Dichter Erdling
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Einmal, als meine Schwester und ich noch Kinder waren, besuchten meine Eltern irgendwelche Bekannten, welche ihrerseits Kinder hatten.
Die Erwachsenen, die sich in Ruhe unterhalten wollten, schickten uns Kinder kurzerhand zum Spielen.
Dabei waren die Kinder der Gastgeber von der Idee ebenso wenig begeistert wie meine Schwester und ich. Wir fanden uns in einer Zwangs-Spielegemeinschaft wieder, die niemand wirklich wollte.
Die Gastgeberkinder, die deutlich in der Überzahl waren, beschlossen daraufhin, das Affen-Spiel mit uns zu spielen.
Es ging ungefähr so, dass ein Fänger die übrigen Spieler jagte. Die Spielteilnehmer waren indes allesamt Affen und durften bestimmte Bereiche des umliegenden Geländes nicht betreten. „Hier ist Wasser“ erklärten sie uns, und dass Affen nicht schwimmen könnten. Wer eine als Wasserfläche deklarierte Stelle betrat, hätte auf jeden Fall verloren. Der Affe würde „ertrinken“ und war somit draußen. Dafür gab es Sicherheitszonen, auf die man sich retten konnte, wie einen Stein oder den Ast eines Baumes.
Im Lauf des Spiels änderten sich die Regeln dann aber urplötzlich.
Der Stein war auf einmal doch keine sichere Zone mehr oder meine Schwester hätte mit einem Fuß das Wasser gestreift und soll jetzt draußen sein.
„Bei deinem kleinen Bruder hat das eben aber noch nicht gegolten!“ warf ich ein.
„Der ist ja erst fünf“, sagte das Gastgeberkind, „da drücken wir ein Auge zu.“
„Meine Schwester ist auch fünf“ konterte ich.
Daraufhin zogen sich die Gastgeberkinder zur Beratung zurück. Mit dem Ergebnis: Mein Einwand würde trotzdem nicht gelten, weil meine Schwester wäre immerhin schon 5 Jahre und 10 Monate alt, der andere Bub dagegen um drei Monate jünger und das wäre ein gewichtiger Unterschied.
„Das gilt jetzt nicht!“ blieben sie stur.
„Das gilt jetzt nicht“ kam in diversen Spieldurchläufen noch mehrere Male.
„Dieses Gebiet wurde zwischenzeitlich geflutet“, „Du warst zu schwer, der Ast ist gebrochen“ oder „Du irrst dich, das war nie sichere Zone“ haben die Gastgeberkinder ihre Spielregeln jeweils so abgewandelt, dass sie auch sicher nicht verlieren konnten. Meine Schwester und ich, wir hatten keine Chance.
Am Ende hatten wir gar den Eindruck, die anderen Kinder wollten uns nur verarschen.
Aber gewiss: Hätte man die Gastgeberkinder gefragt, sie hätten den Erwachsenen treuherzig beteuert, lieb und schön mit uns gespielt zu haben. Sie taten so, als könnten sie es partout nicht verstehen, warum ich nach einer Weile nicht mehr mitspielen wollte.
Warum ich das heute erzähle?
Freilich nein, das Erlebnis damals hat mich NICHT so nachhaltig traumatisiert, dass ich Jahrzehnte später immer noch dran knapse und mir ein erlittenes Unrecht von der Seele schreiben muss.
Es ist mir wieder eingefallen, weil es eine Lektion fürs Leben war, die heute besonders aktuell scheint.
Das Affenspiel erinnert mich frappant an die große gelebte Politik mit ihrem oft willkürlich anmutenden Regelwerk.
„Das gilt jetzt nicht“ sagen unsere Politiker doch immer dann, wenn es dem sogenannten Westen zum Vorteil gereicht.
Während das Spiel läuft, ändern sie die Regeln, die sie selbst zuvor ausgegeben hatten.
Finden immer einen Winkelzug, der ihnen alles durchgehen lässt, während sie bei den Gegenspielern stets ganz genau hinschauen und alles auf Punkt und Komma kontrollieren.
Tausend Ausnahmen und Nachsichten für sich – und unbeugsame Normen und pure Strenge für die anderen.
„Völkerrecht“, „Recht auf Selbstbestimmung“ oder „Genozid“ wird je nach Bedarf ganz anders ausbuchstabiert und es gelten die Regeln exakt nur so, dass ein jeder Spielzug der westlich Verbündeten als regelkonform erscheint.
„Völkerrecht!“, „Selbstbestimmung!“ und „Genozid!“ rufen sie exakt nur an jenen Stellen, da es ihnen in den Kram passt.
So geht das seit Jahrzehnten und ich kann verstehen, wenn die Gegenspieler – und das sind viele - langsam wütend werden.
Effektiv haben die Verantwortlichen oft keine besseren Argumente als „Das gilt jetzt nicht“, wenn sie ihre westliche Willkür in der Welt ausbreiten.
Sie spielen das Affen-Spiel.
Bloß, dass sie keine Kinder mehr sind, die sich gegenseitig verarschen.
Und die Gegenspieler können auch nicht einfach aus dem Spiel aussteigen, zu ihren Eltern laufen und woandershin, nach Hause gehen.
Die Erwachsenen, die sich in Ruhe unterhalten wollten, schickten uns Kinder kurzerhand zum Spielen.
Dabei waren die Kinder der Gastgeber von der Idee ebenso wenig begeistert wie meine Schwester und ich. Wir fanden uns in einer Zwangs-Spielegemeinschaft wieder, die niemand wirklich wollte.
Die Gastgeberkinder, die deutlich in der Überzahl waren, beschlossen daraufhin, das Affen-Spiel mit uns zu spielen.
Es ging ungefähr so, dass ein Fänger die übrigen Spieler jagte. Die Spielteilnehmer waren indes allesamt Affen und durften bestimmte Bereiche des umliegenden Geländes nicht betreten. „Hier ist Wasser“ erklärten sie uns, und dass Affen nicht schwimmen könnten. Wer eine als Wasserfläche deklarierte Stelle betrat, hätte auf jeden Fall verloren. Der Affe würde „ertrinken“ und war somit draußen. Dafür gab es Sicherheitszonen, auf die man sich retten konnte, wie einen Stein oder den Ast eines Baumes.
Im Lauf des Spiels änderten sich die Regeln dann aber urplötzlich.
Der Stein war auf einmal doch keine sichere Zone mehr oder meine Schwester hätte mit einem Fuß das Wasser gestreift und soll jetzt draußen sein.
„Bei deinem kleinen Bruder hat das eben aber noch nicht gegolten!“ warf ich ein.
„Der ist ja erst fünf“, sagte das Gastgeberkind, „da drücken wir ein Auge zu.“
„Meine Schwester ist auch fünf“ konterte ich.
Daraufhin zogen sich die Gastgeberkinder zur Beratung zurück. Mit dem Ergebnis: Mein Einwand würde trotzdem nicht gelten, weil meine Schwester wäre immerhin schon 5 Jahre und 10 Monate alt, der andere Bub dagegen um drei Monate jünger und das wäre ein gewichtiger Unterschied.
„Das gilt jetzt nicht!“ blieben sie stur.
„Das gilt jetzt nicht“ kam in diversen Spieldurchläufen noch mehrere Male.
„Dieses Gebiet wurde zwischenzeitlich geflutet“, „Du warst zu schwer, der Ast ist gebrochen“ oder „Du irrst dich, das war nie sichere Zone“ haben die Gastgeberkinder ihre Spielregeln jeweils so abgewandelt, dass sie auch sicher nicht verlieren konnten. Meine Schwester und ich, wir hatten keine Chance.
Am Ende hatten wir gar den Eindruck, die anderen Kinder wollten uns nur verarschen.
Aber gewiss: Hätte man die Gastgeberkinder gefragt, sie hätten den Erwachsenen treuherzig beteuert, lieb und schön mit uns gespielt zu haben. Sie taten so, als könnten sie es partout nicht verstehen, warum ich nach einer Weile nicht mehr mitspielen wollte.
Warum ich das heute erzähle?
Freilich nein, das Erlebnis damals hat mich NICHT so nachhaltig traumatisiert, dass ich Jahrzehnte später immer noch dran knapse und mir ein erlittenes Unrecht von der Seele schreiben muss.
Es ist mir wieder eingefallen, weil es eine Lektion fürs Leben war, die heute besonders aktuell scheint.
Das Affenspiel erinnert mich frappant an die große gelebte Politik mit ihrem oft willkürlich anmutenden Regelwerk.
„Das gilt jetzt nicht“ sagen unsere Politiker doch immer dann, wenn es dem sogenannten Westen zum Vorteil gereicht.
Während das Spiel läuft, ändern sie die Regeln, die sie selbst zuvor ausgegeben hatten.
Finden immer einen Winkelzug, der ihnen alles durchgehen lässt, während sie bei den Gegenspielern stets ganz genau hinschauen und alles auf Punkt und Komma kontrollieren.
Tausend Ausnahmen und Nachsichten für sich – und unbeugsame Normen und pure Strenge für die anderen.
„Völkerrecht“, „Recht auf Selbstbestimmung“ oder „Genozid“ wird je nach Bedarf ganz anders ausbuchstabiert und es gelten die Regeln exakt nur so, dass ein jeder Spielzug der westlich Verbündeten als regelkonform erscheint.
„Völkerrecht!“, „Selbstbestimmung!“ und „Genozid!“ rufen sie exakt nur an jenen Stellen, da es ihnen in den Kram passt.
So geht das seit Jahrzehnten und ich kann verstehen, wenn die Gegenspieler – und das sind viele - langsam wütend werden.
Effektiv haben die Verantwortlichen oft keine besseren Argumente als „Das gilt jetzt nicht“, wenn sie ihre westliche Willkür in der Welt ausbreiten.
Sie spielen das Affen-Spiel.
Bloß, dass sie keine Kinder mehr sind, die sich gegenseitig verarschen.
Und die Gegenspieler können auch nicht einfach aus dem Spiel aussteigen, zu ihren Eltern laufen und woandershin, nach Hause gehen.
(12. 09. 2024)