Rapist trifft Alien

Kirtistic

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Fünf Prozent aller Vergewaltigungen werden von dem Unbekannten begangen, der aus dem Gebüsch kommt. Zumindest hatte er das in einem Onlineartikel gelesen. Das gefiel ihm; er gehörte gerne zu einer exklusiven Gruppe. In allen Bereichen seines Lebens.

Der Weg, an dem er stand, war einsam und abgelegen, jedoch war ein Krankenhaus in der Nähe. Er wusste, dass einige Schwestern nach der Spätschicht auf dem Weg zur U-Bahn hier vorbeikamen. Solche Details zu recherchieren war ein Teil des Vergnügens, ein wesentliche Teil. Die Tat selbst beging er dann nur noch, damit die ganze Mühe nicht umsonst war. Er stand also da und wartete. In seiner einfachen dunklen Kleidung, die er nach der Tat wegwerfen würde.

Die Frage, warum er das tat, hätte er mühelos beantworten können, auch wenn sie ihn gelangweilt hätte. Auf ihn traf keine der banalen Begründungen zu, die man in schlechten Lehrbüchern über unbefriedigte Bedürfnisse fand. Er hatte es absolut nicht nötig. Er war gebildet, sah gut aus und konnte charmant sein, wenn er wollte. Wenn er die Nacht nicht allein verbringen wollte, zog er einfach los, und es passierte nur selten, dass er allein nach Hause zurückkehrte.

Doch er verachtete die Frauen, die er so leicht verführen konnte, auf dieselbe Weise, wie er die Kunden verachtete, die auf seine geschäftlichen Versprechungen hereinfielen. Die seelische Intimität, die er darstellte, das geheuchelte Interesse, dass er aufbrachte und das diese Frauen auch in Zukunft von ihm forderten, ekelten ihn an. Beziehungen waren ein Tollhaus für Schwache.

Seine Taten waren für ihn das Gegenteil: eine Form purer Aufrichtigkeit. Hier gab es keine Lügen über Gefühle, keine Masken der Zuneigung. Er sah sich als Jäger, der Beute machte, weil er es konnte. Es gab keinen Aspekt von Trauma oder fehlgeleiteter Rache. Es war die kalte, ästhetische Zelebrierung der Dominanz über erlegte Beute.

Noch besser als die Vorbereitung war für ihn noch der Nachklang, das Wissen um den angerichteten Schaden. Er hatte sich in die Fachliteratur über die psychologischen Kurz- und Langzeitfolgen von Vergewaltigungen durch unbekannte Täter eingelesen. Er wusste genau, welche Zahnräder in einer Seele brechen, wenn das Grundvertrauen in die Welt gewaltsam zertrümmert wird. Er visualisierte die akuten Belastungsreaktionen, den Schock, die dissoziativen Zustände, in denen das Opfer den eigenen Körper verließ, um dem Schmerz zu entkommen. Und er genoss die Gewissheit der Langzeitfolgen: die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), die sich wie Rost in jede künftige Liebesbeziehung fressen würde; die chronische Hypervigilanz, bei der jeder Schatten auf der Straße sie für den Rest ihres Lebens zusammenzucken lassen würde; die schleichende Depression und der Verlust jeglicher sexueller Unbeschwertheit.

Für ihn waren diese psychischen Trümmerfelder keine bedauerlichen Kollateralschäden. Sie waren der eigentliche Zweck seiner Handlung. Auch wenn er niemals Zeuge sein würde, wie dieses Fundament eines Lebens kollabierte, eine dauerhafte, psychische Amputation, die sein Opfer jahrelang prägen würde. Es geschah so oft, dass er sich darauf verlassen konnte.

Schrittgeräusche ließen ihn aus seinen Gedanken schrecken und in den Schatten zurückweichen. Die ersten gemischten Gruppen gingen den Weg entlang. Bald war es so weit; zuerst kamen meistens die Gruppen, dann die Einzelnen.

Eine ganze Weile sah es so aus, als würde er heute Nacht nicht zum Zug kommen. Die Abstände waren zu kurz, sein Timing musste perfekt sein. Und dann kam auf einmal keine mehr. Er starrte fast eine halbe Stunde auf den leeren Weg, wollte das Vorhaben schon abbrechen und seine Sachen einpacken, als er doch noch einzelne Schritte hörte.

Das Warten hatte sich gelohnt.

Als sie schließlich sein Sichtfeld betrat, wusste er sofort, dass sie keine der gewöhnlichen Nachtschicht-Heimkehrerinnen war. Sie trug ein langes, fließendes Kleid aus leichtem Stoff, kombiniert mit einem gewebten Tuch über den Schultern, ein Stil, der eine andere, längst vergangene und idealisierte Zeit repräsentierte, irgendwo zwischen verklärtem Mittelalter und feenhafter Naturverbundenheit. Sie wirkte, als käme sie gerade aus einem Celtic Folk Konzert, eine Frau, die eine leise, selbstbewusste Weiblichkeit ausstrahlte, getragen von einem unerschütterlichen, fast naiven Glauben an eine prinzipiell gute Welt, in der man respektiert und beschützt wird.

Genau das war es, was seinen Magen mit einer kalten Hand umschloss. Diese Art von innerem Frieden ekelte ihn an. Sie schien die pure Verkörperung all dessen, was er in seinem eigenen Leben zu zerstören suchte. Sie trug eine Art seelisches Licht in sich, eine sanfte, Wärme. Und er, mit seiner kontrollierten Dunkelheit, verspürte nun das Verlangen, dieses Licht auszulöschen.

Dass sie nicht in das Schema der Krankenschwestern passte, war ihm in diesem Moment mehr als recht. Es machte sie nur umso reizvoller. Sie schien wie für ihn gemacht, eine Trophäe, deren ideelles Genick er mit Gewalt brechen wollte.

Als sie auf gleicher Höhe mit ihm war, sprang er aus dem Gebüsch und ergriff sie, noch bevor sie eine abwehrende Reaktion zeigen konnte. Er packte sie am Arm und zerrte sie mit sich in das dichte Unterholz.

Auf einem Platz, den er sich vorher ausgekundschaftet hatte, warf er sie auf die Erde. Dann ohrfeigte er sie zweimal, damit sie keinen unnötigen Lärm machte. Das hatte sofortigen Erfolg. Er konnte ihr ansehen, dass sie kurz mit einer Flucht spekulierte, sich dann aber dem Unausweichlichen beugte.

Mit einer knappen Gebärde bedeutete er ihr, die Beine zu spreizen. Sie tat es. Er kniete sich zwischen ihre Schenkel, zog ein Klappmesser heraus und schnitt ihr den Slip auf. Sie atmete schwer vor Angst. Das gefiel ihm. Er zog sich die Hose herunter, legte sich auf sie und begann sie zu vergewaltigen.

Trotz ihres deutlich wahrnehmbaren Abscheus zeigten seine Stöße körperliche Wirkung bei ihr. Sie würde es hinterher vor sich selbst nicht leugnen können, dass ihr Körper physiologisch reagiert hatte. Das war die perfekte Ironie, die er so schätzte.
„Sag ihnen später auch, wie sehr Du es genossen hast, du Schlampe“, dachte er, als ein intensiver Orgasmus ihn durchschüttelte.

Als er sie wieder ansah, blickte er in ein feenhaftes Lächeln. Das gefiel ihm nicht. Sie sollte nicht lächeln. Dass sie ihn plötzlich mit den Schenkeln und Armen umschlang, gefiel ihm noch viel weniger. Angeekelt wollte er sich losmachen. Er erschrak nicht wenig, als er merkte, dass ihm das nicht gelang. Wütend zerrte er an ihrem rechten Arm, konnte aber ihren eisernen Griff nicht lösen.
Er wollte sie gerade anfahren, als er entsetzt sah, dass ihr Lächeln sich inzwischen so breit erweitert hatte, dass es nun fast ihr gesamtes Gesicht teilte, als sei sie ein Reptil. An was zum Teufel war er da geraten?
Nun öffnete sie den Mund. Sie öffnete ihn sehr weit. So weit, dass der obere Teil ihres Gesichtes nach hinten klappte und flach, wie eine Maske am äußeren Rand eines schlauchförmigen Gebildes hing, in dessen Öffnung er nun starrte. Hätte er Bewegungsfreiheit gehabt, wäre er panisch zurückgeprallt. Die hatte er jedoch nicht. Das Wesen, das ihn umschlungen hielt, besaß übermenschliche Kräfte.

So konnte er nur entsetzt zusehen, wie sich der obere Rand des Schlundes von fleischigen Lippen zurückzog und einen perfekten Kranz kleiner, dreieckiger Zähne entblößte, die sich kreisförmig und versetzt anordneten. Als er sich über deren Zweck eine finale, schreckliche Meinung gebildet hatte, begann er in wilder Panik zu strampeln und zu schreien.

Das Schreien verstummte fast völlig, als der Schlund sich über seinen Kopf stülpte und die Zähne sich tief in seinen Hals gruben. Da sie jedoch nicht zum Abtrennen, sondern zum Festhalten gedacht waren, dauerte das verzweifelte Strampeln noch eine ganze Weile an. Er registrierte noch die erste Schluckbewegung, die ihn ein Stück in den fremden Körper hineinzog, bevor er erstickte.

Als das Wesen merkte, dass seine Beute tot war, lockerte es den Griff. Was eben noch wie menschliche Glieder ausgesehen hatte, zog sich fließend zurück, bis es vollständig im Leib verschmolz. Gleichzeitig veränderte sich die Hautstruktur, nahm langsam das Muster des feuchten Waldbodens an. Der Körper verlor jede menschliche Kontur und wurde zu einem dicken, formlosen Schlauch.

Nun nicht mehr von der Kraft des Griffes gehalten, rutschte der Körper der Beute seitlich von dem Wesen weg, bis er flach neben ihm lag.

Es dauerte etwa eine Stunde, bis das Wesen seine Beute vollständig umschlossen hatte, und drei weitere, bis der Verdauungsvorgang komplett abgeschlossen war. Dann begann die Rückverwandlung.

Kurze Zeit später ging das Wesen wieder in der Gestalt der einsamen Spaziergängerin durch die Nacht. Es war sehr zufrieden. Welch ein Glücksfall dieser Planet. Hier würden sie noch sehr lange unerkannt Beute machen können, das Wesen und andere seiner Art, die nachts einsame Wege entlanggingen und geduldig darauf warteten, dass sie aus Gebüschen heraus angegriffen wurden.
 



 
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