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    Ursula Fricker: Fliehende Wasser

    Von hera | 11.März 2004

    Es stimmt, sie hat es sich gewünscht. Nun ist es wahr geworden, der Vater ist tot. Er liegt im Graben neben der Landstraße unter einer Lage frischen Schnees.
    Nun blickt Ida zurück, erzählt von ihrer Kindheit und ihrem Vater Simon.

    Der Vater weiß selbst, dass etwas mit ihm nicht stimmt. 18jährig beginnt er für den Verlobten einer Freundin zu schwärmen, stiehlt sogar ein Foto von ihm. Doch er will nicht werden wie der Friedli, dieser Perverse, dieser verkommene Mensch. Dem gefallen die Männer auch. Beide Eier hat man ihm abgeschnitten in der Anstalt.
    Simon heiratet also, bekommt mit seiner Frau zwei Kinder. Disziplin ist alles in seinem Leben, damit bekommt er seine ruhelosen Gedanken in den Griff, das verlangt er auch von seinen Kindern. Es kommt nicht in Frage, dass sie Dreck essen. Dreck steht für Fleisch, aber auch für Zucker, Schokolade und Eis.

    Bald kann er nicht mehr, hält den selbstauferlegten Verzicht nicht mehr aus. Der Magen knurrt auch noch nach zwei Kilo Weintrauben. Es rumort in seinem Bauch, dass er es selbst kaum mit anhören kann. Doch das Abweichen von seinen Regeln käme einem Selbstverrat gleich.

    Die Familie muss mitziehen. Ida leidet besonders unter der Quälerei. Sie ist dem Spott ihrer Mitschüler ausgesetzt, fängt an, ihren Vater zu hassen. Sie beginnt sich zu widersetzten, startet einen Ausbruchsversuch aus ihrer Lage und wünscht sich, dass ihr Vater endlich stirbt.

    Dieser biedere Familienvater bringt einen zur Raserei und hinterlässt nichts als Empörung. Man möchte ihn durchschütteln und zur Vernunft bringen. Und die Mutter gleich mit, auch wenn ihre Gründe, die „gesunde Ernährung“ durchzuziehen etwas anders liegen. Ihr scheint es tatsächlich um die Gesundheit zu gehen. Nach ihrer Meinung kann jedem Leiden von Krebs bis Verdauungsstörung durch entsprechende Nahrung begegnet werden.
    Dass der Vater stirbt, wird gleich am Anfang erzählt. Und je mehr man gelesen hat von diesem Buch, um so klarer wird, dass dies der einzige Ausweg für den verbohrten Vater und die Familie ist.

    Es wird abwechselnd aus der Sicht der Tochter und des Vaters vom alltäglichen Familienleben erzählt. Die Autorin lässt sich Zeit dabei, steigert die Beklemmung Schritt für Schritt, die den Leser unweigerlich überfällt. Wirklich ein ungewöhnliches Buch!

    Über die Autorin:
    Ursula Fricker ist Jahrgang 1965. Sie publizierte verschiedene Anthologiebeiträge und Reportagen u.a. für die SZ am Wochenende und die Aargauer Zeitung. 1997 erhielt sie das Alfred Döblin-Stipendium der Akademie der Künste Berlin. „Fliehende Wasser“ ist ihr erster Roman. Er wurde mit einem Förderbeitrag von Stadt und Kanton Schaffhausen ausgezeichnet.
    Ursula Fricker lebt heute als freie Autorin in der Nähe von Berlin.

    Rezension von Heike Rau

    Ursula Fricker
    Fliehende Wasser
    167 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
    Pendo Verlag
    ISBN: 3-85842-575-3
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