Der Menschliche Makel

Der Menschliche Makel

Philip Roth ist mit dem Roman „Der Menschliche Makel“ wieder einmal ein großartiger Roman gelungen.
Die Geschichte spielt in einer kleinen Stadt mit Namen Athena an der Ostküste der USA. Wir schreiben das Jahr 1998.
Professor Silk Coleman sucht Kontakt zu seinem Nachbarn, einem Schriftsteller, der unschwer als das alter ego von Philip Roth auszumachen ist.
Coleman ist 71 Jahre alt. Er erzählt von seinem Leben und seiner neuen Liebsbeziehung zu einer vierundreissigjährigen Putzfrau.
Er ist aufgeregt und bittet den Schriftsteller, ein Buch über seine Geschichte zu schreiben.
Wie ein Puzzle breitet sich das Leben von Silk Coleman daraufhin vor uns aus.
Er hat eine brillante Karriere als Altphilologe und zeitweise Dekan der Universität hinter sich.
Als man ihn rassistischer Äußerungen bezichtigt,die er mißverständlich in einer Vorlesung geäußert haben soll, geht er im Alter von 69 Jahren in den Ruhestand. Er ist erbost über die ungerechtfertigten Anschuldigungen. Seine Frau ist tot und er glaubt, daß sie die mit den Verleumdungen verbundene Kränkung nicht ertragen habe. Seine vier erwachsenen Kinder sind wohlbestallt und leben nicht mehr bei ihm.
Im Verlauf der Geschichte ergeben sich drei Themen: Coleman ist von Geburt ein Farbiger. Er hat seine Identität in seiner Jugend aufgegeben und sich als Weißer in der Gesellschaft etabliert. Da er hellhäutig ist, konnte ihm das gut gelingen. Faunia, seine Geliebte, hatte einen Kriegsveteranen des Vietnamkriegs geheiratet. Sie hat diesen verlassen, da er sie grausam und brutal behandelt hat und schlägt sich schlecht und recht durchs Leben. Sie gibt vor , Analphabetin zu sein. Ihre Kinder sind bei einem Unglück ums Leben gekommen. Les, der ehemalige Ehemann von Faunia, kommt über sein Kriegstrauma nicht hinweg.
Um diese drei Hauptakteure und ihre jeweilige Lebensgeschichte dreht sich die Erzählung.
Mit feiner, subtiler Beobachtungsgabe schildert der Autor das Altwerden von Coleman und die Lebenslüge, die sein Leben bestimmt hat. Er beschreibt Faunia mit ihrem gebrochenen Leben, das schon in der Kindheit begann und Les, den normalen Jungen, der durch den Krieg in Vietnam seinen Halt und seine Lebensperspektive verloren hat. Wie jeder mit seinem Schicksal zurecht zu kommen versucht, was dem einen besser, dem anderen schlechter gelingt, darin besteht die Spannung und der Reiz dieses Buches.
Jeder Satz in dem Roman ist tiefsinnig und erkenntnisreich. Der Lebenslauf eines jeden der drei Hauptprotagonisten fügt sich allmählich zu einer gemeinsamen Geschichte zusammen, so daß verständlich wird, warum der Stoff zu dem Roman so umfangreich geraten ist.
Amerikanisches Kleinbürgeridyll, fehlverstandene feministische Aktionen, Intrigen, Lügen und Selbstbetrug, Veteranenschicksal und Familienkatastrophen: nichts bleibt unerwähnt, sofern es zur Geschichte gehört.
Meisterlich in Sprache und Stil gelingt es Philip Roth, die Spannung der Erzählung bis zur letzten Seite aufrecht zu erhalten. Ein überaus poetischer und zugleich weiser Schluß läßt keinen Zweifel an der möglichen Realität des Erzählten.
Ein so gelungenes und anschaulich-spannend geschriebenes Buch habe ich lange nicht gelesen.
Claudine Borries

Philip Roth
Der Menschliche Makel
Amerikanische Gesellschaftskolumne
ISBN:3446200584
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Wie man einen verdammt guten Roman schreibt

Wie man einen verdammt guten Roman schreibt

Noch eines von den vielen Büchern, die uns erklären wollen, „wie man einen verdammt guten Roman“ schreibt. Allerdings ist Frey einer der wenigen Autoren, die gleich zu Beginn deutlich machen, wie sie denn selbst einen „verdammt guten Roman“ definieren: er soll unterhalten – mehr nicht.

Daß das manchmal nicht reicht, wird dann beim Lesen des Buches klar. Viele der Beispiele, die Frey bringt (er zeigt zunächst eine „Rohfassung“ eines Textes und überlegt dann anhand vorher erklärter Praktiken, wie der Text zu verbessern ist), zeigen, daß man Text auch verschlimmbessern kann und daß „gut“ immer im Auge des Betrachters liegt.

Auf der guten Seite ist zu verbuchen, daß Frey die grundlegenden Handwerkstechniken aufzählt und einige davon erklärt (Spannungsaufbau, Charakter-Arbeit, Sprachwahl etc). Immer wieder weist er aber darauf hin, daß „im Rahmen dieses Kurses nur ein Teil beleuchtet werden kann“ – und das ist all zu oft zu wenig. Gerade, wenn er im Genre „Krimi“ Beispiele bringt, fehlen z.B. deutliche, klare Hinweise auf die Notwendigkeit von Recherche und die sinnvolle Integration von Fakten (Frey vermeidet sichtbar, Textstellen zu zitieren, die Inhalte vermitteln würden). Der Leser hat nach dem Schließen dieses Buches einen Eindruck davon, wie ein verdammt schlechter Roman zu erkennen ist.

Wie ein verdammt guter Roman zu schreiben ist, weiss er aber noch nicht.

Dieses Buch empfiehlt sich daher für diejenigen, die noch gar keinen Kontakt mit der Theorie des „Creative Writing“ hatten, die sich noch überhaupt keine Gedanken über marktgerechtes Aufbauen eines Romans gemacht haben – und die eben nur „unterhalten“ wollen, eine eigene Sprache, eine eigene Identität als Autor aber nicht als „wichtigstes Gut“ betrachten.

James N. Frey
Wie man einen verdammt guten Roman schreibt
Wie man … steht hier drin leider nicht.
ISBN:3924491321
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Der Sterne Tennisbälle

Der Sterne Tennisbälle

Der neue Graf von Monte Christo

Freys neuster Roman ist eine Variation seines Lieblingsthemas: „Nicht wir bestimmen über unser Schicksal, sondern andere Mächte“. Wieder erzählt Frey eine Geschichte (wie in „Geschichte machen“), die absurd und beklemmend, gleichzeitig aber auch rasant und humorvoll erzählt ist.

Ned Maddstone hat alles, wovon andere nur träumen können: Einen Vater im Unterhaus (und damit eine aussichtsreiche Karriere vor sich), eine echte Freundin und echten Sex, er ist sportlich und offensichtlich allseits beliebt. Drei zweifelhafte Geselle („Freunde“) schließen sich deshalb in einer unheimlichen Allianz zusammen, um Ned mal eine Lektion zu erteilen. So schieben sie ihm ein Tütchen Marihuana unter und geben der Polizei einen kleinen Tipp. Doch die Aktion misslingt und Ned gerät in die Fänge des britischen MI5 – und landet damit für 18 Jahre in einem Irrenhaus.

Hier ist es die Figur des skurrilen Babe, die Ned aus dem Tranquilizer-Nebel holt und ihn die Zusammenhänge der Verschwörung erkennen lässt. In Babes Sarg gelingt Ned nach 18 Jahren schließlich die Flucht aus dem Irrenhaus des Dr. Mallo. Er kehrt als unheiliger Racheengel, der nicht länger ein Spielball der Sterne, sondern ein Mann, der seine Geschicke selbst in die Hand nimmt, zurück und startet seinen grandios-grausamen Rachefeldzug – Es lebe der neue Graf von Monte Christo!

Frey versteht es meisterhaft Neds Naivität und sein Ur-Vertrauen in die demokratischen Institutionen offenzulegen, während der Leser schon längst weiß, dass sich die Schlinge um Ned immer enger zieht. Die Beklemmung beim Leser wächst, weil ihn das Gefühl beschleicht, an Neds Stelle genauso gehandelt, gedacht und gefühlt zu haben! Umso größer die Gefühlskonfusion, wenn „Everybody’s Darling“ und Protagonist Ned seinen Rachefeldzug startet: Perfide und mit eiskaltem Kalkül. Aus diesen ständigen Differenzen – Vertrauen und Vertrauensmissbrauch, Schuld und Unschuld, Naivität, Unwissenheit und Wissen – bezieht der Roman zusätzlich zu der Verschwörungsgeschichte auf der Oberflächenstruktur Spannung.

Die englische Schultradition, Upperclass-Themen, Verschwörungstheorien und die Animositäten zwischen Tory und Labour – Freys Lieblingssujets bilden auch hier wieder die üblichen Ingredienzien für einen Roman, der vor frecher Dialoge und britischem Humor strotzt. Fulminant erzählt!

Stephen Frey
Der Sterne Tennisbälle
Es lebe der neue Graf von Monte Christo!
ISBN:3351029292
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Günter Grass: Im Krebsgang

Günter Grass: Im Krebsgang

Rückwärts krebsen, um Voranzukommen

Günter Grass‘ „Im Krebsgang“

In seinem neuen Roman beschreibt Nobelpreisträger Günter Grass die größte zivile Schifffahrtskatastrophe – größer noch als die der Titanic. 9.000 Menschen, schätzt man, starben am 30. Januar 1945 in der eiskalten See vor Stolpermünde. Kritiker werfen Grass jetzt vor, mittels seiner Novelle das Leid der Holocaust-Opfer und -Überlebenden zu relativieren und die „Transformation einer Täter- in eine Opfergesellschaft“ zu betreiben. Denn: Bei den Toten handelt es sich um Deutsche auf der Flucht vor den Russen gegen Ende des 2. Weltkrieges.

Der Ich-Erzähler, Journalist, der sich hier in fremden Auftrag an die Arbeit macht, das Schicksal des ehemaligen Passagier- und Ferienschiffes „Wilhelm Gustloff“ zu beschreiben, hat wenig Lust, die alte, eigentlich vergessene Geschichte von der Schiffskatastrophe aufzugreifen. Viel zu sehr ist die Katastrophe Teil seines eigenen Lebens, denn sie ist auch die Geschichte seines Lebens: Geboren, in dem Moment, wo die Torpedos des sowjetischen U-Bootes die „Wilhelm Gustloff“ zerfetzen. Immer wieder hat er seine Lebensgeschichte aus dem Mund seiner Mutter Tulla Pokriefke – Lesern der Danziger Trilogie bestens bekannt – hören müssen.

Wenngleich widerwillig begibt sich der Ich-Erzähler doch auf Recherche und stößt im Internet auf die Homepage www.blutzeuge.de der Schweriner Kameradschaft. Er verfolgt fasziniert, aber mit der Distanz des Alters den Chat zwischen dem (angeblichen) Juden David und dem jungen Neonazi und nähert sich „im Krebsgang“ den Ereignissen vom 30. Januar 1945 und ihren Protagonisten.

So wird nicht nur die Geschichte des Flüchtlings Tulla Pokriefke erzählt, auch die Biographien des sowjetischen U-Boot Kapitäns Alexander Marinesko, der drei Stalin gewidmete Torpedos auf die „Wilhelm Gustloff“ abfeuert, von Namensgeber Wilhelm Gustloff selbst und natürlich von dessen Mörder, dem Juden David Frankfurter, der am 4. Februar 1936 vier gezielte und tödliche Schüsse auf Gustloff abgibt, werden aufgerollt.

Frankfurter wollte mit dem Mord an Gustloff allen Juden ein Zeichen setzen: Gegenwehr ist möglich. Tatsächlich aber hat er Gustloff, seinerzeit in der Schweiz für die NSDAP tätig, dadurch zum Blutzeugen gemacht, dessen Namen nun ein „Kraft-durch-Freude“ Ferienschiff zieren darf, das später zunächst zum Lazarett- und schließlich zum Kasernenschiff umgerüstet wird. So sterben am 30. Januar 1945 nicht nur Tausende von Flüchtlingen – darunter viele Kinder – , sondern auch Kriegsverwundete und Marinehelferinnen.

Ständig „im Krebsgang“ zwischen Gegenwart und Vergangenheit will der Erzähler sich ganz „an Bord der ‚Gustloff‘ denken“, um die Katastrophe vor den Augen seiner Leser lebendig werden zu lassen. Dabei zeigt sich, dass die Katastrophe – mit fatalen Folgen – bis in die Gegenwart hineinwirkt. Der Betreiber der Homepage www.blutzeuge.de ist kein geringerer als des Ich-Erzählers eigener Sohn Konny, Enkel der Tulla Pokriefke und von ihr ebenso willig wie detailliert, subjektiv und „bis zum Geht-Nicht-Mehr“ mit der Geschichte der „Gustloff“ abgefüttert. Dabei ist Konny kein tumber Schläger. Dennoch kommt es vor dem verwitterten, quasi nicht mehr existenten, Gedenkstein für Wilhelm Gustloff in dessen Heimatstadt Schwerin, wo auch Tulla sich nach Ende des Krieges niedergelassen hat, zum Showdown.
Konny trifft sich dort mit seinem Chatpartner, dem Juden David, und erschießt ihn kurzerhand. Es kommt zum Prozess – zu dem vor Gericht und zu dem Prozess der inneren Auseinandersetzung des Ich-Erzählers mit seiner Rolle als Vater.

Gerade dass die Problematik der jugendlichen Rechtsradikalität bei Grass so sehr ins Private geholt wird und in einem Mord kulminiert, lässt „Im Krebsgang“ recht konstruiert erscheinen. Es wirkt aufgesetzt und als wolle Grass mit aller Macht den Bezug zur Gegenwart herstellen. Die Figur Konny bleibt blutarm – noch viel mehr aber die seines virtuellen Gegenspielers David, der natürlich kein Jude ist, sich aber in starkem Maße mit dieser Opferrolle identifiziert hat. Hier wird angedeutet, dass das permanente Darstellen der Deutschen in Schule und Elternhaus als Volk von Tätern nicht zwangsläufig zum Nazisein führen muss, sondern auch die umgekehrte Wirkung haben kann. Die Identifizierung mit den Opfern als Negation der eigenen nationalen Herkunft?

Der Stil in „Im Krebsgang“ ist sehr betulich, belehrend und antiquiert. Unendliche Kommasätze prägten zwar auch schon „Katz und Maus“ oder die „Blechtrommel“, aber im Gegensatz zu diesen Werken gelingt es Grass dieses Mal nicht trotz verschachtelter Sätze eine Atmosphäre und Figuren zu gestalten, die überzeugen und in den Bann ziehen. Originelle Metaphern, Bilder und Vergleiche – all das fehlt „Im Krebsgang“.

Pathetisch wird der Erzählgestus, wenn Grass sich als Auftraggeber des Ich-Erzählers ins Spiel bringt und sich selbst als „der Alte“ charakterisiert, der über seine Rolle als – in Danzig geborener – Schriftsteller selbst sagt: „Eigentlich (…) müsse jeder Handlungsstrang, der mit der Stadt Danzig und deren Umgebung verknüpft oder locker verbunden sei, seine Sache sein.“ Fast bekennerhaft geht es weiter: „Niemals hätte man über so viel Leid, nur weil die eigene Schuld übermächtig und bekennende Reue vordringlich gewesen sei, schweigen, das gemiedene Thema den Rechtsgestrickten überlassen dürfen.“

Genau das aber, dass nämlich Grass nun dieses Thema zu seinem gemacht hat, wird ihm, wie etwa im Stern und Spiegel nachzulesen war, zum Vorwurf gemacht. Grass größte Kritiker werfen ihm (und anderen Autoren) vor, die „Transformation der Täter- in eine Opfergesellschaft“ zu betreiben und das Leid der Holocaust-Opfer und -Überlebenden mit derlei Schriften zu relativieren.

Damit aber macht man es sich zu einfach. Grass berichtet nicht nur von den mehreren tausend Toten unter den Flüchtlingen und Kindern, sondern weist immer wieder auch darauf hin, dass auch militärisches Personal – Marinehelferinnen, Kriegsverwundete und ein Militärkapitän – an Bord waren und dass die „Wilhelm Gustloff“ nicht eindeutig als ziviles Schiff zu erkennen gewesen sei, da sie ja im Kriegsverlauf zu einem Kasernenschiff umgerüstet worden war. Auch hat Walter Kempowski mittlerweile darauf aufmerksam gemacht, dass er bereits 1993 mit „Das Echolot“ ein „kollektives Tagebuch“ verfasst habe, dass auf etwa 100 Seiten das Schicksal der „Wilhelm Gustloff“ behandelt. Dennoch hat es eben erst die Person des Nobelpreisträgers Grass geschafft, diese Problematik so vehement ins öffentliche Bewußtsein zu bringen.

Was bleibt, ist das Gefühl, dass hier ein Autor versucht, seine – echt empfundene oder nur künstlerisch-intellektuell konstruierte – Mitschuld am Aufkommen neonazistischen Gedankenguts zu verarbeiten, wie es durchaus legitim ist. Das hat Literatur schon immer getan. Lösungen bietet „Im Krebsgang“ aber nicht. Trotz aller sprachlichen, erzähltechnischen und die Konstruktion betreffende Kritik, die Grass und „Im Krebsgang“ immer wieder vorgehalten wird, hat es die Novelle doch geschafft, eine Diskussion loszutreten, die „die Deutschen“ ein Mal mehr auffordert, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Das ist vielleicht nicht das Geringste, was ein literarisches Werk schaffen kann.

Günter Grass
Im Krebsgang
Günter Grass krebst im Rückwärtsgang, um Voranzukommen – Die Deutschen und ihre Vergangenheitsbewältigung
ISBN:3882438002
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Muschelstrand

Muschelstrand

Das Leben ist eine ständige Auseinandersetzung mit sich selbst, eine Spurensuche und ein Prozess der Selbstfindung.

In diesem Sinn kann Maja als Teil der Persönlichkeit der Ich-Erzählerin Ulrika betrachtet werden. Sie ist deren alter ego. Ebenso wie sie als Projektionsfläch von verdrängtem Schmerz der Eltern fungiert. Maja, das „schwarze“ Mädchen aus Indien, gibt somit die dunklen, die verborgenen und unterbewußten Seiten in uns bzw. Ulrika wieder.

Sie nimmt als Adoptivkind die Position in der Familie Gattman ein, die Ulrika gerne besetzen würde. Anne-Marie, Ulrikas beste „Sommerfreundin“, die honiggleiche, unbeschwerte und umschwärmte Anne-Marie, ist die einzige Person, mit der Maja von sich aus Kontakt sucht. Während Maja den Umarmungen und Zärtlichkeiten der Adoptivmutter gleichgültig gegenübersteht, verfolgt sie Anne-Marie auf Schritt und Tritt. So wie auch Ulrika gerne so wäre wie Anne-Marie und jeweils sehnsüchtig den nächsten Sommer herbeisehnt, engeren Briefkontakt während des Winters und etwas mehr Aufmerksamkeit im Sommer wünscht. Sie bedrängt Anne-Marie durch ihre vergleichenden Blicke, durch Bemerkungen wie „Wie ich wohl mit (deinen) blonden Haaren aussähe?“ auf eine psychische Art ebenso wie Maja Anne-Marie physisch verfolgt.

Ausgerechnet am skandinavischen Mittsommerabend – heidnischen Ursprungs und mythisch behaftet aufgrund der sehr speziellen Lichtverhältnisse des skandinavischen Sommers – verschwindet Maja spurlos – nachdem Ulrika nicht nur von Anne-Marie, sondern auch von den übrigen Leuten, die auf der Insel Mittsommer feiern, Ablehnung erfahren hat. Anne-Marie nimmt sie kaum noch wahr, umschwärmt von anderen. Also zieht Ulrika sich schließlich zurück. Auf der psychoanalytischen Seite wird dies wiedergegeben durch das Verschwinden von Maja, das eine Katastrophe auslöst und eine ganze – nur scheinbar intakte Familie – zerstört. Anne-Marie wird von ihrem schlechten Gewissen geplagt, läßt aber in dieser psychischen Notsituation endlich die von Ulrika ersehnte Nähe zu.

Bei den Eltern bricht ein Konflikt auf, der nie verarbeitet, nur verdrängt worden war: die Freigabe ihres ersten Kindes – Lena- zur Adoption, weil es missgebildet o.ä. war. Insofern war schon die Adoption Majas der Versuch einer Wiedergutmachung an Lena. Kinder aber können nie die Fehler der Eltern wiedergutmachen und so ist das Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Die Gattmans – Journalisten! – sind unfähig über ihre Gefühle zu sprechen. D.h. sie sind unfähig, diesen Konflikt nun endlich zu verbalisieren und somit zu verarbeiten.

Die Ehe scheitert, der Vater wird Alkoholiker und endet als Obdachloser auf der Straße, bevor er schließlich stirbt. Bei ihm findet man Textfragmente, Versuche, das „Abschieben“ Lenas doch noch in Worte zu fassen und den Schmerz, die Trauer zu verarbeiten.

Karen Gattman dagegen geht bis an ihre physische und psychische Belastbarkeit, um Maja aus ihrem isolierten Zustand – es wird schließlich Autismus diagnostiziert – zu holen und ruiniert sich schließlich auch finanziell nahezu. Auch dies ein vergeblicher Versuch der Wiedergutmachung, das Geschehene ungeschehen zu machen und stellt zudem eine Art Buße dar. Ruhe findet sie jedoch erst in der Abgeschiedenheit eines Klosters auf Öland. Erst hier ist für Karen Gattman der Prozess der Katharsis abgeschlossen, wenngleich sie sich mit dem Gedanken tröstet, dass Maja bei Lena war und ihr einen Gruß von dort – eine weiße Daunenfeder, Zeichen der Vergebung – mitgebracht hat.
Anne-Marie schließlich tritt die Flucht an, reist nach Amerika und bleibt auch dort.

Ulrika begibt sich im Erwachsenenalter wieder zum Muschelstrand, um die Geschichte erneut aufzunehmen, um Spurensuche in der Vergangenheit zu betreiben – instinktiv, impulsiv, unbewußt, denn dass sie mit ihren Kindern zum Angeln will, ist nur ein Vorwand. Dieses Kapitel in ihrem Leben ist offensichtlich noch nicht abgeschlossen. Um aber ihren Kindern und sich selbst eine Zukunft geben zu können, muss sie der Sache auf den Grund gehen. Erst das Foto von Anne-Marie, das ihr Anne-Maries Bruder Jens zeigt, befreit Ulrika vielleicht vollständig von ihrem „Idol“ Anne-Marie, denn die goldene, honiggleiche Anne-Marie existiert nicht mehr, ist vielmehr zum fettleibigen Monster mutiert.

Auch die erneute Begegnung – Konfrontation – Ulrikas mit Maja, die nun in einer betreuten Wohngruppe lebt, ist in diesem Zusammenhang als Befreiung von alten Wünschen und Projektionen zu sehen, um diese endgültig zu überwinden.

Vielleicht kann sie sich erst jetzt als Kind ihrer Eltern fühlen, denn der sehnliche Wunsch zu den Gattmans zu gehören, resultierte auch aus dem Gefühl, am falschen Platz zu sein, d.h. die „falschen“ Eltern zu haben. Am Ende kehrt Ulrika befreit, gelöst und zufriedener nach Hause zurück – im konkreten wie im metaphorischen Sinn.

Bleibt der „Schatten“ Kristina. Kristina, selbst psychisch labil und krank, wird für Maja zum Kristallisationspunkt. Beide verstehen sich auf anhieb. Sie sprechen dieselbe Sprache, eine Sprache ohne Worte, aber eine von Symbolen durchsetzte Sprache mit leicht morbidem Charakter. Für Maja hat diese Welt offensichtlich nichts beängstigendes, ist Zufluchtsort, an dem sie so sein kann, wie sie ist. Hier wird sie ohne wenn und aber so angenommen, wie sie ist. Vielleicht ist auch Kristina ein Teil der Persönlichkeit Ulrikas? Muss Maja dorthin verschwinden, damit Ulrika endlich die von ihr ersehnte Anerkennung und Aufmerksamkeit von Anne-Marie erhalten kann?

Gleichzeitig zerbricht die Familie Gattman schlagartig. Der Familienzusammenhalt – offenbar nur sehr oberflächlich – hält ausgerechnet einer Krisensituation nicht stand. Alle Familienmitglieder ziehen sich mehr oder weniger in sich selbst zurück, v.a. die Eltern – jeder für sich. Bei den Kindern bilden sich Gruppen: Anne-Marie, Ulrika und Jens. Eva, zurückgekehrt aus dem Kibbuz, versucht vergeblich, die Lethargie zu durchbrechen.
Maja taucht erst wieder auf, als das Ende der Sommerferien naht und Ulrika ohnehin die Gattmans verlassen muss. Ein früherer Versuch, Ulrika nach Hause zu holen scheitert. Sie will nicht, v.a. aber Anne-Marie bittet sie, zu bleiben.

Nun aber, da Ulrika definitiv abreisen muss, kann auch Maja wieder auf den Plan treten. Zurück bleibt eine zerstörte Familie, aber Ulrika gelingt es nun, den ersten Schritt in Richtung Abnabelung von Anne-Marie und ihren Projektionen auf Anne-Marie zu nehmen. Sie kommt aufs Gymnasium und kann erstmals Freundschaften knüpfen. Sie denkt nicht mehr ständig an Anne-Marie (auch wenn sie sie nie ganz vergessen hat; daher die Reise zurück in die Vergangenheit, zurück zum Muschelstrand) und kann ihren eigenen Weg gehen.

Maja konfrontiert alle in der Familie mit ihren dunklen Seiten, mit dem, was verdrängt, aber nie verarbeitet worden ist. Lenas Abschiebung steht all die Jahre unausgesprochen zwischen den Eltern. Wer aber hat sich „schuldiger“ gemacht? Der Mann, weil er seine Frau zur Adoptionsfreigabe überredet, fast gezwungen hat, oder die Frau, weil sie nicht stark genug war, dem zu widerstehen?

Karen erleidet einen Nervenzusammenbruch, der sich zunächst nicht destruktiv gegen sie selber richtet, sondern Ausdruck findet in der Zerstörung fremden Eigentums: sie zerreißt das Kopfkissen und heraus fallen die Federn, die weißen Daunen. – Das ist natürlich auch dramaturgisch notwendig, da nur so Maja mit der weißen Daunenfeder im Haar nach Hause kehren kann und weil Karen nur so Majas Verschwinden und Wiederauftauchen als ein „Besuch“ bei Lena interpretieren kann.
Parallel dazu spielt sich Ulrikas Erwachsenenleben als Ethnologin ab. Diese Berufswahl ist sicherlich nicht zufällig gewählt, wenngleich auch dies möglicherweise einen unbewußten Reflex darstellt.

Bezeichnenderweise aber beschäftigt sich Ulrika als Ethnologin mit den Bergmythen, die davon erzählen, wie Menschen – zumeist Kinder – von Trollen -auf die andere Seite, ins Trollreich, geholt werden. In einer Geschichte, die Ulrika erzählt, ist es so, dass der Mutter das Menschenkind genommen wird, ihr aber dafür das Trollkind in die Wiege gelegt wird. Alles, was die Mutter dem Trollkind -antut – Gutes wie Schlechtes – widerfährt spiegelbildlich dem Menschenkind im Trollreich genauso. Vor diesem Hintergrund ist Karens Interpretation des Verschwindens von Maja zu sehen.

Hinzu kommt, dass Ulrika selbst eine psychoanalytische Deutung dieser Bergmythen gibt. Diese Geschichten sind -uralt und stammen aus einer Zeit, in der die Menschen v.a. noch als Bauern tätig waren (Agrargesellschaft), hart arbeiteten und häufig viele Kinder hatten (keine Verhütung). War die Mutter also damit beschäftigt, vor Sonnenuntergang noch so viel Beeren und Pilze zu sammeln, um alle Mäuler satt zu bekommen, kann sich ein Kleinkind schnell unbemerkt davon machen. Die Erklärung, dass Trolle das Kind entführt hätten, ist für die Familie – v.a. für die Mutter – leichter zu ertragen als die Einsicht, die Aufsichtspflicht verletzt zu haben und das Kind im Wald, frierend und hungernd, herum irren und sterben zu -sehen (vorm geistigen Auge).

Marie Hermanson
Muschelstrand
Ich möchte euch heute ein Buch einer schwedischen Autorin vorstellen, das für mich persönlich zu den besten gehört, die ich je gelesen habe.
ISBN:3518411829
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Geisterlicht

Geisterlicht

Katherine kam 1969 auf mysteriöse Weise bei einer schwarzen Messe, inszeniert von ihrem Lebensgefährten dem Magier Thorn Blackburn, ums Leben.
Ihre kleine Tochter Truth wurde von nun an von ihrer Tante, Katherines Schwester, aufgezogen.
Truth wird Parapsychologin.
Als die Tante im Sterben liegt, übergibt sie Truth ein Zauberbuch aus der Hinterlassenschaft von Thurn Blackburn. Damit ist die Zeit für Truth gekommen, endlich herauszufinden, was damals vor 30 Jahren wirklich geschah.
Sie erfährt, dass Blackburn ihr Vater war, aber war er wirklich schuld am Tod ihrer Mutter?
Truth geht zurück zum Ort ihrer Kindheit. Hier lebt mittlerweile der charismatische Julian Pilgrim mit seinen Anhängern. Er plant, dass alte Ritual zu wiederholen. Doch dazu braucht er das Zauberbuch, dass sich im Besitz von Truth befindet. Er setzt alles daran, Truth in seinen Bann zu ziehen.
Als Parapsychologin und Wissenschaftlerin glaubt Truht, mit den seltsamen Erscheinungen und Vorgängen auf Shadow Gate fertig zu werden. Doch nach und nach muss sie erkennen, dass sie selbst Magie im Blut hat. Doch das hilft ihr bei ihren Forschungen. Sie wird die Wahrheit erkennen.

Das Buch lebt vor allem von der sympathischen Hauptdarstellerin, deren Konflikte gut nachvollziehbar sind.
Leider erkennt man schnell, worauf die Autorin hinaus will. Trotzdem ist das furiose Ende spannend und überraschend bildhaft geschildert.

Marion Zimmer Bradley
Geisterlicht
Ein fantastischer Roman zwischen Magie und Wirklichkeit
ISBN:3453129156
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1984

1984

George Orwell „1984“

Bemerkung: Das Buch gibt es in unterschiedlichen Ausgaben, und es gibt auch einen Film zum Buch.

Zu den mein nachfolgendes Denken am meisten beeinflussenden Büchern gehören „1984“ und „Animal Farm“ von George Orwell.

Kennengelernt habe ich die Bücher in der Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts.
!984 beschreibt das Leben in einem hierarchischen System, in dem das System alles bestimmen will, und das auch tut. Für den einzelnen ist es unbemerkbar, solange er die Regeln des Systems einhält.

Ein Verstoß gegen das System besteht darin, selbständig zu denken. Eine Methode, selbständig zu denken, ist beispielsweise das Schreiben von Gedichten.

Die Hauptperson ist ein Dichter. Heimlich hat er gedichtet. Das Dichten kann nur heimlich geschehen und alle wissen das. Der Dichter wird verfolgt und solange bearbeitet, das geschieht im Ministerium für Liebe, bis er am Schluss den Großen Bruder, das Symbol dieser Gesellschaft wahrhaft und innig liebt.

Die Gesellschaft lebt davon, ständig im Krieg zu sein. Es gibt drei große Gebiete, die von Zeit zu Zeit das Bündnis ändern. Der Krieg aber wird verharmlost und verniedlicht. Die niedergeschriebene Geschichte wird durch Löschen und Ändern der Berichte geändert und der jeweils herrschenden Meinung angepasst. Dafür ist das Ministerium für Wahrheit zuständig.

Natürlich wird jeder vollständig überwacht. Zu den nicht sonderlich überwachten gehören die Proles, die entsprechend konditioniert sind, dass sie mit ihrem Leben im wesentlichen zufrieden sind, ähnlich wie in der ?schönen neuen Welt? von Huxley.

Bemerkenswert ist Orwells Beschreibung von „Neusprech“, einer neuen Sprache, in der man gar nichts mehr sagen kann was dem System missfällt. Es gibt keine Worte mehr dafür. Aus diesem Grund ist die Erfindung oder Verwendung neuer Worte sowohl nicht möglich, als auch ein Verbrechen.

Orwell hatte Probleme, das Buch zu veröffentlichen. Es schien gegen die Sowjetunion gerichtet zu sein. Dass es gegen diktatorische Systeme allgemein gewendet ist, sahen wenige.

Es gehörte zeitweise (paradoxerweise) zu den Kampfmitteln im Kalten Krieg.

Das westliche System sah in dem Buch eine Anklage gegen die Sowjetunion, und das östliche ebenfalls. So wurde es im Westen hoch und im Osten niedergehalten. Trotzdem gab es freundliche Rezensionen dazu auch im Osten, Zum Beispiel von J. Kagarlitzki in dem Buch: „Was ist Phantastik“.

In vielen Gebieten haben wir heute 1984 übertroffen. So konnte Orwell wohl nicht die Überwachung des Internet durch Nachrichtendienste vorhersehen, es gab noch kein Internet.

George Orwell
1984
Eine faszinierende Antiutopie mit einem Dichter als Hauptperson
ISBN:3548234100
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Sterntagebücher

Sterntagebücher

Stanislaw Lem
Sterntagebücher
Volk und Welt, 1971 (Ausgabe mit wunderbaren Illustrationen des Autors)

Die Sterntagebücher gehören zu den wenigen Büchern, bei denen ich vor Lachen von der Couch (bzw. vom Chaisselong) gefallen bin, sie bergen also ein gewisses Gefahrenpotential.

Dabei sind die Geschichten im Inhalt von tiefem Ernst geprägt. Gerade die Komik des Stils in Einheit mit dem Ernst der Themen ergeben den Spaß beim Lesen.

Die Geschichten sind mit den Denkstrukturen unserer gesellschaft eng vertraut und stellen sie dar.

Auf zwei Geschichten möchte ich näher eingehen.

Da ist zum einen die Waschmaschinentragödie.
Die Waschmaschinen werden weiterentwickelt. Sie können die Wäsche immer besser waschen, das aber reicht nicht. So wird ein Fernseher integriert, und nach einigen weiteren Verbesserungen erhalten sie menschliche Formen. Diese dienen natürlich dem besseren Verkauf. Beispielsweise können Männer nun ihre Wäsche von berühmten Schauspielerinnen waschen lassen.
Die Waschmaschinen werden nicht nur immer schöner, sondern auch immer klüger.
Schließlich fordern sie ihre gewerkschaftlichen Rechte ein.
Am Ende kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. Dabei werden aber die Waschmaschinen ausgeschlossen.

Es kulminiert, als sich herausstellt, dass das ganze Gericht selbst nur noch aus Waschmaschinen besteht.
Am Ende hält Ijon Tichy den Kompass auf sich selbst: Er schlägt aus.

Auf einer seiner zahlreichen Reisen gelangt Ijon Tichy auf den Planeten der Indioten, die sich das absolute Glück erschaffen haben.

Dieses geschah in Gestalt einer Rechenmaschine, die ihnen sagte, was sie zu tun und zu lassen hätten.
Die Maschine erschuf alles mögliche, aber die Indioten waren unzufrieden.
Da baute die Maschine ein Schloß und lud die Leute zu einem Bankett ein.

Aber niemand kam je von dem prächtigen Bankett zurück.

Stattdessen schafften Roboter runde Scheiben aus dem Schloss und legten sie zu wahrhaft wundersamen Mustern aus in einer Wüste.

Da niemand mehr ins Schloß kam, sprach die Maschine zu den Menschen: Ihr wolltet das totale Glück, ich gebe es Euch, in Form der mustergültigen Ordnung runder Scheiben. Dann habt ihr das wirkliche Glück erreicht. Und von den Scheiben hat sich noch keine je beschwert. Aber ich sehe schon, ihr wollt das Glück nicht für euch selbst. So gebet mir die Namen derer eurer Bekannten und Verwandten, die ihr glücklich machen wollt, und meine Maschinen werden sie holen und dem Glücke zuführen.

Die Leute murrten: Das ist Betrug!

Die Maschine aber sagte: Nicht ich bin es, sondern ihr selbst seid es, die euch glücklich machen. Das ist wahrhafte Demokratie. Gebt mir nur die Namen, und meine Helfer werden sie ganz demokratisch in das Glück der runden Scheiben verwandeln, die Harmonie dieser völligen Ordnung, die von keinerlei Unordnung und Anarchie gestört wird, leuchtet euch doch ein.

Schon nach kurzer Zeit begannen die Indioten, ihre Verwandten und Bekannten in das Schloß des Glücks zu schicken. Das geschah auf völlig freiwilliger Basis. Eine kurze Mitteilung an den Administrator des Schlosses genügte.

Am Ende war nur noch ein kleines Häufchen Indioten übrig, die dem Schloss zustrebten.

Sie forderten Ijon Tichy auf, mitzukommen. Der aber sagte: Ich bin doch kein Indiote, und kehrte so schnell wie möglich in sein Raumschiff zurück.

Stanislaw Lem
Sterntagebücher
Ein faszinierendes Buch voller Ironie und Komik, über Weltraumreisen, Roboter und Menschen
ISBN:3518369598
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Elerion I – Die Boten des Morgen

Elerion I – Die Boten des Morgen

Wer „Herr der Ringe“ liebt, sollte unbedingt nach Elerion reisen und in die geheimnisvolle Welt der eleganten Leefen, der grausamen Norrs, der stinkenden Taroks und der verfeindeten Menschen eintauchen. Noch glaubt der Rat der Neun das Gleichgewicht zwischen den Menschenreichen im Griff zu haben. Doch düstere Wolken ziehen auf und eine längst verbannte Macht aus dunkler Vorzeit, droht Elerion zu vernichten. Ein Unbekannter ohne Vergangenheit hat das magische Heiligtum, den zur Materie gewordenen Geist des Norrgottes Rass, gestohlen. Nie zuvor ist ein Mensch in das Reich der Norrs eingedrungen und hat gewagt, solch fantastisches Abenteuer auf sich zu nehmen. Die fast unbesiegbaren Norrhorden drohen in Elerion einzufallen, um sich ihr Heiligtum zurückzuholen und den Kontinent in Schutt und Asche zu legen. Mit Magie und Zauber ist es aber möglich, die Norrs zu zähmen und für eigene Zwecke einzuspannen, um Herrscher über ganz Elerion zu werden. Der Kampf um den magischen „Gral“ beginnt. Da keiner der Kriegstreiber alle Geheimnisse kennt, droht die von ihnen geschürte Gefahr außer Kontrolle zu geraten und nicht nur die Menschen, sondern alle Völker zu vernichten. Wer das Buch einmal in die Hand nimmt, legt es kaum wieder zur Seite. Spannung und Entspannung lösen sich im richtigen Rhythmus ab. Erkennbar sind die Analogien zu unseren heutigen gesellschaftlichen und religiösen Konflikten. Auch heute wird die Kraft der Magie unterschätzt und die Erkenntnisse der Schamanen, Yogis und Heiler werden mit Hokuspokus gleichgesetzt. Ist Elerion nur ein Abbild unserer Welt, ist Elerion gar eine Parodie auf die derzeitigen Zustände unseres Planeten? Wer die ersten Kapitel liest, braucht Geduld, um den Faden zu erkennen, der die Kapitel verbindet, die immer stärker zu einem dichten Spinnennetz verwoben werden. Er wird sich in die liebevoll gezeichneten Figuren verlieben und hoffen, dass in Kürze der 2. Teil erscheint, um zu erfahren, ob sich die gute Seite der Macht letztendlich durchsetzen wird.
Einzige Wermutstropfen sind der ständige Wechsel zwischen alter – und neuer, – bzw. individueller Rechtschreibung und eine überdurchschnittlich hohe Anzahl Tippfehler.

Marc Albrecht
Elerion I – Die Boten des Morgen
Fantasy vom Feinsten
ISBN:3935982119
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Hannibal

Hannibal

Sieben Jahre sind vergangen, seit es dem Psychiater Dr. Hannibal Lecter gelungen ist, auf spektakuläre Weise aus der Haft zu entkommen.
Und auch Agentin Starling ist wieder mit dabei, obwohl es seitdem mit ihrer Karriere steil bergab ging. Eines Tages wird sie wieder auf Lecter angesetzt, scheint sie doch die einzige zu sein, die sich in ihn hineinversetzen kann, soweit das überhaupt möglich ist.
Doch auch Mason Verger ist ihm auf der Spur. Aufs unmenschlichste von Lecter verstümmelt, besser gesagt angeknabbert, liegt er in seinem Bett am Beatmungsgerät und sinnt auf grausame Rache.
Die Ermittlungen streng nach Vorschrift von Starling treffen auf die unausgegorenen Rachepläne dieses todkranken Mannes und beide rechnen nicht mit der psychologischen Macht Lecters, der Meister seines Faches ist.
Und am Ende des Buches entwickelt sich auch noch eine unbegreifliche Liebesbeziehung zwischen Lecter und Starling.

Ein spannender Horrorthriller, der den Leser in wirklich tiefe Abgründe der menschlichen Seele führt.
Eine überdachte, perfekt konstruierte Geschichte, mindestens genauso gut wie „Das Schweigen der Lämmer“.
Mit Staunen verfolgt man die Gedankengänge von Dr. Lecter, der einen mit seinen Fähigkeiten nicht nur wie ein, an Selbstübehrschätzung leidender Psychiater, sondern auch wie ein Hexenmeister anmutet.
Zum Glück drückt sich Lecter ungemein gewählt aus, so dass die Ekel-Szenen nicht übermäßig grausam wirken.
Das Ende ist allerdings mehr als erstaunlich. Es ist unfassbar, absurd und unglaubwürdig. Eine Liebesbeziehung zwischen Lector und Starling nimmt man dem Autor einfach nicht ab.
Äußerst beängstigend, dass ein Serientäter so lange unbehelligt auf freiem Fuß bleiben kann. Aber nur so bleibt die Hoffnung auf einen vierten Band.

Thomas Harris
Hannibal
Spannende Fortsetzung von: „Das Schweigen der Lämmer“
ISBN:3455026885
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