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    Philip Roth: Nemesis

    Von Claudine Borries | 10.Februar 2011

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    Schicksal, Fügung oder Gottes Wille?

    Wieder einmal geht es bei Philip Roth in seinem neuen Roman um Glück und Unglück, um Schuld, Sühne, Moral und Verzweiflung.

    Der Autor fabuliert aber nicht wie in seinen zuletzt erschienenen Romanen über das Alter und seine Gebrechen; dieses Mal geht es um eine Polioepidemie im Jahr 1944, von der viele Kinder dahingerafft werden, und die in ihren Auswirkungen tiefe Spuren bei dem Helden der Geschichte hinterlässt.

    Bucky Cantor ist Sportlehrer im jüdischen Viertel von Newark/ New Yersey und einer der wenigen jungen Männer, die nicht im mörderischen Zweiten Weltkrieg kämpfen mussten. Er war nicht diensttauglich und sieht seine Aufgabe in seiner Rolle als Bezugsperson für seine Jungs, die er in der Schule, an Wochenenden und in den Ferien auf dem Sportplatz trainiert. Die Krankheit „Kinderlähmung“ platzt wie eine Bombe in das friedliche Leben der Stadt. Niemand kennt den genauen Verlauf der Krankheit. Es gibt keine Heilungsverfahren, keine Impfung, und in vielen Fällen endet sie mit dem Tod und häufig mit schwerster Behinderung. Wie soll man sich verhalten, wie vorbeugen, um sich zu schützen?

    Heute kann sich kaum jemand mehr vorstellen, wie ernsthaft und bedrohlich diese Krankheit einmal war. Sie verkörperte die Apokalypse des vergangenen Jahrhunderts, bis man zu Beginn der sechziger Jahre einen Schutz gegen sie erfand.

    Bucky Cantor gerät in das Räderwerk der Folgen dieser Krankheit, erkrankt selber und lebt mit dem Gefühl der Verbitterung und der Schuld, seinen Schülern die Krankheit womöglich weitergegeben zu haben, sein restliches Leben lang.

    Der Kontrast zwischen dem jungen, sportlichen, gut erzogenen  und in seine erste Liebe vernarrten Helden und dem, was aus ihm wird, kann nicht gravierender ausfallen.

    Philip Roth behandelt die tiefen moralischen Konflikte, in die sich der Held verstrickt. Subjektive Wahrnehmung von Schuld und Anklage gegen Gott behandeln die eine Seite der Geschichte; Selbstanklage und falsch verstandenes Ehrgefühl zeigen die andere Seite. Nach dreißig Jahren trifft Bucky eher zufällig einen seiner ehemaligen Schüler. Ein langer Dialog mit diesem, der sich als einer der Jungen vom Sportplatz zu erkennen gibt, und den das gleiche Schicksal wie Bucky ereilt hat, zeigt die unterschiedlichen Folgerungen, die jeder aus seinem persönlichen Geschick gezogen hat. Bucky verkörpert den Märtyrer und Selbstankläger; sein ehemaliger Schüler hat sein Schicksal angenommen und ist zufrieden und glücklich geworden. Letzterer spricht vom „Zufall“ und vom „Glück“, die man haben kann. Bucky aber schmäht einen Gott, der eigentlich diesen Zufall und das Glück verkörpert.

    Philip Roth ist der hervorragende Erzähler, den wir aus vielen seiner Werke kennen. Das Thema hat ihn gepackt wie immer. Die Reflexionen des Helden Cantor sind mit der üblichen Tiefenschärfe gezeichnet. Weise, ein wenig sarkastisch und gelegentlich bissig zeichnet Philip Roth den Helden als den Irrgläubigen, der am Leben scheitert,weil er zu verbissen an die eigene Allmacht glaubt.

    Philip Roth ist und bleibt der bemerkenswerte Erzähler, dessen neueste Bücher man immer wieder mit Freude liest.

    Philip Roth
    Nemesis
    224 Seiten, gebunden
    Carl Hanser Verlag, Februar 2011
    ISBN-10: 3446236422
    ISBN-13: 978-3446236424
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    ... 2 Kommentare » | Kategorie Belletristik | Tags , , , | Trackback: URL/trackback

    2 Kommentare to “Philip Roth: Nemesis”

    1. Saskia Martin meint:
      29.Juni 2011 at 10:56

      Ein erschütterndes Buch, das gerade in Zeiten von Ehec und heißen Temperaturen eine unheimliche Vorstellung davon gibt, was Polio und was Schicksal heißt. Leider schreibt Phillip Roth so klar und authentisch, dass ich immer viel zu schnell lese. Also greife ich nach etwa einem Jahr wieder zum selben Buch…und später noch einmal. Die Figuren gehen mir dafür nie mehr aus dem Kopf. Alle Roth-Romane finde ich zeitlos gültig und absolut lesenswert.

    2. Claudine meint:
      29.Juni 2011 at 12:29

      Bin ganz Deiner Meinung,—- und schön hast Du das gesagt!



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