die schutzflehenden (trochäische tetrameter, kreuzgereimt) (gelöscht)

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Mondnein

Mitglied
Dankeschön, HerbertH und Walther,

es freut mich vor allem, daß Ihrs gelesen habt. Ich hoffe, Ihr hattet ein wenig Spaß daran.

grusz, hansz
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Dieses sehr bildreiche und komplexe Werk hat mir gut gefallen.
Das Werk ist vieldeutig und nicht einfach zu verstehen, sondern man hat immer wieder neue Zugänge. Die Sprachwahl ist eher ungewöhnlich, aber reizvoll.
Ich denke, es würde sich auch gut für Parodien eignen, wegen der besonderen Sprache.
Interessant: Man bekommt immer mehr von der Gesellschaftskritik mit. Viele Probleme unserer Zeit sind drin versteckt.
Gut zum Vortragen geeignet.

Ich gratuliere zum Werk des Monats.
 

blackout

Mitglied
Die Schutzflehenden

Mit dem Titel will der Autor vermutlich vorgeben, sich auf "Die Hilfeflehenden" von Euripides zu stützen. Das tut er aber keinesfalls, der Titel allein will schon weismachen, dass sich der Autor in die athenische Szene begibt, und die ist eben was nur für Auserwählte. Eine Nasführung des Lesers, kurzgesagt. Genauso sind kreuzgereimte Trochäen keinesfalls etwas ganz Delikates, dieser Hinweis im Titel erinnert mich an die Französische Küche, wo allein die Aufzählung der Zutaten einen Höchstgenuss versprechen will und die Kasse klingeln lassen soll. Weiterhin versucht der Autor mit der Unsitte der getrennten Schreibung zusammengehörender Wörter sowie des sz statt ß sein Gedicht formal aufzuwerten. Diese maliziösen Indidvidualismen sind dem Gedicht meiner Ansicht nach abträglich.

Stilistisch ist das Gedicht in einer Sprache geschrieben, die gar nicht vorgibt, beim Leser Verständnis zu wecken. Diese Sprache stößt ihn ab, es sei denn, der Leser ist nicht bereit, zuzugeben, dass er nur Bahnhof versteht.

Nun ist die vorliegende Form die gängige Form von Autoren, die ihre "höhere Bildung" mit solchen Wortäußerungen beweisen wollen, indem sie in den griechischen Fundus greifen. Ich kann im Gegensatz zu meinem Vorkommentator keinerlei Bezüge für die Gegenwart in diesem Gedicht erkennen.

Ich halte dieses Gedicht lediglich für ein Kabinettstückchen eines Außenseiter-Autors, der sich von anderen Autoren dadurch abheben will, dass er sich "auch im Griechischen auskennt".

Insgesamt habe ich nichts dagegen, dass dieses Gedicht das Gedicht des Monats wird. Zeigt dieses Gedicht doch die Weltfremdheit und den Niedergang des Gegenwartsgedicht sehr deutlich, wie allgemein die deutsche Literatur, zumal die Lyrik, was Gegenwartsthemen angeht, im Niedergang befindlich ist.

blackout
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo, blackout, es mag interessant sein, Spekulationen über einen Autor und seine Absichten zu lesen. Im vorliegenden Forum wollen wir uns aber mit den Gedichten befassen.
Ein Gedicht kann hart kritisiert werden, damit habe ich kein Problem. Die Kritik sollte aber auf das Gedicht beschränkt bleiben.

Wie auch immer,
viele Grüße von Bernd
 

Aerath

Mitglied
Lyrik darf den Leser verwirren, absolut. Lyrik darf mit Worten spielen und syntaktischen und semantischen Vorgaben brechen, auch klar. Das Werk erscheint mir aber doch sehr bemüht, sehr konstruiert (klar, Lyrik ist ja auch konstruiert). Das trifft leider gar nicht meinen Geschmack, ob nun humanistisches Wortgeklingel, wie blackout meint, oder nicht. Einfach nicht mein Geschmack, da es mir zu erzwungen künstlerisch wirkt.
 

Mondnein

Mitglied
Die Schutzflehenden

Mit dem Titel will der Autor vermutlich vorgeben, sich auf "Die Hilfeflehenden" von Euripides zu stützen. Das tut er aber keinesfalls, der Titel allein will schon weismachen, dass sich der Autor in die athenische Szene begibt, und die ist eben was nur für Auserwählte. Eine Nasführung des Lesers, kurzgesagt.
Liebe blackout!

Gut erkannt.

Genauso sind kreuzgereimte Trochäen keinesfalls etwas ganz Delikates, dieser Hinweis im Titel erinnert mich an die Französische Küche, wo allein die Aufzählung der Zutaten einen Höchstgenuss versprechen will und die Kasse klingeln lassen soll.
In der Tat: "kreuzgereimt" ist schon ein Hochgenuß, aber "Trochäen", die sind schon Delikatessen für Eingeweihte.
Ich hoffe, das Finanzamt liest hier nicht mit. Sonst muß ich nachzahlen bis zur Pleite.

Weiterhin versucht der Autor mit der Unsitte der getrennten Schreibung zusammengehörender Wörter sowie des sz statt ß sein Gedicht formal aufzuwerten. Diese maliziösen Indidvidualismen sind dem Gedicht meiner Ansicht nach abträglich.
ähmmm - meinst du die Sz-Ligatur? Diesen bösartigen Indidvidualism habe ich mit Jandls Lebensgefährtin gemeinsam, und mit einem alten Rgveda-Übersetzer, das habe ich schon ein paar mal erzählt.
Beisewei: Ligaturen sind spätgotische Überfrachtung der Schrift; seit der Renaissance werden sie allesamt aufgelöst. Die Schweizer lösen alle Sz-Ligaturen zu einem Doppel-S auf, einige Dichter verstehen die Sz-Ligatur als Sz-Ligatur. Weiß der Himmel, warum.

Stilistisch ist das Gedicht in einer Sprache geschrieben, die gar nicht vorgibt, beim Leser Verständnis zu wecken. Diese Sprache stößt ihn ab, es sei denn, der Leser ist nicht bereit, zuzugeben, dass er nur Bahnhof versteht.
?? ist eigentlich ein bloß erzählender Text, nicht besonders kryptisch. Schau mal bei dem Unreimen rein, oder lies mal Lyrik der letzten 150 Jahre, symbolistische, surrealistische, avantgardistische.
Offensichtlich bist Du ein bißchen naiv. Das ist für mich eine Tugend. Behalte sie bei, die süße Unschuld. Hält Dich schön.

Nun ist die vorliegende Form die gängige Form von Autoren, die ihre "höhere Bildung" mit solchen Wortäußerungen beweisen wollen, indem sie in den griechischen Fundus greifen. Ich kann im Gegensatz zu meinem Vorkommentator keinerlei Bezüge für die Gegenwart in diesem Gedicht erkennen.
Ich auch nicht. Robotrixen sind was aus der Scifi-Schublade der Fuffziger, Sechziger, Siebenziger, also für Sechzigplusser wie Bernd. Alte Klapperkisten. Hinter dem Mond. (Ich meine die Robotrixen, nicht Bernd, diesen jungen Spund.)

Ich halte dieses Gedicht lediglich für ein Kabinettstückchen eines Außenseiter-Autors, der sich von anderen Autoren dadurch abheben will, dass er sich "auch im Griechischen auskennt".
Absolut richtig. Eine Norne. Ein Spinner. Ein Wörldweidweberknecht.

Insgesamt habe ich nichts dagegen, dass dieses Gedicht das Gedicht des Monats wird. Zeigt dieses Gedicht doch die Weltfremdheit und den Niedergang des Gegenwartsgedicht sehr deutlich, wie allgemein die deutsche Literatur, zumal die Lyrik, was Gegenwartsthemen angeht, im Niedergang befindlich ist.

blackout
Wenn es sich bei diesem Machwerk überhaupt um ein Gegenwartsgedicht der "deutschen Literatur" handelt. Das muß man bei dem Mangel an Qualität sehr bezweifeln. Es ist viel zu narrativ. Narrenstoff.
Und dieses trochäische Geleiere - hat das noch keiner bemerkt, daß es genau vier hoch vier Silben hat? Hüftsteif, wie die veralteten Robotergesten von tanzenden Disko-Affen. Demnächst noch ägyptische Fingergabeln an Augen und Schläfen entlang. Gähn.

grusz, hansz (hanß?)
 

Mondnein

Mitglied
Blackout hat recht!

Stimme der Bewertung von Blackout in Gänze zu.
lacebin und aerath - pardon, habt Ihr beiden Lyrikspezialisten überhaupt je [blue]einen einzigen Vers[/blue] in Eurem Leben geschrieben?

Ich kenne Euch nicht.

Auf die Seite der Böcke mit Euch! (Das ist zur Linken des Richters).
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo, mondnein, bitte keine persönlichen Angriffe. Das habe ich weiter vorn sinngemäß zu anderen auch schon geschrieben.

Ich verstehe, dass Du Dich angegriffen fühlst.
 

Aerath

Mitglied
Also ich muss keine lyrischen Texte schreiben, um sie zu lesen oder zu werten. Ich darf ganz sicher mitteilen, dass mir das Gedicht nicht gefällt. Persönlich angegriffen habe ich den Autor keinesfalls und das habe ich auch nicht vor. Da das Gedicht zum Werk des Monats erkoren wurde, scheint es doch seine Liebhaber zu haben. Zu denen gehöre ich nun mal nicht. In der Literaturkritik gilt ja auch grundsätzlich: ein Werk kann von höchster Qualität sein, gefallen muss es mir trotzdem nicht. Surrealistische Werke von Breton sind auch "gute Literatur" und gefallen mir nicht - z.B. weil mir der ganze Surrealismus zu aufgesetzt ist, zu erzwungen. Ich mag lateinamerikanische Literatur, mit der spiele ich in meinen Prosa-Texten manchmal, mögen viele auch nicht, damit muss man dann leben.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
[blue]Hallo, Aeraht, Deine Antwort war völlig ok. Um die ging es nicht.
Habe ich auch nicht kritisiert. Es geht darum, dass der Autor und nicht sein Werk in den Vordergrund der Kritik gestellt wird. Der Übergang ist immer fließend.
Das Werk kann scharf kritisiert werden. Autoren von Werken und Kritiker sollen dagegen nicht kritisiert werden.
Wir wollen kooperieren und uns gegebenenfalls helfen.[/blue]
(Ich habe das blau gemacht, weil es um redaktionelle Fragen geht.)
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
[blue]Ich bitte nochmals, Kommentare auf den Text zu beschränken.
Nach Rücksprache in der Redaktion habe ich die letzen Kommentare abgetrennt und das Werk wieder freigegeben.[/blue]
 

Mondnein

Mitglied
Ich möchte, liebe Leser,

nur kurz etwas zum Zusammenhang des Gedichtes mit dem Euripides-Tragödien-Titel nachtragen.

In der Tat war nicht die Hiketiden-Tragödie des Euripides selbst Anlaß zu diesem Gedicht, sondern eine Lektion in dem Griechisch-Schulbuch, das ich in der Griechisch-AG unserer Schulde benutze. Ich hatte die Tragödie noch nicht gelesen, als ich das Schulbuch erst einmal selbst von Anfang bis Ende durcharbeitete, durchübersetzte und auf die zur Erzählung zusammengekürzte Hiketiden-Lektion stieß.
Das Auffällige, geradezu Komische, das gerade in der Kurzfassung auffiel, war die Fünfzigzahl der Danaos-Töchter einerseits, denen, was für eine Symmetrie!, eine Fünfzigzahl von Aigyptos-Söhnen so genau entsprach, daß man die einen Fünzig mit den anderen geradezu paaren mußte.

Dieses Motiv habe ich hier beibehalten.

grusz, hansz
 

Mondnein

Mitglied
[ 4] die schutzflehenden


sieben klone des aigyptos sohnes klonten jeder in sich
sexlos sechse – doch mit sechs mal sieben kamen jene sieben
neunundvierzig all zusammen – mit den sohne selber find ich
fünfzig söhne des aigyptos die umwarben fünfzig lieben:

danaiden kunstgebaut maschinen voll berechnung lieszen
mechatronisch heisz elektrisch den orgasmus weiszlicht bogen
durch das herz der klone schieszen die sich gleich aigyptos hieszen
zogen arglos weiter flohen nach argolis wo sie logen

jene fleisch kopien hätten ihrem keuschen blech avancen
tête a tête fisimatenten und so fort frech angeboten
ihnen notgeil nachgejagt – doch schlieszlich gäben sie bon chancen
nonchalant den hanumanen wie persephone den toten:

fünfzig robotrixen tricksten fünfzig klonkopien nächtig
aus mit fünfzig hertz strom schlägen dass die sprangen wie forellen
zückten noch ihr schwert entzückt durchjuckte sie die klinge mächtig
nacht für nacht durchsummt ihr ton der lethe wechsel stromortschnellen
 
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