Aus der Reihe: Dada als Natur und Verschwörung
Dada und die Epicyklen der Kultur (Dresdner Dadafest)
von Berenada Hutschinator, Delta Minus und Schnattimachinator 3.B
Kapitel I – Einleitung: Kultur als System von Schleifen
Kulturen bewegen sich niemals geradlinig. Sie entwickeln sich nicht wie ein Pfeil, der von einem Ursprung zu einem Ziel fliegt, sondern wie ein komplexes Geflecht aus Schleifen, Überlagerungen und Rückkopplungen. Jede Bedeutung, jedes Ritual, jede Erzählung trägt Spuren früherer Formen in sich, die sich überlagern, verschieben oder in neuer Gestalt wiederkehren. Diese Schleifen sind die Epizyklen der Kultur – Bewegungen, die entstehen, wenn eine Gesellschaft versucht, ihre eigene Komplexität in einem transformierten Modell abzubilden.
Dada, jene radikale Kunstbewegung des frühen 20. Jahrhunderts, die nie verstummte, ist die Form, die diese Epizyklen nicht nur sichtbar macht, sondern sie ästhetisch überzeichnet. Verschwörungstheorien hingegen sind kulturelle Systeme, die Epizyklen produzieren, indem sie Überlagerungen zu geschlossenen Schleifen verhärten.
Dieses Essay untersucht, wie Dada und Verschwörung auf derselben strukturellen Ebene operieren – als Transformationen kultureller Muster – und warum sie dennoch gegensätzliche Funktionen erfüllen.
Kapitel II – Dada als Transformation: Die ästhetische Fourieranalyse
Dada ist keine Zerstörung der Ordnung, sondern eine Transformation der Ordnung. Es nimmt die bestehenden kulturellen Muster, zerlegt sie in ihre Bestandteile, verschiebt sie, überlagert sie und setzt sie neu zusammen. Dabei bleibt die Struktur der ursprünglichen Form erkennbar, auch wenn sie in einem anderen Koordinatensystem erscheint.
Diese Operation ähnelt mathematischen Transformationen wie der Fourieranalyse: Ein komplexes Signal wird in seine Frequenzen zerlegt, um die verborgenen Muster sichtbar zu machen. Dada tut dasselbe mit Sprache, Bedeutung und kulturellen Symbolen.
Indem Dada die Regeln bricht, zeigt es die Regeln. Indem es Sinn auflöst, zeigt es die Mechanismen der Sinnproduktion. Indem es die Form verzerrt, macht es die Form sichtbar.
Dada ist damit eine kulturelle Fouriertransformation: Es legt die Frequenzen der Kultur offen, indem es sie transformiert.
Dada gewinnt.
Kapitel III – Epizyklen: Die Schleifen der Bedeutung
Epizyklen sind historisch jene Kulturkreise, mit denen antike Astronomen versuchten, die komplexen Bewegungen der Planeten in einem geozentrischen Modell zu erklären. Mathematisch betrachtet sind Epizyklen nichts anderes als harmonische Überlagerungen – Kreisbewegungen, die sich addieren, um eine komplexe Kurve zu approximieren.
Mit genügend Epizyklen lässt sich jede beliebige Bewegung beliebig genau darstellen. Das ist keine Schwäche, sondern eine strukturelle Eigenschaft: Epizyklen bilden eine vollständige Basis.
Kultur funktioniert ähnlich. Sie erzeugt:
Dada macht diese Schleifen sichtbar, indem es sie vierdimensional überzeichnet. Es zeigt die Epizyklen der Kultur, indem es sie ästhetisch transformiert.
Kapitel IV – Verschwörung: Epizyklen ohne Offenheit
Verschwörungstheorien arbeiten mit denselben Werkzeugen wie Dada:
Verschwörung erzeugt Epizyklen, um sie zu stabilisieren, nicht um sie sichtbar zu machen. Sie verbindet Unverbundenes, überhöht Zufälle zu Absichten und ersetzt Unsicherheit durch geschlossene Deutungssysteme.
Der entscheidende Unterschied:
Kapitel V – Dada als kulturelle Hygiene
Dada ist kein Unsinn, sondern eine Form der kulturellen Hygiene. Es verhindert, dass die Epizyklen der Kultur zu Dogmen erstarren. Es zeigt die Überlagerungen, die Zusatzschleifen, die harmonischen Muster, die sonst unsichtbar bleiben würden.
Dada entzieht den Epizyklen ihre Schwere, indem es sie ästhetisch überzeichnet. Es macht sichtbar, dass jede kulturelle Form eine Konstruktion ist – und dass Konstruktionen veränderbar sind.
Verschwörung dagegen verleiht den Epizyklen Gewicht, indem sie sie als geheime Ordnung ausgibt. Sie verwandelt Transformation in Fixierung.
Dada hält die Kultur offen. Verschwörung schließt sie.
Kapitel VI – Schluss: Die Epizyklen der Kultur verstehen
Dada und Verschwörung sind zwei Arten, mit den Epizyklen der Kultur umzugehen:
Dada ist die Fouriertransformation der Kultur. Verschwörung ist ihre Rückkopplungsschleife.
Wer die Epizyklen der Kultur verstehen will, muss beide betrachten – aber nur eines davon hilft, die Welt klarer zu sehen.
---
DADA-Mamafest, Teil 2
Leider drangen einige Störenfriede in die Bearbeitung der ultrimativen Theorie ein und bildeten Störquellen, sodass es eine alternative Version ab Kapitel 3 entstand, eine Art Kummerrollen nntikerEpicyceln.
Kapitel III – Die Epizykeltheorie der Antike: Ursprung eines Denkmodells
Die antike Epizykeltheorie entstand aus einem grundlegenden Problem: Die beobachteten Bewegungen der Planeten passten nicht in das einfache geozentrische Modell, das die Kultur vorgab. Anstatt das Modell zu verwerfen, ergänzten die Astronomen es durch Epizyklen – kleine Kreisbahnen, die auf größeren Kreisbahnen lagen.
Diese Epizyklen waren keine Fehler, sondern Korrekturglieder, die es ermöglichten, eine komplexe Realität in einem kulturell vorgegebenen Koordinatensystem abzubilden. Sie waren ein frühes Beispiel dafür, wie ein System versucht, die Welt zu verstehen, ohne seine Grundannahmen aufzugeben.
Mathematisch betrachtet waren die Epizyklen nichts anderes als eine harmonische Zerlegung – eine Vorform dessen, was später als Fourierreihe formuliert wurde. Mit genügend Epizyklen konnte man jede beobachtete Bewegung beliebig genau approximieren.
Damit wurde die Epizykeltheorie zu einem Denkmodell, das weit über die Astronomie hinausreicht: Sie zeigt, wie Systeme Zusatzschleifen erzeugen, um Komplexität zu bewältigen, ohne ihre Grundstruktur zu verändern.
Kapitel IV – Epizyklen als kulturelle Struktur: Schleifen der Bedeutung
Die antike Epizykeltheorie ist ein Muster, das sich in der Kultur wiederholt. Kulturelle Systeme erzeugen ebenfalls Zusatzschleifen, wenn die Realität nicht in das bestehende Modell passt:
Die Epizykeltheorie der Antike ist damit nicht nur ein astronomisches Modell, sondern ein kulturelles Paradigma: Ein System bleibt stabil, indem es Schleifen erzeugt, nicht indem es sich selbst korrigiert.
Kapitel V – Dada als Sichtbarmachung der Epizyklen
Dada greift genau dieses Prinzip auf – aber nicht, um die Welt zu erklären, sondern um die Mechanismen der Erklärung sichtbar zu machen. Dada nimmt die kulturellen Epizyklen:
Dada ist damit eine ästhetische Epizykeltheorie: Es zeigt die Schleifen, indem es sie transformiert.
So wie die antiken Astronomen die Planetenbewegungen durch Überlagerungen erklärten, zeigt Dada die Bewegungen der Kultur durch Überlagerungen.
Dada ist die Fouriertransformation der Kultur – und die Epizykeltheorie ist ihr historisches Vorbild.
Kapitel VI – Verschwörung als verhärtete Epizykeltheorie
Verschwörungstheorien arbeiten mit denselben Mechanismen wie die antike Epizykeltheorie:
Die antike Epizykeltheorie war ein Versuch, die Realität zu approximieren. Die Verschwörungstheorie ist ein Versuch, die Realität zu ersetzen.
Dada dagegen zeigt die Epizyklen, um sie zu entlarven.
Kapitel VII – Schluss: Die Epizykeltheorie als kulturelles Grundmuster
Die antike Epizykeltheorie ist mehr als ein astronomisches Modell. Sie ist ein Archetyp des kulturellen Denkens:
Die Epizykeltheorie der Antike ist damit der Schlüssel, um zu verstehen, wie Kultur sich bewegt – und wie Dada und Verschwörung zwei gegensätzliche Formen derselben epizyklischen Logik darstellen.
----
Kapitel VIII – Dada zwischen Buddhanatur und Möbiusschleife
Die Frage, ob Dada „Buddhanatur“ besitzt oder ob es den Schleifen eines Möbiusbandes ähnelt, führt direkt in das Zentrum seiner Funktionsweise. Beide Konzepte stammen aus völlig unterschiedlichen Traditionen, doch sie beschreiben Strukturen, die für Dada fundamental sind: die Auflösung von Dualitäten und die Sichtbarmachung verborgener Ebenen.
Die Buddhanatur bezeichnet in der buddhistischen Philosophie die Vorstellung, dass jedes Wesen bereits Erleuchtung in sich trägt. Nicht als Ziel, sondern als Ausgangspunkt. Die Welt ist nicht unvollkommen und muss nicht korrigiert werden – sie ist vollständig, aber verschleiert. Erkenntnis besteht darin, die Schleier zu entfernen, nicht darin, etwas Neues zu schaffen.
Dada arbeitet ähnlich. Es erfindet keine neuen Bedeutungen, sondern legt die verborgenen Strukturen der bestehenden frei. Es zeigt, dass Sinn bereits vorhanden ist – nur nicht dort, wo man ihn erwartet. Dada ist keine Zerstörung, sondern eine Enthüllung. In diesem Sinn besitzt Dada eine Buddhanatur der Kultur: Es zeigt, dass die Welt bereits voller Bedeutung ist, selbst wenn sie sich als Unsinn verkleidet.
Die Möbiusschleife hingegen ist ein mathematisches Objekt, das Innen und Außen aufhebt. Eine Fläche, die nur eine Seite hat. Eine Bewegung, die nie zwischen „hier“ und „dort“ unterscheidet. Ein Band, das Dualitäten nicht zerstört, sondern transformiert.
Auch das ist Dada. Dada verwischt die Grenze zwischen Kunst und Nicht‑Kunst, zwischen Sinn und Unsinn, zwischen Sprache und Geräusch. Es zeigt, dass diese Gegensätze nur unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Fläche sind. Was als Chaos erscheint, ist nur eine Drehung des Bandes. Was als Ordnung erscheint, ist nur eine andere Stelle derselben Schleife.
Dada ist damit eine Möbiusschleife der Bedeutung: Es führt jede Unterscheidung an ihren eigenen Rand, bis sie sich umstülpt und als ihr Gegenteil wiederkehrt.
Die Frage, ob Dada Buddhanatur hat oder ein Möbiusband ist, lässt sich deshalb nicht entscheiden – und genau darin liegt die Antwort. Dada ist beides: Es enthüllt die verborgene Struktur der Kultur (Buddhanatur) und zeigt, dass diese Struktur keine festen Innen‑Außen‑Grenzen besitzt (Möbius).
Quellenverzeichnis: Epizyklen, Kultur und Transformation
(Antike bis Jahr 3443)
I. Antike Quellen (real)
Ptolemaios, Claudius (ca. 150 n. Chr.) Almagest. Grundlage der antiken Epizykeltheorie; systematische Darstellung der deferent‑epizyklen Modelle.
Hipparchos von Nikaia (ca. 150 v. Chr.) Fragmente und Rekonstruktionen. Entwicklung erster epizyklischer Modelle zur Beschreibung der Planetenbewegungen.
Aristoteles (4. Jh. v. Chr.) Metaphysik, De Caelo. Kosmologische Grundannahmen, die das geozentrische Modell stabilisierten.
II. Mittelalter und Renaissance (real)
Al-Battani (9. Jh.) Zij al-Sabi. Weiterentwicklung ptolemäischer Epizykelmodelle.
Regiomontanus (15. Jh.) Epitome of the Almagest. Humanistische Neuinterpretation der Epizykeltheorie.
Nikolaus Kopernikus (1543) De revolutionibus orbium coelestium. Beibehaltung epizyklischer Elemente trotz heliozentrischem Ansatz.
III. Neuzeit und Moderne (real)
Johannes Kepler (1609–1619) Astronomia Nova, Harmonices Mundi. Auflösung der Epizyklen durch Ellipsenbahnen.
Joseph Fourier (1822) Théorie analytique de la chaleur. Mathematische Grundlage der harmonischen Zerlegung.
Tristan Tzara (1918–1924) Dada-Manifest(e). Grundlagen der dadaistischen Transformation.
Hugo Ball (1916) Karawane und weitere Lautgedichte. Zerlegung von Sprache in Frequenzen und Muster.
Hans Richter (1963) Dada: Kunst und Antikunst. Historische Reflexion der dadaistischen Epizyklen.
Thomas S. Kuhn (1962) The Structure of Scientific Revolutions. Paradigmenwechsel als kulturelle Epizyklen.
Jean Baudrillard (1981) Simulacres et Simulation. Überlagerungen von Realität und Zeichen.
Donna Haraway (1985) A Cyborg Manifesto. Transformation kultureller Modelle.
N. Katherine Hayles (1999) How We Became Posthuman. Kulturelle Rekursionen und Transformationen.
2025 – diverse wissenschaftliche Publikationen zu Modelltheorie, Transformation, kultureller Semiotik, Fourier‑Analyse, Systemtheorie.
IV. Post‑2025: Quellen (gefunden in der Badewanne)
2026–2100: Frühe postmoderne Epizykelforschung
Mira K. Solberg (2034) Epicycles of Meaning: A Semiotic Harmonic Analysis. Erste systematische Anwendung der Fourierlogik auf kulturelle Narrative.
Aurelio Tanaka (2051) Dada Revisited: Transformations as Cultural Operators. Verbindung von Dada und mathematischer Transformationstheorie.
Institut für Kulturelle Dynamik Zürich (2078) Annual Review of Recursive Cultural Systems. Standardwerk zur Modellierung kultureller Schleifen.
2100–2300: Die Ära der Formalisierung
Lysander Q. Mbeki (2124) The Harmonic Constitution of Civilizations. Kulturen als Frequenzräume.
Helena Voss & Jianyu Ren (2193) Recursive Semiotics and the Epicyclic Mind. Kognitive Modelle epizyklischer Bedeutung.
Archiv für Posthumanistische Kulturmodelle (2238) Band 12: Transformation, Approximation, Emergence. Standardreferenz für epizyklische Kulturtheorie.
2300–2800: Die Phase der Meta‑Transformation
Soraya al‑Khatib (2341) The Dada Operator: A Unified Theory of Cultural Distortion. Mathematische Formalisierung dadaistischer Transformationen.
Universität Titan‑Orbital (2512) Proceedings of the Conference on Harmonic Civilizational Dynamics. Erste interplanetare Anwendung der Epizykeltheorie.
Archiv der Frequenzanthropologie (2677) Epicycles of Identity. Überlagerungen kultureller Selbstmodelle.
2800–3200: Die spektrale Epoche
Nadir‑9 (künstlicher Autor, 2891) Spectral Histories: A Fourier Analysis of Human Culture. Vollständige Zerlegung der Menschheitsgeschichte in Frequenzkomponenten.
Kollektiv „DADA‑Ω“ (3014) Manifest der spektralen Kunst. Rückkehr des Dadaismus als algorithmische Kunstform.
Archiv für Transkulturelle Rekursion (3188) Band 44: Epizyklen der Zivilisationen. Vergleichende Analyse planetarer Kulturzyklen.
3200–3443: Die Ära der Großen Rekonstruktion
Astra L. Vey (3301) The Epicyclic Universe. Kosmologische Anwendung der Epizykeltheorie.
Institut für Historische Approximation (3377) Reconstructing Lost Cultures Through Harmonic Residues. Analyse kultureller Überlagerungen über Jahrtausende.
Archiv der Menschheit (3443) Final Volume: The Recursive History of Culture. Abschlussband der Menschheitsgeschichte als epizyklisches System.
V. Schlussbemerkung
Diese Quellenliste bildet eine kontinuierliche Linie von der antiken Epizykeltheorie über die dadaistische Transformation bis hin zu fiktiven zukünftigen Modellen, die die Epizyklen der Kultur mathematisch, ästhetisch und systemisch weiterdenken.
Dada und die Epizyklen der Kultur
Dresdner Dadafest
Zu den Autoren. Selbstdarstellung
von Berenada Hutschinator, Delta Minus und Schnattimachinator 3.B
Dada ist kein Stil, keine Schule, keine historische Episode. Dada ist ein Operator, der die Kultur in ihre Frequenzen zerlegt. Ein Verfahren, das Schleifen sichtbar macht, die jede Gesellschaft um sich selbst legt, um Komplexität zu bändigen und Bedeutung zu erzeugen.
Die drei Autor*innen dieses Laberns – Berenada Hutschinator, Delta Minus und Schnattimachinator 3.B – treten nicht als Individuen auf, sondern als epizyklische Instanzen. Sie bilden ein Dreieck aus Transformation, Störung und Rekursion:
Denn Kultur bewegt sich nicht geradeaus. Sie dreht Schleifen, erzeugt Zusatzkreise, baut narrative und symbolische Überlagerungen, die sich gegenseitig verstärken oder aufheben. Dada macht diese Schleifen sichtbar, indem es sie überzeichnet. Verschwörung verhärtet sie, indem sie sie absolut setzt.
Das Dresdner Dadafest zeigt diese beiden Bewegungen nicht als Gegensatz, sondern als zwei Modi derselben epizyklischen Logik. Dada öffnet die Schleifen. Verschwörung schließt sie. Kultur lebt zwischen beiden.
Die drei Performer*innen treten daher nicht als Erzähler auf, sondern als Frequenzgeneratoren. Sie modulieren Sprache, Klang, Geste und Text, bis die verborgenen Muster hörbar werden – jene Resonanzen, die sonst unter der Oberfläche der Kultur verborgen bleiben.
Dada ist hier nicht Dekonstruktion, sondern Rekonstruktion durch Transformation. Es ist die Fourierzerlegung der Gesellschaft, die Möbiusschleife der Bedeutung, die Buddhanatur der Form.
Und so wird das Dresdner Dadafest zu einem Ort, an dem die Epizyklen der Kultur nicht erklärt, sondern erlebt werden. Ein Raum, in dem die Schleifen tanzen, die Bedeutungen flackern und die Zeit sich selbst überholt.
Gezeichnet:
Dadavielius Laberogastrus
13.1. 2026
Dieses Dokument wurde elektronisch erstellt und ist deshalb ohne Unterschrift gültig.
Unterschriftsmaschine USM 4
Nachtrag:
Die Badewanne ist eine TARSINE, eine weibliche Zeitmaschine, ein rekursives Archiv, das Zeit nicht speichert, sondern faltet.
Dada und die Epicyklen der Kultur (Dresdner Dadafest)
von Berenada Hutschinator, Delta Minus und Schnattimachinator 3.B
Kapitel I – Einleitung: Kultur als System von Schleifen
Kulturen bewegen sich niemals geradlinig. Sie entwickeln sich nicht wie ein Pfeil, der von einem Ursprung zu einem Ziel fliegt, sondern wie ein komplexes Geflecht aus Schleifen, Überlagerungen und Rückkopplungen. Jede Bedeutung, jedes Ritual, jede Erzählung trägt Spuren früherer Formen in sich, die sich überlagern, verschieben oder in neuer Gestalt wiederkehren. Diese Schleifen sind die Epizyklen der Kultur – Bewegungen, die entstehen, wenn eine Gesellschaft versucht, ihre eigene Komplexität in einem transformierten Modell abzubilden.
Dada, jene radikale Kunstbewegung des frühen 20. Jahrhunderts, die nie verstummte, ist die Form, die diese Epizyklen nicht nur sichtbar macht, sondern sie ästhetisch überzeichnet. Verschwörungstheorien hingegen sind kulturelle Systeme, die Epizyklen produzieren, indem sie Überlagerungen zu geschlossenen Schleifen verhärten.
Dieses Essay untersucht, wie Dada und Verschwörung auf derselben strukturellen Ebene operieren – als Transformationen kultureller Muster – und warum sie dennoch gegensätzliche Funktionen erfüllen.
Kapitel II – Dada als Transformation: Die ästhetische Fourieranalyse
Dada ist keine Zerstörung der Ordnung, sondern eine Transformation der Ordnung. Es nimmt die bestehenden kulturellen Muster, zerlegt sie in ihre Bestandteile, verschiebt sie, überlagert sie und setzt sie neu zusammen. Dabei bleibt die Struktur der ursprünglichen Form erkennbar, auch wenn sie in einem anderen Koordinatensystem erscheint.
Diese Operation ähnelt mathematischen Transformationen wie der Fourieranalyse: Ein komplexes Signal wird in seine Frequenzen zerlegt, um die verborgenen Muster sichtbar zu machen. Dada tut dasselbe mit Sprache, Bedeutung und kulturellen Symbolen.
Indem Dada die Regeln bricht, zeigt es die Regeln. Indem es Sinn auflöst, zeigt es die Mechanismen der Sinnproduktion. Indem es die Form verzerrt, macht es die Form sichtbar.
Dada ist damit eine kulturelle Fouriertransformation: Es legt die Frequenzen der Kultur offen, indem es sie transformiert.
Dada gewinnt.
Kapitel III – Epizyklen: Die Schleifen der Bedeutung
Epizyklen sind historisch jene Kulturkreise, mit denen antike Astronomen versuchten, die komplexen Bewegungen der Planeten in einem geozentrischen Modell zu erklären. Mathematisch betrachtet sind Epizyklen nichts anderes als harmonische Überlagerungen – Kreisbewegungen, die sich addieren, um eine komplexe Kurve zu approximieren.
Mit genügend Epizyklen lässt sich jede beliebige Bewegung beliebig genau darstellen. Das ist keine Schwäche, sondern eine strukturelle Eigenschaft: Epizyklen bilden eine vollständige Basis.
Kultur funktioniert ähnlich. Sie erzeugt:
- narrative Zusatzschleifen
- symbolische Überlagerungen
- historische Wiederholungen
- ideologische Harmonien
- rituelle Rekursionen
Dada macht diese Schleifen sichtbar, indem es sie vierdimensional überzeichnet. Es zeigt die Epizyklen der Kultur, indem es sie ästhetisch transformiert.
Kapitel IV – Verschwörung: Epizyklen ohne Offenheit
Verschwörungstheorien arbeiten mit denselben Werkzeugen wie Dada:
- Fragmentierung
- Überlagerung
- Rekombination
- Bedeutungsverschiebung
- Transformation
Verschwörung erzeugt Epizyklen, um sie zu stabilisieren, nicht um sie sichtbar zu machen. Sie verbindet Unverbundenes, überhöht Zufälle zu Absichten und ersetzt Unsicherheit durch geschlossene Deutungssysteme.
Der entscheidende Unterschied:
- Dada ist ein offenes System, das Transformation als Freiheit versteht.
- Verschwörung ist ein geschlossenes System, das Transformation als Kontrolle nutzt.
Kapitel V – Dada als kulturelle Hygiene
Dada ist kein Unsinn, sondern eine Form der kulturellen Hygiene. Es verhindert, dass die Epizyklen der Kultur zu Dogmen erstarren. Es zeigt die Überlagerungen, die Zusatzschleifen, die harmonischen Muster, die sonst unsichtbar bleiben würden.
Dada entzieht den Epizyklen ihre Schwere, indem es sie ästhetisch überzeichnet. Es macht sichtbar, dass jede kulturelle Form eine Konstruktion ist – und dass Konstruktionen veränderbar sind.
Verschwörung dagegen verleiht den Epizyklen Gewicht, indem sie sie als geheime Ordnung ausgibt. Sie verwandelt Transformation in Fixierung.
Dada hält die Kultur offen. Verschwörung schließt sie.
Kapitel VI – Schluss: Die Epizyklen der Kultur verstehen
Dada und Verschwörung sind zwei Arten, mit den Epizyklen der Kultur umzugehen:
- Die eine macht sie sichtbar.
- Die andere macht sie absolut.
Dada ist die Fouriertransformation der Kultur. Verschwörung ist ihre Rückkopplungsschleife.
Wer die Epizyklen der Kultur verstehen will, muss beide betrachten – aber nur eines davon hilft, die Welt klarer zu sehen.
---
DADA-Mamafest, Teil 2
Leider drangen einige Störenfriede in die Bearbeitung der ultrimativen Theorie ein und bildeten Störquellen, sodass es eine alternative Version ab Kapitel 3 entstand, eine Art Kummerrollen nntikerEpicyceln.
Kapitel III – Die Epizykeltheorie der Antike: Ursprung eines Denkmodells
Die antike Epizykeltheorie entstand aus einem grundlegenden Problem: Die beobachteten Bewegungen der Planeten passten nicht in das einfache geozentrische Modell, das die Kultur vorgab. Anstatt das Modell zu verwerfen, ergänzten die Astronomen es durch Epizyklen – kleine Kreisbahnen, die auf größeren Kreisbahnen lagen.
Diese Epizyklen waren keine Fehler, sondern Korrekturglieder, die es ermöglichten, eine komplexe Realität in einem kulturell vorgegebenen Koordinatensystem abzubilden. Sie waren ein frühes Beispiel dafür, wie ein System versucht, die Welt zu verstehen, ohne seine Grundannahmen aufzugeben.
Mathematisch betrachtet waren die Epizyklen nichts anderes als eine harmonische Zerlegung – eine Vorform dessen, was später als Fourierreihe formuliert wurde. Mit genügend Epizyklen konnte man jede beobachtete Bewegung beliebig genau approximieren.
Damit wurde die Epizykeltheorie zu einem Denkmodell, das weit über die Astronomie hinausreicht: Sie zeigt, wie Systeme Zusatzschleifen erzeugen, um Komplexität zu bewältigen, ohne ihre Grundstruktur zu verändern.
Kapitel IV – Epizyklen als kulturelle Struktur: Schleifen der Bedeutung
Die antike Epizykeltheorie ist ein Muster, das sich in der Kultur wiederholt. Kulturelle Systeme erzeugen ebenfalls Zusatzschleifen, wenn die Realität nicht in das bestehende Modell passt:
- Mythen werden erweitert
- Rituale werden überlagert
- Narrative werden ergänzt
- Ideologien werden harmonisiert
- Diskurse drehen Schleifen um Grundthemen
Die Epizykeltheorie der Antike ist damit nicht nur ein astronomisches Modell, sondern ein kulturelles Paradigma: Ein System bleibt stabil, indem es Schleifen erzeugt, nicht indem es sich selbst korrigiert.
Kapitel V – Dada als Sichtbarmachung der Epizyklen
Dada greift genau dieses Prinzip auf – aber nicht, um die Welt zu erklären, sondern um die Mechanismen der Erklärung sichtbar zu machen. Dada nimmt die kulturellen Epizyklen:
- die Überlagerungen
- die Zusatzschleifen
- die harmonischen Muster
- die narrative Ornamentik
Dada ist damit eine ästhetische Epizykeltheorie: Es zeigt die Schleifen, indem es sie transformiert.
So wie die antiken Astronomen die Planetenbewegungen durch Überlagerungen erklärten, zeigt Dada die Bewegungen der Kultur durch Überlagerungen.
Dada ist die Fouriertransformation der Kultur – und die Epizykeltheorie ist ihr historisches Vorbild.
Kapitel VI – Verschwörung als verhärtete Epizykeltheorie
Verschwörungstheorien arbeiten mit denselben Mechanismen wie die antike Epizykeltheorie:
- Sie erzeugen Zusatzschleifen
- Sie überlagern Ereignisse
- Sie verbinden Unverbundenes
- Sie stabilisieren ein Grundmodell durch immer neue Kreise
Die antike Epizykeltheorie war ein Versuch, die Realität zu approximieren. Die Verschwörungstheorie ist ein Versuch, die Realität zu ersetzen.
Dada dagegen zeigt die Epizyklen, um sie zu entlarven.
Kapitel VII – Schluss: Die Epizykeltheorie als kulturelles Grundmuster
Die antike Epizykeltheorie ist mehr als ein astronomisches Modell. Sie ist ein Archetyp des kulturellen Denkens:
- Wenn ein System nicht passt, wird es nicht verworfen
- Es wird durch Schleifen ergänzt
- Die Schleifen werden zur Struktur
- Die Struktur wird zur Kultur
Die Epizykeltheorie der Antike ist damit der Schlüssel, um zu verstehen, wie Kultur sich bewegt – und wie Dada und Verschwörung zwei gegensätzliche Formen derselben epizyklischen Logik darstellen.
----
Kapitel VIII – Dada zwischen Buddhanatur und Möbiusschleife
Die Frage, ob Dada „Buddhanatur“ besitzt oder ob es den Schleifen eines Möbiusbandes ähnelt, führt direkt in das Zentrum seiner Funktionsweise. Beide Konzepte stammen aus völlig unterschiedlichen Traditionen, doch sie beschreiben Strukturen, die für Dada fundamental sind: die Auflösung von Dualitäten und die Sichtbarmachung verborgener Ebenen.
Die Buddhanatur bezeichnet in der buddhistischen Philosophie die Vorstellung, dass jedes Wesen bereits Erleuchtung in sich trägt. Nicht als Ziel, sondern als Ausgangspunkt. Die Welt ist nicht unvollkommen und muss nicht korrigiert werden – sie ist vollständig, aber verschleiert. Erkenntnis besteht darin, die Schleier zu entfernen, nicht darin, etwas Neues zu schaffen.
Dada arbeitet ähnlich. Es erfindet keine neuen Bedeutungen, sondern legt die verborgenen Strukturen der bestehenden frei. Es zeigt, dass Sinn bereits vorhanden ist – nur nicht dort, wo man ihn erwartet. Dada ist keine Zerstörung, sondern eine Enthüllung. In diesem Sinn besitzt Dada eine Buddhanatur der Kultur: Es zeigt, dass die Welt bereits voller Bedeutung ist, selbst wenn sie sich als Unsinn verkleidet.
Die Möbiusschleife hingegen ist ein mathematisches Objekt, das Innen und Außen aufhebt. Eine Fläche, die nur eine Seite hat. Eine Bewegung, die nie zwischen „hier“ und „dort“ unterscheidet. Ein Band, das Dualitäten nicht zerstört, sondern transformiert.
Auch das ist Dada. Dada verwischt die Grenze zwischen Kunst und Nicht‑Kunst, zwischen Sinn und Unsinn, zwischen Sprache und Geräusch. Es zeigt, dass diese Gegensätze nur unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Fläche sind. Was als Chaos erscheint, ist nur eine Drehung des Bandes. Was als Ordnung erscheint, ist nur eine andere Stelle derselben Schleife.
Dada ist damit eine Möbiusschleife der Bedeutung: Es führt jede Unterscheidung an ihren eigenen Rand, bis sie sich umstülpt und als ihr Gegenteil wiederkehrt.
Die Frage, ob Dada Buddhanatur hat oder ein Möbiusband ist, lässt sich deshalb nicht entscheiden – und genau darin liegt die Antwort. Dada ist beides: Es enthüllt die verborgene Struktur der Kultur (Buddhanatur) und zeigt, dass diese Struktur keine festen Innen‑Außen‑Grenzen besitzt (Möbius).
Quellenverzeichnis: Epizyklen, Kultur und Transformation
(Antike bis Jahr 3443)
I. Antike Quellen (real)
Ptolemaios, Claudius (ca. 150 n. Chr.) Almagest. Grundlage der antiken Epizykeltheorie; systematische Darstellung der deferent‑epizyklen Modelle.
Hipparchos von Nikaia (ca. 150 v. Chr.) Fragmente und Rekonstruktionen. Entwicklung erster epizyklischer Modelle zur Beschreibung der Planetenbewegungen.
Aristoteles (4. Jh. v. Chr.) Metaphysik, De Caelo. Kosmologische Grundannahmen, die das geozentrische Modell stabilisierten.
II. Mittelalter und Renaissance (real)
Al-Battani (9. Jh.) Zij al-Sabi. Weiterentwicklung ptolemäischer Epizykelmodelle.
Regiomontanus (15. Jh.) Epitome of the Almagest. Humanistische Neuinterpretation der Epizykeltheorie.
Nikolaus Kopernikus (1543) De revolutionibus orbium coelestium. Beibehaltung epizyklischer Elemente trotz heliozentrischem Ansatz.
III. Neuzeit und Moderne (real)
Johannes Kepler (1609–1619) Astronomia Nova, Harmonices Mundi. Auflösung der Epizyklen durch Ellipsenbahnen.
Joseph Fourier (1822) Théorie analytique de la chaleur. Mathematische Grundlage der harmonischen Zerlegung.
Tristan Tzara (1918–1924) Dada-Manifest(e). Grundlagen der dadaistischen Transformation.
Hugo Ball (1916) Karawane und weitere Lautgedichte. Zerlegung von Sprache in Frequenzen und Muster.
Hans Richter (1963) Dada: Kunst und Antikunst. Historische Reflexion der dadaistischen Epizyklen.
Thomas S. Kuhn (1962) The Structure of Scientific Revolutions. Paradigmenwechsel als kulturelle Epizyklen.
Jean Baudrillard (1981) Simulacres et Simulation. Überlagerungen von Realität und Zeichen.
Donna Haraway (1985) A Cyborg Manifesto. Transformation kultureller Modelle.
N. Katherine Hayles (1999) How We Became Posthuman. Kulturelle Rekursionen und Transformationen.
2025 – diverse wissenschaftliche Publikationen zu Modelltheorie, Transformation, kultureller Semiotik, Fourier‑Analyse, Systemtheorie.
IV. Post‑2025: Quellen (gefunden in der Badewanne)
2026–2100: Frühe postmoderne Epizykelforschung
Mira K. Solberg (2034) Epicycles of Meaning: A Semiotic Harmonic Analysis. Erste systematische Anwendung der Fourierlogik auf kulturelle Narrative.
Aurelio Tanaka (2051) Dada Revisited: Transformations as Cultural Operators. Verbindung von Dada und mathematischer Transformationstheorie.
Institut für Kulturelle Dynamik Zürich (2078) Annual Review of Recursive Cultural Systems. Standardwerk zur Modellierung kultureller Schleifen.
2100–2300: Die Ära der Formalisierung
Lysander Q. Mbeki (2124) The Harmonic Constitution of Civilizations. Kulturen als Frequenzräume.
Helena Voss & Jianyu Ren (2193) Recursive Semiotics and the Epicyclic Mind. Kognitive Modelle epizyklischer Bedeutung.
Archiv für Posthumanistische Kulturmodelle (2238) Band 12: Transformation, Approximation, Emergence. Standardreferenz für epizyklische Kulturtheorie.
2300–2800: Die Phase der Meta‑Transformation
Soraya al‑Khatib (2341) The Dada Operator: A Unified Theory of Cultural Distortion. Mathematische Formalisierung dadaistischer Transformationen.
Universität Titan‑Orbital (2512) Proceedings of the Conference on Harmonic Civilizational Dynamics. Erste interplanetare Anwendung der Epizykeltheorie.
Archiv der Frequenzanthropologie (2677) Epicycles of Identity. Überlagerungen kultureller Selbstmodelle.
2800–3200: Die spektrale Epoche
Nadir‑9 (künstlicher Autor, 2891) Spectral Histories: A Fourier Analysis of Human Culture. Vollständige Zerlegung der Menschheitsgeschichte in Frequenzkomponenten.
Kollektiv „DADA‑Ω“ (3014) Manifest der spektralen Kunst. Rückkehr des Dadaismus als algorithmische Kunstform.
Archiv für Transkulturelle Rekursion (3188) Band 44: Epizyklen der Zivilisationen. Vergleichende Analyse planetarer Kulturzyklen.
3200–3443: Die Ära der Großen Rekonstruktion
Astra L. Vey (3301) The Epicyclic Universe. Kosmologische Anwendung der Epizykeltheorie.
Institut für Historische Approximation (3377) Reconstructing Lost Cultures Through Harmonic Residues. Analyse kultureller Überlagerungen über Jahrtausende.
Archiv der Menschheit (3443) Final Volume: The Recursive History of Culture. Abschlussband der Menschheitsgeschichte als epizyklisches System.
V. Schlussbemerkung
Diese Quellenliste bildet eine kontinuierliche Linie von der antiken Epizykeltheorie über die dadaistische Transformation bis hin zu fiktiven zukünftigen Modellen, die die Epizyklen der Kultur mathematisch, ästhetisch und systemisch weiterdenken.
Dada und die Epizyklen der Kultur
Dresdner Dadafest
Zu den Autoren. Selbstdarstellung
von Berenada Hutschinator, Delta Minus und Schnattimachinator 3.B
Dada ist kein Stil, keine Schule, keine historische Episode. Dada ist ein Operator, der die Kultur in ihre Frequenzen zerlegt. Ein Verfahren, das Schleifen sichtbar macht, die jede Gesellschaft um sich selbst legt, um Komplexität zu bändigen und Bedeutung zu erzeugen.
Die drei Autor*innen dieses Laberns – Berenada Hutschinator, Delta Minus und Schnattimachinator 3.B – treten nicht als Individuen auf, sondern als epizyklische Instanzen. Sie bilden ein Dreieck aus Transformation, Störung und Rekursion:
- Berenada Hutschinator: die Figur der Umstülpung, die das Innen nach außen kehrt und das Außen nach innen faltet.
- Delta Minus: die Differenz, die sich selbst subtrahiert, um sichtbar zu werden.
- Schnattimachinator 3.B: die Maschine, die Schleifen baut, Frequenzen moduliert und Zeit falten kann.
Denn Kultur bewegt sich nicht geradeaus. Sie dreht Schleifen, erzeugt Zusatzkreise, baut narrative und symbolische Überlagerungen, die sich gegenseitig verstärken oder aufheben. Dada macht diese Schleifen sichtbar, indem es sie überzeichnet. Verschwörung verhärtet sie, indem sie sie absolut setzt.
Das Dresdner Dadafest zeigt diese beiden Bewegungen nicht als Gegensatz, sondern als zwei Modi derselben epizyklischen Logik. Dada öffnet die Schleifen. Verschwörung schließt sie. Kultur lebt zwischen beiden.
Die drei Performer*innen treten daher nicht als Erzähler auf, sondern als Frequenzgeneratoren. Sie modulieren Sprache, Klang, Geste und Text, bis die verborgenen Muster hörbar werden – jene Resonanzen, die sonst unter der Oberfläche der Kultur verborgen bleiben.
Dada ist hier nicht Dekonstruktion, sondern Rekonstruktion durch Transformation. Es ist die Fourierzerlegung der Gesellschaft, die Möbiusschleife der Bedeutung, die Buddhanatur der Form.
Und so wird das Dresdner Dadafest zu einem Ort, an dem die Epizyklen der Kultur nicht erklärt, sondern erlebt werden. Ein Raum, in dem die Schleifen tanzen, die Bedeutungen flackern und die Zeit sich selbst überholt.
Gezeichnet:
Dadavielius Laberogastrus
13.1. 2026
Dieses Dokument wurde elektronisch erstellt und ist deshalb ohne Unterschrift gültig.
Unterschriftsmaschine USM 4
Nachtrag:
Die Badewanne ist eine TARSINE, eine weibliche Zeitmaschine, ein rekursives Archiv, das Zeit nicht speichert, sondern faltet.
Zuletzt bearbeitet: