Innerer Monolog

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Aniella

Mitglied
Hallo fabioh,

in diesem Text kann man die sich steigernde Angst erkennen und fühlen. Fast wie eine beginende Panikattacke, allerdings nur aus der Sicht von innen, denn nach außen scheint das LI eine Fassade aufgebaut zu haben, die funktioniert.
Inhaltlich will ich jetzt nicht weiter darauf eingehen, ich empfinde es als zu persönlich, darum beschränke ich mich auf den Text an sich.

Durch die abgehackten Sätze ensteht vermutlich unfeiwillig oft ein Bezugsproblem.
Beispiele:
Das Gefühl, es bahnt sich langsam an.
Wie Schritte, im Treppenhaus.
Ich weiß es kommt gleich etwas die Treppe hoch.
Dennoch lasse ich mich auf das Gespräch ein.
Das ist ein unangenehmes Gefühl, sollte also auch so benannt werden, oder? Die Schritte müssen sich nähern, lauter werden, wenn es eine Anbahnung sein soll. Dieses folgende "etwas", das hochkommt, ist dann das Gespräch, das die Treppe hochkommt. auf dass sich das LI einlässt? Ich verstehe, was Du sagen willst, ich habe dabei nur ein wenig den Eindruck "das Bild hängt schief".

Oder auch hier:
Ich sehe mich von außen.

Eine kleine Kamera, die irgendwo in der Nähe befestigt ist.
Die Perspektive ändert sich auf die Kamera, dann wieder auf das LI.
Eindeutiger wäre die Formulierung, dass das LI sich selbst durch die Kamera sieht, die irgendwo festgemacht ist.

Fehlende Kommata erschweren ebenfalls das Folgen durch den Text.
Beispiel:
Seit meiner psychischen Erkrankung fällt es mir schwerer als früher ein Gespräch mit jemandem zu führen.
Hinter „früher“ ein Komma setzen (Infinitiv mit zu).
Wortwiederholungen wirken hier auf mich nicht als Verstärkung, sondern irritierend, weil sie keine Steigerung suggerieren.
Alles rast an mir vorbei, als ob ich in einem Zug sitze.
Er ist schnell, alles rast an mir vorbei.
Vielleicht wäre es hilfreich, die Sätze wirklich auszuformulieren, damit sie auch das aussagen, was Du sagen willst.
Ich hoffe, Du kannst damit was anfangen.
Ansonsten wünsche ich dir einen guten Start bei der LL!

LG Aniella
 
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petrasmiles

Mitglied
Lieber fabioh,

herzlich willkommen auf der Leselupe!

Ich finde diese 'Innenansichten' immer spannend, vor allem von Zuständen, die mir persönlich fremd sind.
Natürlich führen wir alle ständig innere Monologe, oft unbewusst.

Im Gegensatz zu Aniella sehe ich z.B. die 'abgehackten Sätze' als ein Abbild der inneren Prozesse und es ist die Stärke des Textes, genau das zu schildern. Dazu gehören auch die Wiederholungen, die unmotiviert scheinen.

In gewisser Weise enthält der Text sogar einen Schlüssel zu dem Zustand: Der große innere Druck:
Nett soll ich den Menschen begegnen, offen, herzlich.
Dein Protagonist scheint sich ständig zu zwingen, etwas zu tun, was er eigentlich nicht will - oder kann. Da scheint mir eine Psyche vor dem permanenten, sich zu eigen gemachten äußeren Ansprüchen, eingeknickt zu sein.

Da leben wir im Zeitalter des Individualismus, und doch scheint der Anpassungsdruck noch nie so groß gewesen zu sein - bis hin zur Selbstaufgabe. Das durch die Werbung geprägte Bild 'Was zählt ist das Ich' entlarvt sich als Lüge. In Wahrheit gibt es ein feines Netz von Ansprüchen, wie dieses Ich zu sein hat.

Danke für diese Einblicke.

Liebe Grüße
Petra
 

fabioh

Mitglied
Hallo @Aniella

die abgehackten Sätze sind volle Absicht und sollen den/die Leser/in zum nachdenken anregen. Es ist ein Gedankenrausch der während einer Panikattacke stattfindet, hier ist in den seltensten Fällen Zeit dem/der Leser/in ausführlich zu erklären was genau passiert.

Danke für den Hinweis auf die fehlenden Kommata.

Das Gefühl ist die Angst, die langsam immer ,, lauter wird und näher kommt''. Sollte eine Metapher sein, sorry wenn keine gut verständliche.

Danke für dein Feedback
 
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fabioh

Mitglied
Hallo @petrasmiles ,

es freut mich, dass du dem Text auch ohne persönlichen Bezug folgen konntest.
Die abgehackten Sätze sind sicherlich nicht für jeden etwas, damit wollte ich die Zerrissenheit und Unsicherheit noch einmal unterstreichen.

Du hast das Kernthema des Protagonisten richtig erkannt.

Danke für dein Feedback
 



 
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