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Michael Kempa

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Die Flut


Dezember, 14141 Jahre vor Christus



Hermes, der Magier, ging seiner Wege. Seine Gedanken waren bei Istar, doch einen sicheren Kontakt gab es nicht.

Istar reiste als Senatorin - ohne Auftrag - zu den Laboren am Nil. Der undurchdringliche Dschungel gewährte ihr Schutz und Vergessen.
Die Labore hatten Kontakt zu Atlantis und sogar nach Tanekata, dem Ende der bekannten Welt im Osten.
Aufgeregt kam der Leiter der Labore zu Istar gerannt. Hesto war aufgeregt: „Eine Sprechverbindung aus Tanekata! Istar, du wirst verlangt, Magisto ruft dich. Komm!“
Istar beeilte sich und konnte tatsächlich einige Worte mit Hermes wechseln.
„Wo bist du?“
„Ich rufe dich aus Tanekata, es gibt einen Satelliten im All, der von Atlantis aus gestartet wurde. Die Verbindung hält nicht lange, der Satellit kreist im niedrigen Orbit. Ich bin froh, von dir zu hören, ich kann nun gezielt nach dir suchen.“
„Wer hat den Satelliten gestartet?“, wollte Istar wissen. Die Verbindung hatte schon einige Aussetzer.
„Achte auf deine Träume!“ Das war die letzte klare Botschaft, der Rest wurde rasch unverständlich, die Verbindung war gekappt.
Hesto, der Laborleiter, war geradezu in euphorischer Stimmung, das Gespräch war ihm egal, doch die Technik und der Satellit waren für ihn eine Sensation.
„Hesto, was weißt du über die Raumfahrt auf Atlantis? Wer hat die Satelliten gestartet? Wie sind unsere Kontakte zu den Wissenschaftlern auf der Insel?“
Die Senatorin wollte wissen, wie es um Atlantis stand und wer dort die Wissenschaft vorantrieb.
Hesto war ein Forscher mit Leib und Seele, sein Kerngebiet war die Genetik, doch sein liebstes Hobby war die Raumfahrt, die Kommunikation und alles, was damit in Verbindung stand. Bevor er die Leitung der Genetik übernahm, reiste er lange Zeiten durch das Reich und besuchte auch Atlantis. Hesto war davon überzeugt, dass Reisen bildet, und er erzählte gerne von dem, was er erlebt hatte und auch von dem, was heute seine Aufgabe war.
Mit dem Leiter der Labore hatte die Senatorin einen neuen Verbündeten.
Hesto erzählte: „Den Satelliten hat Mardu, der Herrscher von Istar, gestartet. Istar ist das Land mit den unzähligen Inseln, das Land der Götter. Viel später wurde Istar in Atlantis umbenannt, Mardu wollte die Erinnerung an Istar auslöschen und das ist ihm auch gelungen. Von dem Land Istar spricht man heute nur noch mit vorgehaltener Hand.
Mardu ist mächtig stolz auf seinen Satelliten. Eine weitere Rakete wurde vor ein paar Monaten gestartet, das habe ich in den Sendungen gehört. Natürlich hat unser Institut auch eine Radioanlage, die Sendungen aus Atlantis habe ich immer gerne gehört.“
Istar hörte zu und ließ den Wissenschaftler sprechen.
„Mir ist klar, dass die Zukunft der Menschheit in den Laboren von Atlantis liegt. Es ist die Dynastie der Kauras, mit Mardo als König, er führt die Geschicke der Inseln im Atlantik und auch für den Rest der bekannten Welt.“
Ein Verdacht blitzte in Istars Gedanken auf.
„Mardu - sagst du?“
„Ja, Mardu-Kaura, so ist sein Name.“
„Ich sollte diese Sendungen auch hören“, dachte Istar laut.
Hesto freute sich. „Komm einfach heute Abend in mein Haus, dann können wir die Sendung gemeinsam hören!“
Die Tage am Nil wurden für die Senatorin nicht lang, es gab viel zu katalogisieren, zu forschen und zu notieren.

Dann kam der denkwürdige Sturm.
Die Luft war schwül, die Wolken hingen tief. Das Licht wechselte in einen gelblichen Ton, die Atmosphäre war bedrückend. Unruhig suchten die Tiere ihre Ställe auf, die Menschen schauten besorgt in den Himmel. Die Luft stand still, das Atmen fiel schwer, der Schweiß stand den Bewohnern der Forschungsanlage auf der Stirn. Dunkle Wolken zogen auf, und am späten Nachmittag leuchteten erste Kerzen in den Fenstern. Fernes Grollen war zu hören, der Sturm zog auf.
In der Ferne flackerten die Blitze, die Luft wirkte wie Blei. Istar winkte die Hirten heran. „Kommt ins Haus, bringt euch in Sicherheit!“
„Wir müssen unsere Tiere versorgen.“ Das war die Antwort der Hirten. Frauen liefen von Haus zu Haus und redeten aufgeregt miteinander, Schutz suchten sie nicht.
Die ersten Tropfen fielen, es roch nach feuchtem Staub. Der Wind nahm zu, und erste Windstöße rissen Türen auf und trieben Unrat vor sich her.
Erstes Krachen von Blitzeinschlägen. Sehr schnell wurde das Unwetter bedrohlich. Dann fiel Hagel, kleine Körner, die über den staubigen Boden fegten und im nächsten Moment geschmolzen waren. Auf den Straßen eilten die Menschen in alle Richtungen, niemand suchte ernsthaft Schutz, jeder versuchte, sein Hab und Gut zu sichern, die Tiere einzufangen.
Istar rannte zum Eingang der Katakomben, sie hoffte, dort von den steinernen Bögen geschützt zu werden. Auf dem Weg stand ein kleines Mädchen wie angewurzelt, mit weit aufgerissenen Augen. Sie nahm das Kind einfach mit, riss es weg von der Straße.
Es wurde mitten am Tag Nacht. Nur Blitze ließen Umrisse erkennen. Ein Mensch, der rannte, eine Kuh, die in den schwarzen Himmel schrie, ein Ast, der über den Dorfplatz fegte. War das eine Katze? Im nächsten Moment, mit anderen Einschlägen, andere Bilder.
Die Einschläge waren ohrenbetäubend, Licht und fetzendes Krachen waren eins. Dann begann das Rauschen, ein stetig zunehmendes Inferno zerschlagener Masse. Der Hagel peitschte mit unvorstellbarer Wucht auf die Erde. Schräg angeleuchtet durch die Entladungen der Urgewalten. Der Lärm betäubte die Ohren, drang in den Körper und war niederwerfend.
Das Mädchen in Istars Arm blutete am Kopf. Sie schrie das Kind an, doch ihre Worte wurden einfach weggerissen. Faustdicke Eisstücke überfluteten den Eingang zu den Katakomben und türmten sich meterhoch auf. Nichts blieb wie es war, alles wurde zerstört und durch den Mahlstrom von Eis, Wasser und aufgepeitschter Erde zu einem Brei vermengt, der nichts als den Tod zurückließ.
So schnell, wie das Unwetter gekommen war, so schnell verzog es auch wieder. Die Wirbel der Luft legten sich, das Licht des Abends schien, das Eis taute. Ungläubig starrte das Kind an Istars Seite auf das Hagelkorn, das in seiner Hand schmolz.
Eine unheimliche Stille breitete sich über die Szene, kein Ruf, kein Schrei. Totenstille.
Istar stand am Eingang zu den künstlichen Höhlen, in den noch immer das Wasser gurgelte. Ein paar Schritte weiter war das Wasser tiefer, wie ein Mensch stehen konnte. In den Katakomben konnte niemand überlebt haben.
Auf den Straßen floss das Wasser in breiten Strömen ab.
Die Hagelkörner bedeckten in Haufen die Wege und die Vegetation. So wie das Eis schmolz, gab es den Blick auf die fürchterliche Zerstörung frei. Zerschlagenes Holz und abgerissene Äste, tote Tiere und die Leichen von denen, die sich nicht mehr in Sicherheit bringen konnten. Einige Menschen waren verletzt, manche taumelten im Schock durch das zerstörte Dorf.
Hesto, der Leiter der Forschungsstation, stand fassungslos da, unfähig, eine Aktion zu starten.
In den zwei intakten Gebäuden der Station sammelten sich die Überlebenden und die Verwundeten, es begann eine unruhige Nacht.
Eltern suchten ihre Kinder, Kinder suchten ihre Eltern. Die Verletzten stöhnten, manchmal waren Schreie zu hören - alle Geräusche, die Menschen in Not von sich geben konnten.
Am folgenden Morgen hatte Hesto seine Schreckstarre überwunden und zeigte seine Fähigkeit zu organisieren. In geordneten Gruppen zogen Helfer durch den Ort und suchten nach Überlebenden und nach den Toten. Zwei Massengräber wurden ausgehoben, eines für die Tiere und ein größeres für die Menschen, die nicht überlebt hatten.
Istar wurde von Hesto beauftragt, eine Liste der Opfer zu erstellen. Die Namen im Grab sollten bekannt sein, und die Angehörigen sollten wissen, wo sie trauern konnten. Die ausgehobene Gruft füllte sich erschreckend schnell, und von denen, die keine Namen hatten, machte Istar möglichst genaue Notizen. Der Leichengeruch verschwand, doch aus dem Dschungel wehte ein übler Geruch.
Hesto arbeitete geordnet und konzentriert, er sorgte dafür, dass der Brunnen wieder sauberes Wasser lieferte, und eine gemeinsame Küche verhinderte Hunger und Krankheiten. Die Verwundeten bekamen ihre eigene Hütte, Istar begann, ihre Fähigkeiten in der Medizin unter Beweis zu stellen. Schlaf gab es wenig in dieser Zeit.
Das fremde Mädchen blieb in der Nähe von Istar, suchte aber keinen Kontakt und blieb still, sagte kein Wort und zeigte kaum Regungen, die auf ihren Gemütszustand deuten konnten.
Nach zwei Monaten kehrte Normalität ein. Erste eigene Ernten verbesserten den Speiseplan, aus dem Dschungel wehte eine frische Luft, die der Siedlung willkommene Abkühlung lieferte. Die Wege von der Siedlung und zur Station konnten geräumt werden, endeten nach Kilometern im undurchdringlichen Dickicht.
Hesto zeigte ein erstes Lächeln. „Kollegin, ich kann meine Einladung einlösen!“
Istar verstand nicht sofort.
„Das Radio hat wieder Empfang, ich konnte es reparieren und eine neue Antenne spannen. Auf einem Band kommen Nachrichten, etwas verrauscht, doch verständlich!“
„Woher ist der Strom für den Betrieb?“, fragte Istar.
„Ich habe eine Batterie gebaut, aus Säure und Blei aus den Laboren. Für einige Zeit wird es reichen.“
So lauschten Hesto und die Senatorin den Stimmen aus entfernten Städten.
Die zwei Stunden vor dem Radioempfänger wurden für Hesto und Istar zu einer liebgewordenen Gewohnheit. Es gab Berichte über die Situation in fernen Städten, immer wieder wurde über Fluten und Stürme berichtet. Die Sprecher betonten, dass die Versorgung mit Lebensmitteln sicher sei, die Kornspeicher wohl gefüllt.
Das Dorf bereitete sich auf die Regenzeit vor, die das Leben erhielt und regelte. Saat, Ernte und die Feste liefen in einem ewigen Rhythmus, der das Leben am Nil und weit darüber hinaus bestimmte.
Der Regen blieb dieses Jahr aus, die Feste wurden gefeiert, so wie es der Brauch verlangte.
Es war wieder Zeit für das Radio. Hesto lauschte einem Bericht über Ertragssteigerung im Haferanbau. Seine Gedanken konnten von einem Punkt zu einem anderen problemlos springen - eine schwierige Eigenheit von ihm.
„Istar, was machen wir mit dem Kind?“
Der Gedankensprung überraschte die Senatorin.
„ Du meinst die Kleine, die nichts spricht?“
Hesto nickte bedächtig. „Sie ist nicht aus unserem Dorf, niemand kennt sie, niemand kümmert sich um sie.“
„Hesto?“
„Du hast mich verstanden.“
Die Senatorin kümmerte sich von nun an um das Kind, sie sprach es an und bekam keine Antwort.
Ganz selbstverständlich setzte sich das Mädchen neben Istar an den Tisch zum Essen. Danach nahm das Kind wortlos das Geschirr und ging damit zu dem Platz, an dem abgespült wurde. Istar suchte das Mädchen in der Küche und streckte ihre Hand aus, sie wollte mehr von dem Kind wissen. Elegant entzog sich die Kleine dem Zugriff und verschwand im Dorf. Niemand konnte sagen, wo das Kind war, erst spät am Abend saß sie wie selbstverständlich neben der Senatorin und legte sich wortlos schlafen.
Wie eine Katze, dachte Istar.

Die Senatorin begann in den Nächten zu träumen, immer wieder von Tanekata, immer wieder von Sturm und Regen. Hermes erschien ihr im Traum. Es ist wahr, sagte er.
Die Zeit verging, das nächste Flutfest wurde gefeiert.
Die Straße zum Fluss war weit voran gekommen, der Nil war nun über eine neue Straße erreichbar.
Tanekata war das Thema in einer Radioübertragung. Hesto war etwas gelangweilt. „Kennst du dieses Tanekata? Ich habe nur selten davon gehört.“
„Eine schöne Gegend“, gab Istar knapp zurück.
Hesto zog kurz eine Augenbraue hoch. Den gesendeten Bericht fasste er zusammen: „Der Hafen in Tanekata wird ausgebaut, der letzte Sturm hat den Hafen überschwemmt. Ein neuer Katamaran ist gebaut worden. Treiben wir Handel mit Tanekata?“
„Seit langer Zeit“, antwortete Istar.
Am nächsten Sendeabend wurde über den Dichter berichtet, der Istar verlassen hatte.
„Ist das ein Grund für eine Radiosendung?“ Hesto schaltete das Gerät ab.
„Wie geht es dem Kind?“, fragte er.
„Es lebt, das ist alles was ich sagen kann.“
Hesto zog eine Augenbraue hoch.
Der Regen blieb weiter aus. Vom Dorfbrunnen wurden Gräben gezogen, um die Äcker zu bewässern.

In Atlantis gab es Probleme. Nach dem Dichter verließ auch der Lehrer der Mediziner die Insel, der Agrarminister folgte, und der Dekan gab seinen Posten auf. Die Magier stellten sich gegen Mardu Kaura.
Istar mochte die Sendungen nicht mehr, sie spürte eine schleichende Traurigkeit, die mit jeder schlechten Botschaft ihre Lebenskraft absaugte.
Mardu übernahm die Akademie von Atlantis und verkündete, dass nun er der oberste Gelehrte war.
Mardu Kaura, der Herr der Fliegen, kein Maß, kein Ziel.
Den Gedanken murmelte Istar leise.
Hesto hörte die Worte. „Ist es eine gute Idee, gegen einen mächtigen Herrscher zu sprechen?“

In den nächsten Wochen folgten schlimme Nachrichten aus Atlantis: Die Wissenschaft wurde verboten, Mardu ließ sich zum Kaiser der Welt krönen.
Viele Weise ergriffen die Flucht. Der Gelehrte über die Wolken und den Regen wurde in den Kerker geworfen, im Radio lief die Sendung über seinen Prozess.
„Das ist nicht gut für unser Institut, das ist nicht gut für unser Dorf.“ Hesto klang besorgt.
„Die Kleine macht sich gut, ich denke, sie ist nun Teil unserer Gemeinde. Hast du ihr etwas beibringen können?“
Das war wieder ein Gedankensprung von Hesto, den Istar mit einer hochgezogenen Augenbraue beantwortete.
„Schön!“ So beendete Hesto den Abend.
Das Mädchen berechnete seit Tagen die Wassermengen, die nötig waren, um die Felder zu bewässern. Die Bauern nahmen den Rat des Kindes an und freuten sich über die üppigen Ernten.
Den Lehrstunden von Istar und Hesto folgte das Kind wortlos, danach verschwand die Kleine nicht mehr im Dschungel, sondern wurde oft an den Wasserleitungen zu den Feldern gesehen.
Die Regenfeste wurden weiter gefeiert, doch der Wald wurde immer dürrer. Regen gab es schon lange nicht mehr.
Die ersten Baumriesen standen kahl und anklagend gegen den Himmel.
An den Polen des Planeten brach das Eis und bereitete den Untergang vor.
Die Herrin sprach oft vor dem Schlafen mit dem Kind, sie versuchte ihr Wissen zu teilen und bekam keine Antwort. Das ruhige Atmen zeigte, dass die Kleine eingeschlafen war.
Wie soll ich dich nennen, meine kleine Katze?
Nach dem Erntefest begann das Kind mit einem eigenwilligen Projekt. Die Jungen des Dorfs halfen ihr und schleiften schwere Steine auf den zentralen Platz. Der Schmied hämmerte einige Tage und beteiligte sich an dem seltsamen Tun der Kinder. Ratlos duldeten die Bewohner das Treiben.
Aufgeregt kam Hesto zur Senatorin.
„Das musst du dir ansehen! Die Kleine hat etwas gebaut, das unglaublich ist. Komm auf den Dorfplatz!“
Die Senatorin betrachtete das kleine Bauwerk und erkannte die Funktion. Eine perfekt angelegte Sonnenuhr!
Der Schatten wanderte wahrnehmbar über den Dorfplatz, die wuchtige Zentralstange war lang genug, um einen deutlichen Streifen wandern zu lassen.
Hesto war beeindruckt.
„Schau dir die Markierungen an, für jede Stunde gibt es einen bunten Stein, für die Jahreszeiten kleine Sitzplätze. Selbst das Wasser vom Brunnen fließt in kleinen Schleifen und markiert Saatbeginn und Ernte. Fantastisch!“
Istar suchte nach dem Mädchen und winkte es zu sich heran. Die Kleine kam, Istar griff sie an der Schulter und schaute tief in die Augen der genialen Architektin. Die Iris hatte sie fest im Blick und die Augen des Kindes antworteten in einem undefinierbaren Grau-Blau mit kleinen braunen Sprenkeln. Grün war nicht dabei.
„Ich verstehe das nicht“, murmelte Istar.
Hesto wirkte belustigt: „Na, eine Sonnenuhr!“
„Das meine ich nicht“, gab die Senatorin zurück.
Wer bist du, dachte die Senatorin.
„Catsin ist in Ordnung!“ Das waren die ersten Worte des Mädchens, das alle auf dem Platz hören konnten. Ein zustimmendes Raunen ging durch die Menge.

Die Sonnenuhr wurde berühmt, erste Reisende fragten danach, selbst aus dem Palast kam ein Abgesandter, der sich die Uhr ausgiebig anschaute.
Hermes meldete sich in Istars Träumen.
Catsin ist ein schöner Name. Sie wird auf Reisen gehen.
Catsin wurde nach Alesandria gerufen und baute dort ihre zweite Uhr.
Die dritte Uhr baute sie im Palast des Regenten. Es war eine Sonnenuhr aus Gold, Marmor und Edelsteinen.
Verändert kehrte Catsin aus der Hauptstadt zurück, sie hatte einen Teil der anderen Welt gesehen und spürte die Abgelegenheit ihrer Heimat.

Mit Hesto streifte Catsin durch den Urwald, einige Tagesreisen nach Westen. Der Urwald starb. Tief griff Catsin in den Boden, bis Sand aus ihren Händen rieselte.
„Hesto, dies ist nur der Anfang! Es wird eine Wüste geben, vom Nil bis Atlantis. Vom Nil bis Katena. Dann kommt das Wasser, ich habe es in meinen Träumen gesehen.“
„Träume, was sind schon Träume…“ Hesto wirkte nicht überzeugt, eher verzweifelt.

Die Senatorin wurde mit jedem Jahr schwächer, die Flutfeste wurden trockener.
Hesto brachte ein tragbares Radio an das Krankenbett von Istar, und sie hörten gemeinsam die Berichte aus der Welt.
Den Stürmen und Fluten trotzend, errichtete der Kaiser von Atlantis, Mardu Kauras, eine vergoldete Nadel im Hafen der Stadt Atlantis. Es war sein Zeichen, dass seine Stadt jeder Flut und jedem Wetter widerstehen könnte. Fast 100 Meter hoch ragte seine Macht nun über dem Meer.
Sanddünen versperrten den Landweg zum Atlantik, die Wälder starben, dort wo dichter Wald war, zog sich eine weite Steppe, die Jahr für Jahr, mehr zur Wüste wurde.

„Hesto, der Brunnen ist versiegt, wovon können die Leute leben?“ Istar war besorgt.
„Die ersten Familien haben das Dorf verlassen, sie wollen am Nil siedeln. Ich bin zu alt und bleibe hier. Catsin überlegt noch, was sie tun will.“
Istar schlief ein, träumte von Hermes und wusste, dass er auf dem Weg zum Dorf war.
In dieser Nacht starb Istar, die Königin der Plejaden, die letzte der Reptiloiden.
Catsin entfachte das Feuer, das den Körper der Königin verzehren sollte. Mitten auf dem Dorfplatz im Zentrum der Sonnenuhr loderten die Flammen.
Nur wenige aus dem Dorf sahen dem finalen Schauspiel zu. Hesto schützte mit den Händen sein versteinertes Gesicht vor der Hitze des Feuers. Hermes nahm Catsin an seine Schulter.
Die Flammen spiegelten sich in den hellgrünen Augen von Catsin.

Zeit?
Was ist Zeit?
Das waren die Gedanken von Hermes Trismegistos.





Fortsetzung folgt.
 

wirena

Mitglied
5 Sterne - mein Erleben: spannend, schöne Sprache - fesselte mich - fühlte die Länge des Textes nicht - freue mich auf Fortsetzung - was ist Zeit? interessiert mich.
LG wirena
 



 
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