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    Der perfekte Mann

    Von hera | 7.September 2004

    Er behauptet von sich, der perfekte Mann zu sein. Und wenn Sebastian Busch so von sich erzählt, möchte man ihm fast glauben, wäre da nicht diese extreme Angeberei, diese Selbstverliebtheit, diese bodenlose Arroganz. Auf Partnersuche ist Sebastian jedoch nicht. So trifft ihn die Liebe überraschend, beim Kaffee holen in der Kantine. Dabei geht er normalerweise gar nicht in Kantinen. Kantinen sind für den Agenten für Film- und Fernsehschauspieler kein guter Ort. Es ist nicht sein Revier. So könnte man es Schicksal nennen, dass Sebastian hier seine zukünftige Frau trifft, die gerade ihre Kollegen aufs köstlichste unterhält. Dabei ist sie ihm beim Casting gar nicht aufgefallen und auf dem Kommt-nicht-in-Frage-Haufen gelandet.
    Mit der Liebe will es nicht so recht klappen. Dazu ist Sebastian viel zu rücksichtsvoll und zurückhaltend. Nie würde er sich aufdrängen. Erst die Kuppelversuche von seiner Chefin Frau Maibach zeigen Erfolg und so kommen Traumfrau und Traummann zusammen. Das Zusammenleben des Paares verläuft ohne Höhepunkte. Sebastian lässt seiner Frau jeden Willen und passt sich uneingeschränkt ihren Bedürfnissen an. Doch ein Mann, der nicht widerspricht, der keine Angriffspunkte hat, wird zur Witzfigur. Das ist zumindest gut für die Karriere der Frau. Für die Beziehung jedoch nicht.

    Das Buch ist ein Knaller. Zunächst glaubt man nicht, dass diesen selbstverliebten und von sich selbst überzeugten und so leidenschaftslosen Mann irgendetwas aus der Ruhe bringen kann. Doch mit Erstaunen stellt man fest, dass Sebastian doch ein ganz massives Gefühl zulassen kann. Eifersucht. Und die überfällt ihn praktisch in dem Augenblick, als er seine Frau kennen lernt. Und als sie dann zusammenleben, fällt es ihm immer schwerer, den lockeren Lebenswandel seiner Frau zu tolerieren. Mit Spannung wartet der Leser darauf, dass die Schmerzgrenze endlich erreicht wird und Sebastian über seinen eigenen Schatten springt und aufwacht, nicht nur zuschaut, das Verhalten seiner Frau nicht immer nur vor sich selbst rechtfertigt. Es ist nicht zum Aushalten. Als Leser möchte man am liebsten ins Geschehen eingreifen und Sebastian wachrütteln. Das macht die Spannung in diesem Buch aus. Dazu kommt der tolle Schreibstil. Das Buch ist mit viel Witz und Ironie geschrieben und dennoch kann man eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht absprechen. Als Leser wird man gut unterhalten, aber auch nachdenklich gemacht.

    Über den Autor:
    Morten Feldmann ist Jahrgang 1967. Er studierte Publizistik in Berlin und Köln und arbeitete in verschiedenen Jobs bei Film und Fernsehen. Neben einigen Drehbüchern schrieb er vor allem Kurzprosa und arbeitete gelegentlich als Dialog- und Script-Doctor. Morton Feldmann ging 2001 in die USA, wo er in der Nähe von Los Angeles lebt. „Der perfekte Mann“ ist sein erster Roman.

    Rezension von Heike Rau

    Morten Feldmann
    Der perfekte Mann
    186 Seiten, gebunden
    Kunstmann Verlag, München
    ISBN: 3-88897-365-1
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