Das stille Ufer des Neckars - Eine Zeitreise-Geschichte - Im Geiste von Jack Finneys Time and Again (1970)

„Die Vergangenheit ist nie wirklich vergangen. Sie wartet nur darauf, wieder bewohnt zu werden."

Kapitel 1 - Das Foto

Es war ein Dienstagnachmittag im Oktober 1995, und Martin Lauer roch sofort, dass etwas mit der Fotografie nicht stimmte. Nicht das Motiv - die Alte Brücke, der Neckar im Dunst, eine Reihe Passanten im Sonnenlicht -, sondern das Material selbst. Er hielt den Albumin-Abzug unter die Lupe. Er bemerkte, wie das Silber an einer Stelle zu wandern schien. Ganz leicht, als wäre es noch nicht ganz entschieden, wo es hingehört.

Die Frau in der Bildmitte war das Letzte, was er bemerkte, bevor er die Lupe weglegte. Sie stand seitlich, ein Buch unter dem Arm, und blickte nicht in die Kamera. Nein - das war das Seltsame - die Dame blickte darüber hinaus.

Heidelberg, ca. 1894, stand auf der Rückseite des Umschlags in verblasster Tinte. Darunter, mit einem anderen Stift: Unbekannte Person, Brücke, Nachmittag.

Martin pinnte das Foto an die Korkwand über seinem Arbeitstisch und vergaß es. Oder versuchte es.

Dr. Elsa Vonderberg rief drei Tage später an. Ihre Stimme hatte die ruhige Autorität einer Frau, die an Widerspruch nicht glaubt, weil er ihr nie begegnet ist.

„Herr Lauer. Sie haben die Fotografie restauriert, die wir vor drei Wochen eingeliefert haben."

„Teilweise. Sie ist in gutem Zustand."

„Ich weiß. Das ist nicht der Grund meines Anrufs." Eine kurze Pause. „Ich würde Ihnen gerne etwas erklären. Persönlich. Haben Sie morgen früh Zeit?"

Er hatte Zeit. Er hatte immer Zeit.

**FORTSETZUNG FOLGT**
 



 
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