Anders Tell
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Sei mal normal
Es ist für mich ein großes Glück, nahe der niederländischen Grenze zu wohnen. Mit einem Schritt bin ich in Achterhoek und seinen vielen reizenden Ortschaften. Schon auf dem Weg dorthin wird mir leichter ums Gemüt. Ich will mich nicht mit Klischees abgeben, sondern Empfindungen und Erfahrungen teilen.
Der Umgang ist entspannter und weit weniger förmlich. Den Rang und die Bedeutung eines Gegenübers kann man hier selten an Äußerlichkeiten festmachen und man wird auch nicht anders behandelt, ganz gleich, wie man daherkommt.
Ich will nicht bestreiten, dass die Holländer geschäftstüchtig sind. Aber auch weit kundenorientierter. Ich habe fast immer das Gefühl, dass sich die Geschäftsleute wirklich freuen, mich zu sehen und nicht nur ein pflichtschuldiges Programm an Floskeln abspulen. Zu Zeiten vor der Einführung des EURO hatten Supermärkte Zweiwährungskassen, während sich auf deutscher Seite viele Läden geweigert haben, Gulden anzunehmen.
Ein Wort noch zum Begriff “Holländer”. Korrekterweise müsste es Niederländer heißen, denn Holland ist nur ein Teil der Niederlande. Wenn es jemand korrigiert, ist das meist ein Deutscher. Ich habe noch keinen Holländer sich darüber beschweren hören.
Charmant finde ich die allgegenwärtigen Verkleinerungsformen. Gut, die gibt es auch im Badischen und in Schwaben. In Holland nehmen diese Diminuitiven oft den Ernst oder den Schrecken aus einem Begriff. So könnte man während der Coronazeit »Mondkapje« bekommen. Zu Beginn noch handgenäht. Das klingt schon harmloser als Atemschutzmaske. Auch in verkürzenden Begriffen sind die Holländer oft sehr kreativ. So las ich an einer Registrierkasse den Hinweis »U kan oog pinnen« und rätselte eine Zeit, was damit gemeint sein könnte. Holländer pinnen selbst kleinste Beträge.
Ich könnte noch viele liebevolle Details über unsere Nachbarn beschreiben. Ein Motto ist es, was mich besonders für sie einnimmt. »Doe maar gewoon, dan doe je al gek genoeg« heißt soviel wie “Sei mal normal, das ist schon verrückt genug” und drückt das nicht britische Understatement aus. Bis heute konnte ich nicht ergründen, ob Normalsein an sich schon verrückt genug ist oder nur der Angesprochene aufgefordert wird, sich nicht exaltiert zu betragen. Gleichviel man setzt sich eben nicht in Pose und versucht nicht, durch abweichendes Benehmen aufzufallen.
Es gibt hier Orte, in denen die Grenze mitten durch die Straße verläuft. Um ihre Verbundenheit auszudrücken, haben die Bürger beide Namen auf dem Ortsschild zusammengezogen. Daraus wird dann z. B. Dinxperwick (aus Dinxperlo und Suderwick).
Ich werde auf beiden Seiten oft auf Niederländisch angesprochen. Inzwischen hat wohl die Mentalität abgefärbt und viele halten mich für einen Holländer. Die Grenze zu den Niederlanden ist ja noch um einiges länger und ich wüsste gerne, ob die Beziehungen z. B. im Emsland genauso entspannt sind. Säg et mol!
Es ist für mich ein großes Glück, nahe der niederländischen Grenze zu wohnen. Mit einem Schritt bin ich in Achterhoek und seinen vielen reizenden Ortschaften. Schon auf dem Weg dorthin wird mir leichter ums Gemüt. Ich will mich nicht mit Klischees abgeben, sondern Empfindungen und Erfahrungen teilen.
Der Umgang ist entspannter und weit weniger förmlich. Den Rang und die Bedeutung eines Gegenübers kann man hier selten an Äußerlichkeiten festmachen und man wird auch nicht anders behandelt, ganz gleich, wie man daherkommt.
Ich will nicht bestreiten, dass die Holländer geschäftstüchtig sind. Aber auch weit kundenorientierter. Ich habe fast immer das Gefühl, dass sich die Geschäftsleute wirklich freuen, mich zu sehen und nicht nur ein pflichtschuldiges Programm an Floskeln abspulen. Zu Zeiten vor der Einführung des EURO hatten Supermärkte Zweiwährungskassen, während sich auf deutscher Seite viele Läden geweigert haben, Gulden anzunehmen.
Ein Wort noch zum Begriff “Holländer”. Korrekterweise müsste es Niederländer heißen, denn Holland ist nur ein Teil der Niederlande. Wenn es jemand korrigiert, ist das meist ein Deutscher. Ich habe noch keinen Holländer sich darüber beschweren hören.
Charmant finde ich die allgegenwärtigen Verkleinerungsformen. Gut, die gibt es auch im Badischen und in Schwaben. In Holland nehmen diese Diminuitiven oft den Ernst oder den Schrecken aus einem Begriff. So könnte man während der Coronazeit »Mondkapje« bekommen. Zu Beginn noch handgenäht. Das klingt schon harmloser als Atemschutzmaske. Auch in verkürzenden Begriffen sind die Holländer oft sehr kreativ. So las ich an einer Registrierkasse den Hinweis »U kan oog pinnen« und rätselte eine Zeit, was damit gemeint sein könnte. Holländer pinnen selbst kleinste Beträge.
Ich könnte noch viele liebevolle Details über unsere Nachbarn beschreiben. Ein Motto ist es, was mich besonders für sie einnimmt. »Doe maar gewoon, dan doe je al gek genoeg« heißt soviel wie “Sei mal normal, das ist schon verrückt genug” und drückt das nicht britische Understatement aus. Bis heute konnte ich nicht ergründen, ob Normalsein an sich schon verrückt genug ist oder nur der Angesprochene aufgefordert wird, sich nicht exaltiert zu betragen. Gleichviel man setzt sich eben nicht in Pose und versucht nicht, durch abweichendes Benehmen aufzufallen.
Es gibt hier Orte, in denen die Grenze mitten durch die Straße verläuft. Um ihre Verbundenheit auszudrücken, haben die Bürger beide Namen auf dem Ortsschild zusammengezogen. Daraus wird dann z. B. Dinxperwick (aus Dinxperlo und Suderwick).
Ich werde auf beiden Seiten oft auf Niederländisch angesprochen. Inzwischen hat wohl die Mentalität abgefärbt und viele halten mich für einen Holländer. Die Grenze zu den Niederlanden ist ja noch um einiges länger und ich wüsste gerne, ob die Beziehungen z. B. im Emsland genauso entspannt sind. Säg et mol!