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Schlagwort: Leidenschaft

Carola Saavedra: Blaue Blumen

Carola Saavedra: Blaue Blumen

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Liebe, Verlust, Leben, Leidenschaft…

Ein Mann und ein Frau geraten sehr zufällig in einen geheimen Kontakt zueinander.

Die Frau schreibt Liebesbriefe an ihren verflossenen Liebhaber, die sie an die Adresse richtet, in der mittlerweile ein anderer Mann wohnt.

Wortgewandt im Ausdruck und tiefschürfend in den Gefühlen kann man den Liebesbriefen entnehmen, dass die unbekannte Frau ihren Freund sehr geliebt hat. Sie lässt in ihren Schilderungen keine Einzelheiten dieser für sie mit Sehnsucht nach Glück besetzten Beziehung aus. Ihr Liebhaber hat sie verlassen, und nun geht sie in ihren Gedanken den gemeinsamen Erlebnissen und gelebten Erinnerungen nach. Indem sie ihn direkt anspricht, wähnt man die Frau in einer Art Selbstgespräch mit dem verflossenen Liebhaber. Die langen Monologe bieten Erinnerungen, gute, schlechte, traurige und melancholische.

Der fremde Mann, der in den Besitz dieser an einen anderen gerichteten Briefen gelangt, wird neugierig und gerät nach und nach ganz in den Bann der für ihn so fremden Frau. Doch er ist selber ein Verlassener, der ab und zu seine dreijährige Tochter bei sich hat. Er fühlt sich fremd in seiner Haut mit dem kleinen Kind und einer Frau, die ebenfalls die Trennung herbeigeführt hat.

Mit zahlreichen Beispielen und Wendungen in der Wortwahl darf man sich in eine Welt hinein versetzen, in der Gefühle aufgespürt und aufgerührt werden, die beide Protagonisten im tiefsten Inneren anrühren und verbinden.

Während die Briefschreiberin merkwürdig fleischlos wirkt, ist der Mann auch im Alltag zu sehen: er führt Gespräche mit neuen Liebhaberinnen, mit seiner Exfrau, seinem Kind und seiner Sekretärin. Er ist ein trauriger und ganz in sich zurück gezogener Zeitgenosse. Voller Melancholie verirrt er sich in seinen Phantasien zu der geheimnisvollen Briefschreiberin, von der er sich ein illusionäres Bild macht. Sie ist ja nicht greifbar, nicht real und nur immer in ihren sehnsuchtsvollen Briefen vorhanden.

Insgesamt ist der Roman von tiefer Melancholie, Resignation aber auch Leidenschaft und Einsamkeit getragen. Fiktion bestimmt das Leben der Protagonisten, die den Weg ins reale Leben nicht zu bewältigen scheinen.

Die Geschichte bietet ein nachdenkliches und poetisches Bild einer Welt zwischen Traum und Wirklichkeit.

Das Ende bietet noch einmal eine überraschende Wende, in der so recht deutlich wird, wir leicht wir von unseren Phantasien überwältig werden können, die uns ein Leben mit Leidenschaft und Glück verheißen wie es sie in dieser reinen Form wohl niemals gibt.

Maria Hummitzsch ist eine kongeniale Übersetzerin. Man lese das Buch in einer ruhigen Stunde, um sich ganz dem Eindruck des Lebens dieser beiden Hauptfiguren zu überlassen.

Carola Saavedra
Blaue Blumen
223 Seiten, gebunden
C.H.Beck, März 2015
ISBN-10: 3406675670
ISBN-13: 978-3406675676
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Michael Ballhaus: Bilder in meinem Kopf

Michael Ballhaus: Bilder in meinem Kopf

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Leben mit der Kunst!

Michael Ballhaus ist dieser ungemein sympathische, warmherzige und aufmerksame Kameramann, der es in seinem Leben zu einigem Ruhm gebracht hat. Schon früh interessierte er sich für Fotografie und nichts lag daher ferner, als dass er dieses Metier zu seinem Beruf gemacht hat.

In seinem Erinnerungsbuch geht es naturgemäß um sein Leben als Kameramann. Zunächst hat er mit R. W. Fassbinder gearbeitet, dessen frühes Genie Legende wurde. Einfach hatte man es mit diesem Regisseur nicht. Und hier zeigt sich auch schon die Richtung, in die das Buch von M. Ballhaus steuert: Er ist mit Leib und Seele beim Film und weiß zahlreiche interessante Begebenheiten von den Regisseuren zu berichten, mit denen er zuerst in Deutschland später in Amerika gearbeitet hat. Berühmte Regisseure wie Scorsese, Copola und viele andere haben ihn immer wieder um seine Mitarbeit  gebeten. Mit Leidenschaft berichtet er aus dem Nähkästchen der Filmgrößen, ihren Vorzügen und ihren Eigenheiten.

Seine Familie wird erwähnt als Hort der Ruhe und Geborgenheit, in der er auftanken konnte. Besonders seine Frau Helga war ihm eine unersetzliche  Ratgeberin, deren Zuneigung ihm alle die anstrengenden Jahre hindurch gewiss war. Dass sie starb, als er sich zur Ruhe setzen wollte, blieb für ihn schwer zu ertragen. Doch eine späte zweite Ehe schenkte ihm noch einmal tiefes Glück.

Insgesamt kann man sagen, dass das Buch von M. Ballhaus eine Geschichte des Films in Deutschland und Amerika und seiner zahlreichen Protagonisten darstellt.

Er berichtet detailreich, empathisch und erfüllt von seinen Jahren in dieser unruhigen Welt der Filmemacher und Künstler. Wer sich für die Filmgeschichte der einschlägigen Werke von der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts bis heute interessiert, ist mit diesem Werk gut bedient. Die Biographie dreht sich um den Beruf und erst nachrangig um das eigene Befinden. Doch wer den Autor einmal life erlebt hat, der findet diesen sympathischen, leidenschaftlichen und herzlichen Menschen in seinen Berichten wieder.

Michael Ballhaus
Bilder in meinem Kopf
320 Seiten, gebunden
Deutsche Verlags-Anstalt, März 2014
ISBN-10: 3421045666
ISBN-13: 978-3421045669
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Robin LaFevers: Dark Triumph – Die Tochter des Verräters

Robin LaFevers: Dark Triumph – Die Tochter des Verräters

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Auch Sybella ist eine ausgebildete Meuchelmörderin. Als Beauftragte des Todes spioniert sie d’Albret aus, während Ismae an der Seite der Herzogin weilt.
Es ist keine leichte Aufgabe, denn d´Albret, ein skrupelloser Verräter, könnte ihr Vater sein. Zumindest hat er sie aufgezogen. Allerdings würde Sybella ihn lieber tot sehen. Dass er kein Todesmal trägt, hindert sie allerdings daran, ihren Plan umzusetzen. Offenbar hat der heilige Mortain andere Pläne mit ihm.

Und zunächst hat auch Sybella eine andere Aufgabe umzusetzen. Es gilt einen Gefangenen zu befreien, der der jungen Herzogin noch von Nutzen sein kann, kämpf er doch voller Inbrunst für ihre Sache.
De Waroch ist ein unglaublich stattlicher Ritter. Sein Kampfgeist und seine
äußere Erscheinung haben ihm den Namen „Die Bestie“ eingetragen. Aber Sybella entdeckt den weichen Kern unter der harten Schale.

Irgendwann wächst in Sybella der Zweifel an ihren Aufträgen. Wessen Wünschen entspricht sie mir ihren Taten? Erfüllt sie wirklich ihre Bestimmung oder ist sie zum Spielball einer herrschsüchtigen Äbtissin geworden? Ihr Misstrauen lässt sie einen Plan entwerfen, für den sie all ihren Mut brauchen wird und die Hilfe de Warochs.

„Dark Triumph – Die Tochter des Verräters“ folgt auf „Grave Mercy – Die Novizin des Todes“. In diesem ersten Band ging es um die junge Ismae, ebenfalls eine Tochter des Todes und eine im Kloster ausgebildete Meuchelmörderin.
Es ist seltsam zu sehen, dass der Schreibstil der gleiche geblieben ist. Dadurch sind Ismae und Sybella in ihrer Art zu denken und zu handeln verwechselbar.
Dieser 2. Band ist dadurch vielleicht nicht ganz so authentisch wieder erste, aber wie wollte man diesen auch übertreffen?

Wieder geht es um Macht, um Intrigen und Ränkespiele, um Mord und Verrat, aber auch um die Liebe. Man wird ausgesprochen gut unterhalten und auch fasziniert von dieser Geschichte, die in einem ordentlichen Tempo und dennoch sehr gefühlvoll erzählt wird. Die Autorin versteht es, ganz unterschiedlich Stimmungen zu schaffen. Selbst die fantastischen Elemente, sind so glaubwürdig eingewoben, dass man diese niemals in Zweifel ziehen würde. Nicht zuletzt überzeugen auch die gut ausgearbeiteten Charaktere, allen voran Sybella, einer wirklich erstaunlichen jungen Frau.

Beide Bücher sind eng miteinander verbunden. Man sollte den ersten Band also unbedingt gelesen haben, bevor man mit dem 2. beginnt, auch wenn die Geschichten ineinander abgeschlossen wirken.

Rezension von Heike Rau

Robin LaFevers
Dark Triumph – Die Tochter des Verräters
Aus dem Englischen von Michaela Link
544 Seiten, broschiert
cbj, München
ISBN-10: 3570401790
ISBN-13: 978-3570401798
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Alfred Neven DuMont: Drei Mütter

Alfred Neven DuMont: Drei Mütter

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Kindheit, Liebe, Lust und Leidenschaft.

Handelt es sich hier um einen Liebesroman oder um einen Entwicklungsroman?
Ich vermute beides.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Junge Alwyn, der zu Beginn der Erzählung etwa fünf Jahre alt ist. Er wird von einer bildschönen Mutter versorgt, die ihn zärtlich liebt und ihm alle körperliche Wohltaten einer stillenden Mutter zuteil werden lässt. Leider steht es um die Ehe der Eltern nicht zum Besten. Als der Vater schließlich die Familie verlässt, verlustiert sich die Mutter mit einem neuen Liebhaber. Alwyn gerät nun in die Fänge seiner fünf Jahre älteren Schwester Alwena. Sie erzieht ihren Bruder, liebt und züchtigt ihn. Diese fast inzestuöse Beziehung zeitigt jedoch auch seelische Folgen.

Als Alwyn in die Schule muss, passt ihm das gar nicht. Verwöhnt, hübsch und klug zieht er den Neid der Mitschüler auf sich, bis Egon erscheint. Jetzt hat er einen Beschützerfreund, der zugleich noch die Lehrfunktionen von Alwena genießt. Sie macht aus Egon einen passablen Schüler.

In dieser wohligen Kinderwelt gibt es kaum Kummer aber viel Eros und Wohlgefallen. Doch ganz unberührt bleibt der Knabe nicht von der Verfolgung böser Geister, hinter der sich eine verkappte Depression verbirgt.

Alwyn wächst heran und ist der Liebling der Frauen. An Zuwendung mangelt es ihm nie. Er ist klug und lernt leicht, so dass er ein äußerlich unbeschwertes Leben führt. Alfred Neven DuMont erzählt die Geschichte seines sensiblen und vom Glück begünstigten Helden mit Liebe und Einfallsreichtum. Malerische Landschaftseindrücke, ein träumerischer Liebling der Götter; so ist das Leben in Freuden perfekt! Um ihn herum mögen die Beziehungen in die Brüche gehen: er bleibt der unangefochtene Held, den fast nichts aus der Bahn wirft, denn an liebestollen Frauen mangelt es ihm nicht.

Erst bei dem Besuch seines Großvaters in Afrika erfährt er, wie sehr ihm ein beschützender Vaterfreund gefehlt hat!

Mit zahlreichen Liebesszenen angereichert wird die Geschichte leicht, ruhig und einfühlsam beschrieben. Ist die Mutter auch exzentrisch und der Vater oft abwesend: unser Helden meistert sein Leben ungestört. Der Großvater in Afrika aber ist seine große Entdeckung, denn er in ihm findet er einen liebevollen und weisen väterlichen Freund.

Die Entwicklung vom vergötterten Kleinkind zum schönen und klugen Mann geht insgesamt jedoch ohne schwere Einbrüche vonstatten.

Alwyn geht seinen Weg  und schließt Frieden mit seinen diversen Freundinnen und Bezugspersonen. Einzig seine Besitz ergreifende Schwester wird mit seiner Loslösung von ihr nicht fertig.

Die ruhige, liebenswürdig daher erzählte Geschichte liest sich unbeschwert und einfach. Man findet Vergnügen an einem Leben mit geringen Aufregungen und Kümmernissen, wenn es so auch der wirklichen Welt kaum entspricht. Soll um ihn herum die Welt in Trümmern liegen. Alwyn bewegt sich unberührt von Betrübnissen und schwerem Leid des Lebens zwischen den ihn liebenden Frauen um ihn herum auf Forschungspfaden. Er wird ein glücklicher Mann. Und wir erleben die Entwicklung einer Adoleszenz, die ihresgleichen sucht.

Eine leichte und kurzweilige Lektüre bietet Alfred Neven DuMont mit diesem Roman seinem geneigten Lesepublikum.

Alfred Neven DuMont
Drei Mütter
364 Seiten
Hoffmann und Campe, März 2013
ISBN-10: 3455404219
ISBN-13: 978-3455404210
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Jennifer Benkau: Dark Destiny

Jennifer Benkau: Dark Destiny

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Joy ist verzweifelt. Neél ist dem Tod näher als dem Leben und das hat Matthial zu verantworten. Sterben lässt er ihn jedoch nicht. Zusammen mit Jamie bietet er Neél den Percents zum Tausch an. Doch wenig später erfährt Joy von Matthial, dass Neél es nicht geschafft hat. Eine Welle der Trauer erfasst sie. Joy mag nicht länger bei ihrem Clan bleiben, der nun, da die Lage draußen immer schwieriger wird, in den Kanaltunneln lebt. Außerdem will sie wissen, wie Neél gestorben ist. Durchs Bomberland macht sie sich auf den Weg zu Jamies Clan und geht ihm in die Falle. Sie wird seine Gefangene. Aber sie erfährt von ihm auch, dass Matthial gelogen hat und Neél es doch geschafft hat. Er lebt wieder unter den Percents. Das gibt Joy Kraft. Sie findet zu ihrer alten Stärke zurück. Das ermöglicht ihr die Flucht. Sie will nur eins, Neél wiedersehen. Dafür geht sie in die Stadt, die sich als sehr gefährlicher Ort für sie erweist, auch wenn sie alle Rechte hat, sich hier aufzuhalten.

Nach „Dark Canopy“ folgt nur der zweite Band „Dark Destiny“. Man sollte das erste Buch unbedingt gelesen haben, sonst wird es schwierig zu verstehen, worum es geht. Davon abgesehen ist „Dark Canopy“ ein wirklich gutes Buch, dass man sich auch einfach nicht entgehen lassen sollte. Der zweite Band steht dem in nichts nach. Die Geschichte wird sehr spannend weiterentwickelt. Und wieder ist es die Stimmung, die begeistert. Sehr gefühlvoll und mit ungeheurer Traurigkeit wird die schwierige Beziehung von Joy und Neél beschrieben, auch wenn es einige glückliche Momente gibt. Auch die politische Situation, der Kampf zwischen Menschen und Percents, wird fortgeschrieben. Es ist die Kriegssituation, die es nicht zulässt, das Neél und Joy zusammen glücklich werden. Am Ende fragt man sich, ob die Geschichte nun abgeschlossen ist. Es bleiben zu viele Fragen offen.

Rezension von Heike Rau

Jennifer Benkau
Dark Destiny
464 Seiten, gebunden
Script 5
ISBN-10: 3839001455
ISBN-13: 978-3839001455
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Leif Davidsen: Die Wahrheit stirbt zuletzt

Leif Davidsen: Die Wahrheit stirbt zuletzt

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Magnus Meyer feiert seinen 80. Geburtstag. Einen weiteren wird es nicht geben. Er rechnet ab mit seiner Vergangenheit. Die Geschichte könnte wahr sein oder zumindest einen wahren Kern besitzen. Manche Erinnerungen verblassen nun mal im Laufe der Zeit, andere nicht.

Magnus Meyer geht zurück in das Jahr 1937. Er ist heimgekehrt nach Dänemark, weil seine Schwester Marie es wollte. Magnus soll den jüngeren Bruder Mads zurückholen, der freiwillig in Spanien im Bürgerkrieg kämpft.
Es wird arrangiert, dass Magnus als Journalist einreisen kann. Tatsächlich findet er den Bruder, der aber nicht nach Hause zurückkehren möchte. Es kommt zu einem handfesten Streit zwischen den Brüdern. Aber Magnus kann dem Bruder nicht seinen Willen aufzwingen.

Magnus trifft auf den spanischen Journalisten Joe Mercer. Das ist kein Zufall, aber das ahnt Magnus nicht. Er hört von dem legendären spanischen Goldschatz, der außer Landes gebracht wurde, nur eben nicht vollständig. Magnus verspricht sich Reichtum durch seine Beteiligung an der Bergung des im Lande verbliebenen Anteils. Als er seine wahre Rolle in diesem Spiel erkennt, muss er töten, um zu überleben.

Hier in Spanien begegnet er auch der russischen Kriegsfotografin Irina. Zwischen den beiden beginnt eine leidenschaftliche Romanze. Das Glück bleibt allerdings nur kurz. Irina wird nach Moskau zurückbeordert. Sie verschweigt es Magnus, geht ohne Abschied, lässt ihn aber wissen, dass er ihr nicht folgen soll.

Das Kriegsgeschehen und die politischen Umstände bilden die Kulisse für diesen erschütternden Roman. Die innere Geschichte, die die Magnus Meyers Leben für immer verändern sollte, ist perfekt darin eingebettet. Es ist eine unglaubliche Geschichte. Keine, die geradlinig verläuft. Als Leser wird man immer wieder überrascht, nervenaufreibend durchgeschüttelt und mit Gewalt und Tod konfrontiert. Schöne Momente gibt es nicht, auch wenn sich diese Liebesgeschichte zwischen Magnus Meyer und Irina abspielt. Es sind gestohlene Momente. Man ahnt, dass die beiden keine Chance haben.

Die Vergangenheit lässt sich nicht abstreifen, auch wenn man sagen könnte, dass Magnus das Beste aus seinem Leben gemacht hat. Er ist ein Mann, der getan hat, was getan werden musste und ein bisschen mehr. Er hat eine sympathische Art, die sich aber immer weiter verliert, denn er ist auch ein Mörder, ein Betrüger und ein Lügner.

Es ist ein überaus spannendes, sehr glaubwürdiges Buch. Eines, das Gefühle auslöst, das sprachlos macht. Es ist in einem wirklich grandios gutem Schreibstil verfasst. Aber es ist auch schonungslos geschrieben und bestimmt nichts für schwache Nerven.

Rezension von Heike Rau

Leif Davidsen
Die Wahrheit stirbt zuletzt
Aus dem Dänischen von Anne-Bitt Gerecke
528 Seiten, broschiert
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423214007
ISBN-13: 978-3423214001
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Tom Gamble: Tal der Hoffnung – Eine Marokko-Saga

Tom Gamble: Tal der Hoffnung – Eine Marokko-Saga

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Es ist ein interessanter Auftrag. Vor allem erlaubt er Harry Summerfield finanzielle abgesichert zu sein und somit in Marrakesch bleiben zu können. Für den Kaufmann Abrach solle er Liebesbriefe verfassen, die an eine fremde junge Frau gerichtet sind, deren Vater der Verwaltungsleiter ist und der damit über politische Macht in der Kolonie verfügt.

Als Summerfield ein erstes Antwortschreiben von Jeanne Lefévre in Händen hält, ist er betroffen. Viel zu viel Herzblut hat er in die Angelegenheit gesteckt und Jeanne tatsächlich mit seinen Briefen bezaubert. Zwar hat er nur im Auftrag Abrachs gehandelt, dennoch ist nun auch die Sehnsucht in ihm geweckt.

Summerfield lernt Jeanne auf einem Empfang kennen, zu dem sein Freund Jim Wilding ihn als Gast mitnimmt. Er offenbart sich ihr und erzählt ihr von dem Auftraggeber. Auch sie hat sich längst in den Briefeschreiber und damit in Summerfield verliebt. Später stellt sich heraus, dass Abrach ohnehin ganz andere Absichten hat. Er will an ihren Vater herankommen und ihn für ein früher verübtes Verbrechen zur Verantwortung ziehen.

Für die beiden jungen Menschen scheint die Zukunft dennoch verbaut. Jeannes Eltern würden einer Verbindung nie zustimmen. Als Sommerfield entführt wird,
schwindet jede Hoffnung auf ein Wiedersehen. So verliebt sich Jeanne in Jim Wilding, den besten Freund Sommerfields.

Das Buch beginnt sehr spannend. Der mysteriöse Kaufmann Abrach scheint die Fäden in der Hand zu halten. Seine Beweggründe, sich in Jeanne verliebt zu haben, will man ihm von Anfang an nicht abnehmen. Tatsächlich nimmt das Unheil seinen Lauf, als Summerfield selbst sich in Jeanne verliebt. Die beiden jungen Menschen sind zutiefst romantisch veranlagt. Aber zu retten ist die Liebe nicht, auch weil Summerfield viel zu leichtgläubig ist.

Es ist interessant zu sehen, wie die Geschichte weiter verläuft. Der Autor erzählt in einer einfachen Sprache, aber auf eine unterhaltsame Art und Weise. Dennoch sind einige Längen, die das Buch hat, nicht zu übersehen. Auch wirken Jeanne Lefévre und Harry Summerfield zu naiv und oberflächlich.

Beeindruckend ist die Kulisse, vor der die Geschichte spielt. Der Autor verliert sich gern in Details und schafft damit einzigartige Szenen vor den Augen des Lesers, die sehr lebendig erscheinen.

Rezension von Heike Rau

Tom Gamble
Tal der Hoffnung – Eine Marokko-Saga
Aus dem Englischen von Yasemin Dincer
Aufbau Taschenbuch
ISBN-10: 3746628652
ISBN-13: 978-3746628653
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Ulrike Schweikert: Das Herz der Nacht – Mit GEWINNSPIEL

Ulrike Schweikert: Das Herz der Nacht – Mit GEWINNSPIEL

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Fürstin Therese Kinsky ist ihrem Retter András Petru Báthory sehr verbunden. Aussichtslos war ihre Lage, als die Pferde mit dem Phaeton durchgingen. Es hätte ihr Tod sein können. So sorgt sie dafür, dass sie diesen faszinierend Mann wiedersieht. Auf ihren Wunsch hin erkundigt er sich am nächsten Abend nach ihrem Befinden. Später in der Nacht kommt er noch einmal und trinkt vom Blut ihres Mannes, bevor er unbemerkt auch in ihr Gemach vordringt, nur um zu sehen. Er ist nicht der Einzige, der nachts im Palais umherschleicht. Kammermädchen Liesbeth ist zu einem kurzen Stelldichein unterwegs. Sie kommt nicht ungeschoren davon.

Fürstin Kinsky und Graf Bárthory freunden sich immer mehr an. Sie nehmen sogar gemeinsam am gesellschaftlichen Leben teil, auch wenn Fürst Kinsky, mit dem sie in unglücklicher Ehe verbunden ist, es unterbinden will.
Doch dann werden die Besuche des Grafen seltener. Eine weitere Frau, auf die ihn Fürstin Kinsky auch noch selbst aufmerksam gemacht hat, vermag ihn zu begeistern. Es ist die begabte, aber sehr zurückgezogen lebende Pianistin Karoline Wallberg. Er nimmt Klavierunterricht bei ihr. Ihre uneheliche Tochter Sophie kommt dem Fremden nicht mit ihrem Vertrauen entgegen. Sie spürt, dass etwas Unheilvolles ihn umgibt.

Für die bestialischen Morde an jungen Frauen Wiens ist Graf Bárthory aber nicht verantwortlich. Und dennoch führt eine geschickt gelegte Spur zu ihm. Der kaiserlich-königliche Kommissär Hofbauer ist in seinem Ehrgeiz nahe dran, ihn der Verbrechen zu überführen.

Graf Bárthory ist ein charismatischer Vampir, der seine Geheimnisse geschickt verbirgt. Er ist Scheusal und Liebender zugleich und das fasziniert an ihm. Die Frauen, die ihm zu Füßen liegen, scheint er geradewegs ins Verderben zu führen. Es ist nicht sein Bestreben. Es ist sein Schicksal. Das wird sehr deutlich gemacht.

Auch wenn Graf Bárthory die Hauptrolle spielt, so sind auch die anderen Charaktere sehr gut ausgearbeitet.
Man liest das Buch mit Faszination und Beklemmung zugleich. Es spielt im winterlichen Wien des 19. Jahrhunderts und die frostige nächtliche Kälte tut ein Übriges. Die Kulisse wird gut beschrieben. Die Geschichte spielt in einem interessanten historischen Kontext. Hier sind viele Details eingeflossen.

Die Szenerie ist also perfekt. Das Geschehen stimmig. Mit ihrem leicht lesbaren Schreibstil führt die Autorin auf unterhaltsame Weise durch das Buch. Das Geheimnisvolle, das Gefährliche ist immer präsent. Es ist eine klassische Vampirgeschichte, die von bekannten Klischees lebt ohne klischeehaft zu wirken. Das gefällt sehr gut.

Rezension von Heike Rau

Ulrike Schweikert
Das Herz der Nacht
476 Seiten, broschiert
Egmont LYX
ISBN-10: 380258497X
ISBN-13: 978-3802584978
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Amanda Hocking: Unter dem Vampirmond – Verführung

Amanda Hocking: Unter dem Vampirmond – Verführung

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Es sind Ferien. Und die verbringen Alice und ihr Bruder Milo bei Jack im Haus am See. Wo Peter ist, weiß Alice nicht. Wichtig ist, dass beide Abstand wahren, auch wenn sie einander nach einem uralten Gesetz verbunden sind. Es ist für Alice zu gefährlich in Peters Nähe, wie sich gezeigt hat. Auch zu Jack fühlt sich Alice nach wie vor hingezogen. Aber auch er hält Abstand, auch wenn es ihm schwerfällt. Alices Gefühle sind vollkommen durcheinander.

Dann geschieht ein schrecklicher Unfall. Alice muss daraufhin für ihren Bruder eine Entscheidung treffen. Dieser Entschluss hat auch einen weitreichenden Einfluss auf ihr eigenes Leben. Ihren Wunsch, sich in einen Vampir verwandeln zu lassen, muss aufgeschoben werden. Vielleicht beruht dieser Wunsch ohnehin auf einer falschen Vorstellung von den Vampiren. Kannte sie bisher nur Jack, seine Brüder Peter und Ezra und dessen Frau Mae, so lernt sie nun auch noch andere Vampire kennen. Vampire, die offenbar keine Selbstbeherrschung haben, und die es auch bald auf ihr Blut abgesehen haben. Und so ist Alice in einer unglaublich gefährlichen Lage, in der es dann nur ums Überleben geht.

Dieser zweite Band von „Unter dem Vampirmond“ ist eine echte Überraschung und fast gar nicht mit dem ersten Band zu vergleichen, was die Spannung betrifft. Jetzt beginnt die Geschichte nämlich erst richtig und nimmt ordentlich Fahrt auf. Alices Bruder Milo und auch ihre Freundin Jane, werden auf sehr dramatische Art und Weise in die Welt der Vampire mit hineingezogen. Überhaupt muss Alice ihre romantischen Vorstellungen und unrealistischen Träume begraben. Mit der märchenhaften Stimmung ist es vorbei.
Der Autorin ist hier wirklich eine phänomenale Gratwanderung gelungen. Ernsthaftigkeit kommt in die Handlung. Auch die Stimmung wandelt sich hin zu mehr Melancholie.

Die handelnden Personen entwickeln sich weiter. Und auch Alice stellt sich nun ihren Problemen. Sehr viel erwachsener ist sie geworden. Aber natürlich schimmert auch immer mal wieder die alte naive Alice durch, die bei Jack und Peter die Instinkte weckt, sie beschützen zu müssen.
Der Schreibstil ist geblieben. Das Buch liest sich flüssig. Weiterhin wird man gut unterhalten. Aber nun hat die Geschichte auch das gewisse Etwas.

Rezension von Heike Rau

Amanda Hocking
Unter dem Vampirmond
Teil 2: Verführung
Aus dem Amerikanischen von Anne Emmert
304 Seiten, Klappenbroschur
cbt, München
ISBN-10: 3570161366
ISBN-13: 978-3570161364
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Lynn Raven: Blutbraut

Lynn Raven: Blutbraut

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Sie dachte, er liebt sie. Das schwört er auch immer noch. Doch Cris hat Lucinda Moreira auch eine Falle gestellt. Lucinda ist für Cris Bruder Joaquín de Alvaro bestimmt. Sie ist seine Blutbraut. Nur sie kann mit ihrem Blut verhindern, dass der große Hexer der Hermandad zum Nosferatu wird.

Lucinda wird zum Familiensitz Santa Reyada gebracht. Sie trägt eine kaum beherrschbare Angst vor dem Mann in sich, dem sie nun begegnen wird. Entgegen ihren Erwartungen verhält Joaquín sich wie ein Gentleman. Doch irgendwann wird er seine Zähne in ihren Hals schlagen wollen oder müssen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Die junge Frau startet in ihrer Verzweiflung einen Fluchtversuch. Mit Blutmagie vermag Joaquín sie zu finden. Sie flieht noch einmal. Wieder holt er sie zurück, bittet sie, mit dem Versprechen, ihr nicht zu nahe zu kommen, für eine gewisse Zeit zu bleiben und wird ihre Lehrmeister in Sachen Magie. Ihre Angst ihm gegenüber will und kann sie nicht bezwingen. Doch muss sie zugeben, dass sie ebenso fasziniert von Joaquín de Alvaro ist. In dem gleichen Maße, wie sie sich angstvoll von ihm abzuwenden versucht, fühlt sie sich auch angezogen von ihm.
Für Joaquín de Alvaro läuft die Zeit davon. Er braucht Lucinda. Er kann sich nehmen, was er von ihr will. Doch er liebt Lucinda viel zu sehr, um sie zu etwas zu zwingen, das sie so rigoros ablehnt.

Am Anfang liest sich das Buch relativ zäh. Doch dann auf einmal, fast übergangslos, ist man plötzlich mittendrin in einer spannenden Geschichte um Liebe und Verrat, um Leidenschaft, Hass und Blutgier.

Der Autorin ist es gelungen, hier zwei außergewöhnlich spannende Charaktere zusammenzuführen. Lucinda Moreira ist eine sehr zerbrechlich wirkende junge Frau, verfügt aber dennoch über Mut und Willenskraft. Lynn Raven hat es geschafft, dass Lucinda dennoch nicht naiv rüberkommt. Man kann ihre Gefühle und die daraus resultierende Handlung gut nachvollziehen.

Im Grunde hat sie Joaquín nichts entgegenzusetzen. Aber er ist nicht das Scheusal, für den man ihn anfangs halten könnte, für den Lucinda ihn hält. Niemals würde er ihr wehtun oder auch nur ihre Gefühle verletzen, auch wenn er nicht verhindern kann, dass andere dies tun. Er liebt Lucinda über alles, ist gebannt von ihr, vermag aber nicht ihren Kreis aus Angst zu durchdringen und sie für sich zu gewinnen und so beschützt er sie einfach nur.

Die Autorin lässt den Leser diese widersprüchlichen Eindrücke hautnah spüren. Man wird beim Lesen in ein Gefühlschaos gerissen, das selten ein Buch zu vermitteln versteht, spürt Gefährlichkeit und Faszination gleichzeitig.
Das Buch ist, um zwei öfter im Zusammenhang benutzte Wörter der Autorin zu gebrauchen, entsetzlich schön.

Rezension von Heike Rau

Lynn Raven
Blutbraut
736 Seiten, Klappenbroschur
cbt, München
ISBN-10: 357016070X
ISBN-13: 978-3570160701
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