Everwood – Bis dass der Tod uns scheidet

Everwood – Bis dass der Tod uns scheidet

Als die Mutter der Familie Brown bei einem Unfall ums Leben kommt, bricht für die drei anderen Familienmitglieder eine Welt zusammen. Es geht einfach nicht mehr weiter und so beschließt der Vater, die Neurochirurgie an den Nagel zu hängen und mit seiner Familie einen Neuanfang zu wagen. Mit seiner Tochter und seinem Sohn zieht er von New York in die kleine Stadt Everwood. Die kleine Delia nimmt den Umzug scheinbar gelassen, aber der 15-jährige Ephram rebelliert gegen den Vater.

In der Schule lernt Ephram die gleichaltrige Amy kennen. Er verliebt sich in sie. Doch sie hat einen Freund. Der liegt jedoch nach einem Unfall im Krankenhaus im Koma. Es sieht so aus, als suche Amy Ephrams Freundschaft nur wegen ihres Freundes. Denn vielleicht kann Ephrams berühmter Vater helfen und Colin aus dem Koma holen.

Die neue Serie beginnt mit einem harten Schicksalsschlag. Die Familie muss irgendwie damit fertig werden und näher zusammenrücken. Doch Vater und Sohn sind sehr unterschiedliche Menschen, die zunächst gegeneinander arbeiten, sich viele Wortgefechte liefern und unter Missverständnissen leiden. Dabei übersieht Ephram, dass auch der Vater unter dem Verlust der Mutter, und damit seiner Ehefrau, leidet. Zukunftsängste plagen ihn, hat er doch die Erziehung der Kinder bisher weitgehend seiner Frau überlassen und sich um seine anspruchsvolle Arbeit gekümmert. So werden viele Probleme, die ein solcher Schicksalsschlag mit sich bringt auf sehr sensible Art und Weise aufgegriffen. Das Buch ist die perfekte Ergänzung für alle, die die Serie mögen.

Rezension von Heike Rau

Melinda Metz / Laura J. Burns
Everwood – Bis dass der Tod uns scheidet
Aus dem Amerikanischen von Antje Göring
Auf Basis der gleichnamigen Serie von Greg Berlanti
180 Seiten, gebunden
Egmont vgs verlagsgesellschaft, Köln
ISBN: 3-8025-3442-5
Bestellen

Anna fängt Feuer

Anna fängt Feuer

Anna ist in Sorge um ihren Bruder. Seit er eine geheimnisvolle Entdeckung gemacht hat, hat er sich verändert. Sie erzählt Finn von ihren Befürchtungen und dass Leifer vor ihr verbirgt, was er im Wald gefunden hat.
Dann offenbart Leifer seine Meinung über die fremdländische Prinzessin Isi, die Annas Freundin ist. Es entbrennt ein Streit. Leifer kann seine Wut nicht im Zaum halten und plötzlich steht Annas Rock in Flammen. Das wollte er natürlich nicht.

Anna und Finn wissen nun um Leifers Geheimnis. Für Finn ist es vorstellbar, dass Leifer das Feuer in sich trägt, so wie Isi den Wind. So beschließt Anna in die Stadt zu reisen, die sie einst wegen ihrer Mutter, die nun verstorben ist, verlassen hat. Sie muss Isi um Hilfe bitten. Vielleicht enthält auch das Pergament, das Leifer versteckt hält, eine Anleitung zum Erlernen der Feuersprache.

Isi ist auch nicht frei von Sorgen. Ihre Gabe hat sich verändert. Mittlerweile kann sie Wind aus dem Nichts erschaffen, der zum Sturmwind wird. Aber Anna hört auch von ihrer Freundin, dass es Krieg geben wird. Die Grenzen sind bereits durchbrochen wurden.

Leifer hat seine Meinung über Prinzessin Isi geändert. Er will an der Seite der Burbunen gegen Tira kämpfen. Anna begleitet Isi als Zofe, obwohl Prinz Geric gar nicht möchte, dass ihn seine Frau begleitet.
Der Kampf entbrennt. Leifer nutzt seine Fähigkeiten und verhilft den Burbunen in diesem Kampfgetümmel zum Sieg. Doch er bezahlt dafür mit seinem Leben und auch der König stirbt. Prinz Gerik und seine Prinzessin übernehmen die Herrschaft. Anna nimmt Leifers Pergament an sich. Vielleicht kann sie die Feuersprache erlernen und damit die Geschicke ihres Landes lenken.

Das Buch lebt von Mythen und führt damit in eine völlig fremde, einzigartige Welt, die vor Magie und Fantasie sprüht. Das spiegelt sich auch im Schreibstil der Autorin wieder, die Stimmungen perfekt einfängt und in einer sehr schönen, wohlklingenden Sprache schreibt. Es geht aber nicht nur um die Beherrschung der Elemente sondern auch um die Vermittlung von Botschaften an den Leser. Freundschaft und Liebe sind Stützpfeiler der Geschichte. Spannend ist auch, wie Anna sich entwickelt. Herausgerissen aus der Normalität muss sie sich bewähren, ihre Zweifel und ihre immer wieder aufkeimenden Ängste besiegen. Es ist eine Geschichte mit Tiefgang, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Über die Autorin:
Shannon Hale studierte in England, Mexiko, Paraguay und den USA. Die Jugendbuchautorin lebt heute mit ihrem Mann in Salt Lake City.

Rezension von Heike Rau

Shannon Hale
Anna fängt Feuer
351 Seiten, gebunden
Bloomsbury Kinderbücher und Jugendbücher
ISBN: 3-8270-5054-5
Bestellen

Tara und die Reiter des Windes

Tara und die Reiter des Windes

Nachdem Tara ein Internat im chinesischen Chengdu besucht hat, kehrt sie nach Hause zurück, nach Chamdo, der Hauptstadt Khams, in Tibet. Sie erkennt die Stadt kaum wieder. Überall wird gebaut. Touristen mit ihren Digitalkameras bevölkern die Stadt. Das alte Haus ihres Vaters, das wie alle traditionell errichteten tibetischen Häuser nach Süden ausgerichtet ist, ist restauriert worden und nun eine Art Museum. Die Touristengruppen kommen, um die Räume zu besichtigen.

Taras Großmutter Deyang, eine Nomadin, hat sich ihr gewohntes Leben bewahrt. Sie lebt mit ihren Tieren im Hochtal in einer Jurte. Tara geht sie wieder besuchen. Die Großmutter will Tara von nun an unterrichten. Das Mädchen hat die Gabe, zu heilen. So lernt sie auch Lieder in alter Geheimsprache, der Sprache der Feen, die auch die Tiere verstehen können.

Auf ihrem Weg zur Großmutter sieht Tara eines Tages auf einer Baustelle ein Pferd. Chinesische Arbeiter schinden es, damit es seine Arbeit leistet. Diesen Anblick erträgt Tara nicht. Sie entführt das Pferd, das sie Gesar nennt, und bringt es zur Großmutter in die Berge. Tara und Gesar werden Freunde. Doch bei einem Ausritt stürzt Tara schwer. Ein Mann, der hier oben in einer Höhle wie ein Einsiedler lebt und Tiere aus Fallen rettet, nimmt sich ihrer an. Aus dieser Begegnung wird Liebe.

Die Geschichte ist abenteuerlich und spannend. Sie spielt in einer fremden Welt. Dabei verbindet die Autorin alte Traditionen mit der Moderne. In ihrem Buch hinterfragt sie die Politik, zeigt Engagement für den Tierschutz und gibt damit viel Stoff zum Nachdenken. Aber es ist auch eine bewegende Liebesgeschichte, die aber an den Gegebenheiten der Zeit, zu zerbrechen droht. Geschrieben ist das Buch in einem sehr stimmungsvoll wirkenden Stil, mit faszinierenden Naturbeschreibungen. Der Zauber alter Legend wird wieder lebendig. So ist es eine bewegende Geschichte, die oftmals zu Tränen rührt und die man so schnell nicht vergisst.

Über die Autorin:
Frederica de Cesco hat zahlreiche Länder auf allen Kontinenten bereist und oft mehrer Monate in fremden Kulturen gelebt. Die erfolgreiche Jugendbuchautorin spricht fließend Französische, Italienisch und Deutsch. Ihre Bücher, für die sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt, wurde in viele Sprachen übersetzt.

Rezension von Heike Rau

Frederica de Cesco
Tara und die Reiter des Windes
22 Seiten, gebunden
ab 12 Jahren
Arena Verlag, Würzburg
ISBN: 3-401-05758-8
Bestellen

Die schwangere Madonna

Die schwangere Madonna

Peter Henisch Die schwangere Madonna Residenz Verlag
ISBN3701714231

Peter Henisch, ein österreichischer Autor, der bisher wenig spektakulär in der öffentlichen Literaturkritik von sich reden machte, hat ein äußerst witziges, geistreiches und dabei sehr unterhaltsames Buch geschrieben.

Worum geht es?

Ein aus seinem Leben gefallener Rundfunkredakteur mit Namen Josef, geschieden und Vater eines sechsjährigen Sohnes, gerät in einem mentalen Ausnahmezustand in eine fatale Lage: er klaut einen VW, in dessen Tür der Schlüssel steckt, fährt los und merkt alsbald, dass auf dem Rücksitz ein junges Mädchen liegt.
Sie fahren aus einer Laune heraus einfach weiter. Die Richtung ist Italien.
Das Mädchen ist Schülerin eines katholischen Religionslehrers, mit dem sie ein Verhältnis hat (hatte?), und von dem sie auch noch schwanger ist. Im Austausch gegen eine Nachricht an ihn hat sie aus seiner Jackentasche seinen Autoschlüssel an sich genommen.
In Gesprächen und Aktionen entwickeln die beiden Reisenden ein Verhältnis zueinander, das an Komik, Ernst und überraschenden Einblicken und Einsichten seines gleichen sucht.
Über Musik, Religion, Kunst und das Leben an sich wird philosophiert , –und natürlich wird spürbar, wie dieses gerade erst 18 Jährige Mädchen auch diesen etwas älteren Fahrgenossen in ihre Fänge bekommt, ganz unschuldig-naiv und leicht frivol. Sie gleicht einer Lolita in ihrer Unschuld, ihrer verführerischen Annäherung und gelegentlichen Flucht vor zu viel Nähe.
Unschuldig- verführerisch bleibt Maria, welch sinniger Name in Anlehnung an die göttliche Maria(!), die ganze Zeit über, in der die beiden zusammen reisen, denn es geht weit in den Süden zu einer großen Rundreise durch Italien , in denen die Städte und natürlich die Madonna del Parto, die “ Schwangere Madonna“, von Piero della Francesca in der Kirche Santa Maria a Nomentana in Monterchi , eine gewichtige Rolle spielt.
Dann verliebt sich Maria in einen italienischen Feuerschlucker und Straßengaukler. Josef bemerkt zunehmende Heimlichkeiten: er spürt Telefonaten von ihrem Handy aus nach, und ab und zu ist sie verschwunden und taucht unvermittelt wieder auf, als sei es so ganz natürlich. Spürbar bleibt die erotische Verführung, der Josef aber nicht nachgibt, wenngleich die Versuchung groß ist.
Zu guter letzt taucht der Religionslehrer Wolfgang auf, der unruhig seinem gestohlenen VW und Maria auf der Spur ist.
Daß er von der Schwangerschaft, seinen Gewissenskonflikten und dem Gedanken an einen Schwangerschaftsabbruch bedrängt wird, zeigt sich in einer Verbrüderungsszene der beiden erwachsenen Männer um Maria in einer langen Nacht, in der sie reichlich dem Alkohol zusprechen.

Maria ist schließlich ganz verschwunden. Josef sucht sie und findet Ruhe nur im Angesicht der Madonna del Parto, die in einer ehemaligen Volksschule in Monterchi ausgestellt ist. Hier bleibt er und fühlt sich an seine zarte Gefühlsbeziehung zu Maria,
seiner Reisebegleiterin, erinnert. Hier findet ihn am Morgen ein Commissario, der ihn eines Attentats auf die Madonna verdächtigt, und dem er nun diese ganze Geschichte erzählt.

Das Buch ist ungewöhnlich in seinem Sujet, es ist geistreich, hat eine Sprache, die immer wieder mit unerwarteten Redwendungen überrascht. Unsere Zeit mit allen ihren Bindungsproblemen findet hier einen wunderbaren Widerklang.
Ich möchte das Buch jedem empfehlen, der an kultivierter Sprache, nicht abgehobener Gegenwart und der Verlorenheit einer neuen Generation, die ihren eigenen originellen Weg sucht, interessiert ist.
Cl.B.
Bestellen

Das Buch der Engel

Das Buch der Engel

Bücher über Engel gibt es viele. Mit diesem hier versuchen die Autoren aber ein vollständiges Bild dieser himmlischen Wesen zu zeichnen und haben dafür aufwändig recherchiert. Sie haben untersucht woher der Glaube an die Engel kommt und welche Vorstellungen Menschen von Engeln haben, ob sie an die Helfer Gottes glauben oder eher nicht. Dabei gehen sie auf die Bedeutung der Engel in verschiedenen Religionen ein. Dargestellt werden die möglichen Erscheinungsformen der Engel und wie genau man sich diese Wesen vorstellen muss. Erzählt wird von den Fähigkeiten, die sie haben, ob sie nun als Schutzengel oder Todesengel unterwegs sind. Die Autoren nehmen Bezug zu Bibelstellen, Märchen, Geschichten, auf Gedichte und Verfilmungen. Sie beleuchten unterschiedliche Thesen und stellen Meinungen über die Engel gegenüber, die oft erstaunlich weit auseinandergehen. Dabei kommen auch Menschen zu Wort, die überzeugend behaupten, Engeln begegnet zu sein. Bei den Recherchearbeiten kam auch wenig Engelhaftes und regelrecht Kurioses zum Vorschein. Der Leser darf also gespannt sein.

Dennoch sind die Autoren mit Ernsthaftigkeit und ohne voreingenommen zu wirken an ein Thema herangegangen, über das doch sehr unterschiedliche Meinung herrschen. Ein solches Buch zu schreiben, muss wie eine Gratwanderung gewesen sein. Und doch bewahren sich Ditte und Giovanni Bandini auch hier, wie in den anderen Büchern „Das Buch der Elfen und Feen“ und „Das Zwergenbuch“ ihren unvergleichlichen Humor. So manch Widersprüchliches lässt sich nun mal nicht von der Hand weisen. Das Buch liest sich so gut wie ein unterhaltsamer Roman, ist ein Quell an vielfältigen Informationen und eignet sich auch gut zum Nachschlagen, da ein Register vorhanden ist. Auch die Aufmachung mit den vielen Zeichnungen und Bildtafeln gefällt ausgesprochen gut. Wer selbst zum Thema Engel forschen will, findet eine Liste mit ausgewählten Internetseiten oder orientiert sich an der Bibliographie mit vielen interessanten Titeln.

Über die Autoren:
Ditte Bandini, Jahrgang 1956, studierte Völkerkunde, Religionsgeschichte und Indologie. Sie arbeitet an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und als freie Schriftstellerin und Übersetzerin.
Giovanni Bandini, Jahrgang 1951, studierte Indologie, Vergleichende Religionswissenschaft und Indische Kunstgeschichte. Er arbeitet als freier Übersetzer.

Rezension von Heike Rau

Ditte und Giovanni Bandini
Das Buch der Engel
258 Seiten, Klappenbroschur
Deutscher Taschenbuchverlag, München
ISBN: 3-423-24519-0
Bestellen

Spalierobst

Spalierobst

Die Spalierobstbäume sieht man an Hauswänden und Mauern, in vielen Gärten und Parkanlagen. So kann man auch Äpfel- und Birnenbäume in Gärten ziehen, in denen für frei stehende Bäume nicht genug Platz ist. Aber es ist natürlich auch ein besonderer Blickfang. Um so Bäume ziehen zu können, sind bestimmte Kenntnisse notwendig. Diese werden mit dem vorliegenden Buch von Autoren mit vielfältigen Erfahrungen und Wissen auf diesem Gebiet vermittelt.

In einem allgemeinen Teil kann der Leser sich zunächst einen Überblick über den Spalierobstbau verschaffen und die verschiedenen möglichen Formen für Spaliere kennen lernen, wie freistehendes Spalier, Wandspalier oder Pergola. Erklärt wird, wie man sich die Erziehungsformen vorstellen muss, beispielsweise Schnurbaum, U-Form oder Palmette. Wichtig sind auch die eine Rolle spielenden Standortfaktoren. Auch wie genau gepflanzt wird, wird erklärt und natürlich wie man das Spalierobst erzieht und schneidet. Thematisiert wird aber auch, was bei der Bodenpflege, Bewässerung und der Düngung zu beachten ist. Und auch um Ernte und Verwertung des Obstes geht es.

Im folgenden Kapitel geht es ins Detail. Kernobst, Steinobst oder Beerenobst sind nicht gleich zu behandeln. Die Autoren zeigen auf, welche Sorten sich besonders gut als Spalierobst eigenen, welche Ansprüche sie stellen und wie sie behandelt und gepflegt werden sollten.
Dargestellt werden anschließend die wichtigsten Spalierformen im Überblick mit Gestaltungsmöglichkeiten, genauen Anweisungen und vielen Zeichnungen.

Inhaltlich überzeugt das Sachbuch sofort. Die Texte sind durch die sehr präzisen Formulierungen gut verständlich. Es entsteht der Eindruck, dass jeder Satz genau durchdacht wurde. An den Zeichnungen kann man sich wunderbar orientieren. Oftmals gibt es auch Schritt-für-Schritt-Erklärungen, die man leicht nachvollziehen kann. Eine Augenweide sind die vielen Fotos, die verdeutlichen, was für ein schöner Blickfang Spalierobst doch sein kann. Da ranken die Äste schön ordentlich an einem Geländer entlang, dienen als Sichtschutz oder begrünen Fassaden. Nur noch aus dem Fenster lehnen braucht man sich, um zu ernten. Das macht Lust, sich im Spalierobstbau selbst auszuprobieren. Die Autoren geben jede Menge Tipps und Tricks, damit man dann auch tatsächlich eine gute Ernte hat.

Über die Autoren:
Gerd Großmann ist Leiter der Sächsischen Gartenakademie an der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft und Dr. Wolf-Dietmar Wackwitz ist in Personalunion Leiter des Fachbereichs Gartenbau an der Fach- und Technikerschule Dresden-Pillnitz.

Rezension von Heike Rau

Gerd Großmann / Wolf-Dietmar Wackwitz
Spalierobst
2. aktualisierte und erweiterte Auflage
142 Seiten, 72 Farbfotos, 75 Zeichnungen, 5 Tabellen
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4822-6
Bestellen

Das Perlenmedaillon

Das Perlenmedaillon

Nach langer Reise kommt Anna mit Ihrem Vater und dem Bruder in Katzwang beim Müller Endres Preißler im Mai 1490 an. Er braucht dringend Hilfe auf seinem Hof. Und die kleine Familie hofft, dass sich nun alles zum Guten wendet. Doch Preißler stellt Anna nach. Und als es brenzlig wird, kommt Anna der Wolf zu Hilfe. Das Tier gehorcht ihr bedingungslos, hat sie ihn doch einst als Junges im Wald gefunden und aufgezogen. Der Müller überlebt den Angriff des Wolfs nicht. Anna hat keine Wahl. Sie muss fortgehen. Dahin, wo sie niemand kennt. Sie entscheidet sich für Nürnberg. Hier verdient sie ihren Lebensunterhalt als Hübschlerin. Um auf eigenen Beinen stehen zu können, versetzt sie das Perlenmedaillon im Pfandhaus. Ihre Liebe gilt einem Mönch, doch das gesteht sie sich erst sehr spät ein. Hoffnung auf Erfüllung ihrer Liebe zu Philipp, dem Bruder Helenas, hat sie zunächst nicht.

Helena hat ihren ersten gesellschaftlichen Auftritt. Die junge Frau soll bei dieser Gelegenheit an den Mann gebracht werden. Was ihre Eltern aber nicht wissen ist, dass Helena sich längst verliebt hat. In ihren Cousin und Ziehbruder Niklas. Doch bald wird das Ausmaß der heimlichen Verbindung deutlich. Helena ist schwanger. Mit den Eltern kommt es zu einem handfesten Streit. Im Handgemenge verliert Helena ihr, von der Großmutter geerbtes, Perlenmedaillon. Die Hübschlerin Anna, die sich zu dieser Zeit im Haus auf und natürlich versteckt hält, nimmt es an sich. Helena wird ins Kloster Sankt Klara geschickt, um ihr Kind heimlich zur Welt bringen zu können. Hier begegnet sie an der Pforte ebendieser Hübschlerin und ihre Blicke treffen sich.
Helena darf ihr Kind nach der Geburt nicht behalten. Sie soll in eine vom Vater arrangierte Ehe gehen. Schweren Herzens fügt sie sich und heiratet Konrad Heller. Doch der hat es nur auf ihr Geld abgesehen und bringt ihr nichts als Hass entgegen. Seit sie das Medaillon nicht mehr hat, scheint sich das Glück von Helena abgewendet zu haben.

Niklas geht mit einem Kaufmannszug nach Venedig. Hier hat er es nicht leicht, ein Auskommen zu finden. Doch wie durch Zufall findet sich doch noch eine Möglichkeit und er kann weiter als Goldschmied arbeiten. Doch bald wird er in gefährliche Geschäfte verwickelt. Als ihm das bewusst wird, steckt er schon viel zu tief drin. Seine große Liebe Helena kann er nicht vergessen. Lange Zeit schreiben sich die beiden über den Maler Albrecht Dürer Briefe, bis Konrad dahinter kommt. Und doch keimt wieder etwas Hoffnung in Niklas auf, als das Perlenmedaillon ausgerechnet in seine Hände gerät. Es gehörte einem Pfandleiher auf Pilgerfahrt, der einem Raubmord zum Opfer gefallen ist.

Drei ganz verschiedene Schicksale sind es, die im Buch miteinander verflochten werden. Dabei ist jede Geschichte für sich schon spannend genug. Doch die Autorin verbindet diese Erzählstränge ganz geschickt miteinander, wobei das Perlenmedaillon eine entscheidende Rolle spielt. Die Autorin versteht es zu fesseln, füllt die Geschichten mit Dramatik, die berührt und zu Tränen rührt. Das Buch ist mit einer Leidenschaft geschrieben, die man spüren kann. Ganz mühelos liest man sich durch die fast 600 Seiten. Die Idee zu diesem historischen Roman entstand, so erfährt man im Nachwort, während einer Forschungsarbeit über Frauenleben im Mittelalter, als der Autorin eine Biographie der Nürnberger Patrizierin Dorothea Landauer in die Hände fiel. Helenas Leben ist dem Leben dieser Frau in vieler Hinsicht nachempfunden. Und so sind die Hintergründe wieder perfekt recherchiert. Die Szenerie wirkt dadurch sehr wirklich. Dabei sind es die Details, die besonders aufwändig herausgearbeitet wurden. Kleine Dinge, die die Geschichte mit Leben füllen, sie so glaubwürdig machen und dem Leser ein Gefühl dafür vermitteln, wie es war, in dieser längst vergangenen Zeit zu leben, in der Frauen keinen leichten Stand hatten. Unbedingt Lesen!

Über die Autorin:
Die aus Franken stammende Historikerin arbeitet als Ausstellungsplanerin im Museum von Schwabach. Bereits erschienen von ihr ist der historische Roman „Die Markgräfin“.

Rezension von Heike Rau

Sabine Weigand
Das Perlenmedaillon
590 Seiten, gebunden
Krüger im S. Fischerverlag, Frankfurt am Main
ISBN: 3-8105-2660-6
Bestellen

Abenteuer Mongolei

Abenteuer Mongolei

Für Veronika Mesarosch soll ein lang gehegter Traum in Erfüllung gehen. Sie ist beeindruckt von der Mongolei, wollte schon immer mit dem Pferd durch dieses Land reiten, einmal selbst wie ein Nomade leben. In Andreas Hutter hat sie einen Partner gefunden, der ihre Leidenschaft teilt. Durch bereits erlebte Abenteuer wissen die beiden, dass sie ein gutes Team sind.

Die Vorbereitungen für dieses Unternehmen sind aufwändig. Und dennoch ist es eines Tages geschafft. Veronika Mesarosch und Andreas Hutter sind startklar. Los geht es im Westen des Landes, im Altai-Gebirge. Die Pläne sehen vor, dass die beiden durch die Wüste Gobi reiten, um zum Hangaj-Gebirge zu kommen. Danach soll die Reise durch typisches mongolisches Hügelland und weiter zur bewaldeten Nordmongolei hin zum Ziel, dem Hövsgöl-See, gehen.

Sieben Monate dauert die Reise und ist damit jahreszeitenübergreifend. Vom Sommer bis in den Dezember hinein. Beide Autoren erzählen von ihren Erlebnissen. Andreas Hutter übernimmt den ersten, Veronika Mesarosch den zweiten Teil. Sie erzählen vom Kauf der Pferde, ihren Schwierigkeiten mit den Behörden. Sie wandern mit ihren Pferden durch Sümpfe, üppig bewachsene Berghänge hinauf, bezwingen die Wüste, reiten durch karge Landschaften und dichte Lärchenwälder und durch kleine Dörfer. Sie lernen Menschen und Traditionen kennen und genießen die Gastfreundschaft der Nomaden. Sie lernen die Sprache (Während Andreas Hutter in den sieben Monaten nur ein paar Worte lernt, versteht Veronika Mesarosch die Sprache schon nach ein paar Wochen recht gut.), und die Traditionen kennen, werden mit unberechenbaren Wetter fertig, erleben Hochstimmung, aber auch Rückschläge und beweisen trotz mancher Streitpunkte Durchhaltevermögen.

Beide schreiben voller Sensibilität für das fremde Land. Sie beschreiben perfekt, was sie gesehen haben, lassen dabei ihren Gefühlen viel Raum. Ihre Beschreibungen von Land und Leuten sind voller Tiefgang. Und auch die Fotos begeistern, sind sie doch die perfekte Ergänzung zum Geschriebenen. Dargestellt werden oftmals die Menschen, die dem Paar begegneten, aber auch die kargen Landschaften, die dennoch voller Schönheit und unglaublicher Weite sind. Über das perfekt eingefangen Spiel des Lichts in so manchen Fotos, welches die Farben zum Leuchten bringt und für eine einzigartige Stimmung sorgt, kann man nur staunen. Den Leser wird dies mit Sehnsucht erfüllen und für Fernweh sorgen.

Über die Autoren:
Andreas Hutter wurde 1964 geboren. Er ist Fotograf, Autor und Reiseleiter. Nach kleinen Abenteuern folgten ausgedehnte Kletter-, Kanu-, Pferde-, und Hundeschlittentouren nach Nordeuropa, Nord- und Südamerika, Asien und Afrika.
Veronika Mesarosch wurde 1965 geboren. Sie ist als Tänzerin und Kindergärtnerin ausgebildet, machte aber dann ihr Hobby, das Reiten, zum Beruf. Die Reitpädagogin unternahm mit Andreas Hutter viele Abenteuerreisen. Das Paar leb in Luzern.

Rezension von Heike Rau

Andreas Hutter / Veronika Mesarosch
Abenteuer Mongolei
Zu Pferd durch das Land Dschingis Khans
128 Seiten, gebunden, mit zahlreichen Fotos
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen
ISBN: 3-7888-1032-7
Bestellen

Nymphensittiche

Nymphensittiche

Kurt Kolar beschreibt den Nymphensittich als idealen Stubenvogel. Er ist gesellig und findet schnell Anschluss an den Menschen. Dabei ist er robust und in der Haltung wenig anspruchsvoll. Da ein Nymphensittich aber einen Partner braucht, sollte man schon die Anschaffung von zwei Vögeln planen.

Kennt man sich mit Nymphensittichen noch nicht aus, ist die Lektüre des Buches sehr zu empfehlen. Der Autor erzählt, woher die Vögel stammen, wie ihr natürlicher Lebensraum aussieht, welche faszinierenden Fähigkeiten sie besitzen und wie sie sich verhalten. Er berichtet, wo man die Vögel kaufen kann und zeigt auf, woran man gesunde Vögel erkennt.

Zuvor müssen aber einige Dinge durchdacht werden. Herumfliegende Körnerhülsen und Kothäufchen muss man tolerieren können. Auch Zeit für die Pflege des Käfigs oder zur Beaufsichtigung bei Freiflug muss man haben. Der Autor stellt eine Liste zur Verfügung, so dass man schnell erkennen kann, auf was genau man sich einlässt. Natürlich erklärt er auch, wie der Käfig oder die Voliere aussehen müssen und welcher Standort geeignet ist. Auch das Zubehör ist ein Thema, denn die neugierigen Vögel brauchen Beschäftigung.

Der Autor erzählt, was man tun muss, damit die Vögel sich schnell eingewöhnen, heimisch fühlen und bald handzahm werden. Er erklärt die Körper- und die Lautsprache der Vögel und wie sie sich gegenüber ihren Artgenossen verhalten. Auch welches Körnerfutter die Tiere brauchen und was sonst noch für eine gesunde Ernährung nötig ist, wird aufgezeigt. Der Leser erfährt genau, was er tun muss, damit die Vögel gesund bleiben. Dennoch kann auch bei guter Pflege ein Vogel mal krank werden. Deshalb gibt es auch ein Kapitel indem man sich über Vogelkrankheiten informieren kann und darüber was zu tun ist, bzw. wann ein Tierarztbesuch unumgänglich ist. Für alle die Nymphensittiche züchten möchten, gibt es ebenfalls erste Informationen.

Für Anfänger in der Vogelhaltung ist das Buch ideal, egal ob man nun schon Nymphensittiche besitzt oder sie demnächst anschaffen will. Die Texte sind sehr informativ und gut zu lesen. Man kann sehr genau herauslesen, welche Ansprüche die Tiere haben und wie sie zu erfüllen sind. Die zahlreichen Tipps und Tricks sind sehr nützlich und leicht umzusetzen. Was besonders wichtig ist, wird immer noch einmal in Kästchen zusammengefasst. Die Fotos stimmen auf die geselligen Vögel mit dem lustigen Federhäubchen ein. Interessant ist auch die Kinderseite. So wird es Kindern bestimmt Freude machen für ihre gefiederten Freunde Zweige von Weide oder Haselnuss zu sammeln, in den Käfig zu stecken und dann darüber zu staunen, wie die Vögel sich mit viel Vergnügen daran machen, diese anzuknabbern.

Über den Autor:
Kurt Kolar ist Zoologe, Verhaltensforscher und war Direktor des Wiener Tierparks Schönbrunn.

Rezension von Heike Rau

Kurt Kolar
Nymphensittiche
Zärtlich – clever – fit
64 Seiten, broschiert, 60 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4485-9
Bestellen

Feuerpfad

Feuerpfad

Das Medaillon sollte ein Glücksbringer sein. Lucretia van der Mylen hatte es nach ihren ganz besonderen Wünschen extra anfertigen lassen. Hoffte, die Batavia würde sie sicher zu ihrem Mann bringen. Zwar schlägt eine Meuterei fehl, doch das Schiff kommt vom Kurs ab und erleidet am 4. Juni 1629, sieben Monate nach dem Auslaufen, vor den Inseln Houtman Abrolhos Schiffbruch.

Jahrhunderte später bekommt Henriette Galloway das Medaillon von Paul Trewinnard als Symbol der Liebe geschenkt. Sie kam vor Jahren mit ihrem Mann Terence nach Australien auf die Farm. Doch sie leidet an der Unbrechbarkeit und Lieblosigkeit ihres Mannes. Von dem besitzergreifenden Terence wird sie sich dennoch niemals trennen können. Die Liebe zu Paul, aus der ein Kind hervorgegangen ist, muss um jeden Preis geheim bleiben. Das Medaillon ist aber auch ein Abschiedsgeschenk, denn Pauls Leben wird von einer schweren Krankheit bedroht. Außerdem bewahrt es, mit den Fotos von Paul und Henrietta im Inneren, das Geheimnis um Kits wirklichen Vater.

Das Medaillon nimmt einen interessanten Weg durch die Zeit und wechselt den Besitzer bis sich letztendlich der Kreis wieder schließt. So gibt es verschiedene Erzählstränge in diesem Buch, die aber stets durch das Medaillon in Verbindung stehen. Inhaltlich ist dieser Roman also sehr vielschichtig. Es ist ein Genuss, das Buch zu lesen, sich in die Schicksale der Medaillon-Besitzer zu vertiefen. Immer geht es um Liebe und Hass, um Leidenschaftliches und Schicksalhaftes, um Glück und Unglück und um Hoffnung. Von den Geschehnissen wird man in den Bann gezogen und fiebert mit den Helden des Buches mit. Und es ist einfach gut geschrieben, mit viel Feingefühl und einem sicheren Gespür für Stimmungen. Unbedingt Lesen!

Über die Autorin:
Judy Nunn ist als Schauspielerin in Australien sehr bekannt. Sie spielte die Hauptrollen in zahlreichen TV-Serien. Aber auch als Bühnenschauspielerin machte sie sich in Australien und England einen Namen. Als Romanautorin ist sie international erfolgreich, dabei ist „Feuerpfad“ ihr erster Roman der in Deutschland erschien.

Rezension von Heike Rau

Judy Nunn
Feuerpfad
Aus dem australischen Englisch von Marion Balkenhol
554 Seiten, gebunden
Krüger Verlag
ISBN: 3-8105-1315-6
Bestellen