Pablo Charles
Mitglied
Mein altes, klappriges Fahrrad rattert unter meinem Körpergewicht. Es gehörte meiner Mutter. Sie hat es mir gegeben, als Ausrede, sich ein neues, schönes und modernes Fahrrad kaufen zu können. Doch solange der Elektromotor noch funktioniert, bin ich zufrieden, mich frei von A nach B bewegen zu können. Der Himmel ist ein klares Blau, und die formlosen Wolken ziehen über mir hinweg, während ich die Rue de la Loi zum Uni-Gelände hochstrample. Es ist 8 Uhr morgens, und eine Gruppe von Arbeitern kommt mir entgegengeradelt. Meine Augen nehmen zahllose Gesichter wahr, meine Ohren ein leises Summen, das von den Gesprächen übertönt wird. An der Uni angekommen, schließe ich mein Rad sogleich an eine der zahlreichen Ladestationen an. Mein bester Kumpel sollte bereits im Aufenthaltsraum sein und auf mich warten. Ich bin ein notorischer Zuspätkommer. Der schnellste Weg dorthin führt diagonal über den Campus, einer meiner Lieblingsorte in der Stadt, um sich mit einem Buch in der Hand eine Auszeit zu gönnen. Außerdem ist das EU-Parlament gut vom Campus aus sichtbar und lässt so manch einen Studenten träumen.
Als ich die Tür zum Aufenthaltsraum aufschiebe, sitzt Majid bereits gelangweilt auf einem Stuhl und schaut mich genervt an.
– „Du weißt, würde ich nicht so gerne Zeit mit dir verbringen, hätte ich die Freundschaft schon vor langer Zeit gekündigt. Und du bist schwarz.“
– „Hat die Farbenblindenbrille erst jetzt erste Wirkung gezeigt?“
– „Ich rede vom Schachspiel, du Arsch, fürs Zuspätkommen.“
Die Sonne wird für einen kurzen Moment von seiner Brille reflektiert, was ihn für die Dauer eines kurzen Momentes wie einen dieser schlauen Animecharaktere aussehen lässt. Ich frage mich, ob ich in der Lage bin, ihn zu schlagen. Jedenfalls habe ich mir das fest vorgenommen und dementsprechend eine Strategie entworfen.
Das Spiel beginnt, und er rückt einen weißen Bauern auf G3.
– „Also … was hältst du vom Status Quo?“, frage ich unschuldig, während ich seinen Zug imitiere.
– „Was meinst du?“
– „Ich meine, dass wir zwar eine Art Frieden und Übereinkommen mit der Natur und anderen Nationen gefunden haben, aber es meiner Meinung nach viel zu lange gedauert hat und wir deshalb auch noch heute die Konsequenzen spüren und sehen können.“
Er lässt seinen Läufer für einen Moment in der Luft hängen, bevor er ihn auf H3 setzt.
– „Ich bin eher dankbar, dass die Alten diese Welt für uns geschaffen haben.“
– „Dankbar für die Ausbreitung der Sahara auf den europäischen Kontinent?“
– „Nein, natürlich nicht. Aber die Alten haben für eine bessere Zukunft gekämpft, was sicher nicht leicht war, und sie haben es geschafft.“
– „Die Alten haben sich wiederholt ins eigene Bein geschossen und einen Verband angelegt, ohne die Kugeln zu entfernen. Die Erweiterung der Wüste ist eine dieser Kugeln, das Verschwinden unserer Süßwasserreserven eine weitere.“
Ich habe ihn aus der Bahn geworfen und einen Fehler seinerseits provoziert. Sein Turm steht in seiner Position unverändert und schutzlos vor meinem.
– „Wir bauen Maschinen, um das Vorrücken der Wüste aufzuhalten, die Salzwasser zu Süßwasser konvertieren, und wir nutzen diese ebenfalls, um uns selbst mit Trinkwasser zu versorgen. Was indirekt einen Ressourcenkrieg verhindert.“
Ich nehme seinen Turm, und sein Blick verdunkelt sich. Sein Argument war genauso schwach wie seine bisherigen Züge. Heute scheint nicht sein Tag zu sein.
– „Und wieso glaubst du, brauchen wir diese Maschinen? Die Natur war in der Lage, lange vor uns, sich selbst zu regulieren. Und jetzt? Ein Toast auf die Alten, die es geschafft haben, die Natur so aus der Bahn zu werfen, dass sie gar nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu retablieren.“
Ich beende mein Gegenargument mit einer übertriebenen Dankbarkeitsgeste. Eine Geste, die anscheinend zu viel für meinen Gegenüber ist. Er wirft zum allerersten Mal seinen König um, was an sich kein schlechter Zug ist, denn er war schließlich dabei zu verlieren. Er steht auf, geht in Richtung Tür und sagt:
– „Weißt du was? Manchmal vergesse ich, wie kindisch du doch sein kannst.“, und schlägt die Tür hinter sich zu.
Ich schaue von der Tür zum Schachbrett und aus dem Fenster. Die Sonne steht inzwischen weitaus höher als bei meiner Hinfahrt. Sie blendet mich. Ich schaue zurück auf das Schachbrett, und die Felder alternieren von schwarz zu weiß und umgekehrt. Das war eine nervige Situation. Ich habe wahrlich die Schlacht gewonnen, doch den Krieg verloren.
Als ich die Tür zum Aufenthaltsraum aufschiebe, sitzt Majid bereits gelangweilt auf einem Stuhl und schaut mich genervt an.
– „Du weißt, würde ich nicht so gerne Zeit mit dir verbringen, hätte ich die Freundschaft schon vor langer Zeit gekündigt. Und du bist schwarz.“
– „Hat die Farbenblindenbrille erst jetzt erste Wirkung gezeigt?“
– „Ich rede vom Schachspiel, du Arsch, fürs Zuspätkommen.“
Die Sonne wird für einen kurzen Moment von seiner Brille reflektiert, was ihn für die Dauer eines kurzen Momentes wie einen dieser schlauen Animecharaktere aussehen lässt. Ich frage mich, ob ich in der Lage bin, ihn zu schlagen. Jedenfalls habe ich mir das fest vorgenommen und dementsprechend eine Strategie entworfen.
Das Spiel beginnt, und er rückt einen weißen Bauern auf G3.
– „Also … was hältst du vom Status Quo?“, frage ich unschuldig, während ich seinen Zug imitiere.
– „Was meinst du?“
– „Ich meine, dass wir zwar eine Art Frieden und Übereinkommen mit der Natur und anderen Nationen gefunden haben, aber es meiner Meinung nach viel zu lange gedauert hat und wir deshalb auch noch heute die Konsequenzen spüren und sehen können.“
Er lässt seinen Läufer für einen Moment in der Luft hängen, bevor er ihn auf H3 setzt.
– „Ich bin eher dankbar, dass die Alten diese Welt für uns geschaffen haben.“
– „Dankbar für die Ausbreitung der Sahara auf den europäischen Kontinent?“
– „Nein, natürlich nicht. Aber die Alten haben für eine bessere Zukunft gekämpft, was sicher nicht leicht war, und sie haben es geschafft.“
– „Die Alten haben sich wiederholt ins eigene Bein geschossen und einen Verband angelegt, ohne die Kugeln zu entfernen. Die Erweiterung der Wüste ist eine dieser Kugeln, das Verschwinden unserer Süßwasserreserven eine weitere.“
Ich habe ihn aus der Bahn geworfen und einen Fehler seinerseits provoziert. Sein Turm steht in seiner Position unverändert und schutzlos vor meinem.
– „Wir bauen Maschinen, um das Vorrücken der Wüste aufzuhalten, die Salzwasser zu Süßwasser konvertieren, und wir nutzen diese ebenfalls, um uns selbst mit Trinkwasser zu versorgen. Was indirekt einen Ressourcenkrieg verhindert.“
Ich nehme seinen Turm, und sein Blick verdunkelt sich. Sein Argument war genauso schwach wie seine bisherigen Züge. Heute scheint nicht sein Tag zu sein.
– „Und wieso glaubst du, brauchen wir diese Maschinen? Die Natur war in der Lage, lange vor uns, sich selbst zu regulieren. Und jetzt? Ein Toast auf die Alten, die es geschafft haben, die Natur so aus der Bahn zu werfen, dass sie gar nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu retablieren.“
Ich beende mein Gegenargument mit einer übertriebenen Dankbarkeitsgeste. Eine Geste, die anscheinend zu viel für meinen Gegenüber ist. Er wirft zum allerersten Mal seinen König um, was an sich kein schlechter Zug ist, denn er war schließlich dabei zu verlieren. Er steht auf, geht in Richtung Tür und sagt:
– „Weißt du was? Manchmal vergesse ich, wie kindisch du doch sein kannst.“, und schlägt die Tür hinter sich zu.
Ich schaue von der Tür zum Schachbrett und aus dem Fenster. Die Sonne steht inzwischen weitaus höher als bei meiner Hinfahrt. Sie blendet mich. Ich schaue zurück auf das Schachbrett, und die Felder alternieren von schwarz zu weiß und umgekehrt. Das war eine nervige Situation. Ich habe wahrlich die Schlacht gewonnen, doch den Krieg verloren.