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Schlagwort: Erwachsenwerden

Nataly Elisabeth Savina: Meine beste Bitch (Hrsg.: Tilman Spreckelsen)

Nataly Elisabeth Savina: Meine beste Bitch (Hrsg.: Tilman Spreckelsen)

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Faina teilt alles mit ihrer besten Freundin Nike. Doch dann zieht Nike weg, um zu studieren. Faina bleibt allein. Sie hat keinen Plan und weiß nicht, wie ihr Leben weiter verlaufen soll. Sie will weg von ihrer Mutter und raus aus der öden Kleinstadt. Sie weiß, dass sie anders ist als die anderen. Nicht normal, aber wer weiß schon zu sagen, was normal ist. Nicht mal ihre Mutter weiß es, obwohl sie Psychiaterin ist. An Nike kann Faina sich nicht mehr orientieren. Dafür reichen Telefongespräche nicht aus. Achim könnte ihr Halt geben. Er war immer für sie da. Unauffällig, liebevoll und langweilig. Aber Faina fühlt sich mehr zu Julian hingezogen, der nach Berlin gegangen ist, weil er hier seine Kunstprojekte besser verwirklichen kann. Er ist anders. Und er hat nichts dagegen, als Faina bei ihm auftaucht. Er lässt sich treiben und Faina mit ihm. Kommt Nike dazu, wird es genauso, wie Faina es sich vorgestellt hat. Alles vergessen, die Gefahren ignorieren, einfach leben im Moment! Doch immer mehr wird der Faina klar, dass die Zukunft verrutscht und unklar wird.

Faina ist in einer schwierigen Entwicklungsphase. Sie ist auf der Suche nach einem Richtungsweiser und lässt sich von ihren Emotionen treiben. Es ist eine krasse und glaubwürdige Geschichte, die hier beschrieben wird. Die Autorin verwendet eine ungeschliffen wirkende Ausdrucksform, die nichts beschönigt, und verzichtet auf die üblichen Klischees. Deshalb wirkt das Buch erschreckend authentisch. Ich kann Faina in gewisser Weise verstehen. Sie steht stellvertretend für junge Menschen, denen es nicht leicht fällt, Ziele im Leben zu definieren und Konflikte auszuhalten. Die sich getrieben fühlen, ohne zu wissen, wohin. Fainas Geschichte ist berührend. Die Autorin geht an die Schmerzgrenze und manchmal darüber hinaus. Man muss nicht zu viel hineininterpretieren in dieses Buch. Es wird jeden auf andere Weise ansprechen und zum Nachdenken anregen.

Rezension von Heike Rau

Nataly Elisabeth Savina
Meine beste Bitch
Herausgegeben von Tilman Spreckelsen
(Die Bücher mit dem blauen Band)
288 Seiten, gebunden
Fischer Verlag
ISBN-10: 3737341397
ISBN-13: 978-3737341394
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Karen Foxlee: Das nachtblaue Kleid

Karen Foxlee: Das nachtblaue Kleid

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Rose Lovell ist ein einsames Mädchen. An keinem Ort hält sie sich lange auf. Das liegt an ihrem Vater, der nicht sesshaft ist und stattdessen lieber mit dem Wohnwagen von einem Ort zum nächsten reist. Vater und Tochter stranden an einem Campingplatz an der Pazifikküste Australiens. Rose ist noch schulpflichtig, sie muss also, ob sie möchte oder nicht, am Unterricht in der nahegelegenen Schule teilnehmen.
Hier lernt sie Pearl Kelly kennen. Sie hilft Rose, sich einzugewöhnen, sodass das verschlossene Mädchen sich sogar vorstellen kann, am Erntefest teilzunehmen. Für den Ball anlässlich der Zuckerrohrernte braucht Rose ein Kleid. Ihr Vater wird ihr keins finanzieren können. Allerdings gibt es diese alte Frau, die früher eine berühmte Schneiderin war, nun aber aus guten Gründen sehr zurückgezogen lebt. Edith Baker erklärt sich bereit, ein Kleid zu nähen und so kommt Rose immer wieder in ihr heruntergekommenes Haus, um bei der Arbeit mitzuhelfen. Während die beiden an dem nachtblauen Kleid nähen, erzählt Edie Baker von ihrem Leben und gibt auch so manches Geheimnis preis. Das führt Rose an einen geheimen magischen Ort, den sie ganz im Vertrauen nur ihrer Freundin Pearl zeigt. Doch Pearl verrät die Freundschaft und so nehmen die Dinge einen unheilvollen Verlauf.

Dem Buch liegt eine faszinierende Stimmung zugrunde, von der man als Leser sofort gefangen genommen wird. Die Autorin bedient sich einer leisen, aber deutlich durchdringenden Sprache. Das Unheilvolle ist von Anfang an spürbar, sodass man ahnen kann, wie die Geschichte um Liebe und Verrat enden wird.
Dass etwas passiert ist, erfährt man beizeiten. Es gibt einen zweiten Erzählstrang, der später spielt. Hier hat die Polizei schon ihre Ermittlungsarbeiten aufgenommen. Irgendwann werden also Vergangenheit und Gegenwart in einem Unglück zusammenlaufen. Dabei spielt das nachtblaue Kleid eine Rolle. Und Edith Barker, die möglicherweise nicht einfach eine talentierte Schneiderin ist, die aus alten Stoffen Neues macht und die in einem heruntergekommenen Haus lebt, das sich die Natur Stück für Stück zurückerobert. Es ist diese im Buch vorherrschende geheimnisvolle Stimmung, die dies vermuten lässt. Aber wie das im Leben so ist, die Wirklichkeit sieht oft anders aus und so ist es auch mit diesem Buch, das sehr lesenswert ist.

Rezension von Heike Rau

Karen Foxlee
Das nachtblaue Kleid
333 Seiten, gebunden
Beltz & Gelberg
ISBN-10: 3407811810
ISBN-13: 978-3407811813
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Alyssa Brugman: Jenna-Belle wohnt hier nicht mehr

Alyssa Brugman: Jenna-Belle wohnt hier nicht mehr

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Es ist ein komfortables und privilegiertes Leben, das Jenna-Belle mit ihrer Familie, ihren Eltern und dem älteren Bruder, führt. Bis die Eltern sich trennen und der Vater die Familie verlässt, obwohl die Mutter wieder schwanger ist. Das Leben im großen Haus wird bald zu teuer. Der Lebensstandard kann nicht gehalten werden. Zimmer werden untervermietet. Und so kommt auch Bryce Cole ins Haus, der auf Rennpferde wettet, um an Geld zu kommen. Oftmals hilft er der Familie aus, sorgt dafür, dass etwas zu essen auf den Tisch kommt.

Bald kann das Schulgeld für Jenna-Belle nicht mehr gezahlt werden. Nur ihr Bruder kann weiter zur Schule gehen, dank eines Stipendiums. Alles mögliche wird über E-Bay zu Geld gemacht bis der Internetzugang gesperrt und der Strom abgestellt wird. Über Flohmärkte im Garten wird weiter verkauft, was nur geht. Auch Jenna-Belle muss sich von ihrem Besitz trennen.
Trost findet sie bei ihrem Freund Declan aus der Nachbarschaft. Ihm vertraut sie sich an, sonst versucht sie, sich ihre Verzweiflung nicht anmerken zu lassen.

Zu allem Unglück verliert die Mutter das Baby. Und Declan, der schon vermutete, dass es mit seiner Gesundheit nicht zum Besten steht, muss ins Krankenhaus, wo bei ihm Diabetes diagnostiziert wird.
Die Familie versinkt im Unglück, sieht keinen Ausweg. Immer weiter abwärts dreht sich die Spirale und führt direkt in die Obdachlosigkeit.

Die Geschichte macht betroffen. Sie wird erzählt aus der Sicht von Jenna-Belle, die versucht, irgendwie mit der Situation umzugehen. Sie hat es nicht in der Hand, etwas dagegen zu tun. Das ist der Part der Erwachsenen, die sich leider nicht erklären. Sie kann nur zusehen, wie es immer weiter bergab geht, der Vater immer weniger arbeitet und schließlich mit seiner Firma pleite geht. Warum die Eltern sich schließlich trennen, erfährt Jenna-Belle lange nicht.
Die Folgen der Misere ihrer Eltern bekommt sie knallhart zu spüren, denn auch die Mutter kann aufgrund der Schwangerschaft bald nicht mehr arbeiten.
Bleibt nur das Haus. Aber es ist nicht mehr viel wert, so dass die laufenden Kredite mit einem Verkauf nicht getilgt werden können.

Die Situation der Familie wird im Buch sehr feinfühlig dargestellt. Man leidet mit, muss zusehen, wie es immer weiter bergab geht, auch weil keiner es schafft, gegenzusteuern. Aber am Tiefpunkt der finanziellen und privaten Krise angekommen, versucht die Familie, sich wieder aufzurappeln. Und es wird deutlich, wie wichtig Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft, gerade in Krisenzeiten ist und dass man sich den Problemen mit denen man konfrontiert wird, stellen muss.

Rezension von Heike Rau

Alyssa Brugman
Jenna-Belle wohnt hier nicht mehr
Aus dem Englischen von Ulli und Herbert Günther
232 Seiten, Klappenbroschur
Carl Hanser Verlag
ISBN-10: 3446235868
ISBN-13: 978-3446235861
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Jan Faktor: Georgs Sorgen um die Vergangenheit

Jan Faktor: Georgs Sorgen um die Vergangenheit

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Opulentes Familiengemälde im Prag der Nachkriegszeit.

Schon bei den ersten Zeilen sieht man sich in diesem Roman sogleich in eine aberwitzige, amüsante und mitreißende Familiengeschichte versetzt. Lebendige und spritzige Sätze wecken Neugier auf einen turbulenten Alltag in einer komischen und von vielerlei bunt gefärbten Charakteren bewohnten Hausgemeinschaft in Prag. Wir befinden uns in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das weibliche Geschlecht überwuchert die Räume mit allem möglichen und unmöglichen Mobiliar und verwandelt die Wohnung in ein verschachteltes Labyrinth. Georg erlebt gerade die Pubertät mit allen Bedrängnissen, die diese Lebensphase so mit sich bringt. Umgeben von vielen Tanten, einer schönen und intelligenten Mutter und der sehr geliebten Großmutter Lizzy ist das Erwachsenwerden nicht ganz leicht.

Das Haus und die Lebensgewohnheiten der Bewohner sind teilweise von umwerfender Komik, mit Sicherheit aber äußerst ungewöhnlich. Im Umfeld mehr oder weniger schöner jüdischer Frauen aufzuwachsen ist eine Besonderheit an sich. In dem ganzen Durcheinander der Hausbewohnerinnen gibt es dann aber doch einen Mann, als einzigen Nichtjuden den Onkel „ONKEL“. Sex und Liebe, Gerüche und Gespräche: die  Gemeinschaft ist unübertroffen mit allen Details gezeichnet, und Georg nimmt alles mit wachen Augen und Ohren auf und zieht seine Schlüsse aus seinen Eindrücken.

Die unsägliche Vergangenheit in diversen KZs bleibt allerdings ein Geheimnis, denn darüber spricht man nicht.

Einer Komödie gleich gestaltet sich der Einstieg ins Leben für den jungen Georg mit unterhaltsamen und lustigen Erlebnissen. Seine Jugend entspricht nicht der Norm. Skoda, sein Freund, findet ebenso Erwähnung wie seine langjährige und viel ältere Geliebte Dana, die sich den Künsten verschrieben hat. Die Liebeserlebnisse- und Freuden sind in deftiger Sprache gehalten und verlassen nie die Pfade der Komik.

Haben wir es mit einem Schelmenroman, einem Entwicklungsroman oder einer skurrilen Familienlegende zu tun? Auf jeden Fall bietet die in lakonischem Ton gehaltene Erzählung auch einen Überblick über die politische Geschichte der Tschechoslowakei und Prags in den letzten sechzig Jahren. Sozialismus, Kommunismus und Prager Frühling können nicht unerwähnt bleiben mit ihren Folgen für den Clan. In schwejkscher Manier  nimmt niemand wirklich Schaden, aber natürlich gibt es Todesfälle und besondere Vorkommnisse in großer Zahl.

Man sollte Zeit mitbringen, um sich in die Feinheiten des Romans zu vertiefen, der nicht von einer fortlaufenden Handlung lebt, sondern das fantasievolle Gebilde einer grotesken und launigen Familiengeschichte bietet. Im Zentrum des Geschehens steht Georg mit seiner ausgeprägten Beobachtungsgabe, mit der er die skurrilen und schrulligen Einzelwesen und ihre Eigenheiten zum Leben erweckt.

Jan Faktor ist ein Erzähler mit der Kunst des Fabulierens, dessen Erzählstil ausufernd ein filigranes Gebilde aufzeigt, das schließlich zu einem schlüssigen Ende führt.

Der hoch zu lobende Roman ist gewand und farbenfroh konzipiert. Wenn man auch nach der Mitte des Romans ermüdet sein mag von all’ den vielen Einzelheiten, so bleibt man doch dabei, weil die Neugier auf die  kurzweiligen Geschichten bestehen bleibt.

Jan Faktor
Georgs Sorgen um die Vergangenheit
Gebundene Ausgabe: 636 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN-10: 3462041886
ISBN-13: 978-3462041880

Kevin Brooks: Black Rabbit Summer

Kevin Brooks: Black Rabbit Summer

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Der Sommer ist herrlich langweilig bis Pete von Nicole angerufen wird. Sie lädt ihn ein, mit auf die Kirmes zu kommen. Vorher könnte man sich treffen und mit der alten Clique ein Hüttenfest feiern, so wie früher. Auch wenn es diesmal eine Abschiedsfete werden würde. Denn Pete, Nicole, Erik und Pauly würden nun nach der Schulzeit auseinandergehen.
Pete möchte auch Raymond mit dabei haben. Er zählt den eigenwilligen Jungen, der bei den anderen wenig beliebt ist, zu seinen Freunden und überredet ihn, mit zur Hütte zu kommen.
Auf dem Weg dahin begegnen die beiden Wes Campbell und seinen Kumpanen. Es entsteht eine bedrohlich wirkende Situation. Diesen Unruhestiftern begegnet man nicht gern.
In der Hütte dann ist die Stimmung recht locker. Alkohol und auch ein Joint werden herumgereicht. Man redet über Zukunftspläne. Eric, Pauly und Raymond gehen dann schon vor zur Kirmes, weil Nicole noch mit Pete alleine sein möchte. Die beiden waren früher schon einmal zusammengewesen. Doch eine vertraute Stimmung will sich diesmal nicht einstellen. Nicole verlässt Pete schwer enttäuscht.
Als Pete auf die Kirmes kommt, sieht er Raymond zusammen mit Stella Ross. Sie ist mittlerweile eine Berühmtheit geworden, wenn auch mit sehr zweifelhaften Ruf. Weil Pete weiß, dass Stella nur mit Raymond spielt, holt er ihn von ihr weg. Die beiden besuchen eine Wahrsagerin, die ausgesprochen angstmachende Andeutungen über Raymonds Zukunft macht.
Und dann auf einmal, nach dem Pete auf dem Klo war, ist Raymond verschwunden. Pete muss ihn suchen, doch es geht ihm nicht gut. Wirklichkeit und seltsame Vorstellungen verschwimmen. Am nächsten Tag ist die Katastrophe perfekt. Raymond ist nicht wieder aufgetaucht. Und noch jemand wird vermisst.

Das Buch beginnt harmlos. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Die Geschichte wird von Seite zu Seite unheilvoller. Wobei der Autor das Grauen mit ungeheurer Intensität beschreibt. Man ist als Leser so unglaublich dicht am Geschehen dran, dass es kaum zu glauben ist. Man ist praktisch mit der Hauptperson Pete auf Augenhöhe. Es gibt kein Entkommen. Aber man kann sich ohnehin nicht mehr von der Geschichte lösen, hat man erst einmal angefangen zu lesen.
Sie ist gut ausgedacht und hat Tiefgang. Sie ist aus der Ich-Perspektive Petes geschrieben. Der Blick auf das Geschehen ist also eingeschränkt. Man hat als Leser Informationen nur von einer Seite. Das erhöht die Spannung ungemein. Nichts wird vorweggenommen. Nur was Pete herausfindet ist von Belang. Pete ist ein intelligenter Junge. Man ist beeindruckt von dem, was er tut, um herauszufinden, was geschehen ist. Er will sich nicht aufhalten lassen. Weder von seinen Eltern, noch von seinen Widersachern und auch nicht von Freunden, die in Wahrheit keine sind und nie welche waren. Im Grunde wird Petes bisheriges Weltbild über den Haufen geworfen. Und auch als Leser hat man ordentlich zu knabbern am Verlauf der Geschichte. Man sehnt sich nach einem positivem Ausgang und ahnt doch, dass es den nicht geben kann. Das Buch macht sehr, sehr nachdenklich. Aber man gewinnt durch die Lektüre, weil man dazulernt … Es ist nicht einfach nur irgendeine Geschichte, sondern viel mehr.

Rezension von Heike Rau

Kevin Brooks
Black Rabbit Summer
Aus dem Englischen von Michael Gutzschhahn
528 Seiten, Klappenbroschur
ab 14 Jahren
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423247754
ISBN-13: 978-3423247757

Corina Bomann: Der Pfad der roten Träume

Corina Bomann: Der Pfad der roten Träume

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Seit ihr Vater verstorben ist, lebt Lucy als Dienstmädchen bei Reverend McCallahan. Glücklich ist sie hier nicht. Abwechslung bringen die Besuche des Reverends bei Mrs Burnett im Waisenhaus. Lucy darf mit und nutzt die Gelegenheit ihre Freundin Anne zu sehen, die hier lebt. Die beiden träumen davon, England zu verlassen und nach Australien zu gehen.

Als der Reverend stirbt, muss Lucy das Haus verlassen. Sie geht jedoch nicht, ohne die Geldvorräte an sich zu nehmen. Schließlich hat sie nie eine Bezahlung für ihre Arbeit erhalten.
Sie schleicht sich in der Nacht zum Waisenhaus, um Anne zu holen. Ihr Ziel ist klar. Die beiden schaffen es, sich Fahrkarten für die „Great Britain“ zu kaufen. Sechs Wochen dauert die Schiffsreise von Bristol nach Perth im Westen Australiens. Die Mädchen erfahren von einer Mission am Stadtrand, die Schwester Margaret leitet. Die beiden dürfen bleiben, um zu arbeiten. Lucy und Anne scheinen es geschafft zu haben. Doch Ruhe haben die beiden hier nicht. Lucy legt sich mit Harrisons Leuten an. Die wollen die Aborigines vertreiben, was Lucy nicht dulden kann. Harrison macht die Aborigines sogar für die vielen Fälle von Typhus verantwortlich. Auch Anne erkrankt daran und stirbt. Lucy verlässt die Mission, um weiter im Landesinneren auf einer Farm unterzukommen. Mr Callaway hat Lucy eingeladen, weil sie ihm einst nach einer Schießerei mit den Handlanger Harrisons, geholfen hat. Er hat einen Sohn, den Lucy ausgesprochen gerne mag.

Lucy ist ein mutiges, bewundernswertes, junges Mädchen. Sie kämpft für ihre Ziele ohne allzu viel Rücksicht auf sich selbst zu nehmen. So setzt sie sich für die Aborigines ein und riskiert dabei ein ums andere Mal ihr Leben.
Es ist ein Auswanderer-Schicksal von vielen, aber bezeichnend dafür. Im Blickpunkt steht auch der grausame Umgang mit den Aborigines. Die Autorin präsentiert hierzu in einem Nachwort geschichtliche Details und Hintergrundwissen zur Geschichte, die im Jahre 1875 beginnt.
Der Text liest sich flüssig. Manchmal zu sehr. Man hat doch hin und wieder den Eindruck, das Geschehen im Zeitraffer-Tempo zu erleben. Lucys Gefühle und die Beweggründe für ihr Handeln werden zu wenig deutlich gemacht. Man hätte gerne 100 Seiten mehr gelesen.
Die Geschichte ist lesenswert, auch weil sie so stimmungsvoll ist. Man wird wirklich gut unterhalten und lernt auch etwas dabei. Es ist ein historischer Roman, den man auch Erwachsenen empfehlen kann.

Rezension von Heike Rau

Corina Bomann
Der Pfad der roten Träume
320 Seiten, gebunden
ab 14 Jahren
Verlag Carl Ueberreuter
ISBN-10: 3800054981
ISBN-13: 978-3800054985