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Schlagwort: Flucht

Voker Weidermann: Ostende

Voker Weidermann: Ostende

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Ende einer Schriftstellerära.

Die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts brachte eine Reihe sehr begabter und erfolgreicher Schriftsteller hervor. Zu ihnen gehörten u.a. Stefan Zweig, Joseph Roth und Irmgard Keun, von denen hier die Rede sein soll. Es war die Elite der deutsch-österreichisch-jüdischen Schriftstellergeneration, die sich Anfang  des vergangenen Jahrhunderts zuerst in Belgien und zuletzt in Südfrankreich treffen sollte.

Im Fokus dieser Erzählung stehen Stefan Zweig, Joseph Roth und Irmgard Keun. Sie trafen sich 1936 zur Sommerfrische und zu gemeinsamer Arbeit in Ostende in Belgien.

Die düsteren Folgen eines Schriftsteller- und Bücherverbots in Nazideutschland hatten ihre Existenzen in Deutschland bereits beschädigt.

Nicht jeder weiß, dass Joseph Roth und Stefan Zweig in einer ungewöhnlichen Freundschaft verbunden waren. Die Zugehörigkeit zu jüdischen Familien konnte nicht als alleinige Ursache für diese brüderliche Verbindung ausgemacht werden.

Voker Weidermann lässt die z.T rauschhaften Begegnungen, Liebesaffären und Freundschaften noch einmal vor unserem geistigen Auge vorbeiziehen. Joseph Roth ist arm und alkoholsüchtig. Sein Freund Stefan Zweig jedoch gehörte damals bereits zu den begüterten und gut versorgten Dichtern und Denkern.

Dass alles bald vorbei sein würde, ahnte zu der Zeit noch niemand.

In Briefwechseln und Begegnungen sehen wir die berühmte Welt der Schriftsteller und ihres Anhangs und die kreativen Anregungen, die sie sich wechselseitig gaben. Ehen und Partnerschaften gingen wie immer für wenigstens einen der Beteiligten traurig zu Ende, und neue Liebesaffären nahmen ihren Anfang. Es ist eine vermeintlich noch freie Welt, deren Ende sich mit der Machtergreifung Hitlers bereits ankündigt.

Stefan Zweig hat seine Erinnerungen „Die Welt von Gestern“ genannt und damit ein unvergessliches Zeugnis eben jener Welt von gestern abgelegt. Volker Weidermann fügt diesen Erinnerungen gleichsam wie aus dem Blickwinkel eines Brennglases weitere Begebenheiten und Details aus jenen fernen Jahren hinzu. Es ist die Zeit vor der endgültigen Flucht vor den Nazis, die Schriftsteller wie Brecht, die Mann Kinder und Thomas Mann selber, E. Erwin Kisch, H. Kesten und viele andere mehr zusammenführte. Wie ein Tanz auf dem Vulkan fühlt man die Euphorie und die Angst aus dem Verhalten der Beteiligten. Volker Weidermann gibt ihnen beredt Stimme und Glanz und lässt uns den Übergang von der Freiheit in die Apokalypse deutlich erahnen.

Voker Weidermann
Ostende
160 Seiten, gebunden
Kiepenheuer&Witsch, März 2014
ISBN-10: 3462046004
ISBN-13: 978-3462046007
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René Laporte: Hotel Solitude

René Laporte: Hotel Solitude

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Leben zwischen Traum und harter Wirklichkeit.

1942 begegnen sich in einem abgelegenen Hotel auf einer Anhöhe hoch über dem Glanz der mondänen Stadt Monte Carlo ein Monsieur Jérome Bourdaine und ein jüngeres Ehepaar. Die wunderschöne Frau des etwas geckenhaften Ehemanns hat es Jérome angetan. Der Ehemann erscheint des Abends spät und geht schon früh am Tag seinen Geschäften nach.

In Europa haben wir Krieg, und fernab des Kriegsgetümmels hält hier ein altes Ehepaar das Hotel Solitude in Betrieb. Die Gäste bleiben in Folge des Krieges schon lange aus. Der Glanz vergangener Zeiten liegt auf den Möbeln und dem Anwesen mit seinen herrlichen Ausblicken auf die umgebende Natur.

René Laporte, 1905 -1954, gestaltet seine Geschichte als eine, die zwischen Traum und Wirklichkeit schwankt. Nebulöse Gestalten aus den Zeiten der belle Époque bevölkern in Jéromes Fantasie eines Abends den Speisesaal, und er wirbt unerschrocken und zielstrebig um die schöne Frau.

Glück und Unglück, Heimatlosigkeit und Geborgenheit spielen in die Erzählung hinein und zeigen die Zeitgenossen im Jahr 1942 auf der Flucht und auf der Suche zugleich. Wie immer geht es auch um die ganz große Liebe. Zoya, wie die schöne Frau heißt, hat schon viel erlebt und weiß um die Tücken der Liebe. Jérome hingegen will erobern um jeden Preis und um der Illusion willen, dass doch alles gut werden möge.

Das Buch gilt als Wiederentdeckung eines literarischen Juwels, und das ist dieser kleine dichte und poetische Roman auch wirklich. Nostalgisch, vergänglich und mit dem Hauch einer versunkenen Welt versehen wird man in der Geschichte noch einmal zurück in das Jahr 1942 geführt, als die Welt im Krieg unterzugehen drohte und es nur wenige gab, die sich dem allgemeinen Untergang entziehen konnten.

René Laporte engagierte sich während des Zweiten Weltkriegs im französischen Widerstadt.

Der Roman des früh verstorbenen Autors erscheint hier zum ersten Mal auf Deutsch.

René Laporte
Hotel Solitude
120 Seiten, gebunden
Deutscher Taschenbuch Verlag, März 2014
ISBN-10: 3423260033
ISBN-13: 978-3423260039
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Iny Lorentz: Das goldene Ufer

Iny Lorentz: Das goldene Ufer

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Der Roman des Autorenpaares ist der Auftakt einer neuen Romanserie um die Auswanderungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Handlung beginnt im Morast und Schlamm, im Krieg. Der kleine Walter marschiert in einem Heer von Soldaten an der Seite eines Musketiers. Sein Regiment hatte erst vor zwei Tagen mit einem Teil von Napoleons Armee gekämpft. Nun sind sie auf dem Marsch nach Waterloo. Seit zwei Jahrzehnten marschiert der Kaiser der Franzosen von Sieg zu Sieg, doch nun wollen ihm die deutschen Truppen den Garaus machen.

Die Schlacht brachte viele Verluste, viele Weggefährten, darunter die Frauen, die im Tross mitmarschierten, wurden getötet. Während der Kämpfe rettet der kleine Junge, der stets mit seiner Trommel wegen ihrer Größe zu kämpfen hat, dem Regimentskommandeur das Leben. Oberst Graf Regnitz hat ein gutes Herz und belohnt den Trommler damit, ihn nach dem Krieg mit auf sein Anwesen zu nehmen und ihm gleichermaßen wie seinem eigenen Sohn eine Bildung angedeihen zu lassen. Walter bittet den Grafen, auch Gisela, die während der Schlacht zur Waise geworden war, mit auf das Gut zu nehmen. Die fürsorglichen Gedanken, die der Oberst pflegt, sind vor allem dessen Sohn, ein Luftikus und Möchtegern, und seiner Ehefrau, die wiederum den Sohn über alles schätzt und beschützen möchte, ein Dorn im Auge. So werden Ehefrau und Sohn zwangsläufig Widersacher in einem perfiden Spiel. Walter und auch Gisela bekommen Schulbildung auf dem Anwesen und werden später vom Grafen angestellt. Während Gisela als Magd in Diensten genommen wird, wird Walter, der der Sohn des alten Försters ist, gleichermaßen als Förster in Diensten genommen. Doch die außerordentliche Intelligenz Walters missfällt dem Sohne des Grafen überaus, lässt ihn schier vor Neid platzen.

Dem Autorenpaar ist mit diesem Roman wieder ein großes Abenteuer gelungen, in welchem sie das Auf und Ab der Gefühle der Leser bedienen. Der Leser wird hineingezogen in eine Geschichte, die es ihm unmöglich macht, nicht für die eine oder andere Figur im Roman Partei zu ergreifen. Atmosphärisch hat mich dieser Roman sehr stark an einige Werke von Karl May erinnert. Besonders an die Werke Mays, die in Deutschland spielen. Sie handeln im gleichen Jahrhundert wie der vorliegende Roman, und Förster, Grafen, Bedienstete sind dort ebenso bekannt wie die in diesem Buch. Iny Lorenz haben sich wieder mal in eine andere Zeit begeben und verstehen es fantastisch, die Liebe zweier Menschen während eines chaotischen und zerstörenden Umfelds erwachsen zu lassen.

Abenteuer und Lust auf Abenteuer zeichnen für einen sehr unterhaltsamen Roman. Dafür kann es nur eine volle Punktzahl geben.

Lorentz; Iny
Das goldene Ufer
Taschenbuch
Knaur, München
ISBN-10: 342651169X
ISBN-13: 978-3426511695

© Detlef Knut, Düsseldorf 2013
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Tom Rob Smith: Ohne jeden Zweifel

Tom Rob Smith: Ohne jeden Zweifel

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Ein Thriller der besonderen Art!

Der Icherzähler dieses spannenden Romans beginnt mit gemütvoller Schilderung seinen Lebensbericht über seine Eltern und sich und das, was er mit diesen erlebt hat.

Die Eltern zogen eines Tages aus London nach Südschweden, woher seine Mutter stammte. Sie hatten ihre Gärtnerei in London verkauft und im Süden Schwedens einen etwas herunter gekommenen Hof erworben. Dort wollten sie bescheiden und glücklich ihren Lebensabend verbringen. Was wie eine romantische Idee aussah, entpuppte sich jedoch für Daniel, ihren Sohn, als wahre Schauergeschichte. Denn ohne Vorwarnung bekam er nach etwa einem viertel Jahr einen Anruf vom Vater, dass die Mutter an einer Psychose litte und in einer Klinik sei.

Nun nimmt eine Geschichte ihren Lauf, die mit Spannung zu immer neuen Höhen aufdreht.

Tilde, Daniels Mutter, flieht vor der schwedischen Psychiatrie nach London zu ihrem Sohn in der Hoffnung, dass er ihren vermeintlichen Wahnideen Glauben schenkt. Doch auch Daniel weiß sich nicht anders zu helfen, als seine Mutter nach wirren und fast unglaublichen Geschichten, die sie ihm breit und chronologisch  erzählt hat, in die Londoner Psychiatrie einweisen zu lassen.

Er macht sich am Ende selber auf die Suche nach der Wahrheit, immer auf der Flucht vor Fehlinformationen. In Schweden, wohin er reist, stößt er auf Geschichten, die ihn fast an sich selber und seinen Wahrnehmungen zweifeln lassen. Doch unverdrossen geht er seiner Spurensuche nach und stößt auf erstaunliche Belege für Dinge, die zunächst auch ihn an einen Wahn hatten denken lassen.

Fazit: mit Raffinesse und Geschick führt uns der Autor auf Spuren, die uns in die Irre führen und dringend der Aufklärung bedürfen. Es geht um Kindesmißbrauch und Inzest, um Adoption und immer wieder um Verwirrspiele, mit denen die Wahrheit um die diversen Mißbräuche verschleiert wird. Das düstere Schweden im Winter mit kargen Lebensbedingungen in Schnee und Eis, mit weiten Feldern, die wenig besiedelt sind, und tiefen Seen geben der Geschichte eine besondere Dynamik.

Dieser Psychothriller kommt ohne Mord und Totschlag aus. Dafür benutzt er die menschliche Psyche, die von Paranoia und Einbildung gesteuert alle Beteiligten ins Chaos zu stürzen scheint. Verwickelnd, spannend und bis zuletzt faszinierend kann Tom Rob Smith auf der Klaviatur zwischen Wahn und Wirklichkeit balancieren.

Sehr lesenswert!

Tom Rob Smith
Ohne jeden Zweifel
384 Seiten, gebunden
Manhattan, Oktober 2013
ISBN-10: 3442546788
ISBN-13: 978-3442546787
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Christa S. Lotz: Die Köchin und der Kardinal

Christa S. Lotz: Die Köchin und der Kardinal

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Die 18-jährige Elisabeth und ihre zwei Jahre jüngere Schwester Agnes müssen mit ansehen, wie ihr Elternhaus verwüstet wird, als die Kaiserlichen Truppen die Stadt Calw im Schwarzwald überfallen. Die Eltern und der Bruder werden verschleppt, während die Schwestern von Jakob Gruber, einem Soldaten, beschützt werden. Für Elisabeth und Jakob ist es Liebe auf den ersten Blick, auch wenn ungewiss ist, ob sich die beiden jemals wiedersehen werden.
Auf ihrer weitern Flucht verschlägt es Elisabeth und Agnes nach Baden-Baden. Im „Roten Ochsen“ finden die beiden eine Anstellung in der Küche. Und weil Kardinal Thomas Weltlin Elisabeths Forellen in Kräuterrahm ausgezeichnet schmecken, stellt er sie als seine persönliche Köchin ein und nimmt auch Agnes mit in seine Obhut. Bald verzichtet er gegenüber Elisabeth auf Förmlichkeiten. Auch wenn es nicht sein darf, verliebt er sich in die junge Frau. Aber mehr als Sympathie bringt Elisabeth dem Kardinal nicht entgegen.
Doch auch bis nach Baden-Baden dringen die Soldaten Jan von Werths vor. Es gibt viele Tote. Unter den Verletzten ist auch Jakob. Diesmal ist es an Elisabeth, ihn zu retten.

Die Geschichte beginnt in Süddeutschland im Jahre 1634. Es ist ein fiktiver historischer Roman, dessen Rahmenhandlung aber geschichtlich verbürgt ist.
Die Autorin verliert sich gerne in Details. Das lässt die Geschichte sehr authentisch wirken.
Auch der Schreibstil gefällt sehr gut. Das Buch lässt sich wunderbar lesen. Es ist spannend und überrascht durch die immer wieder stattfindenden Begegnungen zwischen Elisabeth und Jakob.
Viel Leben bringt Elisabeths Schwester Agnes in die Geschichte. Das Mädchen entzieht sich der Kontrolle ihre Schwester, sie intrigiert und verhält sich unangemessen.
Diese vier Punkte zusammengenommen sorgen für eine sehr unterhaltsame Lektüre.

Rezension von Heike Rau

Christa S. Lotz
Die Köchin und der Kardinal
446 Seiten, gebunden
Aufbau Taschenbuch
ISBN-10: 374662942X
ISBN-13: 978-3746629421
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Jordi Punti: Die irren Fahrten des Gabriel Delacruz

Jordi Punti: Die irren Fahrten des Gabriel Delacruz

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Abenteuer, Leben, Irrtum

In einer kuriosen Geschichte lernen sich vier Halbbrüder kennen, die alle in wechselnder Schreibweise den Namen „Christoph“ tragen.

Wie konnte es dazu kommen?

Ihr gemeinsamer Vater Gabriel hat in Paris, London, Frankfurt und Barcelona mit dort ansässigen Frauen Familien gegründet, aus denen je ein Sohn hervorging.

Natürlich sind die vier Söhne neugierig auf den Mann, der vier Söhne mit Namen Christof, Christoph, Cristofol und Christophe als seine Nachfahren hinterließ. Wer war dieser Gabriel?

Die Zusammenkunft der vier Christofs gestaltet sich einmalig. Hat doch jeder von ihnen ähnliche Erinnerungen aus den Erzählungen des selten anwesenden Vaters.

Man folgt neugierig den Ortswechseln, in denen sich Gabriels Leben abgespielt hat.

Als Waisenkind 1941 in Barcelona geboren ist er in einem Kloster aufgewachsen. Mit 17 Jahren trat er in ein Umzugsunternehmen ein, für das er Lastwagen fuhr. Das erklärt seine Abwesenheit bei seinen diversen Frauen! Immer mit ihm ist sein treuer Freund Bundó. Sie haben sich im Waisenhaus kennen gelernt und fühlen sich wie Brüder. Als dritten Kumpan haben sie noch Petroli mit an Bord ihres Lastwagens, so dass sich jeder turnusmäßig zwischendrin ausruhen kann.

In den Nachforschungen über sein Leben, das die vier Söhne nach seinem endgültigen Verschwinden anstellen, hört man von dem abenteuerlichen Leben eines Mannes, der nach den langen Kindheitsjahren im Kloster nie mehr an anderen Orten ansässig werden konnte. Er lebte in Hotels oder besonders in einer Pension in Barcelona und fuhr mit seinem Freund durch die Lande.

Die Geschichte wird in skurrilem Ton erzählt und umfasst die ganze Palette eines Heimatlosen. Zahlreiche Ereignisse und Interventionen auf den Lebensstationen schildern ein Dasein, in dem es keine Ruhe, gelegentlich liebevolle Zuneigung und nicht zu letzt eine unendliche Folge von Abenteuern in von ihm besuchten Quartieren in Spanien, Frankreich, England und Deutschland gibt. Nie kommt die Liebe zu kurz, die sich jedoch zwischen Eigenbrötlern zuträgt. Die Flucht aus zu engen Bindungen bestimmt das Leben der Protagonisten.

Der Roman besteht aus einer Mischung von Schelmenroman, Gangsterkunststück und Lebenskunst. Mit diesen Eigenschaften ist die Geschichte des Autors Jordi Punti in Spanien und aller Welt schon lange zu Ruhm gekommen.

Ein wenig Zeit und Ausdauer sollte man mitbringen, wenn man sich an diesen Roman heranwagt. Doch dann wird man durch die ausgezeichnete Fabulierkunst des Autors und die wilden Abenteuer der drei Lastwagenfahrer voll auf seinen Lesegenuss kommen.

Jordi Punti
Die irren Fahrten des Gabriel Delacruz
608 Seiten, gebunden
Kiepenheuer & Witsch, April 2013
ISBN-10: 3462045237
ISBN-13: 978-3462045239
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David Daniel: Herzrasen

David Daniel: Herzrasen

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Der Düsseldorfer Privatdetektiv Alexander Herz hat eine persönliche Rechnung mit einem Kunsthändler zu begleichen. Herz, der selbst Galerist war, versucht auf eigene Faust seinen ehemaligen Widersacher, der den Kunden gefälschte Gemälde verkauft, zu überführen. Während er in dieser Angelegenheit unterwegs ist und ihm sowieso immer das Geld fehlt, kommt ein neuer Auftrag gerade rechtzeitig. Ein Anleger beauftragt ihn, ein Gemälde nach Irland zu einer Auktion zu schaffen. Nichts leichter als das, denkt sich Alexander Herz. Doch er hat nicht die Rechnung mit einigen Ganoven gemacht. Während Herz die Arbeit an diesem lukrativen Auftrag aufnimmt, ist die zweite Hauptfigur in dem Roman, Kriminalkommissar Markus Lohmeyer, damit beschäftigt, den Tod eines Wachmanns aufzuklären. Der Wachmann ist auf fragwürdige Weise vom Dach des Düsseldorfer Rüstungskonzerns „Braun und Braun“ gestürzt. Ist es ein Unfall, ein Selbstmord oder gar ein Mord? Lohmeyer und Herz kennen sich aus einem vorangegangenen Fall. Doch keiner von beiden ahnt, dass sie auch jetzt wieder durch einen Fall zusammengeführt werden. Beide Fälle sind scheinbar losgelöst voneinander. Wenn da nicht eine einzige Gemeinsamkeit wäre: das ist der Graf zu Bickenbach. Er ist bei der Sicherheitsfirma des Rüstungskonzerns beschäftigt und er ist der Auftraggeber für Alexander Herz mit dem Gemälde.

David Daniel hat geschickt verschiedene Handlungsstränge ineinander verwoben. Der Privatdetektiv Alexander Herz ist, wie bei Privatdetektiven üblich, ein ziemlicher Einzelgänger, der auf eigene Faust arbeitet und immer knapp bei Kasse ist. Natürlich ist er über jeden Auftrag dankbar. Seine privaten Verwicklungen mit dem dubiosen Kunsthändler nehmen neben seinen Aufträgen einen gewissen Platz in seinem Leben ein. Dann wiederum die Ermittlungen seitens Kriminalkommissar Lohmeyer. Der hat einen Assistenten an der Seite, Dieter Menz, den er sehr gerne als Gedankenspiel auch mit dem Spitznamen „Demenz“ betitelt. In Lohmeyers Augen ist Dieter Menz ein wenig übereifrig. Das gefällt ihm zunächst nicht so gut. Doch, wie das in solch einem Ermittlerteam der Fall ist, Lohmeyer gibt seinem Assistenten nicht klar zu erkennen, wie sehr er dessen Arbeit schätzt. Menz ist zweifelsohne der jüngere von beiden und viel besser mit den technischen Neuheiten in Sachen Handy und Computertechnik vertraut. So ist der Assistent eine willkommene Ergänzung zu Lohmeyers Bauchgefühl.

David Daniel hat durch die beiden Parallelstränge eine Verknüpfung zwischen kriminalistischer Polizeiarbeit und Detektivroman geschaffen, die dem Leser sehr viel Spaß macht. Dabei ist die Handlung des Romans im Hier und Heute angesiedelt, in Düsseldorf im Jahr 2012 und aktuelle Ereignisse werden nutzbringend in das Geschehen eingeflochten. Facettenreich gestaltet sich die Ermittlungsarbeit. Fluchtsituationen, Jagdszenen, Schüsse und Blut inbegriffen, Verfolgungsjagden. Hinzu kommen Verwicklungen mit Regierungsbehörden, die den Ermittlern zusätzlich einen gewissen Druck auferlegen. Spannend und einfallsreich. Von vorn bis hinten schnell zu lesen und viel Unterhaltung. Alexander Herz ist einfach der bessere 007, jedenfalls hat er mich an den erinnert.

David Daniel
Herzrasen
232 Seiten, broschiert
KBV, Hillesheim
ISBN-10: 3942446650
ISBN-13: 978-3942446655

© Detlef Knut, Düsseldorf 2013

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Carola Clasen: Nirgendwo in der Eifel

Carola Clasen: Nirgendwo in der Eifel

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Mit dem Roman „Nirgendwo in der Eifel“ verlässt die „Queen of Eifel-Crime“, Carola Clasen, ihr angestammtes Krimigenre. Der vorliegende Roman ist kein Kriminalroman, dennoch ist er deshalb nicht weniger schräg. Die Autorin schafft in diesem Roman eine fiktive Welt, die durchaus sehr bodenständig in der Gegend um Hellenthal in der Eifel angesiedelt ist.

Magnus Faber hat den Buchladen seines Vaters in Brühl geerbt und versucht, ihn fortzuführen. Er versucht es in der strengen Tradition, keinen einzigen Krimi in dieser Buchhandlung anzubieten. Doch in der heutigen Zeit geht es dem Buchhandel wirtschaftlich nicht besonders gut. Das bekommt auch Magnus Faber zu spüren, weshalb er sich finanzielle Lasten aufgebürdet hat. Plötzlich steht sein Gläubiger im Laden und fordert das Geld zurück, weil die vereinbarten drei Jahre vorbei seien. Zudem hatte Magnus gerade von einer schweren Krankheit erfahren. Das wird ihm alles zu viel. In seinem Buchladen schaut er auf ein altes Gemälde von der Staumauer der Oleftalsperre bei Hellenthal. Kurz entschlossen begibt er sich auf den Weg dorthin, um allem ein Ende zu setzen. Einen schöneren Ort kann er sich für das, was er vorhat, nicht vorstellen. Seine Angestellte Eva Zimmermann hat er schweren Herzen bereits am Tag zuvor gekündigt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, dass ihm der Bruder seiner Angestellten zusammen mit seinem Gläubiger dicht auf den Fersen ist. Der eine, weil er sein Geld zurückfordern will. Der andere, weil er die Situation ohne Job für seine Schwester aus der Welt schaffen will.

Angekommen an der „Staumauer der Olef bei Mitteldorf“, so der Name des Bildes, kann er den kleinen Ort mit diesem außergewöhnlichen Namen, der ihn unvermittelt an „Der Herr der Ringe“ erinnert, zunächst nicht ausmachen. Bis er dann schließlich in einem Tal auf das kleine, beschauliche Örtchen Mitteldorf trifft.

Mit Spaß und Spannung verfolgt der Leser die Jagd nach Magnus Faber, der selbst kein Freund von Kriminalromanen ist. Er hasste die Vorstellung, dass zur Unterhaltung der Leser das Böse sein Unwesen auf die Spitze treiben kann. Ein Grund dafür, warum das vorliegende Buch kein Krimi sein kann. Trotzdem gibt es in „Nirgendwo in der Eifel“ dennoch, wie oben beschrieben, zwei Jäger und einen Gejagten. Claudia Clasen baut in diesem Nicht-Krimi meisterlich die Spannungsstränge auf. Während man einerseits erfahren möchte, ob die beiden Verfolger ihre Ziele erreichen werden, steht immer wieder die Frage nach dem Selbstmord des Magnus Faber im Raum. Ohne Humor geht es dabei nicht zu, so, wie man es von der Autorin gewöhnt ist. Da verwundert es auch nicht, dass oben auf der Staumauer bereits jemand auf die Selbstmörder wartet, um ihnen alles Hab und Gut abzunehmen. Schließlich bräuchten sie es ja eh nicht mehr, wenn sie sich hinunterstürzen würden. Außerdem hat sie mit Mitteldorf eine Welt geschaffen, die wohl mehr als tausend Engel ersetzen kann. Nur das Geräusch des Busses, der auf der Staumauer entlang immer in den Ort hinein- und wieder herausfährt, erinnert mehr an einen röhrenden Hirsch denn an einen Bus.

Einfach köstlich!

Clasen, Carola
Nirgendwo in der Eifel
KBV-Verlag, Hillesheim
ISBN-10: 394244674X
ISBN-13: 978-3942446747

© Detlef Knut, Düsseldorf 2012
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Austin Wright: Tony & Susan

Austin Wright: Tony & Susan

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Was für ein Konstrukt! Im wahrsten Sinne des Wortes ein Buch im Buch. In dieser Schärfe ist es selten anzutreffen. Doch was heißt das nun? Buch-in-Buch? Es gibt zwei Handlungsstränge, die nicht einfach als Parallelhandlungen ausgeführt sind. Eher lässt es sich so beschreiben: Man liest, wie die Protagonistin Susan ein Buch liest. Es gibt also ein inneres Buch und ein äußeres Buch. Doch zunächst etwas mehr Klarheit und zum Inhalt des inneren Buches.

Tony Hastings ist mit seiner Frau und Tochter auf dem Weg in den Urlaub. Sie befinden sich nachts mit dem Auto auf einem Highway Richtung Maine, irgendwo Richtung Bangor mitten im Wald. Wer die Bücher von Stephen King kennt, der weiß, dass hier irgendetwas geschehen muss. Allein diese Szenerie treibt dem Leser bereits die Gänsehaut bis in den Nacken. Sie nähern sich zwei anderen Autos vor ihnen, die sich scheinbar ein Wettrennen liefern. Eines der beiden Fahrzeuge lässt das andere nicht vorbeiziehen. Tony muss abbremsen und wird ungeduldig. Er hupt kurz und das linke Fahrzeug schießt nach vorne. Tony zieht linksrüber an dem einen Fahrzeug vorbei, welches dann zurück fällt, während das andere weit voraus ist. Doch dann kommt Tony auch wieder an dieses Fahrzeug heran. Als er zum Überholen ansetzt, schert es plötzlich nach links aus und Tony muss auf die Bremse. Nun beginnt ein Spielchen, bei dem es Tony und seiner Familie flau im Magen wird. Eine Jagd beginnt. Dann passiert, was nicht hätte passieren dürfen. Der Wagen von Tony Hastings kommt ins Schlingern, das Lenkrad flattert, vorne links ist ein Platten. Tony muss anhalten. Auch der andere Wagen mit drei Männern darinnen hält an. Die Höflichkeit der Kerle ist nicht echt. Die Hastings spüren das. Kurz und (nicht) gut: Tony wird im Verlauf der Handlung von Frau und Tochter getrennt. In Angst um seine Familie spielt ihm sein Gehirn eine schreckliche Vorahnung zu.

An dieser Stelle wandelt sich der „road-movie“ zu einem Psychothriller, den man getrost lesen kann, ohne die äußere Geschichte zu lesen.

Doch nun zur äußeren Geschichte. Die Handlung ist wirklich schmal. Susan Morrow hat ein Manuskript ihres Ex-Mannes erhalten. Er bittet sie in dem Begleitbrief, das Manuskript zu lesen. Nicht mehr und nicht weniger. In drei Sitzungen liest sie das Buch, zwischendurch wuseln die Kinder durch das Haus, kommen von der Schule, gehen zu Freunden, werden ins Bett gebracht. Die Lesesitzungen sind durch Intermezzi getrennt, in denen das Leben von Susan mit ihrem Ex-Mann, den sie seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte, und das Leben mit ihrem jetzigen Ehemann und dessen Geliebter beschrieben wird. Der Leser erfährt, warum sie sich nach nur zwei Jahren von ihrem Ex getrennt hatte, die Bücher und Geschichten, die er damals schrieb, waren grottenschlecht.

Was macht das Besondere dieses Thrillers aus? Er fesselt durch die beiden miteinander verbundenen Bücher. Obwohl man das innere Buch losgelöst von dem äußeren lesen kann, wird gleich zu Beginn klar, und der Titel des Buches „Tony & Susan“ sagt es schon, dass ein Zusammenhang zwischen beiden Büchern, beiden Handlungssträngen, beiden Protagonisten bestehen muss. Susan, die Protagonistin des äußeren Buches, die von den Schreibkünsten ihres Ex-Mannes beeindruckt ist, und Tony, der Protagonist des inneren Buches, der einen Albtraum durchleben muss.

Ein Thriller der aufgrund seiner Konstruktion bereits eine Extraklasse darstellt und sehr zu empfehlen ist.

Austin Wright
Tony & Susan
Übersetzt von Sabine Roth
Luchterhand, München
ISBN-10:3630873669
ISBN-13:978-3630873664

© Detlef Knut, Düsseldorf 2012

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C. S. Forester: African Queen

C. S. Forester: African Queen

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Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und das Vordringen der plündernden Truppen bis zur Mission im ostafrikanischen Urwald, muss auch diese aufgegeben werden. Nach dem Tod ihres Bruders Reverend Samuel Swayer steht Rose nun allein da. Mit Charlie Allnutt und seinem Dampfboot, der „African Queen“ bietet sich allerdings eine Möglichkeit wegzukommen.

Nie hat Charlie daran gedacht, sich in den Krieg einzumischen. Doch Rose, die nun weiß, dass sich im Boot hochexplosiver Sprengstoff befindet, schmiedet sofort Pläne. In ihrer Unkenntnis der Möglichkeiten und Gefahren, überzeugt sie Charlie, den Fluss hinunter zum Wittelbacher See zu fahren, um ihn von der Vorherrschaft der Deutschen zu befreien. Und das bedeutet nichts anderes, als die „Königin Luise“ zu torpedieren.

Der Plan ist nicht durchführbar, da ist Charlie sich sicher. Es ist unmöglich den Ulanga-Fluss hinunter durch die Stromschnellen zu kommen, auch wenn es nicht völlig unrealistisch ist, die „African Queen“ zu einem Torpedo umzufunktionieren.
Aber Rose, der es in der Vergangenheit völlig fremd war, einem Mann derart ihren Willen aufzuzwingen, tut genau dies bei Charlie. Und der, froh über die Gesellschaft einer Frau, lässt es zu.

1935 erschien die Originalausgabe, die deutsche Erstausgabe folgte 1985. Verfilmt wurde die Geschichte 1951 mit Humphrey Bogart und Katharine Hepburn.

Es ist ein spannendes Buch. Man wird sofort von dem Abenteuer gefangen genommen, das die Missionarin und der Mechaniker hier auf einem heruntergekommenen Dampfboot erleben. Es sind zwei völlig gegensätzliche Charaktere, die hier zusammenkommen und vom Autor etwas überspitzt dargestellt werden. Rose und Charlie könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Autor zeigt diese Gegensätzlichkeit sehr wortreich und durchaus auch mit einem gewissem Humor. Man kann sich als Leser nicht vorstellen, dass beide es zusammen aushalten und auch nicht, dass ihr waghalsiger Plan gelingen können.

Aber die beiden kommen nach und nach zusammen. Auch weil Rose, im wahrsten Sinne des Wortes, das Ruder an sich reißt und Charlie das geschehen lässt. Es muss beiden klar sein, dass ihr Plan nicht aufgehen kann. Die Frage ist nur, was zum Scheitern führen wird. Und da kommt vieles in Betracht.

Es ist der Blick des Autors auf seine Charaktere, der fasziniert. Ganz genau werden die Rose und Charlie beobachtet und man hat als Leser entsprechenden Anteil daran. Der Autor lässt Dialoge zu Wortgefechten werden und spart nicht mit ironischen Untertönen in seinen Einschätzungen der Lage.

Rezension von Heike Rau

C. S. Forester
African Queen
Aus dem Englischen von Doris Kornau
200 Seiten, broschiert
Unionsverlag
ISBN-10: 3293205704
ISBN-13: 978-3293205703
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