Charly Clever & Docktor Lupe – voll in Fahrt

Charly Clever & Docktor Lupe – voll in Fahrt

Charly Clever und Doktor Lupe wollen einen gemütlichen Ausflug mit einer Museumseisenbahn machen. In allerletzter Sekunde springt ein Mann auf den schon anfahrenden Zug auf. Er ist den beiden Freunden gleich verdächtig, trägt er doch bei Regenwetter eine Sonnenbrille.
Charly wittert gleich ein Abenteuer. Aber es kommt viel schlimmer, der ganze Zug wird von einer Verbrecherbande gekapert. Was steckt dahinter? Charly und Doktor Lupe müssen all ihr detektivisches Gespür und ihre Kombinationsgabe zusammennehmen, um diesen Verbrechern das Handwerk zu legen. Zum Glück haben sie die RFL, die Retrofraktal-Lupe, mit deren Hilfe sie sehen können, was anderen verborgen bleibt.

Mitreißender Kinderkrimi, um zwei Freunde, die Abenteuer über alles lieben. Die Geschichte ist spannend, für Kinder gut nachzuvollziehen und mit Tempo erzählt. Der Leser wird völlig in die Geschichte hinein gezogen.
Im Buch befindet sich die Lupe zum Erkennen von Suchbildern, so dass die Kinder an der Handlung und Auflösung des Falles mit beteiligt werden.
Illustrationen von Eva Schöffmann-Davidov lockern den Text auf.

Für Kinder ab 9 Jahren

Rezension von Heike Rau

Gerit Kopietz / Jörg Sommer
Charly Clever & Docktor Lupe – voll in Fahrt
Verbrecherbande kapert Museumseisenbahn
ISBN:3785541899
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Lesepiraten – Spukgeschichten

Lesepiraten – Spukgeschichten

Acht kurze Spukgeschichten gibt es in diesem Buch. Und so liest man von einem Gespenst, dass eine Prüfung bestehen muss, von einer Geburtstagsfeier auf einer alten Burg, von einer gespenstigen Nachtwanderung, von einem alten Schulhaus, das sprechen kann und vielem mehr.
Gespenster können einem eben überall begegnen. Nicht nur im Keller, sondern auch in einer ganz normalen Autowaschanlage.

Ein gruseliger Lesespaß für Kinder ab 7 Jahren. Extra große Schrift und einfache Gliederung erleichtern das Lesen. Alle Geschichten sind spannend, gruselig, aber auch lustig – genauso wie Kinder in diesem Alter sie mögen.
Das Buch ist liebevoll illustriert von Silke Voigt. Die Bilder sind phantasievoll gezeichnet und machen neugierig, die Geschichten zu lesen.

Rezension von Heike Rau

Gerit Kopietz / Jörg Sommer
Lesepiraten – Spukgeschichten
Gespenster gibt es überall…
ISBN:3785543654
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Virus X

Virus X

Michi, Fabian und Sheila sind Freunde. Sie leben auf einer Insel, dem MEGAPARK. Hier gibt es alles, was es in einem Freizeitpark geben muss, von der Wildweststadt bis hin zum Mittelalterschloss.
Plötzlich scheinen die Tiere von einer seltsamen Krankheit befallen zu sein. Sie verwandeln sich von lieben Streicheltieren in tollwütige Bestien.
Dass das nicht mit rechten Dingen zugehen kann, ist den drei Freunden klar. Was steckt also dahinter? Ist es ein unbekannter Virus? Oder ist etwa das Tierfutter vergiftet? Gibt es einen Zusammenhang zum geplanten Verkauf von MEGAPARK?
Michi, Fabian und Sheila beschließen der Sache auf den Grund zu gehen. Aber es ist alles andere als einfach, bis Michi einen Geistesblitz hat…

Spannender Krimi um drei Freunde die fest zusammenhalten. Die Charaktere sind sehr lebendig beschrieben. Die Freunde sind ganz normale Kinder, passen mit ihren verschiedenen Interessen gut zusammen, haben aber auch Schwächen und Fehler. Man kann sich ohne Mühe in sie hineinversetzen.
Der Schauplatz der Geschichte ist gut gewählt und garantiert Lesevergnügen.
Die Handlung ist sehr realistisch und somit gut von Kindern nachzuvollziehen.

Virus X ist der 1. Band aus der Reihe MEGAPARK – Insel der Abenteuer.

Für Kinder ab 10 Jahren.

Rezension von Heike Rau

Kopietz / Sommer
Virus X
Zahme Tiere im MEGAPARK werden plötzlich aggressiv. Was steckt dahinter?
ISBN:3570125351
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Dornröschenmord

Dornröschenmord

Malina Maltzan ist Privatdetektivin. Bei den Recherchen zu ihrem ersten Fall, stöß sie auf Informationen über den berüchtigten Dornröschenmörder, welcher bereits drei Frauen auf dem Gewissen hat.
Und plötzlich kommt eins zum anderen. Alle verhalten sich verdächtig. Ihr alter Freund Edward, der kampflos das Feld geräumt hat, ebenso wie ihr neuer Freund Frederick, der Wichtiges unausgesprochen lässt. Sogar ihre Freundin Dorothee scheint mehr zu wissen, als sie zugibt. Alle Fäden scheinen in Malinas Händen zusammenzulaufen. Das Chaos ist perfekt.
Und obwohl Malina gewarnt sein müsste, tappt sie in die Falle. Doch am Ende bekommt jeder irgendwie, was er verdient.

Ein Krimi, der es in sich hat. Am Anfang ahnt man nicht, dass die Handlung sich derart verdichtet und so unheimlich spannend wird.
Ein Buch über Liebe, Frauenpower und Selbstverwirklichung. Sehr unterhaltsam.

Rezension von Heike Rau

Anna Kalman
Dornröschenmord
Ein spannender Krimi, bei dem Rosen zum Mörder führen
ISBN:349223528X
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Tod eines Kritikers

Tod eines Kritikers

Thematisch brisant – Literarisch unbedeutend

Der populäre Literaturkritiker André Ehrl-König verreißt in seiner TV SPRECHSTUNDE Hans Lachs neuestes Buch. Auf der anschließend stattfindenden Party im Hause des Verlegers, zu der er entgegen den Regeln eingeladen war, stößt Hans Lach Morddrohungen gegen Ehrl-König aus. Am nächsten Morgen ist der berühmte Kritiker verschwunden, nur sein blutdurchtränkter Cashmere-Pullover wird im Schnee gefunden. Hans Lach steht unter Mordverdacht und wird – trotz fehlender Leiche – festgenommen. Sein Freund und Schriftstellerkollege Michael Landolf ist wild entschlossen, Hans Lachs Unschuld zu beweisen.

Was jetzt folgt, ist Walsers ganz persönliche Abrechnung mit dem Literaturbetrieb und mit Erzfeind Marcel Reich-Ranicki. Inhaltlich wäre der Text bedeutungslos zu nennen, wenn nicht der Vorwurf des Antisemitismus im Raum stünde. In der Tat kann man sich fragen, warum Walser Hans Lach seine Morddrohung mit den Worten: „Die Zeit des Hinnehmens ist vorbei. (…) Ab heute Nacht Null Uhr wird zurückgeschlagen“ aussprechen lässt und damit eindeutig auf Hitler referiert und warum nicht ein einfaches „Ich bring dich um!“ (oder Ähnliches) genügt hätte.

Allerdings taucht Ehrl-König am Ende wieder ganz lebendig und sehr medienwirksam auf und die ganze Erzählung entpuppt sich als „Intervallschachtelung“, als Geschichte in der Geschichte.

Nun kennt aber Walser den deutschen Kulturbetrieb nur zu gut und greift die vor der Publikation in den Feuilletons stattgefundene Debatte bereits im Werk selbst auf. Umso fragwürdiger wird vor diesem Hintergrund Walsers eigenes Handeln, nämlich die bewußte Lancierung des noch mit Korrekturfahnen bestückten Manuskriptes an die F.A.Z. Er hat sich damit selbst sehr bewußt und gekonnt der Mechanismen bedient, der er u.a. in „Tod eines Kritikers“ kritisiert.

Das alles mag man verachtenswert, unmoralisch und/oder provokativ finden, aber ist es auch antisemitisch?

Tatsächlich skizziert bzw. karikiert Walser Marcel Reich-Ranicki sehr rachsüchtig und sehr pointiert – Sowohl als Person als auch in seiner Funktion als der mächtigste deutsche Literaturkritiker. Das allerdings ist für mein Empfinden weder sprachlich noch stilistisch noch inhaltlich besonders spannend oder in nennenswerter Qualität geschrieben. Hier schreibt sich Walser vielmehr seinen Frust von der Seele, aber daran teilhaben muss man eigentlich nicht unbedingt. Die literarische Qualität des Buches ist meiner Ansicht nach eher vernachlässigenswert.

Erzählt wird überwiegend in indirekter Rede, so dass sich der Text nicht sehr flüssig liest – Zumal die Sätze ineinander verschachtelt sind und durch etliche Kommata unterbrochen werden: „Daß der Mächtigste dein Feind ist, ist nicht das Schlimmste, sondern daß er jedesmal wenn er dich erledigt, bevor er dich erledigt, wieder mit zum Himmel gedrehten Augen seufzt, wie ungern er sage, was er jetzt über Hans Lachs neuestes Buch sagen müsse, daß es nämlich von Grund auf mißglückt sei, das über den Fereund Hans Lach zu sagen, den er trotz dieses wieder mißglückten Buches für einen unserer interessantesten, zurechnungsfähigsten Scheriftsteller halte, das schaffe er nur, weil er sich stets der höheren Weisung bewußt sei, daß er zu dienen habe dem Wohl und Gedeihen der deutschen Literatür.“

Überhaupt wirkt der Sprachstil „angestaubt“, altertümlich und gekünstelt: „Da man von mir, was zu schreiben ich mich jetzt veranlasst fühle, nicht erwartet muss ich wohl mitteilen, warum ich mich einmische in ein Geschehen, das auch ohne meine Einmischung schon öffentlich genug geworden zu sein scheint.“ Natürlich liest sich anders. Aber all das ist ja bewußte Attitüde und muss nicht jedem gefallen.

Bleiben einzig und allein Thematik und Inhalt, die das Buch an die Spitzenposition der Bestseller-Liste katapultierten. Zu Recht?

Folgt Walsers – sicherlich stark überzogene – Darstellung des Literaturkritikers tatsächlich einem „geradezu klassichen Muster der Diskriminierung“ wie Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger es entdeckt hat (Spiegel online, 27.06.02)? Karikiert Walser nicht viel mehr Reich-Ranickis signifikante Gestik, Mimik und Aussprache, und zwar weil es Reich-Ranickis Eigenschaften sind, nicht jedoch weil es „jüdische“ Charakteristika sind? Oder leistet die offensichtlich verzerrte Karikatur alten Klischees, Vorurteilen und Diskriminierungsmustern doch Vorschub, weil sie zur häßlichen – gar unmenschlichen – Fratze gerät und weil Walser das „antisemitische Stereotyp (…) vom geilen Juden, der Macht ausübt, die zu haben er nicht legitimiert ist (…)“ bedient (Jan Philipp Reemtsma, Spiegel online 27.06.02)?

Das sind letztlich Fragen, die jeder für sich durch eigene Lektüre und im Austausch mit anderen an Literatur Interessierten beantworten muss. Von großer Bedeutung für die deutsche Literatur wie andere Werke ist „Tod eines Kritikers“ aber sicherlich nicht, denn auch als Schilderung der Machtverhältnisse im Literaturbetrieb und der Mechanismen, die ihn zusammenhalten, liest sich das Buch nur für Insider spannend und amüsant. Der „lediglich“ an der Literatur interessierte und nicht mit allen Intimitäten des Literaturbetriebes bekannte Leser dürfte dabei nicht auf seine Kosten kommen.

Martin Walser
Tod eines Kritikers
Thematisch brisant – Literarisch unbedeutend
ISBN:3518413783
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Die Entdeckung des Himmels

Die Entdeckung des Himmels

Die Entdeckung des Himmels besticht vor allem durch seine brillianten Dialoge, die sehr zum Denken anregen.
In Anbetracht von fast 800 Seiten sind die eingeschobenen drei kurzen Intermezzos durchaus willkommene Verschnaufpausen in einer nahezu durchgängig spannenden, geistreichen Geschichte.
Auf die Frage, was zuerst da war – Huhn oder Ei – gibt uns Harry Mulisch die verblüffend einfache Antwort: „Ein Huhn ist das Mittel, mit dem ein Ei das andere hervorbringt“.
Aber er beantwortet auch viele weitere Fragen während er uns von der aussergewöhnlichen Freundschaft zwischen Max Delius, Onno Quist und Ada Brons erzählt – oder erzählt er nur nebenbei von dieser Freundschaft während er uns auf eine Studienreise durch die Literatur, Musik, Gemälde und Geschichte führt?
Ich lasse die Frage offen und kann dieses Buch wärmstens empfehlen.

Harry Mulisch
Die Entdeckung des Himmels
„Die Entdeckung des Himmels“ wurde von der Wochenpost als Jahrhundertroman bezeichnet. Ich stimme dem zu!
ISBN:3446173773
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Die weinende Susannah

Die weinende Susannah

Susannah ist 33. Aber von Neurosen und Zukunftsangst geplagt, versteckt sie sich bei ihrer Mutter, weigert sich, ihr eigenes Leben zu leben. Sie ist vollkommen anspruchslos und lebt mühevoll von einem Tag zum anderen. Veränderungen sind ihr ein Gräuel.
Doch dann trifft Besuch aus New York ein. Naor, ihr Vetter. Er nimmt keine Rücksicht auf Susannahs seltsames Verhalten. Ganz langsam entwickelt sich eine Freundschaft. Doch Susannah will mehr, sie verliebt sich in Naor. Sie entdeckt, dass die Welt mit ihren Möglichkeiten auch für sie noch eine ganze Menge mehr zu bieten hat, dass es sich lohnt, für ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen. Aber der Weg ist hart. Naor ist nicht dazu bestimmt, ihr Geliebter zu sein.

Die Autorin schildert die alltäglichen Sorgen und Nöte ausführlich und mit einer gewissen Ironie. Ein stimmungsvolles, beeindruckendes Buch, das nachdenklich stimmt und sensibel macht, für die Probleme anderer.

Rezension von Heike Rau

Alona Kimhi
Die weinende Susannah
Von einer jungen Frau, die ihr Leben endlich selbst in die Hand nehmen will
ISBN:3446202145
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Kreutzersonate

Kreutzersonate

Der blinde Musikkritiker Marius van Vlooten lernt bei den Salzburger Festspielen die talentierte Geigerin Suzanne Flier kennen. Ein junger Musikwissenschaftler beschreibt sie ihr und vor den blinden Augen van Vlootens entsteht ein phantasievolles Frauenporträt, Öl auf Leinwand. Van Vlooten verliebt sich in Suzanna vor dem Hintergrund der Kreutzersonate. Er ist verzaubert von ihrer Musik.
Aber eines Tages beginnt das Bild zu verschwimmen. Van Vlootens geschultes Ohr vermag auch die leisen Töne zu hören. Er glaubt, Suzanna hat ein Verhältnis. Er fasst einen teuflischen Plan, den er verspielt. Aber das Schicksal hat bereits entschieden.

Magriet de Moor hat einen faszinierenden ruhigen Art zu erzählen. Ihre Geschichte beginnt leise, aber die Lautstärke schwillt unaufhörlich an.
Der Leser glaubt zu ahnen, welches Ende die Geschichte nimmt, aber es ist dennoch eine Überraschung.

Rezension von Heike Rau

Margriet de Moor
Kreutzersonate
Eine Liebesgeschichte voller Musik und Leidenschaft
ISBN:3446202218
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Nexen

Nexen

Eine gänzlich neue Idee zum Thema, wieso die Saurier ausstarben, wozu wir Menschen da sind und wieso die Inquisition so Unrecht nicht hatte, präsentiert Bodo Kroll in seinem Buch „Nexen“. Um die Geschichte in Gang zu bringen, schickt er mal eben ein Kristallpilz-Bewusstsein in einen Menschenkörper. Dessen Seele soll während der Mission eigentlich nur „zwischengelagert“ werden, aber etwas geht schief.
Es geht überhaupt eine Menge schief in diesem Buch: Die Nexen – eine sich aggressiv vermehrende Spezies – vergessen, wo sie ihre Larven abgelegt haben, der Galaktische Jäger – der das Universum von den Nexen befreien will – stürzt ab, das Kristallpilz-Bewusstsein stirbt, der Menschenkörper stirbt, das Jäger-Bewusstsein stirbt, jede Menge namenlos bleibender Menschen sterben. Pläne gelingen nur augenscheinlich und dann wendet sich doch alles irgendwie zum Guten und gleich darauf wieder zum Unguten. Retter müssen grettet werden und versagen beim Retten der zu Rettenden…

Was hier so aufregend und hektisch klingt, wird dann jedoch in einem seltsam unspannenden Stil dargeboten. Nahezu die gesamte erste Hälfte des Buches braucht Kroll beispielsweise dazu, die Figuren zu platzieren.
Ab dann aber überstürzen sich die Ereignisse. Doch sie tun es auf eine sehr unsinnliche Weise: Kroll sagt, zählt auf, wiederholt hunderte Male längst Geklärtes. Vor allem aber stellt er Behauptungen auf, die der Leser mangels textlichem Beweis oder Gegenbeweis hinnehmen muss.

Zum Beispiel: Beim Abschluss einer Art Übereinkunft zwischen dem Ich-erzählenden Menschen, der inzwischen im Jäger-Körper steckt, und den Nexen, sagt sich der Mensch/Jäger, er habe schon oft erlebt, dass man den Nexen nicht trauen kann. Zum ersten: Wer den bisher als extrem egoistisch bezeichneten Nexen traut, muss blöd sein – ihnen nicht zu trauen ist also kein Zeichen von Cleverness sondern von durchschnittlicher geistiger Gesundheit. Zum zweiten: An keiner Stelle im Buch – vor dieser Feststellung – ist je die Rede davon, dass die Nexen den Jäger (bei einem Vertrag) übers Ohr gehauen hätten. Vom Menschen ganz zu schweigen – der kannte die Viecher vorher noch nicht mal!

Von solchen offensichtlichen Erzähl-Fehler einmal abgesehen: Die Figuren bleiben seltsam blass. Ihnen werden zwar Gefühle nachgesagt, doch die werden nicht sichtbar. Action ist der Daseinszweck der Figuren und darauf sind sie letztlich auch reduziert. Das Entsetzen, den Tod des eigenen Körpers oder den von Freund gewordenen Wesen zu sehen, beispielsweise wird in zwei, drei Zeilen abgetan. Selbst der Untergang der Menschheit wird zwar Katastrophe genannt, doch als solche einfach nicht fühlbar.

Das gesamte Buch ist durchzogen vom Eindruck der Nicht-Kontrolle. Pläne und Gegenpläne und Zufälle mischen sich zu einem Strudel von Ereignissen, in dem die Figruen hin und her geworfen werden. Selbst dem Autor entgleitet die Kontrolle offenbar etwas: Der Gute (Mensch/Jäger) gewinnt bei jedem Schachzug, den wir als Leser beobachten können. Da es aber am Ende schlimm ausgehen muss, kriegt der Leser schnell gesagt, dass im Hintergrund – also unsichtbar – die Bösen sich nicht an die Spielregeln hielten und Peng! war der Gute nicht mehr der Spielmacher sondern plötzlich nur eine Spielfigur im Plan der Bösen. Und weil das Ende dann offenbar doch nicht endgültig sein sollte, greift Kroll zum Kunstkniff „Parallel-Realitäten“ und siehe da: Es ist wieder alles offen! Da hat sich nun der Leser durch die ganze bizarre Handlung gekämpft und dann wird durch diesen Streich die Handlung – und damit auch unsere Mühe, ihr zu folgen – für (nahezu) nichtig erklärt: All dies ist/war gar nicht relevant für uns – in unserer Realität kann alles ganz ganz anders kommen…

Der gesamte Text wirkt wie der – wenn auch schon recht fortgeschrittene – Entwurf eines Romanes, wie der Hintergrund für etwas, was interessant sein könnte. Dass es in diesem Buch zudem an Rechtschreibmängeln, unfertig korrigierten Sätzen, absurden Absätzen und dergleichen verlegerisch und satztechnisch inakzeptablen Fehlern nur so wimmelt, komplettiert das Bild von Unfertigkeit.

Wer Action und SF-Ideen mag und über Form- und Erzählfehler hinwegsehen kann, für den ist „Nexen“ brauchbares Ideenfutter – immerhin war „Nexen“ für den diesjährigen Kurt-Laßwitz-Preis nominiert. Wer Vergnügen am Lesen sucht, sollte aber doch zu den Gewinnern des Preises greifen…

Bodo Kroll
Nexen
Faszinierende Idee zur Herkunft der Menschen. Interessanter Plot. Flacher Text.
ISBN:3897742047
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Ein Jahr am Meer

Ein Jahr am Meer

Ein kleines Juwel von einem Buch. Für Frauen. Und für Männer, die mit den Frauen wachsen wollen. Denen es nicht gleichgültig ist, wie es in ihren und anderen Frauen aussieht. Welche Frauen kennen nicht die Selbstzweifel, die wiederkehrenden Verzweiflungsattacken? Den Selbsthass, wenn sie sich im Spiegel sehen? Alle Artikel und Bücher, die uns empfehlen, uns selbst zu lieben, helfen uns nicht. Haben wir sie nicht schon in die Ecke geworfen? Brauchen wir nicht immer wieder Zuspruch, müssen uns Mut machen? Den wenigsten ist es doch gegeben, auszubrechen aus dem Alltag, den Belastungen, den Pflichten. Joan schafft es.Sie zieht ein Jahr allein an die Küste. Teilt manche Tage mit den Seehunden auf einer Insel weit draußen im Meer. Dorthin bringt sie ein Fischer aus der Kleinstadt am Nantucket Sund. Sie, die Journalistin, arbeitet in einem Fischmarkt und nennt dies WASSERTHERAPIE: Das Gurgeln und Plätschern der großen Wasserbassins um sie herum tut ihr einfach gut. Und erlebt einen Hummer, der sich in einer Ecke versteckt und sich dort häutet, unbemerkt und diskret. Er wartet dort ab bis zur Vollendung der Häutung. Eine Metapher für Joan und uns. Wir brauchen öfter das Alleinsein zum Häuten, zum Neuwerden. Sie hat das Privileg, daß die Familie ein kleines Haus an der Küste besitzt. Aber auch für die, die sich nicht in so ein Haus flüchten können, ist dieses Buch voller Impulse und Anregungen. Ohne, daß die Autorin dies gezielt einsetzen will. Wir selber erkennen, wie es sein könnte, auszubrechen aus den Gedankenmustern, die uns immer wieder nach unten ziehen. Denen wir erlauben, uns zu quälen. Wir können uns auch erlauben, einen Tag ganz für uns auszusparen. Und uns treiben lassen. Vielleicht eine persönliche Bilanz ziehen, wenn wir dies wünschen. Und diesen Tag in regelmässigen Abständen wiederholen. Und uns daran erinnern, daß wir eine verlorene Vision wiederbeleben können. Vielleicht haben wir sie mal aus den Augen verloren. Wir tragen sie aber in uns und niemand kann sie uns wegnehmen.
Sollte es sich so anhören: dieses Buch ist kein Lehrbuch!

Joan Anderson
Ein Jahr am Meer
Ein Jahr für immer
ISBN:342324206X
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