Puja

Sonntagabende sind nicht gerade für ihre Spannung und Action bekannt. Es war ein schönes Wochenende gewesen. Gestern war ich mit meiner besten Freundin Al auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt. Dort gab es nicht nur die normalen Glühweine, die jeder kennt, sprich Glühwein Weiß oder Rot oder Kinderpunch, sondern auch neuartiges wie Heißer Hugo und nen heißen Grinch. Letzteren mussten wir natürlich unbedingt probieren. Wir beiden lieben den Film. Dazu gönnten wir uns eine Nürnberger Bratwurst. Natürlich machten wir auch einige schöne Fotos zur Erinnerung und zum Posten für Social Media.
Heute wollte ich natürlich erstmal ausschlafen und den Sonntag gemütlich auf der Couch verbringen. Der Tag plätscherte so vor sich hin und wie es ein Sonntag so will, wurde es viel zu schnell Abend.

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Auf WhatsApp checke ich ein paar Nachrichten und sehe mir die Statusmeldungen von meinen Kontakten an.
Puja, den ich nur von Facebook her kenne und seine Nummer vor einigen Jahren eingespeichert hatte, postete eine eher kryptische Message. Ein trauriges Emoji. Und dass sein Wochenende nicht so toll wahr.
Dies macht mich ziemlich neugierig. Obwohl wir vor zwei Jahren das letzte mal Kontakt hatten, eine Konversation über die EM 2021, die eigentlich 2020 hätte stattfinden sollen und deren Logo aber trotzdem die Zahl 2020 beibehielt, was mich und ihn etwas belustigt hatte.
Ich schreibe ihm "same tbh". Obwohl mein Wochenende ja recht gut war. Aber so viele Wochenenden davor ziemlich einsam und unspektakulär verlaufen sind. Daher meine ich ihn zu verstehen.

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Er antwortet ziemlich schnell "Was heißt nochmal "tbh"?" Ich erkläre es ihm und er erzählt mir, dass er sich einsam fühlt und er am Wochenende so gar nichts erlebt hat.
Ich frage ihn etwas provokant "Hast Du nichts mit Deiner Freundin unternommen?" Er erzählt mir daraufhin, dass er schon lange keine Freundin mehr hatte.
Diese Information freut mich ein wenig, obwohl ich weiß, dass er in einem anderen Bundesland lebt, ich denke irgendwo im Ruhrgebiet. Ich frage nochmal nach wo er denn genau wohnt und er bestätigt mir meine Vermutung. Er wohnt in Essen.
Viel weiß ich nicht über ihn. Dass wir ungefähr im gleichen Alter sein müssten, dass er ursprünglich aus dem Iran kommt, dass er Philosophie studiert hat und seinen Beiträgen auf Facebook nach zu urteilen ziemlich gebildet ist und sehr an Politik interessiert ist.
Und dass er sehr attraktiv ist....

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So beginnt ein Chat zwischen uns beiden indem wir mehr über uns erfahren z.b. dass wir beide 1990 geboren worden sind und gerne Domian Videos auf YouTube schauen (lol).
Es wird immer später, ich sage ihm, dass ich demnächst schlafen gehen sollte, denn ich habe morgen Frühschicht. Er verabschiedet sich auch und meint, wir können ja morgen Abend nach der Arbeit wieder schreiben oder auch telefonieren.
Oje, telefonieren. Meine Stimme oder bzw. wie ich spreche war schon immer eine Unsicherheit von mir gewesen. Aber schreiben geht. Darauf freue ich mich schon, bin aber nicht ganz sicher, ob er sich wirklich nochmal melden wird.

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Es ist 18 Uhr und ich sitze in der Bahn. Ich arbeite im Autoteilegroßhandel in der Logistik. Der Montag verging stressbedingt relativ schnell und als ich auf mein Handy sehe und eine Nachricht von Puja darauf entdecke, freue ich mich. Und ich bin auch ein wenig überrascht, dass meine gestrigen Zweifel sich nicht bewahrheitet haben.
Er möchte Facetime machen. Oh no. Sehe nicht gerade zeigbar aus nach diesem Arbeitstag und auch sonst fühle ich mich nicht wirklich hübsch. Leider habe ich mir mit 32 Jahren noch immer nicht das passende Selbstbewusstsein angeeignet und bin zudem auch ziemlich schüchtern. Was heißt "zudem"? Höchstwahrscheinlich gerade deswegen. Ich bin klein, blond, habe blaue Augen und eine Brille und würde mich als normalgewichtig bis schlank bezeichnen . Aber fühle mich nicht "normschön". Wenn ich in den Spiegel schaue, dann blicken mir viele Makel entgegen. Weißt Du woran man merkt, dass man als Mädel nicht hübsch ist? Es ist nicht (nur) die Tatsache, dass man als häßlich beschimpft wird, sondern die Abwesenheit von Komplimenten. In der Schule haben sich die Mädchen immer gegenseitig Komplimente zu ihrem Aussehen gemacht: Tolle Friseur, cooler Style, hübsches Gesicht. Auch von den Jungs haben sie viel Aufmerksamkeit bekommen. Und natürlich in einem bestimmten Alter auch die so viel zitierte Frage "Willst Du mit mir gehen?"
Mit mir wollte keiner gehen. Nirgendwohin.

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Deswegen mag ich keine Video Calls. Ich möchte Puja nicht mit meiner Hässlichkeit enttäuschen. Das Gespräch gestern Abend fand ich so schön. Das habe ich vermisst. Es ist schon sehr lange her, dass ein Mann, an dem ich Interesse habe, auch mir Beachtung schenkt. Nicht so wie der damals neue Arbeitskollege vor einem Jahr, der Interesse häuchelte und dann sich als vergeben entpuppte. Damals bin ich in ein tiefes Loch gefallen.
Aber Puja meinte er ist Single und mit dieser Tatsache sehr unzufrieden.
Ich erkläre ihm, dass es mir lieber ist zu schreiben und ich zu schüchtern für Facetime bin. Er ist etwas enttäuscht, hat aber Verständnis und meint, dass wir ja noch wann anders telefonieren könnten. Puh. Nochmal Glück gehabt.

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Er fragt mich nach meinen Lieblingsliedern. Ich sende ihm den YouTube-Link von Lana Del Reys High By The Beach. Er sagt, er findet den Song cool. Er erzählt mir, dass er mit seinen neuen Kopfhörern, die er vor ein paar Tagen gekauft hat, unzufrieden ist. Er schickt mir ein Video von seinem Neffen und seiner Nichte, die noch klein sind. Er war sie heute in Köln besuchen. Er hat einen großen Bruder. Ich lerne Puja immer besser kennen.
Er ist in Ausbildung zum Hörgeräteakustiker. Was er die Jahre zuvor gemacht hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass er studiert hat, aber jedoch nicht wie lang.

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Heute ist Gym Day. Dort gehe ich, wenn möglich, 2 x die Woche zusammen mit meiner besten Freundin Al hin. Wir verabreden uns immer nach der Arbeit und laufen dann gemeinsam zum Fitnessstudio.
Al und ich haben eine etwas außergewöhnliche Freundschaft, finde ich. Sie ist 12 Jahre jünger als ich, also erst 20 Jahre alt. Wir leben im gleichen Haus und haben uns so kennengelernt. Sie ist sehr sportlich und geht eigentlich jeden Tag ins Gym. Ich schaffe das nicht, bzw. habe auch nicht die Motivation dafür.
Er schreibt mir und ich antworte ihm, dass ich ihm später schreiben werde, da ich gerade im Gym bin.
Freue mich schon auf später, wenn ich wieder zuhause bin.

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Habe mit Al vor dem Gym ein paar mal an ihrem Joint gezogen und bin etwas benebelt. An der Brustpresse mache ich mir so einige Gedanken über ihn. Warum macht er mit 32 noch eine Ausbildung? Was hat er die Jahre davor gemacht? Warum hat er keinen Führerschein? Die Frage hat er mir vor ein paar Tagen mit "Scheiß Raucherei" beantwortet, normale Zigaretten meinte er wahrscheinlich nicht damit. Ich kiffe nie bzw. habe es nie getan, bis Al in mein Leben getreten ist. Sie macht das leider häufiger. Manchmal , wenn mir danach ist, lässt mich Al ein paar Züge nehmen. Aber ein Fan dieses Lifestyles bin ich nicht. "Ist er ein Loser?" steigt mir in den Kopf während ich noch immer an der Brustpresse sitze. Er hat Abitur und hat studiert. Da muss man doch was aus seinem Leben machen oder nicht?
Es wäre aber auch große Doppelmoral ihn einfach abzustempeln, denn ich selber besitze ja auch keinen Führerschein. Ich habe Angst vor dem Fahren.

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Er möchte, dass ich ihn besuchen komme. Für mich ist das noch viel zu früh. Ich traue mich ja nicht mal mit ihm zu facetimen. Heute haben wir das erste Mal telefoniert. Ich liebe seine Stimme und seinen leichten Ruhrpottdialekt. Wat und dat und Dingens. Richtig süß.
In ein paar Tagen beginnt die WM in Katar und ich bin gespannt, wie weit Deutschland dieses mal kommt. 2018 war ja ein Desaster.
Es ist richtig kalt geworden. Minusgrade teilweise im zweistelligen Bereich. Heute gehe ich zum Friseur und lasse mir Strähnchen machen. Leider habe ich bei meinem Lieblingsfriseur vor Weihachten keinen Termin mehr bekommen. Aber sie haben noch eine Zweitfiliale in einer Stadt in der Nähe. Dort muss ich aber leider mit der Bahn hinfahren. Es ist klirrend kalt und trüb draußen, aber normal für einen Dezembertag. Ich bat vorhin meine Mutter mich zu fahren aber diese wollte ein Mittagspiel der WM nicht verpassen. Also fahre ich mit der Bahn. Nachdem ich beim Friseur fertig bin, mache ich ein Selfie und schicke es Puja.

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Nachrichten und Selfies sind nun zu einer Normalität zwischen uns geworden. Auch er hat mir ein Bild von sich und seiner neuen Brille gesendet. Steht im gut.
Er hat ab nächsten Monat Blockunterricht in Lübeck. Dort wird er drei Wochen sein. Also habe ich noch ein bisschen Zeit mir zu überlegen, ob ich ihn besuchen möchte.
Ich finde ihn anziehend und wäre gerne bei ihm aber habe immer noch nicht den Mut dazu aufgebracht. Meine Selbstzweifel engen mich ein.
Mir gefällt dieser tägliche Kontakt und die inzwischen häufiger gewordenen Telefonate. Ich wache morgens auf und finde es schön, eine Kennenlernphase zu haben. Da ist jemand, der mich mag und mich kennenlernen möchte. Ich genieße diese Zeit, erzähle aber noch keinem davon.

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Heute hat er mir erzählt, dass sein Vater Selbstmord begangen hat als er 13 Jahre alt war. Er hat auch erwähnt, dass er Antidepressiva einnimmt. Das nimmt mich mit, finde es gleichzeitig aber toll, dass er mir so etwas anvertraut und das wir über so intime Dinge sprechen können. Ich möchte gern mehr erfahren, will ihn aber auch nicht bedrängen oder ausfragen. Er wird mir bestimmt später noch mehr von sich erzählen.

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Deutschland ist wieder in der Gruppenphase ausgeschieden. Weil Spanien nicht gegen Japan gewinnen konnte. Ich könnte kotzen. Da verlässt man sich einmal auf die sonst so starken Spanier. Das macht mich irgendwie traurig. Bis ich ein Video vom Internet-Comedian Salko anschaue, in dem er sich ein bisschen darüber lustig macht und seinen Chef anruft um ihn zu fragen, ob Hansi Flick nicht für ihn arbeiten könnte. Daraufhin meinte der Chef, er stelle nur Leute ein, die was können. Ich lache mich kaputt.

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Es ist Weihnachten und ich fühle mich toll. Meine Mutter und ich waren gestern bei meiner Schwester, ihrem Freund und meiner kleinen Nichte. Sie wohnen nebenan. Meine Nichte ist 7 und hat von mir Crocodoc geschenkt bekommen. Das Spiel mit dem Krokodil von damals. Sie hat es gleich ausgepackt und wir haben zusammen gespielt. Heute bin ich bei meiner Mutter und wir schauen zusammen alte Filme im Fernsehen an und essen Lebkuchen. Es ist heute für Dezember ziemlich mild und die Sonne scheint. Ich habe vorhin auf dem Balkon einige Selfies von mir in der Sonne gemacht, auf denen ich mich sehr hübsch finde. Das beste davon habe ich natürlich Puja geschickt.

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Heute geht das Jahr 2022 zu Ende. Es war ein cooles Jahr. Ich habe im Januar Al kennengelernt und mich mit ihr angefreundet und habe begonnen, ins Gym zu gehen. Wir haben tolle Sommertage in Freibädern und an Seen miteinander verbracht. Oder saßen einfach nur auf meinem Balkon und haben unseren von uns selbst kreierten Cocktail geschlürft und was von McDonald's bestellt.
Im November haben wir meinen Geburtstag in der Eishalle in Adelberg gefeiert. Das hat sehr viel Spaß gemacht obwohl ich leider nicht gut schliffschuhlaufen kann. In der selben Eishalle waren wir mit der Schule oft.
Im Dezember waren wir dann auf Weihnachtsmärkten und dann kam Puja in mein Leben. Also so richtig. Ich bin schon seit einigen Jahren mit ihm auf Facebook befreundet. Er hat mal einen Autor, den ich sehr schätze, interviewt. Daraufhin habe ich ihm bei Facebook eine Freundschaftsanfrage gestellt. Irgendwann haben wir dann Nummern ausgetauscht.
Ich sehe wie die Sonne das letzte Mal dieses Jahr untergeht und habe irgendwie ein mulmiges Gefühl. Es ist ein schöner Sonnenuntergang, ich mache ein paar Fotos. Eines davon poste ich als Instagram-Story.

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Heute Abend bin ich mit meiner Mutter bei unserem Lieblingsitaliener um die Ecke eingeladen, um Silvester mit ihnen zu feiern. Dies ist in den letzten Jahren irgendwie zu einer Tradition von uns geworden. Sie schließen um 22 Uhr für die "normalen" Gäste, dann sind nur noch Gennaro und Anna, die beiden Besitzer, und Mama und ich dort. Dann gibt es Panini, mit Schinken oder Käse belegte Brote, Kaviar und Prosecco und um Mitternacht gibt es eine Linsensuppe, die in der Region in Italien, aus der die beiden stammen, eine Tradition ist und Glück für das neue Jahr bringen soll. Jede Linse soll eine Million Euro bringen oder so. Zumindest laut Anna.

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Es ist kurz vor Mitternacht und wir stehen vor dem Restaurant. Gennaro hat mal wieder viel Feuerwerk besorgt und Flaschen für die Raketen in einer Reihe aufgestellt. Als es 00:00 Uhr schlägt und wir das Jahr 2023 begrüßen und die beiden Italiener sich mit "Auguri" sich zum neuen Jahr beglückwünschen, kann ich mir noch nicht ausmalen, auf was für einen Leidensweg ich mich dieses Jahr begeben werde. Nachdem alle Raketen abgeschossen sind, gehen wir zurück und essen die besagte Linsensuppe und stoßen nochmal gemeinsam mit Prosecco an. In unserer Arbeits-WhatsApp-Gruppe haben schon einige "Frohes Neues!" und Videos oder Bilder gepostet. Puja hat mir den ganzen Tag noch nichts geschrieben. Das tut ein bisschen weh. Ich dachte, er würde mir auch einen Neujahrsgruß schicken. Also ich hätte dies getan. Ich schicke meinen Liebsten gerne solche Grüße aber man kann ja nicht immer von sich selbst auf andere schließen. Vorgestern hatte er gemeint, ihm geht es nicht gut. Hoffentlich hat er kein Corona.

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Es ist der Nachmittag des 1. Januars und er hat sich immer noch nicht gemeldet. Ich merke, wie das mir zunehmend zusetzt. Mag er mich nicht mehr? Hat er das Interesse verloren? Vielleicht ist es auch wirklich weil er so krank ist aber kann man da nicht trotzdem eine WhatsApp-Nachricht verschicken?
Letzte Nacht haben sich einige in Berlin stark daneben benommen. Es wurden sogar Hilfskräfte wie Feuerwehrautos und Krankenwagen angegriffen. Auf Twitter schreibt Nancy Faeser, dass "wir gewaltbereiten Intergrationsverweigerern Grenzen aufzeigen müssen". Mir fällt fast die Kinnlade runter. Ich finde es erstaunlich, dass sie mit so klaren Worten dazu Stellung nimmt.

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Die ersten Januartage gehen vorbei ohne eine Nachricht von Puja. Letzte Nacht habe ich sogar geträumt, dass ich auf seine Facebookpage gehe und dort den Button "Freund/in hinzufügen" sehe, was bedeutet, er hat mich als Freund dort gelöscht. Da ich diese Ungewissheit nicht mehr aushalte, schreibe ich ihm schließlich "Geht es Dir besser?". Daraufhin kommt prompt eine Anwort. "Ja, bin seit zwei Tagen wieder arbeiten". Jetzt bin ich nicht mehr traurig sondern etwas wütend. Er ist also gar nicht mehr krank. Warum meldet er sich dann nicht von selbst? Wir schreiben wie unser Silvester war und dass er bald mit dem Zug nach Lübeck fährt wegen des Blockunterrichtes. Vorwürfe mache ich ihm keine, ich bin froh, dass er mir geantwortet hat und freue mich, dass wir wieder Kontakt haben.

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Puja ist in Lübeck angekommen und hat mir Bilder seines Zimmers gesendet. Er hat sich dort mit einigen Klassenkameraden zusammengetan und sie gehen heute zusammen auf eine Party. Er findet es schön mit den Leuten zusammen zu sein. Daheim fühlt er sich oft einsam.
Inzwischen sind die drei Wochen Blockunterricht vergangen und er ist wieder zuhause in Essen. Er erzählte mir, dass er und sein Kumpel letzte Nacht auf der Straße überfallen worden waren. Ein Fremder hat seinem Kumpel das Handy aus der Hand geschnappt und wollte abhauen. Er rannte ihm hinterher und hat ihn zu fassen bekommen, dieser wehrte sich aber und Puja fiel zu Boden. Seitdem tut ihm seine rechte Schulter weh.

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Es ist Montagabend und Puja hat mir einen TikTok-Link gesendet. In dem geht es um "Gold Digger". Eine Frau betrügt in diesem Video scheinbar ihren Freund mit einem reichen Typen, der ihr anbietet, Schuhe für sie zu kaufen. Diesen Link hat er mir kommentarlos geschickt. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll und frage mich, was der Sinn dahinter sein soll. Findet er, dass wir Frauen alle so sind wie die im Video? Erhofft er sich eine Reaktion von mir? Ich bekomme ein ungutes Gefühl. Ich frage nach. Er meint, er hätte es mir nur so gesendet weil er sich so darüber aufgeregt hat. Das ungute Gefühl verschwindet nicht. Ich hoffe nicht, dass er ein sogenannter "Incel" ist, der Frauen hasst. Diesen Vibe hat er mir aber gerade gegeben. Ich versuche den Gedanken zu verdrängen und gehe schlafen.

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Die Wochen plätschern dahin und der Frühling hält Einzug. Puja hat es wieder geschafft mich zu verunsichern. Er schreibt mir mal wieder nicht. Immer bin ich diejenige, die zuerst schreiben muss. Es ist schlimm, dass mich das so runterzieht und mitnimmt.
Al ist gerade mit ihrer Mutter auf Sri Lanka. Dort besuchen sie ihre Familie, die sie schon seit einigen Jahren nicht gesehen haben. Sie sendet mir schöne Bilder vom Strand. Leider ist sie jetzt nicht hier und kann mich ablenken. Der Nicht-Kontakt nagt an mir und überschattet auch das Osterfest. Ich freue mich dennoch, dass ich die nächsten Tage frei haben werde.

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Heute bin ich weinend zusammengebrochen. Ich musste mich aufrappeln, denn ich wollte mit dem Frühjahrsputz beginnen. Mein Herz fühlt sich so schwer an und diese Ungewissheit macht mir so zu schaffen. Er wollte immer, dass ich ihn besuche. Wenn er sich aber nicht mehr bei mir meldet, dann wird es dazu nicht mehr kommen. Eigentlich schade, zu gerne hätte ich ihn persönlich kennengelernt. Gefühle habe ich nämlich schon längst für ihn entwickelt. Ich poste etwas über Urlaub in meinem WhatsApp-Status, natürlich auch mit dem Hintergedanken, dass er darauf reagiert. Und das tut er sogar! "Hast Du Urlaub?" Und "Hast Du Zeit mich zu besuchen?". Ich schreibe ihm, dass es am Wochenende vor dem 1. Mai besser für mich wäre. Der 1. Mai ist ein Montag und somit wird es ein verlängertes Wochenende sein. Ich schreibe ihm, dass ich am Samstag, den 29. April anreisen und dann am Montag wieder heimfahren könnte. Somit könnte ich dann zwei Nächte bei ihm bleiben. Er willigt ein und ich buche meine Zugtickets in meiner Bahnapp. Bis dahin sind es noch knapp 2 1/2 Wochen. Es wird eine lange Fahrt werden von hinter Stuttgart bis nach Essen. Aber diese nehme ich gerne in Kauf. Ich werde aber niemandem davon erzählen. Ich möchte nicht, dass die Leute in meinem Leben darüber urteilen oder sich Sorgen machen.

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Lana Del Rey, eine meiner absoluten Lieblingssängerinnen, hat vor kurzem ein neues Album herausgebracht. Es heißt "Did You Know That There's A Tunnel Under Ocean Boulevard?". Wir Fans kürzen den Namen gerne mit "Ocean BLV" auf Social Media ab. Lana hat den Hang zu langen Song- und Albumtiteln. Ihre Musik ist für mich wie Balsam für die Seele.

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Dieses Album höre ich mir nun auf der Fahrt zum Essener HBF an. Ich bin heute morgen früh aufgestanden, um mich fertig zu machen und die letzten Dinge für meine "Reise" einzupacken. Um 11 Uhr bin ich dann aus dem Haus. Ich sitze im ICE und im selben Abteil findet ein Junggesellenabschied statt bzw. die Fahrt dorthin. Feuchtfröhlich und laut. Der Herr neben mir ist sichtlich not amused. Seine Frau, mit der er gerade telefoniert hatte, fragte ihn ob er auf dem Oktoberfest sei. Es höre sich so an.
In Frankfurt muss ich umsteigen. Zum Glück bin ich die lauten Trunkenbolde los. Meine Nervosität steigt mit jedem Kilometer, den ich Nordrhein-Westfalen näher komme. Wir fahren am Rhein entlang und es scheint die Sonne. Ein schöner Ausblick. Ich bin froh, dass ich einen Fensterplatz gebucht habe.

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Als wir am Düsseldorfer HBF anhalten, muss ich schmunzeln. Vor gut einem Jahr habe ich hier nach dem Chromatica Ball - dem Konzert von Lady Gaga - geschlafen. Der Nachtzug, der nach dem Konzert zurück nach Stuttgart ging, hatte fast zwei Stunden Verspätung und ich war so erschöpft. Es waren aber noch viele andere Gaga Fans dort am Bahnhof, also machte ich mir keine Sorgen.

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Gegen 17 Uhr komme ich in Essen an. Ich habe Puja geschrieben wann ich ungefähr ankommen werde. Ungefähr, weil die Deutsche Bahn nicht für ihre Pünktlichkeit sondern eher für die Abwesenheit jener bekannt ist.
Mir wird fast schlecht vor Aufregung. Hoffentlich gefalle ich ihm. Puja schrieb ich soll zum Südausgang kommen. Dorthin laufe ich nun die Rolltreppen runter, sehe ihn aber noch nicht. Hier gibt es wie an jedem großen Bahnhof verschiedene Läden und Bäckereien. Und ganz viele Menschen. Ich schaue mich um, sehe auch einige Männer die ihm ähneln aber er scheint noch nicht da zu sein.

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Plötzlich sehe ich ihn und gehe auf ihn zu. Wir umarmen uns und wechseln ein paar Worte. Wir laufen durch den Ausgang ins Freie und er sagt wir müssen den Bus nehmen, der in seinen Stadtteil fährt. Während wir einige Minuten auf den Bus 146 warten, bin ich immer noch ziemlich nervös und kriege kaum ein Wort heraus. Im Bus mustert er mich und spricht mich auf meine Schuhe an. Schwarze Pumas mit meinem Namen an der Seite. Das war eine dumme Idee. Als ich sie auf der Website bestellt habe, gab es da ein Feld in dem man etwas reinschreiben und so die Schuhe personalisieren konnte. Damals dachte ich es wäre cool, meinen Namen zu nehmen. Jetzt schäme ich mich etwas dafür. Nächster Halt Hollestraße. Unwillkürlich denke ich an das Märchen mit Frau Holle.

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Nach ungefähr 10 Minuten Fahrtzeit mit drei Haltestellen müssen wir aussteigen. Puja meint wir müssen noch ca. 5 Minuten zu seiner Wohnung laufen.
Dort angekommen laufen wir in den zweiten Stock hoch. Nachdem er seine Wohnungstür aufgeschlossen hat, empfängt uns lauter Deutschrap. Ich empfinde es als ein bisschen befremdlich, dass er den Fernseher nicht ausgemacht hat als er die Wohnung verließ.
Die Musik ist auch sehr gewöhnungsbedürftig. Deutschrap war noch nie mein Fall. Ich weiß noch nicht mal wie der Rapper heißt, der seine Kunst hier zum Besten gibt.
Ich setze mich auf die Couch und schaue mich etwas um. Die Wohnung ist klein aber ansonsten fein. An der Wand hängen Kinderbilder von ihm und eines von ihm mit seinem Neffen auf dem Schoß. Das Bild ist echt schön geworden. Aus meiner Tasche hole ich eine Packung Giotto, von denen er mir erzählt hat, dass er sie liebt. Ich mag sie auch. Ich überreiche sie ihm und er ist geschmeichelt, dass ich mich daran erinnert habe.

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Er bietet mir etwas zu Trinken an und fragt mich ob ich schon Hunger habe.
Im Moment habe ich noch keinen Hunger aber etwas Durst. Er fragt mich was ich trinken möchte und gibt mir dabei zwei Optionen. Weil die Musik aber so laut ist verstehe ich ihn nicht richtig und sage einfach "Ja". Er lacht und wiederholt nochmal "Cola oder Redbull?" Oje, jetzt habe ich mich wahrscheinlich voll blamiert. Ich sage ihm, dass es an der Lautstärke des Fernsehers liegt und das ich mich für die Cola entscheide. Er gibt mir eine Cola aus dem Kühlschrank und setzt sich dann neben mich. Vor dem Sofa steht ein kleiner Couchtisch. Er ist nicht sehr aufgeräumt. Auf ihm liegen Zigarettenfilter, Bonbons, Waffeln, ein Aschenbecher und einiges mehr. Die Wohnung hat keinen Balkon, er raucht also in der Wohnung. Auch Weed. Zum Glück ist das Fenster offen. Es ist zwar schon eine Weile Frühling aber das hat sich nicht immer am Wetter bemerkbar gemacht. Heute ist es draußen aber angenehm warm.

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Puja schnappt sich eine kleine Packung Fisherman's Friends Geschmackrichtung Kirsche, die vor uns auf dem Tisch liegt, steckt sich eins davon in den Mund und rutscht näher an mich heran.
Ich drehe meinen Kopf zu ihm und schaue ihm in die Augen. Wie selbstverständlich kommt er mir noch näher und beginnt mich zu küssen. Das ist so toll, er kann es so gut! Ach, wie lange ist mein letzter Kuss schon her? Zu lange. Zu lange habe ich auf körperliche Nähe warten müssen. Zum Glück habe ich es nicht verlernt. Normalerweise bin ich kein großer Fan von viel Zungenaction beim Küssen aber er beherrscht es sehr gut. Nicht zu viel, nicht zu feucht. Vielleicht bin ich es, aber woanders... Was ich jedoch noch mehr vermisst habe als das Küssen, sind Umarmungen. Ich schlinge meinen Arme um ihn als ich hätte ich seit Jahren nichts anderes gemacht. Als ich hätte ich nie darauf verzichten müssen. Ich liebe seine Lippen und seine dunklen Augen und seine schwarzen Haare, seine Stimme und einfach alles an ihm gefällt mir. Er verkörpert meinen Traummann: Intelligent, attraktiv, höflich und lieb.

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Er steht auf, reicht mir die Hand und lotst mich in sein Schlafzimmer. Er beginnt sich auszuziehen und ich tue es ihm gleich. Ich möchte eigentlich nichts überstürzen. Schließlich kennen wir uns noch nicht sehr gut. Ich bin erst angekommen. Aber er scheint sehr willig zu sein. Wir legen uns auf sein Bett und ich mache es ihm mit der Hand und er beginnt auch mich zu fingern. Ich habe Gleitgel mitgebracht. Ich bin auf ihm und reibe meine Scheide an seinem Schwanz, der schon sehr hart ist. Nach einem kleinen Quickie lege ich mich schließlich neben ihn aufs Bett und kuschele mich an ihn. Ich küsse in auf den Kopf und streiche ihm durchs Haar. Nach kurzer Zeit steht er auf, zieht sich an und bittet mich wieder mit ihm ins Wohnzimmer zu gehen. Schade, ich wäre gerne noch eine Weile so neben ihm gelegen.

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Der Fernseher ist immer noch an. Er fragt mich was ich gern hören oder anschauen möchte. Am liebsten würde ich den blöden Fernseher ausmachen und mich einfach nur in Ruhe unterhalten. Er möchte uns jetzt was zum Essen machen. Hühnchen mit Safranreis, welches ihm seine Mutter heute Morgen vorbeigebracht hat. Er macht das Essen warm und wir setzen uns nebeneinander auf die Couch an den Tisch. Das Hühnchen ist nicht schlecht, der Reis aber etwas trocken. Ich sage ihm, dass es lecker schmeckt. Zum Nachtisch bietet er mir die Schokowaffeln, die auf dem Couchtisch liegen an.

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Wir haben uns entschieden zusammen Two and a Half Men auf Amazon Prime zu schauen und liegen nun auf der Couch. Der Fernseher steht direkt gegenüber. Sein Kopf liegt in meinem Schoß. Ich streiche ihm über den Kopf. Ich frage mich, was sein wird wenn ich wieder heimfahre. Wird er aufhören mir zu schreiben? Wird er mich vergessen? Das hier scheint zu schön um wahr zu sein.

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Es ist schon spät geworden und ich bin von der Anreise ziemlich erschöpft. Also gehen wir beide ins Bett. Mir fällt es irgendwie schwer einzuschlafen, wahrscheinlich weil ich in einer fremden Umgebung bin. Sein Schnarchen tut sein übriges.

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Am nächsten Morgen erwache ich und höre, dass der verdammte Fernseher wieder an ist. Er ist schon wach und hat mich schlafen lassen. Er ist im Wohnzimmer, ich höre ihn durch die angelehnte Schlafzimmertür husten. Ich bleibe noch eine Weile liegen und checke mein Handy. Ich habe keinem erzählt, dass ich hier bin. Al hat mir ein witziges Meme geschickt. Ich antworte ihr mit einem Lachemoji. Ich hoffe, dass sie mich nicht fragt, ob wir etwas zusammen unternehmen wollen.

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Ich stehe auf, schnappe mir meine Wechselwäsche aus meiner Reisetasche und ziehe sie an. Davor benutze ich noch ein Deo und schaue in den kleinen Spiegel, der an seinem Kleiderschrank angebracht ist. In seinem Schlafzimmer befinden sich auch ein kleiner Bürotisch mit Stuhl und an der Wand daneben ein paar Bücheregale. Auf dem Tisch steht ein eingerahmtes Bild mit einem Mann darauf. Wahrscheinlich sein verstorbener Vater. Neben dem Kleiderschrank befindet sich ein kleiner Buffettschrank, der verglaste Scheiben hat. Aus Neugier schaue ich mir alles genau an und entdecke hinter der Glasscheibe einige Tablettenverpackungen. Wahrscheinlich seine Antidepressiva von der er mal gesprochen hat.
Ich habe nun genug geschnüffelt und gehe jetzt ins Wohnzimmer um ihn zu begrüßen.

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Er sieht noch müde aus. Auf dem Fernseher läuft irgendein Rap-Interview mit Rooz. Wer ist der andere? Draußen scheint die Sonne. Puja meint, er will "den Sonntag locker angehen." Ich setze mich neben ihn auf die Couch. Mit locker angehen meint er wohl nur auf der Couch gammeln bis es Abend wird. Wir schauen nun wieder Two and A Half Men weiter. Ich checke nach einer ganzen Weile mein Handy. Meine Schwester hat mir ein Bild von meiner Nichte gesendet. Sie hat heute ihr Seepferdchen gemacht und blickt stolz mit dem Aufnäher in der Hand in die Kamera. Auch meine Mutter hat mir eine SMS (sie hat kein Smartphone...) geschrieben. "Juhu gewonnen". Gemeint ist natürlich der VfB. Ich antworte kurz auf beide Nachrichten und Puja meint "Aha hier mit anderen Männern schreiben". Ich finde diesen Kommentar echt fehl am Platz. Er ist zuhause. Ich bin hier weit von meiner Familie entfernt. Da darf man doch mal auf eine Nachricht antworten. Vielleicht war es auch nur ein Spaß, aber da mir Treue sehr wichtig ist, fand ich die Unterstellung sehr gemein.

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Wir haben beide Hunger bekommen und er meint er habe gestern bevor ich angekommen bin alle Zutaten für eine Bolognese besorgt, die wir zusammen kochen wollen. "Hast Du schon einmal eine Bolognese selber gekocht?" - fragt er mich. "Nur mit Knorr oder Maggi Fix" - antworte ich ihm. Für ihn selbst ist es auch das erste mal, dass er eine Bolognesesauce von Grund auf selber macht.
Er schnippelt Zwiebel und Karotten, ich die Sellerie. Ich grinse und muss an Frank Rosin denken und was er wohl zu unseren "Kochkünsten" sagen würde. Ich liebe es, Rosins Restaurants zu schauen. Nachdem eine kurze Zeit später die Sauce fertig ist und die Spaghetti abgekocht sind, setzen wir uns an den Tisch. Das Essen ist uns echt gelungen, wobei er den Löwenanteil der Arbeit übernommen hat.

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Nun sind wir pappsatt und Puja räumt das Geschirr in die Spülmaschine. Wir legen uns eingekuschelt auf die Couch und dösen beide händchenhaltend unter der Decke vor uns hin. Manchmal höre ich ihn schnarchen. Im Fernseher läuft nun eine Naturdoku auf Prime im Hintergrund. Er braucht wohl Dauerbeschallung. Zu gerne würde ich mich mehr mit ihm unterhalten und ihn so besser kennenlernen anstatt nur irgendwelche Serien anzuschauen.

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Gegen Abend mache ich ihm den Vorschlag, zusammen unter die Dusche zu gehen. Er lässt das heiße Wasser laufen und wir schäumen uns gegenseitig ein. Ich gebe ihm einen Handjob und auch er massiert meine Klitoris. Das war bis dato wahrscheinlich die beste Idee meines Lebens und die beste Dusche. Ich genieße jede Sekunde. Ich stecke ihm nun den Finger tief in seinen Hintern und drehe ihn ein paar mal langsam um. Ich schaue ihn nicht an aber ich höre wie es ihm gefällt. Sein Stöhnen macht mich geil. Dann umarme ich ihn, lehne meinen Kopf an seine Brust und küsse zärtlich seine Schulter. Danach küssen wir uns sanft und ich wünschte, das hier würde nie enden.

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Leider hat alles mal ein Ende und wir liegen nun blitzsauber und angenehm riechend wieder auf der Couch. Er sucht etwas auf YouTube. Ich sehe dort seinen Verlauf auf dem Bildschirm seines Fernsehers und sehe dort auch einige Videos mit Tristan Tate (wenigstens nicht der häßliche Andrew) und mir wird flau im Magen. Ich denke an den TikTok-Link, den er mir damals gesendet hat und fühle mich irgendwie bestätigt. Schon damals hatte ich ein ungutes Gefühl und jetzt würde ich mich am liebsten übergeben. Ich sage ihm, dass ich kurz ins Bad muss. Im Bad setze ich mich auf den Toilettensitz und kämpfe mit den Tränen. Überreagiere ich gerade? Ist das alles nur halb so wild? Sind alle Tate-Brüder-Fans Frauenhasser oder gibt es vielleicht einen vernünftigen Grund warum sie gemocht werden? Ich bekomme ein wenig Angst. Oder ist das nur Unwohlsein? Ich bin mir nicht mal sicher. Wäre ich jetzt zuhause in meiner Stadt würde ich ihm sagen, dass ich nach Hause möchte. Hier, ca. 450 km entfernt kann ich das natürlich so nicht handhaben. Ich gehe zurück ins Wohnzimmer und sage ihm, dass ich müde bin und schlafen gehen möchte. Er meint, er sei es auch und wir gehen zusammen in sein Schlafzimmer. Es ist mir peinlich, aber als ich so neben ihm liege, zittere ich etwas. Er hat dies bemerkt und fragt was los sei. Ich meine nur, mich fröstelt es ein bisschen. Nach kurzer Zeit höre ich ihn schnarchen. Irgendwann schlafe auch ich ein.

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Der Morgen der Abreise ist angebrochen. Um 12:15 Uhr geht mein Zug zurück nach Stuttgart. Ich bin noch sehr müde und er sieht auch nicht quicklebendig aus. Die Tate-Sache habe ich schon fast vergessen. Puja ist ein lieber Kerl, das ist doch das, was zählt. Ich mache mich im Bad fertig und packe meine Sachen zusammen. Danach setze ich mich neben ihn, er ist schon wieder eingeschlafen. Sanft wecke ich ihn und frage ihn, wann wir denn ungefähr los müssen. Er meinte, dass es reicht, wenn wir in einer halben Stunde loslaufen.
Ab heute, dem 1. Mai 2023 gilt das 49€-Ticket der Deutschen Bahn. Wir sind nun unterwegs zur Bushaltestelle. Der Bus kommt in ca. 8 Minuten. Wir stellen uns ein wenig abseits der anderen Leute, die an der Haltestelle mit uns warten und küssen uns. Ich bin sehr still und etwas nachdenklich. "Was denkst Du gerade?" fragt er mich. Ich schaue etwas beschämt auf den Boden und sage "Jetzt bin ich schon ein bisschen traurig" und ziehe eine Schnute. "Ooooh" meint er lachend und nimmt mich in den Arm. Ich denke er freut sich darüber, dass ich eigentlich noch nicht gehen möchte.

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Am Bahnhof angekommen fragt er mich nach einem Abschiedskuss. Nichts lieber als das. Ich küsse und umarme ihn noch ein letztes mal und hoffe, dass es nicht das allerletzte mal gewesen sein wird. Man weiß ja leider nie. Er winkt mir nach und ich laufe Richtung Gleis 2. Auf dem Weg dorthin hole ich mir noch ein Getränk von Starbucks. In meiner kleinen Heimatstadt gibt es leider keinen. Nur in Stuttgart. Ich schaue in der Bahnapp nach meiner Sitzplatznummer, der Zug steht schon bereit. Diesmal ist es eine ruhige Fahrt, kein Junggesellenabschied. Wieder muss ich in Frankfurt umsteigen. Dort habe ich ein wenig Aufenthalt bevor der Zug gen Stuttgart kommt und gehe in der großen Bahnhofshalle ein bisschen shoppen. Für Al habe ich eine Disney-Pocahontas-Gesichtsmaske und einen Haarreif gefunden. Ich liebe es für meine Lieblingsmenschen kleine Präsente oder Urlaubssouvenirs mitzubringen. Meistens sind es Kühlschrankmagnete, die ich selber auch sammle. Um 17:30 Uhr komme ich zuhause an. Ich schreibe Puja, dass ich nun daheim angekommen bin. Für den nächsten Tag habe ich mir freigenommen.

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Am Mittwoch, den 03.05. gehe ich wieder zur Arbeit. Während meiner Mittagspause suche ich Ohropax auf Amazon und mache einen Screenshot und sende ihn Puja mit den Worten "Die nehme ich nächstes mal mit ;)", weil er ja so schnarcht. Wird es überhaupt ein nächstes Mal geben? Ich hoffe doch. Er war heute mit zwei Arbeitskollegen Klamotten shoppen und hat mir ein paar Bilder aus der Umkleidekabine gesendet. Ich bin positiv überrascht, dass er den Kontakt hält. Ich hatte schon meine Befürchtungen und bin umso glücklicher, dass sie sich nicht bewahrheitet haben.

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Es sind nun zwei Wochen vergangen und die Angst, dass er das Interesse verloren haben könnte, ist zurück und stärker als je zuvor. Er hat mir schon seit drei Tagen nicht mehr geschrieben. Ich sitze an meinem Esstisch im Wohnzimmer, höre Say Yes To Heaven, eines der neuen Lieder von Lana Del Rey, und muss bitterlich weinen. Ich dachte, er mag mich. Ich dachte, es könnte etwas aus uns werden, trotz der Entfernung. Das hätte mir nichts ausgemacht. Wie kann man einer Person so schnell egal werden? Ich verstehe das nicht. Am nächsten Tag bei der Arbeit tut mir sogar das Einatmen weh. Es ist als ob meine Seele wund wäre. Dauernd kämpfe ich mit den Tränen. Ich kann mit dieser Situation nicht mehr umgehen. Ich kann mit dieser Ungewissheit nicht leben. Aus Verzweiflung fertige ich eine Nachricht für ihn in der Notes App in meinem Handy an.

" Hey, ich weiß Du hast gerade viel um die Ohren wegen Deiner Ausbildung und so und ich möchte Dich nicht weiter nerven oder unter Druck setzen. Man muss ja nicht ständig in Kontakt sein, man hat ja auch andere Dinge zu tun aber das nicht melden ist leider schlimm für mich. Wenn Du nichts mehr mit mir zu tun haben willst, sag es einfach, dann weiß ich Bescheid und was Sache ist :) "

Nachdem ich alle Worte mit Bedacht ausgewählt habe, sende ich die Nachricht während meiner Mittagspause ab. Gehe dann aber in den Offline Modus, weil es mir vor seiner Antwort graut.

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Gegen Feierabend gehe ich wieder online und sehe, dass er mir eine Antwort geschrieben hat. Dass es ihm leid tut und dass er jetzt ein schlechtes Gewissen hat. Dass ich mir keine Sorgen machen brauche. Mir fällt ein Felsbrocken vom Herzen.

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Aber das Glück währt nicht lange und schon knapp zwei Wochen später das gleiche Spiel. Ich habe aber nicht mehr die Kraft mitzuspielen. Ich habe ihn vor zwei Tagen "getestet". Ich schickte ihm ein lustiges Meme, worauf er sofort mit einem Lachemoji antwortete. Danach habe ich ihm nichts mehr geschrieben. Ich will sehen, ob er überhaupt noch etwas von selber schreibt bzw. eine Konversation beginnt.

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Tut er nicht. Es ist der Tag des Hinspiels der Relegation an dem der VfB Stuttgart gegen den Hamburger SV um den Klassenerhalt spielt. Es wird um 20:45 Uhr live im Fernsehen übertragen. Ich fühle mich so schlecht und habe keine Kraft, den Fernseher anzumachen. Ich rolle mich in meine Couchdecke und schlafe irgendwann ein. Ich träume wirr und wache auf und sofort übermannt mich meine Trauer und Hoffnungslosigkeit. Ich japse nach Luft, renne zu meiner Balkontür und öffne sie hastig. Dann trete ich schnell auf den Balkon und nehme erstmal einen tiefen Atemzug. Erst jetzt kann ich richtig Luft holen. Was war das denn gerade? Sowas habe ich in 32 Jahren noch nie erlebt. War das sowas wie eine Panikattacke? Ich bin schockiert, was für ein Ausmaß das ganze angenommen hat und was für Auswirkungen das heute auch auf meinen Körper hatte. Ich gehe wieder ins Wohnzimmer und fange an zu weinen. Ich gehe auf die Knie und falte sogar meine Hände zum Gebet während die Tränen in dicken Tropfen auf meine Hände fallen. Ich glaube nicht an Gott aber in diesem Moment sehe ich mich gezwungen zu Beten. Ich bitte Gott, dass er mich nie wieder verlieben lässt. Und immer wieder habe ich die selbe Frage im Kopf: Warum bin ich ihm so egal? Der VfB hat 3:0 gewonnen, wenigstens ist auf ihn Verlass.

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"Say yes to heaven. Say yes to me." He said no to heaven and he said no to me."
Der Sommer kommt, die Hoffnung, dass er mir jemals wieder schreibt, schwindet. Ich fühle mich auch ein wenig benutzt. Ich war ihm recht für seine "Winterdepression" und nun, da der Sommer beginnt und es ihm wahrscheinlich durch die Wärme und Helligkeit der warmen Jahreszeit besser geht, brauch er mich nicht mehr. Ich denke dabei an das wunderschöne Lied von Robbie Williams "Eternity". Ich dichte eine Liedzeile um in meinem Kopf: "I was there for Winter Dreaming and I gave you what you need. And I hope you'll find your freedom. For eternity."

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Heute Abend sitze ich mit Al auf der Terrasse einer schicken Cocktailbar und genieße die Wärme und den schönen Ausblick über unsere Stadt. Vor uns zwei leckere Longdrinks. Der Sommer könnte so schön sein. Aber ein dummer Liebeskummer muss alles überschatten. Das ist das schlimmste daran. Tolles Wetter, tolle Freunde, ein gebuchter Urlaub vor mir und ich bin traurig, weil ein Typ mir nicht schreibt. Das ist doch lächerlich. Aber es ist die Wahrheit. In diesen Tagen gehen mir sehr viele Fragen durch den Kopf. Würde er mir schreiben wenn ich schöner wäre? Wenn ich interessanter wäre? War ich nicht gut genug im Bett? (Verdammt, ich hab ihm den Finger in den Arsch gesteckt!!) Findet er mich nicht klug genug? Bin ich nicht liebenswert? Warum bin ich nicht genug? Wie eine kaputte Schallplatte wiederholen sich die Fragen. Auch diese Hoffnungslosigkeit macht mich fertig. Ich habe gedacht, endlich jemanden für mich gefunden zu haben. Soll ich jetzt wieder jahrelang warten bis mich jemand küsst? Bis jemand Interesse an mir hat? Ich will das nicht. Ich bin keine 20 mehr. Ich bin nicht mehr blutjung und habe das ganze Leben noch vor mir. Es ist so furchtbar und es scheint auswegslos. Mein Selbstwert, wenn ich jemals so etwas besessen hatte, ist total am Boden. Ich fühle mich hässlich und ungeliebt.

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Es ist der 9. Juni und ich sitze mit meiner Mutter im Flieger nach Bulgarien, um dort unseren Urlaub zu verbringen. Wir waren beide vor 5 Jahren schon mal dort und fanden es klasse. Ich habe auf der Check24-App ein grandioses Hotel für uns ausgesucht. Wir werden dort für 10 Tage bleiben. Das Hotel mit dem klangvollen Namen "Dreams Sunny Beach" liegt direkt am Goldstrand. Auf den Bildern in der App sehen die zwei Pools so groß aus. Ich liebe große Pools. Ich bin schon sehr gespannt. Der Flieger landet, wir fahren mit dem Hotel-Transferbus ungefähr eine halbe Stunde. Im Hotel angekommen geht es zuerst zum Check-In und dann bringen wir die Koffer auf unsere Zimmer. Unsere Zimmer liegen nebeneinander, was sehr praktisch ist. Ich buche uns immer getrennte Zimmer, denn ich brauche meine Privatsphäre. Nachdem wir unsere Sachen alle in den Hotelschrank verstaut haben, gehen wir die große Hotelanlage erkunden. Es gibt viel zu sehen. Die Pools sind auch in Echt so groß. Das Hotel verfügt auch über ein Gym, einen Wellnessbereich, drei Bars und einen hauseigenen Doktor. Ich mache schon mal ein paar Bilder und schieße auch ein paar Selfies, die ich dann in meiner Insta-Story und in meinen WhatsApp-Status poste. Puja sieht sich gelegentlich meinen Status an aber es herrscht immer noch Funkstille. Das ist echt ätzend.

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Meine Mutter hat sich schon einige Tage vor unserem Abflug über Schmerzen im Magenbereich beklagt und hat Tropfen dagegen in der Apotheke besorgt. Leider helfen diese nicht und die Schmerzen werden immer schlimmer. Ich schlage vor, den Doktor im Hotel aufzusuchen. Sie aber meint, es würde bestimmt bald besser werden. Meine Mutter verliert nach ein paar Tagen Aufenthalt auch noch den Appetit. Ihr wird schon schlecht, wenn sie Essen nur riecht. Da wir einen All-Inclusive-Urlaub gebucht haben, könnten wir fast rund um die Uhr hier essen. Leider muss ich oft alleine in den Speisesaal, da meine Mutter den Geruch nicht mehr ertragen kann. Eines morgens, als wir uns zum Frühstück treffen wollen, sind die Schmerzen so stark, dass sie nun doch den Arzt aufsuchen möchte. Dieser ist freundlich und kann auch ein bisschen Deutsch. Er untersucht sie und stellt einen fast vollendeten Darmverschluss fest. Die ganze Zeit über dachten wir, es wäre der Magen, der ihr Probleme bereitet. Wäre es ein vollendeter Darmverschluss müsste man sofort operieren. Das ist für uns beide erstmal ein Schock. Meine Mutter bekommt jetzt Infusionen und muss sich mehrmals am Tag beim Doktor melden. Die meiste Zeit verbringt meine Mutter nun auf ihrem Zimmer im Bett. Sie hat seit Tagen nichts mehr gegessen. Manchmal gehe ich alleine an den nicht weit entfernten Strand um klare Gedanken zu fassen. Meine Tante und meine Schwester habe ich bereits informiert, wie schlecht es meiner Mutter geht. Es steht laut dem Doktor sogar die Frage im Raum, ob sie überhaupt flugtauglich ist. Ich bin am verzweifeln. In so einer Situation hätte ich mich auch gern an Puja gewendet aber er kriegt ja von all dem nichts mehr mit.

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Am 18. Juni geht unser Flug zurück nach Deutschland, sie ist soweit bei Kräften, sodass wir fliegen können. In Deutschland bringt sie meine Schwester am nächsten Tag in die Notaufnahme in unserer Stadt. Sie muss operiert werden. Es gibt Verwachsungen im Darm, die entfernt werden müssen. Den ganzen Tag warte ich auf den Anruf des Krankenhauses, dass die OP gut verlaufen ist. Als dieser ausbleibt, rufe ich abends selbst dort an und stelle mir das Schlimmste vor. Aber alles ist gut, das Personal hat nur vergessen, mich zu kontaktieren aber klärt mich nun auf. Die Operation dauerte insgesamt ganze 7 Stunden, da es zu Komplikationen kam. Ihr wurde ausversehen der Harnleiter durchtrennt, dieser musste erst genäht werden. Am nächsten Tag besuchen meine Schwester und ich sie im Krankenhaus. Sie ist noch ziemlich bleich und geschwächt. Aber wir sind froh, dass sie nun alles gut überstanden hat.

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Einige Wochen sind vergangen und das "Ghosting" belastet mich immer noch. Wird das irgendwann mal besser? Auf Social Media meide ich Reels und Videos zu den Themen Liebe und Beziehung. Ich nehme mir sogar vor, eine Auszeit von Instagram und Facebook zu nehmen. Morgens im Zug zur Arbeit höre ich zurzeit 432 hz, eine Tonfrequenz, die eine beruhigende Wirkung auf den Geist haben soll, ich möchte so der Traurigkeit entfliehen. Lanas "Ocean BLV" kann ich inzwischen nicht mehr hören. Ich verbinde mit diesem Album zu viel Schmerz. Mit der Ausnahme eines Liedes: A&W. Dieses höre ich sehr oft. Mir gefällt die Liedzeile:

"It's not about having someone to love me anymore, this is the experience of being an american whore"

Auch ich habe mich versucht in diesem Sommer etwas abzulenken und habe mir eine Datingapp heruntergeladen. Leider ohne Erfolg aber mit neuem Schmerz und neuen Erfahrungen im Gepäck...

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Es ist nun Ende September und der Sad Girl Summer ist vorüber gegangen. Den letzten Rest meines Selbstwertes werfe ich über Bord, in dem ich ihm am 30. September zum Geburtstag gratuliere. Drei Monate, nachdem er mich geghostet hat. Was da in mich gefahren ist, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht erhoffe ich mir, dass er doch wieder Kontakt zu mir haben möchte. Er antwortet "Danke dir". Und verschwindet wieder in der Versenkung. Kein "Wie geht's?", kein Interesse. Ich hätte es wissen müssen. Ich entferne ihn bei Facebook als Freund. Ich schaffe es aber noch nicht, seine Nummer aus meinem Handy zu löschen.

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Fast ein halbes Jahr später bereue ich diese Entscheidung. Ich sitze morgens um 6 Uhr in Bahn auf dem Weg zur Frühschicht. Mir geht es schon etwas besser. Die Zeit heilt zwar nicht alle Wunden, aber ich habe gelernt mit dem Schmerz umzugehen. Ich scrolle durch meine Kontakte bei WhatsApp und sehe, dass er ein neues Profilbild hat. Komisch, denn er hat es seit Jahren nicht gewechselt. Nun lachen mir zwei Menschen auf diesem Bild fröhlich entgegen. Er und eine dunkelhaarige Frau. Sie sitzen sehr eng nebeneinander. Ich klicke auf das Bild um es größer zu machen. Seine dunklen Augen sind vor Lachen nur noch Schlitze und seine Lippen haben eine ungewöhnliche Farbe. Sie sind zu rot. Ist das ihr Lippenstift, der seinen Mund ziert? Mir wird ganz flau im Magen. Dieses Bild wird sich in meine Seele brennen. Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Will das Schicksal mich verarschen? Ich leide und leide wie ein Hund und brauche ewig um über ihn hinwegzukommen (und bin es noch nicht) und er hat einfach eine Freundin gefunden? Gibt es Karma überhaupt? Das alles ist nicht fair. Das Leben belohnt seine Untat noch mit einer neuen Liebe. Es ist der blanke Hohn und wie ein Schlag ins Gesicht für mich. Ich lösche nun seine Nummer, denn ich möchte nicht demnächst ein Hochzeitsbild als sein Profilbild erblicken müssen. Daraufhin folgt eine Sinnkrise, die mich wirklich alles im Leben hinterfragen lässt.

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Ich möchte mein Leben verändern und umkrempeln, da es so nicht weitergehen darf. Dafür suche ich mir professionelle Hilfe. Marion, ein Life Coach, die ganz in der Nähe meiner Wohnung Menschen berät und unterstützt, ist mir dabei eine große und wichtige Hilfe. Bei Google habe ich ihre Kontaktdaten gefunden und sie angerufen. Bei den vereinbarten Treffen gibt sie mir interessante Tipps und neuen Input. Ich soll zuerst an meinem Selbstwert arbeiten, dem Leben vertrauen und es mir so schön wie möglich gestalten. Puja war nicht für mich gedacht. Er war nicht der Richtige für mein Leben, denn sonst wäre er geblieben. Ich soll mich auf mein Leben und andere soziale Kontakte fokussieren und neue Hobbies finden. Neues ausprobieren, vielleicht einen Volkshochschulkurs? Ich schaue nachher mal auf deren Website.

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Vor kurzem habe ich Werbung für ein neues Buch auf Instagram gesehen. Christoph Kramer, der Fußballer, hat sein erstes Buch geschrieben. Es spielt im Jahr 2006 und es geht um Liebe, Freundschaft und um seine Jugendjahre. Ich bin neugierig geworden und lade es mir auf mein Kindle. Ich lese es innerhalb von drei Tagen und bin traurig, dass ich so früh fertig damit bin. Es erreicht wirklich jeden Teil meiner Seele. Die Verletzlichkeit und der offene Umgang mit seinen Gefühlen berührt mich zutiefst. Dieses Buch ist eine wahre Seelenmassage. Da es in dem Buch unter anderem aber primär um Liebeskummer geht, fühle ich mich auf eine seltsame Art inspiriert. Ich möchte auch meinen Herzschmerz und die Geschichte dazu niederschreiben und bin mir sicher, dass es mir helfen wird loszulassen.
Da ich es etwas umständlich finde, meine Geschichte auf dem Handy abzutippen, krame ich meinen alten Laptop aus dem Schrank hervor und beginne zu erzählen...
 



 
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