Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen

Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen

Bibi Blocksberg hat Probleme in der Schule und eine Nachprüfung ist fällig. Doch ihre Eltern können nicht helfen. Barbara arbeitet an einem Hexenrezept-Buch und Bernhard will renovieren. Bibi wird kurzerhand und gegen ihren Willen auf das Internat Schloss Altenberg verfrachtet, um an einem Sommer-Ferien-Kurs teilzunehmen.

Rabia von Katzenstein hat ganz andere Probleme. Sie sitzt gerade die 5 Jahre im Gruselmoor ab, die sie Bibi Blocksberg zu verdanken hat. Ihre Tage verbringt sie damit, nach einem Fluchtweg zu suchen. Das miese Wetter kommt ihren Plänen mit einer Springflut entgegen, in die sie sich todesmutig mit Kater Maribor stürzt. Die Flucht gelingt. Doch die Hexenkräfte von Rabia sind völlig hin und müssen aufgeladen werden

Im Internat lernt Bibi das Mädchen Elea kennen. Sie sitzt im Rollstuhl. Dass Bibi ihr da gerne raushelfen möchte, ist klar. Ein Zauberspruch verbietet sich hier jedoch. In das Schicksal anderer Menschen einzugreifen, ist verboten.
Doch da gibt es diese Sage vom Eulenstaub, einem magischen Pulver mit großer Heilkraft. Es soll in einem unterirdischen Labyrinth von Schloss Altenberg zu finden sein.

Rabia von Katzenstein hat sich längst, ohne Rücksicht auf Verluste, an die Blocksbergs und im besonderen an Bibi herangemacht. Mit Hilfe einer Verkleidung und einem Vertrauenstränklein, erfährt sie alles von Bibi. Vom Eulenstaub verspricht sie sich die völlige Wiederherstellung ihrer magischen Kräfte. Damit beginnt ein atemloser Wettlauf Gut gegen Böse.

Eine spannende, flott erzählte Abenteuergeschichte, die sich vom Stil her sehr gut lesen lässt. Bibi ist mittlerweile fast 15 Jahre alt, da schlägt auch die Pubertät mit Stimmungsschwankungen, inklusive Widerstand gegen die Eltern zu. Klar das Bibi auch das Hexverbot im Internat nicht so ganz einhält.
Schloss Altenberg mit dem unterirdischen Labyrinth und der sagenhaften Vergangenheit ist eine tolle Kulisse. So sind die Szenen im Labyrinth besonders gruselig und unheimlich.
Mit im Buch sind viele Farbfotos aus dem Film. Auch Informationen zu den Drehorten gibt es. Sogar die Texte der Lieder, die im Film gesungen werden, sind vorhanden. Besonders interessant ist das Interview mit Bibi-Darstellerin Sidoni von Krosigk.

Über die Autorin:
Elfie Donnelly, geboren in London, war Reporterin und Journalistin für Presse, Funk und Fernsehen. Ihre Bücher, Hörspiele und Drehbücher wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet. Elfie Donnelly ist die Schöpferin der Figuren Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen. Sie lebt mit ihrem Mann auf Ibiza.

Rezension von Heike Rau

Elfie Donnelly
Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen
245 Seiten, gebunden, mit vielen Farbfotos aus dem Film
Egmont Franz Schneider, München
ISBN: 3-505-12084-7
Bestellen

Die Kühe sind los

Die Kühe sind los

Abner Dixon kann sich nach dem dreisten Überfall des berüchtigten Viehdiebes Alameda Slim seine Farm nicht mehr leisten. Milchkuh Maggie muss also umziehen und kommt auf die Farm der netten Nachbarin Pearl. Sie liebt ihre Farm und die Tiere über alles. Milchkühe gibt es hier auch. Mrs Caloway und Grace sind die Anführer der Farmtiere. Pearl hat allerdings finanzielle Probleme und die Zwangsversteigerung ihrer Farm Patch of Heaven droht. Maggie will ihre neue Familie natürlich nicht gleich wieder aufgeben, doch es sieht wirklich schlecht aus. Die Schulden belaufen sich auf 750 Dollar. Genau diese Summe ist auf die Ergreifung von Alameda Slim ausgesetzt. Das bringt Maggie auf eine Idee. Wenn die Kühe den Viehdieb fangen würden, wären sie alle ihre Sorgen um die Farm mit einem Schlag los.

Wenn Kühe auf Verbrecherjagd gehen, geht es natürlich heiß er. Das Buch ist spannend, witzig und sehr amüsant. Großzügige Illustrationen lassen die Geschichte lebendig wirken. Die Tiere sind sehr originell mit ihren ganz unterschiedlichen Charaktereigenschaften. Zu nennen wären die Milchkühe als Helden der Geschichte, die riesige, gefräßige und wenig damenhaft wirkende Maggie, die kluge und ordentliche Mrs Caloway und die einfältige und zum Glück unmusikalische Grace. Diese Tiere, die zusammen das ganz große Abenteuer erleben, schließt sicher jeder schnell in sein Herz.

Rezension von Heike Rau

Disney
Die Kühe sind los
96 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
Egmont Franz Schneider Verlag, München
ISBN: 3-505-12108-8
Bestellen

Schweizer Lexikon der populären Irrtümer

Schweizer Lexikon der populären Irrtümer

Stimmt es, dass die Schweizer ein Volk von Bahnfahrern sind? Ist es wahr, dass die Schweiz keine Bodenschätze hat? War Albert Einstein wirklich ein schlechter Schüler? Ist Fondue eine Schweizer Kreation? Ist die Schweizer Schokolade wirklich die beste? Und was ist eigentlich dran am angeblichen Steuerparadies und dem sagenhaften Bankgeheimnis? Ist die Schweiz tatsächlich neutral, unabhängig und souverän?

Munter geht es durch alle möglichen Sachgebiete wie Geschichte, Politik, Kultur und Alltag. Schluss mit Vorurteilen und falschen Vorstellungen!
Die Beiträge sind interessant, lehrreich, manchmal desillusionierend, aber auch oft zum Schmunzeln. Die Autorin hat aufwändig recherchiert und präsentiert die Fakten. Und wer trotzdem nicht glaubt, was er liest oder weiterführende Informationen braucht, kann den vielen Quellenangaben, oft auch mit Internetadressen, folgen.

Die Schweizer Irrtümer sind von A bis Z übersichtlich aufgelistet. Das ein Inhaltsverzeichnis oder ein Register fehlt, macht nichts. Einfach blättern und bei interessanten Stichpunkten hängen bleiben, macht den meisten Spaß.

Über die Autorin:
Franziska Schläpfer ist Jahrgang 1945. Die Texte der freien Journalistin und Autorin erschienen beispielsweise in der „Weltwoche“. Die gelernte Buchhändlerin ist zudem die Verantwortliche für die Schweiz-Ausgabe der deutschen Zeitschrift „Buch Journal“. Ihre Buchveröffentlichen umfassen unter anderem Biographien. Die vielseitig politisch und kulturell engagierte Autorin ist Mitglied der Raumplanungskommission Herrisau, Gründerin und Präsidentin des „Frauenpodium Herrisau“ und Mitglied der Jury „Literaturförderung“. Franziska Schläpfer ist Mutter von vier erwachsenen Kindern. Sie lebt in Zollikon.

Rezension von Heike Rau

Franziska Schläpfer
Schweizer Lexikon der populären Irrtümer
Missverständnisse und Vorurteile von Alpenklübler bis Zwingli
272 Seiten, gebunden
Pendo Verlag, Zürich
ISBN: 3-85842-569-9
Bestellen

Schamanenpass

Schamanenpass

Calvin Maiyumerak wird verdächtigt die Mumie von Väterchen Frost, die in der Tundra am Schamanenpass entdeckt worden war, aus dem Museum von Chukchi gestohlen zu haben. Aber auch des Mordes an Victor Solomon wird er verdächtigt. Schließlich wurde dieser mit der Harpune von Väterchen Frost ermordet. Doch der behauptet, Väterchen Frost wäre selbst aus dem Museum ausgebrochen und hätte Victor Solomon ermordet, weil der vorhatte, ihn in einer Vitrine auszustellen. Nach altem Brauch der Inupiat hätte die Mumie draußen in der Tundra bleiben müssen.
State Trooper Nathan Active weiß, dass er diesen Fall nicht lösen kann, ohne sich mit alten Geschichten und Aberglaube auseinander zu setzen. Er macht sich auf die Suche nach Menschen, die noch etwas von den alten Zeiten wissen könnten. So führt die Ermittlungsarbeit in längst vergangene Zeiten Alaskas, in die Zeit der Schamanen. Die Vergangenheit lebt mit den alten Geschichten wieder auf und bringt Nathan Active verwertbare Erkenntnisse. Spuren verdichten sich. Doch um den wahren Dieb und Mörder dingfest zu machen, muss der State Trooper zum Schamanenpass. Das wird ein lebensgefährliches Unterfangen.

Ein spannungsgeladener, bewegender Krimi, der in der eisigen Kälte Nordalaskas spielt. Hier gehen schon vom sehr bildhaft beschriebenen Wetter ungeahnte Gefahren aus. So werden ganz besonders harte Anforderungen an den Ermittler gestellt. Der Fall ist vielschichtig und undurchsichtig. Doch Nathan Active ist jemand der hinhört, der sich interessiert, dem man als Leser gerne durch die Story folgt. Der Autor beleuchtet zudem das Leben der Inupiat in der Gegenwart und der Vergangenheit. Die Figur des Väterchen Frost, des Natchiq, basiert auf einem realen Eskimopropheten und Sozialreformer, der im 19. Jahrhundert in Nordwestalaska gelebt hat. Näheres dazu findet sich im Anhang neben einigen Anmerkungen zur Sprache und einem Inupiaq-Glossar.

Über den Autor:
Stan Jones wurde 1947 in Anchorage, Alaska, geboren und lebt dort auch heute noch. Als Journalist, leidenschaftlicher Buschpilot und Spezialist für Umweltfragen hat er die Erfahrungen für seine Bücher gesammelt.

Rezension von Heike Rau

Stan Jones
Schamanenpass
Aus dem Englischen von Peter Friedrich
285 Seiten, gebunden
Unionsverlag, Zürich
In der Reihe: metro
ISBN: 3-293-00340-0
Bestellen

Katja Reider: Weil ich immer bei dir bin

Katja Reider: Weil ich immer bei dir bin

Das große Bilderbuch vermittelt durch seine liebevollen Verse, ein Gefühl von Ruhe, Wärme und Geborgenheit. Die kleinen Alltagssorgen fallen ab und das sicher nicht nur bei Kindern, sondern auch beim Vorlesenden, egal ob Mama, Papa, Oma oder Opa. In den Versen und Zeichnungen werden die kleinen, aber nicht zu unterschätzenden, Ängste der Kinder aufgegriffen. Die Angst vorm Alleinsein, vor Unbekanntem, vor Gewitter oder vor der Nacht.
Die Illustrationen verstärken die beruhigende Wirkung der Verse. Die warmen Farben sind harmonisch aufeinander abgestimmt. Der kleine blaue Vogel braucht in der Nähe seiner Mutter keine Angst vor dem Fliegen zu haben. Der kleine Bär kuschelt sich in der Nacht an den großen Bären. Mama Hase erzählt ihrem Kind eine Einschlafgeschichte. Die fantasievollen Zeichnungen überraschen mit vielen liebenswerten Details. Das Buch eignet sich beispielsweise für Kinder zum Entspannen nach einem anstrengenden Tag oder auch zum Ansehen vor dem Einschlafen.

Über die Autorin:
Katja Reider ist Jahrgang 1960. Sie studierte Germanistik, Publizistik und Kommunikationswissenschaften in Göttingen. Anschließend arbeitete sie als PR Volontärin in Bonn und schließlich als Pressesprecherin von “Jugend forscht“ in Hamburg. Seit der Geburt von ihren Kindern Felix und Liva ist Katja Reider freie Autorin. 1997 wurde ihr der Picture Book Gold Award des amerikanischen Parents Choice Magazine verliehen. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Norddeutschland.

Über den Illustrator:
Felix Scheinberger ist Jahrgang 1969. Er hat schon immer gerne gezeichnet und schließlich in Hamburg an der Fachhochschule für Gestaltung studiert. Wenn er nicht gerade selbst schreibt, illustriert er Bücher für Kinder und Erwachsene.

Rezension von Heike Rau

Katja Reider
Weil ich immer bei dir bin
Illustrationen von Felix Scheinberger
18 Seiten, gebunden
Für Kinder ab 3 Jahren oder als Geschenkbuch für Erwachsene
Loewe Verlag, Bindlach
ISBN: 3-7855-5147-9
Bestellen

Kaufen!

Kaufen!

Mit ihrer Arbeit im Kaufhaus will Simone Wenger eigentlich nur ihr Studium finanzieren. Doch die Kaufhaus-Job nimmt sie total gefangen. Simone ist fasziniert vom Angebot an Waren und der Arbeit mit ihren Kollegen. Im Kaufhaus fühlt Simone sich heimisch. Und dennoch ist Simone für ihren Job überqualifiziert. Mit der Bezahlung ist sie eines Tages nicht mehr zufrieden. So beginnt sie Werbetexte zu verfassen, bald arbeitet sie als freie Mitarbeiterin in der PR-Abteilung. Zufriedenheit stellt sich trotzdem nicht ein. Simone hat sich weiterentwickelt. Auch ihr Freund kann da nicht mithalten und bleibt auf der Strecke.

Die Autorin lässt Simone Wenger von ihrem geradlinigen und sorglosen Arbeitsleben im Kaufhaus erzählen, für welches die intelligente junge Frau ihr Studium aufgegeben hat, wohl weil es so am bequemsten war. Es verwundert nicht, dass Simone eines Tages nicht mehr zufrieden ist. Viel zu lange hat sie sich von der Kaufhaus-Glitzerwelt täuschen lassen. Sie war drinnen, das wahre Leben hat sich jedoch draußen abgespielt. Stillstand im Leben.
PLAY, REWIND, FORWARD, PAUSE, so geht es durchs Buch. Da muss man aufpassen, den Faden nicht zu verlieren. Dafür beschreibt die Autorin die Mitarbeiter um Simone, ihr Arbeitsumfeld und ihre Tätigkeiten, also ihre Lebensinhalte, sehr präzise. Ein Buch, dem man auch Denkanstöße für das eigene Leben entnehmen kann.

Über die Autorin:
Nicole Müller wurde 1962 in Basel geboren. Die in Küsnacht bei Zürich lebende Kommunikationsberaterin und Journalistin wurde für ihre Publikationen u.a. mit dem Zürcher Journalistenpreis 2000 ausgezeichnet.

Rezension von Heike Rau

Nicole Müller
Kaufen!
Ein Warenhausroman
142 Seiten, gebunden
Nagel & Kimche
im Carl Hanser Verlag München Wien
ISBN: 3-312-00348-2
Bestellen

Der Tote im Bunker

Der Tote im Bunker

Martin Pollack war gerade mal 3 Jahre alt, als sein Vater am 1947 in einem Bunker am Brenner nahe der Grenze ermordet wurde. Mehr als 50 Jahre sind also seit dem Tod des Vaters vergangen. Martin Pollack brennen viele Fragen auf der Seele, deren Beantwortung er aus, wie sich zeigt, begründeter Angst lange herausgeschoben hat. So nimmt er nun die Spurensuche auf. Sein Vater Dr. Gerhard Bast war SS-Sturmbannführer und Mitglied der Gestapo. Pollack will jedoch hinter die Fassade sehen. Ihm geht es vor allem darum zu erfahren, was den Vater angetrieben hat, was er dachte, wie er wirklich war, wie er zu seiner Überzeugung kommen konnte. Polack nimmt den Kampf gegen die herrschende Sprachlosigkeit auf und sichtet Unterlagen, private und berufliche Papiere und die wenigen Fotos vom Vater, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Sohn zeigen. Pollack besucht Zeitzeugen und sucht Archive auf. Er setzt sich mit der Arbeit der Gestapo und der Familiengeschichte auseinander, präsentiert die Fakten mit großer Ehrlichkeit, obwohl er Dinge herausfindet, die seine geahnten Befürchtungen noch übertreffen. Warum? Warum ausgerechnet der Vater? Unverständnis bleibt. Martin Pollack kann diese Frage nicht beantworten, ist fassungslos. Papiere und Fotos verraten die Gedanken des Vaters nicht. Der Berichtsstil scheint bewusst gewählt, um Abstand zum Vater zu schaffen. Dennoch kommt die Verzweiflung und das Entsetzen Martin Pollacks über die Taten seines Vaters zum Ausdruck. Diese Beklemmung und Bestürzung überträgt sich auch auf den Leser.

Über den Autor:
Martin Pollack wurde 1944 in Bad Hall, Oberösterreich, geboren. Er studierte Slawistik und osteuropäische Geschichte. Bis 1998 war er Redakteur beim „Spiegel“, dann freier Autor und Übersetzter.

Rezension von Heike Rau

Martin Pollack
Der Tote im Bunker
Bericht über meinen Vater
255 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag, Wien
ISBN: 3-552-05318-2
Bestellen

Der steinerne Kreis

Der steinerne Kreis

Jean-Christophe Grange : Der steinerne Kreis

Bastei 15072 : 1.Auflage Januar 2004
Originalausgabe : Le Concile de Pierre (2000)

Der Franzose Jean-Christophe Grange, Bestsellerautor, machte sich schon mit seinen ersten beiden Romanen „Der Flug der Störche“ und „Die purpurnen Flüsse“ einen Namen. Der 61 in Paris geborene Franzose steht für ungewöhnliche Gänsehautromane. Wie auch der vorliegende Roman beweißt.

Diane Thielberg, Tierforscherin, adoptiert einen kleinen Jungen aus Indonesien. Sie selbst ist nicht in der Lage, Kinder auf die Welt zu bringen. Seit einem Vorfall als 14jährige, in der ihr Gewalt angetan wurde, meidet sie den körperlichen Kontakt zu Männern.
Doch das Mutterglück dauert nicht allzu lange. Diane besucht mitsamt Lucien ihre Mutter. Auf der Rückfahrt wird sie in einen Unfall verwickelt. Ein LkW, wie sich später herausstellt ist der Fahrer eingeschlafen, schleudert genau vor ihr über die Fahrbahn. Als Diane wieder zu sich kommt, ist es zu spät. Ihr Adoptivsohn Lucien liegt in einem Koma, ein Schädeltrauma. Im Pariser Krankenhaus tun die Ärzte ihr Bestes, um den Jungen zu retten.
Doch ihre Bemühungen scheinen vergebens, es ist nur noch eine Frage von Stunden, bis der Junge stirbt. Diane ist am Boden zerstört. Ihr Leben liegt in Trümmern.
Da taucht ein deutscher Professor auf. Rolf van Kaen ist Spezialist auf dem gebiet der Akupunktur. Er rät Diane, den Weg der Schulmedizin zu verlassen und sich auf diesen alternativen Heilweg einzulassen, um das Leben des Kindes zu retten.
Diane ist durch und durch Wissenschaftler. Französische Meisterin im Shaolin-Boxen, hat sie immer die dazugehörigen philosophischen Lehren abgelehnt, die Erfolge bestätigten ihre Einstellung. Doch jetzt ist sie am Scheideweg ihres Lebens.
Und entscheidet sich für ihren Sohn. Rolf van Kaen führt seine Behandlung durch. Und diese zeigt Wirkung. Lucien erholt sich.
Doch kurz darauf wird Rolf van Kaen ermordet. Und die Mordart spricht für einen Ritualmord. Die Ereignisse überschlagen sich.

Ohne zuviel zu verraten : Der weiter Handlungsverlauf führt in die Sowjetunion, erzählt von lange zurückliegenden Ereignissen 1968. Er führt auch an das scheinbare Ende der Welt, in die Mongolei, nahe der sibirischen Grenzen. Aber es ist auch eine Reise in die Abgründe der menschlichen Seele.

Die Ereignisse überschlagen sich. Der Franzose Grange zeichnet ein düsteres Szenario, aber ein wohl durchdachtes. Ein kriminalistisches Puzzle, das seinesgleichen sucht. Gewürzt wird das Ganze mit der Frage Wissenschaftsgläubigkeit oder Parapsychologie. Ein wahres Spiel mit dem Wechsel zwischen Glauben und Wissen. Nicht umsonst taucht auf einmal ein Kernfusionsreaktor auf, andererseits die Schamanen des Turkmongolischen Volk der Tsewenen.

Fazit : Ein wahrlich rasanter Roman, komplex, liebevoll, düster. Ein Wechselspiel von Technik und Tradition. Und somit ein unbedingtes Muss für jeden Liebhaber mystischer gruseliger Romane. Garniert mit rasanter Action in einem sehr spannenden Spionageszenario.

Jean-Christophe Grange
Der steinerne Kreis
Ein Kind, das vom anderen Ende der Welt kommt und ein geheimes Wissen in sich trägt. Gnadenlose Mörder, die seinen Tod wollen. Eine Frau, die alles tun wird, um das Kind zu retten…
ISBN:3404150724
Bestellen

Der perfekte Mann

Der perfekte Mann

Er behauptet von sich, der perfekte Mann zu sein. Und wenn Sebastian Busch so von sich erzählt, möchte man ihm fast glauben, wäre da nicht diese extreme Angeberei, diese Selbstverliebtheit, diese bodenlose Arroganz. Auf Partnersuche ist Sebastian jedoch nicht. So trifft ihn die Liebe überraschend, beim Kaffee holen in der Kantine. Dabei geht er normalerweise gar nicht in Kantinen. Kantinen sind für den Agenten für Film- und Fernsehschauspieler kein guter Ort. Es ist nicht sein Revier. So könnte man es Schicksal nennen, dass Sebastian hier seine zukünftige Frau trifft, die gerade ihre Kollegen aufs köstlichste unterhält. Dabei ist sie ihm beim Casting gar nicht aufgefallen und auf dem Kommt-nicht-in-Frage-Haufen gelandet.
Mit der Liebe will es nicht so recht klappen. Dazu ist Sebastian viel zu rücksichtsvoll und zurückhaltend. Nie würde er sich aufdrängen. Erst die Kuppelversuche von seiner Chefin Frau Maibach zeigen Erfolg und so kommen Traumfrau und Traummann zusammen. Das Zusammenleben des Paares verläuft ohne Höhepunkte. Sebastian lässt seiner Frau jeden Willen und passt sich uneingeschränkt ihren Bedürfnissen an. Doch ein Mann, der nicht widerspricht, der keine Angriffspunkte hat, wird zur Witzfigur. Das ist zumindest gut für die Karriere der Frau. Für die Beziehung jedoch nicht.

Das Buch ist ein Knaller. Zunächst glaubt man nicht, dass diesen selbstverliebten und von sich selbst überzeugten und so leidenschaftslosen Mann irgendetwas aus der Ruhe bringen kann. Doch mit Erstaunen stellt man fest, dass Sebastian doch ein ganz massives Gefühl zulassen kann. Eifersucht. Und die überfällt ihn praktisch in dem Augenblick, als er seine Frau kennen lernt. Und als sie dann zusammenleben, fällt es ihm immer schwerer, den lockeren Lebenswandel seiner Frau zu tolerieren. Mit Spannung wartet der Leser darauf, dass die Schmerzgrenze endlich erreicht wird und Sebastian über seinen eigenen Schatten springt und aufwacht, nicht nur zuschaut, das Verhalten seiner Frau nicht immer nur vor sich selbst rechtfertigt. Es ist nicht zum Aushalten. Als Leser möchte man am liebsten ins Geschehen eingreifen und Sebastian wachrütteln. Das macht die Spannung in diesem Buch aus. Dazu kommt der tolle Schreibstil. Das Buch ist mit viel Witz und Ironie geschrieben und dennoch kann man eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht absprechen. Als Leser wird man gut unterhalten, aber auch nachdenklich gemacht.

Über den Autor:
Morten Feldmann ist Jahrgang 1967. Er studierte Publizistik in Berlin und Köln und arbeitete in verschiedenen Jobs bei Film und Fernsehen. Neben einigen Drehbüchern schrieb er vor allem Kurzprosa und arbeitete gelegentlich als Dialog- und Script-Doctor. Morton Feldmann ging 2001 in die USA, wo er in der Nähe von Los Angeles lebt. „Der perfekte Mann“ ist sein erster Roman.

Rezension von Heike Rau

Morten Feldmann
Der perfekte Mann
186 Seiten, gebunden
Kunstmann Verlag, München
ISBN: 3-88897-365-1
Bestellen

Nachtzug nach Lissabon

Nachtzug nach Lissabon

Raimund Gregorius beschließt mit 57 Jahren ganz plötzlich sein Leben zu ändern. Mitten im Unterricht steht er auf und geht. Die Tasche bleibt auf dem Pult zurück. Noch denken die Schüler, dass er zurückkommen wird. Doch es wird keine Stunden in Latein oder Geschichte mehr geben. Der Altphilologe bleibt nicht länger in Bern. Ein Buch des Autors Amadeu de Prado wird ihm von nun an den Weg weisen. Die Zeilen des Autors ziehen Gregorius magisch an. Die Worte klingen, als seinen sie für ihn selbst bestimmt. Der Autor, ein portugiesischer Arzt, lebt nicht mehr. Doch das bremst Gregorius’ Eifer nicht. In Lissabon angekommen, trifft er sich mit den Schwestern de Autors, mit Jorge, dem Apotheker, mit dem Pater, der Amadeu de Prado beerdigt hat und mit anderen Menschen, die wichtig waren. Und immer wieder liest Gregorius im Buch. So lernt er den Menschen de Prado kennen und seine Gedanken, die im Buch verewigt sind, zu verstehen. Es entsteht ein sehr persönliches Bild von Amadeu de Prado, der nicht nur Arzt und Schriftsteller war, sondern auch ein Mensch, der gegen die Diktatur Salazars gekämpft hat, weil er glaubte, etwas wieder gutmachen zu müssen.

Was passiert, wenn man aufsteht und einfach geht? Kann man wirklich so aus dem gewohnten Leben ausbrechen? Raimund Gregorius, der nun wirklich das Gegenteil eines Draufgängers ist, tut es, und damit zieht der Autor den Leser sofort in den Bann. Doch damit nicht genug. Auch die innersten Gedanken und philosophischen Betrachtungen Amadeu de Prados fesseln, so tiefgründig und geistreich sind sie, so spannend seine Lebensgeschichte, die Gregorius Stück für Stück aufrollt.
Der Autor schreibt mit einem unglaublichen Feingefühl. Die Mimik und Gestik der handelnden Personen werden mit großer Genauigkeit beschrieben. So entstehen vor dem inneren Auge des Lesers sehr detailreiche Bilder. Es ist, als würde ein Film ablaufen.
„Nachtzug nach Lissabon“ ist kein Buch, dass man einfach so verschlingt, obwohl es sehr spannend ist. Es macht zu viel Vergnügen sich an den klingenden, klugen, ausformulierten Sätzen zu erfreuen, als das man schnell darüber hinweg liest. Die Sprachgewandtheit ist beeindruckend, die Wortwahl so treffsicher. Es geht um Dinge, mit denen sich jeder auseinandersetzen muss, um Liebe, Freundschaft, Gefühle, Selbstzweifel, Angst vor dem Tod oder auch um den Sinn des Lebens. Ein Buch, das sehr nachdenklich macht und das es wert ist, ein zweites Mal gelesen zu werden.

Rezension von Heike Rau

Pascal Mercier
Nachtzug nach Lissabon
495 Seiten, gebunden
Carl Hanser Verlag, München, Wien
ISBN: 3-446-20555-1
Bestellen