Hoffnungen

„Nee, glaub ich nicht!“
„Aber wieso nicht? Ich mein, immerhin schreiben wir!
„Ja, aber hast du dir mal angeschaut, wie viel ihr schreibt?“
„Ja, halt schon so recht viel.“, unterbricht er seinen Bruder.
„Nachdem was du erzählt hast? Du kamst gestern freudestrahlend zu mir rein und meintest zu mir, dass ihr heute voll viel geschrieben habt. Und wie lange war es? Ne halbe Stunde?“
„Ja, schon, aber…“
„Nee, nichts aber !“ Diesmal unterbricht sein großer Bruder ihn. „Lass dir das von mir gesagt sein: Wenn ein Mädchen Interesse an dir hat, dann lässt sie dich nicht ewig auf gelesen. Und das begreifst du nicht, hast du noch nie!"
Sein Bruder versteht es einfach nicht! Sie braucht halt ein bißchen länger, wenn sie Gefühle für ihn entwickeln soll. Nicht jeder verliebt sich so schnell, wie er das tut und nicht jeder ist dann so hartnäckig und dabei so unsicher, wie ein Wind der die Wüste verschieben will.
„Aber sie hat mich gefragt, ob ich mit ihr den Tanzkurs machen will.“, wendet er ein.
„Nachdem du ihr das Angebot ständig vor die Nase gehalten hast, wie einem Narzissten den Spiegel! Natürlich hat sie es angenommen, bei dem Jungsmangel bei euch im Kurs! Hätte jeder!“
„Also erstens, ich habe es höchstens ein-oder zweimal in Gesprächen beiläufig erwähnt“ Eine ungläubige Augenbraue wandert im Gesicht seines Bruders nach oben. „Und zweitens, wusste ich da noch gar nichts von meinen Gefühlen!“ Seine Stimme wird lauter und er spricht schneller. Seine Gedanken spielen Mario Kart. Sie werden immer schneller. Kann es sein, dass sein Bruder doch recht hat? Ist es dann dumm, sich Hoffnungen zu machen, nur um dann erneut schmerzhaft zu fallen?
„Soso, du wusstest noch nichts von deinen Gefühlen? Und wie erklärst du dir dann, dass einen halben Tag später, wenn deine Erzählung stimmt, ein vor Glück glühender kleiner Bruder der ganzen Familie eröffnet, dass er sich verliebt hatte, sie mit ihm Tanzkurs macht und er deswegen nur im Notfall beim Telefonieren gestört werden möchte? Unsere Schwester und ich haben gewettet und bisher gewinne ich mit null Telefonate. Sie hat dir mindestens eins zugetraut.“ Besagte Schwester hob den Kopf und lallt: „Wenn ich meine Hirnschläfen massiere, dann denke ich noch weniger.“ Ihr Kopf sackt wieder nach vorne und sie schläft weiter. Die beiden Brüder starren sie fassungslos an. So viel Blödsinn labern sonst nur die beiden. Der Ältere findet als Erstes seine Contenance wieder: „Das nächste Mal weniger Shots für sie!“ Der Jüngere lacht. Die Stimmung entspannt sich ein bißchen.
„Ich glaub trotzdem, dass das mit ihr und mir was wird“ Er glaubt wirklich daran. In seiner Stimme liegt die Überzeugung eines fanatischen Religionsanhängers.
„Na, du musst es ja wissen!“ Sein Bruder lächelt belustigt
„Nee, wirklich. Ich mein immerhin hat sie mich gefragt, ob ich mit ihr auf den Ball gehen will.“
„Nicht weiter auffällig. Du bist ihr Tanzpartner. Wen hätte sie sonst fragen sollen?“
„Sie hätte Joshka fragen können, der sie gefragt hat, ob sie mitkommt. Außerdem hat sie mich schon mehrmals gefragt, ob ich mit ihr hoch laufen will.“
„Ja, aber das ist bei ihr wirklich nichts besonderes. Sie will einfach nicht allein zum Bahnhof laufen. Mich hat sie auch schon gefragt, ob ich sie begleiten kann. Und auf mich steht sie ziemlich sicher nicht.“
So langsam sickert die Erkenntnis durch, dass es nicht sicher ist, dass sie von ihm was will. Ein leichter Schmerz breitet sich von seinem Herz über die Arterien im ganzen Körper aus. Ein Schmerz, der eigentlich ernst in einigen Monaten nach der endgültigen Ablehnung noch viel stärker auftreten soll.

„Und was soll ich jetzt tun?“
 

jon

Mitglied
Hallo Basti,

ich würde gleich im ersten Satz mitteilen, dass hier Brüder miteinander reden - einfach, damit der Leser sich zu den Worten von Anfang an Personen (zumindest ungefähr) vorstellen kann. Sinnvoll wäre auch, das Set zu umreißen - ich war etwas irritiert, als sich plötzlich eine Schwester zu Wort meldete. (Allerdings ist diese Passage eigentlich für die Story völlig unerheblich - du könntest also auch einfach darauf verzichten.) Außerdem würde ich Namen vergeben; die müssen ja nicht ständig genannt werden, aber dann kann man sowas wie "unsere Schwester und ich haben gewettet" besser schreiben (in echt würde man den Namen benutzen).

Ich habe hier den Überblick verloren:
Und wie erklärst du dir dann, dass einen halben Tag später, wenn deine Erzählung stimmt, ein vor Glück glühender kleiner Bruder der ganzen Familie eröffnet, dass er sich verliebt hatte, sie mit ihm Tanzkurs macht und er deswegen nur im Notfall beim Telefonieren gestört werden möchte? “
Der kleinere Bruder sagte doch gerade, dass er erst bei der Anfrage des Mädchens gemerkt haben will, dass er verschossen in sie ist. Dann ist es doch logisch, dass er "einen halben Tag später" der Familie das erzählt.
Ich bin auch irritiert darüber, was für eine "Erzählung" der große Bruder meint.


Die Stelle, wo die Schwester mitredet, ist in Sachen Absätze nicht richtig und damit schlechter zu lesen.
Die Leerzeile vor dem letzten Satz ist falsch - es gibt hier keinen Sprung.
An einigen Stellen fehlen Satzzeichen bzw. sind sie falsch.
 



 
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