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    Martin Page: Antoine oder die Idiotie

    Von Claudine Borries | 14.Juni 2002

    Martin Page Antoine oder die Idiotie Wagenbach ISBN 3 8031 31677
    S.135

    Martin Page, Jahrgang 1975, hat mit der vorliegenden Erzählung eine äußerst geistreiche, hintergündige Geschichte über die Abgründe des menschlichen Daseins und Denkens vorgelegt.
    Wer hat nicht schon mal daran gedacht, daß zu viel Denken , Wissen und Verstehen zu Vereinzelung, Außenseitertum und folgerichtig zu Isolation führen kann?
    Hier versucht einer, diesem Teufelskreis des Daseins als Wissender und Intellektueller zu entkommen.
    Atoine ist der Protagonist der Geschichte. Seine Familie stammte zur Hälfte aus Burma. Seine Großeltern väterlicherseits waren in den dreißiger Jahren nach Frankreich gekommen auf den Spuren einer Vorfahrin , die 700 Jahre zuvor Europa entdeckt hatte! Schon dieses klingt, als stünde die Welt auf dem Kopf.
    Seine Mutter war Bretonin und Strandaufseherin des Umweltministeriums.
    Im Alter von 18 Jahren hat Antoine seine liebevollen und fürsorglichen Eltern verlassen, um in der Haupstadt sein Glück zu suchen. Da er vorurteilsfrei und von wachem Verstand ist, bleibt er unter den Massen ein Heimatloser.
    Sein bester Freund Aslee hat als Säugling als Versuchsobjekt für neue Babynahrung von Nestlé gedient, die mit Phosphor angereichert war. Nun läuft er nachst leuchtend durch die Welt.
    Ein anderer Kumpel, Nachbar im achten Stockwerk seines Wohnhauses, trägt ihn die Treppe hinauf , da Antoine zu unsportlich ist, um die acht Stockwerke immer zu schaffen.
    Antoine verdient sich das Geld für die Miete seiner schlichten Wohnung mit der Übersetzungsarbeit an der Suche nach der verlorenen Zeit ins Aramäische. Der Verlag geht leider Pleite, womit seine Geldquelle versiegt.
    Die Mietzahlungen kann er einstellen, da der Vermieter an Alzheimer leidet.
    Im Konflikt zwischen dem Versuch, ein unmoralischer, der Welt angepasster Mensch zu werden und sich um den Vermieter zu kümmern, entscheidet er sich für letzteres. Dieser Konflikt setzt sich fort. Mal bangt Antoine um den wissenschaftlichen Frotschritt zu Heilung für Herrn Brallaire, mal sorgt er sich, daß damit seine Finanzmisere offenkundig würde.
    Um von seinem Verstand loszukommen, der ihn “ arm, ledig und deprimiert sein läßt“,versucht Antoine sich zuerst als Alkoholiker, besucht danach eine Schule zum Erlernen des Selbstmordes, um sich schließlich ganz der Aufgabe zu widmen, das eigene Denken aufzugeben und sich der Idiotie zu verschreiben. Ein Hilfsmittel bei diesem Vorhaben ist die von seinem Kinderarzt verordnete Medizin Heurozack. Damit gelingt es ihm , die Welt gelassener und ruhiger zu betrachten , und nicht alles und jedes Ding zu hinterfragen.
    Er sucht ein Fitneßstudio auf, pflegt sein Äußeres und wird mehr und mehr zum Durchschnittsbürger, bis er zuletzt als Krönung seiner Laufbahn zum Börsenmakler wird.
    Am Ende wirdwird die Geschiche ein wenig irreal. Der Autor kann die kultivierte und feinsinnig-skurrile Erzählung nicht bis zum Ende durchhalten.

    In Ansätzen aber hat er uns die Welt gezeigt , wie sie ist: voller Widersprüche, Ungereimtheiten, Ungleichheit. Arm und reich und klug und dumm: beide Seiten des Lebens bestehen nebeneinander . Keine Seite ist ohne die andere denkbar.
    Alles läuft darauf hinaus, den Sinn des Lebens zu ergründen, der aber nicht zu finden ist.

    In wahren Gedanken-und Wortkaskaden und mit einem kunstfertigen Sprachgberauch wird die Welt von Antoine, und damit unsere Welt, in diesem Buch beschrieben. Nicht in gleichmäßigem Fluß verläuft die Erzählung, sondern versetzt mit den satirischen, überzeichneten Selbst-und Fremdbeobachtungen des Antoine erleben wir die Widersprüche und Irrwitzigkeiten, mit denen das Leben ausgestattet ist.
    Das Buch ist heiter, voll spritziger Komik, philosophisch und hintergründig und bereitet einen großen Spaß beim Lesen.
    Claudine Borries
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