Das Ravensburger Werkbuch – Kreatives Gestalten

Das Ravensburger Werkbuch – Kreatives Gestalten

In diesem Standardwerk geht es um die Grundtechniken des Kreativen Gestaltens. Dabei werden in vielen Kapiteln die unterschiedlichen Techniken vorgestellt und Erklärungen zu Werkstoffen und Werkzeugen gegeben. Die vielen Gestaltungsideen geben Anregungen sich selbst auszuprobieren oder Kindern beim Basteln und Werken mit Arbeitsanweisungen, Rat und Tat zur Seite stehen zu können.

Man kennt diese Bastelbücher mit so perfekten Motiven, dass man sie auch mit viel Übung und Fingerspitzengefühl kaum so hinbekommen würde. Im vorliegenden Buch dürfen Kinder ihre Werke zeigen, die, das sieht man ihnen an, einfach aus Spaß an der eigenen Kreativität entstanden sind, ganz ohne den Anspruch vollkommen sein zu müssen. Gerade Kinder werden die kleinen Meisterwerke, die entstanden sind, bewundern, als ganz besondere Anregung sehen und große Lust bekommen, sich selbst auszuprobieren.

Sehen wir uns ein Kapitel näher an: Malen
Hier werden verschieden Techniken vorgestellt, beispielsweise die Aquarellmalerei. Besonders interessant sind hier die ineinanderlaufenden Farben. An diesem einzigartigen Farbenspiel haben schon kleine Kinder ihre Freude. Sehr gut gefällt das Beispielbild des 11-jährigen Patrik „Indianersommer“. Gemalt wird auch mit Deckfarbe. Besonders inspirierend ist hier „Die Sonne lacht“ des 5jährigen Felix. Es folgen Erläuterungen und Beispiele zum Malen mit Ölkreide, Pulverfarbe, Leuchtfarbe und anderen. Sehr interessant ist auch die Hinterglasmalerei. Beeindruckend und einzigartig sind auch die Fließbilder oder die Murmelbilder, deren Entstehung doch sehr vom Zufall abhängig ist und die so immer gut für eine Überraschung sind. Besonders gut gefällt das Bild „Pusteblumen“ des 14-jährigen Philipp. Sehr schön geworden ist auch das Seidentuch „Vase“ der 9-jährigen Vanessa. Immer gibt es einleitende Informationen, Erklärungen zur Vorgehensweise, also zu den Arbeitstechniken, und Auflistungen der benötigten Materialien. Dazu kommen die vielen hilfreichen Tipps. So erfährt der Leser beispielsweise, wie man Farbflecken aus der Kleidung herausbekommt.

Das Buch ist eine Quelle der Inspiration. Es weckt die Lust am Zeichnen und Basteln. So kann man die verschiedenen Techniken kennen lernen und ausprobieren. Erklärt wird die altbekannte Kartoffeldrucktechnik, genau wie der beliebte Faltschnitt, das Papierschöpfen, das Arbeiten mit Salzteig oder das Bearbeiten von Speckstein. Die Texte sind verständlich und die Schritt-für-Schritt-Anleitungen gut nachvollziehbar. So kann man sich auch an schwierig aussehende oder noch nie ausprobierte Techniken heranwagen. Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis ist vorhanden und auch ein Register, wo man nach einer bestimmten Technik schnell suchen kann.
Das Buch ist sehr empfehlenswert, für Klein und Groß, Kindergärtner, Lehrer, Eltern mit ihren Kindern und alle die gern kreativ sind.

Über die Autoren:
Ute und Tilman Michalski haben schon eine Reihe erfolgreicher Werk- und Bastelbücher veröffentlicht. Ute Michalski testet als Kunst- und Werklehrerin alle Arbeiten mit ihren Schülern und Tilman Michalski setzt diese Ideen dann lebendig und anschaulich um.

Rezension von Heike Rau

Ute & Tilman Michalski
Das Ravensburger Werkbuch – Kreatives Gestalten
Zeichen – Malen – Drucken – Filzen
140 Seiten mit durchgehend farbigen Fotos
und farbigen Illustrationen von Tilman Michalski
ab 4 Jahren
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-55607-6
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Die Verfluchten

Die Verfluchten

Ägypten im 16. Jahrhundert, mitten in der libyschen Wüste.
Der Überfall kommt überraschend. Sich an Andrej und den Nubier Abu Dun heranzuwagen, stellte sich allerdings als schwerer Fehler heraus. Die beiden Unsterblichen wissen sich zu wehren. Etliche der Angreifer bezahlen mit ihrem Leben oder werden übel zugerichtet. Die anderen fliehen. Die Lage bleibt trotzdem ernst. Abu Dun und Andrej stehen ohne Pferde da, haben nichts zu essen und fast kein Wasser mehr. Außerdem sieht es ganz so aus, als hätten die beiden sich verirrt. Abu Dun, der sich hier in der Wüste auskennt, streitet das ab, gibt aber zu, das der Weg bis zur nächsten Karawanserei weit ist. So folgen sie den Räubern. Irgendwo müssen diese ihr Lager haben. Pferde sind ungeeignete Reittiere, um die Wüste zu durchqueren. Außerdem hatten die Pferde keine Packtaschen und kein Wasser dabei, was diese Theorie unterstreicht.

Bald treffen Andrej und Abu Dun auf das Heerlager. Aber einfach hineingehen, um zwei Pferde und Proviant zu stehlen, ist ein zu großes Risiko. Der Zufall kommt den beiden zu Hilfe. Eine Karawane hält auf das Lager zu. Es sind Sklavenhändler. Abu Dun wird klar, dass sie es hier nicht mit einfachen Räubern zu tun haben, sondern unter Umständen mit den Anführen der Sklavenhändler. Leute, nach denen er gesucht hat. Er selbst war als Kind in die Sklaverei verschleppt und auf einem Markt weiterverkauft worden. Sklavenhändler haben seine ganze Familie ausgelöscht und sein Heimatdorf zerstört. Doch jeder, der in das Heerlager hinein will, wird kontrolliert. Andrej und Abu Dun gelingt es, sich unter die Sklaven zu mischen und sich so Zutritt zur Festung zu verschaffen.

Unter den Sklaven befindet sich eine Frau, von der Andrej sofort fasziniert ist. Meruhe ist von herber Schönheit und sie hat eine sehr geheimnisvolle Ausstrahlung. Zwei Soldaten kommen, um die Frau zu ihrem Herrn Ali Jhin zu bringen. Für Andrej und Abu Dun ist das Anlass genug, einen Ausbruchsversuch aus dem Kerker zu wagen, der auch gelingt, dank Abu Duns ungeheuren Kräften. Abu Dun überwältigt Ali Jhin spielend und befreit Meruhe aus einer brenzligen Lage. Sie zeigt sich jedoch wenig dankbar und in ihren eigenen Plänen gestört. Ali Jhin scheint nicht zu wissen, wer seine wahren Auftraggeber sind. Doch Meruhe gibt einen Hinweis. Einer der wahren Herren soll sich von Zeit zu Zeit verkleidet auf dem großen Sklavenmarkt von Damaskus zeigen. Doch zunächst müssen die Sklaven befreit werden, was mit viel Geschick auch klappt. Meruhe will sie zurück in die Höhlen führen, wo sie in Sicherheit sind. Doch Abu Dun vertraut Meruhe nicht. Er glaubt, dass Meruhe die Gruppe eher immer tiefer in die Wüste hineinführt. Dabei sind ihnen die Verfolger dicht auf den Fersen und drohen sie zu umzingeln.

„Die Verfluchten“ ist der achte Band der Reihe „Die Chronik der Unsterblichen“, aber ein in sich abgeschlossenes Buch. Es enthält 530 Seiten pure Spannung. Andrejs und Abu Duns Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt. Das liegt vor allem an Meruhe, einer faszinierenden, geheimnisvollen Frau, die Andrejs Handeln und sein Denken beeinflusst und die er dennoch unterschätzt und mit ihm wohl auch der Leser.
Geschrieben ist das Buch in einem leicht lesbaren Stil. Ohne Problem kann man der Handlung folgen, wird immer tiefer in ein unglaublich packendes Abenteuer hineingezogen, dem man sich nicht entziehen kann. Das Buch ist einfach wunderbar zu lesen. Und auch an Witz, der manchmal in den Dialogen zwischen Abu Dun und Andrej, zwei wirklich starken Helden, zum Tragen kommt, fehlt es dem Buch nicht. Besonders spannend sind die ausführlich beschriebenen, und damit sehr gut vorstellbaren Kampfszenen, die sich Abu Dun und Andrej stellen müssen. Das Faszinierende an diesem Buch ist aber das Ungewisse, mit dem sich die beiden auseinandersetzen müssen. Über der Geschichte liegt immer etwas Mystisches und Geheimnisvolles und manchmal scheint es fast so, dass Andrej und Abu Dun doch nicht so unverwundbar sind, wie sie glauben. Unbedingt Lesen!

Über den Autor:
Wolfgang Hohlbein wurde 1953 in Weimar geboren. Er ist der meistgelesene deutschsprachige Autor fantastischern Unterhaltung. Der Durchbruch gelang ihm 1982 mit dem Buch „Märchenmond“. Er lebt mit seiner Frau und Co-Autorin Heike Hohlbein und seinen Kindern am Niederrhein.

Rezension von Heike Rau

Wolfgang Hohlbein
Die Chronik der Unsterblichen
Die Verfluchten
530 Seiten, gebunden
Egmont vgs verlagsgesellschaft, Köln
ISBN: 3-8025-3459-X
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Franz Hartnagel und Sophie Scholl

Franz Hartnagel und Sophie Scholl

Hermann Vinke Franz Hartnagel Arche ISBN 3716023418

Hermann Vinke begibt sich noch einmal, wie schon viele vor ihm, auf die Spuren der Geschwister Scholl, die zur Nazizeit die Widerstandsgruppe „ Die weiße Rose“ begründet hatten.

Franz Hartnagel war der Freund von Sophie Scholl.

In sehr feinfühliger Art und Weise beschreibt Vinke die Beziehung zwischen den beiden jungen Leuten, die zur Zeit ihrer ersten Begegnung im Jahr 1937 16 und 20 Jahre alt waren. Hartnagel war Offizier. Sophie machte erst noch ihr Abitur, um später Philosophie zu studieren.
Die Beziehung wird als nicht ganz einfach beschrieben: Hartnagel suchte zuerst Nähe und später Distanz. Bei Sophie war es umgekehrt: sie wollte anfangs Nähe und später mehr Distanz. Darüber hinaus war Sophie Scholl von einer unbeirrbaren Gegnerschaft zum Nazireich beseelt. Erst nach und nach zieht sie Hartnagel so sehr in ihren Bann, dass auch er mehr und mehr auf Abstand zu dem Regime ging. Er hilft sihr, wo er kann, vor allem finanziell. Er weiß aber nichts von ihren Widerstandsaktivitäten.

Nachdem sich die Lage zuspitzte, die beiden Geschwister Hans und Sophie hingerichtet wurden, hat ihn eine tiefe Bindung zu der Familie Scholl erfasst, die ihn zuletzt in eine Ehe mit der Schwester von Sophie, Elisabeth Scholl, führte. Beide haben die Erinnerung an Sophie und Hans als festes Band in ihrer Beziehung angesehen.

Hartnagel durchlebte sehr traurige Phasen in Erinnerung an Sophie zugleich durchsetzt von Schuldgefühlen, weil er als Offizier weiter dem Regime diente.
Er mochte aber seine Existenz nicht total verspielen und ist seinen Weg unter Vermeidung jeglicher Schandtaten gegangen, wie sie auch in der Wehrmacht zum großen Teil verübt wurden. Im Gegenteil:. er versuchte zu helfen, wo er nur konnte, wenn es um Ungerechtigkeiten und Verfolgung ging.

Nach dem Krieg wurde Hartnagel zu einem überzeugten Kriegsgegner, der sich gegen Wiederbewaffnung und Atomaufrüstung stark machte, in der Friedensbewegung und auf Ostermärschen für seine Überzeugung eintrat.
Wir erfahren in eindrucksvollen Bildern um das Schicksal einer Reihe von Menschen, die den Krieg, Hitler und sein Regime bekämpften und darüber ihr Leben oder ihre Existenz verloren, wie der Vater von Sophie Scholl.
Ferner beeindruckt die tiefe Bindung einer geistigen Freundschaft mit überzeugender Haltung allem Unrecht gegenüber, wie sie zwischen Sophie und Franz Hartnagel gewachsen war.
Beispielhaft und vorbildlich wird noch einmal über den Mut und die Tapferkeit berichtet, mit der junge Menschen für ihre Überzeugung einen grausamen und überflüssigen Tod hinnahmen.
Das Buch ist sehr anrührend geschrieben und trotz aller bekannten Tatsachen äußerst lesenswert.
Cl.B.

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Upps, komm Zähne putzen

Upps, komm Zähne putzen

Lucas liegt schon im Bett, als es plötzlich an die Fensterscheibe klopft. Es ist das Upps, endlich ist es wieder da. Das Upps amüsiert sich über Lucas’ Zahnlücken und glaubt, die fehlenden Zähne hat ihm jemand geklaut. Dabei sind das Milchzähne gewesen, die Lukas, als sie gewackelt haben, einfach herausgedreht hat. Dann muss es vom Zähneputzen kommen, denkt das Upps. Vielleicht hat Lucas die Zähne weggeschrubbt. Aber Lucas erklärt, wie das mit den Milchzähnen ist und warum sie eines Tages raus müssen.

Das Upps hat keine Ahnung von Zahnpflege und weiß nicht, wie man Zahnteufelchen verjagt. Monster putzen eigentlich keine Zähne. Doch Lucas weiß längst Bescheid und erklärt alles. Und als der Zahnarzt in die Vorschule kommt, geht es ins Detail. Die Kinder erfahren, was die Zahnteufelchen wirklich sind und warum auch die Milchzähne gründlich geputzt werden müssen, obwohl sie doch eines Tages ausfallen. Die richtige Zahnputztechnik wird erklärt und Ernährungstipps werden gegeben.

Kindern werden mit diesem Buch auf sehr ansprechende Art und Weise und ganz ohne erhobenen Zeigefinger an die Zahnpflege herangeführt. Das kleine Monster Upps vom Planeten Maxnix übernimmt die Rolle des Unwissenden, so das Lucas alles, was er schon weiß, erklären kann. Noch genauere Informationen und Wissenswertes steuert der Schulzahnarzt bei. Der Text ist kindgerecht, leicht verständlich und gut zum Vorlesen geeignet. Was besonders wichtig ist, wird noch einmal sehr einprägsam, beispielsweise in Merkversen, zusammengefasst. Ergänzt wird die lustige Geschichte von gut gemachten Illustrationen. Die Bilder sind sehr farbenfroh und detailreich. Im Anhang befindet sich das Zahnteufelchen-Würfelspiel. Alle Kinder mit Zahnlücken dürfen sich auf den Weg zum Schloss der Zahnfee machen. Das der Weg nicht ganz ungefährlich ist, versteht sich von selbst. Die Kariesteufelchen lauern überall. Dank einfacher Regeln, die auch von kleinen Kindern gut zu erfassen sind, macht das Spiel viel Spaß.

Rezension von Heike Rau

Ursel Scheffler (Text) / Jutta Tim (Illustrationen)
Upps, komm Zähne putzen
32 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert, mit Würfelspiel im Anhang
ab 5 Jahre
arsEdition, München
ISBN: 3-7607-1444-7
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Hunde-Trainingstagebuch

Hunde-Trainingstagebuch

Für jeden, der gezielt mit seinem Hund üben möchte, ist dieses Buch genau das richtige. Durch das notieren der Trainingsabläufe behält der Hundehalter den Überblick über das bisher Erlernte, erreicht leichter Fortschritte und bringt mehr Abwechslung in den Alltag. Wie man dabei vorgehen sollte, wird im Buch genau erklärt. Dazu stehen zwölf Trainingsthemen zur Auswahl, wie beispielsweise Generalisierungstraining, Clickertraining, Kontakte mit Artgenossen oder Sportliches.

Wie genau das Tagebuch geführt werden soll, kann sehr gut den vorgegebenen Mustern entnommen werden. Dem Hundehalter stehen dann eigene, fertig formatierte Vorlagen für die Formulierung der Übung mit Übungsschritten und Seiten zur Dokumentation des Trainingsverlaufes zur Verfügung. Dabei ist der Platz für die eigenen Aufzeichnungen reichlich bemessen. Viele Hinweise und Tricks helfen, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen und Erfolge voranzutreiben. Das Tagebuchführen, auch wenn es einigen Hundehaltern vielleicht übertrieben scheinen mag, ist ein gutes Mittel, auch bei schwierigen Übungen, die nicht so einfach für den Hund sind, Durchhaltevermögen zu zeigen, bis der Erfolg sich Schritt für Schritt einstellt.

Die einzelnen Übungen erleichtern das Leben mit dem Hund, fördern den Gehorsam des Hundes oder machen einfach Spaß. Die Autorin liefert viele Ideen zur Beschäftigung mit dem Tier. Sie zeigt aber auch auf, wie man eine optimale Übungssituation schafft, wie man Kommandos gibt und den Hund richtig lobt oder belohnt. Ihre Texte wirken motivierend und machen Lust, sich intensiver dem Training mit dem Hund zu widmen. Die vielen kleinen Zeichnungen gefallen und lockern die Texte auf. Nicht unerwähnt bleiben soll die gute Handlichkeit des Buches durch die Spiralbindung.

Über die Autorin:
Celina del Amo ist Tierärztin in einer Praxis für Verhaltenstherapie und Gründerin der Hundeschule „Knochenarbeit“. Sie hat bereits mehrere Bücher über Hundeausbildung geschrieben.

Rezension von Heike Rau

Celina del Amo
Hunde-Trainingstagebuch
Mit Zeichnungen von Oliver Eger
126 Seiten, Spiralbindung
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4808-0
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Kalt

Kalt

Der Überfall geschieht als Dylan O’Conner, bepackt mit Papiertüten voll Fastfood, die Tür zum Motelzimmer aufschließen will. Als er aus seiner Ohnmacht erwacht, sitzt er gefesselt in einem Armstuhl. Sein Mund ist mit Klebeband verschlossen. Sein autistischer Bruder Shepherd sitzt am Tisch und legt ein Puzzle in ungeheurer Geschwindigkeit. Er erfasst die Situation scheinbar nicht. Der unbekannte Angreifer zeigt sich schließlich. Er sieht nicht aus wie ein Verbrecher, sondern eher wie ein Landarzt. Er verpasst Dylan eine Injektion. Das, was er spritzt, bezeichnet er als „Zeug“. Und er legt Dylan nahe, bald zu verschwinden. Denn es gibt Leute, die auslöschen wollen, was er geschaffen hat.

Dylan ist nicht das einzige Opfer in dieser Nacht. Vor dem Motel trifft er auf Jillian Jackson, die ebenfalls ohne ihren Willen, mit „Zeug“ gespritzt wurde.
Sie ist auf der Suche nach ihrem Wagen, um ebenfalls zu fliehen. Aber offenbar wurde der gestohlen. Wenig später sieht sie ihr Auto samt Dieb, es scheint der berüchtigte Landarzt zu sein, in die Luft fliegen. Die Typen, die das zu verantworten haben, sehen gefährlich aus. Dylan und Jillian beschließen gemeinsam die Flucht zu ergreifen, obwohl sie von Anfang nicht gleicher Meinung sind und immer wieder aneinandergeraten.

Der Anfang klingt wirklich sehr vielversprechend. Leider wird die ganze Geschichte dann ein wenig zu unrealistisch. Der Autor spielt eine unglaubliche Szenerie durch. Das „Zeug“, das den drei Hauptdarstellern gespritzt wurde, wirkt sinneserweiternd und ermöglicht ihnen, Menschen bisher unmögliche Dinge zu tun. Hier geht es um Nanotechnologie und damit verbundene Experimente. Mehr soll aber nicht verraten werden. Schafft man es, sich auf die überzogene und zeitweise verwirrende Handlung einzulassen, ist das Buch aber voller Spannung, actionreich und hin und wieder sogar witzig. Vom Schreibstil her ist es mit Tempo geschrieben und lässt sich gut lesen. Es gibt viele überraschende, nun ja, für manchen sicher zu überraschende Wendungen. Leider ist dann zum Ende hin wieder vieles offen. Vielleicht ist sogar eine Fortsetzung in Planung.

Über den Autor:
Dean Koontz, geboren 1945 in Pennsylvania, lebt heute mit seiner Frau im kalifornischen Orange County. Seine Romane sind Bestseller und wurden in über 30 Sprachen übersetzt.

Rezension von Heike Rau

Dean Koontz
Kalt
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
512 Seiten, broschiert
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN: 3-453-43104-9
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Jagd auf den Qivittoq

Jagd auf den Qivittoq

Miki fühlt sich nicht wohl bei Onkel Jens in der Stadt. Der gewalttätige Verwandte macht ihm Angst. So beschließt Miki zu fliehen. Bei Nacht bricht er mit dem Hundeschlitten auf. Er will wieder zurück zu seiner Großmutter in die Siedlung. Vielleicht darf er bei ihr leben in dem gemütlichen kleinen Torfhaus.
Niemand folgt Miki und bald fühlt er sich ruhiger. Doch schon bald wird seine Lage gefährlich. Ein Sturm ist herangezogen und Miki muss versuchen sich und die Hunde in Sicherheit zu bringen. Schließlich sucht er hinter einem Eisberg Schutz. Der Sturm hat auch seinen Vorteil. Er hat die Spuren verwischt. Miki reist weiter. Bald muss er feststellen, dass der Sturm die Eiskante aufgebrochen hat. Er muss nun nordwärts fahren, um einen Übergang zu finden. Zu seinem Entsetzen entdeckt er seine eigene Spur wieder und ihm wir klar, dass er auf einer riesigen Eisscholle gefangen ist. Es bleibt ihm nichts, als abzuwarten und dafür zu sorgen, dass er und die Hunde nicht verhungern.

Miki hat den festen Willen zu überleben. Er stellt sich dem harten Überlebenskampf, lebt von dem, was die Natur ihm bietet. Er geht auf Robbenjagd und erinnert sich an die alten Geschichten, die er einst gehört hat. Miki handelt umsichtig und durchdacht und dennoch sieht es nicht selten so aus, als wäre alles verloren. Und erst ganz zum Schluss erfährt der Junge, und mit ihm der Leser, was lange Einsamkeit und Isolation aus einem Menschen machen können. Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben und liest sich gut. Der Autor gewährt interessante Einblicke in das Leben der Inuit, erzählt beispielsweise von ihren Traditionen oder ihren Jagdtechniken. Die Beschreibungen der Natur mit dem langen arktischen Winter und dem kurzen Sommer sind einzigartig. Die abenteuerliche Geschichte endet tragisch. Im Anhang erzählt der Autor, was es auf sich hat, mit der Legende über den Qivittoq, zu dem Miki geworden ist.

Über den Autor:
Finn Pedersen, Jahrgang 1947, lebt mit seiner Familie seit 20 Jahren in Upernavik in Grönland. Er ist Lehrer, beschäftigt sich daneben mit Segeln, Jagen und Hundeschlittenfahren.

Rezension von Heike Rau

Finn Pedersen
Jagd auf den Qivittoq
Aus dem Dänischen von Martin Zähringer
139 Seiten, gebunden
Peter Hammer Verlag, Wuppertal
ISBN: 3-7795-0025-6
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Lonely Rider

Lonely Rider

Als der Schweizer Edi Aschwanden zum 25. Arbeitsjubiläum von seinem Arbeitgeber vier Wochen zusätzlichen Urlaub erhält, ist das für ihn die Gelegenheit sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Er beschließt, für zwei Monate zu Pferd durch den Norden Neuseelands zu reiten. Allein.

Seine Begleiterin wird die Scheckstute Shen. Ein wahrer Glücksfall. Edi und Shen verstehen sich auf Anhieb. Nun steht der Reise, die in Dargaville beginnen soll, nichts mehr im Wege.
Es wird ein abenteuerlicher Wanderritt mit vielen schönen Erlebnissen, die lange im Gedächtnis bleiben werden. Aber Edi Aschwanden muss auch viele gefährliche Situationen meistern. Und der Leser fiebert mit.
Der „Swiss Horseman“ lernt die Gastfreundschaft der Maori kennen. „So viel blindes Vertrauen“, schreibt der Autor, „habe ich auf all meinen Reisen nur in Neuseeland erlebt.“ Immer wieder stößt er auf hilfsbereite Menschen, die ihm Unterkunft für die Nacht geben, ihn zum Essen einladen oder die ihn am für sie alltäglichen Leben teilnehmen lassen. Doch der Autor genießt auch die Einsamkeit, beispielsweise bei langen Ritten am Strand entlang. Seine grandiosen Fotos zeugen von den Naturschauspielen, die er gesehen hat. Auch der Blick des Lesers verweilt hier gern eine Weile und geniest die einmaligen Aussichten und die herrlichen Landschaftsaufnahmen.
Die zwei Monate vergehen viel zu schnell. Hin und wieder hat Edi Aschwanden das Heimweh fast übermannt. Dennoch fällt der Abschied schwer. Hat er doch so viele Freundschaften geschlossen. Und auch von seinem Pferd, das ihm ein treuer Begleiter war, muss er sich trennen.

Nach Edi Aschwandens Heimkehr beschließt seine Frau Katharina, aus dem, was ihr Mann erzählt, ein Buch zu machen. Sehr lesenswert ist es geworden. Gern würde man ihr weitere hundert Seiten folgen, so unterhaltsam, interessant und vor allem sehr persönlich ist der Bericht. Das weckt Reisefieber und Fernweh. Auch von der Aufmachung her, ist das Buch sehr gelungen. Die bestechend schönen Fotos sind teilweise großformatig und gehen viele Male über eine oder sogar zwei Seiten.

Rezension von Heike Rau

Edi und Katharina Aschwanden
Lonely Rider
Abenteuer in Neuseeland
128 Seiten, gebunden, über 100 Farbfotografien
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen
ISBN: 3-7888-0911-6
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Madagascar

Madagascar

Die Besucher kommen gerne in den Central Park Zoo in New York, um die Giraffe Melman, das Nilpferd Gloria und Löwe Alex zu sehen. Die Tiere lassen sich gerne bestaunen. Nur Zebra Marty ist mit dem Zooleben nicht so ganz zufrieden. Immer, wenn die Besucher gegangen sind, bricht für ihn die Langeweile aus. Dabei sehnt sich das Zebra danach, endlich einmal etwas Aufregendes zu erleben.
Plötzlich tauchen vier Pinguine in Martys Gehege auf. Mit Löffeln hatten sie sich einen Tunnel gegraben. Sie sind auf dem Weg in die Antarktis. Da sie im Zebragehege offensichtlich falsch sind, verschwinden sie wieder und graben weiter.
Auch Marty hat nun die Reiselust gepackt und von seinen tierischen Freunden wüscht er sich zum Geburtstag, in der Wildnis leben zu können. Die Tiere stört es jedoch nicht, nichts über das Leben außerhalb des Zoos zu wissen. Sie sind zufrieden mit dem Fressen, den Fans und der guten Versorgung und meinen, dass es ihnen nirgendwo besser als im Zoo gehen könnte.
Da zieht Marty auf eigene Faust los und seine Freunde können nicht anders, sie folgen ihm. So beginnt ein spannendes Abenteuer.

Die Geschichte ist interessant und ereignisreich. Die einzelnen Charaktere, also die Tiere, sind sehr liebevoll ausgearbeitet. Man folgt der Giraffe, dem Nilpferd, dem Löwen, dem Zebra und den Pinguinen gerne auf ihre abenteuerlichen Reise. Die Zeichnungen sind sehr farbenfroh und ausdrucksstark. Es gibt viel zu entdecken. Sehr lustig anzusehen sind die verschiedenen, sehr passenden und herrlich übertriebenen Gesichtsausdrücke der Tiere und ihr Mienenspiel in bestimmten Situationen. Hier ist das Zebra besonders beeindruckend. Interessant ist auch die Giraffe mit ihrem langen Hals, den sie manchmal fürchterlich verbiegen muss, wie in der U-Bahn beispielsweise. Der Spaß kommt also beim Ansehen und Lesen oder Vorlesen des Buches nicht zu kurz. Der Text verschmilzt dabei mit den Bildern, so dass ein gelungener Gesamteindruck entsteht.

Rezension von Heike Rau

Billy Frolick
Madagascar
Aus dem Amerikanischen von Tina Landwehr
Illustrationen: Koelsch Studios
56 Seiten, laminierter Pappband
Egmont vgs verlagsgesellschaft
ISBN: 3-8025-3435-2
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Der Lügner von Umbrien

Der Lügner von Umbrien

1348. Obwohl in Florenz die Beulenpest wütet, zieht Giuseppe Pagamino mit seinem Wäglein in die Stadt, um heimlich zu plündern. Ganz unbeobachtet bleibt er jedoch nicht. In einem der Häuser ist noch jemand am Leben. Ein Junge, genannt Aturo. Dieser schließt sich Giuseppe an, der weiter zur Kathedrale nach Lucca will. Giuseppe erzählt Aturo von seinem geheimen Vorhaben. Denn dort in Lucca soll sich ein Traum erfüllen. Nur eine Zutat fehlt ihm noch zu einem Elixier, das ewiges Leben schenkt: ein Stück von Luzifers Fingernagel. Es geht die Kunde, dass der Bischof von Lucca, der heilige Vater Agostino, in einem Kerker eine Mutter und ihren Sohn gefangen hält. Der Junge stammt nicht von ihrem Ehemann, er ist vielmehr Luzifers Sohn, heißt es.

Giuseppe offenbart sich dem Henker del Sarto. Ein schwerer Fehler, denn noch ehe Giuseppe sich versieht, sitzt er ebenfalls im Kerker. Nach vier Tagen wird der Junge geholt und Giuseppe ist fortan allein. Später bei einem Verhör bereut er sein gotteslästerliches Verhalten. Doch wieder findet er nicht die rechten Worte, tappt in die Falle und beweist, dass er ein Ketzer ist. Auf Gnade braucht er nicht mehr zu hoffen. Und doch ist ihm das Schicksal gewogen. Giuseppe wird auf unerklärliche Weise zur Flucht verholfen. Als er später erfährt, dass der Sohn Satans möglicherweise doch noch lebt, erwacht sein Eifer wieder, das Lebenselixier doch noch herstellen zu können. Aber del Sarto ist ihm dicht auf den Fersen. Ein Entkommen scheint auf Dauer unmöglich.

Die spannende Geschichte wird vor allem von der Hauptfigur Giuseppe Pagamino getragen, einem gierigen Leichenfledderer, der so unglaublich geistreich lügt und hochtrabende Geschichten über seine Herkunft erfindet. Ständig bedauert er sich, zerfließt fast vor Selbstmitleid, simuliert Erschöpfungszustände und Wehwehchen der Bequemlichkeit zuliebe. Er lügt und nörgelt sich durchs Leben, biegt die Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit zurecht und folgt seiner eigenen Logik. Immer wieder gerät er in Rage, redet sich um Kopf und Kragen. Giuseppe steht, im wahrsten Sinne des Wortes, stets mit einem Bein im Grab. Die Dialoge sind einzigartig und einfach köstlich, egal ob mit dem von ihm unterschätzen Aturo oder seiner streitbaren inneren Stimme. Damit ist die Geschichte höchst unterhaltsam und sehr abwechslungsreich. Der Autor versteht es, den Leser mit seiner Fantasie immer wieder zu verblüffen. Auch am Ende. Denn erst hier erfährt der Leser, was tatsächlich aus Giuseppes Traum vom Lebenselixier geworden ist. Unbedingt Lesen!

Über den Autor:
Bjarne Reuter wurde 1950 in Dänemark geboren. Er ist bekannt geworden durch seine Kinderbücher und psychologischen Spannungsromane. Dabei erhielt der Autor so gut wie alle dänischen Literaturpreise und außerdem zahlreiche internationale Auszeichnungen. Viele seiner Bücher wurden zudem verfilmt.

Rezension von Heike Rau

Bjarne Reuter
Der Lügner von Umbrien
Aus dem Dänischen von Knut Krüger
507 Seiten, gebunden
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN: 3-453-01206-2
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