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Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Heute ist gestern.
Alles ist still und stumm.
Das milchige Licht der Laterne gleicht einer übergestülpten Taucherglocke.
Nichts dringt zu mir.
Ich wage mich zu dir.
Deinem letzten Ort.
Hoffe, wie so oft, auf eine Offenbarung.
Einen letzten Beweis.
Doch schon der Weg vorbei an den Steinen,
den stummen Lichtern,
weißt mir die traurige Wahrheit.
Du bist nicht mehr.
Alleine meine Gedanken halten dich am Leben.
Einem Leben, das nur für mich ist.
Wie oft saßen wir auf dieser Bank.
Gedachten deinen Eltern.
Erkannten, dass sie nur noch Sternenstaub sind.
Das bist auch du.
Tröstlich für mich,
der sich um`s eine Sein bewusst.
Um diesen unfassbaren Augenblick der Wirklichkeit.
Der doch, um´s ad adsurdum`s Willen,
so einzigartig ist.
Mit dieser Bank fing damals alles an.
Ich gedachte deiner auf ihr.
Schrieb meine ersten Worte für dich, für mich.
Wo fängt man an,
wenn es kein Ende, keinen Anfang gibt?
Wenn es letztendlich doch die Unendlichkeit ist,
die einen wie eine Taucherglocke umfängt,
die einen ins endlose Sein entlässt.
 

petrasmiles

Mitglied
Lieber Otto,

ich habe eben Timbuktu von Paul Auster ausgelesen und habe dort einen Satz gefunden, wonach die Erinnerung ein Ort sei, an dem man sich wohlfühlen könne, der tröste, der immer zur Verfügung stünde. Ich habe bis dahin nur den traurigen Aspekt gesehen, dass es ja 'nur' eine Erinnerung sei und die Realität eine andere sein kann. Ich denke, dass man im Laufe der Jahre eine andere Einstellung bekommen kann. Noch habe ich nichts verloren, dass mich diesen Ort aufsuchen lassen würde, noch kommen eher ungelöste Rätsel aus der Erinnerung ins Bewusstsein, aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich irgendwann meine Vergangenheit träumen werde und wahrscheinlich werde ich lächeln dabei.

Vielen Dank für diesen besonderen Text!

Liebe Grüße
Petra
 

John Wein

Mitglied
Man schickt seine Gedanken in die Vergangenheit und findet stumm seinen Trost unter dem Mandelbaum.
„Ich hoffe nichts, ich fürchte nichts; ich bin frei”
Pamphylische Grüße,
John
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Du!
Ich habe einen Mitbewohner.
Also nicht im Haus.
Mehr so in mir.
Und zerwar ist es Slimer, das grüne Monster aus Ghostbusters.
Es kam letzten Donnerstag ganz ungefragt.
Ich wurde wach und dachte noch: Was gehten jetzt ab?
Im nächsten Moment hing ein Teil von ihm in meinem Tempo.
Seitdem betreiben wir so ein Art ‚Fang mich‘ Spiel.
Hin und wieder huste, kotze, niese ich einen Teil von ihm aus.
Meist versteckt er sich in meinem Hals.
Dort röchelt er ghostlike seine atonalen Melodien.
Ich mach kein Auge zu. Bei jedem Atemzug: Hier bin ich…hier bin ich.
Ich hab ihm alles entgegengeworfen.
Hab die stärksten Waffen eingesetzt:
Ingwer, Vividrin, Paracetamol, Transpulmin, Kamillentee, Soldedum.
Inhaliert, eingeworfen, gesnifft, getrunken.
Nix und wieder nix.
Dieses Slimermonster scheint sich ständig zu erneuern.
Knöpf ich ihm was ab, holt er sich´s wer weiß woher.
Heute geht’s zum Doc.
Fällt dem nix ein, brauch ich eure Hilfe.
Vielleicht hat ja eine/r von euch die Nummer von Bill Murray.
Dan Aykroyd?
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Zu spät, liebe Petra. Jetzt kam ihm noch sein geistiger Freund LungOfire zu Hilfe und hat meine Lunge entzündet.
 
Zuletzt bearbeitet:

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Man möchte wen zitieren
Der was ganz Kluges dazu sagte
Möchte shakespeareieren
Eine neue Sprache konzipieren
Aus der nur du sprichst

Aber da ist nichts, außer diesem
‚Ich liebe dich‘

Man möchte Gott sein
Eine jungfräuliche Welt erschaffen
Dort hätten meine Worte Bestand
Weil sie nur dir allein gehörten

Aber da ist nichts, außer diesem
‚Ich liebe dich‘
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich habe Sehnsucht nach einem Seelenrestaurant.

‚Herr Ober, eine Portion Licht bitte‘!
Mir ist so flauerisch, nebulös und schauerlich.
Fühle mich wie ein leergewehter Baum,
dessen Äste sich ergebend zum Himmel strecken.
Im Süden gibt es Sonne, sagte der Nachrichtensprecher.
Glückwunsch, denk ich mir, hier in meinem Norden.
Jetzt fangen auch noch die Glocken an zu läuten.
Beerdigung.
Da stehen sie unter leergewehten Bäumen,
blicken in ein lichtloses Loch und ihre Seelen strecken sich,
ergebend, zum Himmel.
Ein Riss im nebulösen Grauerlei würde genügen.
Aber die Sonne hat sich abgewendet.
‚Herr Ober, kann ich meine Bestellung ändern?
Ich hätte doch lieber einen schwarzen Rahmen.
´Ja, gerne auch mit Trauerflor‘.

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Ich höre dein Rufen aus dem Schattenraum,
dort, wo Nebel ihre Schleier weben
und das Herz wie ein langsam vergehender Funke glimmt.
Du suchst ein Lichtgericht
für die hungrige Seele,
doch der Kellner des Himmels
hat heute Schicht.

Und dennoch —
unter dem grau verhangenen Atem des Tages
zittert ein feines, kaum hörbares Flüstern:
Im Dunkel sammelt sich Wärme,
leise, unaufgeregt,
wie ein Tropfen Trost im gefrorenen Gras.
Vielleicht ist die Sonne nur kurz
um die Ecke gebogen,
nicht abgewendet.

Vielleicht hält sie nur inne
und wartet,
bis dein leergewehter Baum
seine Äste nicht mehr ergibt,
sondern neu ansetzt,
gegen das Grau.

Und während in der Ferne
die Glocken das Leben erschüttern,
spannt sich in dir
ein unsichtbarer Faden aus Hoffnung,
dünn, aber wahr.

„Herr Ober“, sagst du,
„lassen Sie den Rahmen schwarz —
aber legen Sie mir bitte
ein kleines, heimliches Licht hinein.“
 

John Wein

Mitglied
Lieber Otto,
Mir scheint, ein bisschen Herzenswärme könnte dir guttun! Hiermit lass' mich gern deine wunde Seele streicheln.
Sieh' den neuen Tag weihnachtlich, festlich erleuchtet und begrüßt voll Freuden und von mir.
John
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Euch allen ein guten Rutsch (lol)

Du!
Jetzt hamers bald hinter uns.
Gut...hier und da gabs schöne Dinge.
Aber so insgesamt…
Bin froh, dass es vorbei iss.
Wobei…
Denk ich ans nächste Jahr.
Hör mir nur uff.
Mer weiß gar nit, wohin das alles führt.
Da sinn so viele Baustellen.
Löcher, überall Löcher!
Kommste mit der Reparatur kaum hinterher.
Haste mal eins gestopft, iss es woaners wieder undicht.
Und das Schlimmste von allen.
An der undichtesten Stelle uff de Welt, beim Klima,
bleibt alles liegen.
Kein Ingenieur, kein Bautrupp in Sicht.
Vielleicht doch auswandern uff de Mond.
Da iss nix. Kann nix kaputt gehen.
Ich guck gleich ma nach dem Musk seiner Nummer.
Vielleicht hat de Elon ja noch en Platz fürn Dichter und sei Familie.
 

John Wein

Mitglied
Tja, mein liewä Otto,
Da sachste was, die Löchä! Am schlimmste sin awwer die Schwatze Löchä, die alles Wisse üwwer Lewe und Miterlewe in sich einsauche dun. Da is mir der Mond mit seinem lustische Gesischt mehr 'n fröhlichä Bekleider als 'n rühmlichä Auswech.
Hatschih! Schnell Mamma 'n Sacktuch!
Gruß und Anfangsjahrwunsch
John, the Rednose
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Du!
Es gibt Tage, an denen wirste wiedergeboren.
Gestern war so ein Tag.
Einer, von denen du glaubst, dass dir das Ende verkündet wird.
Haste innerlich schon abgeschlossen.
In Gedanken `ne Abschiedsrede formuliert, die jemand für dich vorträgt.
Musikwunsch ist längst notiert.
Siehst schon seit geraumer Zeit in die Gesichter,
in denen sich Trauer spiegeln wird.
Bei manchen eine ewige Trauer.
Kannste aber nix machen.
Ei die weil du ja nicht mehr da bist.
So von wegen Trost und so.
Bist in Gedanken der untröstlichste Trauernde.
Sitzte da und wartest auf das Urteil.
Und dein persönlicher Gott verkündet dir, dass es noch nicht Zeit ist.
Musste erst einmal mit klar kommen.
Ei die weil man sich schon längst auf Wolke 7 gesetzt hat.
Und auf einmal, von mir nix dir nix, haste noch Zeit.
Kann natürlich immer was kommen.
Aber die abgelaufene Zeit ist zwar abgelaufen,
aber dahinter ist ein Leben.
Ein ganz neues unerwartetes Leben.
Könnste fast an Gott glauben.
Zumindest an Elfen und ihren Zauber.
Da bin ich.
Ohne wenn und aber.
 

John Wein

Mitglied
Es gibt Tage, an denen wirste wiedergeboren.
Gestern war so ein Tag.
Einer, von denen du glaubst, dass dir das Ende verkündet wird.
Ja lieber Otto, Wanderer zwischen den Welten.
Ich gönne dir von Herzen diesen süßen Glückskeks. Doch hätt' ich gern 'mal bisschen Hintergrund gewusst. Was war denn Jenes, das dein Gefühlshaushalt so plötzlich umgekrempelt hat? Es wär sonst doch nur eine spritzig formulierte Beschreibung dessen.
Mit Frage und verspätetem Neujahrsgruß aus dem wintersportverwöhnten Rheinland (ich brauch noch zwei kräftige Hände und Gottes Hilfe, um das Anwesen auszugraben). Ich seh' nur noch Weiß!
John
 



 
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