1000 Worte

Viv

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So, heute kommt mein erster Versuch, 1000 Worte zu schreiben.

Ich habe tatsächlich keine Idee, wie viel Text das letzten Endes werden muss, damit man dieses Soll erfüllt. Außerdem weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, worüber ich eigentlich schreiben soll.

Als erstes fällt mir ein, dass mein Versuch beinahe vereitelt worden wäre, weil mein toller Laptop offensichtlich schon beim Einschalten völlig überfordert ist. Es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis ich endlich meinen Startbildschirm sehe, was nicht heißen soll, dass ich auch direkt mein Passwort eingeben könnte. Weit gefehlt! Das dauert dann noch weitere Minuten, ganz zu schweigen von der Taskleiste, die immer später erscheint und hin und wieder auch mal gar nicht.

Hab‘ ich’s dann endlich geschafft, quasi in die inneren Sphären vorzudringen, und möchte ein Programm aufrufen, beispielsweise Word, wofür ich jährlich im Rahmen der Abonnementverlängerung einen Haufen Geld bezahle, dann passiert erst wieder gar nichts. Es lässt sich nicht einmal ein Zucken erkennen. Heute waren es geschlagene 20 Minuten, bevor sich dieses Tastenmonster bereit gezeigt hat, mir auch etwas zu zeigen, nämlich die Mitteilung, dass das Programm nicht reagiert.
Es ist zum Verzweifeln. Ich habe gar nicht mitgezählt, wie viele Versuche ich heute unternommen habe, bis ich endlich ein leeres Dokument aufrufen konnte, um meinen ersten Schreibversuch zu unternehmen.

Und wenn man dann anfängt, schaltet sich inzwischen automatisch dieser dämliche, aufdringliche Copilot ein: ‚Wie möchtest du, dass wir deine Ideen entwickeln?‘
Gar nicht, du KI-Flieger! Wenn ich vor habe etwas zu schreiben, was auch immer es werden wird, dann mache ich das alleine! Ich entwickle meine Ideen selbst und ich schreibe selbst und ich wäre sehr dankbar, wenn du dich einfach ausschalten lassen würdest, anstatt mir links auf meinem Dokument als blöder Stift mit Sternchen vor der Zeile herumzuhüpfen!

Ganz abgesehen davon, dass das nervt, wär’s auch eine tolle Sache, wenn die Buchstaben, die versuche hier festzuhalten, auch entsprechend dann erscheinen, wenn ich sie tippe! Aber nein, hier dauert es doch immer wieder ein Weilchen und dann ist noch nicht mal sichergestellt, dass alle rein gehackten Wortteile auch erscheinen und es ist auch völlig unklar, warum mitten im Satz plötzlich die Zeile gewechselt wird und ich in einem ganz anderen Satz, zwei Absätze weiter oben, meinen aktuellen Gedanken wiederfinde!

Ehrlich gesagt, ist dieses Theater mit meinem elektronischen Ex-Freund hier am Tisch, schon das eigentliche Aus-Kriterium für meinen Text. 1000 Worte! Wie lange soll das dauern, wenn er zwischendrin immer wieder eine Pause einlegt? Im Übrigen kann ich überhaupt nicht darüber nachdenken, was ich eigentlich Sinnvolles schreiben könnte, weil ich mich so ärgere, dass ich mir erst mal Luft machen muss!
Was dann natürlich nicht wirklich sinnvoll ist. Denn erstens beeinflusst es meine Stimmung nicht unbedingt positiv, was einem schönen Text, den man vielleicht auch wirklich gerne liest, schon mal grundsätzlich entgegensteht. Zweitens verbraucht dieser Ärger immens viel Energie, die ich ja nun wirklich zielführender einsetzen wollte. Auch wenn ich immer noch nicht weiß, wofür eigentlich genau.

Ich denke da schon eine ganze Weile drüber nach, welche Themen denn so interessant wären, damit man, also der- oder die- oder dasjenige Wesen, welcher, welche, welches, auf diese Zeilen stößt, auch dabeibleibt und sich von oben nach unten durchkämpft. Nicht durch scrollt, denn das ist nicht mein erklärtes Ziel. Dafür würde ein Einleitungssatz, gefolgt von 320 Zeilenschaltungen und einem Schlusssatz genügen. Nein, ich würde mich freuen, wenn sich durchgekämpft, sprich sich durchgelesen würde durch das, was ich hier auf dieses imaginäre Papier bringe.

Demnach ist ein Erguss über meine Auseinandersetzung mit der Technik vermutlich nicht sehr effektiv. Zumal ich davon ausgehe, dass begabtere Exemplare als ich es bin, einfach eine bis fünfundzwanzig Tastenkombinationen drücken würden und schon entfaltet mein Laptop ein ungeahntes Potential, von dem ich selbst nur träumen kann, während ich hier auf ihn einwirke. Denn angeblich ist das wohl mit allen ‚Maschinen‘ bzw. technischen Geräten so, dass eine Missfuktion im Regelfall an der Person liegt, die diese Maschine oder das Gerät bedient. Bei mir muss ich vermutlich davon ausgehen, dass ich von meinem Laptop, hätte er diese Bewertungsqualifikation, in die Klasse der DaU – ‚Dümmster anzunehmender User‘ – eingestuft werden würde. Vielleicht ist er deshalb so langsam. Weil er vermutet, dass ich gaaanz viel Zeit brauche. So gesehen, eigentlich ein ganz netter Kerl, dieser Laptop.

Das ist auch ein viel angenehmerer Ansatz, über ihn nachzudenken. Ihm keine Bösartigkeit oder Unfähigkeit zu unterstellen, sondern ihn als ein hilfsbereites Etwas zu betrachten. Welches mir, wenn ich mich nicht ganz so ungeschickt anstelle, und ihm vielleicht auch mal ein wenig Fürsorge, in seinem Fall also Wartung, zukommen lasse, mich tatsächlich unterstützen könnte. Mir positiv gestimmt gegenübersteht. Kooperations- und hilfsbereit. Also irgendwie…nett.

Naja, vielleicht ein wenig zu vermenschlicht, dieses hilfsbereite Etwas.

Denn auf Menschen trifft das natürlich schon zu. Meistens. ‚Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück!‘ hat meine Oma gesagt. Wie bei meinem Laptop, obwohl sie keine Ahnung hatte, dass es einmal so etwas geben würde. Zu Ihrer Zeit bezogen sich solche Weisheiten ausschließlich auf das menschliche Miteinander. Fern ab von Technik und meilenweit entfernt vom Internet und seinen Möglichkeiten.

Damals war alles sehr persönlich. Auch später noch, lange nachdem ich mich über die Sprichwörter und Lebensweisheiten meiner Oma gewundert habe. Die meisten Dinge, die ich erlebte, trafen mich persönlich. Und was immer ich tat oder sagte, war auch persönlich. Wenn ich zum Beispiel als Jugendliche jemanden beleidigen wollte, dann musste er oder sie mir gegenüberstehen und ich musste den Mut aufbringen es der Person ins Gesicht zu sagen. War gar nicht immer so einfach. Denn die Reaktion kam auch direkt und persönlich. Entweder wurde es ein mündlicher Schlagabtausch oder, was sich nicht besser anfühlte, mein Gegenüber war so tief getroffen, dass der Kontakt auf der Stelle abbrach. Ganz selten hielt meine Siegerlaune dann lange an. Meistens bekam ich ein schlechtes Gewissen und wäre nicht mein jugendlicher Stolz gewesen und die Angst vor einer Blamage, hätte ich mich vermutlich entschuldigt.

Nun gut, dem Laptop bringt das jetzt nichts, wenn ich ihn um Verzeihung bitte. Aber ich könnte versuchen, nicht ganz so hektisch zu sein in seiner Bedienung, ihm einfach ein wenig Zeit lassen. Die habe ich auch gebraucht. Nicht nur, um überhaupt zu lernen, wie man Seinesgleichen zum Laufen bringt. Auch im Umgang mit meinen Mitmenschen. So gesehen, war Erwachsenwerden gar nicht so schlecht, hat einiges an Erfahrung mit sich gebracht und tut das immer noch. Tatsächlich bin ich noch weit entfernt von ‚fertig‘. Das überrascht mich immer wieder, denn schließlich nähere ich mich dem ‚Weisheiten-Alter‘ meiner Oma an. Aber – ich lerne immer wieder was Neues, über Dinge, Menschen und mich. Heute waren’s gleich mehrere Dinge:

Es hat sich bestätigt, dass mich Technik zwar begeistern kann, aber sie für mich auch unbedingt und zuverlässig funktionieren muss.
Ich weiß jetzt außerdem (Stimmt nicht ganz, ich hab’s schon ab und zu, so ganz am Rande meiner Persönlichkeit bemerkt.), dass ich sehr ungeduldig werden kann.
Ich habe auch festgestellt, dass sich gewisse Dinge in allen Bereichen des Lebens gleichen, z. B. sowohl beim Umgang mit Laptops als auch mit Menschen können sich Ruhe und überlegtes Handeln durchaus positiv auswirken.

Als ob ich das nicht selbst schon bemerkt hätte! Aber da lohnt es sich vermutlich noch einmal etwas genauer darüber nachzudenken. Wie das eigentlich so ist, mit der Reaktion, die andere Menschen bei einem selbst auslösen. Vielleicht ja ein Thema für die nächsten 1000 Worte.

Ach ja – apropos 1000 Worte! Und ich habe natürlich gelernt, dass ich für 1238 Worte ungefähr 120 Minuten brauche!
 



 
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