Hunde-Trainingstagebuch

Hunde-Trainingstagebuch

Für jeden, der gezielt mit seinem Hund üben möchte, ist dieses Buch genau das richtige. Durch das notieren der Trainingsabläufe behält der Hundehalter den Überblick über das bisher Erlernte, erreicht leichter Fortschritte und bringt mehr Abwechslung in den Alltag. Wie man dabei vorgehen sollte, wird im Buch genau erklärt. Dazu stehen zwölf Trainingsthemen zur Auswahl, wie beispielsweise Generalisierungstraining, Clickertraining, Kontakte mit Artgenossen oder Sportliches.

Wie genau das Tagebuch geführt werden soll, kann sehr gut den vorgegebenen Mustern entnommen werden. Dem Hundehalter stehen dann eigene, fertig formatierte Vorlagen für die Formulierung der Übung mit Übungsschritten und Seiten zur Dokumentation des Trainingsverlaufes zur Verfügung. Dabei ist der Platz für die eigenen Aufzeichnungen reichlich bemessen. Viele Hinweise und Tricks helfen, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen und Erfolge voranzutreiben. Das Tagebuchführen, auch wenn es einigen Hundehaltern vielleicht übertrieben scheinen mag, ist ein gutes Mittel, auch bei schwierigen Übungen, die nicht so einfach für den Hund sind, Durchhaltevermögen zu zeigen, bis der Erfolg sich Schritt für Schritt einstellt.

Die einzelnen Übungen erleichtern das Leben mit dem Hund, fördern den Gehorsam des Hundes oder machen einfach Spaß. Die Autorin liefert viele Ideen zur Beschäftigung mit dem Tier. Sie zeigt aber auch auf, wie man eine optimale Übungssituation schafft, wie man Kommandos gibt und den Hund richtig lobt oder belohnt. Ihre Texte wirken motivierend und machen Lust, sich intensiver dem Training mit dem Hund zu widmen. Die vielen kleinen Zeichnungen gefallen und lockern die Texte auf. Nicht unerwähnt bleiben soll die gute Handlichkeit des Buches durch die Spiralbindung.

Über die Autorin:
Celina del Amo ist Tierärztin in einer Praxis für Verhaltenstherapie und Gründerin der Hundeschule „Knochenarbeit“. Sie hat bereits mehrere Bücher über Hundeausbildung geschrieben.

Rezension von Heike Rau

Celina del Amo
Hunde-Trainingstagebuch
Mit Zeichnungen von Oliver Eger
126 Seiten, Spiralbindung
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4808-0
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Kalt

Kalt

Der Überfall geschieht als Dylan O’Conner, bepackt mit Papiertüten voll Fastfood, die Tür zum Motelzimmer aufschließen will. Als er aus seiner Ohnmacht erwacht, sitzt er gefesselt in einem Armstuhl. Sein Mund ist mit Klebeband verschlossen. Sein autistischer Bruder Shepherd sitzt am Tisch und legt ein Puzzle in ungeheurer Geschwindigkeit. Er erfasst die Situation scheinbar nicht. Der unbekannte Angreifer zeigt sich schließlich. Er sieht nicht aus wie ein Verbrecher, sondern eher wie ein Landarzt. Er verpasst Dylan eine Injektion. Das, was er spritzt, bezeichnet er als „Zeug“. Und er legt Dylan nahe, bald zu verschwinden. Denn es gibt Leute, die auslöschen wollen, was er geschaffen hat.

Dylan ist nicht das einzige Opfer in dieser Nacht. Vor dem Motel trifft er auf Jillian Jackson, die ebenfalls ohne ihren Willen, mit „Zeug“ gespritzt wurde.
Sie ist auf der Suche nach ihrem Wagen, um ebenfalls zu fliehen. Aber offenbar wurde der gestohlen. Wenig später sieht sie ihr Auto samt Dieb, es scheint der berüchtigte Landarzt zu sein, in die Luft fliegen. Die Typen, die das zu verantworten haben, sehen gefährlich aus. Dylan und Jillian beschließen gemeinsam die Flucht zu ergreifen, obwohl sie von Anfang nicht gleicher Meinung sind und immer wieder aneinandergeraten.

Der Anfang klingt wirklich sehr vielversprechend. Leider wird die ganze Geschichte dann ein wenig zu unrealistisch. Der Autor spielt eine unglaubliche Szenerie durch. Das „Zeug“, das den drei Hauptdarstellern gespritzt wurde, wirkt sinneserweiternd und ermöglicht ihnen, Menschen bisher unmögliche Dinge zu tun. Hier geht es um Nanotechnologie und damit verbundene Experimente. Mehr soll aber nicht verraten werden. Schafft man es, sich auf die überzogene und zeitweise verwirrende Handlung einzulassen, ist das Buch aber voller Spannung, actionreich und hin und wieder sogar witzig. Vom Schreibstil her ist es mit Tempo geschrieben und lässt sich gut lesen. Es gibt viele überraschende, nun ja, für manchen sicher zu überraschende Wendungen. Leider ist dann zum Ende hin wieder vieles offen. Vielleicht ist sogar eine Fortsetzung in Planung.

Über den Autor:
Dean Koontz, geboren 1945 in Pennsylvania, lebt heute mit seiner Frau im kalifornischen Orange County. Seine Romane sind Bestseller und wurden in über 30 Sprachen übersetzt.

Rezension von Heike Rau

Dean Koontz
Kalt
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
512 Seiten, broschiert
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN: 3-453-43104-9
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Jagd auf den Qivittoq

Jagd auf den Qivittoq

Miki fühlt sich nicht wohl bei Onkel Jens in der Stadt. Der gewalttätige Verwandte macht ihm Angst. So beschließt Miki zu fliehen. Bei Nacht bricht er mit dem Hundeschlitten auf. Er will wieder zurück zu seiner Großmutter in die Siedlung. Vielleicht darf er bei ihr leben in dem gemütlichen kleinen Torfhaus.
Niemand folgt Miki und bald fühlt er sich ruhiger. Doch schon bald wird seine Lage gefährlich. Ein Sturm ist herangezogen und Miki muss versuchen sich und die Hunde in Sicherheit zu bringen. Schließlich sucht er hinter einem Eisberg Schutz. Der Sturm hat auch seinen Vorteil. Er hat die Spuren verwischt. Miki reist weiter. Bald muss er feststellen, dass der Sturm die Eiskante aufgebrochen hat. Er muss nun nordwärts fahren, um einen Übergang zu finden. Zu seinem Entsetzen entdeckt er seine eigene Spur wieder und ihm wir klar, dass er auf einer riesigen Eisscholle gefangen ist. Es bleibt ihm nichts, als abzuwarten und dafür zu sorgen, dass er und die Hunde nicht verhungern.

Miki hat den festen Willen zu überleben. Er stellt sich dem harten Überlebenskampf, lebt von dem, was die Natur ihm bietet. Er geht auf Robbenjagd und erinnert sich an die alten Geschichten, die er einst gehört hat. Miki handelt umsichtig und durchdacht und dennoch sieht es nicht selten so aus, als wäre alles verloren. Und erst ganz zum Schluss erfährt der Junge, und mit ihm der Leser, was lange Einsamkeit und Isolation aus einem Menschen machen können. Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben und liest sich gut. Der Autor gewährt interessante Einblicke in das Leben der Inuit, erzählt beispielsweise von ihren Traditionen oder ihren Jagdtechniken. Die Beschreibungen der Natur mit dem langen arktischen Winter und dem kurzen Sommer sind einzigartig. Die abenteuerliche Geschichte endet tragisch. Im Anhang erzählt der Autor, was es auf sich hat, mit der Legende über den Qivittoq, zu dem Miki geworden ist.

Über den Autor:
Finn Pedersen, Jahrgang 1947, lebt mit seiner Familie seit 20 Jahren in Upernavik in Grönland. Er ist Lehrer, beschäftigt sich daneben mit Segeln, Jagen und Hundeschlittenfahren.

Rezension von Heike Rau

Finn Pedersen
Jagd auf den Qivittoq
Aus dem Dänischen von Martin Zähringer
139 Seiten, gebunden
Peter Hammer Verlag, Wuppertal
ISBN: 3-7795-0025-6
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Lonely Rider

Lonely Rider

Als der Schweizer Edi Aschwanden zum 25. Arbeitsjubiläum von seinem Arbeitgeber vier Wochen zusätzlichen Urlaub erhält, ist das für ihn die Gelegenheit sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Er beschließt, für zwei Monate zu Pferd durch den Norden Neuseelands zu reiten. Allein.

Seine Begleiterin wird die Scheckstute Shen. Ein wahrer Glücksfall. Edi und Shen verstehen sich auf Anhieb. Nun steht der Reise, die in Dargaville beginnen soll, nichts mehr im Wege.
Es wird ein abenteuerlicher Wanderritt mit vielen schönen Erlebnissen, die lange im Gedächtnis bleiben werden. Aber Edi Aschwanden muss auch viele gefährliche Situationen meistern. Und der Leser fiebert mit.
Der „Swiss Horseman“ lernt die Gastfreundschaft der Maori kennen. „So viel blindes Vertrauen“, schreibt der Autor, „habe ich auf all meinen Reisen nur in Neuseeland erlebt.“ Immer wieder stößt er auf hilfsbereite Menschen, die ihm Unterkunft für die Nacht geben, ihn zum Essen einladen oder die ihn am für sie alltäglichen Leben teilnehmen lassen. Doch der Autor genießt auch die Einsamkeit, beispielsweise bei langen Ritten am Strand entlang. Seine grandiosen Fotos zeugen von den Naturschauspielen, die er gesehen hat. Auch der Blick des Lesers verweilt hier gern eine Weile und geniest die einmaligen Aussichten und die herrlichen Landschaftsaufnahmen.
Die zwei Monate vergehen viel zu schnell. Hin und wieder hat Edi Aschwanden das Heimweh fast übermannt. Dennoch fällt der Abschied schwer. Hat er doch so viele Freundschaften geschlossen. Und auch von seinem Pferd, das ihm ein treuer Begleiter war, muss er sich trennen.

Nach Edi Aschwandens Heimkehr beschließt seine Frau Katharina, aus dem, was ihr Mann erzählt, ein Buch zu machen. Sehr lesenswert ist es geworden. Gern würde man ihr weitere hundert Seiten folgen, so unterhaltsam, interessant und vor allem sehr persönlich ist der Bericht. Das weckt Reisefieber und Fernweh. Auch von der Aufmachung her, ist das Buch sehr gelungen. Die bestechend schönen Fotos sind teilweise großformatig und gehen viele Male über eine oder sogar zwei Seiten.

Rezension von Heike Rau

Edi und Katharina Aschwanden
Lonely Rider
Abenteuer in Neuseeland
128 Seiten, gebunden, über 100 Farbfotografien
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen
ISBN: 3-7888-0911-6
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Madagascar

Madagascar

Die Besucher kommen gerne in den Central Park Zoo in New York, um die Giraffe Melman, das Nilpferd Gloria und Löwe Alex zu sehen. Die Tiere lassen sich gerne bestaunen. Nur Zebra Marty ist mit dem Zooleben nicht so ganz zufrieden. Immer, wenn die Besucher gegangen sind, bricht für ihn die Langeweile aus. Dabei sehnt sich das Zebra danach, endlich einmal etwas Aufregendes zu erleben.
Plötzlich tauchen vier Pinguine in Martys Gehege auf. Mit Löffeln hatten sie sich einen Tunnel gegraben. Sie sind auf dem Weg in die Antarktis. Da sie im Zebragehege offensichtlich falsch sind, verschwinden sie wieder und graben weiter.
Auch Marty hat nun die Reiselust gepackt und von seinen tierischen Freunden wüscht er sich zum Geburtstag, in der Wildnis leben zu können. Die Tiere stört es jedoch nicht, nichts über das Leben außerhalb des Zoos zu wissen. Sie sind zufrieden mit dem Fressen, den Fans und der guten Versorgung und meinen, dass es ihnen nirgendwo besser als im Zoo gehen könnte.
Da zieht Marty auf eigene Faust los und seine Freunde können nicht anders, sie folgen ihm. So beginnt ein spannendes Abenteuer.

Die Geschichte ist interessant und ereignisreich. Die einzelnen Charaktere, also die Tiere, sind sehr liebevoll ausgearbeitet. Man folgt der Giraffe, dem Nilpferd, dem Löwen, dem Zebra und den Pinguinen gerne auf ihre abenteuerlichen Reise. Die Zeichnungen sind sehr farbenfroh und ausdrucksstark. Es gibt viel zu entdecken. Sehr lustig anzusehen sind die verschiedenen, sehr passenden und herrlich übertriebenen Gesichtsausdrücke der Tiere und ihr Mienenspiel in bestimmten Situationen. Hier ist das Zebra besonders beeindruckend. Interessant ist auch die Giraffe mit ihrem langen Hals, den sie manchmal fürchterlich verbiegen muss, wie in der U-Bahn beispielsweise. Der Spaß kommt also beim Ansehen und Lesen oder Vorlesen des Buches nicht zu kurz. Der Text verschmilzt dabei mit den Bildern, so dass ein gelungener Gesamteindruck entsteht.

Rezension von Heike Rau

Billy Frolick
Madagascar
Aus dem Amerikanischen von Tina Landwehr
Illustrationen: Koelsch Studios
56 Seiten, laminierter Pappband
Egmont vgs verlagsgesellschaft
ISBN: 3-8025-3435-2
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Der Lügner von Umbrien

Der Lügner von Umbrien

1348. Obwohl in Florenz die Beulenpest wütet, zieht Giuseppe Pagamino mit seinem Wäglein in die Stadt, um heimlich zu plündern. Ganz unbeobachtet bleibt er jedoch nicht. In einem der Häuser ist noch jemand am Leben. Ein Junge, genannt Aturo. Dieser schließt sich Giuseppe an, der weiter zur Kathedrale nach Lucca will. Giuseppe erzählt Aturo von seinem geheimen Vorhaben. Denn dort in Lucca soll sich ein Traum erfüllen. Nur eine Zutat fehlt ihm noch zu einem Elixier, das ewiges Leben schenkt: ein Stück von Luzifers Fingernagel. Es geht die Kunde, dass der Bischof von Lucca, der heilige Vater Agostino, in einem Kerker eine Mutter und ihren Sohn gefangen hält. Der Junge stammt nicht von ihrem Ehemann, er ist vielmehr Luzifers Sohn, heißt es.

Giuseppe offenbart sich dem Henker del Sarto. Ein schwerer Fehler, denn noch ehe Giuseppe sich versieht, sitzt er ebenfalls im Kerker. Nach vier Tagen wird der Junge geholt und Giuseppe ist fortan allein. Später bei einem Verhör bereut er sein gotteslästerliches Verhalten. Doch wieder findet er nicht die rechten Worte, tappt in die Falle und beweist, dass er ein Ketzer ist. Auf Gnade braucht er nicht mehr zu hoffen. Und doch ist ihm das Schicksal gewogen. Giuseppe wird auf unerklärliche Weise zur Flucht verholfen. Als er später erfährt, dass der Sohn Satans möglicherweise doch noch lebt, erwacht sein Eifer wieder, das Lebenselixier doch noch herstellen zu können. Aber del Sarto ist ihm dicht auf den Fersen. Ein Entkommen scheint auf Dauer unmöglich.

Die spannende Geschichte wird vor allem von der Hauptfigur Giuseppe Pagamino getragen, einem gierigen Leichenfledderer, der so unglaublich geistreich lügt und hochtrabende Geschichten über seine Herkunft erfindet. Ständig bedauert er sich, zerfließt fast vor Selbstmitleid, simuliert Erschöpfungszustände und Wehwehchen der Bequemlichkeit zuliebe. Er lügt und nörgelt sich durchs Leben, biegt die Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit zurecht und folgt seiner eigenen Logik. Immer wieder gerät er in Rage, redet sich um Kopf und Kragen. Giuseppe steht, im wahrsten Sinne des Wortes, stets mit einem Bein im Grab. Die Dialoge sind einzigartig und einfach köstlich, egal ob mit dem von ihm unterschätzen Aturo oder seiner streitbaren inneren Stimme. Damit ist die Geschichte höchst unterhaltsam und sehr abwechslungsreich. Der Autor versteht es, den Leser mit seiner Fantasie immer wieder zu verblüffen. Auch am Ende. Denn erst hier erfährt der Leser, was tatsächlich aus Giuseppes Traum vom Lebenselixier geworden ist. Unbedingt Lesen!

Über den Autor:
Bjarne Reuter wurde 1950 in Dänemark geboren. Er ist bekannt geworden durch seine Kinderbücher und psychologischen Spannungsromane. Dabei erhielt der Autor so gut wie alle dänischen Literaturpreise und außerdem zahlreiche internationale Auszeichnungen. Viele seiner Bücher wurden zudem verfilmt.

Rezension von Heike Rau

Bjarne Reuter
Der Lügner von Umbrien
Aus dem Dänischen von Knut Krüger
507 Seiten, gebunden
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN: 3-453-01206-2
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Frau Machova wartet auf den Postmann

Frau Machova wartet auf den Postmann

Frau Machova ist so allein. Sehnsüchtig wartet sie auf den Postmann. Doch während Herr Krokodil und Herr Elefant einen Brief bekommen haben und der kleine Iltis sogar ein großes Paket, geht sie leer aus. Der Postmann geht vorbei. Wie immer. Herr Sittich und die alte Gazelle bekommen auch nie Post, aber sie sind zu zweit und können sich die Langeweile gegenseitig vertreiben. Frau Machova dagegen wird immer traurigen. Kaum wagt sie sich noch unter Leute.
Doch eines Tages klingelt es. Frau Machova kann es nicht fassen. Der Postmann bringt einen Brief. Es sind sehr liebevolle Zeilen, doch der Absender fehlt. Frau Machova möchte so gern wissen, wer den Brief geschrieben hat. Sie begleitet den Postmann auf seiner Tour und fragt jeden nach dem Brief. Doch keiner weiß etwas. Und doch ist der Schreiber des Briefes ganz in ihrer Nähe.

Es ist eine Geschichte über das Alleinsein und die damit verbundene Sehnsucht nach Gesellschaft. Dabei hilft der Postmann Frau Machova aus ihrer Einsamkeit, nimmt sie mit auf seine Tour und Frau Machova lernt wieder, Kontakte zu knüpfen. Da stört es wenig, dass ihr auch mal einer die Nase vor der Tür zuknallt oder keine Zeit hat. So ist das im Leben. Dafür trinkt sie mit Frau Krokodil Mandelmilch und hört Geschichten. Mit dem Elefanten geht sie sogar ins Schwimmbad. Und der Postmann kommt mit. Die kleine gefühlvolle Geschichte tröstet und macht Mut. Sie ist zum Vorlesen und Selberlesen geeignet, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, die einsam sind.
Ganz einzigartig sind die Bilder. Die Illustratorin hat auf hellem Holz gezeichnet und eine auffallend großzügige Farbauswahl getroffen. Besonders interessant sind die verschiedenen Muster, die sie in ihre außergewöhnlichen Motive eingearbeitet hat.

Über die Autorin:
Harriet Grunewald, geboren 1969 in Berlin, wuchs in Büsum an der Nordsee auf. Studiert hat sie Lehramt und Kulturwissenschaften. Außerdem lebte sie zwei Jahre in Barcelona. Ihre Ideen für Kinder entwickelte sie als Lehrerin, als Werbetexterin und al Mitbegründerin der Agentur „Die Kernbotschafter“. Zusammen mit ihrer Partnerin gewann sie 2003 den Ideenwettbewerb der Sparda-Bank-Hamburg. Die Autorin hat schon mehrere Kinderbücher veröffentlicht. Sie lebt mit ihrem Mann in Hamburg.

Über die Illustratorin:
Selda Marlin Soganci, geboren 1973 in Hof an der Saale, studierte Grafik-Design vor allem in Münster und schloss als Diplom-Designerin ab. Seit 1994 lebt sie in Münster und arbeitet dort beispielsweise für ein Kindertheater und illustriert Bücher.

Rezension von Heike Rau

Harriet Grunewald (Text)/ Selda Marlin Soganci (Illustrationen)
Frau Machova wartet auf den Postmann
34 Seiten, gebunden
Peter Hammer Verlag, Wuppertal
ISBN: 3-7795-0024-8
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Abnehmender Mond

Abnehmender Mond

Cleveland um 1930. Als der Vater während der Weltwirtschaftskrise bei „Fred´s Radio & Repair“ seinen Job verliert muss die sechsköpfige Familie notgedrungen aufs Land ziehen und fortan in einem Zelt leben. Die drohende Erblindung der Mutter, nur durch eine Operation aufzuhalten, schreitet voran. Das es so Ernst ist, weiß nur Lethea, die Freundin der Mutter. Sie informiert schließlich die Familie und bietet ihre Hilfe an. Doch den Notgroschen hat der Vater heimlich in ein Geschäft investiert, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Die Mutter erblindet schließlich. Und dann stirbt auch noch Tochter Margie.

Das Buch ist in vier große Kapitel unterteilt. Zunächst erzählt Stephen aus der Zeit, als die Familie im Zelt leben musste. Danach folgt ein Zeitsprung und Katharine Lennox erzählt aus ihrer Sicht die Geschichte weiter. Sie, die Pianistin, verliebt sich in Stephen. Doch die Liebe verliert an Reiz und Katharine wendet sich Stephens Bruder Philipp zu. Aber der flüchtet vor den großen Gefühlen. Nicht planlos, sondern durchdacht. Als Soldat zieht er in den Zweiten Weltkrieg. Vergessen können beide Brüder Katherine nie.
Im dritten Kapitel erzählt James, der Sohn von Philipp. Er beginnt 1968. Von seinem Vater hält er nicht viel, versucht aber zu verstehen, warum er so geworden ist, warum er trinkt und sich von seiner Familie abgrenzt.
Abschließend erzählt noch einmal Stephen. Fünf Jahrzehnte sind vergangen, seit die Geschichte begann…

Der Autor erzählt diese tragische Familiengeschichte aus verschiedenen Perspektiven, so dass der Leser umfassenden Einblick erhält. Kein Schicksalsschlag, kein Familiengeheimnis, keine Streitigkeiten bleiben verborgen. Das ist vom Inhalt her nicht einfach zu lesen. Vom Schreibstil her dagegen schon. Joseph Coulson schreibt mit einer Intensität, der man sich nicht zu entziehen vermag und spart dabei nicht mit scharf gezeichneten Details. Die Geschichte nimmt gefangen und holt längst vergessene eigene Erinnerungen ans Tageslicht zurück. „Abnehmender Mond“ ist ein beeindruckendes Werk, dass sicher nicht so schnell in Vergessenheit gerät.

Über den Autor:
Joseph Coulson, geboren 1957 in Detroit, hat bisher Gedichtbände und Theaterstücke veröffentlicht. Mit seiner Arbeit über amerikanische Literatur promovierte er an der Universität des Staates New York in Buffalo. „Abnehmender Mond“ ist sein erster Roman. Joseph Coulson lebt in der Nähe von San Francisco.

Rezension von Heike Rau

Joseph Coulson
Abnehmender Mond
Aus dem Englischen von Ingo Herzke
416 Seiten, gebunden
C.H.Beck, München
ISBN: 3-406-52977-1
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Edward

Edward

Als Edward es geschafft hatte, das Feuer vom Berg zu holen, stieg der Lebensstandard der kleinen steinzeitlichen Sippe ins Unvorstellbare. So konnte zum Beispiel das leidige Wohnungsproblem gelöst werden. Mit Feuer ließen sich die Bären nicht zweimal bitten, ihre Höhle zu räumen. Endlich ein festes Dach über dem Kopf! Endlich warm und trocken schlafen, ohne Angst vor wilden Tieren. Und auch die Ernährung wurde umgestellt. Was war es doch für ein Luxus für die Familie, um das Feuer herumzusitzen und gegrillte Elefantensteaks und Spießbraten genießen zu können. Nur Onkel Wanja hatte wieder was zu meckern. Er befürchtete Karies. Doch Edward ließ sich von diesem Gerede nicht aus der Fassung bringen. Für ihn war die Beherrschung des Feuers nur der Anfang einer ganz neuen Zeit.

Der Autor erzählt vom Leben unserer Vorfahren auf eine sehr witzige und unterhaltsame Art. Dabei unterscheiden sich seine Steinzeitmenschen gar nicht so sehr von den Menschen heute. Es sind ähnliche Probleme, die sie versuchen zu meistern, nur eben auf einer anderen Stufe der Evolutionsleiter. Die Verhaltensmuster sind dabei vergleichbar. Edward ist clever, sehr fortschrittlich denkend und erfinderisch. Er treibt mit seinen Ideen die Entwicklung voran und lässt sich von Rückschlägen überhaupt nicht aus dem Konzept bringen. Dabei sind besonders die Dialoge und die Gedankengänge Edwards sehr vielsagend. Der Autor hat Edward zudem mit vielen Begriffen aus unserem modernen Wortschatz versorgt, und das so passend, dass man sich beim Lesen nicht wundert, sondern einfach nur amüsiert in sich hineinlacht.

Über den Autor:
Roy Lewis, geboren 1913 in Birmingham, studierte in Oxford und besuchte danach die London School of Economics und arbeitete als Anthropologe und Journalist. Er war mehr als zwanzig Jahre als Auslandskorrespondent für die Zeitungen „The Economist“ und The Times“ tätig, beispielsweise in Afrika. Später lebte er in London und besaß einen kleinen Lyrik-Verlag. Roy Lewis starb im Jahr 1996.

Rezension von Heike Rau

Roy Lewis
Edward
Roman aus dem Pleistozän
190 Seiten, broschiert
Unionsverlag, Zürich
ISBN: 3-293-20352-6
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Klondike

Klondike

1897 – Die Nachricht von den sagenhaften Goldfunden am Klondike ist in aller Munde. Oben im Rettungsboot der „Delta Queen“ verstecken sich die blinden Passagiere Lou und ihr Sohn Zack. Auch sie hat der Goldrausch gepackt. Doch als die Mutter ihrem Sohn zum vierzehnten Geburtstag Kuchen stehlen will, wird sie geschnappt. Sie ist natürlich nicht in der Lage, Kapitän Poole ihre Fahrkarte vorzuweisen. Mr. Plow schlagt vor, Lou die vierhundert Meter bis an Land schwimmen zu lassen. Doch der Gang übers Fallreep bleibt ihr dank der Hilfe eines Passagiers namens Benjamin Redd erspart. Dieser opfert ein Whiskeyfass. Dafür bekommt er ein Ruderboot, nicht größer als eine Badewanne. Ausrüstung und Gepäck werden umgeladen. Dann geht es an Land, einem verlassenen Strand an der Küste Alaskas.

Bis Dawson City sind es noch rund 700 Meilen. Lou, Ben und Zack sitzen ganz schon in der Klemme. Der ganze Reisproviant besteht aus, als Lebensmittel getarnten, Whiskeyfässern, mit denen Ben in Dawson City in eine Partnerschaft mit Dan McGrew treten wollte. Dennoch schaffen es die drei sich bis nach Skagway durchzuschlagen. Hier treffen sie Mr. Plow wieder, der allerdings wegen seiner Geschäfte erschossen wird. Ben ist in die Schießerei verwickelt. Überstürzt müssen Lou, Zack und Ben weitereisen. Nun ist ihnen wahrscheinlich auch noch Soapy Smith, dem Mr. Plow Geld schuldete, auf den Fersen. Doch Mr. Plows Ausrüstung kommt den drei zukünftigen Goldsuchern sehr gelegen.

Der Roman beginnt mit der „Ballade von Lou und Dangerous Dan McGrew“ von Robert Service. Das ist eine gelungene Einstimmung in die folgende Geschichte, die sehr kurzweilig und spannend im Rückblick aus der Sicht des mittlerweile hundertvierzehnjährigen Zack erzählt wird, der damals gerade vierzehn Jahre alt war. Von Anfang bis Ende ist es ein harter Überlebenskampf, der, sehr zum Erstaunen des Lesers, auch mit der Zahl der noch vorhandenen Whiskeyfässer steht und fällt.
Der Autor beschreibt mit viel Ironie und auch schon mal mit als Weisheit getarnten Kaltschnäuzigkeit, die prekäre Lage von Lou, Zack und Ben, die hier stellvertretend für die vielen vom Goldfieber erfassten Menschen stehen, die alles aufgaben und auf Reichtum hofften. Von den Verlierern und den Gewinnern. So kommt in diesem Buch eine ganz besondere Stimmung zum Tragen.

Über den Autor:
Robert Kroetsch, geboren 1927 in Alberta, gehört zu den angesehensten Schriftstellern der kanadischen Gegenwartsliteratur. Er hat Gedichte, Erzählungen, mehrere Romane und zahlreiche wissenschaftliche und essayistische Schriften veröffentlicht. Für „The Studhorse Man“ erhielt er den Governor General’s Award. Zum Officer of the Order of Canada wurde er im Jahre 2004 ernannt. Der Autor lebt in Winnipeg.

Rezension von Heike Rau

Robert Kroetsch
Klondike
Die Ballade von Lou und Dangerous Dan McGrew
Aus dem Englischen von Martina Tichy
384 Seiten, gebunden, mit Karten
Unionsverlag, Zürich
ISBN: 3-293-20317-5
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