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Schlagwort: Mord

Frank Goldammer: Tausend Teufel

Frank Goldammer: Tausend Teufel

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In seinem zweiten Fall ist Max Heller Oberkommissar in der neu gegründeten Volkspolizei. Dresden gehört 1947 zur sowjetischen Besatzungszone. Es ist ein eiskalter Winter. Die Menschen leiden und haben kaum das Nötigste zum Überleben. Es mangelt einfach an allem. Angst und Verzweiflung sind ständige Wegbegleiter.

Heller wird in die Dresdner Neustadt beordert. Doch der tote Rotarmist, den er sich anschauen sollte, wird schnell vom Militär mitgenommen. Heller versucht, sich trotzdem ein Bild zu machen und Spuren zu sichern . In einem herrenlosen Rucksack findet er schließlich einen abgetrennten Kopf. Er beginnt mit den Ermittlungsarbeiten. Sein Assistent Werner Oldenbusch steht ihm zur Seite.

Der Oberkommissar weiß bald nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Seine Ermittlungsarbeiten werden behindert. Er wird beeinflusst, manipuliert und belogen. Die politischen Umstände spielen dabei eine große Rolle. Doch Max Heller ist keiner, der sich verbiegen lässt.

Das Buch ist nicht nur als Krimi interessant. Der Autor sorgt auch für eine außergewöhnliche Stimmung. Der bitterkalte Winter und die Probleme der Menschen werden oft in den Vordergrund gestellt.

Der Fall selbst ist spektakulär! Was da abläuft, ist kaum nachvollziehbar. Ein Mord reiht sich an den nächsten, auch Anschläge sind zu verzeichnen. Aber der Autor wird nicht zu drastisch in seinen Beschreibungen der Taten, was ich sehr gut finde. Der Krimi ist auch so insgesamt dramatisch genug und atmosphärisch sehr dicht gewebt.

Max Heller hat nichts als Vermutungen. Doch hier habe ich mich getäuscht. Der Oberkommissar lässt sich nicht immer in die Karten schauen. Er ist ein guter Beobachter und äußerst aufmerksam bei Befragungen. Ich war am Ende echt überrascht von dem, was hinter den Morden steckt. Das war so tatsächlich nicht vorherzusehen. Der Krimi ist sehr fesselnd und gefällt mir besser als das erste Buch um Max Heller, das der „Der Angstmann“ heißt.

Rezension von Heike Rau

Frank Goldammer
Tausend Teufel
Kriminalroman
368 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261706
ISBN-13: 978-3423261708
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Paul Grote: Am falschen Ufer der Rhône

Paul Grote: Am falschen Ufer der Rhône

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Simone Latroye wird von ihrem Patenonkel Martin Bongers, einem Winzer in Bordeaux, ein Praktikum auf einem anderen Weingut fast schon aufgezwungen. Sie soll mehr lernen und andere Meinungen hören.

Châteauneuf-du-Pape scheint ihm geeignet. Allerdings erfährt er bei einem ersten Anruf, dass Didier Lamarc seit zwei Jahren verschwunden ist. Die Polizei hat nicht herausfinden können, was ihm passiert ist. Ein anderer Winzer kam bei einem Autounfall mit Fahrerflucht ums Leben. Genau wie Didier Lamarc hatte auch Joseph de Bergerac einen renommierten Preis mit seinen Weinen gewonnen.

Simone tritt nun am linken Ufer der Rhône ihr Praktikum an. Sie lernt den Jungwinzer Thomas Achenbach kennen, der sich wegen privater Probleme am rechten Ufer auf ein Weingut zurückgezogen hat. Er braucht die Veränderung, um nachdenken zu können. Doch dazu bleibt keine Zeit. Als er einen Diebstahl auf dem Weingut verhindert, wirft das ganz andere Fragen auf. Die Polizei scheint den Fall verschleppen zu wollen, was sehr merkwürdig erscheint. Er beginnt zusammen mit Simone und ihrem Patenonkel Nachforschungen anzustellen, was sich als sehr gefährlich herausstellt.

Ich habe selten so ein langatmiges Buch gelesen. Es soll ja ein Krimi sein! Aber fast 200 Seiten passiert eigentlich nichts. Man liest von Regionen, Weingütern und Weinen und den Familien, die diese herstellen. Das mag interessant sein, aber nicht in dieser Ausführlichkeit.

Dann läuft die Krimihandlung ganz langsam an, immer wieder unterbrochen von weiteren Weinproben. Erst zum Ende hin passiert endlich etwas und es wird halbwegs spannend.

Mit den Figuren konnte ich mich auch nicht so recht anfreunden. Simone Latroye ist mir fremd geblieben, obwohl sie die Hauptperson ist. Bei Martin Bongers geht es mir genauso. Sehr begeistert hat mich dagegen Thomas Achenbach, der für einige Überraschungen sorgt. Im Grunde ist er es, der das Buch rettet. Für ihn habe ich mich von Anfang an interessiert und deshalb bis zum Ende durchgehalten.

Rezension von Heike Rau

Paul Grote
Am falschen Ufer der Rhône
432 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423216913
ISBN-13: 978-3423216913
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Jérémy Fel: Die Wölfe kommen

Jérémy Fel: Die Wölfe kommen

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Die Eltern kommen bei einem Hausbrand um, den der Sohn aus Hassgefühlen heraus, verursacht hat. So fängt es an. Gewalttätige Personen kommen in jedem Kapitel des Buches vor. Ihre Taten sind unbeschreiblich brutal. Ausersehene Opfer müssen mit allem rechnen. Die einzelnen Kapitel scheinen nicht zusammenzuhängen, sodass ich mich frage, wohin dieses Durcheinander an Mord, Folter und Vergewaltigung führen soll. Jede dieser kurzen Geschichten im Buch nimmt an Dramatik zu. Der Autor führt direkt in ein Labyrinth. Es gibt keinen roten Faden, der den Weg weisen könnte. Der eine oder andere Leser könnte sich schnell verloren fühlen.

Der Autor hat sich natürlich etwas dabei gedacht. Zu viel möchte ich im Rahmen dieser Rezension allerdings nicht verraten. Es geht um einen brutalen Verbrecher der seine Kreise dreht und dem die Polizei scheinbar nicht auf die Spur kommt. Nun ja, eigentlich spielt die Polizei überhaupt keine Rolle. Sie wird auf merkwürdige Weise ausgeklammert. Sonst würde das Buch nicht funktionieren. Der Täter kommt also über Jahre damit durch für Angst und Schrecken zu sorgen.

Der Thriller ist unglaublich spannend, aber diese Spannung wird vor allem durch die verschiedenen Formen der Gewalt hergestellt. Das ist nicht unbedingt meins. Und das wirklich gut angelegte Buch hätte das in dieser krassen Form auch wirklich nicht gebraucht. Es ist ein ungewöhnlicher Thriller. Ein derartig komplexer und durchdacht in Szene gesetzter Aufbau kommt sehr selten vor. Mir fällt kein vergleichbares Buch ein. Kurze Episoden werden zu einem großen Ganzen. Die extrem beklemmende Atmosphäre strapaziert die Nerven ungemein. Der Schreibstil ist gut. Wobei das aber auch wieder den Nachteil hat, dass Bilder herauf beschworen werden, die ich nicht sehen will. Schnell überblättern! Zum Ende hin tritt dann der abgründige Aha-Effekt ein. Unglaublich!

Rezension von Heike Rau

Jérémy Fel
Die Wölfe kommen
Thriller
Aus dem Französischen von Anja Nattefort
400 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261439
ISBN-13: 978-3423261432
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Benjamin Cors: Gezeitenspiel – Ein Normandie-Krimi

Benjamin Cors: Gezeitenspiel – Ein Normandie-Krimi

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Nicolas Guerlain hat nie wahrhaben wollen, dass seine Julie einfach so verschwunden ist. Er hat immer nach ihr gesucht, immer versucht herauszufinden, was passiert sein können. Julie einfach aufzugeben, war für ihn keine Option. In diesem Buch betritt sie nun tatsächlich wieder die Bühne. Es besteht ein Zusammenhang mit geplanten Anschlägen auf die Atlantikküste der Normandie. Julie war all die Jahre ganz nah an der Zielperson dran, dem Abgeordneten Pierre Melville.

Nicolas Guerlain ist Personenschützer. Nach einem spektakulären Einsatz arbeitet er nun wieder für die französische Regierung. Aber er hat sich auch mit dem drohenden Anschlag zu beschäftigen. Was Genaues ist nicht zu sagen, nur dass dieser am 6. Juni, dem Tag der Alliierten-Landung, stattfinden soll. Julie ist, als Geliebte von Pierre Melville, eingeweiht. Nur fragt sich Nicolas Guerlain, ob Pierre Melville sie nicht durchschaut hat.

Das Buch ist extrem spannend geschrieben. Viele Extremsituationen spielen sich in Zeitlupe ab. Der Autor schildert praktisch jede Zehntelsekunde. Die Zeit wird zum Zerreißen gespannt. Andererseits läuft die Zeit davon. Denn selbst wenn Pierre Melville festgesetzt werden würde, heißt das noch lange nicht, dass er das Spiel verloren hat. Das ist sehr faszinierend!
Besonders interessant ist Julies Rolle, deren Verschwinden in den vorgehenden Büchern Nicolas Guerlain sehr beschäftigt hat. Er gerät durch sie praktisch wieder in einen Ausnahmezustand, obwohl das überwunden zu sein schien. Dabei ist es so wichtig, dass er die Nerven behält. Von ihm hängt viel ab. Das wird immer wieder deutlich gemacht. Zum Ende hin wird die Situation immer brenzliger! Schachzug um Schachzug bis zum Tag des geplanten Anschlags.
Wieder hat das Buch kein Ende, auch wenn der Fall natürlich abgeschlossen ist. Man darf also weiter gespannt sein.

Rezension von Heike Rau

Benjamin Cors
Gezeitenspiel – Ein Normandie-Krimi
Ein neuer Fall für Nicolas Guerlain
448 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261412
ISBN-13: 978-3423261418
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Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben

Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben

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Pierre Lemaitre ist ein fein beobachtender Autor, der mit seinen Themen tief in das Leben seiner Protagonisten eindringt.

In dem kleinen Ort Beauval in Frankreich verschwindet kurz vor Weihnachten 1999 der sechsjähriger Rémi spurlos.

Niemand kann sich erklären, wo er geblieben ist.

Einer der Dorfbewohner ist 12 Jahre alt und heißt Antoine. Er hat sich im Wald ein Baumhaus gebaut. Dorthin begleitet ihn häufig der Hund vom Nachbarn Desmedt. Er ist der Vater von Rémi. Die anderen Kinder spielen mit dem Playmobil von Kevin. Antoines Mutter aber möchte, dass ihr Sohn weiter in der Natur und im Wald spielt. So fühlt er sich oft einsam. Sein Vater ist schon lange auf und davon, und die Mutter schlägt sich tapfer mit ihm durch.

Leider passiert ein Unglück, und Antoine zerstört sein Baumhaus in einem Anfall von Wut. Nachvollziehbar schildert uns P.Lemaitre, wie Antoine tags zuvor zusehen musste, als Desmedt seinen von einem Auto verletzten Hund erschießt. Das Ende des Hundes mit dem pikanten Namen Odysseus ist ein Schock für Antoine, denn er war sein stiller Begleiter und Tröster in der Not. Was aber weiß er vom Verschwinden Rémis? Er war derjenige, der ihn zuletzt gesehen hat.

Minutiös schildert uns PL, wie Antoine in ein Netz von Verstrickungen gerät. Er verhält sich auffällig, unruhig und verdächtig. Niemand käme auf die Idee, dass er etwas mit dem Verschwinden von Rémi zu tun haben könnte. PL zeigt uns seine tief verletzte Seele, die vom Tod des Hundes in eine Art Schockstarre gefallen ist. Der Junge wird von Einsamkeit und Schmerz überwältigt.

Das Dorf mit seinen aufgeschreckten Menschen, den untersuchenden Beamten und der Unruhe, die das Verschwinden des kleinen Rémi gebracht hat, ist höchst genau beobachtet. Es sind drei Tage, in denen die Suche nach Rémi das Geschehen bestimmt.

Ein apokalyptisches Unwetter verwischt schließlich alle Spuren, und die Suche wird aufgegeben.

Im Jahr 2015 ist Antoine Arzt. Er hat eine Freundin, und die Ängste und Schrecken der Vergangenheit scheinen überwunden. Er wird sich ein neues Leben aufbauen.

Doch Lemaitre wird die Geschichte neu ankurbeln und mit unglaublichen Ereignissen zu einem mehr oder weniger unerwarteten Ende führen.

Man kann nicht umhin, den Autor für das Maß an Genauigkeit und Recherche mit feinsten Details zu bewundern. Die Mischung aus Krimi und vorstellbarer Lebenstragödie gibt dem Roman den letzten Schliff. Darin ist Pierre Lemaitre ein Meister, wie er schon mit seinem Roman“ Wir sehen uns da oben“ bewiesen hat. Mit diffizilen und sparsamen Mitteln steigert er die Geschichte bis zu einem wirklich überraschenden Ende. Atemlos und gespannt kann man vom Lesen nicht mehr lassen. Einmal mehr beweist uns die Geschichte, dass das Leben unergründliche Wendungen nehmen kann, die Lebenspläne und Hoffnungen zunichtemachen können. Literatur kann die Schattenseiten des Lebens aufzeigen. Dieser Roman ist ein Beispiel dafür. Sehr empfehlenswert.

Pierre Lemaitre
Drei Tage und ein Leben
272 Seiten, gebunden
Klett-Cotta, September 2017
ISBN-10: 3608981063
ISBN-13: 978-3608981063
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Elly Griffiths: Engelskinder

Elly Griffiths: Engelskinder

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Ein typisch britischer Kriminalroman mit dem ganzen Flair von Ermittlern wie Lynley, Lewis oder Barnaby. Dabei wird ein historischer Kriminalfall ebenso aufgeklärt wie ein aktueller. Doch zunächst zum Geschehen.

Als die forensische Archäologen Dr. Ruth Galloway in einer Burg ein Skelett aus viktorianischer Zeit freilegt, glaubt sie, die Gebeine der berüchtigsten Mörderin Norfolks gefunden zu haben. »Mother Hook« soll zu Lebzeiten Kinder in Pflege genommen und getötet haben. Infolgedessen tritt ein Fernsehteam auf die Bühne, um die Folge einer Mystery-Doku-Serie mit der Archäologin zu drehen.
Parallel dazu knüpft sich DCI Nelson eine junge Mutter vor, der bereits das dritte Kind nur wenige Monate nach dessen Geburt gestorben war. Ein- und derselben Mutter. Nelson glaubt nicht mehr an Zufälle. Er fühlt der Mutter und auch ihrem Ex-Mann auf die Zähne. Doch abgelenkt werden er und sein Team von plötzlich verschwundenen Kindern. Sogar Kinder aus seinem engsten Bekanntenkreis.

Die Ablenkungsmanöver der Autorin sind schon etwas sehr Besonderes. Sie lenken nicht nur die Ermittler ab, sondern auch als Leser ist man beinahe geneigt, den Todesfall des sechs Monate alten Babys komplett zu vergessen, weil zunächst die verschwundenen Kinder im Mittelpunkt stehen.
Die Verflechtung der Toten und verschwundenen Kinder aus dem Hier und Jetzt mit denen aus der viktorianischen Zeit um »Mother Hook« bereitet ein ebenso interessantes Vergnügen. Aufklärung über forensische Arbeit inklusive.
Das durchaus wirre Beziehungskonzept der auftretenden Figuren hinterlässt zunächst etwas Chaos im Kopf des Lesers. Wer von wem der Ex ist und wer der Vater von welcher Figur ist, hätte ein bisschen weniger Verstrickung gut getan.

Dennoch alles in allem ein empfehlenswerter Roman, bei dem streckenweise keine Mordermittlung im Zentrum steht. Außerdem fasziniert er mit dem britischen Charme einer Val McDermid oder eines Simon Beckett. Daumen hoch!

Elly Griffiths
Engelskinder
Aus dem Englischen von Tanja Handels
Wunderlich Verlag, Hamburg
ISBN 9783805250962

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017
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Pascale Robert-Diard: Verrat – Das dunkle Geheimnis der Familie Agnelet

Pascale Robert-Diard: Verrat – Das dunkle Geheimnis der Familie Agnelet

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Agnès Le Roux stammt aus einer äußerst wohlhabenden Familie. Der verheiratete Anwalt Maurice Agnelet ist elegant und charismatisch. Er wird ihr Liebhaber und spannt sie zunächst unbemerkt für seine Ziele ein. Im Jahr 1977 verschwindet Agnès Le Roux auf mysteriöse Weise an der Côte d’Azur in Frankreich. Es wird keine Leiche gefunden, dennoch geht man bald davon aus, dass sie Opfer eines Verbrechens geworden sein muss. Agnès‘ Mutter glaubt, dass ihre Tochter ermordet wurde. Maurice Agnelet muss wissen, was passiert ist. Sie stellt Anzeige und sorgt dafür, dass er angeklagt und vor ein Gericht gestellt wird. Verurteilt wird er nicht, denn es gibt keine Leiche und keinen Tatort und damit auch keinen Beweis, dass er Agnès umgebracht hat.

Dennoch werfen bestimmte Vorkommnisse und Geldgeschäfte kein gutes Licht auf ihn. Seine Familie, seine Ex-Frau und die Söhne stehen hinter ihm. Alle schweigen, während Guillaume ihn sogar verteidigt. Dabei hat sein arroganter Vater ihm in einem unbedachten Moment den Mord gestanden. Die Jahre vergehen. Das Geständnis und die Art, wie sein Vater in seltenen Momenten von Agnès spricht, lassen ihm keine Ruhe. Und Maurice lässt ihm keine Möglichkeit zu verdrängen oder zu vergessen. Er beherrscht das Leben seines Sohnes. Irgendwann ist Guillaume an einem Punkt, nicht länger schweigen zu können.

Pascale Robert-Diard ist Gerichtsreporterin. Sie hat den Fall verfolgt und auf dieser Grundlage dieses Buch verfasst, das ein spannender und beeindruckender Roman geworden ist. Sie zeigt auf, wie ein Familienvater seine eigene und die Familie von Agnès Le Roux zerstört. Und wie Madame Le Roux immer weiter für ihre Tochter kämpft. Über Jahrzehnte. Es ist ein sehr bewegender Fall. Nicht zu übertreffen in seiner Ungeheuerlichkeit, so mein Eindruck. Dabei lässt die Autorin vor allem Fakten sprechen und schmückt wenig aus. Das Urteil fällt schließlich das Gericht!
Gezeigt wird also auch, wie das Justizsystem funktioniert. Und wie ein Mann, der vor Gericht seine Unschuld beteuert und den ansonsten nichts berührt, für einen Mord ohne direkten Beweis verurteilt werden kann. Ein Motiv und die Möglichkeit könnten ausreichen.

Rezension von Heike Rau

Pascale Robert-Diard
Verrat – Das dunkle Geheimnis der Familie Agnelet
Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
160 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag
ISBN-10: 3552058575
ISBN-13: 978-3552058576
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Kristina Ohlsson: Bruderlüge

Kristina Ohlsson: Bruderlüge

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Dieser Roman ist ein zweiter Teil zu dem vor wenigen Monaten erschienenen Teil „Schwesterherz“. Aber keine Bange! Gute Nachricht für so manchen Leser: Man muss nicht zwangsläufig den ersten Teil gelesen haben. Alle zum Verständnis notwendigen Informationen gibt es in komprimierter Form auch in diesem Thriller.

Die Struktur für die Übersichtlichkeit des Lesens entspricht der von „Schwesterherz“. Zu Beginn jedes Kapitels gibt es ein Interview des Protagonisten Martin Benner mit einer Journalistin. Hiermit wird kurz, aber präzis die Spannung für das folgende Kapitel aufgebaut. Ein Stil, den ich bereits in meiner Besprechung zum Vorgänger positiv hervorhob.

Ähnlich wie in anderen Serien (Roman und oder TV) wird der erste Teil zwar mit einer Auflösung abgeschlossen. Doch es gibt da noch einen winzigen Punkt, vielleicht ist er auch nur nebensächlich, der nicht aufgelöst wurde. Diese „winzige Nebensächlichkeit“ ist der Ausgangspunkt für „Bruderlüge“. Somit beginnt eine weitere Jagd. Den Auftrag dazu hat Martin Benner vom großen Unbekannten mit dem Spitznamen Lucifer. Zum Teufel aber auch, dass Martins Freundin Lucy heißt. Martin ist sich sicher: Den Auftrag Lucifer’s kann er nur lösen, wenn er weiß, wer Lucifer ist. Ihm rennt aber offenbar die Zeit davon, während ein Unterstützer von ihm nach dem anderen umgebracht wird und er selbst immer wieder als Tatverdächtiger in den Fokus der Polizei gerät.

Kristina Ohlsson hat auch in diesem zweiten Teil von Martin Benner auf Spannung gesetzt. Immer wieder zwingt sie den Leser zu einer gedanklichen Kehrtwende. Immer wieder scheinen die Spuren ins Nirgendwo zu führen. Das macht riesigen Spaß beim Lesen. Wer den ersten Roman nicht kennt, muss nicht unbedingt davor zurückschrecken, mit dem zweiten zu beginnen. Wer aber die Gelegenheit hat, beide Romane in der richtigen Reihenfolge nacheinander zu lesen, sollte auf dieses spannende Lesevergnügen nicht verzichten.

Kristina Ohlsson
Bruderlüge
Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
Limes Verlag, München
ISBN 9783809026679

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017
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Klaus -Peter Wolf: Totenstille im Watt

Klaus -Peter Wolf: Totenstille im Watt

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Ein ungewöhnlicher Krimi liegt hier von dem bekannten Autor Klaus-Peter Wolf vor.

Gleich zu Beginn befindet man sich im Leben von Dr. Bernhard Sommerfeldt.

So heißt der Mann zwar erst nach einer Verwandlung, denn zuvor war er ein unglücklicher Zeitgenosse. Ungeliebt von der Mutter und verachtet von seiner Frau hat er die väterliche Firma heruntergewirtschaftet, bis nur noch der Bankrott drohte.

Er entschließt sich zur Flucht aus seinem bisherigen Leben. Was könnte da wirkungsvoller sein als ein anderer Name und ein neuer Beruf?

Ganz schmissig und spritzig folgt man seiner zielstrebigen Verwandlung in eine andere Person mit erfundener Identität.

Es zieht unseren Helden gen Norden nach Ostfriesland. Hier findet er Ruhe, einen angesehenen Beruf als Hausarzt und die Anerkennung, die ihm so wichtig ist. Der Arzt ist beliebt bei seinen Patienten. Er kann gut zuhören, beruhigen und tut seinen Patienten in jeder Hinsicht gut. Eine liebevolle Gefährtin komplettiert sein Glück.

Bei diesem Krimi ist man sofort dabei. Es geht von Beginn an nicht um die Aufklärung eines Verbrechens. Nein, man fühlt mit dem Mann mit, der sein Schicksal aus der Trostlosigkeit der Gegenwart, zugegebenermaßen reichlich illegal, zu seinen Gunsten zu drehen vermag.

Erst ganz allmählich wird man zum Beobachter einer Entwicklung, die sehr skurrile Wege nimmt und das Bild eines schwerstpathologisch gestörten Menschen bietet.

Diese Form des Krimis ist ungewöhnlich, weil man sich zunächst ganz auf die Charaktere der Protagonisten konzentriert. Jeder ist auf seine Weise interessant, weist aber, wie im wirklichen Leben auch, Brüche auf.  Die liebebedürftige Frau, deren Vergangenheit eine wichtige Rolle zu spielen beginnt, und der anhänglich–liebevolle Mann wirken zuerst ganz normal. Dass der Arzt nur ein Scheindoktor ist, spielt erst mal keine so wichtige Rolle. Man merkt allerdings, dass hier die Geschichte suspekt zu werden beginnt.

Nun, wie in jedem guten Krimi folgen wie erwartet die Morde, die einem geheimen Plan entstammen. Psychologisch gekonnt zeigt uns Klaus-Peter Wolf die Schattenseiten des Lebens, wenn man einmal aus der Bahn geworfen wurde. In der Ichform geschrieben fühlt man zu Beginn mit dem Hauptschuldigen mit und begibt sich nur zögernd auf die Seite der Strafbehörden. Die Opfer sind teilweise sehr böse und überheblich. Den Täter aber erfüllt kalte Wut, die ihn zu grausamen Morden treibt. Irgendwie sind alle schuldig, und die Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen wird zur eigentlichen moralischen Instanz. Sie gehört zum Dezernat „Serienkiller“ und macht einen guten Job. Auch sie aber braucht geraume Zeit, um der Schweinwelt des Dr. Sommerfeldt auf die Spur zu kommen.

Ein hoch spannendes Abenteuer verspricht dieser Krimi! Das sagt eine Leserin, die sich bisher nur selten mit Krimis anfreunden konnte. Also: gutes Lesevergnügen allen Interessierten!

Klaus-Peter Wolf
Totenstille im Watt
416 Seiten, broschiert
FISCHER Taschenbuch, Juni 2017
ISBN-10: 3596297648
ISBN-13: 978-3596297641
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Dora Heldt: Wir sind die Guten

Dora Heldt: Wir sind die Guten

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Karl Sönnigsen, man kennt ihn aus „Böse Leute“ schafft es schon kein bisschen besser, seinen Ruhestand zu genießen. Schon wittert er einen neuen Fall. Es geht um Schwarzarbeit, die sich offenbar klammheimlich immer weiter verbreitet. Da muss er doch mal genauer hinsehen. Abgelenkt wird er dann jedoch von einem Fall, der ihm zugetragen wird. Eine Frau wird vermisst. Doch da sie schwarz zur Miete in einer Kellerwohnung hauste, kann die Polizei nicht eingeschaltet werden. Das alte Ermittlerteam wird aktiviert und so folgen Helga, Onno, Inge und Charlotte mit Karl den Spuren, die ausgesprochen dünn sind.

Maren Thiele, Tochter von Onno, arbeitet bei der Polizei von Westerland. Sie hat es mit einem Toten zu tun, der von den roten Klippen gestürzt ist. Es deutet alles darauf hin, dass es ein Unfall war. Es dauert ewig, bis seine Identität geklärt werden kann. Auch wenn keiner weiß, was der Mann auf Sylt zu suchen hatte oder wie er überhaupt hergekommen ist, bleibt die These mit dem Unfall. Doch Maren hat ein komisches Gefühl. Sie weiht schließlich Karl ein, dem sie eigentlich verboten hatte, sich einzumischen. Doch zu ihrem Erstaunen zeigt er absolut kein Interesse. Er meint, es müsse tatsächlich einfach nur Unglück gewesen sein.

Das Buch ist also in zwei Erzählsträngen aufgebaut. Beide sind sehr spannend aufgebaut. Während Maren mit großer Ernsthaftigkeit ermittelt, folgen Karl und sein Team den Spuren einfach so, wie es sich ergibt, und ohne sich an die Regeln, die Polizeiarbeit eigentlich vorschreibt, zu halten. Hobbydetektive müssen das nicht. So ist auch das ein oder andere Eierlikörchen erlaubt! Beide Fälle, das ahnt man als Leser natürlich, hängen zusammen. Nur wie, ist völlig unklar. Es wird ja nicht mit offenen Karten gespielt. Erst als es von Karl nicht mehr zu vermeiden ist, mit der Wahrheit herauszurücken, geht es ordentlich vorwärts und die Hintergründe werden klar. Insgesamt ist der Krimi gut gemacht und am Ende dann auch eine wirklich runde Sache.

Rezension von Heike Rau

Dora Heldt
Wir sind die Guten
Kriminalroman
512 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261498
ISBN-13: 978-3423261494
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