Unter der Geisterbahn

Unter der Geisterbahn

Es ist Halloween. Die Lehrerin Frau Anders ist mit ihrer Klasse in den Fantasiapark gefahren. Lorenzo ist die ganze Sache nicht geheuer, obwohl er sich als Skelett verkleidet, schon einigermaßen wohl fühlt. Doch beim Gedanken an die bevorstehende Geisterbahnfahrt wird ihm doch mulmig. Ausgerechnet mit Dina Großmaul, die heute als Blutige Gräfin verkleidet ist, soll er fahren und dann auch noch in Wagen Nummer 13.
Zunächst glauben Dina und Lorenzo an einen coolen Trick, als sie den Putzteufel mit Eimer und Schwamm sehen, der den Schwarzmagier einfach wegputzt. Doch als der Putzteufel einen Teil vom Wagen verschwinden lässt und dann die Kinder direkt angreift, wird es brenzlig. Zum Glück ist Antonella zur Stelle. Das Geistermädchen schafft es, die beiden zu retten. Doch der Notausgang führt nicht hinaus, sondern in das Land unter der Geisterbahn, genannt Gravalon.

Dina und Lorenzo lernen die Familie des Feuergeistermädchens Antonella Fosfera von Rodenburg kennen und Antonellas Mutter Momsy Aqua, einen Wassergeist und ihren Vater, Pavarotti genannt, ein Verschwindegeist. Zur Familie gehört auch Baby Achmed, ein Flaschengeist und Höllenhund Fips. Nicht unerwähnt bleiben sollte das Ohr, welches zu Antonellas Großvater gehört, einem Klopfgeist. Der Rest von ihm lebt im Keller. Dann sind da noch ihr Freund Vampir Lord Rasputin von Radovicchio und sein Vater Lord Corvin von Radovicchio.

Gravalon ist in ernsten Schwierigkeiten. Orkula hatte einst eine Armee von Putzteufeln erschaffen und gegen ihre Schwester Erdmute ausgesandt. Sie sollten ihr Schloss wegputzen. Dann war Orkula erkrankt. Nun schafft sie es nicht mehr, die Putzteufel wieder wegzuhexen. Die Hexe, die unter einem unglaublichen Schluckauf leidet, muss unbedingt geheilt werden. Doch wie? Dina hat eine Idee. Sie meint, man müsste Orkula nur tüchtig erschrecken. Und da die Hexe nichts mehr fürchtet als Menschenmädchen, werden Dina und Lorenzo ausgeschickt, die Hexe zu finden und mit einem ordentlichen Schreck zu heilen. Auf dieser abenteuerlichen Reise werden sie begleitet von Antonella, Rasputin, Baby Achmed, Dschinn Finn und Dinas lebendig gehexter Stofffledermaus Fledi.

Die Geschichte ist sehr originell und wahnsinnig komisch. Die Autorin zieht alle Register und übertreibt dabei leider ein bisschen. Zu viele seltsame Horrorgestalten betreten die Bühne. Als ein siebenköpfiger Drache, Rumpelstilzchen oder der Froschkönig auftreten, wundert man sich schon nicht mehr. Auch die Reise durch die Gelächterschlucht, Feuerland, den Wald der tausend Augen, Skelettland und das Flori-Colori-Gebiet wirkt etwas in die Länge gezogen. Dabei läuft die Uhr. Die Putzteufel sind eifrig am wegputzen. Trotzdem, das Buch ist spannend, ein bisschen gruselig und manchmal auch bauchkribbelnd ekelhaft, wie beim ohrenschmalzbesetzten Ohrrakel oder bei den massenweise grellgrünen Schleim niesenden Riesen beispielsweise. Ein Wechselbad für die Gefühle. Lustig ist dieser dicke Dschinn Finn mit seinem Sprachfehler. Es macht Spaß zu raten, was er denn nun eigentlich sagen will.
„Unter der Geisterbahn“ ist ein Buch für alle, die verrückte Fantasy mit schrägen Charakteren mögen und davon nicht genug kriegen können.

Über die Autorin:
Isabel Abedi, Jahrgang 1967, hat 13 Jahre als Webetexterin gearbeitet. Inzwischen hat sie mehrere Kinderbücher veröffentlicht, von denen einige ausgezeichnet und in andere Sprachen übersetzt wurden. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Hamburg.

Rezension von Heike Rau

Isabel Abedi
Unter der Geisterbahn
352 Seiten, gebunden
ab 10 Jahre
Loewe Verlag, Bindlach
ISBN: 3-7855-5344-7
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Karl Ploberger: Willkommen in meinem Garten

Karl Ploberger: Willkommen in meinem Garten

Mit diesem Buch lädt Karl Ploberger, Österreichs Biogärtner Nr. 1, in seinen Garten ein. Dieser Garten ist seine Leidenschaft geworden. Wann immer es ihm möglich ist, arbeitet er dort oder genießt seine kleine Oase mit der Familie.

Der Autor erzählt, wie alles begann, wie seine Liebe zum Garten sich entwickelte, welche Menschen ihn auf den Weg gebracht haben und wie es beruflich vorwärts ging. Zwei weitere Leidenschaften sind das Fotografieren und der Journalismus. Bald verbinden sich Beruf und Hobby. Und auch der Traum vom Haus mit einem großen Grundstück wird wahr. 2.500 Quadratmeter! Als der Keller für das Wohnhaus ausgehoben wird, wird auch gleich der Teich ausgebaggert. Doch ehe alles so ist, wie der Autor es sich vorstellt, gehen Jahre ins Land und immer noch wird weitergewerkelt.

Im Garten ist nun nicht nur ein Teich mit einem kleinen Bauchlauf. Angelegt werden auch ein kleines Moor, Staudenbeete, Gewächshaus, Kompost-Platz, Blumenwiese, Obstgarten, Ruinengarten, Gemüsebeete, Gartenhaus, Naschgarten, Trockenmauer für Nützlinge, Insektenhotel und vieles mehr. Es entstehen Gartenwege und lauschige Plätze mit Gartenbank. Nach und nach gehen die Wünsche in Erfüllung und Leben kommt in den Garten.

Karl Ploberger erzählt mit viel Humor vom Werden seines Gartens. Immer wieder streut er Geschichten und Anekdoten ein. Er gibt sein Wissen weiter, spart nicht mit nützlichen Ratschlägen und gibt dem Leser die Möglichkeit, aus seinen Fehlern zu lernen und von seinen gemachten Erfahrungen zu profitieren. Zahlreiche Zeichnungen verdeutlichen, wie er geplant hat und vorgegangen ist.
Der Autor schreibt in einem leicht verständlichen und sehr angenehmem Stil. Dabei spricht er den Leser direkt an. Seine Lust am Gärtnern wirkt ansteckend. So manche Idee lässt sich sicher auch im eigenen Garten verwirklichen. Und auch die Fotos zu betrachten, macht viel Freude.

Fazit:
„Willkommen in meinem Garten“ ist unterhaltsames Lesebuch, informatives Sachbuch und sehenswerte Fotosammlung in einem.

Über den Autor:
Karl Ploberger, Österreichs Biogärtner Nr. 1, ist bekannt aus Funk und Fernsehen. Er organisiert Gartenreisen nach England und ist renommierter Autor mehrerer Ulmer-Bücher.

Rezension von Heike Rau

Karl Ploberger
Willkommen in meinem Garten
Erfahrungen eines intelligenten faulen Gärtners
Mit Bildern von Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth
168 Seiten, gebunden, 150 Farbfotos, 40 Zeichnungen
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4789-0
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Der geniale Mister Fletcher

Der geniale Mister Fletcher

Seine Kopfschmerzen werden im zum Verhängnis. Nach einem neuerlichen Migräne-Anfall wird Mister Fletcher mit einer Überdosis Schmerzmittel ins Krankenhaus eingeliefert. Doch auch Drogen finden die Ärzte im Magen des Patienten. Nun muss ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden. Für Mister Flechter geht es dabei nicht um die Wahrheit. Es geht ihm nur darum, der Aufnahme in einer psychiatrischen Klinik zu entgehen. So tritt er dem Gutachter mit einer komplett erfundenen Lebensgeschichte gegenüber und nutzt dabei seine bisherigen Erfahrungen mit Psychiatern aus.

Parallel dazu erfährt der Leser die wahre Geschichte des genialen Mister Flechter, der schon als Schüler Unterschriften unter Schulverweisen fälscht und Entschuldigungsbriefe in der Schrift seiner Mutter verfasst. Auch gefälschte Führerscheine sind kein Problem, ebenso wie Unterschriften unter Arbeitserlaubnisse oder um Überstunden erweiterte Zeitarbeitskarten. Hausaufgaben in der Handschrift des entsprechenden Schülers sind ebenfalls keine Hürde. Aber nicht nur damit verdient er sich Geld, er verkauft auch geklaute Dinge weiter. Er beherrscht Münzen- und Kartentricks, lernt so mit geschickter Ablenkung seinen sechsten Finger an der rechten Hand zu verbergen. Dabei reizt es ihn, Perfektion zu erreichen. Immer wieder legt er sich beispielsweise nach Krankenhausaufenthalten einen neuen Namen und eine neue Identität mit allem was dazugehört zu, um seine Drogensucht zu verstecken.

Doch diesmal ist es nicht so einfach dem Gutachter, der ihm ebenbürtig ist, zu täuschen. Fletcher fällt es zunehmend schwerer, dem Arzt weiszumachen, dass er nicht Selbstmord gefährdet und auch nicht drogenabhängig ist. Denn Fletcher steckt in einem Zwiespalt und es geht nicht mehr nur um sein Leben, sondern auch um das seiner Freundin. So holt er aus, zu einem wirklich überraschenden Schachzug. Und dabei hilft ihm ausnahmsweise eine Zeitlang die Wahrheit.

Der geniale Mister Fletcher ist eine interessante und beeindruckende Persönlichkeit. Er ist ein Mann, der vor sich selbst und seiner Sucht flieht und das mit großem Einfallsreichtum. Seine außergewöhnliche Lebensgeschichte wird mit viel Tempo erzählt und sie liest sich gut. Es ist sehr spannend, zu verfolgen, wie Mister Fletcher sich immer wieder eine neue Identität zulegt und die alte spurlos verschwinden lässt, auch wenn man hin und wieder am Zweifeln ist, ob es wirklich so einfach ist unter- und als andere Person wieder aufzutauchen. Doch Fletcher ist hoch begabt und er verfügt über ein ausgezeichnetes Gedächtnis, das außergewöhnlich ist. Dabei treibt ihn seine Drogensucht an, lässt ihm auch kaum eine Wahl.
Der Autor hält die Spannung bis zum Schluss, setzt hier sogar noch mal zur Überraschung eins drauf und macht klar, dass man Fletcher in seiner Genialität sogar noch unterschätzt hat. Unbedingt lesen!

Über den Autor:
Craig Clevenger, geboren in Dallas, Texas, wuchs im südlichen Kalifornien auf. Er studierte Englisch, reiste ausgiebig und arbeitete in der High-Tech-Branche. Der Autor lebt heute in Santa Barbara, Kalifornien und arbeitet an seinem zweiten Roman.

Rezension von Heike Rau

Craig Clevenger
Der geniale Mister Fletcher
Aus dem Amerikanischen von Susanne Mecklenburg
315 Seiten, gebunden
Aufbau Verlag, Berlin
ISBN: 3-351-03034-7
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SF Personality 13: Edmond Hamilton. Weltenzerstörer und Autor von Captain Future

SF Personality 13: Edmond Hamilton. Weltenzerstörer und Autor von Captain Future

SF Personality 13:
Edmond Hamilton. Weltenzerstörer und Autor von Captain Future

150 Seiten • Paperback
Erschienen im Mai 2003
Euro 9,90
ISBN 3-926126-25-6
http://www.epilog.de/shayol/SFP/SFP013.htm

Hardy Kettlitz ist Chefredakteur des SF-Magazins ALIEN CONTACT und gilt als einer der besten Kenner der Science Fiction und Phantastik im deutschsprachigen Raum. Unter anderem für die Reihe SF Personality wurde er 2002 mit dem renommierten Kurd Laßwitz Preis ausgezeichnet.

Aus dem Inhalt:
Alle wichtigen Werke Hamiltons im Überblick
60 Seiten über Captain Future, einschließlich eines Werkstattberichtes von Edmond Hamilton
Deutsche Erstveröffentlichung der ursprünglichen, vom Verlag gestrichenen Anfangskapitel der Serie Captain Future
Deutsche Erstveröffentlichung eines der letzten Interviews mit Edmond Hamilton
Umfassende Bibliographie der deutschsprachigen Ausgaben in Heft- und Buchform

In der Reihe SF Personality erscheinen verschiedene bekannte und auch weniger bekannte Autoren der SF Literatur. Einige Beispiele: Jack Vance, A.E:van Vogt, Michael Moorcock aber auch John T. Sladek. Die vergriffen Anfangsausgaben erscheinen als Sammelband neu, so ist ein Band mit Murray Leinster, C.L. Moore & Henry Kuttner, H. Beam Piper, Leigh Brackett und Gustav Meyrink erschienen.

Aber widmen wir uns dem vorhanden Band und der Person Edmond Hamilton. Dieser ist vor allem bekannt als Autor der Serie Captain Future, wobei die ersten deutschen Bände noch unter dem Namen Captain Zukunft firmierten, ein Umstand, den man wohl heute nicht mehr antreffen würde.
Der Band beginnt mit dem Lebenslauf des Autoren und bespricht danach die einzelnen Jahrzehnte des Schaffens, wobei auf einzelne Geschichten und Romane im Einzelnen eingegangen wird, ebenso werden Geschichten erwähnt und ihr Zusammenhang im Werk Hamiltons, die nicht auf Deutsch erschienen sind.
Dann werden die zwei Serien Hamiltons genauer betrachtet. Einmal die Serie um John Gordon, die inhaltlich Star Wars als Vorlage gedient haben dürfte. Ausführlicher behandelt wird „Captain Future“ die wohl berühmteste Kreation des Autors.
Abgerundet wird der Band mit einem längeren Interview von 1975 (Anmerkung des Verfassers: der Autor starb 1977), das in Zusammenhang mit dem Lebenslauf und den Rezensionen ein recht umfassendes Bild des Autoren und Menschen Edmond Hamilton abgibt. Abschließend ist die vollständige Bibliographie aufgelistet, deren Unübersichtlichkeit der einzige große Kritikpunkt ist. Eine übersichtliche Liste fehlt und hätte – wenn auch redundant – mehr Sinn gemacht als die detailgerechte Aufdröselung, die zwar korrekt sein mag, aber eher verwirrt als hilfreich zu sein. Mein Verbesserungsvorschlag wäre eine zusätzliche nackte Liste mit Verlag, Reihe Titel und Erscheinungsjahr.
Der Band ist mit zahlreichen Abbildungen geschmückt, da kommen nostalgische Gefühle auf, wenn der Verfasser dieser Zeilen auch zu dieser Zeit noch nicht gelebt hat. Titelbilder von Terra Astra, Utopia Großband, aber auch Weird Tales oder Astounding, etc.

Fazit: Ein gelungener Band der Lust auf mehr macht.
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Drachenmeer

Drachenmeer

Für Jack, einen angelsächsischen Bauernjungen, ist es eine ganz besondere Ehre beim Barden des Dorfes in die Lehre zu gehen. Jack lernt, Nebel heraufziehen oder Äpfel von einem Baum herabfallen zu lassen und andere faszinierende kleine Dinge. Doch dann fühlt der alte Barde Unheil nahen. Etwas tut sich jenseits des Wassers. Es werden Schiffe gebaut und Schwerter geschmiedet. Auch Jack macht sich nun Sorgen und der Barde erzählt ihm von dem Land jenseits des Wassers. Er erzählt von den Nordmännern, angeführt von König Ivar dem Knochenlosen, der jedoch nichts im Vergleich zu seiner Frau, Königin Frith, ist. Der Barde behält recht. Die Nordmänner landen eines Tages mit ihrem Drachenboot an. Mit Hilfe von Magie versuchen der Barde und sein Lehrling das Dorf zu schützen. Das raubt ihnen so sehr die Kräfte, dass sie nicht merken, wie der Nachtmahr kommt. Sie kommen davon, doch der Nachtmahr hat dem alten Barden den Verstand geraubt. Von nun an muss Jack das Dorf allein beschützen. Doch zusammen mit seiner kleinen Schwester wird er von den Berserkern auf ihr Schiff verschleppt. Sie sind nun Hörige auf dem Schiff des Kapitäns Olaf Einbraue und der wagemutigen und wilden Schildmaid Thorgil. Damit beginnt eine abenteuerliche Fahrt in das Land der Nordmänner und weiter in eine Welt mit Trollen und Drachen, die selbst die Nordmänner fürchten, bis hin zum Mimirs Zauberbrunnen, immer mit dem Ziel der beiden Geschwister, ihre Freiheit wiederzuerlangen.

Es ist eine ganz besondere Welt, welche die Autorin für dieses Buch geschaffen hat. Nordische Sagen, Mythisches und sehr viel Fantasie kommen hier zum Tragen. Die Geschichte lässt sich sehr gut lesen. Sie hat Tempo, manchmal fast schon zu viel. An besonders interessanten Stellen, würde man gerne länger verweilen. Dennoch schafft es die Autorin, den Leser zu fesseln. Man taucht tief ein in dieses sagenhafte Abenteuer und wird von den Geschehnissen gefangen gehalten und immer wieder von zauberhaften Vorkommnissen überrascht. Es ist kaum möglich, das Buch mal wegzulegen. Auch an feinem Humor fehlt es der Geschichte nicht. Besonders der alte Barde ist für manche Überraschung gut. Bewundernswert ist Jack. Er versucht sich auch unter widrigen Umständen durchzusetzen und lässt seine kleine Schwester nicht im Stich. Man fiebert mit ihm mit und hofft, dass er den gestellten Aufgaben auch gewachsen ist. Schließlich ist er kein voll ausgebildeter Barde, sondern nur Lehrling. So lassen seine bescheidenen magisch Fähigkeiten oft noch zu wünschen übrig. Doch Jack weiß sich fast immer zu helfen, er ist schlau und gewitzt. Ihn auf seiner abenteuerlichen Reise zu begleiten, macht viel Spaß. Unbedingt Lesen!

Über die Autorin:
Nancy Farmer, geboren 1941 in Arizona, verbrachte ihre Kindheit im Hotel ihrer Eltern an der mexikanischen Grenze. Zu schreiben begann sie erst spät. Sie lebte und arbeitete zunächst in Indien, Zimbabwe und Mosambik, war in der Friedensbewegung engagiert, hatte eine Anstellung als Chemielehrerin und als technische Assistentin. Sie beschloss zu schreiben, als ihr Sohn Daniel geboren wurde. Viele ihrer Texte und Bücher wurden mit Preisen ausgezeichnet. „Das Skorpionhaus“ wurde 2002 mit dem „National Book Award“ und 2004 mit dem „Buxtehuder Bullen“ ausgezeichnet.

Rezension von Heike Rau

Nancy Farmer
Drachenmeer
Aus dem Amerikanischen von Simone Wiemken
480 Seiten, gebunden
ab 12 Jahren
Loewe Verlag, Bindlach
ISBN: 3-7855-5355-2
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Der Jadepalast

Der Jadepalast

Im Jahre 1919 kauft ein Mädchenhändler die beiden Waisen Ma Li und ihre behinderte Schwester Lingling von ihren Pflegeeltern. Bao Tung hofft, dass ihm die Mädchen viel Geld einbringen werden. Ma Li und Lingling werden mit anderen Kindern, eingesperrt in kleine Käfige, mit dem Zug nach Shanghai gebracht. Zusammen mit einem weiteren Mädchen, Zhang Yue, werden sie Madam Lin, der Königin des Nachtlebens von Shanghai, und ihrem Mann, dem Gangsterboss Huang Li, übergeben. Ma Li und Zhang Yue bekommen schöne Kleider, während Lingling, die so klein wie ein Zwerg geblieben ist, in ein Affenkostüm gesteckt wird. Madam Lin schließt Ma Li und Lingling in ihr Herz und nimmt die Kinder in ihr Haus auf, während Zhang Yue einer Zukunft als Blumenmädchen entgegen geht. Doch Ma Li und Zhang Yue begegnen sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder. Beide träumen vom Jadepalast, der in einer Geschichte vorkommt, die Ma Li’s Mutter einst, als sie noch lebte, erzählte, und die Ma Li auf der Reise nach Shanghai auch an Zhang Yue weiter gab.

„Der Jadepalast“ ist ein beeindruckendes Buch. Von der ersten Seite an nimmt es den Leser mit einer unglaublich vielschichtigen Geschichte gefangen, die sehr raffiniert aufgebaut ist. Mit Staunen verfolgt man, wie Dinge, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, sich schicksalhaft aneinanderfügen. Nichts ist zufällig, alle was geschieht hat einen Sinn, ist vorbestimmt. Ma Li und Zhang Yue folgen ganz unterschiedlichen Wegen und treffen doch immer wieder zusammen. Beide sind ehrgeizig, beide wollen den Traum vom Jadepalast verwirklichen und doch ist ihr Verständnis von Glück nicht das gleiche. Der Autor bringt dem Leser zudem 100 Jahre der wechselvollen chinesischen Geschichte auf eine sehr ergreifende Weise nahe und zeigt, wie historische Ereignisse das Leben der Figuren beeinflussten. Bei aller Dramatik schreibt der Autor dennoch mit einem feinen Sinn für Humor und erreicht damit noch mehr Tiefe und Lebendigkeit. Die Spannung wird, so scheint es, mit Leichtigkeit das ganze Buch über gehalten. Über 544 Seiten ist es ein einzigartiger Lesegenuss. Unbedingt Lesen!

Über den Autor:
Raymond A. Scofield ist das Pseudonym des ZDF-Korrespondenten Gert Anhalt. Er wurde 1963 geboren, studierte Sprachen und Geschichte und arbeitete lange Jahre in China.

Rezension von Heike Rau

Raymond A. Scofield
Der Jadepalast
544 Seiten, gebunden
Rütten & Loening, Berlin
ISBN: 3-352-00716-0
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Wellensittiche – lebhaft – neugierig – klug

Wellensittiche – lebhaft – neugierig – klug

Der Wellensittich ist ein sehr beliebtes Haustier. Und auch Kinder mögen die kleinen Vögel gern. Doch vor dem Kauf gibt es einiges zu bedenken. Welche Verpflichtungen der künftige Vogelhalter übernimmt und wie so ein Wellensittich versorgt werden muss, erfährt man in diesem Buch.

Zunächst informiert der Autor über die Herkunft der Vögel, ihre Fähigkeiten und auch warum man besser keinen dieser geselligen Vögel alleine halten sollte. Erklärt wird auch, nach welchen Kriterien man einen Vogel, beispielsweise im Zoofachhandel oder beim Züchter aussuchen sollte. Vorgestellt werden unterschiedliche Tiere mit ihren verschiedenen Farben. Dazu wird erklärt, wie diese Farbtöne gezüchtet werden. Außerdem erfährt der Tierfreund, woran gesunde Vögel zu erkennen sind.

Zu überlegen ist, wie die Vögel zu Hause gehalten werden sollen. Wellensittiche sind sehr robust und können, schafft man die nötigen Vorraussetzungen, ganzjährig in einer Außenvoliere gehalten werden. Aber auch im Zimmer ist eine Voliere eine gute Alternative zur Haltung im kleinen Käfig. Informiert wird über den besten Standort, über nötiges Zubehör zum Käfig und die vielen Kleinigkeiten, die man bedenken sollte.

Erklärt wird nun, was man im Umgang mit den kleinen Vögeln beachten muss und wie man sie dazu bringt, auf den Finger zu kommen. Auch die Körpersprache der Wellensittiche ist ein Thema. Natürlich wird erklärt, was die Vögel fressen, von Körnermischungen bis hin zu frischem Obst. Damit sich die Vögel nicht langweilen, brauchen sie Beschäftigung. Hier liefert der Autor interessante Ideen. Und natürlich braucht jeder Vogel die Möglichkeit, täglich frei im Zimmer fliegen zu können. Auch hier müssen einige Dinge beachtet werden. Bei aller Gesundheitsvorsorge kann ein Vogel auch einmal krank werden. Der Autor erklärt, welche Krankheiten auftreten können, wie man erste Hilfe leistet und wann ein Vogel zum Tierarzt muss.

Für jeden, der sich einen Wellensittich (Besser zwei!) anschaffen will, bietet das Buch viel Wissenswertes. Die Bedürfnisse der neugierigen kleinen Vögel sind doch eher bescheiden und gut zu erfüllen, soviel wird schnell klar. Dennoch gibt es einiges zu beachten bzw. zu tolerieren. Was das ist, vermittelt der Autor sehr gut verständlich und in kurz gehaltenen, übersichtlichen Abschnitten. Er bringt sozusagen auf den Punkt, was wichtig ist. Sehr schön anzusehen sind auch die Fotos, die wie Schnappschüsse wirken und das Verhalten und den Charakter der kleinen Vögel verdeutlichen, mit ihrer Neugier, ihren Spaß am Spielen oder ihren liebevollen Umgang miteinander.

Über den Autor:
Kurt Kolar ist Zoologe, Verhaltensforschen und ehemaliger Direktor des Tiergartens Schönbrunn in Wien. Er hat sich über dreißig Jahre lang mit der Haltung und Zucht verschiedener Papageienarten beschäftigt.
Rezension von Heike Rau

Kurt Kolar
Wellensittiche – lebhaft – neugierig – klug
64 Seiten, broschiert
mit Farbfotos von Regina Kuhn
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4481-6
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Der Blaubeersommer

Der Blaubeersommer

Ratsche ist fassungslos, als ihre überforderte Mutter ihr eröffnet, dass sie den Sommer bei ihren Urgroßcousinen Tilly und Penpen Menuto in Maine verbringen soll. Viel Zeit zum Nachdenken hat sie allerdings nicht, denn am selben Abend geht es schon los. In der Hektik wird sogar Ratsches Koffer zu Hause stehen gelassen. Aber die schrecklich alten Tanten wohnen sowieso weit ab vom Schuss, da spielt das nicht so eine große Rolle. Sie nehmen Ratsche auch nicht allzu gerne auf. In ihrem fortgeschrittenen Alter könnten sie jederzeit sterben. Und dann sitzt Ratsche allein mitten im Wildniswald, kann nicht mal Autofahren oder Hilfe herbeitelefonieren. Diese Funktion gibt es nicht, mit dem Telefon der alten Tanzen kann man nur angerufen werden. Und einfach in die nächste Stadt zu laufen, ist wegen der Bären unmöglich.

Tilly und Penpen erzählen Ratsche uralte Geschichten aus ihrem Leben. Dabei sind die Leute, um die es geht, schon längst unter der Erde. Sie erzählen von ihren Familiengeheimnissen und wie sie aus den Blaubeeren, die hier in Massen wachsen, eine Geschäftsidee entwickelt haben. Die Tanten leben weiter in ihrer eigenen Welt mit selbstgewählter Einsamkeit. Ratsche passt gut dazu. Doch dann wird die Ruhe gestört. Die hochschwangere Miss Madison und ihre Pflegetochter Harper haben die falsche Straße erwischt und sind nun hier auf Glen Rosa gelandet statt im Waisenhaus. Aber das ist kein Problem. Kurz entschlossen nehmen die schrulligen Tanten auch Harper bei sich auf. Schließlich braucht Ratsche Gesellschaft. Und so kommt Leben in das alte Haus. „Sie hat was von einem angezündeten Knallfrosch“, sagt Penpen einmal und bringt damit Harpers Charaktereigenschaften auf den Punkt. Doch auch sie lebt sich ein. Beide Mädchen wollen auf Glen Rosa bleiben. Ratsche und Harper, sind 13 und 14 Jahre alt, die Tanten über neunzig. Ihr Ziel ist es, am Leben zu bleiben, bis die Mädchen erwachsen sind.

Ferien bei chaotischen Tanten in einem alten Haus zwischen Blaubeeren und wilden Bären. Das ist sicher kein geeigneter Aufenthalt für junge Mädchen. Für Ratsche und Harper, die in ihrem bisherigen Leben nichts zu lachen hatten, bringt dieser Aufenthalt jedoch die Wende. Auch wenn die Tanten chaotisch, vergesslich, schrullig und seltsam sind, sie geben ihre über die ganzen Jahre angestaute Liebe an die Mädchen weiter und versuchen ihnen eine Zukunft zu geben. Erzählt wird die Geschichte auf eine ganz besonders tiefgründige Art und Weise, mit einer Mischung aus Melancholie und schwarzem Humor. Die Autorin verzaubert mit ihrer Geschichte und bringt eine ganz außergewöhnliche Stimmung zum Tragen, der man sich nicht entziehen kann. Man möchte das Buch nicht aus der Hand legen und einmal beendet, nimmt man sich vor, es irgendwann noch einmal zu lesen, ganz in Ruhe und mit Genuss.

Über die Autorin:
Polly Horvath, geboren 1957 in Kalamazoo/Michigan, begann mit acht Jahren zu schreiben. Sie ist Autorin zahlreicher preisgekrönter Kinder- und Jugendbücher. Die Autorin lebt mit ihrem Ehemann und den beiden Töchtern in Metchosin, Kanada.

Rezension von Heike Rau

Polly Horvath
Der Blaubeersommer
268 Seiten, gebunden
Bloomsbury Kinderbücher und Jugendbücher
ISBN: 3-8270-5016-2
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Bissige Stories für boshafte Leser

Bissige Stories für boshafte Leser

Neumanns Leben läuft in geregelten Bahnen. Ruhe ist ihm wichtig, Hektik zuwider. Dann wird ihm ein neuer Kollege zur Seite gestellt. Thomas Möller, der neue Buchhalter, ist fett und laut. Er hat Charaktereigenschaften, die Neumann vollständig aus der Ruhe bringen. Wenigsten zu Hause wird er entspannen können. Zumindest, nachdem er den neuen Nachbarn kennen gelernt hat. Der Schreck ist groß, als Neumann feststellen muss, dass es sich bei diesem Nachbarn ausgerechnet um jenen Thomas Möller handelt. Nun ist es auch zu Hause mit der Ruhe aus. Möller ist unheimlich aufdringlich und nervend. Immerzu will er sich etwas borgen. Beim Wäsche waschen setzt er den Keller unter Wasser. Als sein Auto kaputt geht, fährt er einfach mit Neumann mit. Im Büro löscht er wichtige Dateien. Neumanns Nerven liegen blank. Es gibt nur einen Ausweg aus dieser nicht auszuhaltenden Situation: Mord.

Susanne Henke präsentiert in ihrem Buch 15 Kurzkrimis. Ganz normale Geschichten aus dem Leben, die jedoch immer ein überraschendes, oft sehr makaberes Ende haben. Dabei endet fast jede Geschichte mit dem Tod. Da sollen nervige Nachbarn, unliebsame Kollegen oder auch fremdgehende Ehemänner aus dem Weg geräumt werden. Manche Mordpläne gehen allerdings auch nach hinten los und lassen sich nicht wie geplant durchführen. Alle Geschichten sind kurz und knackig gehalten und gut zu lesen. Die Autorin beschränkt sich auf das Wesentliche, zeichnet die Charaktere aber sehr stimmig. Beim Lesen kann man sich ein gewisses Maß an Schadenfreude nicht verkneifen. Das kleine Büchlein hat es also in sich. Es enthält Geschichten mit Biss, besonders gut geeignet für den kleinen (Literatur)-Hunger zwischendurch.

Über die Autorin:
Susanne Henke, geboren 1963 in Hamburg, schreibt vor allem Kurzgeschichten und Satire und veröffentlichte bisher in Zeitschriften und Anthologien. www.storysite.de

Rezension von Heike Rau

Susanne Henke
Bissige Stories für boshafte Leser
88 Seiten, broschiert
Books on Demand, Norderstedt
ISBN: 3-8334-2121-5
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Die Liebesblödigkeit

Die Liebesblödigkeit

Dieses Buch hat mich zugleich amüsiert als auch berührt.

Der Protagonist und Icherzähler ist etwas über fünfzig und erlebt stark reflektierend, wie für ihn die Zeit vergeht, wie er älter wird, wie es mit dem Sex nicht mehr so recht klappen will, wie er seine zwei Lebensgefährtinnen voreinander verheimlichen kann, und für welche von beiden er sich langfristig entscheiden soll.
Er ist Spezialist für Apokalypse, was an sich schon eine Menge Komik in sich birgt.
Leicht hypochondrisch veranlagt, betrachtet er die Menschen um sich herum, beschreibt sie, analysiert sie in einer so humorvollen und komischen Manier, daß man ein Stück Lebenswirklichkeit wiederfindet, ohne durch den Ernst des Lebens etwa bedrückt zu werden.

Die Reflexionen auf der ganzen Linie, seine Lebensbetrachtungen, werden in einem leicht ironichen, häufig von Mutterwitz gertragenen Stil vorgetragen.
Der Icherzähler ist ein Mann, der vieles will und doch ständig in der Sorge lebt, das Falsche zu tun. Es ist so echt, so überzeugend, daß das Leben so sein kann, daß ich das Buch nur jedem empfehlen kann.
Ein ganz großartig gelungener Wurf von W.Genazino!
Cl.B.

Wilhelm Genazino
Die Liebesblödigkeit
Eine ganz und gar humorige Lebensbetrachung
ISBN:3446205950
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