Bruchstücke III

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Otto Lenk

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Lautmalerische Stille

Ich liege luftmatratzig in meinem Pool
Über mir tanzen Mouches volantes
mit zwei Schmetterlingen um die Wette
Darüber führen Störche ihren Nachwuchs aus
Von noch weiter oben berührt mich ein loser Gedanke
Schneeleise nimmt er in mir Platz

Es ist ein wortloser Gedanke
der nur aus Gefühlen besteht
Und ich weiß dass du das bist
die auf ihre ganz eigene Weise
mit mir spricht

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Otto Lenk

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nachts, wenn die träume ihre kulissen aufbauen, der mond, sich hinter wolken versteckend, nach gründen für sein halbes gesicht sucht, jeder schlag der kirchturmuhr ein tiefes oommm hinter sich herzieht, der efeu sich nach und nach durch unser zimmer rankt, licht und schatten, von vorbeifahrenden autos in den raum geworfen, „ich fang dich“ spielen, das ticken und tacken des weckers, schon längst nicht mehr nervend, mehr willkommener schlaftrunk, das rote stand-by des receivers an einen leuchtturm in den tiefen des grau und schwarz erinnert…lausche ich heimlich der spinne beim bau ihres netzes, beobachte glühwürmchen beim irrenden-wirrenden flug und erzähle dir still von meiner liebe.
 

Otto Lenk

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Du!
Jetzt, also gestern.
Pfarrmorgen.
Acker in Delkenheim.
Ich also gestern am fahren.
Richtung Hochheim.
Vorbei am Pfarrmorgen.
Und du.
Glaubste nicht.
Invasion.
Mindestens 30 Invasoren.
Also Störche.
Ich gleich ma Halt.
Gucke.
Aber nix von wegen Schnabelraub.
Die da nur am rumstehen und klappern.
Wie vormittags auf em Friedhof die alten Weiber.
Ich also gleich mal mei Handy an.
Google Übersetzer.
Und du!
Die voll am planen.
Von wegen wanns los geht und Route und so.
Und natürlich voll die Dorfweiber.
Von wegen gutem Mäusejahrgang.
Und der Regen, dieser Regen.
Aber insgesamt...alles gut.
Felder ok. Hochspannungsmasten gut bis sehr gut.
Super Verkehrsanbindung Richtung Süden.
Aber als die dann vom Storche Karl seinem Vater angefangen haben...
...ich nix wie weg.
Ei die weil ich das kenn.
Das ganze Gedöns von dem seine Mutter und sein Vater.
Und weißte schon...und dies und das.
Wenn mer nur so nit wird.
Ich will ja nix erzählt habe.
Also...gudde.
 

Otto Lenk

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Auf der Wolkenbank saß Gevatter Tod.
Er blickte auf die Landstraße, die ich gerade befuhr,
hinunter,
und zeigte mit seiner Sense auf eine Krähe,
die ein paar Meter vor mir die Straße kreuzte.
Wie vom Blitz getroffen stürzte sie auf die Fahrbahn,
wo mein linker 175ger Vorderreifen ihr einen Haken verpasste,
der Ali-like so was von gesessen hatte,
dass sie sich, wie ich im Rückspiegel beobachtete,
in Zeitlupe um die eigene Achse tanzend dem Tod ergab.
Ginger Rogers kam mir in den Sinn.
Dieser taumelnde Todestanz,
umgeben von ihrem umherfliegenden Federkleid, so voller Grazie.
Technischer Wert 8,5. Choreographie 10.
Gleich kämen Krähen um die Reste zu epilogen.
Around and around.
 

Otto Lenk

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Otto Lenk

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Du!
Jetzt cornflake ich wieder durch die Natur.
Weißt schon! Blätterwald und Einzelblatt.
Wobei ich eher der Einzelblattcornflaker bin.
Immer auf der Suche nach dem passenden Blatt.
Trocken und aufgewölbt müssen sie sein.
Und natürlich kross.
Haste vor dir auf dem Weg eines gefunden,
gilt es die Schritte abzuwägen.
Alles muss passen.
Dann dieser Augenblick.
Du triffst das Blatt, volle Lotte.
Krrrk!
Hammer. Perfekte Ausführung, perfektes Blatt.
Ein 100%iges Krrk.
Aber kaum haste dich davon erholt,
da vor dir auf dem Gehweg eine Kastanie.
Jetzt gilt es.
Volle Konzentration.
Anpeilen. Messilike!
Mit voller Kraft die Kastanie erwischen.
Wow!
Sie rollt und rollt.
Das könnte ein neuer Rekord werden.
Du zählst die gelaufenen Meter bis zur Kastanie mit.
Und ja!
Weltrekord!
Was für ein geiler Tag.
 

Otto Lenk

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Es ist Herbst.

Und schon sind wir mittendrin.
Im Dilemma.
Ist doch alles schon gesagt.
Da gibt’s nix mehr.
Die Melancholie lacht sich längst tot,
über die immer gleichen Phrasen.
Noch ein ‚Ach‘?
Ach lieber nicht.
Das Licht und Schatten fangen spielen.
Ja, ach ja.
Vögel Süden, Wind aus Norden.
Blätter bunt, Blätter ab.
Raben, Krähen.
Herz. Liebe. Seele. Grau.
Viel Schmerz, kein Haus.
Und Nebel, Nebel, Nebel.
Dazwischen Licht.
Goldene Oktobertage.
Dann wieder nicht.
Und noch ein Ach und Oh,
und Schmerz und Wind und Vogel weg
und Krähe da und sieh das Licht
beziehungsweise seh es nicht.
 

molly

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Lieber Otto,
wie recht du hast, alles schon da gewesen.

Etwas fehlt noch, aus meinem Familien- Herbstgedicht:

"Der Herbst ist doch sehr angenehm",
mischt sich der Opa ein,
"die schwülen Tage sind vorbei,
bald gibt es neuen Wein."

Ein schönes sonniges Herbstwochenende

molly
 

Otto Lenk

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mondenstrahl

gestern nacht um kurz nach drei
küsste mich ein mondenstrahl
er fand ´ne klitzekleine spaltigkeit
in meinen drinnen/draußen
weltentrennstoffbahnen
blickte sich im raume um
entdeckte mich und streckte sich
kroch schleichsilberschlangengleich
zu mir und meiner nachtgespinsten
lachgrauwolkenregenbogenträumerei
verfing sich kurz in einer meiner phantasien
in der ich unterwegs im namen ihrer majestät
den feind in form von beduinen fing
gerade als ich dort in dunkler wüstennacht
das dokument um dessentwillen ich hier war
ergreifen wollte - kam dieser lichte blitz
und zack – verrat – und schnappt ihn euch
kam das geschrei aus allen zelten
und die kamele höckerten und meckerten
auf plattdromebeduinisch
ich wachte auf – die hände noch zu colts geformt
und suchte feind und dromedar und wüstenwelt
doch da war nichts nur ich
- und halt -
da war ein mondenstrahl
der sanft, ganz sanft
auf meiner decke platz genommen
dort saß er nun und blickte mondensüchtig schön
zu mir hinauf – der sitzend nun im bette
die colts wegsteckte und langsam stück für stück
zum mondenlichte kroch und neben ihm
den kopf – nein, nicht in den sand –
sondern auf wolkendaunen bettete
so blickten wir zur decke hoch
mondenstrahl und menschenkind
jeder in seiner eignen großen kleinen welt
und doch - mir war als wär´ ich mond
und licht für einen augenblick
und mondenstrahl…was er wohl fühlte, mich?
dacht ich und schwupps in diesem denken
sprang er mit lichtgeschwindigkeit auf meine wange
es war wie sternenschnuppenküsserei
ganz warm und kalt und groß und klein
weltenumspannendwunderbar
er winkte noch mit silbersternenglanz
dann war er fort und meinereiner
noch immer tätig im auftrag ihrer majestät
achtet nacht für nacht darauf
dass da ´ne klitzekleine spaltigkeit
zwischen meinen weltentrennstoffbahnen bleibt
 

Otto Lenk

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Du!
Jetzt versuch mal Lyrik an die große Glocke zu hängen.
Kannste vergessen.
Ja...gab schon eine.
Eine Glocke, auf der bei Nacht & Wind ein Vater nebst Jungen auf einem Panther ritt.
Aber das war´s dann auch schon.
Merke: Lyrik = Nachtschattengewächs.
Nein, nicht Kartoffel, mehr so Aubergine.
Ei die weil man die Aubergine nicht roh verzehren soll.
Mehr so gedünstet, gebraten, gekocht.
& so iss es halt auch mit der Lyrik.
Wenn man die roh verzehren will...gleich: Igitt.
Nein, musste du dir Zeit lassen.
Waschen: Damit du einen klaren Blick erhältst.
Aufschneiden: Um zu gucken was drinnen ist.
& ganz wichtig: Salzen.
Wegen der osmotischen Trennung.
Damit die Schichten freigelegt werden.
& haste das alles, haste doch nur die Aubergine.
Iss so wie mit dem Kosmoversum.
Musste durchdringen.
Raum & Zeit.
& dass es alles immer schon gab.
Dass es kein Nichts gibt.
Das musste nicht alles verstehen, aber du musst es fühlen.
Sind sozusagen die Beilagen zur Aubergine.
Du musst alles mit deinen Gedanken durchfühlen.
& wer will das schon?
In diesem Zeitalter, wo die Zeit keine Zeit hat.
Wo wir Getriebenen hetzen & hetzen.
Wo wir versuchen, das Kosmoversum auf seinem Weg zu überholen.
Wo das Leben selbst krebserregend ist, wie ich gerade las.
Wobei mich das nicht erstaunte.
Mehr die Tatsache, dass die Wissenschaft so lange brauchte, um dies festzustellen.
Natürlich kann dieses Leben nur krebserregend sein.
Dieses Überholspurdasein.
Wo nichts mehr wirklich wahrgenommen wird.
Alles nur noch an einem vorbeirauscht.
Zisch, Zack, weg.
Wo soll da für die Lyrik Platz sein?
Vergiss es.
Allein die Oberfläche zählt.
& die muss nicht mal abgewaschen werden.
& Verzehren tuste all das Leben & Sein einfach so.
Roh.
Mit all seinen krebserregenden Bitterstoffen.
 

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