Das Schachspiel

Mein altes, klappriges Fahrrad rattert unter meinem Körpergewicht. Es gehörte meiner Mutter. Sie hat es mir gegeben, als Ausrede, sich ein neues, schönes und modernes Fahrrad kaufen zu können. Doch solange der Elektromotor noch funktioniert, bin ich zufrieden, mich frei von A nach B bewegen zu können. Der Himmel ist ein klares Blau, und die formlosen Wolken ziehen über mir hinweg, während ich die Rue de la Loi zum Uni-Gelände hochstrample. Es ist 8 Uhr morgens, und eine Gruppe von Arbeitern kommt mir entgegengeradelt. Meine Augen nehmen zahllose Gesichter wahr, meine Ohren ein leises Summen, das von den Gesprächen übertönt wird. An der Uni angekommen, schließe ich mein Rad sogleich an eine der zahlreichen Ladestationen an. Mein bester Kumpel sollte bereits im Aufenthaltsraum sein und auf mich warten. Ich bin ein notorischer Zuspätkommer. Der schnellste Weg dorthin führt diagonal über den Campus, einer meiner Lieblingsorte in der Stadt, um sich mit einem Buch in der Hand eine Auszeit zu gönnen. Außerdem ist das EU-Parlament gut vom Campus aus sichtbar und lässt so manch einen Studenten träumen.
Als ich die Tür zum Aufenthaltsraum aufschiebe, sitzt Majid bereits gelangweilt auf einem Stuhl und schaut mich genervt an.

– „Du weißt, würde ich nicht so gerne Zeit mit dir verbringen, hätte ich die Freundschaft schon vor langer Zeit gekündigt. Und du bist schwarz.“

– „Hat die Farbenblindenbrille erst jetzt erste Wirkung gezeigt?“

– „Ich rede vom Schachspiel, du Arsch, fürs Zuspätkommen.“

Die Sonne wird für einen kurzen Moment von seiner Brille reflektiert, was ihn für die Dauer eines kurzen Momentes wie einen dieser schlauen Animecharaktere aussehen lässt. Ich frage mich, ob ich in der Lage bin, ihn zu schlagen. Jedenfalls habe ich mir das fest vorgenommen und dementsprechend eine Strategie entworfen.
Das Spiel beginnt, und er rückt einen weißen Bauern auf G3.

– „Also … was hältst du vom Status Quo?“, frage ich unschuldig, während ich seinen Zug imitiere.

– „Was meinst du?“

– „Ich meine, dass wir zwar eine Art Frieden und Übereinkommen mit der Natur und anderen Nationen gefunden haben, aber es meiner Meinung nach viel zu lange gedauert hat und wir deshalb auch noch heute die Konsequenzen spüren und sehen können.“

Er lässt seinen Läufer für einen Moment in der Luft hängen, bevor er ihn auf H3 setzt.

– „Ich bin eher dankbar, dass die Alten diese Welt für uns geschaffen haben.“

– „Dankbar für die Ausbreitung der Sahara auf den europäischen Kontinent?“

– „Nein, natürlich nicht. Aber die Alten haben für eine bessere Zukunft gekämpft, was sicher nicht leicht war, und sie haben es geschafft.“

– „Die Alten haben sich wiederholt ins eigene Bein geschossen und einen Verband angelegt, ohne die Kugeln zu entfernen. Die Erweiterung der Wüste ist eine dieser Kugeln, das Verschwinden unserer Süßwasserreserven eine weitere.“

Ich habe ihn aus der Bahn geworfen und einen Fehler seinerseits provoziert. Sein Turm steht in seiner Position unverändert und schutzlos vor meinem.

– „Wir bauen Maschinen, um das Vorrücken der Wüste aufzuhalten, die Salzwasser zu Süßwasser konvertieren, und wir nutzen diese ebenfalls, um uns selbst mit Trinkwasser zu versorgen. Was indirekt einen Ressourcenkrieg verhindert.“

Ich nehme seinen Turm, und sein Blick verdunkelt sich. Sein Argument war genauso schwach wie seine bisherigen Züge. Heute scheint nicht sein Tag zu sein.

– „Und wieso glaubst du, brauchen wir diese Maschinen? Die Natur war in der Lage, lange vor uns, sich selbst zu regulieren. Und jetzt? Ein Toast auf die Alten, die es geschafft haben, die Natur so aus der Bahn zu werfen, dass sie gar nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu retablieren.“

Ich beende mein Gegenargument mit einer übertriebenen Dankbarkeitsgeste. Eine Geste, die anscheinend zu viel für meinen Gegenüber ist. Er wirft zum allerersten Mal seinen König um, was an sich kein schlechter Zug ist, denn er war schließlich dabei zu verlieren. Er steht auf, geht in Richtung Tür und sagt:

– „Weißt du was? Manchmal vergesse ich, wie kindisch du doch sein kannst.“, und schlägt die Tür hinter sich zu.

Ich schaue von der Tür zum Schachbrett und aus dem Fenster. Die Sonne steht inzwischen weitaus höher als bei meiner Hinfahrt. Sie blendet mich. Ich schaue zurück auf das Schachbrett, und die Felder alternieren von schwarz zu weiß und umgekehrt. Das war eine nervige Situation. Ich habe wahrlich die Schlacht gewonnen, doch den Krieg verloren.
 

Sammis

Mitglied
Hallo!

Gute Idee! Finde jedoch, da gibt es noch manche Ecken, die geschliffen gehören.

Mein altes, klappriges Fahrrad rattert unter meinem Körpergewicht.
rattern finde ich wegen unterm Gewicht nicht passend.

Der Himmel ist ein klares Blau, und die formlosen Wolken ziehen über mir hinweg, während ich die Rue de la Loi zum Uni-Gelände hochstrample.
ist ein klares Blau klingt komisch, zumal dann auch noch Wolken mit ins Spiel kommen.
Und strampeln passt nicht zum Motor.

Mein bester Kumpel sollte bereits im Aufenthaltsraum sein und auf mich warten.
Geht kürzer: wenn er dort wartet, muss er ja da sein

Als ich die Tür zum Aufenthaltsraum aufschiebe, sitzt Majid bereits gelangweilt auf einem Stuhl und schaut mich genervt an.
Ist er generft oder langweilt er sich?

Die Sonne wird für einen kurzen Moment von seiner Brille reflektiert, was ihn für die Dauer eines kurzen Momentes wie einen dieser schlauen Animecharaktere aussehen lässt.
Zwei mal Moment in einem Satz.

– „Du weißt, würde i
Wozu die Striche vor der wörtlichen Rede? Warum Leerzeilen?

„Also … was hältst du vom Status Quo?“, frage ich unschuldig, während ich seinen Zug imitiere.
Ist Imitieren hier passend?

Ich habe ihn aus der Bahn geworfen und einen Fehler seinerseits provoziert. Sein Turm steht in seiner Position unverändert und schutzlos vor meinem.
Wenn ich das richtig verstehe, war das sein Absicht. Sollte vielleicht deutlicher werden.

dass sie gar nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu retablieren.“
retablieren finde ich hier unpassend.

Ich schaue zurück auf das Schachbrett, und die Felder alternieren von schwarz zu weiß und umgekehrt.
Wieso nicht wechseln? Weiß nicht, ob die Fachsprache dem Text gut tut.

Ich habe wahrlich die Schlacht gewonnen, doch den Krieg verloren.
Ich lese das so, dass er das Spiel und die Freundschaft meint. Könnte ein wenig deutlicher sein.

Anbei eine Interpretation meinerseits, was die angesprochenen Punkte verdeutlichen sollte.

Das alte Fahrrad ächzt unter meinem Körpergewicht. Es gehörte meiner Mutter. Sie hat es mir überlassen, als Ausrede, sich ein neues kaufen zu können. Doch solange der Elektromotor funktioniert, bin ich zufrieden. Der Himmel ist blau, durchzogen mit formlosen Wolken. Es ist 8 Uhr morgens, eine Gruppe Arbeiter kommt mir entgegengeradelt. Meine Augen nehmen zahllose Gesichter wahr, meine Ohren leises Summen, das von Gesprächen übertönt wird.
Angekommen an der Uni schließe ich mein Rad an einer der zahlreichen Ladestationen an. Mein bester Kumpel sollte bereits im Aufenthaltsraum auf mich warten. Ich bin ein notorischer Zuspätkommer.
Der schnellste Weg führt quer über den Campus. Einer meiner Lieblingsorte der Stadt, um ein Buch zur Hand zu nehmen, sich eine Auszeit gönnen. Das EU-Parlament ist gut sichtbar und lässt manchen Studenten träumen.
Als ich die Tür zum Aufenthaltsraum aufschiebe, sitzt Majid auf einem Stuhl und schaut mich genervt an. „Du weißt, würde ich nicht so gerne Zeit mit dir verbringen, hätte ich dir lägst die Freundschaft gekündigt. Du bist schwarz.“
„Zeigt die Farbenblindenbrille endlich Wirkung?“
„Ich rede vom Schachspiel, du Arsch! Fürs Zuspätkommen.“
Die Sonne reflektiert kurz auf seiner Brille, lässt ihn einen Moment wie einen dieser schlauen Animecharaktere aussehen. Ich frage mich, ob ich ihn diesmal schlagen kann? Habe es mir jedenfalls fest vorgenommen und eine entsprechende Strategie entwickelt.

Das Spiel beginnt, Majid rückt einen weißen Bauern auf G3.
„Also“, , frage ich beiläufig, während ich seinen Zug spiegle, „was hältst du vom Status Quo?“
„Was meinst du?“
„Na dass wir zwar Frieden und Übereinkommen mit der Natur und anderen Nationen gefunden haben, aber es meiner Meinung nach viel zu lange gedauert hat und wir heute noch die Konsequenzen zu spüren bekommen.“
Majid lässt seinen Läufer einen Moment in der Luft hängen, ehe er ihn auf H3 setzt.
„Ich bin eher dankbar, dass die Alten diese Welt für uns geschaffen haben“, meint er.
„Dankbar für die Ausbreitung der Wüsten auf den europäischen Kontinent?“
„Nein, natürlich nicht! Aber die Alten haben für eine bessere Zukunft gekämpft, was sicher nicht leicht war. Und sie haben es geschafft.“
„Die Alten haben sich wiederholt ins Bein geschossen und einen Verband angelegt. Ohne jemals eine Kugel zu entfernen. Die Ausdehnung der Wüsten ist eine dieser Kugeln. Das Verschwinden unserer Süßwasserreserven eine weitere.“ Wie beabsichtigt habe ich ihn aus der Bahn geworfen und einen Fehler provoziert. Sein Turm steht unverändert – schutzlos vor meinem.
„Wir bauen Maschinen, um das Vorrücken der Wüste aufzuhalten. Zugleich versorgen sie uns mit Trinkwasser, was einen Ressourcenkrieg verhindert“, wirft er ein.
Ich schlage seinen Turm und sein Blick verdunkelt sich. Sein Argument war schwach, wie seine Züge.
„Und wieso glaubst du“, frage ich, „brauchen wir diese Maschinen? Die Natur war lange vor uns in der Lage, sich zu regulieren. Und jetzt? Ein Toast auf die Alten! Sie haben es geschafft, alles aus der Bahn zu werfen!“ Ich schließe mit einer übertriebenen Dankbarkeitsgeste.
Zu viel für mein Gegenüber. Ein erstes Mal überhaupt wirft er seinen König um. Folgerichtig, er befand sich klar auf der Verliererstraße. Majid steht auf, geht Richtung Tür und sagt: „Weißt du, manchmal vergesse ich, wie kindisch du sein kannst!“ Mit einem Knall schlägt die Tür zu.

Ich schaue von der Tür zum Schachbrett und dann aus dem Fenster. Die Sonne steht jetzt höher, blendet mich. Ich blicke zurück auf das Schachbrett und die Felder wechseln zwischen schwarz und weiß. Hat es sich gelohnt? Zwar habe ich die Schlacht gewonnen, vielleicht aber den Krieg verloren.

Gruß,
Sammis
 

ahorn

Foren-Redakteur
Teammitglied
Pablo Charles,

erst einmal hallo in der Leselupe.

Hau mal die unnötigen Leerzeilen hinaus, die stören den Lesegenuss. ;)


Gruß
Ahorn
 

jon

Mitglied
Sorry, solche Texte finde ich nervend. In Wirklichkeit passiert nichts, nur ein belangloses Schachspiel (das ratzfatz vorbei ist), das als Alibi für das Aufsagen von Umweltschäden herhalten muss. Die Set-Beschreibung am Anfang trägt sogar noch weniger zur Geschichte bei. Welcher Krieg am Ende verloren ging, wird nicht klar.

Die Natur kann sich immer, immerimmerimmer, selbst regulieren. Denn Natur ist per Definition das, was ohne des Menschen Zutun ist/passiert. Es mag ja sein, dass das, wozu sich die Natur reguliert, dem Menschen nicht dient oder gefällt, aber es ist dennoch Natur. Selbst wenn alles Leben verschwände, wäre das eine Regulierung - zu toter Landschaft hin, die eben auch Natur wäre.
 



 
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