunzeln beim Lesen nicht verkneifen, schreibt der Autor doch mit viel Ironie und ordentlichen Seitenhieben auf die Ehe und die Gesellschaft.
An den Stil des Buches muss man sich aber erst gewöhnen. Es wird sehr schnell erzählt. Der Autor spart mit Anführungszeichen bei wörtlicher Rede und auflockernden Absätzen. Die Übersetzung wirkt an manchen Stellen etwas eigenartig.

Rezension von Heike Rau

Tim Parks
Doppelleben
440 Seiten, gebunden
Antje Kunstmann Verlag, München
ISBN: 3-88897-323-6

Middlesex

Middlesex

Jeffrey Eugenides Middlesex ISBN 3 498 01670 9

Nach Jonathan Franzen und J.Safran Foer ist nun Jeffrey Eugenides mit einem meisterhaft geschriebenen Roman hervorgetreten.

Vom Jahr 1922 bist 1980 spannt sich der Bogen einer Familiensaga, die ihresgleichen sucht.
Flüchtlinge griechischer Herkunft , die Geschwister Eleutherios und Desdemona, fliehen 1922 im Zusammenhang mit dem Zerfall des osmanischen Reichs vor den marodierenden und mordenden Türken zuerst nach Smyrna und schließlich in die USA.
In Detroit treffen die beiden auf ihre Cousine Sourmelina, verheiratet mit Jimmy Zizmo , einer recht zwielichtigen Figur.
Eleutherios heißt nun Lefty, Sourmelina wird zu Lina, nur Desdemona behält ihren Namen.
Aus einer bravourös inszenierten Geschwisterehe zwischen Lefty und Desdemona geht ein Sohn mit Namen Milton hervor und nach einigen Jahren die Tochter Zoe. Sourmelina und J.Zizmo bekommen die Tochter Tessie.
Cousin und Cousinen wachsen zusammen in einem Haushalt auf, und wieder kommt es zwischen ihnen zu einer Verwandtenehe. Milt und Tessie heiraten. Ein Sohn und die Tocher Calliope gehen aus dieser Verbindung hervor. Calliope ist die/ der Icherzähler. Die Zwitterbezeichnung hat etwas mit einer sehr ernsten und verstörenden Erfahrung für alle Beteiligten zu tun.

Voller Witz , Humor und Phantasie werden in die Verbindung der Geschwister
Eleutherios und Desdemona und die folgenden Familienverwirrungen Fragmente aus der griechischen Götterwelt hineingesponnen. Es bleibt aber nicht bei den mythischen Deutungen , sondern sehr realistisch erfährt man im Laufe der Lebensbeschreibungen dieser Personen etwas über die zuerst griechisch -türkische, später amerikanische Geschichte. Prohibition, Börsenkrach und Wirtschaftskrise 1929, Koreakrieg und Rassenkravalle 1967,–das Leben spielt sich im Rahmen dieser historischen Ereignisse ab.
Daß die ehemaligen Griechen mit ihren Erinnerungen und noch in der Vergangenheit wurzelnden Gewohnheiten allmählich Sprößlinge hervorbringen, die der amerikanischen Zivilisation verbunden sind, liegt auf der Hand. Desdemona ist wohl diejenige, die die Tradition der Vergangenheit am wenigsten abstreifen kann und sich in düsteren Vorahnungen und von Gott erwarteten Bestrafungen verfängt.
Der Übergang von der zuächst von mythischen und auch komischen Bestandteilen durchsetzten Handlung zur realen, nüchternen amerikanischen Wirklichkeit ist für meine Begriffe hervorragend gelungen.

Das Buch ist voller Einfallsreichtum, eine Episode reiht sich an die andere, phantastisch, überschäumend , nie aber geht der Faden der Familiengeschichte verloren.
Viele der beschriebenen Erfahrungen regen zum Schmunzeln an, andere zum Nachdenken. Atemlos folgt man den Familienereignissen , keine Minute möchte man das Buch aus der Hand legen. Sprachlich und inhaltlich bleibt der LesrIn bis zuletzt gefesselt. Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen.

Von Erzählern dieser Art wünscht man sich noch viele!

Claudine Borries

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Die Nacht der Wölfin

Die Nacht der Wölfin

Es scheint, dass Elena Michaels ein ganz normales Leben mit ihrem Freund Philip in Toronto führt, wo sie als Journalistin arbeitet.
Doch sie ist die einzige Werwölfin der Welt und kann ihre Triebe nicht unterdrücken. Sie muss sich verwandeln und nachts in den Wäldern rennen und jagen.
Eines Tages ist es vorbei mit der scheinbaren Ruhe. Elena wird vom autoritärem Rudelführer Jeremy nach Stonehaven gerufen, obwohl sie sich eigentlich vom Rudel distanziert hat. Doch auch ihr droht Gefahr. Ein Außenseiter-Werwolf tötet Menschen auf brutale Weise und bedroht damit die Existenz des ganzen Rudels.
Elena kehrt zurück und ahnt, dass nicht nur ihr Überlebenswille auf eine harte Probe gestellt werden wird, sondern auch ihre Liebe zu Philip. Denn zum Rudel gehört auch ihr früherer leidenschaftlicher Liebhaber Clay.

Dies ist kein Horrorroman in dem Werwölfe nur als unsterbliche Bestien mit übernatürlichen Fähigkeiten geschildert werden. Die Beschreibungen der Werwölfe, ihrer Instinkte und dem Rudelleben sind fesselnd und erschreckend glaubwürdig. Doch für Werwölfe ist es nur sehr schwer möglich, unentdeckt unter Menschen zu leben.
Hochspannung, Liebe und Leidenschaft machen diesen Thriller zu einem aufregenden Buch, dass man nicht vergisst.

Rezension von Heike Rau

Kelley Armstrong
Die Nacht der Wölfin
Schneekluth Verlag, München
ISBN: 3 7951 1789 5

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Monsieru Ibrahim und die Blumen des Koran

Monsieru Ibrahim und die Blumen des Koran

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran Eric-Emmanuel Schmitt
Ammann Verlag ISBN 3 250 60055 5 S. 101

Eine wunderbar leichte, heitere und liebenswerte Erzählung ist die Geschichte von Monsieur Ibrahim und seinem Ziehsohn Moses.
In allen Lebenslagen weiß Monsieur Ibrahim, ein Kolonialwarenhändler in der Rue Bleue in Paris, Rat für den einsamen , sich selbst überlassenen Sohn eines schwermütigen Rechtsanwalts: ob es ums Klauen, um die Liebe oder um das Fahren ohne Führerschein geht.
So entwickelt sich eine Vater-Sohn- Freundschaft, die von rührender Standfestigkeit zueinander zeugt.
Thema ist nicht , ob einer Araber oder Jude sei, sondern daß über alle Vorurteile hinweg im anderen der Mensch zu sehen ist mit seinen Gedanken, Kümmernissen und Freuden. Ganz eigene Kriterien gelten für das Dasein dieser beiden Hauptprotagonisten. Am Ende ist nicht einmal sicher, ob Monsieur Ibrahim überhaupt Araber ist: denn Araber sein bedeutet in der Branche „nachts und auch am Sonntag geöffnet“.
Das Buch liest sich unbeschwert, so wie die ganze Geschichte eine gewisse Leichtigkeit des Seins erkennen läßt; gleichwohl sind die übermittelten Lebensweisheiten nicht oberflächlich oder gar unernst.
Ich habe das Buch schnell und gerne gelesen und kann es sehr empfehlen!
Claudine BorriesBestellen

Im Tempel des Regengottes

Im Tempel des Regengottes

1878 – Kolonie Britisch Honduras. Der Maler Robert Thompson hat London den Rücken gekehrt, sein Erbe ausgeschlagen und seine Verlobte Mary verlassen, um in die karibische Wildnis zu ziehen. Er will den Spuren des berühmten Reisenden Frederick Catherwood folgen und selbst die alten Mayastätten zeichnen.
Stephen Mortimer und Paul Climpsey, zwei Schatzsucher, bringen Robert durch Erpressung dazu, sie in den Dschungel zu begleiten, um nach dem Schatz von Tayasal zu suchen. Sie haben Beweise, dass dieser Schatz existiert. Aber sie brauchen Robert, versprechen sich Hilfe von ihm beim Entschlüsseln der hieroglyphischen Schriften der alten Maya. Sie ahnen nicht, dass Robert mit seinen angeblichen Kenntnissen nur prahlen wollte.
Robert hat keine Wahl. Er muss den beiden Schatzsuchern folgen. Sein Schicksal scheint vorbestimmt. Die Ureinwohner halten ihn einer alten Prophezeiung nach für den Erlöser von den europäischen Eroberern, auf den sie schon so lange warten. So gerät Robert in den Kampf zwischen den Weißen und den Ureinwohnern und muss um sein Leben fürchten. Doch Helen, eine junge, mutige Mestizin, die Robert als Mann verkleidet folgt, versucht zu verhindern, dass sein Schicksal sich erfüllt.

Als Leser wird man in eine fremde Welt hineingezogen, in einen Dschungel mit phantastischen Tempelruinen, Pyramiden und Palästen. Man wird mit der Lebensweise der Maya konfrontiert, mit ihren brutalen Ritualen und Opferungen. Bald sind Wirklichkeit und Traum nicht mehr zu unterscheiden. Die Bilder, die entstehen, fesseln und versetzen den Leser in einen tranceartigen Zustand, dem er sich kaum entziehen kann. Die Geschichte um Robert ist aufwühlend, berauschend und oft auch schockierend.
463 Seiten, doch beim Lesen vergeht die Zeit wie im Fluge.

Über den Autor: Andreas Gößling ist Jahrgang 1958. Er studierte Literaturwissenschaft, Politologie und Publizistik. Er lebt als Lektor und Autor in München. Er ist Maya–Experte und hat unter Pseudonym viele Bücher über die Kultur der Maya verfasst.

Rezension von Heike Rau

Andreas Gößling
Im Tempel des Regengottes
463 Seiten, gebunden
Eichborn Verlag
ISBN: 3 8218 0878 0

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Zwölf

Zwölf

Der Autor hat den Roman “ Zwölf“ im Alter von 17 Jahren geschrieben.
Er gilt als shooting-star in den USA.

Es ist wohl seine eigene Geschichte, die der Autor hier in Abwandlungen beschreibt.

New York in den neunziger Jahren: es ist eine “ lost generation“, die zu dieser Zeit in der Stadt heranwächst. Junge Leute, teenies, wollen eine Sivesterparty feiern.
Zuvor erleben wir einige Protagonisten/Innen , wie sie ihre Ferien und Freizeit zu Hause in NY verbringen. Sie stammen fast alle aus reichen Familien und besuchen gewöhnlich ausgesuchte Internate oder Colleges.
Die Eltern gehen ihren eigenen Geschäften und Vergnügungen nach und überlassen ihre Kinder weitgehend sich selber.
So gammeln die jungen Leute in den Tag hinein, sehen fern, gehen aus, trinken, dealen oder konsumieren Drogen verschiedenenster Art. Eine davon, besonders hervorgehoben, heißt“ Zwölf“.
Mike White ist der Hauptprotagonist: er dealt nur , nimmt aber selber keine Rauschmittel.
Er erlebt mit, wie Freunde in Morde verwickelt werden, im Gefängnis sitzen, immer wieder nach neuen Gefährtinnen Ausschau halten und mit ihren pubertären Schwierigkeiten alleine bleiben.
Die ganze Geschichte gipfelt in der Silvesterparty, die einen schlimmen Ausgang nimmt.

Literarisch konnte ich dem Buch wenig abgewinnen.

In Zeiten, in denen in Erfurt ein Schüler ein Massaker anrichtet, Berichte aus den USA über Gewaltverbrechen in Schulen die Menschen aufrütteln, zeigt dieses Buch aber die Hintergründe, die zu solchen Exzessen führen könnten: Einsamkeit, Überdruss und Überfluss an materiellen Gütern, innere Leere und Angeödetsein, ohne familiären Bezug und Austausch.

Es ist ein trauriges Buch, daß den Leser/In ratlos zurückläßt.

Ich empfehle die Lektüre dennoch,weil sie einer Zeit Ausdruck gibt,die für viele junge Leute mit Orientierungslosigkeit beginnt und im Chaos endet.

Claudine Borries

Nick McDonell
Zwölf
Eine amerikanscieh Tragödie
ISBN:3462032283
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