Felicitas Mayall: Nacht der Stachelschweine

Felicitas Mayall: Nacht der Stachelschweine

Als in einem ehemaligen Kloster bei Montalcino ein Mitglied einer deutschen Selbsterfahrungsgruppe tot aufgefunden wird, ist Hilfe vom Münchner Morddezernat gefragt. Laura Gottberg, 44 und geschieden, spricht auch Italienisch. Nachdem die Versorgung ihrer Kinder und des alten eigensinnigen Vaters gesichert ist, lässt sie sich voll und ganz auf den Fall ein. Und der hat es in sich. Die erste Spur, die sie mit ihrem italienischen Kollegen Angelo Guerrini verfolgt, führt zu einem geistig behinderten Bauernjungen. Doch es wäre etwas zu einfach, Giuseppe den Mord unterzuschieben. Laura zieht im Kloster ein, um die Mitglieder der Selbsterfahrungsgruppe unter die Lupe zu nehmen. Als ein zweiter Mord geschieht, rückt Giuseppe allerdings wieder ins Zentrum der Ermittlungen. Laura und Angelo wollen das nicht zulassen, sie glauben keine Sekunde an die Unschuld des Jungen. Ob sie sich irren oder nicht stellt sich lange nicht heraus. Die Verhöre der eigenwilligen Gruppenmitglieder, die sich mehr auf Selbstdarstellung versteifen, gestalten sich schwierig. Dazu kommt, dass Laura in ihrer Arbeit etwas durch Angelo abgelenkt wird, mit dem sie die eine oder andere Stunde bei Wein, gutem Essen und mehr verbringt.

Ein spannender Krimi mit außergewöhnlichen und stimmig gezeichneten Akteuren. Laura Gottberg ist eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht, die sich nicht von ihrem Chef bevormunden und eingrenzen lassen will. Angelo Guerrini ist nicht nur ihr Partner in diesem Fall. An ihn richten sich auch bald ihre Wünsche nach Liebe und Partnerschaft. Beide ermitteln in einem wirklich seltsamen Fall. Der Leser bekommt Einblick in eine Selbsterfahrungsgruppe, deren Mitglieder nicht zusammenpassen und deren Therapeutin mit ihrem Beruf hadert. Dazu kommt die Geschichte des geistig Behinderten, in dessen Gefühlsleben und seine Denkweise dem Leser auf sensible Weise Einblick gewährt wird. Undurchsichtig bleibt der Fall bis zum überraschenden Ende. Geschrieben ist das Buch in einem leicht lesbaren, sehr verständlichen Stil. Das macht Lust auf den nächsten Fall von Laura Gottberg.

Über die Autorin: Felicitas Mayall lebt im südlichen Bayern. Sie studierte Zeitungs- und Politikwissenschaften in München, absolvierte die Deutsche Journalistenschule und arbeitete mehrere Jahre als Redakteurin der „Süddeutschen Zeitung“. Seit 1978 ist sie freie Journalistin und Autorin.

Rezension von Heike Rau

Felicitas Mayall
Nacht der Stachelschweine
Laura Gottbergs erster Fall
382 Seiten, gebunden
Kindler Verlag, Berlin
ISBN: 3 463 40416 8

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Der Geisterfotograf

Der Geisterfotograf

1927. Als Peter Duvett seine Assistenzstelle bei dem Fotografen Vienna Linn antritt, ahnt er nicht im geringsten, was auf ihn zukommen wird.
Hals über Kopf verliebt er sich am Tag der Hochzeit in Viennas frisch angetraute, sehr direkte Ehefrau Kala, die ihm ihre Faszination für das Phänomen der Geisterfotografie nahe bringt. Für Vienna Linn reicht die Beschäftigung mit diesem Thema nicht aus. Er arrangiert Unfälle, um sie zu fotografieren. Manipuliert die Fotos, um sie für viel Geld als Geisterfotografien zu verkaufen. Ein gefährliches Geschäft, das auch Duvett zum Verhängnis werden könnte.

Schon der Titel macht neugierig auf das Buch. Und tatsächlich ist die Geschichte überaus faszinieren und unheimlich. Schon allein die Vorstellung, dass längst Verstorbene vielleicht doch auf sogenannten Geisterfotografien als schemenhafte Wesen wieder auftauchen könnten, löst ein Schaudern aus. Mit welcher Unverfrorenheit Vienna Linn die Hoffnung der Menschen für sich ausnutzt, ist unfassbar. Dazu kommt die Schilderung dieser merkwürdigen Dreiecksbeziehung, die sich über alle gesellschaftliche Normen mit Unverfrorenheit hinwegsetzt. Das Buch ist gut geschrieben. Der Autor hält die Spannung scheinbar mühelos. Er versteht es, den Leser mit einer ständig Unheil versprechenden Atmosphäre zu fesseln.

Über den Autor: Howard Norman lebt mit seiner Familie abwechselnd in Washington, D. C. und Vermont. „Der Geisterfotograf“ ist sein vierter Roman.

Rezension von Heike Rau

Howard Norman
Der Geisterfotograf
Aus dem Amerikanischen von Anna Kamp
352 Seiten, gebunden
Kindler Verlag, Berlin
ISBN: 3-463-40425-7

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Oberschnüffler Oswald und der krumme Dreh

Oberschnüffler Oswald und der krumme Dreh

Oswald langweilt sich. Sein Herrchen Timo hat keine Zeit. Er liest „Herr der Ringe“. Dabei verlangt Oswald wirklich nicht viel, nur „ein bisschen Liebe, ein bisschen Aufmerksamkeit und tonnenweise Hundefutter.“ Doch dann wird Svens Fahrrad geklaut und der Detektivklub hat einen neuen Fall. Timo findet die Sache eher langweilig. Doch so bleibt es nicht. Als Leander mit dem Fahrrad unterwegs ist, wird er von einem Auto angefahren. Der Unfallverursacher lässt Leander liegen und flüchtet. Zum Glück ist Leander nicht lebensgefährlich verletzt, aber ins Krankenhaus muss er schon. Noch größer wird die Verwirrung, als sich herausstellt, dass Leander mit Svens geklautem Fahrrad unterwegs war. Ist Leander etwa der Dieb? Hier liegt doch einiges im Dunkeln. Das muss Oskar der Oberschnüffler ran.

Dieser Kinderkrimi ist ausgesprochen empfehlenswert. Der Autor erzählt flott und spritzig und spart nicht mit lustigen Wortspielen. Erzählt wird aus der Sicht des gerissenen und von sich überzeugten Hundes. Es ist eine Freude, den Gedankengängen von Oswald zu folgen. Er hat es wirklich faustdick hinter den Ohren. Krimifans kommen voll auf ihre Kosten. Wer gut aufpasst und auf versteckte Hinweise achtet, ahnt vielleicht, welche Spur die richtige ist.

Über den Autor: Christian Bieniek lebt als freier Schriftsteller in Düsseldorf. Er schreibt für Kids und Erwachsene.

Über den Illustrator: Ralf Butschkow ist Jahrgang 1962. Er lebt in Berlin und arbeitet als freier Werbegrafiker und Kinderbuchillustrator.

Altersempfehlung: für Kinder ab 10 Jahren

Rezension von Heike Rau

Christian Bieniek
Oberschnüffler Oswald und der krumme Dreh
Illustrationen von Ralf Butschkow
164 Seiten, gebunden
Verlag arsEdition, München
ISBN: 3-7607-3919-9

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Die Inseln am Ende der Zeit

Die Inseln am Ende der Zeit

Das Verschwinden zweier Schiffe im westlichen Pazifik lässt sich nicht erklären und sorgt für eine Welle von wilden Spekulationen. Noch brisanter macht die Sache, dass es sich um einen Hawaiianischen Hochseekatamaran mit Umweltschützern an Bord und um ein amerikanisches U-Boot auf Testfahrt handelt. Überlebende gibt es tragischerweise nicht.
Vier Wochen später reist der Privatdetektiv Dennis Newman nach Honolulu. Er erhält den Auftrag eine Reihe seltsamer Anschläge zu untersuchen, die angeblich von fanatischen Ökoaktivisten verübt wurden. Sein Auftrag wird ein schwieriges Unterfangen. Zudem glaubt er, kurz nach seiner Ankunft eine angeblich beim Schiffsunglück ertrunkene Frau gesehen zu haben. Er will auch dieser Sache nachgehen, aber seine Spurensuche erweist sich als schwierig. Immer wieder wird er auf die falsche Fährte gelockt, sieht sich mit Voodoo-Zauber und unsichtbaren Gegnern konfrontiert.
Am Ende muss er sich eingestehen, dass es Dinge gibt, die nicht nur sein Wissen, unerklärlich oder gänzlich unvorstellbar sind.

Zugegeben, es braucht eine gewisse Zeit, bis man sich eingelesen hat. Aber was man liest, ist einfach zu faszinierend, zu unglaublich, als dass man das Buch vorschnell weglegen könnte. Trotzdem ist schwierig in Worte zu fassen, was dieses Buch so faszinierend macht. Man muss sich als Leser auf das Buch einlassen, bereit sein, Dinge zu erfahren, die unerklärlich sind und sich mit einer fremden Kultur auseinandersetzen.
Jeder wird seine ganz eigenen Gedanken über das Gelesene machen müssen, um Schlüsse daraus ziehen zu können.

Über den Autor:
Bernd Steinhardt ist Jahrgang 1960. Er studierte Ethnologie und Anthropologie in Wien, wo er auch promovierte. Seine Studien führten ihn nach Polynesien und Südostasien. Er lebt als freier Autor und Musiker wieder in seiner Geburtsstadt Bremen.

Rezension von Heike Rau

Bernd Steinhardt
Die Inseln am Ende der Zeit
413 Seiten, gebunden
Ammann Verlag, Zürich
ISBN: 3-250-10443-4

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Das Meer der Lügen

Das Meer der Lügen

1757. Der englische Offizier Lord John Grey macht im Herrenclub eine unglaubliche Entdeckung. Er glaubt erkannt zu haben, dass der Verlobte seiner Cousine an Syphilis erkrankt ist. Die Hochzeit darf auf keinen Fall stattfinden. Zur Lord Johns Beunruhigung führen die Ermittlungen in einem Spionage- und Mordfall ebenfalls auf die Spur des Verlobten Joseph Trevelyan, einem prominenten Mitglied der Londoner Gesellschaft. Lord John folgt den Spuren und gerät in einen Strudel aus Intrigen, ungeheuerlichen Ereignissen und Verschwörungen. Seine ausgesprochen gute Kombinationsgabe und seine Art überraschende Rückschlüsse zu ziehen, können allerdings nicht verhindern, dass er in eine Falle tappt und sich in echte Lebensgefahr bringt.

„Das Meer der Lügen“ ist ein spannender Krimi, der viele Überraschungen bereit hält. Mit Diana Gabaldons Highland-Saga hat das Buch allerdings nichts gemein. Natürlich denkt Lord John hin und wieder an Jamie Fraser und seine unerwiderte Liebe zu ihm, mehr aber auch nicht. Die Wartezeit, bis der sechste Roman mit Claire und Jamie erscheinen wird, verkürzt sich daher nur unwesentlich.
Ihren Stil hat Diana Gabaldon beibehalten. Sie erzählt in ihrer unnachahmlichen faszinierenden Art, mit Liebe zum Detail und leisem Humor. Allerdings muss man sehr aufmerksam lesen, um den Faden nicht zu verlieren. Die Handlung ist sehr umfangreich, der Fall äußerst knifflig.

Über die Autorin: Bevor Diana Gabaldon sich dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Professorin für Tiefseebiologie und Zoologie an der Universität von Arizona. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Ihre Highland-Saga umfasst mittlerweile fünf Bände. „Das Meer der Lügen“ ist der erste Band einer neuen Saga um Lord John.

Rezension von Heike Rau

Diana Gabaldon
Das Meer der Lügen
Aus dem Amerikanischen von Barbara Schell
416 Seiten, gebunden
Blanvalet Verlag, München
ISBN: 3-7645-0175-8

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Wo beginnt der Himmel

Wo beginnt der Himmel

Er ist Gerichtsstenograph. Tagtäglich beobachtet er Scheidungskriege und schreibt mit. Er sieht, wie Partner vor den Trümmern ihrer Ehe stehen, sich nichts mehr entgegenzubringen haben außer Hass. Oft genug kommt es sogar zu Gewalt, zu schlimmen Verletzungen oder sogar Mord. Wie kommt es, dass sich einstmals Verliebte so auseinanderleben, sich so entfremden, sich nur noch auf die Nerven gehen, es nicht mehr zusammen aushalten können? Um Antworten und um seine Zustimmung zu seinen Ansichten zu bekommen, hat der Gerichtsstenograph sich gewagt, die Frau, deren Scheidungsverhandlung ihm zu Herzen gegangen ist, anzusprechen. Er selbst hat ebenfalls eine Scheidung hinter sich. Kann es jemals einen Neuanfang geben?

Der Autor philosophiert in seinem Buch lang und breit über Liebe, Sex, Hass und die unerfüllbar scheinenden Sehnsüchte der Menschen. Kaum zu glauben, dass die Geschichte sich innerhalb einer Stunde abspielt. Den Gedankengängen des Autors zu folgen ist oft anstrengend, wirklich Neues gibt es nicht zu lesen. Dennoch kann das Buch ein Trost sein, für all diejenigen, die ebenfalls schlechte Erfahrungen mit der Liebe gemacht haben, eine Scheidung hinter sich haben und trotzdem einen Neuanfang wagen wollen. Das Buch hilft zu verstehen, warum so viele Liebesbeziehungen in die Brüche gehen, es lässt einen Blick hinter die Fassade zu.

Über den Autor: Gabriel Barylli ist Jahrgang 1957. Er ist Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. 1989 erschien sein erster Roman „Butterbrot“.

Rezension von Heike Rau

Gabriel Barylli
Wo beginnt der Himmel
256 Seiten, gebunden
Argon Verlag, Berlin
ISBN: 3-87024-520-4

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P.N.Elrod: Vampirdetektiv Jack Fleming

P.N.Elrod: Vampirdetektiv Jack Fleming

Titel: Vampirdetektiv Jack Fleming
Autor: P.N.Elrod
Nosferatu 1402 / Festa-Verlag ( Nov. 2002 )
Amerikanische Orginalausgabe : Blood List (1990)
Übersetzer : Heiko Langhans
Broschiert – 256 Seiten – Festa
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3-935822-56-1
Genre : Dark Fantasy
Erhältlich bei Amazon

„Der Wagen hatte mindestens vierzig Meilen drauf, als der vordere rechte Kotflügel mir gegen die linke Hüfte drosch, mich von der Straße schleuderte und als schlaffen Haufen auf einen Busch aus dicken windzersausten Gräsern beförderte.“

So fängt der Roman „Vampirdetektiv Jack Fleming“ von Patricia Nead Elrod an. Er spielt in Chicago Anno 1936. Jack wird angefahren und anschließend erschossen. Doch er stirbt nicht. Er überwältigt seinen Attentäter und reist in den nächstgelegenen Ort.
Nach und nach stellt Jack Fleming seine Andersartigkeit fest. Er ist ein Vampir. Nicht im Spiegel zu sehen, die Nacht verbringt er in einem riesigen Koffer gefüllt mit Heimaterde. Er kann sich entstofflichen, um sich vor Kugeln in Sicherheit zu bringen oder einfach verschlossene Türen zu durchdringen.
Doch seine jüngste Vergangenheit bleibt ihm ein Rätsel. Fest steht, er wurde umgebracht. Eine Mafiagang aus Chicago hatte ihn wegen einer mysteriösen Liste in die Mangel genommen. Details seines Todes, oder der Tage vorher, bleiben im Dunkeln. Nach und nach erinnert er sich.
Einst in New York lebend, hatte der Journalist Jack Fleming eine Liebesbeziehung zu Maureen, die er im Zuge von Recherchen kennen und lieben gelernt hat. Sie ist ein Vampir und lässt ihn zur Ader. Doch nicht aus reinem Hungergefühl, sondern als Höhepunkt einer Leidenschaft. Jack weiß von ihrem Wesen und hofft, nach seinem Ableben ihre Wesensart zu teilen, um sein Leben für immer mit ihr zu verbringen.
Doch Maureen flüchtet, da jemand auf ihre Fährte gefunden hat und sie vernichten möchte. Fünf lange Jahre hat Jack nichts mehr von ihr gehört und beschließt, in Chicago ein neues Leben zu beginnen. Dies gelingt, doch nicht so, wie er es erwartet hatte.
Auf der Suche nach seinen Mördern lernt er Charles Escott kennen, ein Privatdetektiv, der schon immer vom Übersinnlichen fasziniert war. Sie beschließen zusammen zu arbeiten. Escott beginnt die Ermittlungen zu Flemings Fall und stößt schon schnell auf ein Wespennest.

Hatte ich schon erwähnt, ein Fan schwarzer Krimis zu sein? Oder ein Liebhaber von Vampirgeschichten?
Der vorliegende Roman vereinigt Beides. Das Krimigefühl der Al Capone- Zeit, wie es z.B. in den Romanen von Frederic Brown oder Max Allan Collins lebendig wird. Die detailreiche Beschreibung des Lebens der dreißiger Jahre in Amerika, geprägt von Mafiabanden, Glücksspiel und schönen Frauen.
Dazu kommt der Vampir-Mythos. Elrods Vampir schläft am Tag in Heimaterde, da die Sonne der todbringende Feind ist. Er kann seinen Körper verstofflichen, außerdem ist er übermenschlich stark und schnell. Normale Waffen können ihn nicht töten, nur das gespitzte Eichenholz in sein Herz, oder fließendes Wasser können ihm neben dem Tageslicht den Garaus machen.
P.N.Elrod schafft es mühelos, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Es fällt schwer, den Roman zur Seite zu legen und die lebendig gewordene Welt eines imaginären Chicagos zu verlassen. Fleming ist kein Supervampir, sondern ein normaler Mensch, der sich seiner Fähigkeiten erst nach und nach bewusst wird. Auch seine Gegner sind normale Menschen, soweit man das von gnadenlosen Mördern behaupten kann.
Die gelungene Mischung aus Schwarzem Krimi und Vampirgeschichte macht Lust auf mehr. Eine erfrischende Abwechslung zu den üblichen Geschichten, in denen es um die Rettung oder Veränderung der Welt geht.

Fazit : Mich hat der Roman beeindruckt, für Liebhaber realitätsnaher Geschichten ein unbedingtes Muss. Es besteht Suchtgefahr. Wer jedoch auf der Suche nach Superlativen ist, in dem die Bösen immer mächtiger und fremdartiger werden, sollte vielleicht die Finger von „Jack Fleming“ lassen.
Einziges Manko ist die Gutartigkeit des Jack Flemings. Ein wenig mehr Undurchsichtigkeit, einen nicht ganz so aufrichtigen Charakter, hätte meiner Meinung nach besser gepasst. So wird dem Leser Jack schon fast zu sympathisch.
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Der Unmensch

Der Unmensch

1628 schleicht sich der Amsterdamer Apotheker Jeronimus Cornelisz als Kaufmann verkleidet auf die „Batavia“, dem Flaggschiff der niederländischen Ostindien-Compagnie. Rätselhafte Todesfälle sollen auf sein Konto gehen. Er muss fliehen, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden.
Es ist allerdings nicht sein Ziel in Ostindien anzukommen. Aber seine Pläne scheinen unter keinem guten Stern zu stehen. Die von ihm angezettelte Meuterei lässt sich nicht vollenden. Das Schiff kommt zu sehr vom Kurs ab, läuft vor einem Riff auf Grund. Die Überlebenden können sich auf eine kleine Insel retten. Der Apotheker nutzt die Gunst der Stunde und die Hilflosigkeit der Gestrandeten aus. Er errichtet ein eigenes Reich, spielt sich zum Herrscher auf, lässt die sagenhaften Schätze und die Lebensmittelvorräte vom Schiff auf seine Insel bringen. Doch er weiß, dass niemals alle Schiffbrüchigen auf dieser kargen Insel überleben können. So beginnt er zusammen mit ein paar Vertrauten, die er mit seinen Drogen versorgt, die Zahl der Überlebenden zu dezimieren. Er kennt sich aus mit Giften und ihrer Wirkung, schreckt nicht davor zurück zu morden oder morden zu lassen, als hätte er die Berechtigung dazu.

Die Autorin erzählt die packende und ergreifende Geschichte aus der Ich-Perspektive, sorgt so dafür, dass dem Leser keine der grausigen Überlegungen des größenwahnsinnigen, menschenverachtenden Apothekers entgehen, der mordet und Morde in Auftrag gibt, ohne mit der Wimper zu zucken. Seine Gefühlskälte ist kaum zu übertreffen. Doch es gibt auch Gegenspieler. Der Pfarrer, der zum Schluss doch seinen Glauben an Gott verliert. Oder die schöne Lucretia, die sich nicht blenden lässt, dafür aber mit unendlichem Leid bezahlen muss. Einhalt gebieten können ihm die Beiden jedoch nicht.
Der Leser wird von Seite zu Seite immer tiefer in einen Strudel aus Gewalt und Leid gezogen und kann sich dem Buch doch nicht entziehen, will die Hoffnung nicht aufgeben, dass der Apotheker nicht durchkommt mit seiner menschenverachtenden, gleichgültigen, gefühllosen Art. Besonders beängstigend ist, dass es die „Batavia“ und den eitlen Apotheker Jeronimus Cornelisz wirklich gab. Das Schicksal der Schiffbrüchigen ist nicht erfunden.

Über die Autorin:
Arabella Edge wurde in London geboren und lebt heute in Sydney. Sie arbeitete über vier Jahre an ihrem ersten Roman „Der Unmensch“.

Rezension von Heike Rau

Arabella Edge
Der Unmensch
Aus dem Englischen von Heike Steffen
349 Seiten, gebunden
marebuchverlag, Hamburg
ISBN: 3-936384-80-0

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Sturz aus der Welt

Sturz aus der Welt

Mitten im afrikanischen Dschungel muss das Flugzeug notlanden. Das ist für den Geschäftsmann Lewis Burke zunächst kein Problem. Er ist froh, am Leben zu sein. Doch als die vermeintlichen Retter sich als Rebellen entpuppen und das Flugzeug in die Luft sprengen wollen, fürchtet er doch noch, sein Leben zu verlieren. Er wagt die Flucht in eine unbekannte Welt. Völlig allein versucht er sich durchzuschlagen, doch der Dschungel ist voller ungeahnter lebensbedrohlicher Gefahren.
Als seine Frau Helen erfährt, dass er nicht unter den geretteten Passagieren ist, reist sie kurzerhand mit ihrem blinden Sohn Shane nach Afrika. Auch sie hat die Gefahren, die sie erwarten, unterschätzt. Ihre Suche scheint hoffnungslos. Lewis kann unmöglich im Dschungel überlebt haben. Doch Sohn Shane ist anderer Meinung.

Dieser Roman ist ausgesprochen fesselnd und interessant und das von der ersten bis zur letzten Seite. Man spürt die Begeisterung des Autors für Afrika, seinen Sinn für dramatische Situationen. Immer wieder wird die Spannung auf einen Höhepunkt getrieben, immer wieder hofft der Leser auf ein gutes Ende der Geschichte, muss zusehen, wie das Schicksal seinen eigenwilligen Weg einschlägt. Die Figuren sind sehr lebendig mit ihren Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen beschrieben. Man glaubt beim Lesen mitten im Geschehen zu sein, kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Über den Autor: Marcus Stevens lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern auf einer Farm in Montana. Er ist viel durch Afrika gereist. „Sturz aus der Welt“ ist sein erster Roman.

Rezension von Heike Rau

Marcus Stevens
Sturz aus der Welt
Aus dem Amerikanischen von Hans M. Herzog
312 Seiten, gebunden
Argon Verlag, Berlin
ISBN: 3-87024-577-8

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Die Geschworene

Die Geschworene

Rosy, die Geschworene, hat ihn schuldig gesprochen, den Mörder Markovic, der bis zum Schluss seine Unschuld beteuert hat. Doch schon kurz nach der Urteilsfindung wird sie unsicher. Nach der Lektüre von Zeitungsausschnitten, stellt sich der Fall doch etwas anders dar. Zusammen mit dem Obmann der Geschworenen verfolgt sie noch einmal die Spuren. Aus den Zweifeln wird Gewissheit. Die Geschworenen wurden getäuscht, Entlastungsbeweise vorenthalten. Der Mann, der die Lebensversicherung kassierte, hatte entgegen den Angaben des Richters kein Alibi. Schon vor der Obduktion wusste ein Polizist, dass das Opfer erschossen worden war. Es kommt noch mehr dazu.
Rosy versucht eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erreichen. Doch der zuständige Richter, derselbe, der das Urteil gesprochen hat, lehnt ab.
Rosy erträgt nicht, dass ein Unschuldiger lebenslang hinter Gittern sitzt, sie muss selbst für Gerechtigkeit sorgen.

Katharina Zara ist das Pseudonym einer Wiener Rechtsanwältin. So mag der Leser durchaus glauben, dass „Die Geschworene“ eine wahre Geschichte ist, wie behauptet wird.
Die Autorin berichtet mehr als dass sie erzählt, schreibt in einer sehr trockenen, ungeschliffenen Art. Und so bleiben viele Hintergründe unbeleuchtet. Man erfährt zum Beispiel nichts über das Opfer.
Trotzdem erreicht das Buch sein Ziel: Es prangert Justizirrtümer an und lässt den Leser sehr, sehr nachdenklich zurück.

Rezension von Heike Rau

Katharina Zara
Die Geschworene
144 Seiten, broschiert
Verlag C.H. Beck, München
ISBN: 3-406-49403-X

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