Andrea Göpel: Mein Garten – Kleine Gärten ganz groß

Andrea Göpel: Mein Garten – Kleine Gärten ganz groß

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Kleine Gärten ganz groß“ ist das Begleitbuch zur Ratgebersendung „Mein Garten“ bei RTL. Hier wird der Beweis angetreten, dass ein kleiner Garten keineswegs beengt oder langweilig sein muss. Mit der richtigen Planung wird auch aus Gärten, die weniger als 200 Quadratmeter haben ein kleines persönliches Paradies. Natürlich finden die entsprechenden Vorlieben der Besitzer Beachtung.

Wie man den kleinen Garten plant, wird im Buch genau erklärt. Die Wünsche aller Familienmitglieder stehen dabei im Vordergrund. Im Buch werden entsprechende Vorstellungen umgesetzt. Damit man sich ein Bild davon machen kann, wie das aussieht, werden Bilder gegenübergestellt, die den Garten vor und nach den Umbaumaßnahmen zeigen. Dann geht es auch schon ins Detail. Der neu anzulegende Garten wird genau beschrieben und anhand eines Gartenplanes gezeigt. Nun geht es an die Umsetzung, die Schritt für Schritt erklärt wird. So kann man sich ein genaues Bild von den anstehenden Arbeiten machen und abschätzen, wie weit das eigene handwerkliche Geschick reicht, um die Arbeitsanleitungen ausführen zu können.

Gut gefällt an dem Buch, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist, ob man nun einen Spielplatz für die Kinder haben möchte, einen schönen Platz zum draußen sitzen, ob man es lieber bunt mag oder eher pflegeleicht, ob man lieber einen Küchengarten möchte oder einen Garten mit Wasserbecken für Goldfische und Wasserpflanzen.
Die Erklärungen sind sehr ausführlich gehalten, gehen aber gerade bei den handwerklichen Arbeiten nicht ins Detail, auch wenn es viele Tipps gibt. Es geht um die Vermittlung von Ideen. Als Hobbyhandwerker ist man klar im Vorteil und wird kaum Probleme bei der Umsetzung haben. Aber genau für diese Zielgruppe ist das Buch ja auch gedacht.
Gut ist auch, dass immer beschrieben wird, wie bestimmte Gartengestaltungen wirken und welche Pflanzen für verschiedene Ansprüche man setzen muss oder wie man für schöne Blickfänge sorgen kann. Für sich entdecken kann man auch viele Details, wie etwa das Bett im Freien, das Spielhäuschen, die Rasenfläche, die man nicht mähen muss oder auch den Glücksbrunnen. Dazu gibt es viel Tipps zu Deko-Elementen oder Lichtakzenten für den Abend.
Gestaltet ist das Buch sehr ansprechend und übersichtlich. Es gibt viele Fotos, Zeichnungen und Pläne. Dazu kommt, dass das „Mein Garten“-Team mit seinen Gartenideen wirklich überzeugt und auch motiviert, den eigenen Garten umzugestalten.

Rezension von Heike Rau

Andrea Göpel
Bernd Franzen
Michael Penners
Mein Garten – Kleine Gärten ganz groß
144 Seiten, broschiert
Egmont vgs
ISBN: 978-3802536083
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Paula un d die Leichtigkeit des Seins

Paula un d die Leichtigkeit des Seins

Diese Geschichte ist für Jung und Alt. Sie ist hinreißend und man liest sie mit zunehmendem Entzücken!
Sie handelt von der dicken Paula. Zuerst ist sie noch gar nicht dick, aber mit acht Jahren wird sie immer dicker. Alle ihre vielen Geschwister sind nicht so dick. Sie fühlt sich immer schwerer auf der Erde. Im Schwimmbad und selbst im Toten Meer geht sie unter; und der Vater kann sie nicht mehr in die Luft schmeißen wie in ihren guten Zeiten. Auch die Onkels klagen über Rückenschmerzen.
Sie hat viele Brüder, Schwestern, Onkels und Tanten, Cousins und Cousinen, die über die ganze Welt verstreut sind. Und dann kommt Onkel Hiram aus Australien zu Besuch. Paula versteckt sich aus Angst, dass auch er sie zu dick findet. Aber weit gefehlt! Er schmeißt sie in die Luft…….und da bleibt sie!
Sie findet es herrlich, fühlt sich leicht wie eine Feder und will nie wieder herunterkommen.
Man versorgt sie mit Hilfe von Gasluftballons, an denen Tische, Körbe mit Essen und Leckereien und natürlich Bücher hinaufgeschickt werden in die luftige Höhe.
Paula bleibt dort oben fast ein ganzes Jahr. Und was sie da sonst noch alles erlebt, das soll ein jeder selber lesen.

Dieses Buch ist von einer drolligen Sprache, ganz so, wie Kinder denken und sprechen.
Die skurrile Idee, ein dickes Kind von aller Erdenschwerer zu befreien, ist ein selten guter Einfall. Da die Erlebnisse so lustig, heiter und ganz selbstverständlich sind, kann sich niemand dem Charme dieser Erzählung entziehen.
Der schönste Satz aber ist dieser, allen Bücherfreunden zu Herzen gehend:
< Paula hat Bücher und sie hat den Himmel. Und wer Bücher und den Himmel hat, der kann den ganzen Tag nur lesen und schauen, und es wird nie langweilig>.

Dem Berlin Verlag sei Dank für dieses wunderschöne, ernsthafte und heitere Büchlein mit den schönen Illustrationen von Peter Schössow.

Allen Bücherfreunden mit Humor sei geraten: lest es!

Zoran Drvenkar
Paula un d die Leichtigkeit des Seins
Wer dick ist, hat es nicht leicht auf der Erde
ISBN:3827051967
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Der Traum von Ségout

Der Traum von Ségout

Paul Parin Derr Traum von Sègou

Europäische Verlagsanstalt ISBN 3434505075

Der Traum von Ségou: das ist der Traum, den Paul Parin im Angesicht des zu erwartenden Todes seiner Frau immer wieder träumt: sie stehen und fahren auf einem Boot auf dem Niger, Goldy will weg. Es ist zu viel Polizei um sie herum. Die Landschaft und die Vögel werden malerische und intensiv beobachtet. Die Stille der Natur, alles erscheint so friedlich. Dann ist Paul P. plötzlich alleine, seine Frau ist ihm weit voraus in einem anderen Boot und entschwindet nach und nach ganz aus seinem Blickfeld.
Der Traum nimmt vorweg, was Paul P. dann erlebt: die geliebte Frau, mit der er so viele Jahre verheiratet war, stirbt 1997.
Zuerst fühlt er sich leer, kann nicht lesen und nicht schreiben. Langsam findet er zurück in die Welt und schreibt Geschichten, Erinnerungen und Essays, die Spuren seines langen Lebens in sich bergen.
1916 geboren, stammte er aus einer jüdischen Familie aus Südungarn.
Liebevoll erzählt er von seiner Familie, seinen Großvätern und seinen Erinnerungen an sie und die untergehende Welt der k.u.k. Monarchie.
Immer wieder werden Erlebnisse mit seiner Frau Goldy zum Thema seiner Geschichten.
Mit ihr führte er eine ungewöhnliche Ehe, deren enge Bindung nicht nur auf Liebe sondern auch auf der gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit beruhte.

Paul Parin war Neurologe und Psychoanalytiker.
Zusammen mit seiner Frau Goldy und seinem Kollegen Morgenthaler hat er viele ethnologische Exkursionen nach Westafrika unternommen. Dort haben sie die Stämme der Dogon und Agni ethnopsychologisch beobachtet und untersucht. Als Psychoanalytiker waren sie am Sozialverhalten und der psychosozialen Entwicklung dieser Ureinwohner interessiert.
Eine Reihe von Veröffentlichungen sind von den drei Wissenschaftlern und Forschern über ihre Untersuchungsergebnisse verfasst worden.

So liest sich das Buch wie ein Querschnitt aus dem Leben von Parin und seiner Frau. Seine kulturanthropologischen Betrachtungen fließen in seine Erzählungen ebenso ein, wie viele seiner Erlebnisse, die ihn in seiner Neugier zu immer neuen Erkundungen angetrieben haben.
Die Sprache ist leicht und eingängig, ja poetisch und reich an Beispielen und Empfindungen.
Ein schöneres, ruhigeres und auf eine anregende Weise bildendes Buch, was die Entwicklung des Menschen betrifft, kann man sich kaum vorstellen.
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Die geheime Königin

Die geheime Königin

Mitten in der Nacht wird Isabelle von ihrem Vater Antoine Bohier aus dem Bett gerissen. Er verspricht ihr eine weite Reise in ein anderes Land und damit ein Abenteuer, das ihr gefallen würde. Die Kleine will nicht fort, liegt doch hier ihre Mutter begraben. Aber es geht um Leben oder Tod.

Zwölf Jahre später, Isabelles Herkunft ist nicht mehr nachvollziehbar. Sie gilt nun als Witwe des Diplomaten Michel de Valmy. Aus der jungen Frau ist eine Spionin geworden, die ihren wahren Glauben verleugnen muss, aus der Protestantin ist zum Schein eine Katholikin geworden. Für die Favoritin des Königs hat sie sich unentbehrlich gemacht. Diane de Poitier, die Mätresse Heinrich des II, hat gefallen an ihr gefunden. Sie ahnt nicht, dass Isabelle auf Rache sinnt, denn Diane war es, die für die Vertreibung der Familie Bohier von Schloss Chenonceau gesorgt hat.
Dennoch ist es für Isabelle nicht leicht, die Pläne des Königs auszuspionieren, auch wenn sie sich im Schloss, aufgrund ihrer Vergangenheit wie keine andere auskennt.
Eines nachts trifft sie auf ihren Streifzügen in der Bibliothek, auf der Suche nach einem wichtigen Dokument, auf einen Fremden. In der Dunkelheit kann sie ihn nicht erkennen und auch ihm entgeht, dass er nicht die erwartete Frau vor sich hat. Das wird ihm erst später klar. Um die Situation zu retten, spielt Isabella das Spiel ein Stück weit mit und gibt sich für die andere aus. Später erfährt sie, dass es sich um den Comte de Montgommery handelt, der ausgerechnet ein treuer Ritter des Königs ist. Er kommt sehr schnell hinter das Geheimnis ihrer Herkunft und glaubt, dass sie möglicherweise eine Agentin der Reformationsbewegung ist. Eigentlich müsste er sie schon auf den Verdacht hin der Inquisition übergeben. Doch er hat sich in die junge Frau verliebt.

„Die geheime Königin“ ist ein spannender historischer Roman. Schwierige politische und gesellschaftliche Hintergründe werden hier sehr anschaulich dargestellt. Die Geschichte gewinnt dadurch. Im Vordergrund steht die Spionagetätigkeit Isabelles, die aber sehr naiv und blauäugig versucht, ihre Arbeit zu machen und dadurch auch bald entdeckt wird. Zu ihrem Glück vom Comte de Montgommery, der sich Hals über Kopf in sie verliebt und ihre wahre Identität nie preisgeben würde. Außerdem hütet er selbst ein Geheimnis.
Die bewegende Liebesgeschichte wird sehr romantisch bis hin ins Kitschige dargestellt und erweicht damit sicherlich die Herzen der Leserinnen. Diese hat die Autorin sicherlich auch eher als Leser als Zielgruppe im Sinn.
Das Buch liest sich gut. Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil. Längen gibt es fast keine, so dass man wunderbar unterhalten wird.

Rezension von Heike Rau

Michaela Jary
Die geheime Königin
459 Seiten, broschiert
Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3746622927
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Lebe – Yascha!

Lebe – Yascha!

Die Autorin Hülya Rinscheid beschreibt in ihren biographischen Roman die Lebensgeschichte des türkischen Bauernmädchen Yascha.
Yaschas Eltern, islamische Bauern, ziehen Anfang der 20er-Jahre von Griechenland in ein kleines Dorf in der Türkei. Yaschas Geschwister und auch sie werden dort geboren – in einem Dorf der Frauenunterdrückung unter den Deckmantel der Religion und des Aberglaubens.

Unschönsein, das Kopftuch, harte Arbeit, Bildungslosigkeit und Gehorsam gehören zum Leben der Frauen. Die Frauen versuchen sich mit ihren eigenen wenigen Mitteln zu helfen. Aber es bleibt eigentlich immer nur ein Versuch, den Drang nach Freiheit zu verwirklichen. Der Grund, die Frauen haben es durch Familie und Erziehung nie anders kennen gelernt.

Hülya Rinscheid erzählt, wie das Bauernmädchen Yascha sich diesen eingefahrenen Regeln zu widersetzen versucht und wie sie oft am intensiven Glauben der Menschen und ihrer Familie scheitert. Erst ihre eigene Stärke in einem von Atatürk reformierten Land, bringen ihr die ersehnte Freiheit. Eine Freiheit, die sie letztendlich auch nur an der Seite eines Mannes durchsetzen kann. Eine Freiheit, die nicht wirklich eine Freiheit ist.

Der biographische Roman erläutert sehr ausführlich eine kurze Zeit in der türkischen Geschichte. Atatürks Reformen und die Ansätze der modernen Türkei, werden erwähnt. Ein Land entfernt sich aus den Zwängen des Mittelalters und der dogmatischen Religion.
Was bleibt ist ein Bauernmädchen, das sich eigentlich aus dem angeborenen LEBEN nicht befreien kann.

Hülya Rinscheid beschreibt ihren Romaninhalt sehr nett. Leider sind Wiederholungen oft störend. Der Inhalt ist oft sehr oberflächlich, nicht konkret. Trotzdem, war das Lesen dieses Buches auch für mich sehr interessant und informativ. Und ich denke, damit hat die Autorin ihr Ziel erreicht.

Hülya Rinscheid
Lebe – Yascha!
Biographische Roman
ISBN:3830107870
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Der Fundamentalist,der keiner sein wollte

Der Fundamentalist,der keiner sein wollte


Wie soll man sich das Zusammentreffen eines Amerikaners in Lahore, Pakistan, mit einem Pakistani vorstellen?
Es ist ein nicht ungefährliches Unterfangen, als Amerikaner alleine da herum zu reisen.

Auf einem Platz in der Altstadt von Lahore begegnen sich die beiden ganz zufällig.
Changez, der Pakistani, ist ein freundlicher, zuvorkommender und gebildeter Mann. Er spricht den Fremden, offensichtlich ein amerikanischer Geschäftsmann, höflich an und versucht, ihm behilflich zu sein bei der Suche nach einem ruhigen Platz, wo man gemächlich eine Tasse Tee zu sich nehmen kann.
Man kommt ins Gespräch, aber eigentlich spricht Changez die ganze Zeit.
Er erzählt ganz übergangslos von seinem Studium in Amerika und von seiner einstmals reichen, jetzt eher verarmten Familie in Lahore.
Er hat mit einem Stipendium in Princeton studiert, hat das amerikanische Leben mit seinem neureichen Überschwang erlebt und sich in eine reiche Amerikanerin verliebt. Darüber ist ihm die Vergangenheit mit der alten Kultur und Würde in seiner Familie fast ein wenig in Vergessenheit geraten. Seine Erzählungen aus der Kindheit erscheinen wie ein fernes Märchen.
Nach dem Studium ist er nach einem strengen Auswahlverfahren von einer äußerst elitären und anspruchsvollen Firma eingestellt worden, als einer von wenigen seiner Mitkommilitonen. Es geht ihm so gesehen gut. Er hat es weit gebracht und man könnte ihn als assimiliert bezeichnen.
Dann kam der Überfall auf das WTC am 11. September 2001!
Vom selben Moment an verändert sich die Welt und zugleich das Leben von Changez. Man darf auf seine Entwicklung gespannt sein!

M.Hamid hat eine ausgefeilte, ästhetische und poetische Sprache, die seinen literaturbegeisterten Leser einfach mit nimmt in seine Welt. Man wird sofort von der Geschichte durch die sensible Erzählweise gefesselt.

In dem unaufhaltbaren Redefluss des Helden zeigt sich eine feine Beobachtungsgabe für die Charaktere seiner Protagonisten. Empfindsam werden Gefühle schon erraten, bevor sie überhaupt zur Sprache gekommen sind. Feinste menschliche Schwächen oder Stärken werden registriert. Das Leben in Lahore und das Leben in New York werden atmosphärisch so einprägsam beschrieben, dass man sich fragt, wie man im Wechsel zwischen diesen beiden Welten leben kann. Dass es in der Firma in New York Förderer gibt, die Changez immer wieder zu neuen Leistungen ermutigen, zeigt die menschliche Seite Amerikas. Man ahnt jedoch auch die raue Seite des american way of life und die Arroganz einer Militärmacht, die sich zum Retter der Welt berufen fühlt! Sollte es da nicht verwundern, wenn man als amerikanisierter Pakistani über die eigene Identität ins Grübeln gerät?

Hamids Gedanken sind von tiefenpsychologischer Klarheit, großer Ehrlichkeit in den dargestellten Gefühlswelten und sie sind hoch politisch.
Es geht um verschiedene Kulturen und Zivilisationen, und es geht darum, wie verschiedene Welten zu einander finden können, ohne die eigene Historie zu verraten.
Hamid versucht mit seiner Geschichte, beide Seiten der geteilten Welt nach dem 11.09.2001 zu beleuchten.

Er kennt alles, worüber er in diesem Buch schreibt, aus eigener Anschauung.
Er wuchs in Lahore, Pakistan, auf, studierte in Harvard und Princeton, wurde mit anerkannten Preisen ausgezeichnet und arbeitet für verschiedene New Yorker Zeitungen.
Ich kann das Buch jedem kulturanthropologisch Interessiertem nur empfehlen.

Mohsin Hamid
Der Fundamentalist,der keiner sein wollte
Perspektiven aus zwei verschiedenen Welten
ISBN:3455400477
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Es war einmal ein Schiff

Es war einmal ein Schiff

Archäologische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse zusammengenommen lassen interessante Einblicke in die Vergangenheit zu. Mit ein bisschen Fantasie werden sie zu interessanten Geschichten. Von solchen Geschichten, dem Weg dahin und vielen Hintergrundinformationen erzählen die Autoren, Archäologen und Wissenschaftler, in diesem Buch.

Rekonstruiert wird beispielsweise der Tagesablauf einer Ertebøllerfamilie 4472 v. Chr. an der Ostseeküste bei Neustadt in Holstein.
Interessant ist auch die Geschichte um den Goldfund von Schwesing. Er wurde um 1940 bei der Anlage eines Militärflughafens gefunden, nachdem neun urgeschichtliche Grabhügel entdeckt worden. Datiert wurde der Goldring um 3000 v. Chr. Allerdings waren die steinzeitlichen Bauern jener Zeit nicht in der Lagen einen solchen Ring herzustellen, noch verfügten sie über das Material.
Eine bedeutende Entdeckung ist auch der Fund, der auf der dänischen Insel Alsen bei Hjortspring gemacht wurde. Obwohl schon viel eher entdeckt, wurde mit der Grabung im Moor erst 1921 begonnen. Im Buch kann man sich die Rekonstruktionszeichnung des prähistorischen, gut 2300 Jahre alten Paddelbootes genau ansehen, das als wichtigster Bestandteil des Fundes gilt.
Gezeigt wird auch ein Foto aus dem Nationalmuseum Kopenhagen. Bewundern kann man aber auch die Fotos eines Nachbaus.
Im Schifffahrtmuseum Bremerhafen kann man eine Bremer Kogge bestaunen. Diese Schiff konnte auf das Jahr 1380 datiert werden. Auch hier werden Bergung und Wiederaufbau beschrieben.
Das Cover des Buches schmückt das königliche Schiff „Vasa“, das man heute im Vasa-Museum in Stockholm besichtigen kann. Hier werden Neuigkeiten aus der Forschung präsentiert.
Interessant ist auch die Vitus-Bering-Expedition von 1991. Dänische und russische Forscher wandelten auf den Spuren von Vitus Bering. Rekonstruiert wird dessen letzte Forschungsreise.

Die Autoren des Buches zeigen, wie spannend Archäologie sein kann. Dementsprechend gut liest sich das Buch. Forschungsergebnisse, die sich auf den nordeuropäischen Raum beziehen, werden auf interessante Art und Weise präsentiert, die daraus gezogenen Schlüsse in Form von spannenden Geschichten erzählt. Dazu gibt es viele Fotos und auch Zeichnungen zur Ansicht.
Das Buch ist so geschrieben, dass auch Laien es gut lesen können. Vorwissen ist nicht nötig, Interesse genügt.
Die Artikel sind chronologisch angeordnet. Es ist, als würde man eine Zeitreise machen, die vor Tausenden von Jahren beginnt und zurück in unsere Zeit führt. Das ist ausgesprochen faszinierend. Als Leser wird man in die Lage versetzt, nachvollziehen zu können, wie Meeresarchäologen arbeiten, wie sie anhand von spektakulären, aber auch kleinen, zunächst unscheinbar wirkenden, Funden ihre Schlüsse ziehen, ihren Wissenstand stetig erweitern und so manches mysteriöse Geheimnis lösen.

Rezension von Heike Rau

Claus von Carnap-Bornheim / Christian Radtke (Hg.)
Es war einmal ein Schiff
Archäologische Expedition zum Meer
360 Seiten, gebunden, 100 Abbildungen und Karten
Marebuchverlag, Hamburg
ISBN: 978-3866480537
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Das Ende ist mein Anfang

Das Ende ist mein Anfang

Tiziano Terzani Das Ende ist mein Anfang DVA
ISBN 3421042926

Dieses Buch ist das Manifest und auch Vermächtnis eines großartigen Journalisten. Er wurde Journalist mit einer Leidenschaft und Beharrlichkeit, die einer Berufung gleichkam.

Am Ende seines Lebens stehend, wohl wissen, dass seine Tage gezählt sind, tritt er in ein langes Gespräch mit seinem Sohn ein, in dem er diesem von seinem Leben und seiner journalistischen Leidenschaft erzählt. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist offen und vertraut.

Tiziano Terzani stammte aus ärmlichen Verhältnissen aus der Nähe von Florenz und hat zielstrebig und intelligent seinen Weg zum Beruf des Journalisten gesucht.
Nach Studium und Berufserfahrung gelangte er als Korrespondent zum Spiegel, für den er Jahre lang aus Asien berichtet hat.
Neben dem Beruf hatte er in sehr jungen Jahren seine Frau gefunden, mit der er in inniger Gemeinschaft verbunden war.

Was er seinem Sohn zu erzählen hat, das zeugt von tiefer Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und einem Reichtum an praktischer Erfahrung im Umgang mit politischen Systemen, für die man ihn wahrlich beneiden kann. Er hat Vietnam während des Krieges bereist, er war in China, Indien und Kambodscha und hat von allen Schauplätzen und Kriegsschauplätzen aus dieser Region berichtet. China hatte es ihm besonders angetan.

Angefangen von den Lügen, mit denen politische Systeme ihre Untaten in Kriegen und bei der Unterdrückung ihrer Bevölkerungen kaschieren, über die Korruption einzelner Staaten und der Arbeit ihrer Geheimdienste bis hin zur Konkurrenz unter den Kollegen: es bleibt nichts ungesagt, womit Journalisten in ihrem Berufsalltag konfrontiert werden.
Das Geschichtswissen um eine Region, in der man arbeitet, ist für ihn ein maßgebliches Instrument, um hinter verborgene Wahrheiten zu kommen.

Seine Berufsleben gipfelt in dem Satz: > Auf der Suche nach der Wahrheit durch die Welt zu reisen—- das ist Journalismus>.

Terzani ist unbestechlich und teilweise unter Lebensgefahr seiner Profession als freier Journalist nachgekommen. Je älter er wurde, desto weniger ließ er sich von seinem Weg abbringen. Zuletzt hat er dem Journalismus ganz entsagt.
Er wendet sich indischen Gurus zu und sucht sein Heil in der irdischen Entsagung. Mit dieser Einstellung gelingt ihm ein langsamer und schmerzloser Abschied von der Welt und von seiner Familie.
Am Ende seines Lebens ist er ein weiser Mann geworden, der aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfend ehrlich und aufrichtig das sagt, was er für die Wahrheit hält.

Das ist kein Buch, das einen literarischen Anspruch erhebt, sondern die Aufzeichnung eines sehr anrührenden Gesprächs zwischen Vater und Sohn.

Man liest den Bericht mit Faszination und ist ganz einfach beeindruckt von einem so vitalen, intensiven und abwechslungsreichen Leben und von dem persönlichen Charisma eines ungewöhnlichen Journalisten.
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Steinbachs Naturführer für die Familie

Steinbachs Naturführer für die Familie

Wenn man auf einer Wanderung oder einem Spaziergang mal genau hinsieht, gibt es viel zu entdecken. Kinder erleben die Natur mit Neugier. Aber nicht jedes Tier und jede Pflanze ist so bekannt, dass man sie sofort benennen kann. Der Naturführer hilft hier weiter. Er ist so konzipiert, dass alle Kinderfragen beantwortet werden können.

Zunächst werden im Buch aber erst einmal die Grundlagen der Tierbestimmung erklärt. Wie in einem Lexikon findet man Begriffe wie Insekten, Spinnen, Schnecken, Amphibien. Genauso geht es mit Grundsätzlichem zur Pflanzenbestimmung weiter. Erklärt wird, auf welche Merkmale man achten muss.

Im Buch werden interessante Aktionen vorgeschlagen. So findet man beispielsweise die Anleitung für den Bau eines Wildbienen-Nisthäuschens. Bei einem Spaziergang kann man Wildkräuter sammeln und Zuhause weiterverarbeiten. Man kann aber auch Interessantes über den Marienkäfer nachlesen. Expeditionen an einen Teich oder auch den eigenen Gartenteich sind spannend. Wer möchte kann sich nach der Anleitung aber auch ein eigenes Tümpelaquarium einrichten und Tiere, natürlich nur solche, die nicht unter Naturschutz stehen, ganz genau beobachten.
Für Kinder ist es wichtig, die Giftpflanzen ihrer Heimat zu kennen. Deswegen werden im Buch Pfaffenhütchen, Eibe und andere giftige Pflanzen vorgestellt. Eine besondere Anziehungskraft für Kinder hat auch der Herbst mit seinem bunten Blättern. Im Buch wird erklärt, warum die Blätter sich verfärben und dann abfallen. Dazu gibt es tolle Bastelvorschläge mit Herbstlaub.
Wer wissen will, was die Tiere im Winter machen, kann auch das in der entsprechenden Rubrik nachlesen.

Nach diesem Aktionsteil geht es mit dem Tier- und Pflanzenführer weiter. Anhand von kleinen Steckbriefen mit aussagekräftigen Fotos kann man die häufig vorkommenden Tiere und Pflanzen sicher bestimmen und viel Informationen nachlesen.

Das Buch ist äußert handlich und auch sehr praktisch. Man kann es mitnehmen und ist bestens gerüstet. Es werden viele Möglichkeiten für Familien vorgestellt, die Natur aktiv zu erleben. Die Fragen, die Kinder häufig stellen, werden alle beantwortet, egal ob sie wissen wollen, welche Tiere sich unter einem Stein verstecken, ob man das Alter eines Marienkäfers tatsächlich an seinen Punkten abzählen kann, was ein „Froschregen“ ist oder ob man tatsächlich an drei Hornissenstichen sterben kann.

Rezension von Heike Rau

Heiko Bellmann u.a.
Steinbachs Naturführer für die Familie
mit 11 Naturabenteuern
190 Seiten, broschiert, 413 Farbfotos, 102 Zeichnungen
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 978-3800153633
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Tod vor der Morgenmesse

Tod vor der Morgenmesse

Irland im Jahre 688. Die Äbtissin Faife und ihre Begleiterinnen vom Kloster Ard Fhearta finden auf dem Rückweg ihrer Pilgerreise zur Kapelle des Gründers ihrer Abtei einen Seemann am Strand. Kapitän Esumaro stammt von einem Handelsschiff, das unter Einwirkung von Piraten an den Klippen zerschellt ist. Er wird zu einer Schutzhütte gebracht und versorgt. Hier werden sie von einem Trupp Krieger überrascht. Es sind jene Strandräuber, die Esumaro niedergeschlagen haben. Der Kapitän, nun im Mönchsgewand, wird nicht erkannt. Die Äbtissin bezahlt die Begegnung allerdings mit ihrem Leben, während ihre Begleiterinnen und auch Esumaro verschleppt werden.

Abt Erc in der Abtei von Ard Fhearta macht im Bethaus eine erschreckende Entdeckung. Hinter dem Altar entdeckt er eine Leiche. Dem Ehrwürdigen Cináed, einem Gelehrten mit umstrittenen Ansichten, wurde offenbar der Schädel eingeschlagen. Das ist nun schon der zweite tragische Vorfall, nachdem die Leiche von Äbtissin Faife gefunden worden ist.
Zum Glück kehrt Conrí „König der Wölfe“ und Kriegsherr der Uí Fidgente gerade zurück. Mit ihm reisen Ordensschwester Fidelma, eine irische Nonne von königlichem Geblüt, und Anwältin bei Gericht und ihr Begleiter Bruder Eadulf.

Die Theorie, dass die Kapelle ausgeraubt werden sollte, wird von Fidelma widerlegt. Schnell kommt sie auch der Idendiät des Schiffbrüchigen auf die Spur. Dass zwischen den Toten eine freundschaftliche Beziehung geherrscht hat, bleibt ihr auch nicht verborgen. Eadulf glaubt, den entscheidenden Hinweis gefunden zu haben, als er zwei blutbefleckte Kutten im Waschhaus entdeckt. Allerdings sind Fidelma und Eadulf auf dem Holzweg. Die Kutten gehören dem Metzger und der heilkundigen Schwester, die sich um die Toten gekümmert hat.
Der Fall gestaltet sich also schwieriger, als zunächst vermutet. Doch Fidelma lässt nicht locker.

Schwester Fidelma ermittelt wieder mit gewohnter Hartnäckigkeit. Der Autor zeichnet sie als strenge Ermittlerin. Dem entsprechend interessant sind die Verhördialoge, manchmal leider auch etwas kompliziert, zum Beispiel wenn es um die politischen Anschauungen des Gelehrten Cináed geht. Hartnäckig und beharrlich verfolgt Fidelma die Aufklärung der Morde, lässt sich nicht von Anschuldigungen beeinflussen, sondern setzt nur auf Beweise. Eadulf dagegen verrennt sich gern. Dennoch bleibt er in diesem Krimi leider sehr im Hintergrund. Zwischen Fidelma und Eadulf herrscht ohnehin ein merkwürdig steifes Miteinander, dabei befinden sich die beiden, wie man nachlesen kann, zur Probe in einem zeitlich befristeten Ehebündnis.
Der Krimi selbst ist kompliziert, aber perfekt aufgebaut. Der Schreibstil des Autors macht die Zeitreise aber sehr realistisch. Was wirklich hinter den Morden steckt, offenbart der Autor geschickt Stück für Stück, so dass der Spannungsbogen des Buches perfekt ausgearbeitet wirkt und man bei der Lektüre des Buches gut unterhalten wird.

Über den Autor:
Peter Tremayne ist ein Pseudonym. Der anerkannte Historiker hat sich auf die versunkene Kultur der Kelten spezialisiert. 2002 wurde der Autor zum Ehrenmitglied der Irish Literary Society auf Lebenszeit ernannt.

Rezension von Heike Rau

Peter Tremayne
Tod vor der Morgenmesse
Historischer Kriminalroman
458 Seiten, broschiert
Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3746622989
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