I love to turn you on

Er machte sich gerade ein Schuhsohlen-Steak für 10 Euro pro hundert Gramm, als der Strom ausging.
Die Bude war dunkel.
Der Fernseher ging aus und für einen kurzen Moment bekam er Paranoia.
Es war so leise, so still, dass er den Regen gegen die Fensterscheibe knallen hörte.
Zuerst dachte er, ein Blitz hätte eingeschlagen.
Aber dann fiel ihm ein, dass das nicht zum ersten Mal passiert ist.
Er ging zum Sicherungskasten, kratzte sich an den Eiern – die neuen Unterhosen waren ihm zu klein.
Ein Auto fuhr an seinem Fenster vorbei und für kurze Zeit wurde das ganze Zimmer vom Scheinwerferlicht der Karre hell.
Er glaubte, das Gesicht des Fahrers gesehen zu haben, eine spöttische, gemeine Hackfresse.
Dann versuchte er, die kleine Tür des Sicherungskastens aufzumachen, aber sie klemmte.
Auch das war beim letzten Mal passiert.
Kurz musste er an einen Roman denken, den er vor Kurzem gelesen hatte, „The Shards“ oder so hieß der, in dem irgendein Psycho durch die Hügel streifte und Menschen abschlachtete. Komisch, warum er genau in diesem Moment daran denken musste.
Die Tür ging noch immer nicht auf und er verlor langsam die Geduld.
Drüben auf der Fensterbank lag sein Handy, er wollte die KI fragen, aber er checkte, dass er ohne Strom auch kein Internet hatte und ohne Internet keine KI.
Also machte er weiter, ungeduldig, schon leicht gestresst.
Gott sei Dank gab es so was wie Psychos hier, wo er wohnte, nicht.
Sicher gab es ein paar Psychos, die gibt es doch überall, aber keiner von denen würde einfach durch sein Fenster steigen und ihn auf bestialische Weise abschlachten, oder?
Er hörte ein Klopfen und zuckte zusammen.
Fuck, hätte er doch bloß nicht diesen Joint geraucht.
War bestimmt nur ein Ast, der vom Wind gegen das Fenster geworfen wurde.
Aber gab es neben seinem Fenster überhaupt einen Baum?
Eher nicht.
Es klopfte wieder.
Das Klopfen kam aus dem Badezimmer.
Er versuchte, ruhig zu bleiben.
Er lebte doch in einem friedlichen Umfeld und auch noch im zweiten Stock, wer würde hier schon einbrechen?
Es klopfte wieder und wieder, langsam wurde ihm schlecht.
Er schlich am Bad vorbei in sein Schlafzimmer und nahm das Katana von der Wand.
Ein Freund schenkte es ihm mal zum Geburtstag, der hatte es auf einem dieser China-Märkte gekauft, es war zwar nicht scharf, aber man konnte damit bestimmt jemanden ausknocken.
Dann stand er vor der Badezimmertür und atmete tief ein und aus, ein und wieder aus, bevor er mit dem Katana über der Schulter die Tür aufkickte.
Niemand war da, nur der Saugroboter, der die Duschkabine rammte.
Dieser beschissene Roboter fuckte ihn schon lange ab, seine Exfreundin hatte ihn bei ihm gelassen.
Er drosch mit dem Katana auf den Roboter ein.
„Reinigung starten“,
„Reinigung stopp“,
„Laden starten“,
„Reinigung stopp“,
„Reinigung starten“,
„Reinigung stopp“.
Er schrie und drosch auf ihn ein, jetzt wurde er zum Psycho.
„Laden starten“,
„Reinigung stopp“.
Der Roboter war am Arsch und er machte sich eine Kippe an.
Dann ging er wieder zum Sicherungskasten und bekam die Tür auf, schob den blauen Schalter für die Hauptsicherung wieder nach oben und das Licht ging an.
Die Spülmaschine machte „Pie pie piep“ und der Propeller im Backofen drehte wieder seine Runden.
Er fühlte sich gut, stark und mächtig.
Dann machte er das Schuhsohlen-Steak in den Backofen und kippte das Fenster, hörte, wie eine Autotür zugeschlagen wurde und das Licht ging wieder aus.
 
Hi, Seufzender Stein,
das erinnert mich an meine Haushaltsgeräte. Ich habe mich dazu hinreißen lassen, mir einen Roboter anzuschaffen, obwohl ich gleich Bedenken hatte, da meine Wohnung sehr klein ist. Wenn mich jetzt mal, das Bedürfnis überkommt, Staub zu saugen, muss ich ihn erst vier Stunden aufladen. Dann ist meist mein Bock auf Saubermachen verraucht.
Ebenfalls habe ich einen Wischroboter, den ich noch seltener im Einsatz habe. Eigentlich nie. Obwohl er wirklich sehr cleane Flächen hinterlässt. Er ist sehr gesprächig und beschwert sich ständig, dass irgendwas nicht hinhaut. Dann heißt es wieder auf die Knie gehen und dran rumfummeln oder in der Anleitung blättern. Denn Durchbruch brachte ein you-tube-Video, das mir den gewissen Trick zeigte, mit dem die beiden Teile, aus dem der Roboter besteht, zusammengesetzt werden. Vorher lief gar nichts.
So versuche ich jetzt, wenn ich ihn alle Jubeljahre mal aus dem Karton nehme, mich an diesen Trick, ohne den nichts geht, zu erinnern. Wenn man einmal den Bogen raus hat, ist er wohl im Unterbewusstsein verankert.
Noch viele nette Gespräche mit den Haushaltsgeräten - Thermomix - wünscht
Friedrichshainerin
 



 
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