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Schlagwort: Landleben

Fabio Andina: Tage mit Felice

Fabio Andina: Tage mit Felice

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Es handelt sich hier um eine wunderschöne Erzählung aus den Tessiner Alpen.

Ein Icherzähler berichtet, wie die Tage in diesem Dorf vergehen. Langsam! Das darf man schon sagen!

Der namenlose Erzähler begleitet den 90 jährigen Felice eine Woche lang in seinem Alltag. Es ist November und der Winter kündigt sich mit Kälte und Schnee an. Der Alltag von Felice besteht aus fast immer gleichen Handlungen. Er fährt mit seinem Auto über die umliegenden Dörfer. Morgens früh läuft er den Berg hinauf, wo er in einem Flussloch, einem so genannten Gumpen, ein Bad nimmt. Im Winter muss zuerst eine Eisschicht durchstoßen werden. Das ist wahrlich ein entbehrungsreiches Einsiedlerdasein!

Das Leben um das Dorf Leontica herum ist karg und einsam. Zahlreiche Einwohner begegnen sich bei unterschiedlichen Gelegenheiten. Man trinkt zusammen einen Schoppen und schwätzt über dies und das und erzählt sich die Neuigkeiten der Dorfbewohner. So ist man immer auf dem Laufenden.

Die Menschen sind genügsam in ihrer Armut. Es gibt die kleinen Läden, Restaurants und Bars, in denen sich die Dorfbewohner treffen. Doch auch der Schwatz über die Straße reicht häufig zum Gedankenaustausch.

Mehrheitlich sind die Bewohner alt, d.h. um die 70 bis 80 Jahre. Es tut sich nicht viel, und es gibt in diesem kurzen Roman keinen Handlungsstrang. Allerdings sind die Figuren in ihren Eigenheiten charakterlich meisterhaft gezeichnet. Sie sind skurril und zuweilen auch witzig.

Zentrale Figur bleibt Felice, auch er ein armer Kauz, der doch Zufriedenheit ausstrahlt.

Er fährt mit seinem alten Auto die Dörfer ab, und unser erzählender Begleiter erlebt ihn und seine Welt mit staunender Bewunderung.

Gekocht wird, was die Natur hergibt. Viele Male wird aus den geernteten Kräutern ein Sud gekocht, der als Tee herhalten muss. Das Feuer im Kamin muss als Heizung reichen.

In langen Schilderungen der Natur bei Schnee, Regen und Sonnenschein taucht man ganz in die Stimmung aus Kälte, Einsamkeit und Kargheit ein.

Dieses Buch liest man mit Beschaulichkeit und hingegeben an die Atmosphäre einer hinreißenden Landschaft. Die Ruhe überträgt sich auf den Leser und man meint fast, selber die herrliche Luft und das Bergpanorama zu erleben. Ein paar Tiere, Kinder und wenige jüngere Bewohner bereichern das Bild von einem Ort der Stille.

Man weiß nicht, was den Icherzähler dazu angeregt hat, sich mit Felice und dem Leben dort zu befassen.

Im SFR Literaturclub wurde das Buch empfohlen als Möglichkeit, sich zu entschleunigen. So sehe ich es auch: man kommt zur Ruhe! Die poetischen Beschreibungen der Naturereignisse bieten so viel Abwechslung, dass man immer wieder hineinversetzt wird in diese ruhige Bergwelt mit ihren grünen Oasen, kleinen Wasserquellen und vielseitigen Früchten.

Das Buch ist etwas für Liebhaber ruhiger Lebenseindrücke. So geht es zu in den abgelegenen Dörfern der Schweizer Bergwelt! Da gibt es keine Hetze und kein Jagen nach immer neuen Events und Abwechslung.

Der Roman verlangt dem Leser einiges an Geduld und Ausdauer ab. Er wird belohnt mit der Sichtweise eines beschaulichen und reizvollen Lebens fern aller sonst allenthalben zu beobachtenden Hektik und Unruhe. Felice, der Glückliche, macht es einem vor, wie es sich auf diese Weise lebt!

Fabio Andina
Tage mit Felice
224 Seiten, gebunden
Rotpunktverlag, März 2020
ISBN-10: 3858698636
ISBN-13: 978-3858698636
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Dominik Barta: Vom Land

Dominik Barta: Vom Land

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Theresa ist als Bäuerin an den anstrengenden Tagesablauf, den der Bauernhof vorgibt, gebunden und erfüllt ihre Aufgaben gewohnheitsmäßig. Doch eines Tages fühlt sie sich krank. Dabei hat sich Theresa bisher einer robusten Gesundheit erfreut. Mich 60 Jahren hat sie nun vielleicht den Preis für die jahrzehntelange harte Arbeit zu zahlen. Doch so ist es nicht. Die Krankheit ist rätselhaft, da keine Ursache für das Unwohlsein und die Schweigsamkeit von Theresa zu finden ist.

Den längst erwachsenen Kindern bleibt nichts anderes übrig, als zum Hof kommen und sich zu kümmern. Sie müssen ins Gespräch kommen, was nicht einfach ist. Und auch Theresas Mann Erwin wäre es das Liebste, wenn alles schnell wieder so werden würde wie gewohnt. Stattdessen muss er erkennen, dass der Hof, der seit Ewigkeiten in Familienbesitz ist, keine Zukunft hat. Keines der Kinder wird ihn übernehmen. Immerhin hilft Rosalies Sohn Daniel ab und an bei der Arbeit. Der 12-jährige Enkelsohn ist auch gern im Wald. Zusammen mit Toti werkelt er an einem Baumhaus. Er freut sich über die Freundschaft zu dem jungen Syrer. Doch sind andere Dorfbewohner nicht begeistert von den Flüchtlingen, die nun in einer Flüchtlingsunterkunft in direkter Nachbarschaft leben.

In der Familie herrscht eine Stimmung, die von Sprachlosigkeit geprägt ist. Theresa kann nicht über das reden, was sie bewegt. Und so äußern sich ihre Gefühle in einer Krankheit, die Unwohlsein und Ängste auslöst. Auch ihr Ehemann Erwin kann seine Gefühle nicht ausdrücken. Er flüchtet sich in die Arbeit. Die erwachsenen Kinder kommen nicht klar mit der Situation. Sie haben verlernt, miteinander zu sprechen und Dinge gemeinsam zu regeln. Von dieser Sprachlosigkeit und Kälte ist das halbe Dorf betroffen.

Der Autor erzählt also von einem Dorf, das sich verändert und einer Familie, die sich auseinandergelebt hat. Er erzählt von den unterschiedlichen Ansichten der verschiedenen Generationen und von den Ängsten, die Veränderungen mit sich bringen. Es wird deutlich gemacht, dass niemand diesen Veränderung ausweichen kann und dass Probleme nicht durch Schweigen gelöst werden können. Vielmehr müssen die Menschen wieder aufeinander zugehen, Vorurteile abbauen und offen über die Dinge reden.

Rezension von Heike Rau

Dominik Barta
Vom Land
176 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag, Januar 2020
ISBN-10: 3552059873
ISBN-13: 978-3552059870
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Laurie Lee: Cider mit Rosie

Laurie Lee: Cider mit Rosie

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Laurie Lee, geboren 1914, erzählt in diesem Buch von seiner Kindheit. Er nimmt dabei noch einmal die kindliche Sichtweise ein. Die Familie zieht, als er drei Jahre alt ist, in ein Haus am Rande eines einsam gelegenen englischen Dorfs. Das Haus ist nicht schön, aber umgeben von Natur. Mutter Rosie erzieht die sieben Kinder, nur drei sind ihre eigenen, allein.

Der Vater, er war Rosies große Liebe, hat sich aus dem Staub gemacht. Es ist schwer für den kleinen Laurie, sich an diesem neuen und so bunten Ort zu orientieren. Rosie ist eine einfache Frau, aber sie hält die Familie zusammen. Es ist ein bescheidenes Leben, das sie führt. Die Zeit ist stehengeblieben auf dem Lande. Es ist kein Fortschritt zu spüren. Aber die drei Jungs und vier Mädchen sorgen für Trubel, Freude und Sorgen.

Mich hat das Buch tief beeindruckt. Beim Lesen verschwindet man in dieser Geschichte und wird zum aufmerksamen Beobachter der Vorgänge, die ein Kind wahrnimmt, das nicht alles versteht, bis es etwas älter ist, und das vorerst in der Lage ist, alles so hinzunehmen wie es ist. Das Leben ist hart, aber vielleicht nicht für den Jungen, der es nicht anders gewohnt ist, und den die Natur beflügelt, und den die Schwestern ganz selbstverständlich auf ihre laute und turbulente Art umsorgen. Es ist keine Idylle, nie ist genug Geld da. Die Familie muss sich auch mit dem versorgen, was die Natur bietet.

Die Mutter ist unglaublich chaotisch, aber auch liebevoll dargestellt. Das Haus ist nie aufgeräumt. Man lebt von der Hand in den Mund und dennoch gelingt es ihr immer wieder für Überraschungen zu sorgen, die vom harten Alltag ablenken. Sie liebt die Kinder über alles und ist auf ihre Weise frei und glücklich, auch wenn sie nicht aufhört zu hoffen, dass ihr Mann zurückkehrt.

Der Autor hat einen faszinierenden Schreibstil. Das Buch ist auf eine tiefsinnige, berührende, melancholische und hoffnungsvolle Art geschrieben. Es ist kein Wunder, dass dieses Buch ein gerne gelesener Klassiker ist.

Rezension von Heike Rau

Laurie Lee
Cider mit Rosie
Aus dem Englischen von Pociao und Walter Hartmann
Aquarelle von Laura Stoddart
320 Seiten, gebunden
Unionsverlag
ISBN-10: 3293005322
ISBN-13: 978-3293005327
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Isabel Bogdan: Der Pfau

Isabel Bogdan: Der Pfau

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Skurrile Abenteuer und Erfahrungsberichte.

In die schottischen Highlands haben sich Lord McIntosch und seine Frau zurückgezogen. Auf einer ehemaligen Farm haben sie alle möglichen Gebäude in kleine Ferienhäuschen umgebaut – zum Entzücken vieler freundlicher Feriengäste. Doch auch einige Federviecher und zwei Hunde gehören zu dem netten Anwesen. Unter anderem gibt es fünf Pfauen, wovon der eine ungute Leidenschaften entwickelt hat: gegen alles, was blau ist und glänzt, geht er mit aggressivem Hacken bösartig vor.

Nun geraten eines Tages einige Manager zwecks Selbsterfahrung in die abgelegene Idylle. Die feinen Stadtmenschen müssen sich erst noch an die zuweilen recht schlicht anmutenden Unterkünfte gewöhnen. Der bösartige Pfau attackiert das schön glänzende und blau lackierte Auto der Topfrau. Später wird der Pfau von einem der vielen Hunde tot im Walde aufgespürt.

Eine skurrile Geschichte entspinnt sich um diese Szenerie. Mit gelegentlichem Witz und einer gewissen Komik kann Isabel Bogdan uns in das Leben auf dem Lande einweihen. Ein wenig langatmig ist die Geschichte allerdings schon. Doch weiß uns Isabel Bogdan gut zu unterhalten, wenn man den entsprechenden Humor für absurde Lebenssituationen aufbringt. Entfalten sich doch unter ungewöhnlichen Lebensbedingungen erst die wahren Charaktere des Menschen, und hier kann man dann viel erfahren über eben diese Mentalitätsunterschiede.

Der Erzählstrang bleibt der Pfau. Doch um ihn herum erleben wir die Banker mit allen ihren Eigenarten. Ein Kurzschluss legt das Stromnetz lahm. Die Chefin der Gruppe erkrankt an Grippe, und unermüdlicher Schneefall behindert die glückliche Heimfahrt. Der erschossene Pfau aber bereitet dem einen oder anderen mit seinem Verschwinden ernsthafte Sorgen. Hier fühlt sich mehr als einer schuldig am Tod dieses grässlichen Viechs.

Kurz und bündig bleibt die Geschichte etwas hängen im Alltagsgeschehen auf der abgelegenen Erholungsfarm.

Isabel Bogdan hat sich neben ihrer Schriftstellerei als hervorragende Übersetzerin bewiesen. Sie arbeitet und lebt in Hamburg.

Isabel Bogdan
Der Pfau
256 Seiten, gebunden
Kiepenheuer&Witsch, Februar 2016
ISBN-10: 3462048007
ISBN-13: 978-3462048001
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Anna Quindlen: Ein Jahr auf dem Land

Anna Quindlen: Ein Jahr auf dem Land

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Liebe, Ehe und ihre Vergänglichkeit…

Einmal mehr liegt uns ein Roman vor, der sich mit den Veränderungen des Lebens, ihren Folgen, dem Glück und der Unwägbarkeit vom allem befasst.

Worum geht es?

Die einstmals berühmte Fotografin Rebecca Winter vermietet ihre Wohnung in New York, um sich in einem kleinen Haus auf dem Land zu erholen. Sie sucht allerdings nicht nur die Ruhe sondern auch die Ersparnis, die mit diesem Aufenthalt verbunden sein soll. Die Miete für die Wohnung in NY bringt mehr ein als die Ausgaben, die sie nun haben wird. Denn es geht ihr wie so vielen Künstlern: ihr Ruhm ist verblasst, und die Einnahmen aus dem Verkauf ihrer großen Fotobilder sind geschwunden.

Wir erleben die Protagonistin auf dem Land in einem Häuschen, das wohl einstmals mehr als Wochenendhäuschen gedacht war.

Die Natur in Wald und Feld werden mit poetischen Bildern gezeichnet. Hier scheint die Welt noch in Ordnung, wenn auch die Individualität der kleinen Städte wie überall auf der Welt allmählich einem Gleichmaß in Gestaltung und Aussehen gewichen ist.

Die einzige Abwechslung in Rebeccas Leben auf dem Land sind die Besuche bei der Mutter in einem Seniorenheim und bei dem nicht entfernt wohnenden Vater. Allerdings erweisen sie sich als Schrecken. Nehmen sie doch in den Augen von Rebecca als Vision den eigenen Verfall und die eigene Sterblichkeit vorweg.

In Erinnerungen an ihre Ehe und den Sohn Ben findet Rebecca keine unbedingte Freude. Peter hat sie schon früh für eine andere Frau und Familie verlassen, so dass sie ihren Sohn alleine aufgezogen hat.

Mit dieser Einführung meint man, dass es nun mit dem Altwerden und der Alterseinsamkeit weiter gehen würde. Doch weit gefehlt: auch hier in der Einsamkeit des Landlebens tun sich unerhörte Dinge. Die Bewohner der kleinen Stadt in ihrer jeweiligen Einmaligkeit sind wach und aufmerksam. Rebecca erlebt sie mit neugierigem Interesse und lernt Jim kennen, der ihr bei Dachdeckerarbeiten geholfen hat. Ein Bär hatte sich im Dach des kleinen Hauses eingenistet!

Beschaulich und ruhig entwickelt Anna Quindlen ihr Kleinstadtpanorama, in dem es nicht an Aufregungen und Veränderungen aller Art fehlt. Ganz aus der Sicht von Rebecca erschließt sich ihr Leben mit allen ihren Höhen und Tiefen. Die Heldin gerät in inneren Aufruhr und erlebt wechselnde Phasen des Glücks, des Erfolgs, aber auch Enttäuschung und Versagen. Sie ist teils betroffen und andererseits beglückt. Alles in allem bietet die Geschichte nicht zuletzt Hoffnung und Freude. Man findet Stille, Ruhe und Tiefe in ihr.

Anna Quindlen

Ein Jahr auf dem Land
320 Seiten, gebunden
Deutsche Verlags-Anstalt, März 2015
ISBN-10: 3421046662
ISBN-13: 978-3421046666
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Britta Freith: Hinterm Stall die Blumen – Landfrauen und ihre Gärten

Britta Freith: Hinterm Stall die Blumen – Landfrauen und ihre Gärten

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Britta Feith hat Landfrauen besucht. In Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Der Blick fällt insbesondere auf die Gärten der modernen Bäuerinnen, die mit der Ernte, soweit es geht, ihre Familien selbst versorgen. Es ist die Nähe zur Natur, die begeistert und das ländliche Leben mit Erfolgen und auch Rückschlägen. Kein Jahr ist wie das andere. Und trotzdem entwickelt sich ein Rhythmus, der gelebt wird.

Jeder Hof mit seinen Bewohnern, meist sind das mehrere Generationen, wird vorgestellt, sodass man sich ein Bild von der Größe machen kann. Dem, was angebaut wird und der Anzahl der Tiere.

Viele der Frauen leben schon sehr lange auf den Höfen, haben gestaltet und Einfluss genommen. Die Kinder wachsen hier auf bzw. sind hier aufgewachsen, interessieren sich ebenfalls für die Hofarbeit oder auch nicht.
Die Gärten sind die Bereiche der Frauen. Es wachsen hier nicht nur Obst, Gemüse und Kräuter, es blüht auch immer etwas. Die Erfahrungen, die die Bäuerinnen gemacht haben, werden mit diesem Buch weitergegeben. Man bekommt beim Lesen viele Tipps und Anregungen zum Nachdenken.

Jede der Landfrauen stellt außerdem ihr Lieblingsrezepte vor. Rosenlimonade, Buttermilchsuppe und Kräuterspatzen mit Pfifferlingen kann man nachkochen. Es geht aber nicht nur ums Essen. Auch kreative Ideen werden geliefert. So wird mit Gräsern und Blüten gestempelt und aus Baumwollstoff eine praktische Ernte-Schürze geschneidert. Für die Hausapotheke gibt es Ringelblumensalbe und Teemischungen.

Die Bilder zu den sehr einfühlsamen und spannend geschriebenen Texten machen das Buch perfekt. Es sind sehr gelungene Aufnahmen, die den Alltag und auch die Lust am Landleben widerspiegeln. Es sind sehr schöne Momentaufnahmen, die wertvolle Augenblicke festhalten. Man wird inspiriert. Selbst wenn man nicht auf dem Land lebt, kann man sich ein Stück Natur nach Hause holen, Ideen umsetzen oder Traditionen mit der Familie neu beleben.

Rezension von Heike Rau

Britta Freith
Hinterm Stall die Blumen – Landfrauen und ihre Gärten
Mit Fotografien von Bigi Möhrle
185 Seit, gebunden
Verlag Eugen Ulmer
ISBN-10: 380017894X
ISBN-13: 978-3800178940
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Pierre Bost: Ein Sonntag auf dem Lande

Pierre Bost: Ein Sonntag auf dem Lande

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Liebenswertes Landleben.

Monsieur Ladmiral lebt ein ruhiges und beschauliches Leben auf dem Lande nicht weit von Paris entfernt.

Seine Haushälterin Mercédès hält alles so weit in Ordnung. Der Alte ist schon ein wenig schrullig, und man meint, ihn vor sich hinknurren zu hören. Zuerst hält man ihn für einen kleinen Angestellten, der seinen Lebensabend genießt. Doch weit gefehlt davon ist er ein passabler Maler, nicht besonders ambitioniert aber mit nicht geringen Auszeichnungen versehen. Er lebt ein glückliches Leben.

Jeden Sonntag kommt sein Sohn Gonzague, auch Edouard genannt, mit Frau und drei Kindern zu Besuch. Auch dieser hat sich an der Malerei versucht, ist jedoch daran gescheitert,–zum Glück für Monsieur Ladmiral, der die Kunst als sein Metier betrachtet. Dass Edouard Kaufmann wurde, passt aber auch nicht so recht in das Weltbild seines Vaters. „Ins Büro gehen war für Monsieur Ladmiral ein Zeichen von Knechtschaft und Armseligkeit“.  Gonzague lässt keine Anzeichen von Weltläufigkeit erkennen und ist mit sich und dem Dasein im Kolonialwarenhandel zufrieden.

Dieser Sohn, dessen drei Kinder und die Schwiegertochter sind eher ein Ärgernis als eine Freude für Monsieur Ladmiral. Gonzague ist zu geflissentlich, die Schwiegertochter nervig und die drei Kinder sind ganz nett werden aber ständig zur Ordnung gerufen.

Erst als Irène, die Tochter des Hauses, zur Tür hereinschneit, wird der alte Herr munter. Sie ist so ganz das Gegenteil von der spießigen und anbiedernden Sohnesfamilie. Ein frischer Wind scheint mit ihr aufzukommen, denn sie ist offen, zu Scherzen aufgelegt und einfach eine große Freude für ihren Vater. Er weiß nicht viel von ihr, kann sich nur vorstellen, dass sie ein sehr anderes Leben lebt, als er es gewohnt war. Ob sie ein wenig damit seine eigenen verdrängten Träume auslebt? Zwischen Bruder und Schwester steht es nicht gerade zum Besten.

Der 1945 zum ersten Mal veröffentlichte Roman von Pierre Bost ist ein poetisches und ruhiges kleines Meisterwerk, in dem der Provinzalltag seine Urständ feiert. Wie ein impressionistisches Bild mutet einen die Erzählung an. Pointillistisch dahin getupft erstrahlen die ländlichen Farben, an denen der alte Maler seine Freude hat. Landluft, Mittagsruhe und die ewig gleichen Gespräche zu jedem Sonntagsbesuch sind einerseits Ritual andererseits aber auch Anlass für Ärgernisse. Monsieur Ladmiral ist schon lange Witwer und liebt die freundliche und malerische Kulisse seines Landlebens. Da bieten die Sonntagbesucher zwar Abwechslung und sind doch zugleich auch ein wenig störend.

Pierre Bost hat diesen Roman zwischen den beiden Weltkriegen verfasst. Es weht noch der Zauber der untergegangenen guten alten Zeit durch seine Zeilen, ohne dass sich zukünftiges Ungemach schon am Horizont zeigt.

In der Übersetzung von Rainer Moritz und in der feinen in Leinen gebundenen Aufmachung liegt hiermit ein wunderschöner kleiner Roman aus dem Dörlemann Verlag vor, der Herz und Sinne erfreut.

Pierre Bost
Ein Sonntag auf dem Lande
160 Seiten, gebunden
Dörlemann, 14. Februar 2013
ISBN-10: 3908777852
ISBN-13: 978-3908777854
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Daniela Krien: Irgendwann werden wir uns alles erzählen

Daniela Krien: Irgendwann werden wir uns alles erzählen

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Im bäuerlichen Umfeld einiger Höfe in der ehemaligen DDR nahe der Westgrenze spielt sich eine Amour fou ab, die es in sich hat.

Man lebt dort noch abgeschieden und einfach kurz nach der Wende im Jahr 1990.

In einem der Dörfer gibt es den Brendelhof. Hier leben die Mitglieder einer großen Familie zusammen unter einem Dach. Sie betreiben den Hof, die Landwirtschaft  und einen kleinen Laden. Maria hat bei ihrem Freund Johannes Unterschlupf gefunden,–weit weg von Mutter und Großeltern in einem Nachbardorf. Johannes ist ihr Freund, der gerade Abitur macht und Großes im Sinn hat. Maria schwänzt die Schule und liest lieber Dostojewski. Sie verliebt sich mit ihren 16 und bald 17 Jahren unsterblich in einen schwierigen und um viele Jahre älteren Mann auf dem Nachbarhof. Heimlich geht sie ihn besuchen und verheimlicht allen Mitbewohnern des Brendelhofes und auch ihrer Mutter ihre leidenschaftliche Liebe zu dem Mann, der sich als Sonderling zeigt.

In einer herben Sprache mit kurzen Sätzen erzählt Daniela Krien vom Landleben und deren Bewohnern. Die Mauer ist gerade gefallen und West- und Ostbürger suchen zaghafte Annäherung. Sehr genau beobachtet die Autorin die Verschiedenartigkeit der Welten in Ost und West und die Erfahrungen einer Vergangenheit, die beide Staaten auf lange Zeit getrennt hat. Doch im Zentrum ihrer Erzählung bleibt die große Liebe und die Schuld, die Maria mit ihrer heimlichen Liebe auf sich lädt. Ihr Freund Johannes, mit dem sie ja Zimmer und Bett teilt, ahnt nichts und ist schier blind in seine Arbeit als angehender Fotograph vertieft. In den Brüdern Karamasow liest Maria immer wieder und findet Trost in den Worten Alexejs, des jüngsten der Brüder Karamasows, der sagte: irgendwann werden wir alle auferstehen und uns wiedersehen und alles erzählen. Ein Ausspruch, der gleichsam als Synonym für ihre eigene Schuld und deren Folgen gelten kann.

Der Debütroman der jungen Autorin Daniela Krien fängt die Atmosphäre des Landlebens und der einfachen Lebensweise mit den Eigenarten ihrer Bewohner in dieser abgelegenen Gegend gekonnt ein. Glaubwürdig verfällt die Protagonistin Maria vollkommen ihrer seltsamen Liebe zu Henner, der nicht nur schwierig ist sondern auch unwiderstehlich anziehend auf das junge Mädchen wirkt.

Mit sich steigernder Spannung vertieft man sich in die Geschichte von Schuld, Verzweiflung und Verstrickung und fiebert dem unerwarteten Ende entgegen.

Daniela Krien
Irgendwann werden wir uns alles erzählen
240 Seiten, gebunden
Graf Verlag, September 2011
ISBN-10: 3862200191
ISBN-13: 978-3862200191
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Katharina Bodenstein u.a.: Landleben zwischen Schafen und Bauerngärten

Katharina Bodenstein u.a.: Landleben zwischen Schafen und Bauerngärten

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Aufs Land zu ziehen oder den Garten ländlich anzulegen, eine kleine Idylle zu schaffen, altes Handwerk wiederzuentdecken, selbst Obst und Gemüse anzubauen, vielleicht sogar Tiere zu halten, sind schöne Vorstellungen. Wer also mit derartigen Gedanken spielt, findet Inspiration im vorliegenden Buch.

Zunächst wird das Wohnumfeld näher betrachtet. Manchmal gibt es im eigenen Haus etwas zu entdecken, alte Holzdielen unter Fußbodenbelag, Fliesenmosaike unter Wandverkleidungen oder alte Anstriche unter Tapeten. Man kann auch selbst gestalterisch tätig werden, indem man sich hier auf alte Handwerkstechniken besinnt. Wie man früher Wände und Fußböden gestaltete, wird im Buch beschrieben. Auch altes Mobiliar kann aufgearbeitet werden. Neueres kann man künstlich altern lassen. Für Vorhänge, Kissen, Decken usw. werden Naturtextilien verwendet. Was an Stoffen und Mustern typisch ist für den Landhausstil wird gezeigt. Man kann sich selbst betätigen und filzen und färben und damit für ganz besondere ländliche Dekorationselemente sorgen.
Besondere Aufmerksamkeit kommt der ländlichen Küche zu. Hier findet Altes und Neues zusammen. Man verzichtet nicht auf modernen Komfort, setzt aber mit alten Öfen, Möbeln und Dekorationen gezielt Akzente für Gemütlichkeit. So kommen auch in der Küche alte Techniken wie das Braten im Römertopf, das Brotbacken, Bierbrauen oder das Einkochen von Obst und Gemüse wieder zum Einsatz.

Unter „Leben im Freien“ findet man Anregungen zu einer Freiluftküche oder dem Bau eines Steinbackofens. Kleine gemütliche Sitzecken werden auf der Terrasse und im Garten eingerichtet. Nach diesem Kapitel wird der Blick direkt auf den ländlich umzugestaltenden Garten gerichtet. Obst, Gemüse und Kräuter werden angebaut. Auch für üppigen Blumenschmuck wird gesorgt. Es gibt direkt Vorschläge, was angepflanzt werden kann. Zäune und Wege geben Struktur. Naturmaterialen werden bevorzugt. Natürlich ist der Bauerngarten auch ein Paradies für wild lebende Tiere wie etwa Vögel oder Schmetterlinge
Wer Tiere wie Enten, Gänse, Hühner, Schafe, Schweine, Ziegen oder Esel halten möchte, kann den Vorschlägen folgen. Wie man sich die Haltung vorstellen muss, wird beschrieben. Geeignete Rassen der verschiedenen Tierarten werden vorgestellt.

Mit dem Buch wird das, was das Landleben ausmacht in einem kleinen überschaubaren Rahmen präsentiert. Die Natur, im Laufe der Jahreszeiten, wird ganz bewusst zum Lebensraum. Das spiegelt sich in Haus und Garten wider.
Das Buch soll als Inspiration dienen, sich hier ein Stückchen zu verwirklichen. Man muss nicht alles umsetzen, sondern kann auch ganz klein anfangen oder durch Umgestaltung des vorhandenen neue Akzente setzen.
Man kann umstellen auf biologisches Gärtnern und beim Anbau auf Regionales setzen und sich wieder die alten Obst- und Gemüsesorten in den Garten holen. Hier gibt es auch gleich die passenden Rezepte beispielsweise zu Kornelkirschenkonfitüre, Milchsaurem Rotkraut oder Beerenlikör.

Es ist spannend, sich mit dem Buch zu beschäftigen und Anregungen zu entnehmen. Blättern macht Spaß, denn das Buch ist auch schön gestaltet und mit vielen inspirierenden Fotos versehen. Ganz zum Schluss gibt es noch eine Liste mit hilfreichen Adressen, so dass man erfährt, wo man historisches Baumaterial herbekommen, sich nach alten Haustierrassen erkundigen oder Pflanzen bestellen kann.

Rezension von Heike Rau

Katharina Bodenstein
Jutta Schneider
Michael Will
Landleben zwischen Schafen und Bauerngärten
157 Seiten, gebunden
Thorbecke Verlag
ISBN-10: 3799535691
ISBN-13: 978-3799535694
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Irmgard Hochreither: Schöner Mist

Irmgard Hochreither: Schöner Mist

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Begeisterung für ein anderes Leben!

Äußerst flott und schmissig geschrieben ist dieser Bericht der Sternredakteurin Irmgard Hochreither über ihre Erfahrungen mit dem Landleben.

Sie ist ein eingefleischter Stadtmensch, als der Mann an ihrer Seite sie mit dem Vorhaben überrascht, für die Wochenenden ein Haus auf dem Lande zu mieten. Empört weist sie das Ansinnen zurück, kann sich aber seinen Verführungskünsten nicht entziehen, als sie das Dörfchen Polkefitz im Wendland besuchen. Ein uriges Haus, freundliche Dorfbewohner und das beschaulich in der Landschaft ruhende Dorf haben es ihr alsbald angetan. Plötzlich empfindet sie eine Ruhe abseits der Hektik und dem Glamour der Großstadt, die sie nicht fassen kann! Freudig willigt sie in das  Abenteuer vorübergehenden „Aussteigens“ aus dem Hamburger Alltag ein.

Rundum unterhaltsam beschrieben, malerisch und treffend skizziert erscheint vor uns eine Landidylle, die man in den Bereich der Märchen verweisen möchte. Doch alles ist wahr: freundliche Nachbarn, der Duft von Brot, Wein und Käse und die wild und bunt beschriebene Natur lassen keinen Zweifel aufkommen, dass sich alles genauso zugetragen hat, wie hier beschrieben. Es gibt sie also noch: die Idylle der Natur, die liebenswerten Kauze, die so ganz im Kontrast zu den gestylten Stadtmenschen leben. Diese schauen natürlich neugierig einmal im Dorf vorbei, und man spürt die Unvereinbarkeit zwischen jenen und den Hiesigen!

I. Hochreither richtet unsere Blicke auf die zwei Welten „Stadt“ und „Dorf in ländlicher Abgeschiedenheit“, die nicht mit einander kompatibel zu sein scheinen. Wer jedoch diese Idylle für sich entdeckt und Sinn für sie hat, der kann von ihr offensichtlich nicht mehr lassen. Die Autorin macht nicht etwa Reklame nach dem Motto „Zurück zur Natur“. Sie lässt uns einfach teilhaben an der Freude, dem Reiz, den Überraschungen und den fröhlich zufriedenen Stunden, die sie hier verlebt. Auch die Menschen in diesen abgelegenen ehemaligen Zonenrandgebieten sind von einer so freundlichen Zugewandtheit und Selbstverständlichkeit im Umgang, dass man sich dort einfach wohlfühlen muss!

Hochreither beschreibt eine Welt, die fast am Rande steht, gäbe es da nicht Gorleben mit seinen Atommüllproblemen in der Nähe.

Leicht und locker geschrieben und amüsant zu lesen bietet der muntere Bericht angenehme und fröhliche Unterhaltung!

Irmgard Hochreither
Schöner Mist
208 Seiten, broschiert
Ullstein Tb, Februar 2011
ISBN-10: 3548373739
ISBN-13: 978-3548373737
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