Ava L. Ries
Mitglied
Für sie und jede rote Rose dieser Welt
In einem Frühlingsgarten blühen Blumen aller Arten; schöne, feine, malerische und einzigartige. Neben Dahlien finden sich Hyazinthen und kleine Gänseblümchen reihen sich an wuchtige Chrysanthemen. Sie alle haben hier ihr Zuhause und sie alle fühlen sich hier wohl. Sie unterhalten sich und lächeln einander freundlich zu, wenn sich ihre Blüten in windigen Drehungen begegnen. Die Sonnenblumen sagen im Sommer voraus, wohin die Sonne wandern wird und bei starkem Regen schützen die älteren die jüngeren Pflänzchen. In diesem besonderen Garten, da wird aufeinander Acht gegeben, da wird sich gesehen und beschützt. Und mitten unter den vielen bunten Farben des Regenbogens stand eine einzelne rote Rose, die außergewöhnlich schön glänzte. Sie war noch jung und ungewöhnlich stachlige Dornen zierten ihr Tageskleid, die sie zuvor noch bei keiner anderen Schwester je gesehen hatte. Die rote Rose blickte sich um und erkannte, dass nur sie allein solch spitze Krallen hatte. So kam es, dass sie den Sinn ihrer Dornen nicht verstand und auch in den Gesprächen mit anderen Blumen bemerkte sie, dass diese alle nur störten, da sie so bedrohlich wirkten. Die Rose wollte aber keinesfalls in einer abwehrenden Haltung verharren oder jemanden aus Versehen verletzen. Sie war friedlich gesinnt und gesprächig. Die rote Rose war gewillt, jede Blume und ihre Eigenschaften kennenzulernen, ihre Vorlieben und was sie gar nicht mögen. Sie wollte für alle gleichermaßen da und erreichbar sein. Sie wollte geliebt werden und gemocht. Aber die Dornen machten sie eckig und jagten den anderen, deren Stämme weich und geschmeidig waren, immer mehr Angst ein. Daher legte die Rose ihre Stacheln ab.
Als sie bereits gewohnt war, selbst weich zu sein und ihren natürlichen Schutz zu unterdrücken, da kam ein Wesen in den Garten. Es war groß, überragte mit seinem aufrechten Gang alle anderen. Selbst die Sonnenblumen hatten große Mühe, seinen Kopf zu erreichen. Das Wesen sah eigenartig aus, war allen prächtig blühenden Pflanzen unbekannt. Noch nie hatte Es sich in ihre Reihen gewagt, sie wahrgenommen und gesehen. Am ersten Tag, da schlenderte Es gemütlich durch die Wiesenreihen, die zwischen den erdigen Beten lagen. Am zweiten Tag, da hielt Es vor den Gänseblümchen an und das ziemlich lange. Nachts, als das Wesen wieder verschwunden war, da wurden die kleinen Frühlingsblüher von allen anderen ausgefragt und auch die Rose hatte großes Interesse. Aber viel konnten sie nicht erzählen, sie wussten nur durch genaue Beobachtung, dass Es die Farbe der Porzellanblumen hatte, die sich um die Rundbögen am Eingang des Gartens winden, aber dieses Wesen war davon gänzlich durchzogen. Grüne Farbe, die fehlte ihm vollständig und statt Blätter trug Es braune Erde auf dem Haupt. Auch blau glitzernde Farbe fand sich in zwei weißen Rundungen und ein Stückchen darunter befand sich eine rote Linie, die sich immer wieder trennte und schloss. Eine seltsame Pflanze und so viel beweglicher als jegliches Rankengewächs, das sie alle kannten. Keine Blume konnte sich darauf etwas zusammenreimen.
Am dritten Tag kam Es wieder, das eigenartige Wesen. Es ging die Reihen entlang wie zuvor und hielt diesmal vor der roten Rose an. Sie war umringt von Löwenzahnköpfen, die gelblich schimmerten wie die Sommersonne. Und dennoch interessierte Es sich nur für sie, die rötlich glänzte. Sie erkannte, dass ihre Farbe ähnlich derer war, von der die Gänseblümchen berichteten. Die rote Linie seines Hauptes öffnete und schloss sich in regelmäßigen Abständen und formte sich zu Rundungen und dünnen Strichen. Die Rose wusste nicht, was dies bedeuten sollte und schaute gespannt zu bis die Dämmerung hereinbrach und das Wesen verschwand. Am nächsten Tag, da kam Es wieder. Und dann wieder. Und dann wieder. Immer wieder ruhte Es sich genau vor der roten Rose aus und allmählich dachte sie, zu verstehen, was Es wollte. Es wollte sie betrachten, wollte sie und ihre Schönheit ansehen, vielleicht sogar bewundern. Die Rose fühlte sich davon geschmeichelt und strengte sich an, das Wesen zu verstehen, denn scheinbar sprach Es mit ihr. Aber diese rosaroten Linien formten Laute, die niemals bei ihr ankamen. Nachts, kurz vor dem Einschlafen, da dachte die Rose intensiv nach. Sie wollte wissen, was das Wesen sprach, wollte Es verstehen und sich ebenso ausdrücken können. Aber sie schaffte es nicht. Sie würde Es niemals verstehen können.
Die einseitigen Gespräche gingen weiter und zogen sich in den tiefen Sommer hinein. Während die Löwenzähne zu Pusteblumen wurden, blieb die Rose leuchtend rot und schien gewachsen zu sein. Das Wesen kam täglich vorbei, um sie zu bewundern. Dann, eines Tages ganz plötzlich, durchdrangen die blauen Schimmer vor ihr ihre Seele und sie spürte, dass sie nicken musste. Also tat sie es. Die rosa Striche des Wesens formten eine Sichel wie die des Mondes, wenn er monatlich ab- und zunahm.
Am nächsten Tag war es dann soweit. Die Rose war noch nicht lange aus ihrem erholsamen Schlaf erwacht, da spürte sie eine tiefe Erschütterung. Auf einmal öffnete sie ihre Knospe und sah das Wesen mit der Mondsichel vor ihr stehen. Es hielt etwas Eigenartiges in der Hand. Es glich einem langen Ast, aber am Ende davon, da war etwas befestigt, das die Blume nicht verstand. Aber was es auch war, es half dem Wesen, die Erde rund herum zu lockern, wobei ein paar ihrer Pusteblumenfreundinnen zertreten wurden. Die Rose verstand nicht, was das sollte und begriff es auch lange danach nicht gänzlich. Das nächste, was sie wahrnahm, war eine gläserne Kuppel, unter der sie stand. Unter ihr war ein Gefäß aus Keramik, in das ein wenig Erde gekippt worden war. Durch die Scheiben konnte sie ganz viel Holz wie von Bäumen erkennen, aber die Gegenstände, die sie formten, machten ihr Angst. Wo war nur ihr Garten, die Wiese? Wo waren die anderen Blumen, ihre Schwestern? Wo war sie nur hingebracht worden? Verzweifelt tropfte der Morgentau aus ihrer Knospe heraus und ihr ganzer Stängel erzitterte. Es dauerte jedoch nicht lange, da war das Wesen wieder da und plötzlich beinahe auf derselben Höhe. Es musste nicht mehr auf die Rose hinabblicken wie die ausgewachsenen Sonnenblumen, sondern konnte sie direkt mit den himmelblauen Flecken berühren. Und das tat Es von nun an täglich, gerne auch nachts, wenn die Blume nichts weiter wollte, als sich auszuruhen. Sie wusste nicht, ob sie diese Aufmerksamkeit noch genießen sollte, weil es sie erdrückte. Ihr fehlte der Garten und die frische Luft. Das Wasser, das sie zum Leben brauchte, kam nicht mehr von oben aus den Wolken, sondern aus einer sonderbaren Konstruktion, die das Wesen ihr entgegenhielt. So vieles war neu und ungewohnt und beängstigend. Es würde dauern, bis die Rose sich an die neue Umgebung gewöhnt hätte, das wusste sie. Aber die gab ihr das Wesen nicht. Denn bald kam der Tag, an dem ihr Unheil begann.
Das so sehr nach Porzellanblumen aussehende Wesen kam mit seiner rosafarbenen Mondsichel und den blauen Flecken, sie zu pflücken. Es riss der Rose eines ihrer Blütenblätter aus und sie schrie. Sie schrie so unerträglich auf, dass es ihren ganzen Körper erzittern ließ. Aber das Wesen verstand sie nicht, war doch immer noch diese Barriere zwischen ihnen, die sich niemals auflösen würde. Nachdem Es fertig war, stülpte Es die Glaskuppel erneut über die nun auf ewig gebrochene Rose. Die verletzte Blume wusste nicht, was dies bedeutete und wieso Es ihr so etwas antat. Sie verlor an Kraft und Willen, denn täglich kam Es wieder und tat es. Es pflückte sie, Es rupfte ihre Blätter aus, manchmal auch mehrmals täglich. Die Rose verstand diese Gewalt nicht und wollte sie unterbinden, aber ganz gleich, wie laut sie auch schrie, Es ließ nicht los. Es drückte ihren Stängel, wenn sie sich zu sehr wand und hinterließ gelbe Flecken auf ihrem weichen Grün. Irgendwann, da versuchte die Rose stark zu sein und blieb während der Folter wach. Und nach dem Pflücken sah sie, was Es mit ihren Blättern tat. Es zerrieb sie und setzte sie in frische Erde ein. Wollte Es die rote Rose vermehren? Wollte Es mehr als nur die eine? Das waren die einzigen Gedanken, die sie dazu fassen konnte und doch konnte sie es nicht.
Eines Nachts, da ließ das Wesen sie endlich in Ruhe. Da fühlte sie sich nicht verletzt, betrogen und zerpflückt. Natürlich tat ihr gesamter Stängel weh und auch die Knospe war so stark beschädigt, dass sie wohl nie wieder ganz sein würde. Dennoch fand sie unter dem blauen Mond ein wenig Stille. Sie begann, die kleinen Knospen zu beobachten, die aus ihren eingesetzten Blütenblättern sprossen. Nur ganz wenige davon drangen nach wochenlanger Mühe durch die braune Erde. Jedes einzelne Mal fühlte die Rose ein wenig Erfüllung darin, weil es bedeuten würde, nicht mehr allein zu sein. Aber sobald das Wesen die tiefgrüne Farbe der Stängel bemerkte, schlug Es mit einer seiner Auswucherungen danach und zerbrach den Keramikbehälter auf dem harten Boden. Dabei schallten grausame Laute durch die Gegend und die Mondsichel war verzogen, war verzerrt. Auch die Rose schrie, obwohl sie niemand hören konnte. Keine Blume war in der Nähe, die sie verstehen könnte, keine Freundin, nach der sie sich so unendlich sehnte. Sie bereute es schon lange, an dem Wesen Gefallen gefunden und im falschen Augenblick ihre Knospe gesenkt zu haben. Sie hätte sie für immer hoch oben halten, sich schützen sollen. Niemals hätte sie ihre Dornen so unachtsam aufgeben sollen. Sie hätte lernen sollen, damit zu leben, hätte wissen müssen, wie sie damit umgeht, ohne andere zu verletzen, aber sich dennoch selbst beschützen zu können. Das erkannte sie jetzt. Aber es war zu spät. Denn irgendwann verstand die Rose den Wunsch des Wesens. Es wünschte sich einen blauen Krokus, aber erkannte nicht, dass aus einer zärtliche Rose wie sie es war niemals eine solche Blume entspringen könnte. Das Wesen war so wütend, das war Es ständig und doch schien Es seinen Plan nicht aufgeben zu wollen. Die kleinen Rosensprösslinge wurden zerstört, sobald ihre Art deutlich zu erkennen war. Die einst so schöne Mondsichel wurde zu einer unermüdlichen Fratze. Nichts machte der Rose so sehr Angst wie diese rosarote Linie. Denn wenn sie so verzogen war wie jetzt, dann bedeutete dies, sie würde wieder gepflückt werden und das tat weh. Es tat jeden Tag ein wenig mehr weh. Still ertrug sie es, musste es über sich ergehen lassen. Keine Pflanze konnte ihr helfen, konnte sie und ihre Gefangenschaft hören oder sehen. Sie ist gefangen, geschlagen, verletzt; erschöpft.
Doch eines Tages, da konnte die immer blasser werdende Rose eine Knospe verstecken. Sie hielt sie unter ihren schon lange gelb verfärbten Blättern geschützt und dadurch geheim. Sie wollte diesen kleinen Sprössling unbedingt durchbringen, um nicht mehr so allein zu sein, auch wenn sie wusste, wie wütend das Wesen auf sie sein würde. Dennoch hatte sie die Hoffnung, Es würde sie mit der selben Faszination betrachten wie einst sie. Vielleicht bestand eine klitzekleine Chance, dass das Wesen in einer neuen, kleinen Rose wieder diese Schönheit sehen könnte wie einst in ihr. Vielleicht könnte dies ihre Rettung sein, ihre Einsamkeit und die qualvolle Folter durchbrechen. Ganz achtsam wurde der Sprössling behütet und versteckt, während das Wesen sie genauso oft und hart pflückte wie eh und je. Nach Monaten des weiteren Ertragens war es so weit. Aus der Blüte war ein kleiner, starker Sprössling geworden und bereit, gezeigt zu werden. Voller Angst erzitternd öffnete die Rose einen kleinen Blick auf ihre Kleine und das Wesen verzog die dünnen Striche zu einer halben Mondsichel. Erleichterung machte sich in der Rose breit, weil sie ihre kleine Hoffnung darin bestätigt sah. Doch sie täuschte sich. Ihre Folter, die sollte nicht aufhören, auch wenn sie eine kleine Rose gebar, die ganz hell leuchtete. Denn dies war dem Wesen nicht genug. Immer noch wollte Es den blauen Krokus sehen, ihn erhalten, haben und erziehen. Nur verstand Es nicht, dass dies unmöglich war. Das konnte Es sein Leben lang nie begreifen.
So sollte die Gewalt weiter gehen, nicht nur zeitlich sondern ebenso auf ihrem Körper deutlich sichtbar abgezeichnet. Das tägliche Pflücken hörte irgendwann auf, dafür wurde ihr Stängel verletzt und die welken gelben Blätter gebrochen. Immer mehr verfärbte sich die Rose, wurde gelb und blau, an manchen Stellen violett. Aber das schien dem Wesen noch nicht zu genügen, es war noch nicht Strafe genug. Eine Strafe dafür, dass die Rose keinen blauen Krokus gebar, obwohl sie nichts dafür konnte. Gegen die Gesetze der Natur, da konnte nie jemand etwas. Das Wesen griff die Wurzeln der Rose an, durchtrennte sie unachtsam und Donner grollte durch die Luft. Irgendwann, da konnte die welke Rose ihren Kopf nicht mehr stolz oben tragen, konnte ihrem kleinen Sprössling nicht mehr gegenübertreten, musste sich verstecken. Mit einem weiteren Schlag erkannte die Rose all ihre begangenen Fehler. Niemals hätte sie das Wesen sie ansehen lassen sollen. Niemals hätte sie ihre Dornen aufgeben sollen. Niemals hätte sie die kleine Rose durch den Boden brechen lassen sollen. Denn das Wesen, das goss die Kleine nur widerwillig und mit wütender Mondsichel. Der Wunsch nach einer Gefährtin war falsch, konnte sie doch nicht ihrem Sprössling antun, von ihren Qualen zu erfahren. Niemals sollte sie davon erfahren.
Die Rose strengte sich an, sich zu verstecken, ihre Male geheim zu halten. Die Zeichen der unglaublichen Gewalt des Wesens sollte ihre Tochter nicht sehen. Auf keinen Fall. Und plötzlich kam der Rose eine Idee. Mit Anstrengung hatte sie es geschafft, ihre Dornen zu unterdrücken. Vielleicht könnte sie es mit ebenso großem Aufwand schaffen, sie wiederzubekommen. Vielleicht würde das wieder ihr Glück bedeuten.
Viele Monde vergingen und die Rose nutzte ihre letzten Kräfte, zog den letzten Saft mit dem Wasser, das Es ihr gnadenvoll gewährte, aus der Erde. Sie bemühte sich wie früher, wollte es, oh, sie wollte es so unbedingt. So geschah es, dass ihr eines Nachts wieder Dornen wuchsen. Sie sprossen aus ihr heraus, als hätten sie all die Jahre nur darauf gewartet, wieder Tageslicht zu sehen. Die Rose nutzte ihre Spitzen und schlug mit purer Gewalt die Glasscheibe vor ihr ein. Der Mond glitzerte und Scherben klirrten lautstark zu Boden. Jetzt musste es schnell gehen, das wusste sie genau und sie war darauf vorbereitet. In Windeseile wand sie sich aus der Erde, die von Keramik geschützt wurde, und hin zu ihrer geliebten Tochter. Ohne sie aus dem Schlaf zu reißen, hob sie sanft das friedliche Kind und wollte mit ihr gehen, mit ihr fliehen. Aber das Wesen war schneller und wütender als sie es erwartet hatte. Plötzlich griff Es nach der großen Rose und würgte sie, erwürgte sie beinahe. Die Tochter fiel zu Boden, erwachte und erschreckte. Die Rose schrie erstickt, schrie „Lauf, mein Kind!“, aber ihre Kleine verstand sie dafür zu schlecht. Sie konnte nichts mehr für ihre Tochter tun. Das Wesen erkennt das Kind und holt mit der Auswucherung aus, sie zu treffen und das tat Es. Die kleine Rose, noch viel zu jung, so etwas zu erleben, ging sofort zu Boden und das Wesen trug wieder diese verzerrte Mondsichel in seiner Knospe. Die blauen Flecke glänzten wutentbrannt und so brach Es sie. Dies gab ihr den Rest, das spürte sie sofort. Unachtsam warf Es sie zurück in die Erde, schüttete die wenigen Wurzeln zu und widmete sich der kleinen Rose. Diese pflanzte Es achtsam zurück und brachte sie außer Sichtweite. Dem Wesen war es wichtig, die kleine Blume beiseite zu schaffen, niemals sollte sie sehen, was ihrer Mutter angetan wurde, aber das tat sie bereits. Sie wusste es und das zu wissen, tat der großen Rose beinahe mehr weh, als ihre äußeren Verletzungen.
Die Rose spürte, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sie es nicht mehr schaffte. Sie erkannte ihren schmerzenden Stängel und die Knospe, an der kaum noch Blütenblätter hingen. Sie alle taten ihr weh, so weh und am meisten, dass ihr Sprössling nun ohne ihr auskommen musste. Niemals wollte sie, dass es so endet, dass so etwas ihrer kleinen Blume passierte. Sie war zu egoistisch, sich eine Gefährtin zu wünschen, die das Leben bei diesem grausamen Wesen erträglicher machen würde. Sie war zu einsam, zu verletzt gewesen und ist es jetzt noch in ihren letzten Momenten. Die Rose, sie hielt nicht mehr lange Stand. Ihre Schmerzen zu groß, der Kummer zu überwältigend und die Fürsorge nicht da. Niemand war da, als sie ging; als sie von uns ging.
Danach wurde die Rose unachtsam auf den Kompost geschmissen. Das Wesen trug wieder diese verzerrte Mondsichel in seiner Knospe und kein Morgentau rann die porzellanblumenfarbene Haut entlang. Die Rose war fort, sie ist gegangen und konnte nur erahnen, wie es ihrer Tochter nun ergehen würde und erhoffte sich das Beste für sie. Aus vollem Herzen hoffte sie, dass es ihr besser ergehen würde.
„Geh niemals mit diesem Wesen mit, mein Kind. Niemals“, wünschte sie sich so sehr, ihrer Tochter noch ein letztes Mal sagen zu können. Doch ihre Worte verklingen im Wind, als sie ihren letzten Atemzug nimmt.