In gemeinsamer Sache?

trivial

Mitglied
Es ging mir heute so durch den Kopf. Mag sein, dass es unreflektiert oder sogar naiv ist. Aber am Ende denke ich: Ob die Herleitung nun wasserdicht ist oder undicht wie ein Nudelsieb – worauf es mir ankam, ist nicht so weit hergeholt. Im Wirrwarr des Weltgeschehens und durch die zunehmende Atomisierung der Gesellschaft verlieren wir leise das was uns ausmachte: die gemeinsame öffentliche Sache.

Wobei mir dies selbst erst im schreiben bewusst wurde, weshalb ich dieses persönliche Pamphlet – ursprünglich gegen das Versagen der Gewerkschaften; welches nur an mich gerichtet lose Gedanken ordnen sollte – hier teile. Da mir dieser Verlust tragisch und erwähneswert scheint.


Mal angenommen, ein Chemieunternehmen bekommt 4 Millionen Euro Jährlich staatliche Förderung, durch diverse Steuerprivilegien, dann sind das bei 450 Mitarbeitern ca. 740€ Monatlich pro Mitarbeiter. Auszubildende und Hilfsarbeiter natürlich weniger, außertarifliche Manager mehr. Nur dass die tarifliche Mitte quasi 740€ dafür zahlt um Arbeiten zu dürfen (Arbeitsplatzsicherung), während die außertariflichen meist direkt von der Profitabilität des Standorts durch zum Beispiel Boni-Zahlungen partizipieren.

Nun erklärt die IGBCE sich bereit bis Januar auf Lohnerhöhung zu verzichten und dann mit 2,1% deutlich unter der zu erwarteten und bereits vorhandene Inflation liegt.

Ein deutlicher Reallohnverlust mit gleichzeitiger steuerlicher Subventionierung des Arbeitgebers.
Eine Umverteilung von unten nach oben.

Bleibt die Frage: One Team one Vision oder doch lieber Klassenkampf wo er hin gehört – nicht zwischen linken und rechten, guten und bösen ... sonder Arbeitnehmer und Arbeitgeber – Bourgeoisie und Proletariat.

Aber wen interessiert das schon im größten Kampf der Menschheitsgeschichte – gegen Rechts und für unsere Demokratie.

Natürlich ist es überspitzt und vereinfacht. Gegen wen soll man heutzutage rebellieren?

Gegen Investoren oder Vermögensverwaltungen, gegen ein System, dass asymmetrische Verteilung verstärkt und den Hauptbetroffenen trotzdem suggeriert, welch Glück sie haben, überhaupt noch arbeiten zu dürfen, gegen die Umstände inszeniert als höhere Macht – gegen Windmühlen?

Und mit wem an seiner Seite soll man Kämpfen: mit Gewerkschaften, die mehr mit sich selber beschäftigt sind und jegliche Einflussnahme verloren haben, als Investoren, Finanzdienstleister den Klassenkampf einseitig für beendet erklärt haben, mit der Politik, die vom Geld und Lobbyarbeiter mehr profitiert als von unbequeme sozialen Projekten, Politiker die in Unternehmen wandern und umgekehrt?

Ist es denn noch eine Republik, wenn es nicht mehr um die öffentliche Sache, die "res publica" geht, sondern um private Interessen den res privata? Sollten wir nicht gerade dafür wieder kämpfen, das wir nicht die Republik verlieren?

„Eure“ Demokratie ist mir egal, wenn sie nicht mehr der öffentlichen Sache dient, sondern jeder nur noch sich selbst – aber auch dann ist ja an alle gedacht, nur nicht mehr allen gedient.

Wenn aus dem Privaten ein öffentliches Interesse wird und aus dem öffentlichen ein privatisiertes, dann scheint sich etwas zu verschieben ...

"Und wir haben es getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet.

Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert, – es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen."

Wie anfangs gesagt, ich denke, dass in diesem Verlust alles begründet liegt, was ich so beklagenswert empfinde und so scheint es mir mehr als Erwähnenswert – ich würde sogar:
es ist alles, worum es dieser Tage geht.

#res publica
 



 
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