Anders Tell
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Endlich servicefrei
Es mag quälend sein, aber den Blick zurück im Zorn kann ich keinem ersparen. Zurück zu einer Zeit der servilen Aufdringlichkeit, in der der Kunde vorgeblich noch König war. Zurück zu Tante Emma. Dieser stets leicht beschwipsten Vettel, die hämisch ihr rotes Büchlein zückte, wenn man zum Monatsende hin wieder einmal anschreiben lassen musste. Die jeden Tratsch und alle Geheimnisse ihrer Kunden kannte und verschwörerisch zu verbreiten wusste.
Ein ähnliches Exemplar beherrschte die Frischetheke im Supermarkt: die Grünzeug-Direktrice. Mit ihrer Halbbrille, die an einer bunten Kette um ihren Hals baumelte, gab sie sich den Anschein unübertroffener Fachkunde. Als ich einmal kurz vor Ladenschluss fragte, ob die Auberginen nicht schon etwas überreif wären und ob sie nicht etwas im Preis nachlassen könnte, sagte sie mit dieser unerbittlichen Expertenmiene:
,„Die was?”
„Die Auberginen,” wiederholte ich.
“Ach, Sie meinen die Overtschins.”
Vor so viel Kompetenz kapitulierte ich.
An den Frischetheken für Fleisch, Wurst und Käse war diese Spezies auch verbreitet. Quälend langsam rückte die Kundenschlange voran, wenn die Fachverkäuferin Frau Geheimrat die Vorzüge der Elefantenrüssel- Pastete erklärte. Wer vermisst so etwas?
Man konnte sich glücklich schätzen, dass sich für alles weitere die Selbstbedienung durchgesetzt hatte. Wenigstens müsste man jetzt keine Zeit mehr damit vergeuden, sich jedes bisschen über die Theke reichen zu lassen.
Endlich an der Kasse angelangt, hatte das unnötige Warten noch kein Ende. Der Supermarkt als Ort der Begegnung. Ausführlich ratschte die Kassiererin mit fast jedem Kunden und sie zeigte unendliche Geduld, als Oma Grete ihre Groschen zusammensuchte. Natürlich hatte sie ihr beim Einpacken geholfen und hätte sich bald angeschickt, ihr die Taschen nach Hause zu tragen.
Etwas zügiger ging es bei den Discountern zu. Sie waren ja schon immer Vorreiter in Fragen der Effizienz. In speziell geschultem Affenzahn ratterte die Kassiererin die Posten blind in die Rechenmaschine. Bedientheken gab es hier schon keine mehr. Das Sortiment so schmal und flach, dass der Kunde der Qual der Wahl völlig enthoben war.
Dann kamen gegen großen Widerstand zweier bekannter Brüder die Scannerkassen. Gnadenlos schiebt die Akkordkraft die Waren auf das viel zu kurze Ausgabeende, bildet turmhohe Hügel aus den Artikeln und der Kunde gerät in Schweiß, seine Sachen im Einkaufswagen zu verstauen. Wer jetzt noch Cents herauskramt, hat wirklich Nerven. Zeit war einzig für die Floskelmaschine: “Vielen Dank und noch einen schönen Tag”.
Doch es gibt Licht am Horizont: Zusehends verbreiten sich die Selbstscannerkassen. Hier wiegt und scannt man ganz als Herr des Verfahrens. Eben mit der Karte bezahlt und fertig. Und wieder unnötiges Personal gespart.
Ein Oberbilligheimer hat in einer Testfiliale das personal freie Konzept vorgestellt. Der Einkaufswagen der Zukunft regelt alles: EC-Karte in den vorgesehenen Schacht und los geht's. Beim Einlegen der Waren scannt der Wagen selbsttätig. Er ermittelt die Endsumme und zieht den Betrag vom Konto ein. Tolles Konzept, welches aber auf wenig Gegenliebe stößt.
Das ist ja auch nicht konsequent zu Ende gedacht. Es werden ja immer noch Leute benötigt, die z. B. die Regale auffüllen. Das könnte doch auch dem Kunden übertragen werden. Jeder, der sieht, dass ein Posten fast vergriffen ist, geht eben ins Lager und holt einen Karton. Damit füllt er dann sachgerecht das Regal auf.
Man kann ja Anreize bieten: Die ausgezeichneten Preise gelten nur für Kunden, die Gemeinwohldienste nachweisen können. Alle anderen zahlen einen Malusaufschlag. Da bekommt das Wort “Payback” eine ganz andere Bedeutung.
Alle anfallenden Arbeiten erledigt der Kunde. Es kann ja nicht zu viel sein, morgens eben ein, zwei Gänge feucht durchzuwischen oder einen Teil der Fenster zu putzen. Engagiertere Kunden könnten einen Zwölftonner mieten und Waren vom Zentrallager holen. Andere wieder laden den LKW ab und die Sachen ins Lager. Naja, jetzt ist eben Phantasie gefragt.
Die Stimme kommt jetzt vom Band:
“Vielen Dank für Ihren Einkauf und noch einen schönen, weiterhin servicefreien Tag.”
Es mag quälend sein, aber den Blick zurück im Zorn kann ich keinem ersparen. Zurück zu einer Zeit der servilen Aufdringlichkeit, in der der Kunde vorgeblich noch König war. Zurück zu Tante Emma. Dieser stets leicht beschwipsten Vettel, die hämisch ihr rotes Büchlein zückte, wenn man zum Monatsende hin wieder einmal anschreiben lassen musste. Die jeden Tratsch und alle Geheimnisse ihrer Kunden kannte und verschwörerisch zu verbreiten wusste.
Ein ähnliches Exemplar beherrschte die Frischetheke im Supermarkt: die Grünzeug-Direktrice. Mit ihrer Halbbrille, die an einer bunten Kette um ihren Hals baumelte, gab sie sich den Anschein unübertroffener Fachkunde. Als ich einmal kurz vor Ladenschluss fragte, ob die Auberginen nicht schon etwas überreif wären und ob sie nicht etwas im Preis nachlassen könnte, sagte sie mit dieser unerbittlichen Expertenmiene:
,„Die was?”
„Die Auberginen,” wiederholte ich.
“Ach, Sie meinen die Overtschins.”
Vor so viel Kompetenz kapitulierte ich.
An den Frischetheken für Fleisch, Wurst und Käse war diese Spezies auch verbreitet. Quälend langsam rückte die Kundenschlange voran, wenn die Fachverkäuferin Frau Geheimrat die Vorzüge der Elefantenrüssel- Pastete erklärte. Wer vermisst so etwas?
Man konnte sich glücklich schätzen, dass sich für alles weitere die Selbstbedienung durchgesetzt hatte. Wenigstens müsste man jetzt keine Zeit mehr damit vergeuden, sich jedes bisschen über die Theke reichen zu lassen.
Endlich an der Kasse angelangt, hatte das unnötige Warten noch kein Ende. Der Supermarkt als Ort der Begegnung. Ausführlich ratschte die Kassiererin mit fast jedem Kunden und sie zeigte unendliche Geduld, als Oma Grete ihre Groschen zusammensuchte. Natürlich hatte sie ihr beim Einpacken geholfen und hätte sich bald angeschickt, ihr die Taschen nach Hause zu tragen.
Etwas zügiger ging es bei den Discountern zu. Sie waren ja schon immer Vorreiter in Fragen der Effizienz. In speziell geschultem Affenzahn ratterte die Kassiererin die Posten blind in die Rechenmaschine. Bedientheken gab es hier schon keine mehr. Das Sortiment so schmal und flach, dass der Kunde der Qual der Wahl völlig enthoben war.
Dann kamen gegen großen Widerstand zweier bekannter Brüder die Scannerkassen. Gnadenlos schiebt die Akkordkraft die Waren auf das viel zu kurze Ausgabeende, bildet turmhohe Hügel aus den Artikeln und der Kunde gerät in Schweiß, seine Sachen im Einkaufswagen zu verstauen. Wer jetzt noch Cents herauskramt, hat wirklich Nerven. Zeit war einzig für die Floskelmaschine: “Vielen Dank und noch einen schönen Tag”.
Doch es gibt Licht am Horizont: Zusehends verbreiten sich die Selbstscannerkassen. Hier wiegt und scannt man ganz als Herr des Verfahrens. Eben mit der Karte bezahlt und fertig. Und wieder unnötiges Personal gespart.
Ein Oberbilligheimer hat in einer Testfiliale das personal freie Konzept vorgestellt. Der Einkaufswagen der Zukunft regelt alles: EC-Karte in den vorgesehenen Schacht und los geht's. Beim Einlegen der Waren scannt der Wagen selbsttätig. Er ermittelt die Endsumme und zieht den Betrag vom Konto ein. Tolles Konzept, welches aber auf wenig Gegenliebe stößt.
Das ist ja auch nicht konsequent zu Ende gedacht. Es werden ja immer noch Leute benötigt, die z. B. die Regale auffüllen. Das könnte doch auch dem Kunden übertragen werden. Jeder, der sieht, dass ein Posten fast vergriffen ist, geht eben ins Lager und holt einen Karton. Damit füllt er dann sachgerecht das Regal auf.
Man kann ja Anreize bieten: Die ausgezeichneten Preise gelten nur für Kunden, die Gemeinwohldienste nachweisen können. Alle anderen zahlen einen Malusaufschlag. Da bekommt das Wort “Payback” eine ganz andere Bedeutung.
Alle anfallenden Arbeiten erledigt der Kunde. Es kann ja nicht zu viel sein, morgens eben ein, zwei Gänge feucht durchzuwischen oder einen Teil der Fenster zu putzen. Engagiertere Kunden könnten einen Zwölftonner mieten und Waren vom Zentrallager holen. Andere wieder laden den LKW ab und die Sachen ins Lager. Naja, jetzt ist eben Phantasie gefragt.
Die Stimme kommt jetzt vom Band:
“Vielen Dank für Ihren Einkauf und noch einen schönen, weiterhin servicefreien Tag.”
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